Oma und der öffentliche Bücherschrank

Oma und der öffentliche Bücherschrank

Seit meine Oma den Bücherschrank in der Stadt betreute, für den eine alte Telefonzelle eingerichtet wurde, hatte sie jede Menge zu tun. Aber sie tat es gerne, denn sie war eine Leseratte und freute sich über jedes neue Buch, das sich im öffentlichen Bücherschrank einfand. Das war dann auch das Verrückte an der Sache, denn Oma konnte an keinem, wirklich an gar keinem Buch vorbeigehen, ohne es sich genauer anzusehen, darin zu blättern und die ersten paar Seiten zu lesen. Und dann fand sie es so interessant, dass sie es erstmal mit nach Hause brachte.
Seitdem stapelten sich hier die Bücher, die zuerst gelüftet, dann gelesen und anschließend wieder in den Bücherschrank gebracht wurden. Lüften? Ja, wirklich. Oma war allergisch gegen Zigarettenrauch. Manchmal griff sie sogar zum Föhn und föhnte die einzelnen Buchseiten durch. »Damit wird das Klima für die Buchstaben und Worte besser«, hatte sie mir mal erklärt.
Ehrlich, das habe ich bis heute nicht verstanden, aber es konnte mir egal sein. Die Bücher allerdings waren auch mir nicht gleichgültig. Sorgsam blätterte ich sie erstmal Seite für Seite durch. Du kannst dir nicht vorstellen, was ich da schon alles gefunden habe.
Von den Eselsohren mal abgesehen, fanden sich die ungewöhnlichsten Lesezeichen. Da war vom Bonbonpapier bis zum Brausepulvertütchen aus den 60iger Jahren bis über Haarnadeln und Visitenkarten alles dabei. Das schönste Fundstück war allerdings ein Brief, den ich behalten habe, weil er mir so gut gefällt. Er war in einer feinen Handschrift von einer Eva geschrieben an ihren Hans. Junge, Junge, muss die den geliebt haben. Manchmal legte ich all meine Fundstücke vor mir auf den Tisch und überlegte, was sie wohl so alles erlebt haben mussten, wo sie gewesen sein könnten und ob die Leute, die sie in den Büchern vergessen hatten, jung gewesen waren oder alt, glücklich oder traurig, aufgeregt und gelangweilt, und in meinem Kopf entspannen viele neue Geschichten. Die könnte alle jemand in ein neues Buch, nein, in viele neue Bücher packen. Aufregend war das, echt wahr.
Das war doch eine großartige Idee – ich sollte Geschichten schreiben, Büchergeschichten.
»Oma!«, rief ich laut und warte auf eine Antwort.
»Oma, ich habe eine Idee!«, versuchte ich es noch einmal. Keine Reaktion!
»Oma, ich werde ein Buch schreiben!«, kreischte ich, so laut ich konnte.
»Das sagen sie alle!«, rief Oma und die Stimme kam ganz aus der Nähe. Komisch!
»Und rate, wie viele von ihnen dann tatsächlich ein Buch schreiben!«
»Nicht viele?«, fragte ich, doch das interessierte mich gerade weniger. Nein, was für mich gerade viel spannender war, war die Frage: Wo steckte Oma? Ihre Stimme klang, als hockte sie in dem Buch, das vor mir lag, irgendwo zwischen den Seiten. So nah klang sie. Nah und unsichtbar. Träumte ich das gerade?
Ich blätterte das Buch durch, fand aber gar nichts darin, auch Oma nicht, obwohl mich das gar nicht gewundert hätte.
Jetzt stand sie plötzlich neben mir und schaute mir über die Schulter.
»Wo warst du denn?«, fragte ich.
»Hier, wo sonst?« Oma sah mich verwundert an.
»Die ganze Zeit?«, wollte ich wissen.
»Klar!«, sagte Oma und nahm mir das Buch aus der Hand.
»Aha!«, sagte sie und lächelte vielsagend.
»Vielleicht war ich auch kurz in Narnia, schau, die Schranktür ist noch offen!«
Das konnte sie erzählen, wem sie wollte, aber ich würde ihr das nicht glauben! Ihr vielleicht?

© Regina Meier zu Verl

Bohnen, mal wieder

Es bleibt unser Thema, fast finde ich es schon lustig!
Mama: „Weißte, ich kenne solche Bohnen gar nicht. Früher gab es die so nicht. Woher hast du die?“
Sie spricht über meinen Bohnensalat, den sie heute Mittag zu Bratenfleisch und Kartoffelpüree bekommt.
„Sie sind aus dem Glas. Bei uns gab es doch früher auch Bohnensalat, von Bohnen, die du eingemacht hattest!“, sage ich.
Sie wehrt ab: „Ich habe nie Bohnen eingemacht! Wir stampften die immer ein, als Fitzebohnen!“
„Das war ganz früher, Mama. Als ich Kind war, da gab es auch Brechbohnen aus dem Glas, genau wie heute. Du hast doch auch oft Bohnensalat gemacht!“
Sie schüttelt den Kopf. „Habe ich nicht, ich habe nur Schnippelbohnen gekocht, du mochtest du doch so gerne!“

Da hatten wir es wieder, das Thema „Die mochtest du doch so gerne!“

Gab es HIER Die Flucht vor den Speckbbohnen
und hier auch: Alles klar, Mama

Kleine Künstlerinnen

Kleine Künstlerinnen

Kira und Anni haben sich zu einem Malkurs angemeldet. Sie freuten sich schon sehr darauf, auch wenn das Wetter in den Sommerferien super war und das Freibad der angesagteste Ort der Welt momentan.
„Vielleicht malen wir ja draußen. Das hätte den Vorteil, dass die Farben schneller trocknen“, meinte Kira und kicherte.
Anni kicherte erst mal auch. Das tat sie stets, wenn andere lachten oder kicherten. Damit lag sie immer richtig. Dann aber wurde sie ernst.
„Man kann beides machen und viel mehr“, sagte sie. „Schwimmbad geht immer, vor dem Malkurs und danach auch. Und Eis essen geht auch immer. Wir können das alles dann auch gleich malen.“
„Anni, du bist genial, du hast immer für alles eine Lösung!“ Kira bewunderte ihre Freundin sehr, mit ihr schien das Leben ein wenig leichter zu sein. Sie selbst machte sich einfach zu viele Gedanken! So auch jetzt gleich wieder. Gleich nämlich kamen ihr Zweifel. Wir können das alles dann auch gleich malen, hatte Anni gesagt. Als ob das so einfach wäre. Sie konnte doch gar nicht malen. Noch nicht. Wie also sollte sie Leute im Schwimmbad oder in der Eisdiele zeichnen? Strichmännchen etwa?
„Leute malen wir erstmal nicht“, sagte Anni auch schon. „Wir fangen mal mit Eis an, dafür brauchen wir Anschauungsmaterial, komm, wir fahren zur Eisdiele, nimm einen Block und Buntstifte mit und Wasserfarben!“, ordnete sie an.
„Okay! Bei Eis bin ich immer dabei.“ Kira strahlte und schon wenig später saßen die Freundinnen im Eiscafé Verona ganz nahe bei der Eis Theke, damit sie das Eis, das sie malen wollen, besser sehen konnten. Am besten aber sah man es, wenn es auf dem Tisch stand, und so bestellten sie ihren ersten Eisbecher, Erdbeere, Kiwi und Zitrone für Anni, Schokolade, Vanille und Engelblau für Kira. Lecker sahen die aus und hübsch mit den Waffeln, die Engelsflügeln ähnelten, und den Schokodrops als Topping. Tolle Motive zum Zeichnen.
Sie machten zuerst eine kleine Skizze, stimmten die Farben mit ihren Buntstiften ab, die Wasserfarben ließen sie erstmal außen vor, dann ließen sie sich dann das Eis schmecken.
„Oh, bene, die Damen sind Künstlerinnen!“, sagte der nette Inhaber, als er an ihren Tisch kam und ihnen über die Schulter schaute.
„Das bringt mich auf eine Idee, bitte nicht weglaufen, Senoritas!“
„Was für eine Idee?“ Anni starrte Kira verwundert an und ließ den Löffel, den sie gerade zum Mund geführt hatte, sinken.
Die Freundin starrte zurück. Knallrot war sie im Gesicht geworden und auf ihrer Stirn stand FLUCHT ganz groß geschrieben.
„W-wir sind doch keine Künstlerinnen“, stammelte sie.
„Doch, das seid ihr!“ Da war er wieder, der nette Besitzer. „Und ihr habt mich auf eine tolle Idee gebracht.“ Er zog sich einen Stuhl vom Nebentisch heran und setzte sich. „Wir machen einen Malwettbewerb!“, sagte er und grinste, wobei eine Reihe strahlend weißer Zähne zu sehen war.
„Wir nehmen eure schönen Bilder als Beispiel, wie großartig so ein gemalter Eisbecher aussehen kann!“
„Aber wir sind doch gar keine …“, stieß Kira hervor und ihr Kopf war nun so rot wie eine Tomate. Halt, nein, wie ein tiefrotes Himbeereis. Sie kam auch nicht dazu, ihren Satz zu beenden, denn Anni fiel ihr ins Wort.
„Super!“, rief sie. „Das machen wir!“
„Klar!“, stammelte Kira, „das machen wir!“
„Wir werden eure Bilder rahmen und einen schönen Text dazu schreiben. Das mit dem Rahmen und dem Text kann ich übernehmen. Selbstverständlich seid ihr beiden meine Gäste! Bestellt euch ruhig noch etwas, euer Eis ist ja ganz geschmolzen mittlerweile!“, sagte Arthuro, der eigentlich Arthur hieß und gar nicht aus Italien kam. Aber das machte ja nichts.
Schnell machten sie sich über ihre Eisbecher her und löffelten sie voller Genuss leer. Erst die mit dem geschmolzenen Eis, das nun wie eine Eissoße schmeckte, und dann die neuen zwei, drei, vier Eisbecher, die ihnen Arthuro mit immer neuen Kostproben brachte. Dann war ihnen erst einmal ein bisschen schlecht, aber es war egal. Sie waren stolz wie Oskar, was machte da schon ein wenig Bauchkneifen?
„Es ist cool, eine Künstlerin zu sein“, sagte Anni später auf dem Nachhauseweg.
Kira nickte. „Obercool.“ Und insgeheim überlegte sie, wen im Städtchen sie am nächsten Tag zum Malen besuchen würden.

© Regina Meier zu Verl

Einfach mal so zwischendurch

Die Reizwortgeschichten starten erst wieder im September, weil wir alle drei gerade gut eingespannt sind und andere Dinge Vorrang haben müssen oder dürfen, denn einiges ist auch angenehm und braucht einfach ein wenig mehr Zeit.

Ich bin gerade viel damit beschäftigt, unglückliche Menschen wieder aufzurichten bzw. ihnen dabei zu helfen. Das ist anstrengend und abends bin ich oft so erschöpft, dass ich nicht einmal mehr zum Lesen komme und deshalb ein Hörbuch laufen lasse, das ich aber meist nach ein paar Stunden wieder abschalte und nichts gehört oder verstanden habe. Am nächsten Tag das gleiche Spiel – verrückt, oder?

Es ist ja gut, dass ich meist schlafen kann – manchmal gelingt es aber nicht und da hilft dann auch kein Hörbuch. Glücklicherweise ist das aber eher die Ausnahme. Nachts kann ich leider nicht malen, sonst täte ich das – aber da machen meine Augen nicht mit. Ich merke, dass ich nach einigen Stunden tagsüber am Bildschirm auch augenmäßig erschöpft bin.

Was mich ganz doll freut ist: Der Gesang der Flusskrebse – eines der besten Bücher, das ich in den letzten zwei Jahren gelesen habe, ist verfilmt worden und kommt am 18.8. ins Kino. Darauf freue ich mich schon sehr. Mir ist bewusst, dass der Film nicht annähernd so gut sein kann wie das Buch, aber das nehme ich in Kauf und lese halt das Buch danach noch einmal – so!

Drabble

Meine Fingerabdrücke sind drauf, ich war die einzige, die im Raum war und überhaupt hat sonst niemand den Schlüssel für die Wohnung.

Das schlechte Gewissen sitzt mir im Nacken, ich habe das Beweisrelikt tief unten im gelben Sack versenkt und hoffe darauf, dass mein Vergehen nicht entdeckt wird.

Oder sollte ich besser gleich ein Geständnis ablegen, vielleicht bekomme ich dann mildernde Umstände.

Ich entscheide mich für die Geständnisvariante und schreibe eine SMS: „Habe den Fruchtzwerg aufgegessen, bitte um Milde!“

Umgehend erfolgt die Antwort: „Warte, wenn ich nach Hause komme, dann gibt es ein Donnerwetter. Hat er dir wenigstens geschmeckt? Grins.“

Urlaubserinnerungen

Urlaubserinnerungen

„Hier ist alles anders als zuhause, aber es gefällt mir!“, sagte Bine beim Frühstück und schob sich ein Stück Wassermelone in den Mund. „Köstlich schmeckt die hier, viel besser als daheim.“
Mama lachte. „Es sind die gleichen Melonen, die wir auch bei uns kaufen können.“
„Falsch“, sagte Bine. „Es sind Urlaubsmelonen und die schmecken viel viel viel süßer. Und saftiger. Besser eben. Genauso wie Urlaubseis, Urlaubssalat, Urlaubsschnitzel und Urlaubsbrot.“
„Und was schmeckt bei all diesen „Urlaubs“-Leckereien anders?“, erkundigte sich Mama.
„Keine Ahnung. Sie riechen auch besser. Nach Ferien, Spaß und … nach Urlaub eben!“, antwortete Bine. Sie schmatzte.
„Das liegt an der Luftveränderung!“, behauptete Papa, der immer alles erklären wollte. „Denk doch mal an den Wein auf Sardinien, Annette! Den genossen wir dort auf der Insel mit Freuden und zu Hause konnte man ihn nicht genießen. Dies liegt an der Luft, am Meer, an der Sonne und so.“
„Auch weil im Urlaub alles viel mehr Spaß macht. Und weil wir mehr Zeit zum Essen und Trinken haben als daheim. Das kann man alles schmecken“, krähte Bine.
„Zeit kann man schmecken?“ Verständnislos sah Papa Bine an.
Mama aber nickte. „Wie recht du hast, Binekind“, murmelte sie.
„Wir können doch daheim versuchen, dieses Urlaubsgefühl zu behalten!“, überlegte Bine und ihre Augen strahlten. „Das wäre cool.“
Da seufzte Mama. „Das ist nicht so einfach, mein Schatz! Wenn der Alltag uns in seinen Fängen hat, vergisst man schnell alle guten Vorsätze.“
„Stimmt.“ Papa stellte eine leere Limoflasche auf den Tisch. „Aber das muss nicht so sein. Lasst uns ganz viele schöne kleine und große Momente in diesem Urlaub sammeln. Die packen wir in diese Flasche hinein und stellen sie daheim neben Salz- und Pfefferstreuer auf den Esstisch.“
„Super!“, rief Bine. „So machen wir das, und ich packe gleich den ersten schönen Moment hinein: Urlaub ist toll und mit allen zusammen noch toller!“

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

Urlaub, Bildquelle © Pexels/pixabay

*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*

Familie Feldhamster muss umziehen

Familie Feldhamster muss umziehen

Das Stroh ist eingefahren, riesige Rundballen lagern in der Scheune. Die Felder sind leer, kein Hälmchen mehr, keine Kornblume, kein Klatschmohn. Schon bald wird der Trecker seines Amtes walten und das abgeerntete Feld grubbern oder pflügen. Ein ewiger Kreislauf!
Während sich alle freuen, steht Marius mitten im Stoppelfeld und kämpft mit den Tränen. So schön war der Acker gewesen mit den geschmeidigen Kornhalmen und den Blüten, die so schöne Farbtupfer abgegeben haben. Oft hat er sich hier versteckt und die kleine Welt mit all den Tieren beobachtet. Und nun sind sie alle verschwunden.
„Schade“ murmelt er.
„Das finde ich auch!“, sagt eine feine Stimme. Marius kann niemanden sehen. Komisch!
„Hier unten bin ich, sei vorsichtig mit deinen großen Füßen“, sagt die Stimme wieder. Marius beugt sich hinunter und sieht einen sehr kleinen Feldhamster, der noch ganz jung sein muss.
„Oh!“ Marius ist verdutzt. „Ein Feldhamster, der sprechen kann?“
„Weiß der Himmel, warum ich eure Sprache verstehe.“
Der kleine Hamster seufzt.
„Ehrlich gesagt weiß ich es auch erst seit eben. Vielleicht sind es nur deine Worte, die mich erreichen und ich muss sagen, es gefällt mir.“
Er seufzt noch ein bisschen mehr.
„Es ist doch gut, dass man immer eine Sache hat, die sich gut anfühlt, denn ehrlich, dass ihr meine Heimat mit eurer großen Maschine zerstört habt, das, ja, das gefällt mir überhaupt nicht.“
„Ich verstehe dich so gut, lieber Hamster. Mir geht es nicht anders. Aber weißt du, wir brauchen doch das Korn, um es zu mahlen und aus dem Mehl dann Brot und Kuchen zu backen!“, versucht Marius dem Hamster zu erklären. So hat er es gelernt und es leuchtet ihm auch ein. Allerdings haben die Menschen früher nicht so riesige laute Maschinen dafür benutzt und die sind trotzdem satt geworden, oder? Aber das sagt er dem Hamster besser nicht, er würde es nicht verstehen.
„Mehl? Brot? Kuchen? Braucht ihr Menschen das?“ Fragend sieht der kleine Kerl Marius an.
„Ich kann zwar deine Worte verstehen, aber was sie mir sagen möchten, verstehe ich nicht immer.“
„Ob wir das unbedingt brauchen? Das weiß ich nicht, aber es ist lecker. Warte, ich glaube, ich einen Keks bei mir, dann kannst du mal probieren!“ Marius wühlt in seinen Hosentaschen und findet tatsächlich ein kleines Paket Butterkekse für den Notfall.
Vorsichtig nimmt der kleine Hamster das seltsame Ding, das sich Keks nannte, in seine Pfötchen und schnuppert, dann probiert er, vorsichtig, ein bisschen misstrauisch auch, kaut, schluckt, beißt noch einmal ab und ein Strahlen überzieht sein Gesichtchen. „Hmmmm!“, macht er und noch einmal: „Hmmmm!“
Marius grinst. Es schmeckt dem Hamster, es ist nicht zu übersehen und zu überhören.
„Siehst du, ich habe es doch gesagt, Kekse sind lecker!“, sagt er und beißt selbst noch einmal genüsslich ab.
„Und dafür muss man das Korn mahlen?“, fragt der kleine Hamster.
„Ja, genau. Man mahlt es zu Mehl und dann kommen ein paar weitere Zutaten dazu und es wird im Ofen gebacken. Brot ist auch sehr lecker und Kuchen auch. Wenn du willst, bringe ich dir beim nächsten Mal kleine Kostproben mit“, schlägt Marius vor.
„Oh ja, oh ja, das wäre mir eine Freude, aber…“ Der kleine Feldhamster macht eine Pause und ringt nach Worten.
„Ein nächstes Mal, das wird nicht möglich sein. Noch heute Abend werde ich mit meiner Familie umziehen, irgendwohin, wo die Menschen uns unsere Nahrung nicht wegnehmen. Schade, oder nicht?“ Er deutete eine kleine Verbeugung an.
„Aaaber … du musst mir nur sagen, wohin ihr zieht, dann werde ich dich besuchen und bringe Kuchen mit, halt, ich habe eine noch bessere Idee …“ Marius will den kleinen Freund nicht so schnell wieder verlieren, deshalb will er ihn überreden, zu ihm in den Garten zu ziehen. Da gibt es einige schöne Stellen, wo er sich mit seiner Familie einrichten könnte, und niemand würde sie stören.
Während er noch überlegt, wie er dem kleinen Hamsterfreund seinen Vorschlag schmackhaft machen könnte, hallt plötzlich Mamas Stimme über das Feld.
„Marius! Hörst du mich? Marius! Kommst du? Wir wollen nach Hause fahren.“
Nach Hause? Jetzt schon?
„Komme gleich!“, ruft er schnell und überlegt fieberhaft, was nun zu tun ist.
„Lieber Hamster, können wir uns hier morgen früh noch einmal treffen? Ich würde dich und deine Familie gern in unseren Garten einladen. Aber ich muss das erst vorbereiten und dann brauche ich ja auch einen Korb oder sowas, in dem ihr mit mir auf dem Fahrrad mitfahren könnt!“
„Mit dem Fahrrad?“, fragt der Hamster ängstlich. „Ist das denn nicht gefährlich? Und wie sollen wir dann wieder nach Hause kommen? Und überhaupt. Ich würde sagen …“
Mehr sagt der Hamster nicht mehr, das heißt, mehr kann Marius nicht mehr hören, auch wenn er noch so sehr die Augen aufreißt und nach ihm Ausschau hält: Der Hamster ist verschwunden.
„Seltsam!“, murmelt er und reibt sich die Augen.
„Was hat ihn so erschreckt und wie konnte er verschwinden? Ich habe gar nichts gesehen. hm?“
„Komm jetzt, Marius“, ruft die Mutter schon wieder. „Und träume nicht andauernd.“

Natürlich setzt sich Marius am nächsten Morgen auf sein Rad und fährt zu dem abgeernteten Feld. Ob er da den Feldhamster antrifft? Oder hat er das nette Gespräch mit ihm nur geträumt.
Als er aber an der Stelle vom Vortag einen halben Butterkeks entdeckt, musste ja wohl etwas dran gewesen sein an der Geschichte, oder?

© Regina Meier zu Verl

Dies ist Hubert, so ähnlich könnte der kleine Feldhamster ausgesehen haben, Habt ihr ihn gesehen? (Bild Regina Meier zu Verl)

Schulanfang – Gedicht

Schulanfang

Lebt wohl, ihr alle im Kindergarten,
ihr müsst nun nicht mehr auf mich warten.
Ich bin ein Schulkind, wirklich wahr,
der große Tag ist endlich da.

Ich lerne rechnen, schreiben, lesen,
bin kürzlich schonmal dagewesen
und fand es dort recht angenehm,
ob das so bleibt, werden wir sehn.

Mein toller Tornister ist eine Wucht,
Mama und ich haben lange gesucht,
er ist kunterbunt mit Glitzerkristallen,
sicher ist er der schönste von allen.

Am meisten freue ich mich auf die Pausen,
da werde ich über den Schulhof sausen
und hüpfen und singen, fröhlich lachen,
genauso werde ich das wohl machen!

Ich bin jetzt ein Schulkind, konnt’s kaum erwarten!
Lebt wohl dann, ihr alle im Kindergarten!

© Regina Meier zu Verl
Eine Geschichte zum Schulanfang findet ihr hier: Nadja kommt in die Schule KLICK

Bildquelle Counselling/pixabay

Sonne im Glas

Sonne im Glas

„Das ist Sonne im Glas!“, sagte Oma und hielt das Einweckglas mit Kirschen in die Höhe.
„Quatsch, das sind eingemachte Kirschen!“ Opa tippte sich mit dem Zeigefinger an die Stirn.
„Genau! Sie sind die Kinder der Sonne. Das weiß doch jeder.“
Opa schüttelte verwundert den Kopf.
„Was du immer für Ideen hast! Aber wenn ich es so recht überdenke …“
Oma lächelte und wartete auf Opas nächsten Satz. Der kam aber nicht, also half sie nach: „Wenn du es so recht überdenkst, dann…“
„Dann bist du eine Künstlerin, meine Gute! Meine geliebte kleine Künstlerin, die es vermag, die Sonne in kleinen Früchten einzufangen und sie für uns aufzubewahren für dunkle Zeiten, die bald wieder kommen werden.“
Er leckte sich über die Lippen.
„Und nun freue ich mich noch mehr auf den Kirschkuchen, den du uns dann als kleinen Sonnengruß backen wirst.“
„Das werde ich sicher tun, aber später. Vorerst gibt es noch so viele frische Früchte im Garten, die wir direkt schnabulieren können, mein Lieber!“, sagte Oma und machte sich schon wieder auf den Weg in ihren geliebten Garten. Opa folgte ihr, doch auf halbem Weg machte er Halt.
„Ich glaube, ich habe da gerade eine Idee“, brummte er, und wie immer, wenn er eine Idee hatte, wurde sein Gesicht hochrot vor Aufregung.
Oma stöhnte. Sie kannte die Ideen ihres Mannes und fürchtete sie ein bisschen.
Sie hörte ihn im Schuppen herumwerkeln und dann pfiff er vergnügt seinen Heimwerkersong. Oma sang mit „Wer will fleißige Opas sehn, der muss in den Schuppen gehn!“
Es dauerte auch gar nicht lange, da kam ihr Mann mit der Schubkarre angefahren, auf die er viele Bretter und seinen Werkzeugkoffer gestapelt hatte.
Oma erschrak. „Was hast du vor? Ich dachte, du würdest mir bei der Aprikosenernte helfen. Sieh nur, der Baum ist in diesem Jahr voller reifer Früchte und die müssen geerntet werden.“
Sie lächelte und fuhr mit verlockend klingender Stimme fort: „Du liebst doch Aprikosenmarmelade und Linzer Torte so sehr, Liebling, oder? Die Aprikosen warten. Viele kleine Sonnenküsschen.“
„Selbstverständlich, meine Liebste, helfe ich dir bei der Ernte der leckeren Aprikosen! Anschließend musst du mir dann auch helfen, ich möchte Schilder an die Bäume machen: Sonnenkirschen, Sonnenaprikosen, von der Sonne geküsste Zwetschgen und was wir noch alles so in unserem Garten haben und dann laden wir die Nachbarn ein und machen ein Früchtefest und von allem, was wir im Überfluss haben, dürfen die Nachbarn miternten. Was hältst du davon? Aber warte. Ich bin gleich wieder hier. Ich … ich habe noch ein Geschenk für dich.“
„Ein Geschenk?“ Oma stemmte die Arme in die Seite. „Ich habe doch noch gar nicht Geburtstag. Seltsam.“
Aber da war Opa schon im Schuppen verschwunden. Es rumpelte ein wenig und Oma konnte ein paar unfeine Flüche hören, dann kehrte Opa zurück. In den Händen hielt er feierlich zwei Gläser.
„Sonnengläser“, rief er ihr entgegen. „Wir hängen sie in die Bäume. Sie fangen das Sonnenlicht auf und leuchten in der Nacht. Ich wollte sie dir eigentlich zum Geburtstag schenken, aber sag, ist nicht jetzt die passende Gelegenheit dazu?“
Oma lächelte. „Du bist der beste Ehemann von allen!“, sagte sie und drückte Opa einen dicken Schmatzer mitten auf die Schnute.
Was passiert nun mit dem Holz, möchtet ihr wissen? Daraus werden Schilder gemacht, aber das ist schon wieder eine ganz neue Geschichte!

© Regina Meier zu Verl

Diese herrlichen Aprikosen bringen sicherlich viel Sonne ins Glas – Photo by Tetyana Kovyrina on Pexels.com