Oma Betty und die Veilchen

Oma Betty und die Veilchen

Eine weitere Geschichte von Oma Betty, die so allerhand erlebt und es mit Freuden an ihre Enkelkinder weitergibt. Viele Geschichten entstehen auf diese Weise. Viel Spaß beim Lesen und Vorlesen.

Oma Betty und die Veilchen

Heut ist ein wunderbarer Tag, endlich ist der Frühling gekommen. Oma Betty und ich genießen die Sonne im Garten.
„Guck doch mal hier!“, ruft Oma Betty begeistert. „Veilchen!“
„Ich sehe keine Veilchen!“, behaupte ich und sehe auch wirklich nichts. Oma Betty zieht an meinem Arm.
„Du musst dich schonmal etwas bücken, von da oben siehst du sie nicht!“
Ich bücke mich und entdecke winzige blaue Blüten im Rasen.
„Okay!“, sage ich, „Kann ich jetzt wieder gehen?“
Oma Betty ist entsetzt über meine gleichgültige Reaktion. Für sie sind die Veilchen im Rasen eine Sensation, das spüre ich deutlich. Sie sitzt in der Hocke vor den zarten Blümchen und freut sich. Ich würde das zu gern knipsen, habe aber leider Handyverbot.
„Oma, ich würde sie gern für dich fotografieren, darf aber mein Handy nicht benutzen diese Woche!“, erkläre ich und hoffe insgeheim, dass Oma mir ihres anbietet.
„Tja, da kann man nichts machen!“, sagt sie und fügt hinzu: „Die Schönheit dieser Frühblüher kann man sowieso nicht ablichten, die muss man genießen und erschnuppern!“
„Erschnuppern?“
„Die kleinen Blüten haben nämlich einen Trick, weil sie so klein sind und von den Menschen kaum wahrgenommen werden, verströmen sie einen bezaubernden Duft. Riech doch mal!“
Oma Betty legt sich auf den Bauch und schnuppert, aus der Hocke heraus wäre das nicht möglich gewesen, denn dann wäre sie umgefallen.
Ich lasse mich ebenfalls auf den Bauch fallen und rieche an den Veilchen und tatsächlich, der Duft ist super, er erinnert mich an irgendwas, das mir gerade nicht einfällt. Gerade will ich noch eine Nase voll nehmen, als Oma wohl die gleiche Idee hatte und wir beide mit den Köpfen zusammenstoßen. Aua! Das tat weh, aber lustig war’s auch und ein bisschen kann ich Oma Bettys Begeisterung für die kleinen blauen Blüten nun verstehen.

© Regina Meier zu Verl

Weitere Geschichten von Oma Betty:
Oma Betty meditiert

Weiberfastnacht

Oma Betty und das Lieblingsweihnachtslied

Jonas, Zwiebelchen und der Muttertag

Jonas, Zwiebelchen und der Muttertag

Jonas, Zwiebelchen und der Muttertag

Der kleine Apfelschimmel Zwiebelchen steht auf der Wiese. Er lässt sich das frische Gras schmecken. Es ist eine Freude, ihm dabei zuzuschauen. Ab und zu schüttelt er seine zottelige Mähne, dann sucht er weiter mit seinem weichen Maul nach dem leckeren Grün.
Na, Zwiebelchen, ist es dir nicht zu langweilig, so allein hier?“, fragt Jonas, der vor dem Mittagessen schnell noch einen Besuch bei seinem Freund macht.
„Schau her, ich habe dir etwas mitgebracht!“ Jonas holt eine trockene Brotscheibe aus seiner Hosentasche. Die hat er in der Küche stibitzt.
„Mama mag dich auch sehr gut leiden, deshalb ist es sicher nicht so schlimm, dass ich das Brot genommen habe. Weißt du, meine Mama ist die beste Mama von allen!“, erzählt er dem Pferd, das genüsslich kauend zuhört.
„Wo ist eigentlich deine Mutter? Schade, dass du mir nicht antworten kannst. Vielleicht sollte ich den Bauern mal fragen.“ Jonas setzt sich ins Gras. Die Sonne meint es schon gut an diesem Tag in Mai. Endlich kann man wieder ohne Jacke nach draußen gehen. Wunderbar. Alles fühlt sich so leicht an. Jonas lässt sich zurückfallen ins weiche Gras, und es dauert gar nicht lange, da ist er eingeschlafen.
Er träumt von Zwiebelchen, der mit seiner Mutter, einer hübschen Schimmelstute auf der Wiese steht. Es sieht so aus, als ob die Pferde miteinander reden. Jonas lauscht. So gern möchte er wissen, worüber sie sprechen. Aber er kann nichts verstehen. Als sich eine Fliege auf Jonas’ Nase setzt, muss er niesen. Die Pferde erschrecken und galoppieren davon. ‚Bleibt doch!’, ruft Jonas. Doch mit schwebender Leichtigkeit sind sie über das Gatter gesprungen und verschwinden im Wald. Jonas läuft ihnen nach, immer weiter und weiter. Er verliert sie aus den Augen, denn sie sind viel schneller als er. Erschöpft lässt er sich auf den Waldboden fallen. „Mama!“, ruft er, denn es ist dunkel im Wald und er hat sich verlaufen. „Mama!“
„Hier bin ich!“, sagt eine helle Stimme. Jonas öffnet die Augen und schaut in das Gesicht seiner Mutter. Erleichtert springt er auf.
„Oh Mama, ich habe wohl geträumt; im Traum habe ich mit verlaufen …“
Die Mutter nimmt Jonas in den Arm.
„Glücklicherweise bist du nur eingeschlafen. Ich habe dich gesucht und plötzlich hörte ich dich rufen. Da bin ich wohl zur rechten Zeit gekommen.“
„Ja, das bist du. Ich hatte solche Angst! Das arme Zwiebelchen hat keine Mutter, die immer da ist. Mama, ich habe dich so doll lieb!“
Mama lächelt. Ihr Jonas ist ein wunderbarer Junge.
„Zwiebelchen kann schon ganz gut allein auf sich aufpassen und ein bisschen kann ich ja auch seine Mutter sein, wie findest du das?“
„Gute Idee! Und weil doch am Sonntag Muttertag ist, machen wir dann alle zusammen ein Picknick hier, Zwiebelchen, du und ich, okay?“

Hier auch zum Anhören

© Regina Meier zu Verl

Eine weitere Muttertagsgeschichte findet ihr hier: Mamas Herzenswunsch

Teddys Klagelied

Teddys Klagelied

Teddys Klagelied

Ich liege unterm Kinderbett,
und fühle mich alleine.
Hier unten ist es gar nicht nett
und auch, so wie ich meine,
ist es hier dunkel und verschmutzt.
Wann kommt denn endlich einer?
Wann wird denn endlich hier geputzt?
Warum sucht mich denn keiner?

Ich bin ja nicht der Jüngste mehr,
mir fehlt bereits ein Auge,
doch liebte man mich einst so sehr.
Ob ich nun nichts mehr tauge?
Wie gern wär ich bei meinem Kind,
das mich dann herzt und küsste.
Ob’s nur noch schöne Träume sind?
Ach, wenn ich das nur wüsste!

Es war so eine schöne Zeit,
die viele Jahre währte
und jetzt plagt mich die Einsamkeit,
sie trifft mich voller Härte.
Könnte ich weinen, das wär gut
doch leider kann ich’s nicht.
Bin nur ein Kuscheltier mit Hut
und Brummelbärgesicht.

© Regina Meier zu Verl

 

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Milchbart, Schmand und Muckefuck

Milchbart, Schmand und Muckefuck

Milchbart, Schmand und Muckefuck

An diesem Tag im April war es lausig kalt.
Oma und ich hatten uns schon auf den Frühling eingestellt. Eigentlich, doch wenn wir uns etwas vornahmen, dann zogen wir das auch durch. Heute war, trotz der Kälte, die Aussaat der Sommerblumen dran gewesen. Nach einer Stunde waren wir so durchgefroren, dass nur noch ein heißer Kakao uns retten konnte. Also zogen wir die Gummistiefel aus, wuschen unsere Hände gründlich und machten es uns auf in Omas Küche.

Vorsichtig pustete ich in den Kakaobecher. Ich beobachtete die winzigen Wellen auf der Milch und wartete darauf, dass sich der ungeliebte Schmand bildete. „Vorsichtig, Kind!“, sagte Oma und nestelte in ihrer Schürzentasche herum. Gleich würde sie ein zerdrücktes Stofftaschentuch hervor zaubern. „Es passiert schon nichts, Oma. Du kennst mich doch!“ Oma grinste. „Eben!“, sagte sie und zog endlich das Taschentuch hervor.
Ich nahm einen winzigen Schluck und da der Kakao nicht allzu heiß war, gleich noch einen kräftigen zweiten Schluck hinterher. Genüsslich leckte ich über meine Lippen und dann passierte das, was unvermeidlich war. Oma spuckte auf ihr Taschentuch und wischte meinen Milchbart ab.

„Igitt!“, rief ich, gespielt empört und Oma lachte hell auf.
So richtig geekelt habe ich mich aber nicht, denn ich liebe meine Oma sehr.
Sie ist immer für mich da und das bisschen Spucke macht mir nichts aus, ist ja Omaspucke!
„Sag mal ein Wort mit drei „CK“!“, bat ich Oma, denn wir beide lieben Rätselaufgaben und vertreiben uns so gern die Zeit.
Oma überlegte, murmelte ein paar Wörter vor sich hin, aber immer waren es nur zwei „CK“. Ich freute mich, denn jede gewonnene Aufgabe brachte einen Punkt und diese Punkte sammelte ich. Wenn genügend zusammenkamen, dann konnte ich sie einlösen und ich sparte gerade Punkte für einen Besuch im Kino. Dafür brauchte ich genau fünfzig Stück. Peinlich genau trug ich die dann in ein extra dafür vorgesehenes Vokabelheftchen ein.
„Scheck, Speck, Schreck“, sagte Oma und „Heckmeck – das sind schonmal zwei!“, rief sie.
„Das zählt nicht, ist kein Wort!“, meinte ich. Es war aber auch egal, denn es waren ja sowieso nur zwei „CK“. Oma schloss die Augen und dachte nach. „Drecksack!“, rief sie, als sie die Augen wieder öffnete. „Aber Oma!“, rief ich empört. „Das ist ein Schimpfwort!“
Oma grinste. „Stimmt! Und es hat auch nur zwei „CK“!“, stellte sie fest. „Verflixt, mir fällt ein solches Wort nicht ein!“, schimpfte sie. „Gib mir einen Tipp, bitte!“

Entschlossen schüttelte ich den Kopf. Das ja gar nicht infrage, ich wollte Punkte sammeln und damit basta.
Nachdem sie hin und her überlegt hatte, gab sie auf.
„Nun sag schon, der Punkt gehört dir!“
„Prima, für noch einen Punkt gebe ich dir eine Hilfe!“, schlug ich vor und wartete ab.
Sie rang sich zu einem Okay durch.
„Also gut: das Wort hat nicht nur drei „CK“, sondern auch drei „U“.“
„Muckefuck!“, rief Oma begeistert, ließ aber gleich darauf die Mundwinkel wieder hängen.
„Sind nur zwei!“, stellte ich fest und freute mich auf den nächsten Punkt. „Außerdem: Was ist Muckefuck?“, wollte ich noch wissen, das Wort hatte ich noch nie gehört.“
„Das ist so eine Art Ersatzkaffee. Damals, nach dem Krieg hatten die Leute keinen, oder nur wenig Kaffee. Deshalb stellten sie Kaffee aus geröstetem Getreide her, ähnlich wie Malzkaffee.“
„Aha!“, sagte ich und fragte mich, warum man sowas machte. Kaffee war so oder so eklig, ekliger als Omaspucke, fand ich.
„Ich gebe dir noch eine Hilfe“, bot ich an. „Es kommt ein Tier drin vor!“
Omas Augen leuchteten auf. „Kuckuck!“, rief sie begeistert. „Es ist ein Kuckuck!“
„Richtig! Aber da fehlt noch was!“ Ich war sicher, dass sie nicht drauf kam und handelte um einen weiteren Punkt, doch Oma wollte etwas Bedenkzeit.
„Okay, zwei Minuten!“, gewährte ich ihr und das hätte ich nicht tun sollen denn plötzlich rief sie:
„Kuckucksspucke! Ich hab’s, Kuckucksspucke!“
Das war es, gerade gestern in der Schule hatten wir drüber gesprochen, denn sonst hätte ich es ja auch nicht gekannt. Aber Oma wusste Bescheid.
„Früher war in den Wiesen noch viel mehr Wiesenschaumkraut zu sehen und daran hing dann die Kuckucksspucke, dass ich mir das nicht gleich eingefallen ist!“
Ich kicherte. „Wenn du mir jetzt noch erklären kannst, wie die Spucke da hingekommen ist, dann werde ich dich bewundern!“
„Kann ich nicht!“, sagte Oma. Das nahm ich ihr aber nicht ab, eigentlich weiß Oma nämlich alles.
„Soll ich es dir sagen?“, fragte ich.
„Ich bitte darum, es wäre mir noch einen weiteren Punkt wert!“, meinte Oma.
„Die Schaumzikaden, das sind winzige Insekten, hinterlassen dort den Schaum, der wie Speichel aussieht. In dem Schaum legen sie ihre Eier ab. Wie in einem Nest, praktisch, oder? Und da das in der Jahreszeit geschieht, wenn auch der Kuckuck wieder ruft, hat man dem Schaum den Namen Kuckucksspucke oder Hexenspeichel gegeben, so, jetzt weißt du es!“
„Kluges Kind!“, lobte Oma anerkennend. Weitere Rätsel gab es an diesem Tag nicht, denn gerade strahlte die Sonne herrlich durchs Fenster und wir nahmen unsere Gartenarbeit wieder auf. Schließlich wollten wir einen bunt blühenden Garten haben, in dem sich die Bienen und andere Insekten wohlfühlen konnten. So hatten wir es beschlossen, und … wenn wir uns was vornehmen, dann ziehen wir das auch durch.
„Ich weiß noch ein Wort mit drei „CK“ und drei „U“!“, rief Oma mir zu. „Muckefuckschluck!“
„Stimmt, geht auch!“

© Regina Meier zu Verl

HIER auch als Hörgeschichte

Eine Überraschung für Mama

Eine Überraschung für Mama

Omas Bett steht am Fenster im Wohnzimmer. Wenn Mama das Kopfteil ein wenig höher stellt, dann kann Oma in den Garten schauen. Das gefällt ihr, denn raus kann sie nicht mehr, schon lange nicht. Sie muss fast den ganzen Tag liegen. Dadurch, dass das Bett aber nun im Wohnzimmer steht, nimmt sie am Familienleben teil und ist nicht so allein.
Ich spiele oft im Garten. Immer wieder schaue ich dann bei Oma vorbei, zeige ihr ein Blümchen, das ich gepflückt habe oder male ein Herz an die Fensterscheibe. Dabei darf ich mich aber nicht von Mama erwischen lassen. Sie mag das nämlich gar nicht.
Dieses Wochenende ist bei uns was los. Mama und Papa machen Frühjahrsputz. Jede Ecke wird aufgeräumt und entstaubt. Die Fenster werden auf Hochglanz poliert und selbst die Decken aller Räume werden geputzt. Dafür hat Mama einen weichen Lappen auf den Wischer gespannt und sie streckt und reckt sich, damit sie auch jeden Winkel erwischt. Das ist anstrengend, denn sie stöhnt in einer Tour.
Oma und ich schmunzeln bei jedem Seufzer und schauen uns wie zwei Verschworene an. Laut zu lachen, das wagen wir nicht, das würde Mama wohl ärgern. Dabei hat sie selbst es sich ja so ausgesucht und wir können ihr auch gar nicht helfen. Oma, weil sie krank ist und ich, weil ich auf Oma aufpassen muss. Das ist in diesem Fall ganz praktisch, finde ich.
Papa entrümpelt den Keller, so steht er Mama nicht im Weg und er muss auch nicht ihr Gestöhne anhören. Schließlich kann er ja nichts dafür, dass die Spinnen die Decke und Zimmerecken „bewebt“ haben. All die feinen Spinnweben, wahre Kunstwerke, verschwinden nun im Putztuch. Oma hustet, ich huste zur Gesellschaft gleich mit und wedle mit der Hand vor meinem Gesicht herum.
„Puh, staubt das hier!“, bemerke ich und fange mir einen bösen Blick von Mama ein.
„Meckern kann ich auch“, schimpft sie und macht weiter. Oma hustet schon wieder, ich auch. Papa kommt ins Wohnzimmer und wedelt ebenfalls mit den Armen.
„Das kann ja nicht gesund sein, Ingrid, denk an deine Mutter!“ Er geht zum Fenster und öffnet es weit. Im Raum wird es furchtbar kalt und Oma und ich husten um die Wette.
„Ihr macht mir doch was vor, ihr Beiden“, sagt Mama verärgert, hört aber auf, an der Decke herumzuputzen.
Als Papa das Fenster gerade wieder schließen will, steckt der Postbote seinen Kopf ins Zimmer.
„Ich habe schon drei Mal geläutet, habe einen wichtigen Brief für Sie!“, kündigt er an und überreicht Papa einen großen Umschlag.
„Schauen Sie, hier müssen Sie bitte quittieren. Er deutet auf sein Lesegerät und reicht Papa einen Stift. Papa zieht die Augenbrauen in die Höhe und staunt. Er fragt sich, was wohl in dem Brief sein wird. Als sich der Postbote verabschiedet hat, lässt sich Papa auf’s Sofa fallen, Mama daneben, gemeinsam öffnen sie den Briefumschlag. Sie lesen, dann kreischt Mama und Papa grinst, als er einen dicken Schmatz von seiner Frau bekommt.
„Du bist ja so süß, Freddy, richtig romantisch, ich bin hin und weg!“
Oma und ich schauen uns an und zucken mit den Schultern. Wir verstehen nicht, was da gerade los ist. Allerdings bin ich nicht ganz sicher, ob Oma nur so tut, oder ob sie genau weiß, was da vor sich geht. Papa sagt nämlich:
„Das ist ja sehr lieb und du darfst mich ruhig noch mal küssen, liebe Ingrid, aber ich war das nicht, Ehrenwort!“
„Was ist denn nur los?“, will ich jetzt wissen. Oma schweigt und grinst.
„Dein Vater hat mir eine Reise nach Paris geschenkt und nun tut er so, als wäre er es nicht gewesen!“, beantwortet Mama meine Frage.
Oma kichert und jetzt weiß ich auch warum: sie war das.
„Oma war’s!“, verkünde ich und bekomme einen Buff in die Seite.
„Mutter, ist das wahr?“
„Ja!“, sagt Oma. „Ich wollte euch etwas zum Hochzeitstag schenken und dachte mir, dass ihr mal nach Paris reisen solltet und den Knirps, den lasst ihr hier bei mir. Der muss Tante Elisabeth Anweisungen geben. Denn die wird sich während des Wochenendes um mich kümmern. Ihr seht, für alles ist gesorgt!“
„Aber …“, stammelt Mama, „aber, das geht doch nicht!“
„Geht!“, sagt Oma und da ist auch nichts dran zu rütteln.
Ich finde das gut, denn ich bin ja schon groß und kann Tante Elisabeth gut sagen, wo es langgeht. Vielleicht gehorcht sie sogar, wenn ich Pizza bei ihr bestelle und einen dicken Eisbecher. Wir werden sehen.

HIER auch als Hörbuch: Überraschung beim Frühjahrsputz

© Regina Meier zu Verl

Kirschzweige im Frühling

Mamas Herzenswunsch

Mamas Herzenswunsch

Mamas Herzenswunsch

Mamas Herzenwunsch

Wenn man Mama fragt, was sie sich wünscht, sagt sie immer:
„Ich wünsche mir, dass der Pit kommt und sagt, dass alles wieder gut ist!“
Der Pit ist mein großer Bruder. Er wohnt nicht mehr bei uns. Was damals passiert ist, weiß ich gar nicht mehr so richtig. Mama spricht nicht gern drüber.

Es ist drei Tage vor Muttertag, als ich mir überlege, dass ich Mama gern eine große Freude machen möchte. Ich will keine Blumen schenken und auch kein gemaltes Bild. Ich möchte ihr einen Herzenswunsch erfüllen und das ist ein Besuch meines Bruders. Doch wie soll ich das anstellen?

Ich überlege und überlege und dann hab ich’s plötzlich. Ich werde ihn suchen. Mir wird er den Wunsch nicht abschlagen, denn er hat doch gesagt, dass er mich lieb hat. Er hat es mir auch geschrieben, heimlich. Vor ein paar Wochen, als ich aus der Schule kam, hatte er einen Brief auf meinen Fahrradgepäckträger geklemmt. Darin stand auch seine Telefonnummer. „Da kannst du anrufen, wenn du mich brauchst!“

Ich packe also meinen Brief in die Schultasche und fahre nach der Schule zu Oma. Dort kann ich telefonieren. Ich wähle Pits Nummer, er meldet sich sofort.
„Hallo, kleine Schwester“, sagt er.
„Wann kommst du nach Hause?“, frage ich. Pit sagt nichts.
„Hast du mich nicht verstanden? Wann kommst du nach Hause?“
Ich höre ganz deutlich, dass Pit noch da ist. Wir schweigen beide, dann ein Räuspern.
„Ich kann nicht nach Hause, Pia. Das verstehst du nicht.“
„Ihr Großen seid blöd, immer sagt ihr, dass ich nichts verstehe. Aber ich bin nicht dumm. Mama wünscht sich so sehr, dass du nach Hause kommst.“
„Hat sie das gesagt?“ flüstert Pit.
„Ja, das hat sie und nicht nur einmal, immer sagt sie es und dann weint sie. Pit, am Sonntag ist doch Muttertag, komm doch, damit Mama wieder glücklich ist.“
„Ich kann es nicht“, behauptet Pit und das klingt so, als sei daran nichts zu machen.
„Dann werde ich dich holen“, sage ich, weil er doch gesagt hat, dass er es nicht kann. Vielleicht kann ich ihm ja helfen.
„Pia, das geht nicht, ich wohne doch jetzt in der Nachbarstadt. Du kannst nicht allein hierher kommen.“
„Das wirst du schon sehen!“
Ich gebe Oma das Telefon, sie steht schon die ganze Zeit neben mir und macht Zeichen, dass sie den Pit auch sprechen möchte. Die beiden reden kurz, so etwas wie „Wie geht es dir“ und „Junge, komm doch nach Hause“ und dann legt Oma auf . Sie weint.
„Er wird nicht kommen“, sagt sie und kramt in ihrer Hosentasche nach einem Taschentuch.

Erwachsene sind einfach blöd. Sie leiden und dann tun sie nichts. Sie weinen, aber niemand darf es sehen. Sie sehnen sich nach ihren Kindern oder Müttern und sie tun nichts. Ich kann das nicht verstehen. Aber eines weiß ich: Ich werde nicht einfach zusehen, wie sie alle traurig sind. Ich werde etwas tun.
Am Samstag vor dem Muttertag schlachte ich mein Sparschwein, packe meinen Rucksack und verlasse schon ganz früh am Morgen das Haus. Papa und Mama schlafen noch. Leise schließe ich die Haustür und hole mein Fahrrad aus dem Schuppen. Ich weiß genau, wo der Bahnhof ist, zweimal links und einmal rechts und dann bin ich auch schon da. Mein Fahrrad schließe ich ab und dann schaue ich in der Bahnhofshalle auf die Anzeigetafeln. Ich will nach zu Pit.
Ist das ein Wirrwarr von Zahlen und Buchstaben, da blicke ich nicht durch. Ich frage eine alte Dame.
„Können Sie mir sagen, wie ich zu meinem Bruder komme?“
Die Dame schaut mich von oben bis unten an.
„Bist du nicht viel zu klein, um allein mit dem Zug zu fahren?“
„Nein, das bin ich nicht, ich bin schon acht Jahre alt und mein Bruder holt mich vom Bahnhof ab“, lüge ich und schäme mich ein bisschen.
Die Dame will mir aber nicht helfen, sie sagt, dass ich schleunigst nach Hause gehen soll. Ich nicke und tu so, als ob ich den Bahnhof verlasse, drücke mich aber noch etwas im Eingang herum.
„Ich fahre einfach mit dem Rad“, denke ich mir und gehe zurück zum Fahrradständer. Dort werde ich von einem Polizisten angesprochen.
„Na, junge Dame, ganz allein unterwegs zu dieser Zeit?“ ‚Blödmann’, denke ich und nicke. Er sieht doch, dass ich allein bin.
„Wissen denn deine Eltern, dass du morgens um sechs Uhr allein hier am Bahnhof bist?“
„Ja, klar!“ antworte ich und schließe mein Fahrrad auf.
„Ich fahre jetzt nach Hause, wollte nur meinen Bruder abholen, der heute zum Muttertag nach Hause kommt!“ Schon wieder gelogen, aber irgendwie ahne ich, dass der Polizist einen guten Grund braucht, um mich nicht mit ins Gefängnis zu nehmen.
„Aha!“, sagt der zu mir und guckt streng. Ich bekomme ein bisschen Angst und dann habe ich eine gute Idee.
„Sie können ihn ja anrufen und nachfragen, wenn Sie mir nicht glauben. Die Nummer habe ich dabei.“ Der Mann lässt sich die Telefonnummer geben und tippt sie sofort in sein Handy ein.
„Oberwachtmeister Schulz, guten Morgen. Entschuldigen Sie, dass ich so früh störe, aber hier am Hauptbahnhof steht eine junge Dame vor mir, die behauptet, dass sie Ihre Schwester sei.“
Pit muss einen furchtbaren Schrecken bekommen haben, denn er sagt dem Polizisten, dass er eine Weile auf mich aufpassen soll, er komme sofort, um mich abzuholen.
Das sagt mir der Schutzmann jedenfalls und ich muss grinsen. Ziel erreicht, ohne, dass ich in die Nachbarstadt fahren muss. Pit kommt und holt mich, was will ich mehr?

Es dauert nur eine halbe Stunde, bis Pit vor mir steht. Ich bin total erleichtert und glücklich und dann weine ich ihm auf die Schulter, als er mich drückt und küsst. Er bedankt sich beim Polizisten und dann bringt er mich nach Hause. Dort werde ich bereits vermisst. Als wir klingeln, kommt Mama mit verweinten Augen an die Tür.
„Alles wird wieder gut!“, sagt Pit und dann drückt er Mama und Mama weint auch und ich auch und dann lachen wir und feiern den schönsten Muttertag, den es je gegeben hat.

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Nestkontrolle

Fast hätte ich noch eine Ostergeschichte vergessen, diese möchte ich euch auf jeden Fall noch präsentieren! Viel Spaß!Osterhase im Magnolienbaum

Nestkontrolle

Heini Hase hatte viele Jahre lang in der Malstube geholfen, so wie es die Familientradition vorschrieb. Bei Familie Hase herrschten nämlich strenge Regeln, die besagten, dass die jüngsten Kinder der Familie Maldienst hatten. Dem ältesten Sohn war eine andere Aufgabe zugedacht. Er war der Kontrolleur und anschließend gründete er seine eigene Familie. Im nächsten Jahr rückte dann der nächstälteste Sohn nach. Endlich war Heini an der Reihe. Oh, er war so gespannt!

Und was ist mit den Mädchen, könnte man sich nun fragen. Das weiß ich auch nicht so genau, aber ich weiß, dass die Mädels nicht unglücklich waren. Geduldig widmeten sie sich der Malerei und genossen es, immer wieder neue Muster für die Eier zu erfinden. Während der Arbeit lachten und sangen sie und machten Witze über die Hasenjungs, die eher widerwillig in der Malstube halfen. Diese warteten sehnlichst darauf, endlich zum Kontrolleur zu werden, denn, auch wenn sie nicht genau wussten warum das so war, die Hasenkontrolleure der Vorjahre kamen stets singend und lachend von ihrer Arbeit heim.

Ihre Aufgabe bestand darin, die Nester für die Kinder zu überprüfen. Das war eine verantwortungsvolle Arbeit. Zunächst mussten sie zählen, ob die Eier gerecht verteilt waren. Schließlich sollte kein Kind benachteiligt werden. Des Weiteren mussten sie die Nester nach so genannten Fremdeiern überprüfen. Das kam viel häufiger vor, als man denkt. Verschiedene Fremdeier fand man da und die mussten wiederum überprüft werden. Waren es einfach Schokoladeneier, dann durften sie liegenbleiben. Stand aber so etwas wie „Knickebein“ oder „Eierlikör“ drauf, dann waren sie gefährlich. Sehr gefährlich sogar! Eier mit diesen gefährlichen Inhalten sammelten die Kontrolleurhasen in ihren Kiepen. Die ganze Nacht durchstreiften sie das Städtchen, schauten in jeden Garten und jedes Nest und sammelten auf diese Weise Eier namens Eierlikör, Himbeergeist, Cognactraum und Kirschwasser ein. Natürlich musste jedes dieser Eier durch ein Hühnerei ersetzt werden, sonst war es ja wieder ungerecht, nicht wahr?

Am Ende der langen Nacht vor dem Ostersonntag versammelten sich dann alle Kontrolleure an einem geheimen Platz im Wald. Dort vernichteten sie die gefährlichen Eier und bei jedem Ei, das sie aufaßen, um es für die Kinder unschädlich zu machen, sagten sie laut: „Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss!“ Man könnte es das Fest ihres Junggesellenabschieds nennen und wie sehr sie sich darüber freuten, nun bald eine eigene Familie zu haben, das merkte man an ihrem Lachen, an den Liedern, die sie anstimmten. Später konnte man sie dann nicht mehr verstehen, so hatten sie sich angestrengt, dass sie nicht einmal mehr richtig sprechen konnten.

Waren alle Eier vernichtet, wankten die Kontrolleure nach Hause. Am ersten Ostertag sah man sie nie, komisch.

Aber nun wissen wir, wie es kommt, dass in Osternestern niemals Liköreier liegen. Solltet ihr doch mal eins finden, dann lasst es schnell verschwinden. Diese Eier sind gefährlich!

© Regina Meier zu Verl

Regina belauscht den Osterhasen

Regina belauscht den Osterhasen

Mit dieser kleinen Geschichte wünsche ich all meinen Lesern und Besuchern ein frohes Osterfest!

Regina belauscht den Osterhasen

Zufällig wurde ich Zeugin eines Gesprächs, dass heute, am Samstag vor Ostern in unserem Garten stattfand. Entgegen meiner Gewohnheiten war ich schon sehr früh wach geworden. Es mag daran gelegen haben, dass ich früh im Bett war und sofort eingeschlafen bin. Egal, jedenfalls stand ich am Wohnzimmerfenster und beobachtete den Sonnenaufgang. Im Haus war es noch ganz still und auch auf der Straße war noch niemand unterwegs.
Da, was war das? Hatte ich nicht gerade eine leise Stimme gehört? Ich lauschte und hörte tatsächlich eine Stimme. Einbrecher? Das war mein erster Gedanke, den ich aber gleich wieder verwarf. Die Stimme klang eher kindlich. Ich lauschte also weiter, musste mich aber mächtig anstrengen, um überhaupt ein Wort verstehen zu können.
„Das wäre wirklich nicht gerecht!“, sagte die Stimme. „Wir müssen doch zusammenhalten, wir Frauen!“
Aha, es war also eine Sie. Aber was bedeutete das? Ich hatte mich doch gar nicht beklagt, oder meinte sie mich gar nicht? Schließlich leben hier noch zwei weitere Frauen im Haus, eine Große und eine Kleine.
„Die Kleine bekommt ein Ei, die Großen nicht, Punkt!“, sagte eine andere, etwas lautere Stimme.
„Aber die eine von den Großen, die Mutter, ist Tag und Nacht für die Kleine da und nebenbei arbeitet sie noch im Homeoffice und nie trifft sie sich mit anderen Leuten, das ist auf Dauer auch anstrengend und ein wenig Abwechslung täte ihr mal gut, oder?“, sagte nun die erste Stimme wieder.
„Ja, gut! Und die Alte?“, fragte nun wieder die andere Stimme.
„Alte?“, kreischte nun die Erste. „Du bist wohl nicht ganz gescheit, die ist doch nicht alt und außerdem schreibt sie Kindergeschichten und wir Hasen kommen dabei ganz gut weg, das kannst du mir glauben!“

Ich musste lachen, riss mich aber zusammen, weil ich die Beiden nicht erschrecken wollte.
Dass ich das in meinem Alter noch erleben durfte, das machte mich dankbar. Ich hatte es hier wohl mit zwei Osterhasengehilfen zu tun, oder gar dem Osterhasen selbst?
Im Garten war ich noch nicht, es ist ja erst morgen Ostern. Aber dann werde ich berichten, was wir gefunden haben, die Kleine, die Mutter und die Alte, also ich.

© Regina Meier zu Verl

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Der Künstler – ein Ostergedicht

 

Osterhäsin wartet auf ihren Mann

Der Künstler

Ich bin ein Maler von Beruf,
welch schöne Werke ich so schuf,
in all den letzten Jahren,
das sollt ihr jetzt erfahren.

Ausschließlich Eier mal ich an,
weil ich das wirklich prima kann.
Kein Ei gleichet dem andern Ei,
das ist mein Anspruch, bin so frei.

Rote Punkte, blauer Grund,
hartgekocht und so gesund,
gelbes Ei mit grünen Streifen,
dunkelrotes dann mit Schleifen.

Kleine Eier, große Eier,
bunt für manche Osterfeier,
aber auch einfarbig schlicht,
manchmal mit ’nem Lachgesicht.

Bemalt mit wunderbaren Pflanzen,
mit Elfen, die im Frühling tanzen,
mit Hasen, Rehen oder Kätzchen,
auf jedem Ei ein andres Schätzchen.

Ich versteck sie dann im Garten,
weil die Kinder doch drauf warten.
Ich freu mich, wenn Augen strahlen
und werde immer weiter malen.

Euer Osterhase

© Regina Meier zu Verl 2015

Das Osternest

Das Osternest

Das Osternest

Ich baue mir ein Osternest
aus Moos und dünnen Zweigen.
Ob darin sich was finden lässt,
das wird sich dann schon zeigen.

Es ist schön groß, es passt was rein,
ich liebe Nougateier,
es dürfen auch recht viele sein
für unsre Osterfeier.

Und etwas Geld wäre nicht schlecht,
ich wünsch mir doch ein Handy,
so eins wie Papa hat wär recht,
sonst das von Onkel Andy.

Am Ostersonntag geh ich raus
es ist noch früher Morgen,
ich schau nach meinem „Nestchen“ aus
und mach mir große Sorgen,

als ich es gar nicht finden kann.
Es ist und bleibt verschwunden.
Ich geb nicht auf, ich denk nicht dran,
ich suche ein paar Stunden.

Geh dann verzagt ins Haus zurück,
und sehe unterm Schranke
mein Osternest, welch großes Glück
Oh, Osterhase, Danke!

Ich wollt zu viel, das weiß ich ja,
hast vieles mir beschert.
Ein Schokohase ist auch da,
der ist mir echt was wert.

Marzipan und Nougateier
lasse ich mir schmecken.
freu mich auf die Osterfeier,
werd jetzt die Großen wecken.

© Regina Meier zu Verl