Grinsende Schnecken

Grinsende Schnecken

Ein wenig mehr Regen könnten wir gebrauchen, aber wir wollen nicht unzufrieden sein, denn gerade vorhin hat ein Schauer den Staub von den Blättern gespült und der Garten sieht wie frisch geputzt aus.
Ich ziehe meine Gummistiefel an und freue mich darauf, eine wenig in meiner Kräuterspirale zu schnuppern und zu zupfen, falls nötig. Ich freue mich immer, wenn ich über den Rasen zu ihr hinüber gehe und dort verweilen darf. Ein bisschen bin ich auch stolz auf sie, denn die Kräuter gedeihen prächtig.
Jetzt aber erschrecke ich. Ein bisschen verwüstet sehen sie aus und zwei fette rote Nacktschnecken aalen sich auf Petersilie und Rauke.
»Das ist ja wohl eine Unverschämtheit!«, rufe ich laut aus. Die beiden Schnecken stört das gar nicht, sie mümmeln ruhig weiter an den Kräutern. Fast sehen sie ein wenig so aus, als grinsen sie mich frech an.
Oh nein, zum Lachen ist mir gar nicht zumute.
»Verschwindet!«, herrsche ich die beiden kleinen Monster an. »Ihr habt hier nichts zu suchen. Das ist mein Kräuterbeet und meine Petersilie und mein Rucola. Ab mit euch auf die Wiese – oder noch besser rüber zum Nachbarn!«
»Aber, aber, meine Liebe! Das ist nicht die feine Art!«
Die Stimme vom Nachbarn Fritz ertönt laut, nicht unfreundlich, aber auf der Stelle habe ich ein schlechtes Gewissen. Wie viel mochte er gehört haben, auch das mit dem Nachbarn? Wahrscheinlich! Ich laufe puterrot an und schäme mich. Ob ich mich entschuldigen soll? Aber was soll ich sagen? Und grinsen die beide Schnecken nun nicht noch unverschämter? Überhaupt: Noch nie habe ich eine grinsende Schnecke gesehen und zwei schon gar nicht.
»Ei-ein Missverständnis«, grummle ich Richtung Gartenzaun.
»Ach so!«, sagt Fritz und wendet sich wieder seinen Rosen zu. Er ist kein Mann der großen Worte. Eigentlich bin ich erleichtert, aber dann möchte ich doch gern wissen, was er gehört hat.
»Gibt es bei dir auch Schnecken, Fritz?«, frage ich und hebe eine von den meinen mit spitzen Fingern an, um sie Fritz zu zeigen, dabei gehe ich ein paar Schritte auf ihn zu.
Er guckt erst verdutzt auf die Schnecke, dann auf mich, grinst und sagt:
»Die grinst ja! Siehst du das auch?«
Hat er es also auch gesehen! Und ich habe schon befürchtet, ich sei ein wenig neben der Spur heute. Naja, plemplem eben.
»Klar, das sehe ich auch. Da ist noch eine, die grinst genauso unverschämt. Warte, ich hole sie!«, sage ich und drehe mich schon um, als Fritz sagt: »Und dann setzt du sie in meinem Garten aus, oder?«, er lacht laut. ‚Also doch‘, denke ich und spüre, wie mir die Röte abermals ins Gesicht schießt.
»Das würde ich doch nie tun!«, sage ich schnell und bemühe mich, seinem Blick standzuhalten. »Kein Mensch mit Anstand würde seinen Nachbarn so misslich behandeln und …«
Ich stutze und starre auf Fritzens Gesicht. Es ist rot geworden. Puterrot.
Mich kitzelts in der Kehle, ich kann gar nicht mehr denken, konzentriere mich auf das Kitzeln und dann lache ich los, laut und befreit. So lange lache ich, bis mir die Tränen übers Gesicht laufen. Und Fritz? Der lacht erleichtert mit und die beiden Schnecken? Sind verschwunden, komisch!

© Regina Meier zu Verl

Lieblingstage, Reizwortgeschichte

Dummkopf, Donnerstag, denken, dreckig, dösen
Das waren die Reizwörter, die zu verarbeiten waren diesmal. Lest bitte auch bei meinen Kolleginnen, was ihnen dazu eingefallen ist:

Martina und Lore

Lieblingstag


Solange ich denken kann, ist der Donnerstag mein Tag. Als ich Kind war, hatte ich nämlich donnerstags Ballettunterricht. Den habe ich geliebt und somit war der Tag in der Woche, an dem wir uns zum Tanzen trafen mein Lieblingstag. Später, als ich das Ballett aus den Augen verloren hatte, besser gesagt: Ich hatte es mir aus dem Kopf geschlagen, weil es einfach nicht zu mir passte. Ich wollte da nur hin, weil Fräulein Monique so nett und ich verliebt in ihren französischen Akzent war. Ein weiterer Grund: Ich liebte Tutus, in Rosa. Ich war pummelig und rosa Tutus unterstrichen das auf ungünstige Art und Weise.
Später ging ich donnerstags zur Nachhilfe, nicht, weil ich etwa ein Dummkopf war, nein, ich verprasste mein Taschengeld für Manuel, den Studenten, der wiederum sein Taschengeld aufbesserte mit Nachhilfeangeboten in Spanisch. Ich war eine gute Schülerin, vor allem im sprachlichen Bereich hatte ich gar keine Probleme. Aber Manuel hatte es mir angetan und so büffelte ich für ihn spanische Vokabeln und Grammatik. Ich wollte ihn beeindrucken, das kostete eine Menge Kraft, da ich ja auch das Geld für die Nachhilfestunden noch verdienen musste, indem ich für die Nachbarn Rasen mähte oder für Tante Irmi Botengänge erledigte, die sie dann mit Küsschen und Barem honorierte. Ich wischte unser dreckiges Treppenhaus, trug Müllers den Müll runter (hihi, geniales Wortspiel, oder?) und war immer auf der Suche nach Geldquellen.
Als ich herausbekam, dass Manuel schwul war, hatte sich das für mich auch erledigt. „Du bist so gemein!“, hatte ich ihn angeschrien. „Das hättest du mir sagen müssen!“
Dafür schäme ich mich heute noch – damals wusste ich es einfach nicht besser, ich war verletzt und erschöpft.

Während ich hier in meinem Liegestuhl vor mich hindöse und an vergangene Zeiten denke, hat meine Enkelin Sandkuchen gebacken.
„Oma, komm probieren, ich habe einen schönen Kuchen gebacken!“, ruft sie mir zu und ich hieve mich aus dem Sessel und laufe zu ihr.
„Wie schön“, lobe ich den Kuchen und tu so, als probiere ich ein Stück. „Heute ist mein Lieblingstag!“, sage ich.
„Warum, Oma?“, fragt die Kleine.
„Weil du da bist!“, erkläre ich.
„Aber ich bin doch immer da!“ Sie grinst und tätschelt meine Wange mit ihren sandigen Händen.
„Eben! Deshalb ist auch jeder Tag mein Lieblingstag!“, fast versagt es mir die Stimme vor lauter Liebe und mein Herz macht kleine Ballettsprünge im rosa Tutu.

© Regina Meier zu Verl

Marienblume, Pfingstrose, was ist denn nun richtig?

Marienblume, Pfingstrose, was ist denn nun richtig?

„Schau nur Anni, die Pfingstrose wird bald aufblühen. Ich liebe die Zeit der Pfingstrosen!“, sagt Oma Anna zu ihrer Enkelin.
„Haben sie auch Dornen, die Pfingstrosen?“, will Anni wissen und greift vorsichtig ins Blattgrün.
„Nein, wo denkst du hin? Aber aufpassen musst du trotzdem. Pfingstrosen sind nämlich leicht giftig und man kann sich mächtig den Magen verderben, wenn man ein Blattstück oder ein Blütenblatt nascht.“ Ernst sieht Oma Anna Anni an.
„Also immer schön Hände waschen, wenn du eine Pfingstrose angefasst hast.“
„Versprochen!“, sagt Anni und gleich fällt ihr schon wieder eine Frage ein. „Warum haben sie denn keine Dornen, Oma?“
„So genau weiß ich das auch nicht. Ich könnte mir aber vorstellen, dass die Pfingstrose, die auch Marienblume genannt wird, weil man ihr nachsagt, dass sie Heil, Geborgenheit und mütterliche Liebe spendet, aus genau diesem Grund keine Dornen hat. Um niemanden zu verletzen. Die alten Griechen berichten sogar, dass ein römischer Gott durch das Pferd seines Vaters zu Tode gekommen war und dann durch eine Pfingstrose wieder zum Leben erweckt wurde.“
Anni staunt. „Was du alles weißt, Oma!“, sagt sie bewundernd.
„Ach, das habe ich mal irgendwo gelesen“, sagt Oma Anna und schnuppert an der Knospe. „Bald wird sie wunderbar duften“, sagt sie.
„Dann ist die Pfingstrose also gar keine echte Rose“, meint Anni. „Sie heißt nur so?“
Oma Anna nickt. „Muss wohl so sein“, murmelt sie, denn diese Frage kann sie ihrer kleinen Enkelin ausnahmsweise einmal nicht beantworten und das bekümmert sie.
„Oma, das geht doch eigentlich gar nicht, dass, wenn einer tot ist, er durch eine Blume wieder zum Leben erweckt werden kann, oder?“, will Anni nun wissen.
„Nein, eigentlich nicht, vielleicht ist es ja ein Märchen, die Geschichte mit dem Pferd und dem Vater!“, sagt Oma Anna.
„Mitnichten“, ertönte da eine Stimme von irgendwo. „Und wer sagt, dass das, was euch Märchen erzählen, nicht wahr ist? Ich sage euch, die Märchen erzählen mehr wahre Dinge, als man glauben mag.“
Anni lauscht. „Hast du das auch gehört, Oma?“, fragt sie leise.
„Was denn Anni? Ich habe nichts gehört.“ Auch sie lauscht und mit einem Mal kribbelt es in ihrer Nase und sie niest heftig. „Hatschi!“
„Gesundheit!“, ruft die Stimme. Jetzt hat Oma sie auch gehört.
Sie lächelt. „Danke, kleine Blumenfee!“, sagt sie. „Das ist sehr freundlich von dir. Verrätst du uns nun auch noch, wo du dich verborgen hältst?“
„Gerade eben hier, später dort, immerfort zum andern Ort werd ich gehn und kein Mensch kann mich sehn“, tönt es von irgendwo weiter weg nun.
Oma Anna und Anni schauen sich an und lächeln.
„So ein schönes Erlebnis, hoffentlich kommt sie immer wieder in unseren Garten. Vielleicht haben wir Glück und können doch mal einen Blick auf sie erhaschen“, flüstert Anni ganz ergriffen.
Doch Oma schüttelt den Kopf.
„Es ist nicht so wichtig, sie zu sehen. Wichtig ist zu wissen, dass es Blumenelfen gibt, nicht wahr?“
Anni nickt. Mehr weiß sie in diesem Augenblick nicht zu sagen, aber sie würde von nun an sehr wachsam sein. Vielleicht würde sie die kleinen Feen doch mal sehen. Irgendwann …

© Regina Meier zu Verl

Schuhgröße Neun, Reizwortgeschichte

Clematis, Couch, clever, campen und chauffieren
Das waren die Reizwörter, die diesmal verarbeitet werden mussten.
Schaut bitte auch bei meinen Kolleginnen:

Martina und Lore

Schuhgröße Neun

Oma stand im Garten und bewunderte die Blütenpracht der Clematis, die sich in diesem Jahr von ihrer besten Seite zeigte und üppig an der Dachrinne hochkroch.
„Ist sie nicht wunderbar?“, seufzte sie ein ums andere Mal, erwartete aber keine Antwort. Doch ich war clever, ich ging auf ihre Jubelrufe ein und staunte laut mit ihr. Ich wollte nämlich mit meinem Freund im Garten campen und brauchte dafür ihr Einverständnis.
„Ach Oma, ich habe noch in keinem anderen Garten so eine prächtige Clementine gesehen!“, rief ich ihr von der Terrasse aus zu.
„Das heißt Clematis, Junge. Wie oft muss ich dir das noch sagen?“, schimpfte Oma. Dass ich mir das aber auch nicht merken konnte, das war blöd.
„Sorry, immer wieder vergesse ich den Namen der Schönheit!“, entschuldigte ich mich und summte das Lied von Clementine, das wir im Schulchor neulich gesungen hatten. Eigentlich war es ein trauriges Lied von einem Bergmann, der seine Tochter Clementine so sehr vermisste, aber mir gefiel es.
„Das kenne ich!“, jubelte Oma und stimmte den Refrain an: „Oh my darling, oh my darling, oh my darling Clementine!“
Sie lachte. „Jetzt weiß ich auch, warum du meine Blümchen immer verwechselst.“
„Stimmt, die Clementine aus dem Lied soll ja auch sehr schön gewesen sein, sie hatte nur furchtbar große Füße. Größe Neun, das war ihr Verhängnis!“, erzählte ich Oma, denn wir hatten im Unterricht nicht nur gesungen, sondern auch den Text übersetzt.
„Habe ich auch!“, sagte Oma. „Große Füße meine ich! Aber da fällt mir ein, dass ich unbedingt noch was einkaufen möchte. Fragst du Opa bitte mal, ob er mich in die Stadt chauffiert?“
Wie praktisch, dachte ich mir. Dann könnte sie doch ein paar Chips und Limo mitbringen, die wir beim Zelten verspeisen konnten. „Dürfen Tom und ich in eurem Garten campen, Oma?“, fragte ich.
„Meinetwegen, aber frag auch Opa, du findest ihn auf der Couch!“
Auch Opa war einverstanden. Also stand einem tollen Wochenende nichts mehr im Wege und Chips und Limo gab es auch, aber erst nach den Grillwürstchen und Omas leckerem Kartoffelsalat.

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Ein leeres Paket zum Muttertag*

Hier ein Tipp für ein wunderbares Geschenk zum Muttertag, das keinen Cent kostet und trotzdem gut ankommen wird bei den Müttern, wetten?

Ein leeres Paket zum Muttertag

„Hast du eine Idee, was wir Mama zum Muttertag schenken könnten?“, fragt Anne ihren Bruder Tim.
Der nimmt seine Kopfhörer aus dem Ohr und sagt: „Was?“
„Das heißt: wie bitte!“, verbessert ihn Anne und fragt dann nochmal.
„Keine Ahnung!“, ist die Antwort und sofort wandern die Kopfhörer wieder ins Ohr.
Anne verdreht die Augen und tippt ihrem Bruder auf die Schulter.
„Du könntest mal mit mir gemeinsam überlegen!“, bittet sie.
„Wie bitte?“, fragt Tim und grinst, nimmt aber die Kopfhörer wieder raus und wendet sich seiner Schwester zu.
„Ist gar nicht einfach!“, meint er und kratzt sich am Ohr. „Blumen?“
Anne schüttelt den Kopf. „Nein du weißt doch, dass Mama es nicht mag, dass am Muttertag alle Blumen schenken. Sie sagt immer, dass es dafür Gelegenheiten genug gibt und die zum Muttertag einfach überteuert sind.“
„Ist das denn wirklich so?“, fragt Tim und schielt auf sein Handy, das gerade eine Nachricht angekündigt hat. Gern würde er nachsehen, wer geschrieben hat, wartet aber ab. In Gedanken ist er bereits nicht mehr beim Muttertag, sondern bei der Handynachricht.
„Fürs Bildermalen sind wir wohl zu groß mittlerweile“, meint Anne. Tim nickt zustimmend.
„Stimmt, außerdem kann ich nicht malen, das wäre dann nur was für dich!“, sagt er und nimmt das Handy, um nun doch mal kurz drauf zu schauen. Er liest, grinst, tippt und schon hat er seine Schwester wieder vergessen.
„Du bist wirklich unmöglich!“, schimpft Anne. „Kannst du nicht mal ein paar Minuten ohne dein Handy sein?“
„Schlecht!“, gibt Tim zu.
Annes Augen blitzen mit einem Mal auf. „Ich habe eine Idee für den Muttertag!“, ruft sie. „Vertraust du mir?“, will sie von ihrem Bruder wissen.
„Mmh, eigentlich schon, aber jetzt lass mich erstmal in Ruhe!“
„Pass auf, du musst gar nichts machen, ich kümmere mich um das Geschenk, aber du musst versprechen, dass du nicht meckerst!“, sagt Anne.
„Versprochen!“, Tim steckt seine Kopfhörer wieder ins Ohr, für ihn ist die Diskussion damit beendet.

Am Muttertagmorgen decken die Geschwister liebevoll den Kaffeetisch.
„Und was ist nun mit dem Geschenk?“, fragt Tim.
„Warte, bis Mama da ist, dann wirst du es sehen!“ Anne macht ein so verschmitztes Gesicht, dass Tim doch neugierig geworden ist. Aber sie verrät nichts.
„Alles Gute zum Muttertag!“, sagt Anne feierlich und drückt ihrer Mama einen dicken Kuss auf die Wange. Tim schließt sich an. Mama freut sich über das Frühstück. „Ihr seid die Besten!“, sagt sie glücklich.
„Wir haben auch noch ein Geschenk für dich“, Anne holt ein buntes Päckchen aus dem Küchenschrank, wo sie es vorher versteckt hatte.
Mama packt das Geschenk erwartungsvoll aus, Tim schaut ihr neugierig über die Schulter. Das Paket ist leer, nur ein Brief ist drin. Mama öffnet den Brief und liest laut:
Liebe Mama, wir schenken dir zum Muttertag Zeit, Zeit ohne Unterbrechungen und blödes Handygepiepe, deshalb legen wir nun unsere Handys in diesen Karton und du darfst bestimmen, wann wir sie wieder herausholen dürfen. Deine Kinder Anne und Tim!
„Das ist eine großartige Idee!“ Mama freut sich. Anne legt ihr Handy in den Karton und auch Tim tut das, ohne zu murren. Er hat’s versprochen und was man versprochen hat … ihr wisst schon.
Papa, der in der Küchentür steht und die Sache beobachtet, legt sein Handy auch dazu, weil er die Idee richtig schön findet.
„Fehlt nur noch Mamas Handy!“, sagt er fröhlich. Natürlich wandert das auch in den Karton und ich bin davon überzeugt, dass die Vier einen wunderbaren Tag haben werden, ganz ohne Störungen.

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Oma Betty und die Saatbomben

Von Oma Betty gibt es mittlerweile schon  einige Geschichten, in dieser Episode bastelt Oma Betty Saatbomben mit ihrem Enkelkind. Es lohnt sich, das einmal nachzumachen, mir hat es jedenfalls viel Freude bereitet, mit Saatbomben zu schießen und dann später viele bunten Blumen vorzufinden. Die Bienen hat’s auch gefreut!

Oma Betty und die Saatbomben
Manchmal hat Oma so richtige coole Ideen. Gerade letzte Woche haben wir beide etwas Spannendes gemacht, Bomben gebaut, Saatbomben. Kennt ihr das?
Oma hatte im Gartenmarkt Sämereien für Wildblumen gekauft und Lehmpulver. Wir haben dann zu Hause Gartenerde mit dem Lehmpulver und den Blumensamen vermischt und ordentlich nass gemacht. Das war beinahe so, wie beim Plätzchen backen vor Weihnachten. Viele kleine Kugeln haben wir aus dem Erde-Ton-Samenteig geformt Das war eine ganz schöne Mantscherei, aber es hat Spaß gemacht.
Die Samenbomben haben wir dann auf der Fensterbank zwei Tage trocknen lassen, durch das Lehmpulver wurden sie ganz hart. Dann kam der spannendste Teil der Aktion, das Verteilen der Bomben im Garten. Überall hin haben wir sie geworfen, waren ja schließlich Bomben. Nun sind wir gespannt, wann wir die ersten Blumen entdecken werden. Oma hat gesagt, dass das etwas dauern wird. Geduld ist nicht so meine Stärke, aber was soll’s, warten wir halt ab.
Einige Kugeln habe ich mir gesichert und mit in die Schule genommen. Dort habe ich sie ebenfalls in die Beete geworfen. Heimlich, damit mich keiner dabei erwischt. Ich weiß nämlich gar nicht, ob man das darf. Egal, alle werden sich wundern, wenn dort demnächst überall Wildblumen blühen und die Bienen, die werden sich freuen. Das ist nämlich der Sinn der Sache. Manchmal kann Nützliches so viel Spaß machen, probiert es doch auch einmal aus.
Ich werde berichten, wann ich die erste Kornblume, Margerite, Kleeblüte oder Ringelblume im Garten entdeckt habe, versprochen!

© Regina Meier zu Verl

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Bildquelle Capri23auto/pixabay

Lisa baut Brücken

Lisa baut Brücken

Der Winter verging und der Frühling zog ein in das kleine Städtchen. Die Leute öffneten ihre Fenster weit und auch in den Gärten sah man schon die ersten fleißigen Hobbygärtner.
„Geh doch ein wenig raus“, sagte Frau Maurer, als sie in das Zimmer ihrer Tochter schaute. Lisa saß dort auf dem Boden und hatte unzählige Legosteine um sich herum liegen.
„Ich habe keine Zeit, ich muss Brücken bauen“, sagte sie und schaute nicht einmal auf.
„Brücken?“, fragte Frau Maurer. „Wie kommst du auf Brücken?“ Sie machte eine Pause, überlegte. „Da brauchst du doch auch Straßen, ja, und Flüsse oder Täler und …“
„Brauch ich nicht“, unterbrach Lisa ihre Mutter. Sie konnte es nicht leiden, wenn sie ihr in ihre Ideen dreinredete. „Meine Brücken brauchen das alles nicht.“
Die Mutter ließ sich neben Lisa auf dem Fußboden nieder und schwieg. Ab und zu gab sie ihr einen Stein an, wenn sie dachte, dass es der richtige für diesen Moment sein könnte. Manche nahm Lisa an, andere nicht.
„Sie müssen stabil sein, meine Brücken. Und lang müssen sie sein, damit ich alle erreichen kann“, murmelte Lisa und baute unermüdlich weiter.
„Das machst du gut und richtig.“ Die Mutter nickte. „Eine rechte Brücke muss stabil sein und lang. Das ist wichtig.“
„Und offen!“
„Offen?“
Lisa nickte nun auch.
„Aber ja. Weit offen muss sie sein. Und groß, damit man sie von weither sehen kann.“ Sie machte eine kleine Pause, überlegte. „Weil sie doch für alle da sein soll.“
Frau Maurer unterbrach die Tochter nicht. Sie würde schon erzählen. Ihre Wangen hatten sich vor Eifer gerötet.
„Mama?“ fragte sie jetzt. „Warum sind die Menschen so?“
„Was meinst du, wie sind sie denn?“, wollte die Mutter wissen.
So ein bisschen ahnte sie, was ihre kleine Tochter meinte und ein bisschen hoffte sie auch, dass ihre Ahnungen nicht zuträfen.
„Na, so komisch … und irgendwie auch dumm“, platzte es da aus Lisa schon heraus.
„Komisch? Dumm? Du meinst, die Menschen sind dumm?“ Ihre Mutter schien nicht zu verstehen.
„Ja, komisch, und …nein, nicht dumm. Ich meine so, als würden sie etwas sehen und doch nicht sehen können, verstehst du?“
Ihre Mutter schüttelte den Kopf und Lisa fuhr fort:
„Als ob sie eine Brücke brauchen, sie aber nicht sehen und auch nicht betreten können. So halt.“
„Ich glaube, ich weiß jetzt, wie du es meinst“, die Mutter überlegte einen Moment und wollte gerade erklären, was sie verstanden hatte, als Lisa sagte:
„Es ist so: Ich stehe auf der einen Seite des Flusses und auf der anderen Seite steht einer, der Hilfe braucht. Ich baue ihm eine Brücke, damit er zu mir kommen kann. Aber er sieht sie nicht … so ähnlich. Es kann ein Fluss sein, oder eine Grenze, es kann auch einfach nur ein Mensch sein, der sich nicht traut“ Fragend sah Lisa ihre Mutter an. „Verstehst du?“
Oh ja. Frau Maurer verstand. Und sie dachte an den Streit, den sie am Morgen mit ihrer Schwiegermutter gehabt hatte. Laut war es zugegangen und auch ein bisschen unfair und am Ende hatten sie sich ohne ein gutes Wort voneinander verabschiedet. Dabei wollte sie nicht, dass es wieder einmal so enden musste. Lisa muss ihren Streit wohl doch gehört haben. Wie feinfühlig das Kind doch war. Und wie klug.
„Was bist du doch für ein gescheites kleines Mädchen“, sagte sie leise. „Ich gehe jetzt eine Brücke bauen, am Telefon!“

© Regina Meier zu Verl

Löwenzahnhonig


Löwenzahnhonig

„Kommst du mit mir in den Wald? Ich möchte Löwenzahnblüten sammeln!“, sagt Mama nach dem Mittagessen. Ich habe eigentlich keine Lust, aber ich kann Mama das nicht abschlagen, also raffe ich mich auf.
„Hier am Straßenrand wachsen doch auch Pusteblumen! Können wir die nicht nehmen?“, frage ich aber vorsichtshalber nach.
„Nein, ich möchte Löwenzahnhonig zubereiten. Die Blüten hier am Straßenrand haben zu viele Autoabgase abbekommen. Am Waldrand sind sie einfach besser!“, erklärt Mama und das leuchtet mir ein. Außerdem mag ich Löwenzahnhonig sehr gern.
„Wir nehmen uns ein kleines Picknick mit, dann macht das Ganze doppelt Spaß!“, schlägt Mama vor und da bin ich natürlich sofort dabei. Picknick klingt gut und vor allem lecker.
Mama packt einige Stück vom Topfkuchen ein, den sie am Wochenende gebacken hat. Auch etwas zu trinken nehmen wir mit und dann ziehen wir los.
„Warum heißt der Löwenzahn eigentlich so?“, frage ich Mama, denn unter den Zähnen eines Löwen stelle ich mir gefährliche Hauer vor, die stark genug sind, in der Wildnis eine Antilope auseinander zu reißen.
„Schau dir die Blätter, sie sind gesägt und sehen aus wie Zähne, findest du nicht?“
„Ja, stimmt und die Blüten sehen ein bisschen wie eine Löwenmähne!“, fällt mir ein.
„So habe ich das noch nicht gesehen, aber du hast recht, lauter kleine Löwengesichter!“, Mama lacht.
Mittlerweile sind wir am Waldrand angekommen. Die kleinen gelben Sonnen leuchten. Ich finde es fast zu schade, sie abzupflücken.
„Wir brauchen gar nicht so viele, drei Hände voll sollten genügen“, sagt Mama und ich frage mich, ob sie wieder einmal meine Gedanken gelesen hat.
Blüte für Blüte legen wir in den Korb. Wir pflücken aber nicht alle Blüten an einer Stelle ab, sondern lassen immer einige stehen. Die können dann zu Pusteblumen werden und ihre Samen weiter verteilen, damit wir auch im nächsten Jahr wieder ernten können.
„So eine Pusteblume hat ungefähr achtzig Samenschirmchen“, erzähle ich Mama, denn gerade in der letzten Woche haben wir in der Schule im Sachunterricht darüber gesprochen.
„Aha!“, sagt Mama. Sie staunt, das sehe ich ihr an. Deshalb versuche ich sie noch weiter zu beeindrucken.
„Die Federkrone der Pusteblume nennt man auch Pappus und jedes einzelne Schirmchen des Pappus trägt einen Fruchtkörper, der mit kleinen Widerhaken versehen ist, damit er sich besser am Boden festhalten kann. Klasse, nicht wahr?“
Das hat geklappt, Mama ist beeindruckt von meinem Wissen. Wie man aber Löwenzahnhonig herstellt, das weiß Mama besser. Sie schlägt vor, dass ich zu Hause ein schönes Bild vom Löwenzahn malen soll und dann das Rezept dazu könnte.
Drei Hände voll sind schnell gesammelt und den Kuchen vertilgen wir genüsslich im Gras sitzend. Dann treten wir den Heimweg an und ich setze mich gleich an den Küchentisch und male ein Rezeptbild. Mama diktiert mir die Zutaten für den Honig und morgen werde ich das Bild mit in die Schule nehmen.

Hier das Rezept: 3 (Mutter)Hände Löwenzahnblüten unter fließendem Wasser abwaschen, in einen großen Topf geben. Zwei in Scheiben geschnittene Biozitronen mit in den Topf legen, dann 2 Liter Wasser dazu. 15 Minuten kochen, dann 24 Stunden lang ruhen lassen.
Am nächsten Tag wird alles durch ein Küchenhandtuch in einen anderen Topf gegossen, so dass man eine gelbe, klare Flüssigkeit erhält. Diese wird dann mit 1,5 Pfund Zucker erwärmt und bei kleiner Hitze eingekocht. Das kann bis zu 5 Stunden dauern – immer wieder umrühren zwischendurch, das ist wichtig. Nach und nach entsteht ein Sirup, den man dann heiß in kleine Gläser füllt. Deckel drauf, kalt werden lassen, fertig!
Guten Appetit!

© Regina Meier zu Verl

Tulpengespräch am frühen Morgen

Tulpengespäch am frühen Morgen

Durch einen glücklichen Zufall kam es dazu, dass ich das Gespräch von zwei Tulpen in meinem Garten belauschen konnte. Ich saß am frühen Morgen auf der Terrasse. Es war noch sehr früh, also eine Zeit, in der mich keiner im Garten vermutet hätte. Da ich von Natur aus ein stiller Mensch bin, bemerkte mich niemand, nicht Tier, nicht Pflanze und Mensch schon gar nicht, denn, wie gesagt: Es war noch früh!
Gerade versuchte ich, mich an den Traum zu erinnern, der mich aus dem Bett geschubst hatte, als ich ein feines Stimmchen vernahm.
„Guten Morgen! Heute ist mein Geburtstag!“
Verdutzt schaute ich mich um, konnte aber nicht ausmachen, zu wem die Stimme gehörte.
„Meiner auch!“, rief eine zweite Stimme, lauter als die erste.
„Ist das so? Hat man Geburtstag, wenn sich die Blütenblätter zum ersten Mal öffnen?“, fragte die erste Stimme. Sprachen da etwa zwei Blumen? Ich rieb mir den Schlafsand aus den Augen und spitzte meine Ohren, um nichts zu verpassen.
„Ja, ist so! Eigentlich sind wir ja schon vorher da, aber die Blüte ist doch das wichtigste an uns, nicht wahr? Wenn sie aufgeht, dann haben wir unseren Ehrentag!“ Das war wieder die lautere Stimme gewesen. Vorsichtig drehte ich mich auf meinem Gartenstuhl dem Blumenbeet zu und erblickte sofort zwei hübsche Tulpen, die gestern noch nicht geblüht hatten. Die beiden mussten es sein, die da miteinander plapperten.
Eine Weile war Stille. Hatten sie mich etwa bemerkt? Bewegungslos verharrte ich in der Position, die ich eingenommen hatte, als ich wieder die leise Stimme vernahm:
„Ein schönes Blütenkleid hast du. Es gefällt mir!“
„Danke schön, du siehst aber auch toll aus, ich mag dieses leuchtende Rot!“
Nun wusste ich also, wer zu welcher Stimme gehörte, die leise war Rot und die lautere Gelb. In Gedanken wollte ich ihnen gerade Namen geben, als sich eine weitere Stimme dazu gesellte. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass sich eine dritte Tulpenblüte geöffnet hatte.
„Guck mal, da kommt noch eine!“, rief die Gelbe, die Rote neigte leicht ihren Kopf, um besser sehen zu können. Dann begrüßte sie die Neue mit einem fröhlichen „Guten Morgen!“
„Igitt!“, flüsterte die Gelbe. „Die hat ja Streifen!“
Jetzt sah ich es auch, der Neuankömmling war rot mit gelben Streifen, außergewöhnlich schön, fand ich.
„Streifen im Blütenkleid machen schlank!“, rief die Neue selbstbewusst und lachte ein tulpenhelles Lachen. Die Rote stimmte sofort mit ein, aber die Gelbe ärgerte sich ein wenig, das war vielleicht der Neid, den man der gelben Farbe zusprach.
Ich hätte gern noch gelauscht, aber ein persönliches Bedürfnis trieb mich ins Haus. Ich rief den Tulpen schnell noch einen Gruß zu: „Herzlichen Glückwunsch, ihr Drei. Ihr seid die schönsten Tulpen, die ich je gesehen habe!“
Genauso hatte ich es auch gemeint. Den ganzen Tag bin ich mit einem seligen Lächeln im Gesicht durch die Welt gelaufen und morgen früh werde ich mich wieder auf die Terrasse setzen, das habe ich mir jedenfalls vorgenommen.

© Regina Meier zu Verl
Hier zum Anhören :

Lies hier von einer Tulpe, die unbedingt auf den Magnolienbaum möchte:

Wie die schöne Lali auf den Baum kam

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Bildquelle NickyPe/pixabay

Michael verändert sich

Michael verändert sich

„Raus aus dem Bett, die Füße in die Turnschuhe, kurz im Bad vorbei, aufs Klo und einen Schluck Wasser trinken und dann raus in die Natur!“, sagte Doktor Fröhlich.
„Du wirst sehen, dass sich dann alle Probleme schon bald davon machen!“
Der hatte gut reden, er hatte ja auch nicht zwanzig Kilo Übergewicht und das ganze Gesicht voller Pickel. Ich hingegen litt unter beidem und das machte mich so unglücklich, dass ich immer weiter und weiter aß und ein Pfund nach dem nächsten auf die Rippen bekam. Dabei war ich damals erst dreizehn und sah eigentlich gar nicht mal so schlecht aus. Mein Name ist Mick, eigentlich Michael, aber das kling fad, oder?
Pfarrer Gietl hatte im Religionsunterricht erklärt, dass der Name Michael ‚Wer ist wie Gott‘ bedeutetet, und dass im Neuen Testament der Erzengel, der den Teufel besiegte , so hieß.
Die ganze Klasse hatte schallend gelacht und Karl rief laut: „War der auch so fett und pickelig, da ist der Teufel bestimmt von alleine ausgerissen , als er ihn sah.“
Karl bekam eine Strafarbeit.
Mich hat das nicht getröstet, obwohl er es ja echt verdient hatte. Pfarrer Gietl hatte es gut gemeint, aber der Schuss ging dann nach hinten los. Von da an hatte Karl mich so richtig auf dem Kieker, das kann ich euch sagen. Aber es war auch der Auslöser dafür, dass ich mich an Dr. Fröhlichs Tipp erinnerte und beschloss – heute ist der Tag, an dem sich alles verändern wird.

Ich hatte nämlich beschlossen, in den sechs Wochen Ferien eine Kur zu machen und mindestens zwanzig Kilo abzuspecken. Und nun bin ich hier bei Doktor Fröhlich, na der Name stimmt einen doch schon positiv, findet ihr nicht.
Auch sind hier viele Jugendliche, die das gleiche Problem haben und keiner hat gestern gelacht, als ich ihnen vorgestellt wurde. Ihr glaubt nicht, wie gut das tut. Jedenfalls bin ich guter Dinge und freue mich nun auf die Zeit hier, auch wenn ich ein wenig Angst habe vor dem, was auf mich zukommen könnte.
Jetzt aber erstmal rein in die Turnschuhe, im Bad vorbei und dann raus in die Natur. Vor der Tür warten schon einige Jungs, die nun mit mir zusammen in den Wald laufen werden und danach erst gibt es Frühstück.

Ich war nun schon eine Woche hier. Der erste Waldlauf war eine Katastrophe. Ich kam den anderen kaum hinterher und musste fürchterlich schnaufen. Niemand lachte mich aus, dass ich immer das Schlusslicht bildete.
Nach ein paar Tagen lief ich schon in der Mitte. Überhaupt schön war es hier, obwohl die Umstellung des Essens mir anfangs Probleme bereitete.
Als ich die erste Veränderung an meinem Körper bemerkte, war mein Ehrgeiz geweckt. Ich trainierte noch intensiver und dachte fast gar nicht mehr an meine heiß geliebten Kartoffelchips, die mit einer eiskalten Cola hinuntergespült wurden. Das sollte Vergangenheit sein, so nahm ich es mir vor.
Mit Jonas verstand ich mich besonders gut. Er war in meinem Alter und auch vom Gewicht her ungefähr mit mir auf einer Stufe. Wir lachten, wenn wir uns als „dicke“ Freunde bezeichneten und wir schworen, uns nach der Kur zu schreiben und irgendwann mal wiederzusehen, obwohl uns ein paar hundert Kilometer trennten.
Könnt ihr euch vorstellen wie froh ich war, zum ersten Mal hatte ich einen Freund.

Die Gespräche mit dem Therapeuten fand ich einfach super. Zuerst war ich noch schüchtern, aber dann konnte ich alles erzählen, was mir auf der Seele brannte. Das tat gut.
Er sagte zu mir, dass ich nicht immer alle Probleme mit Essen lösen kann, damit schade ich mir nur selbst.
Ich muss mich meinen Problemen stellen und wenn ich gemobbt werde, das einfach ignorieren.
Aber so einfach wie der sich das vorstellt, geht es nicht immer.
3 Wochen später
Also das mit dem Essen, das kriege ich ganz gut hin, obwohl mir doch manchmal der Zahn tropft vor Süßigkeiten- und Chips Lust. Hunger ist das nämlich nicht, zu essen bekomme ich hier wirklich genug und es schmeckt auch alles sehr gut. Wir bekommen sogar die Rezepte dazu, damit unsere Eltern auch zu Hause so weiterkochen können für uns. Aber die Sache mit dem Mobbing ist schwieriger, ich kann mir nicht vorstellen, dass ich das zu Hause einfach so ignorieren kann.
Das sagte ich auch meinem Therapeuten und er schlug mir vor, mit mir extra Übungen für das Selbstbewusstsein zu machen.
Heute beginnt die erste Stunde, eigentlich haben wir ja in dieser Zeit eine Freistunde und ich wollte mit Jonas etwas unternehmen.
Da zeigt es sich, was für ein guter Kumpel Jonas doch ist. Er winkt einfach ab und meint mit einem schiefen Lächeln:
„Dafür erklärst du mir was ihr so macht, denn mehr Selbstbewusstsein könnte ich auch gebrauchen.“
Ich frage Herrn Reinold, ob Jonas auch mitkommen darf.
Er ist begeistert. „Klar, das ist ja prima, dann hast du gleich einen Übungspartner!“
Herr Reynold ist ein guter Therapeut, wenn ich das so sagen kann. Ich habe eigentlich keine Ahnung davon. Aber wir fühlen uns beide sehr wohl bei ihm und haben gar nicht gemerkt, dass wir therapiert wurden.
Wir sind beide nun schon vier Wochen in der Kur und die Zeit verfliegt nur so. Ganz ehrlich, ich bedauere, dass es nun nur noch knapp zwei Wochen sind, bis wir wieder nach Hause und schlimmer noch in die Schule müssen.
Zwanzig Kilo habe ich noch nicht abgenommen, das macht aber nichts. Es wird weniger und das ist entscheidend. Ich fühle mich erleichtert und freue mich auf die nächsten zwei Wochen.
Am Sonntag werden wir das erste Mal Besuch von den Eltern bekommen.
Die werden staunen, wenn sie uns sehen, wetten?

© Regina Meier zu Verl