Nestkontrolle

Fast hätte ich noch eine Ostergeschichte vergessen, diese möchte ich euch auf jeden Fall noch präsentieren! Viel Spaß!Osterhase im Magnolienbaum

Nestkontrolle

Heini Hase hatte viele Jahre lang in der Malstube geholfen, so wie es die Familientradition vorschrieb. Bei Familie Hase herrschten nämlich strenge Regeln, die besagten, dass die jüngsten Kinder der Familie Maldienst hatten. Dem ältesten Sohn war eine andere Aufgabe zugedacht. Er war der Kontrolleur und anschließend gründete er seine eigene Familie. Im nächsten Jahr rückte dann der nächstälteste Sohn nach. Endlich war Heini an der Reihe. Oh, er war so gespannt!

Und was ist mit den Mädchen, könnte man sich nun fragen. Das weiß ich auch nicht so genau, aber ich weiß, dass die Mädels nicht unglücklich waren. Geduldig widmeten sie sich der Malerei und genossen es, immer wieder neue Muster für die Eier zu erfinden. Während der Arbeit lachten und sangen sie und machten Witze über die Hasenjungs, die eher widerwillig in der Malstube halfen. Diese warteten sehnlichst darauf, endlich zum Kontrolleur zu werden, denn, auch wenn sie nicht genau wussten warum das so war, die Hasenkontrolleure der Vorjahre kamen stets singend und lachend von ihrer Arbeit heim.

Ihre Aufgabe bestand darin, die Nester für die Kinder zu überprüfen. Das war eine verantwortungsvolle Arbeit. Zunächst mussten sie zählen, ob die Eier gerecht verteilt waren. Schließlich sollte kein Kind benachteiligt werden. Des Weiteren mussten sie die Nester nach so genannten Fremdeiern überprüfen. Das kam viel häufiger vor, als man denkt. Verschiedene Fremdeier fand man da und die mussten wiederum überprüft werden. Waren es einfach Schokoladeneier, dann durften sie liegenbleiben. Stand aber so etwas wie „Knickebein“ oder „Eierlikör“ drauf, dann waren sie gefährlich. Sehr gefährlich sogar! Eier mit diesen gefährlichen Inhalten sammelten die Kontrolleurhasen in ihren Kiepen. Die ganze Nacht durchstreiften sie das Städtchen, schauten in jeden Garten und jedes Nest und sammelten auf diese Weise Eier namens Eierlikör, Himbeergeist, Cognactraum und Kirschwasser ein. Natürlich musste jedes dieser Eier durch ein Hühnerei ersetzt werden, sonst war es ja wieder ungerecht, nicht wahr?

Am Ende der langen Nacht vor dem Ostersonntag versammelten sich dann alle Kontrolleure an einem geheimen Platz im Wald. Dort vernichteten sie die gefährlichen Eier und bei jedem Ei, das sie aufaßen, um es für die Kinder unschädlich zu machen, sagten sie laut: „Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss!“ Man könnte es das Fest ihres Junggesellenabschieds nennen und wie sehr sie sich darüber freuten, nun bald eine eigene Familie zu haben, das merkte man an ihrem Lachen, an den Liedern, die sie anstimmten. Später konnte man sie dann nicht mehr verstehen, so hatten sie sich angestrengt, dass sie nicht einmal mehr richtig sprechen konnten.

Waren alle Eier vernichtet, wankten die Kontrolleure nach Hause. Am ersten Ostertag sah man sie nie, komisch.

Aber nun wissen wir, wie es kommt, dass in Osternestern niemals Liköreier liegen. Solltet ihr doch mal eins finden, dann lasst es schnell verschwinden. Diese Eier sind gefährlich!

© Regina Meier zu Verl

Regina belauscht den Osterhasen

Regina belauscht den Osterhasen

Mit dieser kleinen Geschichte wünsche ich all meinen Lesern und Besuchern ein frohes Osterfest!

Regina belauscht den Osterhasen

Zufällig wurde ich Zeugin eines Gesprächs, dass heute, am Samstag vor Ostern in unserem Garten stattfand. Entgegen meiner Gewohnheiten war ich schon sehr früh wach geworden. Es mag daran gelegen haben, dass ich früh im Bett war und sofort eingeschlafen bin. Egal, jedenfalls stand ich am Wohnzimmerfenster und beobachtete den Sonnenaufgang. Im Haus war es noch ganz still und auch auf der Straße war noch niemand unterwegs.
Da, was war das? Hatte ich nicht gerade eine leise Stimme gehört? Ich lauschte und hörte tatsächlich eine Stimme. Einbrecher? Das war mein erster Gedanke, den ich aber gleich wieder verwarf. Die Stimme klang eher kindlich. Ich lauschte also weiter, musste mich aber mächtig anstrengen, um überhaupt ein Wort verstehen zu können.
„Das wäre wirklich nicht gerecht!“, sagte die Stimme. „Wir müssen doch zusammenhalten, wir Frauen!“
Aha, es war also eine Sie. Aber was bedeutete das? Ich hatte mich doch gar nicht beklagt, oder meinte sie mich gar nicht? Schließlich leben hier noch zwei weitere Frauen im Haus, eine Große und eine Kleine.
„Die Kleine bekommt ein Ei, die Großen nicht, Punkt!“, sagte eine andere, etwas lautere Stimme.
„Aber die eine von den Großen, die Mutter, ist Tag und Nacht für die Kleine da und nebenbei arbeitet sie noch im Homeoffice und nie trifft sie sich mit anderen Leuten, das ist auf Dauer auch anstrengend und ein wenig Abwechslung täte ihr mal gut, oder?“, sagte nun die erste Stimme wieder.
„Ja, gut! Und die Alte?“, fragte nun wieder die andere Stimme.
„Alte?“, kreischte nun die Erste. „Du bist wohl nicht ganz gescheit, die ist doch nicht alt und außerdem schreibt sie Kindergeschichten und wir Hasen kommen dabei ganz gut weg, das kannst du mir glauben!“

Ich musste lachen, riss mich aber zusammen, weil ich die Beiden nicht erschrecken wollte.
Dass ich das in meinem Alter noch erleben durfte, das machte mich dankbar. Ich hatte es hier wohl mit zwei Osterhasengehilfen zu tun, oder gar dem Osterhasen selbst?
Im Garten war ich noch nicht, es ist ja erst morgen Ostern. Aber dann werde ich berichten, was wir gefunden haben, die Kleine, die Mutter und die Alte, also ich.

© Regina Meier zu Verl

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Kalle und die Elfen

Kalle und die Elfen

Kalle und die Elfen
unter dem Text auch zum Anhören

In Kalles Zimmer ist ein Dachfenster. Papa hat dort eine Fensterbank eingebaut. Die hat Kalle mit Moos ausgelegt.
Auf einer Seite steht im Moos eine kleine Baumwurzel, in die ein Efeu gepflanzt ist. Kalle besprüht die Kletterpflanze jeden Tag und er freut sich über jedes neue Blättchen, das sich entwickelt.
„Entwickelt…“ denkt Kalle, „ist genau das richtige Wort dafür.“ Denn das Blättchen ist ja zuerst ganz ineinander geknüllt und wickelt sich dann langsam aus.
„Klasse!“ Kalle freut sich, dass er wieder ein neues Lieblingswort entdeckt hat. Er liebt es, wenn er solche Geistesblitze hat. Und Kalle liebt Elfen. Das sagt er zwar keinem, denn ein Junge, der Elfen sammelt käme bei den Klassenkameraden gar nicht so gut an. Das glaubt Kalle jedenfalls. Es ist sein Geheimnis. Drei niedliche kleine Blumenelfen hat er schon und es sollen immer noch mehr werden. Dafür spart der Kalle sein Taschengeld.
Die Mohnelfe mit ihrem leuchtenroten Kleidchen, sitzt auf der Baumwurzel, eine andere liegt bäuchlings im Moos und sein Liebling, die Kornblumenelfe springt vergnügt wie ein Kind herum. Natürlich springt sie nicht, es sieht nur so aus.
In Kalles Moosgärtchen gibt es auch Blumen. Manchmal pflückt Kalle sie im Garten hinterm Haus, da findet man vom Frühjahr bis in den späten Herbst immer etwas Blühendes. Im Winter geht er zu Frau Schiefer. Die hat ein Blumengeschäft und schenkt ihm ab und zu eine abgeknickte Blüte oder eine weit aufgeblühte Rose, die sie nicht mehr verkaufen kann.
Heute hat Kalle die ersten Krokusse entdeckt und schnell eines davon stibitzt. Er stellt die zartgelbe Blume in ein kleines Wassergläschen und stellt sie zu den Elfen ins Fenster.
„Schaut her, ich habe euch ein Krokus gebracht, bald kommt der Frühling und ihr sollt euch daran freuen.“
In der Nacht träumt Kalle von einem Reh, das in sein Fensterbankgärtchen kommt und mit den Elfenmädchen spielt. Die drei tanzen um das Rehlein herum und singen dabei eine Melodie, die Kalle bekannt vorkommt. Die Worte hat er aber noch nie gehört.
Elfen spielen in der Nacht
Wenn der Sandmann Schlaf gebracht.
Schenken Kindern schöne Träume,
fliegen leise durch die Räume.
Als Kalle am Morgen aufwacht, geht er zuerst an seinen Schreibtisch und schreibt das Verslein auf. Dann schaut er nach den Elfenkindern und bekommt einen tüchtigen Schrecken.
Die Klatschmohnelfe liegt auf dem Bauch, daneben die Kornblumenelfe und die Narzissenelfe. Alle drei haben die Augen geschlossen und schlafen. Das Glas mit dem Krokus ist umgefallen, das Wasser tropft von der Fensterbank.
„Mama, komm schnell!“, ruft Kalle und rennt in den Flur.
„Mama, meine Elfen…“, Kalle ist furchtbar aufgeregt und Mama kommt auch ganz schnell angelaufen.
„Was ist denn nur los, Kalle?“
Kalle ist ganz außer Atem und stammelt: „Die Elfen leben!“
Als Mama und Kalle ins Zimmer kommen, ist auf der Fensterbank wieder alles beim Alten.
Jede Elfe sitzt oder steht an ihrem Platz, selbst das Blümchen steht wieder im Glas. Doch von der Fensterbank tropft noch immer das Wasser.
Komisch.

© Regina Meier zu Verl

Kalle und die Elfen – zum Anhören
Janosch und das Ostergedicht

Janosch und das Ostergedicht

Janosch und das Ostergedicht

Janosch soll ein Ostergedicht schreiben. Das ist die Hausaufgabe für den nächsten Tag und Janosch hat auch schon eine Idee.
„Zum Nachdenken brauche ich aber einen Schokoladenpudding“, erklärt er seiner Mutter. „Ohne Schokoladenpudding geht nichts …“
Frau Werning grinst, sie kennt ja ihren Sohn. Bei jeder Gelegenheit will er Schokoladenpudding essen. Ein richtiges Schleckermaul ist er, der Janosch.
„Fang du nur mit dem Gedicht an, ich koche einen Pudding, wenn du mir eine Idee zeigst, bekommst du ein Schälchen!“, verspricht sie und macht sich gleich an die Arbeit.
Janosch kaut auf seinem Bleistift herum und dann schreibt er:

Im Frühling feiern wir ein Fest
und bauen uns ein Osternest,
aus Moos und kleinen Zweigen

„Mama, was reimt sich denn auf „Zweigen“?“, ruft er seiner Mutter zu.
„Steigen, Geigen, zeigen, neigen, Reigen“, antwortet Mama. Doch da ist noch nicht das Richtige dabei, findet Janosch. Er überlegt und überlegt. Dann zerknüllt der das Blatt und fängt noch einmal von vorn an.

Die Ostereier sind schön bunt,
sie sind oval und gar nicht rund.

„Ach nein, das ist ja blöd. Jedes Kind weiß, dass Eier nicht rund sind. Da muss ich mir was Besseres einfallen lassen!“, stöhnt Janosch und macht einen weiteren Versuch.

In jedem Jahr, am Ostermorgen,
da mache ich mir große Sorgen,
ob denn der Hase auch gefunden
mein Nest, das ich so schön gebunden,
aus Weidenruten und aus Moos,
nicht zu klein und nicht zu groß.

Die erste Strophe ist fertig, Janosch ist zufrieden. Frau Müller, die Lehrerin, hat gesagt, dass die Schüler anschließend die Silben des Gedichtes zählen sollen, damit auch alles passt. Janosch zählt: Erste Zeile – neun, zweite Zeile neun, dritte Zeile neun, vierte Zeile neun. Prima, doch dann kommt’s, die beiden letzten Zeilen stimmen nicht, da muss er noch mal ran.

aus Weidenruten und grünem Moos,

Verflixt, Janosch fällt nichts ein, wie er das Problem lösen kann. Wieder kaut er auf dem Bleistift.

aus Weidenruten und grünem Moos,
ist es ganz prima und nicht zu groß.

So, fertig. Janosch marschiert stolz in die Küche und präsentiert seiner Mutter das Gedicht und bekommt auch gleich seine Belohnung.
„Dichten ist schwere Arbeit, den Pudding habe ich mir wohl verdient!“, verkündet er stolz und dann lässt er es sich schmecken.

© Regina Meier zu Verl

 

Der Birkenweg im Frühling

Der Birkenweg im Frühling


Der Birkenweg im Frühling

Elfenfrau und Feenkind
flüstern leis’ im Abendwind,
dass der Winter geht zur Neige
Frühling rauscht im Birkenzweige.

Bald schon werden an den Spitzen
grüne Blätter lustig blitzen
und der Stämme Silberschein
wird uns eine Freude sein.

Geh ich dann durch die Allee,
vergess ich jedes Ach und Weh,
atme ein der Birken Duft,
es liegt Frühling in der Luft.

Feenkind und Elfenfrau
kichern schon, ich hör’s genau,
amüsieren sich und raunen:
„Schau, die Menschin, die kann staunen!“

© Regina Meier zu Verl