Engelsmusik

Engelsmusik

Es war an einem Sonntag. Die Sonne, die den ganzen Tag herrlich warm vom Himmel gelacht hatte, war schon untergegangen. Der Junge hatte von dem wunderbaren Sommertag nicht viel gesehen, denn er saß am Bett seines kranken Vaters, kühlte ihm die Stirn und erzählte ihm Geschichten.

„Mein lieber Sohn“ sprach der Vater und es kostete ihn einige Mühe „wir werden uns wiedersehen, das verspreche ich dir.“
Dem Jungen traten Tränen in die Augen, denn er wusste, dass er soeben die letzten Worte seines Vaters vernommen hatte.
„Vater, lieber Vater, ich wollte dir doch noch so viel erzählen. Bitte bleibe bei mir.“
Doch der Vater hörte ihn nicht mehr. Der Tod hatte ihn zu sich in sein Reich geholt. Der Sohn legte seinen Kopf auf den noch warmen Leib des Verstorbenen und ließ seinen Tränen freien Lauf.
Nachdem eine Stunde vergangen war, erhob er sich, holte eine Schale mit warmem Wasser und weiße Leinentücher. Er wusch den toten Vater und trocknete sorgfältig sein Gesicht. Er kämmte ihm das volle Haar und richtete sein Lager. Dann holte er sieben Kerzen aus der Kommode und stellte sie in den goldenen Leuchter, der sieben Kerzenhalter hatte.
Er zündete ein Streichholz und sprach, während er eine Kerze nach der anderen entflammte:
„Der Vater, der Sohn, der Heilige Geist, die Liebe, die Hoffnung, der Glaube und die Auferstehung.“
So hatte der Vater ihm aufgetragen zu sprechen und er war ein gehorsamer Sohn. Kaum hatte er die siebente Kerze entzündet, wurde das Zimmer in ein helles Licht getaucht. Der Junge bedeckte das Gesicht mit den Händen, wie sein Vater ihn geheißen hatte. Sein Herz schlug wild vor Angst, er glaubte, das Klopfen zu hören, doch es waren Schritte, die über den Holzfußboden polterten.
Bum-bum-bum-bum… der Junge wagte kaum zu atmen.
„Das ist der Tod“, dachte er, „er bringt ihn mir zurück.“
Nach einer Weile hörte er keine Geräusche mehr und nahm die Hände herunter.
Er öffnete die Augen und blickte auf seinen Vater, dessen Gesicht einen anderen Ausdruck angenommen hatte. Ein seliges Lächeln lag auf seinen Lippen und seine Augen waren geschlossen. Er sah aus, als schlafe er. Über seinem Kopf lag ein weißer Nebel, der sich wie kleine Wellen bewegte.
„Das ist das Zeichen, das mir mein Vater vorausgesagt hat. Lieber Gott, ich danke dir.“

Einige Tage, nachdem man den Mann zu Grabe getragen hatte, machte der Junge seinen täglichen Besuch auf dem Friedhof, der direkt hinter der kleinen Kapelle lag. Es war ein wunderbarer Ort der Ruhe, viele alte Bäume spendeten ihren Schatten. Es sah so aus, als wachten sie mit ihren ausgebreiteten Ästen über die Gräber. Viele Stunden hatte der Junge hier verbracht, seitdem der Körper seines Vaters beigesetzt worden war. Er war nur noch ein wenig traurig, denn er wusste ja, dass es ein Leben nach dem Tode gab. Er hatte den weißen Nebel gesehen, der, wie der Vater ihm erklärt hatte, die Seele des Verstorbenen war.
An diesem Tage hörte der Junge eine sonderbare Musik. Sie kam nicht aus der Kapelle und auch nicht vom Dorfe her. Nein, eine solche Musik hatte er noch nie gehört. Ganz leise, liebliche Töne streiften sein Ohr. Es waren keine Instrumente, sondern Stimmen, die da sangen, doch so sehr sich der Junge auch bemühte, nur ein einziges Wort zu verstehen, es gelang ihm nicht.
Der Junge kniete am Grab seiner Eltern nieder und fragte leise: „Hörst du das, Vater?“
Zunächst geschah nichts, doch plötzlich fühlte der Junge die Anwesenheit eines anderen Menschen. Erschreckt blickte er sich um, sah aber nichts.
„Du kannst mich nicht sehen, Junge. Ich bin hier neben dir, doch ich besitze keinen Körper mehr. Hab keine Angst, ich werde immer an deiner Seite sein.“
„Vater, ich kann dich hören. O Vater, es stimmt, was du mir gesagt hast. Ich bin so glücklich, aber ich bin auch so allein. Niemand bereitet mir ein Mahl zu, niemand weckt mich am Morgen auf, niemand gibt mir einen Kuss zur Nacht.“
Der Junge weinte bitterlich, doch dann horchte er erneut. Die liebliche Stimme sang eine bezaubernde Melodie.
„Ach, könnte ich immer so schöne Musik hören.“ Sehnsüchtig streckte der Junge die Arme in die Richtung, aus der er glaubte, die Stimme zu hören.
„Vater, ist das ein Engel, der da singt? Bitte, Vater, ich muss es wissen.“ Doch er erhielt keine Antwort und auch die Musik entfernte sich immer mehr.
Der Junge sah, dass der Pfarrer aus der Kirche gekommen war und jetzt direkt auf ihn zukam. Sicher waren die Stimmen deshalb verschwunden, dachte er.
„Grüß Gott, mein Sohn“, sagte der Geistliche. „So ist es recht, du besuchst das Grab deiner Eltern.“
„Ja, Hochwürden“, antwortete der Junge. „Hier bin ich ihnen am nächsten.“
Mit einem Lächeln auf den Lippen ging der Gottesmann weiter des Weges. Der Junge wartete darauf, dass die wunderschöne Musik wieder zu hören war, doch es tat sich nichts.
„Ich will nach Hause gehen und morgen wieder hierher kommen.“, dachte er und ging heim.
In der Nacht träumte er wieder von seinem Vater. Er stand an einem geheimnisvollen Platz auf einer Waldlichtung, die in Sonnenlicht getaucht war. Um ihn herum waren viele Gestalten, deren Körper transparent waren und die sich leise miteinander unterhielten. Der Vater sprach mit einer jungen Frau und hielt deren Hand. Der Junge sah das alles wie auf einer Leinwand, doch als die beiden sich ihm zuwandten bemerkte er, dass auch sie ihn sahen. Die wunderschöne Frau lächelte ihn an und begann dann zu singen. Ihr Gesang war es, den er heute auf dem Friedhof gehört hatte und plötzlich wusste der Junge, wer diese Frau war. Es war seine Mutter, die schon bei seiner Geburt gestorben war.
„Mein liebes Kind, endlich kannst du mich sehen. Ich war die ganzen Jahre bei dir und habe dich aufwachsen sehen. Dein Vater ist jetzt hier bei mir. Wir wären gern bei dir, aber wir sind auch sehr glücklich, dass wir wieder vereint sind.“
Der Junge streckte seine Arme nach seinen Eltern aus, doch er konnte sie nicht berühren.
„Mama, Papa, ich möchte zu euch kommen!“, rief er verzweifelt und
„Lieber Gott, lass mich sterben, damit ich bei ihnen sein kann.“
Die Mutter schüttelte sanft den Kopf und lächelte.
„Nein, mein Sohn. Du musst leben, für deinen Vater und für mich, denn durch dich leben wir weiter. Wir sind immer bei dir, darauf kannst du dich verlassen. Es kann sein, dass du uns mal nicht wahrnehmen kannst, später, wenn du erwachsen sein wirst. Dann denk an diesen Traum zurück und sei gewiss, dass alles wahr ist, was ich dir sage. Erwachsene verlieren manchmal den Sinn für das Wesentliche. Bewahr dir dein Kindsein, solange du kannst. Wir werden dir dabei zur Seite stehen.“

Als der Junge erwachte, war er sehr traurig. Er hatte seine Mutter gesehen und er wusste, dass es nicht nur ein Traum war. So gern wäre er bei ihr und seinem Vater gewesen, aber die Mutter hatte ihm erklärt, welches seine Bestimmung auf Erden war.
Er wuchs heran, wurde erwachsen und dachte jeden Tag an seine Eltern. Liebevoll pflegte er deren Grab und oft waren sie ihm ganz nah. Schon früh entdeckte er, dass er eine besondere Gabe besaß. Er konnte Lieder aufschreiben, die ihm seine Mutter im Traum sang. Vielen Menschen konnte er damit Freude geben und Trost spenden.

Heute ist er ein alter Mann mit weißem Haar und obwohl ihm das Gehen Mühe bereitet, schleppt er sich noch jeden Tag zu der kleinen Kapelle am Friedhof. Dort spielt er die Orgel und es klingt wie wahre Engelsmusik.

© Regina Meier zu Verl

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Bildquelle kmckaskle/pixabay

Käthe wartet

Käthe wartet

Käthe steht an der Gartenpforte und schaut. Jeden Tag sieht man sie dort, immer zwischen Zwölf und Eins mittags. Sie schaut nach rechts, dann nach links, dann wieder eine Weile geradeaus. Sie wartet.
„Schau, Mama, die Käthe, da steht sie wieder!“ Florian sitzt am Küchentisch und beobachtet die Nachbarin aus dem Haus gegenüber. Er kennt sie gut, aber in den letzten Monaten ist sie so komisch geworden, so dass Florian manchmal sogar etwas Angst vor ihr hat.
„Sie wartet!“, sagt Mama und Florian nickt. „Weiß ich ja. Aber merkt sie denn nicht, dass sie ganz umsonst dort wartet?“
„Nein, Florian, Käthe vergisst es immer wieder. Sie denkt, dass ihre Kinder jeden Moment aus der Schule kommen müssten. Das hat sie mir erzählt und als ich sagte, dass die Kinder doch längst erwachsen sind, da hat sie geweint und ist ins Haus gelaufen.“
„Sie tut mir so leid!“ Florian hat Tränen in den Augen, denn er mag die alte Dame so gern leiden. Früher hat sie ihm Geschichten erzählt. Aber heute ist Florian ja schon ein großes Schulkind und er kann seine Geschichten selbst lesen.
„Meinst du, ich sollte sie mal fragen, ob sie mir eine Geschichte vorliest?“, fragt Florian die Mutter.
„Versuch es, aber jetzt essen wir erst einmal, später kannst du zu ihr gehen.“
„Und wenn sie mich wieder nicht erkennt?“
„Dann stellst du dich vor und sagst ihr wer du bist, wo du wohnst und dass du immer so gern ihre Geschichten hörst. Dann wird sie sich bestimmt erinnern, noch kann sie das!“
Am Nachmittag geht Florian zu Käthe. Mama hat ihm einen schönen Strauß Löwenmäulchen aus dem Garten mitgegeben.
„Ach du lieber Junge“, begrüßt ihn Käthe. „So schöne Blumen“, sie nimmt die Blumen und holt gleich eine Vase aus der Küche.
„Setz dich doch, Kleiner!“
Großzügig überhört Florian das „Kleiner“. Eigentlich mag er das nicht hören, aber Käthe darf das und heute ist sie auch wunderbar gelaunt und nicht so zickig wie beim letzten Mal, als sie sich so darüber geärgert hat, dass sie sich nicht an Florians Namen erinnern konnte und ihm einreden wollte, dass er gefälligst Josef zu heißen hat.
„Ich bin übrigens der Florian!“, sagt er schnell.
„Aber das weiß ich doch, Kleiner. Magst du einen Kakao?“
„Nein, ich habe gerade zu Mittag gegessen, aber eine Geschichte würde ich gern hören.“
Käthes Augen strahlen, sie setzt sich in den großen Sessel, legt die Beine auf die Fußbank und beginnt:
„Heute erzähle ich dir eine Geschichte, die der Josef auch immer so gern gehört hat, weißt du, der Josef, das ist mein Jüngster!“
Florian lauscht der Geschichte, er kennt sie schon, aber das macht gar nichts. Käthe ist glücklich und es tut ihr gut zu erzählen, das merkt Florian und er nimmt sich vor, sie nun wieder öfter zu besuchen.

© Regina Meier zu Verl

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Meine Freundin Edeltraud

Meine Freundin Edeltraud

Sascha ist das Nesthäkchen der Familie. Er ist fünf Jahre alt. Dann sind da noch Tine und Bella, die Zwillinge. Die beiden sind schon acht und gehen in die dritte Klasse.Sascha findet es blöd, dass er noch nicht in die Schule gehen darf. Er möchte nicht mehr in den Kindergarten. Lesen will er und schreiben, denn dann würde er Geschichten schreiben, so wie seine Mama. Ja, und Bauer will er werden, so wie Nachbar Heinrich.
„Wenn du willst, dann schreibe ich deine Geschichten auf“, hatte seine Mutter ihm oft angeboten.
Heute ist es soweit, Sascha fragt:
„Mama, hast du Zeit?“
„Sicher, was möchtest du denn?“
„Ich will dir eine Geschichte erzählen. Schreibst du sie für mich auf?“
„Klar, mache ich.“
Mama nimmt sich einen Block und einen Bleistift und dann kann es losgehen.
Sascha diktiert:
„Sascha ist bei Heinrich. Was macht er da?“
Mama schreibt eifrig und Sascha überlegt. „Er füttert die Kühe. Heinrich hat viele Kühe.“
Sascha überlegt.
„…Und die haben dollen Hunger und Durst und die heißen Liese und Lotte und Herta und Franzi und…“
„Moment!“, ruft Mama. „Nicht so schnell!“
„Okay, also langsamer: Liese, Lotte, Herta, Franzi, Heidi, Paula, Trude…“
„Ich wusste ja gar nicht, dass du alle Namen kennst, Sascha.“
„Das ist ganz leicht, ich stelle mir vor, dass sie alle hier vor dem Fenster vorbeilaufen, dann fallen mit die Namen ein.“
Mama staunt nicht schlecht, denn es kommen noch mindestens zehn weitere Kuhdamennamen. Sie könnte sich das bestimmt nicht so merken.
„Kennt der Heinrich seine Kühe auch so gut?“
„Klar Mama, sie sind seine allerbesten Freundinnen, die kennt man doch. Er sagt immer, dass er sie am Euter erkennen kann.“
Mama prustet los, sie schüttelt sich vor Lachen.
„Und woran erkennst du die Kühe?“
„Na, am Gesicht und wenn nicht, dann auch am Euter!“
Als Mama sich wieder ein bisschen beruhigt hat, geht es weiter mit der Geschichte.
Zwischendurch muss Mama noch einmal vorlesen. Sie hat alles richtig gesagt und Sascha ist zufrieden.
„Ist schon eine ganz schön lange Geschichte, stimmt’s, Mama?“
„Ja, stimmt! Wie geht es denn weiter?“
„Gut, also weiter: Als alle Kühe gefüttert sind, schickt der Heinrich sie wieder auf die Weide, die Lise, die Lotte, die Herta, die Franzi…“
Mama schreibt brav mit, ihre Gedanken wandern aber schon in die Küche, bald ist Zeit für das Abendessen.
„Lies mal vor, Mama! Die Kühe schlafen jetzt und die erste Geschichte ist zu Ende.“
Mama liest vor. Als sie den letzten Satz gelesen hat, fängt Sascha an zu weinen.
„Was ist denn jetzt los?“
„Mama, du hast die Edeltraud vergessen, die hat jetzt nichts zu fressen bekommen und auf die Weide durfte sie auch nicht mit. Ich habe dir doch gesagt, du sollst die Edeltraud aufschreiben.“ Verzweifelte Tränen laufen und die Nase läuft gleich mit.
„Weißt du was, lieber Sascha. Du hast Recht, ich erinnere mich genau, dass du mir die Edeltraud genannt hast. Da habe ich wohl nicht richtig aufgepasst. Entschuldige bitte.“
„Ja gut, Mama. Aber was machen wir denn jetzt?“
„Wir schreiben die Edeltraud jetzt einfach dazu, dann hat alles wieder seine Ordnung!“
Sascha ist zufrieden und Mama denkt, dass sie beim nächsten Diktat einfach besser zuhören muss, denn Sascha ist pingelig und das ist ja auch richtig so.

© Regina Meier zu Verl


Reizwortgeschichte: Die Wichteltür

Geraschel, Knall, muffig, rot, flüstern

Das sind die Wörter, die heute mit in die Geschichte eingeflochten werden mussten. Lest bitte auch bei meinen Kolleginnen:

Martina und Lore

Die Wichteltür

Vorwort

Manchmal fand Alina in ihrem Kopf Wörter, die schon Spinnweben angesetzt hatten, weil sie so lange nicht mehr benutzt wurden. Dabei handelte es sich oft um Wörter, die sie aus ihrem alten Märchenbuch kannte, das sie schon lange nicht mehr in die Hand genommen hatte. Ohne Oma machten ihr die Märchen keinen Spaß mehr. Oma hatte sie ihr vorgelesen. Alina erinnerte sich an die schönen Stunden mit ihr und das wiederum machte sie traurig, denn Oma war nun nicht mehr da.
„Ach Oma“, flüsterte Alina. „Du fehlst mir so!“
Gerade jetzt, kurz vor dem Einschlafen war ihr wieder so ein Wörtchen in den Sinn gekommen. Eines, das man im normalen Reden gar nicht mehr benutzte. Jedenfalls hatte Alina es lange nicht gehört.
Schauergefühl! So ein Schauergefühl hatte Alina nämlich gehabt, als es plötzlich irgendwo im Zimmer ein seltsames Geraschel gab. Zuerst glaubte Alina, dass sie sich verhört hatte. Als aber das Geraschel immer wieder kurz zu hören war, zog das Mädchen die Bettdecke bis ans Kinn und lauschte, dabei kroch ihr eine Gänsehaut über den Körper, ein Schauergefühl eben. Es war jetzt still geworden, doch gerade, als Alina sich wieder entspannte, war es wieder da, das Geraschel, und es kam aus dem Papierkorb unterm Schreibtisch. Ob es eine Maus war? Oder etwa eine von Patricks Rennmäusen, die aus dem Käfig ausgebüxt war? Alinas Bruder Patrick war öfter nachlässig, wenn es um das sichere Verschließen des Mausekäfigs ging. Es hätte also sein können.
Alina fasste sich ein Herz und rutschte vorsichtig aus dem Bett. Auf Zehenspitzen durchquerte sie das Zimmer, schlüpfte durch die Tür und schloss sie fest hinter sich. Ihr Herz klopfte bis zum Hals. Patricks Zimmertür stand einen Spalt breit offen. Alina schaute leise ins Zimmer. Patrick war noch nicht im Bett. Der Mäusekäfig war verschlossen. Einerseits war Alina erleichtert, doch dann fragte sie sich erneut, was denn da in ihrem Zimmer raschelte.
Entschlossen ging sie die Treppe hinunter ins Wohnzimmer, wo ihre Eltern es sich gemütlich gemacht hatten. Papa schlief schon und Mama las.
„Alina, schläfst du noch nicht?“, fragte sie erstaunt.
„Geht nicht!“, meinte Alina. „In meinem Zimmer raschelt es, ich glaube es ist eine Maus oder sowas!“
Mama sprang auf. „Ach herrje, das hat uns gerade noch gefehlt!“, rief sie und schüttelte Papas Schulter. „Heiner, aufwachen, Mäusealarm!“
Papa schaute sich verschlafen um. Gerade hatte er so schön geträumt und jetzt gab es Alarm.
„Wo, wann, warum?“, stammelte er.
„In Alinas Zimmer, jetzt gerade und wir wissen auch nicht warum!“, beantwortete Mama die Fragen der Reihe nach.
Zu dritt gingen sie in die obere Etage. Mama und Alina blieben vor der Zimmertür, nur Papa betrat leise das Zimmer und schloss die Tür hinter sich. Nach zwei Minuten kam er wieder heraus.
„Nichts!“, sagte er. „Nirgends eine Maus!“
„Hast du im Papierkorb nachgeschaut?“, wollte Alina wissen.
Das hatte Papa als erstes gemacht, er hatte ihn sogar einmal ins Zimmer ausgeleert und wieder eingeräumt.
„Außer einem muffigen Geruch habe ich nichts bemerkt da drin!“, sagte Papa und gerade wollte er wieder runter und auf sein geliebtes Sofa, da gab es einen Knall, nicht zu laut, aber deutlich vernehmbar. Alina zuckte zusammen, Mama ebenfalls.
„Was war das denn?“ Mama war aufgeregt und ging nun selbst in Alinas Zimmer. Sie schnupperte.
„Ich rieche nichts Muffiges, außerdem habe ich den ganzen Morgen gelüftet hier!“ Mit hochrotem Kopf suchte sie verärgert die Ecken ab, nahm die Matratze aus dem Bett, schüttelte die Decken aus, schaute hinter den Gardinen, leerte den Papierkorb nochmal aus. Nichts zu finden!
„Alina, vielleicht hast du nur geträumt!“, meinte Papa. Aber Alina schüttelte entschieden den Kopf. Sie hatte doch noch gar nicht geschlafen, also konnte sie auch nicht geträumt haben. Sie schaute sich ebenfalls noch einmal im Zimmer um und plötzlich blieb ihr Blick an der Wichteltür unter ihrem Fenster hängen. Die war doch eben noch geöffnet gewesen. Da war Alina sicher, denn sie hatte noch auf ihrem Spielteppich gespielt, bevor sie ins Bett gegangen war. Die Wichteltür hatte sie von Oma bekommen.
„Das ist die Tür zu einer anderen Welt!“, hatte Oma geheimnisvoll gesagt und dabei mit den Augen gezwinkert.
Plötzlich hatte Alina es sehr eilig, ihre Eltern wieder loszuwerden. „Ich habe mich bestimmt getäuscht!“, flüsterte sie und schob Mama aus der Tür. „Ihr könnt gehen!“
Mama und Papa wunderten sich, aber sie verließen das Zimmer, nachdem Mama Alina zugedeckt hatte und ihr eine gute Nacht gewünscht hatte.
Die kleine Lampe auf dem Tischchen neben dem Bett durfte weiterleuchten, ausnahmsweise.
Kaum hatten die Eltern das Zimmer verlassen, huschte Alina aus dem Bett und schaute sich die Wichteltür genauer an. Vorsichtig zog sie an der kleinen Klinke und öffnete sie. Heute war keine Wand dahinter, wie sonst. Heute konnte sie in das Land hineinschauen, von dem die Großmutter gesprochen hatte. Die Sonne schien herrlich und da, saß da nicht jemand auf der Bank und las?
„Oma, bist du das?“, flüsterte Alina, die zu gern das Land betreten hätte, aber dafür war sie wohl viel zu groß.
„Schade!“ Alina schloss die Augen und schlief sofort ein und als sie in das Traumland hinüberglitt, erhob sie die Dame auf der Bank und kam langsam auf Alina zu.
„Da bist du ja!“, sagte sie und nahm das Mädchen in die Arme. „Ich habe auf dich gewartet!“

Als Mama später noch einmal nach ihrer Tochter schaute, lag diese mit einem seligen Lächeln auf ihrem Spielteppich. Mama hob sie auf und legte sie vorsichtig ins Bett.
„Schlaf gut, meine Kleine“, flüsterte sie noch.
Als sie das Zimmer verließ, schloss sich auch die Wichteltür, die aber von nun an jeden Abend geöffnet werden durfte und dahinter … warteten viele Geschichten auf Alina.

© Regina Meier zu Verl

Hier geht es bald weiter!

Sommerkirmes 1970

Jedes Jahr, am ersten Wochenende im September ist in meiner Heimatstadt eine Kirmes, das „Verler Leben“. Und jedes Jahr denke ich an die Zeit zurück, von der ich in meiner kleinen Erzählung berichte. Schön war’s, richtig schön.
Wegen Corona fällt das Fest in diesem Jahr wieder aus, das ist schade. Hoffen wir auf das nächste Jahr!
(Verl ist mittlerweile eine Stadt – eine schöne Stadt!)

Sommerkirmes 1970
Im Dorf ist Jahrmarkt,
wieder einmal. Bunte Stände und Fahrgeschäfte reihen sich aneinander. Herrlich, das Herz klopft schneller beim Anblick. Ich denke an dich, meine nach Zimtnudeln duftende Freundin aus Kindertagen. Weißt du noch, wie vergnügt wir waren? Kinder noch und doch schon auf dem Weg erwachsen zu werden. Weißt du noch, wie wir stundenlang vorm Spiegel standen, um uns aufzuhübschen? Weil uns ja der Mann unseres Lebens hätte begegnen können – auf dem Jahrmarkt. Die Vorbereitung auf den Bummel durch die Straßen unserer Heimat war beinahe noch schöner, als der Kirmesbesuch selbst. Wir machten Pläne, kicherten um die Wette, flochten unsere Haare zu Zöpfen, krempelten unsere Miniröcke in der Taille um, damit sich noch ein wenig kürzer waren. Natürlich krempelten wir erst dann, wenn wir aus der Sichtweite unserer Mütter waren. Sie hätten uns so nicht ziehen lassen.
Der Mann unseres Lebens ist uns dort nicht begegnet, wie sollte er auch? Wir saßen zu zweit im Twister-Karussell und juchzten vor Freude, so lange, bis wir unser Taschengeld ausgegeben hatten. In der Gondel war nur Platz für zwei, für dich und für mich, liebe Freundin. Wie geht es dir heute, was machst du? Sind deine Gedanken an die Kindheit auch so bunt wie meine?
Ich hebe mein Glas, in dem ein dunkler Roter funkelt. Ich hebe es und trinke auf dich und ich schaue aus dem Fenster auf die Buden der Schausteller – im Dorf ist Jahrmarkt, wieder einmal.
© Regina Meier zu Verl



Gedankenblitze und Bölkewater

Schatz, Kutsche, kratzen, maulen, steinreich

Das sind die Reizwörter, die diesmal mit eingebaut werden mussten. Bitte lest auch, was meine beiden Kolleginnen dazu geschrieben haben:

Lores Märchenzauber

Martinas Von-Herz-zu-Herz-Geschichten

Gedankenblitze und „Bölkewater“*

Der Sommer ist Hannas liebste Jahreszeit. Sie liebt es barfuß durch den Garten zu laufen, am besten gleich am Morgen nach dem Aufstehen, gern auch im Schlafanzug. Das hat sie von Mama abgeguckt, die macht das auch. Dazu gehört bei Mama aber noch eine Tasse Kaffee, unbedingt.
Kaffee trinkt Hanna nicht, der ist ihr zu bitter. Aber neuerdings nimmt sie ihre Lieblingstasse, gefüllt mit Mineralwasser und wandert durch den Garten. Während des Wanderns denkt sie, so wie Mama. Die denkt nämlich über ihre nächste Geschichte nach und ab und zu kommt es vor, dass sie schnell die Kaffeetasse irgendwo abstellt und ins Haus saust, weil sie eine zündende Idee hatte, einen Gedankenblitz. Hanna findet das toll. Sie möchte auch Geschichten schreiben, vielleicht über einen verborgenen Schatz, mit dessen Hilfe sie dann steinreich werden kann. Deshalb wartet sie auf so eine Blitzidee.
Seit sie mit Mineralwasser wandert, kommt ab und zu ein kleiner Rülpser, aber ein Blitz war noch nicht dabei. Schade! So richtig kann sie sich das aber sowieso nicht vorstellen. Wie soll das gehen? Es blitzt im Kopf und dann? Eigentlich müsste es dann donnern, aber es handelt sich wohl nicht um ein richtiges Gewitter. Na ja, Hanna muss Mama einmal genauer befragen, vielleicht funktioniert es dann auch bei ihr mit den Gedankenblitzen.
Noch bevor Hanna ihre Mutter interviewen kann, passiert es heute Morgen. Es blitzt ein Gedanke in Hannas Kopf. Schnell stellt sie die Tasse ab und saust in ihr Zimmer. Ein Block und ein Stift liegen dort bereit, für den Fall, dass sie schnell etwas aufschreiben muss.
Hanna nimmt den Bleistift und schreibt: «Das Geheimnis der Kaffeetassen». Das war der Blitzgedanke, aber wie soll es weitergehen? Hanna ist unsicher. Dabei gibt es viele Möglichkeiten. Die Tassen könnten verschwinden, oder sie fangen an, miteinander zu reden. Vielleicht sind im Garten Kobolde, die Geschirr sammeln und die Tassen in ihre Behausungen schleppen. Es hilft nichts, Hanna muss wieder in den Garten, vorsichtshalber nimmt sie noch eine Tasse mit Mineralwasser mit, das hat ja scheinbar geholfen. Über dem Garten hängt zwar eine dicke Wolke, aber noch regnet es nicht und Mama ist auch gerade unterwegs und denkt. Sie lächelt Hanna kurz zu und legt dann den Zeigefinger auf die Lippen. Das heißt: Bitte jetzt nicht stören! «Natürlich nicht!», mault Hanna leise.
Hanna wandert und wandert, die zweite Tasse ist schon wieder leer und der Bauch wölbt sich von der vielen Kohlensäure. Wieder lässt das Mädchen ein paar kleine Rülpser ab, nicht zu laut, um Mama nicht zu stören. Hanna grinst. Bereits beim nächsten Rülpser kommt eine neue Idee. Wieder stellt sie die Tasse ab und flitzt ins Haus, sie überholt Mama, die ebenfalls gerade auf dem Weg an ihren Schreibtisch ist. Beide lächeln und schweigen, damit sie ihre Gedanken nicht verlieren.
In der Überschrift hat sie von geheimnisvollen Kaffeetassen geschrieben, aber jetzt erst weiß sie, wie es weitergehen soll. Also schreibt Hanna:
Es war ein schöner Tag Ende August. Die großen Ferien waren zu Ende und endlich durfte man die Freundinnen und Freunde wiedersehen, die man so sehr vermisst hatte. Lea hatte in den Ferien einen Kaffeebecher mit Porzellanfarben angemalt. Den schenkte sie ihrer besten Freundin Lotta, die sich darüber sehr freute. Für sich selbst hatte Lea genau den gleichen Becher bemalt, nur dass ihr Name draufstand und auf Lottas Becher eben Lottas Name, logisch, oder? Die Namen hatte sie auf eine Kutsche geschrieben, nämlich auf die Kürbiskutsche, die sie in ihrem Märchenbuch gefunden hatte und mit der Cinderella zum Ball gefahren war.
Hanna ist stolz, als sie den Text noch einmal durchliest. Das war doch schon ein kräftiger Gedankenblitz, darauf kann man aufbauen, denkt sie und wandert wieder in den Garten. Diesmal ohne Tasse, denn der Schrank ist leer, es ist keine Tasse mehr drin. Hanna nimmt sich einen kleinen Korb und macht sich auf in den Garten, nach den Tassen schauen. Auf der Terrasse findet sie einen von Mamas Bechern. Er ist noch halb voll, aber der Kaffee ist kalt. Mit einem Schwung gießt Hanna den Inhalt an die Geranien im Blumenkübel. Dann wandert sie weiter, findet den nächsten Becher unter dem großen Rhododendronbusch, auch einer von Mamas. Eine Schnecke sitzt drin und schaut sich verwundert um, als sie mitsamt dem Becher hochgehoben wird.
«Igitt!», ruft Hanna, schickt aber gleich ein «Entschuldigung, ist mir nur so rausgerutscht!» hinterher. Eigentlich mag Hanna Schnecken, aber nicht in Kaffeetassen. Behutsam legt sie die Tasse ins Gras und sagt: «Ich gebe dir fünf Minuten, um in die Freiheit zu kriechen, dann komme ich wieder!»
«Herzlichen Dank!», flüstert die Schnecke.
«Gerne!», sagt Hanna und geht weiter auf Tassenjagd. Dann stutzt sie, kratzt sich am Kopf, denkt nach – ja, noch intensiver als sowieso schon und kommt zu dem Schluss, dass sie sich verhört haben muss und das nun ein echter Gedankenblitz war. Sie rennt ins Haus, so schnell man das mit einem Korb mit einer Tasse drin kann und schreibt auf ihren Block: Wenn Schnecken in Kaffeetassen wohnen, können sie sprechen!
Wie die Geschichte weitergeht, möchtet ihr nun wissen? Das wüsste ich auch gern, ich nehme mir nun meinen Lieblingsbecher mit Kaffee und wandere in den Garten. Dort warte ich, na, ihr wisst es schon! Nein, nicht auf den Gedankenblitz, sondern auf sprechende Schnecken, ich bin nämlich davon überzeugt, dass es die gibt. Ihr auch?

*Bölkewater ist übrigens Mineralwasser mit Kohlensäure
© Regina Meier zu Verl

Meine Oma und ich

Meine Oma und ich

Früher, wenn ich meiner Oma etwas schenken wollte, habe ich Bilder für sie gemalt. Sie hat sich über jedes einzelne gefreut und sie alle aufbewahrt. Eines wurde gerahmt und hat viele Jahre in ihrem „guten“ Wohnzimmer an der Wand gehangen. Es zeigte einen Garten mit vielen bunten Blumen, mit Käfern und Schmetterlingen und sogar ein Häschen schaute vorwitzig hinter einem Fliederstrauch hervor.
Oma sagte, dass dieses Bild nicht nur für die Augen schön sei. Sie meinte, dass man die Düfte dieses Gemäldes wahrnehmen könne, wenn man die Augen schloss. Ich habe es ausprobiert und es klappte tatsächlich.
Als ich älter wurde habe ich meiner Oma Blumen geschenkt, duftende Blumen wie Gartenrosen, Maiglöckchen oder Flieder. Immer hat sie die Nase hineingesteckt und geseufzt:
„Was gibt es Schöneres auf der Welt, als die Düfte der Blumen!“
Als ich erwachsen geworden war, sah ich meine Oma nicht mehr so oft. Es gab so viel zu tun, der Schulabschluss, die Ausbildung, Freunde und Partys, da rückte Oma ein wenig in den Hintergrund. Sie hat mir nie einen Vorwurf gemacht. Wenn ich sie besuchte, dann freute sie sich und nach jedem Besuch nahm ich mir vor öfter hinzugehen, weil sie sich doch so glücklich war und ich jede Minute mit ihr genossen hatte.

Wenn ich meiner Oma heute etwas schenke, dann ist es Zeit. Damit mache ich mir selbst das größte Geschenk, denn wenn ich bei ihr bin, dann darf ich wieder Kind sein. Wir lachen und träumen. Wir erinnern uns an die Farben, Düfte und die Freuden von früher.
„Weißt du noch, Oma, wie es war, als ich dir einmal die Badeperlen geschenkt hatte?“
Oma sieht mich fragend an, sie erinnert sich nicht, deshalb erzähle ich ihr die Geschichte.
„Du hast doch immer schon die Maiglöckchen so geliebt, nicht wahr?“
Omas Augen leuchten, sie nickt und lächelt.
„Stimmt, ich hatte Maiglöckchen in meinem Brautstrauß“, erinnert sie sich.
„Ja, ich weiß, Opa hat dir zu jedem Hochzeitstag Maiglöckchen geschenkt. Das war praktisch, denn er musste nur in den Garten gehen und die ein Sträußchen schneiden.“
Oma lacht und dann rinnt aus ihrem Augenwinkel eine einsame Träne. Sie denkt an Opa, der nun schon so lange nicht mehr bei ihr ist.
Ich wollte sie nicht zum Weinen bringen, obwohl ich weiß, dass ihr auch das gut tut. Also erzähle ich weiter:
„Einmal hatte ich dir Badeperlen mit Maiglöckchenduft mitgebracht. Weißt du noch, diese kleinen Perlen, die man ins Badwasser gibt und die einen herrlichen Duft bescheren, wenn sie sich aufgelöst haben?“
Oma nickt wieder und dann blitzt es in ihren Augen, das Erkennen. Sie lacht und kann kaum sprechen, als sie sagt:
„Er hat reingebissen, der Opa!“
Ich kann mich nun auch vor Lachen kaum halten.
„Ja, und dann hat er gesagt, dass die Pralinen auch nicht mehr das sind, was sie mal waren!“
„Dein Opa war ein Clown, er war immer zu Späßen aufgelegt, weißt du noch?“, fragt mich Oma und ich kann ihr das bestätigen.
„Ja, das war er!“
Oma ist ganz still geworden. Wir schweigen noch eine Weile zusammen, bevor ich mich verabschieden muss. Auch das Schweigen mit Oma ist wunderbar, zwischen uns besteht ein ganz besonderes Band, das keiner Worte bedarf.

© Regina Meier zu Verl

Unbenannt
Bildquelle Imilo/pixabay

Der Weg zu ihr

Der Weg zu ihr

Er stellt sein Fahrrad, an dessen Lenker ein kleiner Fisch aus Plastik baumelt, am Fuß der Treppe ab, steigt die Stufen zum Deich empor und wandert jeden Abend in die gleiche Richtung. Er ist ein wohl beleibter älterer Herr, der mich an einen Schauspieler erinnert, dessen Name mir nicht einfällt. Elegant sieht er aus, trotz seiner Leibesfülle oder gerade deswegen. Er trägt einen Trenchcoat und um seinen Hals hat er locker einen Schal geschlungen. Seine langen,  fast weißen Haare wehen im Wind.
Nach einer Weile kommt er zurück. Mit festen Schritten schreitet er den Deich entlang. Er bleibt oben noch kurz stehen und schaut auf das Meer. Dann steigt er wieder auf sein Rad und fährt davon.
Ich frage mich, wie jeden Abend, was er macht. Ob es nur ein Abendspaziergang ist? Danach sieht es gar nicht aus. Zielstrebig, so als habe er etwas Wichtiges zu erledigen, wandert er Tag für Tag die gleiche Strecke, immer zur gleichen Zeit.
Es geht mich nichts an, trotzdem beschließe ich an einem Abend, seinem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Kurz vor seiner Zeit gehe ich zum Deich und als ich ihn von Weitem kommen sehe, steige ich hoch und wandere langsam in die Richtung, die er auch nehmen wird. Als er mich überholt grüßt er mich mit einem freundlichen „Guten Abend“. Frech beschleunige ich ebenfalls meine Schritte und bleibe hinter ihm. Ich will wissen wohin er geht und was er macht. Ich habe ein schlechtes Gewissen. Es grummelt in meinem Bauch, also laufe ich etwas langsamer, jedoch ohne ihn aus den Augen zu verlieren.
Nach ein paar Minuten verlässt er den Deich und geht zum Strand hinunter. Er sieht sich nicht um, sondern wendet sich dem Meer zu, breitet seine Arme aus und fängt an zu singen. Nur leise Töne dringen an mein Ohr, die Melodie kann ich nicht erkennen. An seiner Körperhaltung sehe ich aber, dass er inbrünstig singen muss.
Ich schäme mich ein bisschen, bin aber doch verzaubert von dem, was ich sehe, so dass ich mich nicht lösen kann.
Nach einer Weile lässt er die Arme sinken, tritt etwas näher ans Wasser und greift in seine Manteltasche. Mit einer ausladenden Bewegung wirft er Blüten aufs Meer, die auf dem Wasser schaukeln. Dann verharrt er still einige Minuten, wendet sich dem Deich zu und tritt den Rückweg an.
Am nächsten Abend gehe ich früher zum Deich und setze mich auf eine Bank. Ich sehe ihn kommen, kurz bevor er mich erreicht winkt er kurz und läuft dann zum Wasser hinunter.
An diesem Tag habe ich mehr Glück, der Wind kommt vom Meer her und trägt die Melodie zu mir. Gebannt lausche ich. Es ist ein Lied, das meine Mutter mir schon vorgesungen hat.
Traurig klingt es, aber doch schön und feierlich. „Wo du hingehst, da will auch ich hingehen, und wo du bleibst, da bleibe auch ich.“ (Ruth 1 – 16-17)
Auf einmal weiß ich, was dort unten passiert. Er trauert um seine Liebe, die ihm vorausgegangen sein muss.
Wieder wirft er Blütenblätter aufs Meer, verharrt eine Weile und bevor er sich umdreht, stehe ich still auf und gehe weiter. Ich möchte ihn in seinen Gedanken nicht stören.
Ich gehe nicht mehr zum Deich, aber jeden Abend schaue ich aus dem Fenster und warte auf ihn.
Das geht ein paar Wochen so, dann warte ich vergeblich. Er kommt nicht mehr. ‚Vielleicht ist er krank“, denke ich und mache mir Sorgen. Hätte ich ihn doch angesprochen, dann könnte ich ihn besuchen. Vielleicht braucht er meine Hilfe. Jeden Abend wandere ich zum Deich, ich nehme Blütenblätter der letzten Dahlien aus meinem Garten mit und streue sie aufs Wasser. Lange schaue ich ihnen nach, beobachte, wie die Wellen sie auf’s Meer hinaustragen.
Singen kann ich nicht, aber die Worte aus der Bibel haben sich fest eingeprägt und wenn ich sie sage, dann höre ich die Melodie, die der alte Mann gesungen hat.

Wo du hingehst, da will auch ich, auch ich hingehen, und wo du bleibst, da bleibe auch ich …

© Regina Meier zu Verl

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Opa stinkt’s gewaltig

Diese Geschichte ist natürlich mit viel Fantasie ausgeschmückt und einen Opa, der derartige Kraftausdrücke benutzt, haben wir auch nicht. Aber der Besucher auf unserem Dachboden war tatsächlich da und immer wieder mal besucht er (oder einer seiner Verwandten) uns. Wenn man sie so auf einem Foto anschaut, sind es possierliche Tierchen, aber wenn sie einem die Nachtruhe rauben, dann kann man richtig wütend werden. Nutzt aber nichts, sie stehen unter Naturschutz, die Krachmacher. Wir haben einiges ausprobiert, um sie zu verjagen. Noch ist es nicht endgültig gelungen! 🙂

Opa stinkt’s gewaltig

„Also Vater, nun reiß dich doch mal ein wenig zusammen. Denk daran, dass hier Kinder wohnen. Deine Kraftausdrücke sind nicht angebracht!“
Nicole hob aber schnüffelnd die Nase und verzog anschließend angewidert die Miene.
„Allerdings riecht es wirklich sehr unangenehm hier!“, sagte sie und riss das Fenster auf.
„Es riecht nicht, es stinkt! Nach Katzenpisse!“, rief ihr Vater triumphierend. „Sag ich doch!“
Ungläubig sah Nicole ihren Vater an. Woher sollte der penetrante Gestank kommen? In diesem Haus gab es keine Katze. Das ginge auch gar nicht, schon wegen Peters Allergie war das undenkbar.
„Und, hast du jemals eine Katze hier gesehen?“, fragte Nicole bissig und schaute unters Bett. Anschließend zog sie jede Schublade auf, als könnte sie darin eine Katze finden.
„Vielleicht im Kleiderschrank?“, murmelte sie und öffnete die Doppeltür. Ein Stoß Unterhosen kam ihr entgegen und landete auf dem Fußboden. „Um Gottes Willen, wie sieht es denn hier aus?“, schimpfte sie.
„Das geht dich gar nichts an! Mach die Türen zu, das ist mein Schrank!“ Vater Heinz stand erbost aus seinem Sessel auf, wobei er mit dem Kopf an die Dachschräge stieß. „Verflixt und zugenäht, diese blöden Schrägen!“, maulte er und hielt sich den Schädel. Dann warf er die Kleiderschranktüren zu, drehte den Schlüssel um und zog ihn ab. Mit einem lauten Knall schloss er anschließend das Fenster.
„Es zieht!“, behauptete er.
„Das könnte dir so passen! Willst du in diesem Mief ersticken?“ Nicole rang um Fassung. Manchmal konnte ihr Vater sie echt auf die Palme bringen. Zuerst beschwerte er sich über den Gestank, dann versuchte er zu verhindern, der Sache auf den Grund zu gehen. Wer weiß, was er wieder angestellt hatte. Allerdings würde sie dem Problem schon auf die Spur kommen. Eine Katze könnte nicht die Übeltäterin sein. Das festzustellen war eine der leichtesten Übungen, sie würde einfach Peter später zu Vater schicken. Das war zwar irgendwie gemein, aber so ein kleiner Asthmaanfall würde ihn schon nicht umbringen, wenn es denn wirklich eine Katze war.
Als Peter später von der Arbeit nach Hause kam, bat Nicole ihn auch sofort, bei ihrem Vater mal nach dem rechten zu sehen. Von dem penetranten Geruch verriet sie zunächst nichts. Sie wollte den Katzentest machen.
„Du kannst ihm sagen, dass es in einer Viertelstunde Abendbrot gibt!“, trug sie Peter noch auf und machte sich daran, den Tisch zu decken.
„Mama, wann gibt’s was zu essen?“ Clara hob den Deckel der Bratpfanne an. „Oh, Frikadellen! Ich habe solchen Hunger!“
„Hilf mir beim Decken und dann rühr den Salat noch einmal durch. Papa ist gerade bei Opa und ruft ihn zum Essen.“ Nicole nahm ein Brotmesser und schnitt das Fladenbrot auf, das sie kurz im Backofen knusprig gebacken hatte.
„Wo ist dein Bruder?“, fragte sie.
„Der hängt sicher vor seinem Computer und erschießt irgendwelche Monster! Oder er guckt sich die Aufzeichnungen der Tour de France an, du kennst ihn doch!“ Clara lachte. Sie konnte Computerspielen nichts abgewinnen, und so fahrradverrückt wie Tommy war sie auch nicht. Lieber spielte sie draußen oder nebenan beim Bauern Friedrich auf dem Hof. Sie liebte Tiere über alles und wünschte sich schon lange einen Hund, noch lieber wäre ihr eine Katze, aber das kam ja nicht infrage wegen Papas Allergie.
Die beiden Männer stapften die Treppe hinunter und brachten auch Tommy mit. Peter war ein wenig blass im Gesicht, atmete aber ganz normal.
„Warst du kürzlich mal bei Vater oben?“, fragte er seine Frau. „Da stinkt es ja, als ob dort jemand verwese! Vater meint es sei Katzenpisse!“
Clara kicherte und Tommy lachte laut auf. „Papa!“, rief er und imitierte dann die Stimme seiner Mutter: „Doch nicht vor den Kindern!“
Opa grinste. „Ich habe übrigens meinen Kleiderschrank aufgeräumt, keine Viecher drin, alles im grünen Bereich!“
Vater Peter schaltete sich ein. „Eine Katze kann es offensichtlich nicht sein, die diesen Gestank verursacht hat. Das hätte ich gemerkt, ihr wisst ja, die Allergie!“
Nach dem Abendessen machte sich dann die ganze Familie auf, Opas Zimmer mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Doch sie fanden die Ursache für den widerlichen Geruch nicht
„Wir denken mal nach und suchen morgen weiter!“, beschloss Peter, der gern die Tagesschau anschauen wollte. Nicole folgte ihm und Tommy verkroch sich auch wieder in seinem Zimmer.
„Opa, du kannst bei mir schlafen, wenn du willst.“, bot Clara an. „In diesem krassen Mief kann es ja keiner aushalten!“
Doch Opa lehnte dankend ab. „Lass mal, meine Kleine“, sagte er.
Clara verabschiedete sich, wünschte noch ihren Eltern eine gute Nacht und legte sich dann in ihr Bett. Sie hatte sich ein spannendes Buch aus der Bibliothek geholt und wollte lesen.
Auch Opa nahm sein Buch und da er nicht mehr so gut sehen konnte, machte der die volle Festbeleuchtung an, die eingebauten Deckenstrahler, die Stehlampe und wegen des Miefs zündete er noch die Kerze im Windlicht an. Er hatte gerade mal ein paar Seiten gelesen, als er in seinem Sessel einschlummerte, wie gesagt, bei voller Beleuchtung.
Auf einmal schreckte er hoch. Der Gestank hatte sich bis zur Unerträglichkeit verstärkt. Und da war noch etwas, Opa horchte. Da war doch jemand auf dem Dachboden! Verflixt noch einmal, das hörte sich an, als sei ein großes Tier dort unterwegs. Immer wieder jagte da etwas über die Decke, rutschte dann die Dachschräge hinunter und war gleich darauf wieder aktiv auf der Decke unterwegs.
Wie gebannt schaute Opa Heinz zur Decke, so, als könnte er durch sie hindurchsehen. Und dann sah er es!
Neben einem der Deckenstrahler waren Flecken auf der ansonsten blütenweißen Raufaser, gelbe Flecken, riesige Flecken. Opa schob einen Stuhl unter die Lampe, kletterte drauf und besah sich die Schweinerei aus der Nähe. Es war wirklich gut, dass Opa hart im Nehmen war, sonst wäre er sicher ohnmächtig von Stuhl gefallen, denn je näher er seine Nase zur Decke hob, desto unerträglicher wurde der Geruch. Mit dem Zeigefinger befühlte Opa die Flecken, die sich ein wenig feucht anfühlten. Dann roch er an seinem Finger und dann schrie er los: „Dieses verdammte Schwein! Warte, wenn ich dich kriegen, dann ist was los!“
Es dauerte nur Sekunden, da versammelte sich die ganze Familie in Opas Zimmer.
„Ein Schwein?“, fragte Tommy aufgeregt und versteckte sich hinter dem Sofa.
„Vater, was ist denn nur los?“ Nicole hielt sich die Nase zu, auch sie suchte Schutz hinter dem Sofa.
Papa Peter war mutiger, er half seinem Schwiegervater vom Stuhl und kletterte dann selbst drauf.
„Das ist ein Marder!“, behauptete er. „Der hat da seine Pinkelecke gefunden!“
„Meinst du?“, fragte Opa skeptisch.
„Na, ein Schwein ist es sicher nicht!“, Papa lachte, obwohl ihm eigentlich gar nicht zum Lachen war. Dieser verflixte Marder trat nämlich nicht das erste Mal in Erscheinung. Gerade letzte Woche hatte er die Kabel in seinem Auto durchgeknabbert.
Das fiel Opa nun auch wieder ein. „Du hast recht, Peter. Es wird ein Marder sein. Hatten wir früher schon mal, aber lange habe ich ihn nicht mehr gehört und fast vergessen, dass er mal da war.“
Nicole kam hinter dem Sofa hervor. Ins Zimmer konnte dieser Marder ja nicht kommen. Schlimm genug, dass er Schaden anrichtete, aber Angst brauchte sie wohl nicht haben.
„Vater, komm erstmal mit uns runter, du kannst im Wohnzimmer schlafen und morgen untersuchen wir mal den Dachboden, dafür ist es jetzt zu spät.“
Dann kehrte endlich Ruhe ein, der Gast auf dem Dachboden war wohl auf Brautschau und Clara hatte von dem ganzen Theater nichts mitbekommen, sie hatte selig geschlafen.

Wie es weiterging möchtet ihr wissen? Na, das wüsste ich auch gern, aber das erzähle ich dann, wenn das Problem gelöst ist, versprochen!

© Regina Meier zu Verl

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Ein märchenhafter Geburtstag

Ein märchenhafter Geburtstag

Eigentlich mochte Jonas es nicht, mit den Erwachsenen in ein Restaurant zu gehen. Es war ihm viel zu langweilig und benehmen musste man sich auch noch. Er fand das ätzend.
Trotzdem machte er eine Ausnahme für den Geburtstag seiner Oma.
„Okay!“, sagte er deshalb, als sein Mutter ihn fragte, ob er denn mitkomme. „Für Oma tu ich fast alles!“
Am Samstagabend machten sich also alle fein für das große Fest. Selbst Jonas ließ sich überreden eine Stoffhose zu tragen und ein Oberhemd. Das war nicht so ganz sein Fall, aber was tat man nicht alles aus Liebe.
Omas Augen strahlten, als sie ihn erblickte.
„Komm her, Jonas, du sitzt links neben mir und der Opa rechts. Dann habe ich meine beiden Männer an meiner Seite!“, rief sie ihnen zu und dirigierte alle auf ihre Plätze.
Neben Jonas nahmen seine Eltern Platz und auf der anderen Seite, neben Opa, sollten Tante Betty und ihr Liebster sitzen. Betty war Papas Schwester. Jonas bewunderte sie heimlich ein wenig, denn sie war nicht so wie die anderen Verwandten. Papa meinte sogar, dass sie ein wenig verrückt sei und wenn sie so weitermache, dann würde ihr der neue Freund auch wieder weglaufen. Sie hatte schon einige vergrault mit ihren Ticks.
Gerade studierte sie die Speisekarte und kicherte. Das Kichern ging in ein lautes Lachen über und schließlich konnte sie sich nicht mehr halten und grölte los.
„Jonas, hast du das gelesen?“, rief sie. „Es gibt Rapunzelsalat! Ist Rapunzel nicht diese krasse Braut, die ihren Lover an den Haaren in ihren Turm klettern ließ? Die war voll cool, das hätten wir mal machen sollen!“
„Betty, red doch nicht so einen Unfug. Rapunzelsalat ist ein Blattsalat, der sehr lecker schmeckt.“
„Stimmt, Mama, aber es ist auch ein Märchen. Du hast es uns oft genug vorgelesen, weißt du noch?“
Oma nickte. Sie mochte Märchen ganz besonders gern und fand es gar nicht schön, wenn man sie sprachlich so verhunzte. Ihre Liebe zu den alten Geschichten zeigte sich ein weiteres Mal auf der Speisekarte, beim Dessert. ‚Rot wie Blut, Weiß wie Schnee und Schwarz wie Ebenholz – Schneewittchenkuchen’, stand da. Jonas lief das Wasser im Mund zusammen.
„Sogar die Tischdekoration ist märchenhaft“, scherzte Tante Betty. „Dornröschen!“
Dass es für die Erwachsenen nach dem Essen ein Zauberwasser und für Jonas einen giftgrünen Krötenblutsaft gab, rundete das märchenhafte Menu ab.
Der Höhepunkt des Festes war allerdings dann die Geschenkübergabe von Tante Betty. Nach dem Essen hatte sie sich zunächst aus dem Staub gemacht. Als sie zurück in den Saal kam, war sie verkleidet als Troll. Sie trug eine braune Hose, die bis zu den Knien hochgekrempelt war, dazu ein Holzfällerhemd, das riesige Löcher aufwies und mal eine Wäsche nötig gehabt hätte. Ihre Haare hatte sie verstrubbelt und im Gesicht prangte eine dicke, rote Gumminase. Sie trug einen Blecheimer bei sich, den sie neben sich auf den Boden stellte. Dann tanzte sie singend um diesen Eimer herum, bevor sie sich drauf setzte und verklingen ließ:
„Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich goldne Eier …lege!“, sang sie. Dann stand sie auf und holte viele goldne Eier aus dem Eimer, die sie Oma auf den Tisch legte.
„Bitteschön, liebe Mama!“, sagte sie lachend und wartete darauf, dass das Geburtstagskind die Eier genauer anschaute.
„Ach Gottchen, das sind ja Märcheneier“, rief Oma fröhlich und wickelte die Goldfolie eines der Eier ab. Zum Vorschein kam eine kleine gelbe Kapsel, die man wiederum öffnen konnte. Darin fand sich ein Zettel: „Ich wünsche dir Gesundheit!“, stand auf dem ersten und dann kamen nach und nach viele gute Wünsche zusammen und ganz zum Schluss zog Tante Betty noch ein weiteres Ei aus ihrer Hosentasche.
„Das hätte ich doch fast vergessen!“, lachte sie und übergab es Oma.
Auf dem Zettel stand: „Die Eintrittskarten für das diesjährige Weihnachtsmärchen im Stadttheater mit der ganzen Familie kannst du, liebe Mama, bei mir abholen. Sie liegen in einer Schatzkiste und warten darauf, von dir gefunden zu werden. Deine Betty“

Jonas’ Oma war sehr glücklich an diesem Tag, ihrem 75. Geburtstag. Als sie abends im Bett lag, nahm sie Opas Hand und sagte: „Haben wir nicht voll krasse, tolle Kinder?“
„Megacool!“, murmelte Opa, der schon fast ins Traumreich geglitten war. „Megacool!“

© Regina Meier zu Verl

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