Freundschaft

Mein Kaktus auf der Fensterbank
Schaut traurig aus, ist er wohl krank?
Fehlt ihm Gesellschaft oder Dünger,
na ja, er wird ja auch nicht jünger.
Zog bei mir ein vor vielen Jahren,
als wir noch jung und knackig waren.
Bei mir knackts nun in den Gelenken,
du Kaktus musst daran nicht denken.
Doch eines haben wir gemeinsam,
oft fühlen wir uns schrecklich einsam.
Irgendwann, ich muss es dir sagen,
wird unser letztes Stündlein schlagen
ich geh dann ein in die Geschicht‘
als die, die mit dem Kaktus spricht!

© Regina Meier zu Verl

Zeichnung Regina Meier zu Verl

Christoph ist eine Fortsetzung dazu eingefallen, danke Christoph
Ich, der Kaktus auf der Fensterbank,
zwar bin ich alt, jedoch nicht krank.
Was denkt Regina von mir bloß,
Die Sonne fehlt, die ich genoss.
Ein wenig Sonne, und viel Licht
mehr brauch‘ ich als der Kaktus nicht.

Die Tulpe und der Käfer *

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Bildquelle DrScythe/pixabay

Die Tulpe und der Käfer
(ein Gedicht zum Muttertag)

Es sitzt ein kleines Käferlein
in einer Tulpenblüte,
sie lädt ihn ein, ihr Gast zu sein
und spricht in ihrer Güte:

„Ruh dich aus, mein kleiner Freund,
ich schließe meine Blätter,
du bist beschützt vor jedem Feind
und auch vor jedem Wetter.“

Sanft schaukelt sie das Käferkind,
es fühlt sich wie im Himmel.
Es träumt vom lauen Frühlingswind
und Maiglöckchengebimmel.

Die Tulpe schläft und träumt dann auch,
sie lächelt sanft im Schlaf.
Sie hat ein Kind in ihrem Bauch,
das sie beschützen darf.

Nur zögernd öffnet sie am Morgen
die roten Blütenblätter,
sie möchte weiter für ihn sorgen,
zu zweit ist es viel netter.

Das Käferchen jedoch fliegt los,
es ruft noch „Danke schön!“
Die Tulpe teilt der Mütter Los,
wartet auf’s Wiedersehn.

© Regina Meier zu Verl

Frühlingsschwung *

Hab den Besen genommen
und den Winter weggefegt.
Frühling, du bist willkommen,
sind zum Jubeln aufgelegt.

Wollten nicht länger warten,
dein Grün fehlte uns so sehr
und die Blumen im Garten,
zeigen sich tagtäglich mehr.

Singen Lieder und dichten,
malen, basteln und schau’n
schreiben Frühlingsgeschichten
und die Haut färbt sich braun.

Groß und Klein, Alt und Jung
tanzen fröhlich umher.
Frühling bringt uns in Schwung,
das gefällt uns gar sehr.

© Regina Meier zu Verl

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Bildquelle MichaelGaida/pixabay

Wann wird endlich Frühling sein?

Wann wird endlich Frühling sein?

Wenn die feinen grünen Spitzen
durch die Erdenkruste blitzen,
wenn von Vogelstimmenchören
wir die schönsten Lieder hören,

wenn der Dichter inspiriert
Frühlingsreime neu kreiert
und Tulpenzwiebeln kräftig treiben,
um nicht mehr unentdeckt zu bleiben,

wenn Verliebte Briefe schreiben
und Herzen mal ‘n an Fensterscheiben,
wenn dichte Wolkendecken brechen
und Sonnenstrahlen uns bestechen,
uns wärmen, nähren und erfreu‘n,
ja dann wird endlich Frühling sein.

© Regina Meier zu Verl

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Bildquelle monika1606/pixabay

Der Birkenweg im Frühling


Der Birkenweg im Frühling

Elfenfrau und Feenkind
flüstern leis’ im Abendwind,
dass der Winter geht zur Neige
Frühling rauscht im Birkenzweige.

Bald schon werden an den Spitzen
grüne Blätter lustig blitzen
und der Stämme Silberschein
wird uns eine Freude sein.

Geh ich dann durch die Allee,
vergess ich jedes Ach und Weh,
atme ein der Birken Duft,
es liegt Frühling in der Luft.

Feenkind und Elfenfrau
kichern schon, ich hör’s genau,
amüsieren sich und raunen:
„Schau, die Menschin, die kann staunen!“

© Regina Meier zu Verl

Mutter Huhn passt auf

Mutter Huhn passt auf

„Schau, was liegt denn da im Gras?
Mutter Huhn, vermisst du was?“

„Nein, das ist wohl nicht mein Ei,
das ist mir fremd und einerlei.
Weiß wie Schnee sind meine Eier,
dieses ist gelb, mir ungeheuer.“

„Ich schau das Ei genauer an,
stimmt, es ist gelbe Farbe dran
und, glaub es oder glaub es nicht,
es hat ein breites Grinsgesicht.“

„Ich tippe auf den Osterhasen,
den sah ich gestern hier schon grasen,
doch alles hat ihm nichts genützt,
ich habe jedes Ei beschützt,
damit er mich ja nicht beklaut,
gegackert habe ich ganz laut.“

„Ach, albern ist doch dein Gegacker,
jagt keinen Hasen übern Acker.
Du drehst dich um und eins, zwei, drei,
stiehlt er es dir, dein weißes Ei.“

Man sieht das Huhn zum Stalle gehn,
es wird tagelang nicht mehr gesehn,
es sitzt auf seinen weißen Eiern,
während die andern Ostern feiern.

Verständlich, oder?

© Regina Meier zu Verl 2016

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Bildquelle ivabalk/pixabay

Die Muse

Die Muse

Schreib mir bitte ein Gedicht!
Auf Befehl kann ich das nicht,
denn wenn ich etwas schreiben muss,
brauch ich einen Musenkuss.

Ein Musenkuss, was ist denn das?
Ein Küsschen einfach, oder was?
Nein, einfach nicht – dann würd ich küssen
und nicht lang überlegen müssen.

Die Muse kann so vieles sein,
ein Geistesblitz bei Kerzenschein
oder ein wunderschöner Ort,
da findet sich das erste Wort.

Sie kann ein Mensch sein, auch ein Tier,
ein Baum, ein Blümchen, eine Tür,
Feuer, das im Ofen knistert
und dir Zauberworte flüstert.

Ein Quell, der durch das Erdreich springt,
ein Kind, das Kinderlieder singt,
Die Muse lässt sich nicht erzwingen,
und doch ruht sie in vielen Dingen.

Lausche, schaue, nimm dir Zeit,
mach dich für ihren Kuss bereit,
dann lass sie frei, mit etwas Glück
kehrt sie schon bald zu dir zurück.

© Regina Meier zu Verl

Vom Einwecken und Aufwecken

Vom Einwecken und Aufwecken

Sie stehen noch in den Regalen,
die großen, kleinen, breiten, schmalen
Gläser, dick mit Staub bedeckt,
früher wurd‘ drin eingeweckt.
Erdbeeren, Himbeer‘n, Pflaumen, mehr,
nicht ein einziges Glas blieb leer.
Apfelkompott und Birnenstückchen,
Marmelade mit einem Schlückchen
Rum hochprozentig haltbar gemachte.
Der verfliegt, sagte Oma lachte,
wenn Mutter vor uns jenes Glas versteckte,
wo doch der Inhalt so köstlich schmeckte.
Brechbohnen für delikate
Eintöpfe oder Salate,
Stachelbeeren unrasiert
haben niemals mich verführt.
Doch an eingekochte Pflaumen
erinnert heut sich noch mein Gaumen.
Manchmal denk ich: sollt ich’s wagen
und in meinen alten Tagen
das Einwecken reaktivieren?
Nein, werd weiterhin einfrieren
und notfalls meinen Gaumen
erfreuen mit geeisten Pflaumen.

Fazit: Kein Aufwecken ohne Einwecken, schade!

© Regina Meier zu Verl

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Der Römertopf

Wenn einem etwas im Haushalt so ans Herz gewachsen ist, wie bei mir mein Römertopf, dann sollte ich ihm doch ein Gedicht widmen, oder? Hier ist es:

Der Römertopf

Mein liebstes Küchenutensiel
ich brauch zu meinem Glück nicht viel,
ist seit über vierzig Jahren –
ach, wie jung wir damals waren,
mein schöner großer Römertopf.
Rezepte habe ich im Kopf,
die in diesem Topf bereitet
uns durchs Leben stets begleitet.
Ich möcht mein Exemplar nicht missen,
denn, und das ist gut zu wissen,
in diesem Topf da brennt nichts an
worauf man sich verlassen kann.
Ob Sauerbraten, Schweinenacken,
Filetköpfchen im Teig gebacken,
Eintöpfe nach deinem Gusto
gelingen hierin sowieso.
So vergeht unsre Woche nicht
ohne ein Römertopfgericht!

© Regina Meier zu Verl

Der kleine Strohstern – Gedicht

Der kleine StrohsternDer kleine Strohstern

Ein kleines Sternchen sagte froh:
Ich bin nicht nur ein Stern aus Stroh.
Zu Weihnachten häng ich am Baum
und das ist wahr, nicht nur ein Traum!

Da gehörst du gar nicht hin,
ich bin hier die Königin!
sprach die Kugel arrogant,
weil sie sich so entzückend fand.

Ein Stern war es, der in der Nacht
Licht über Bethlehem gemacht,
damit man es findet, das Kind im Stall.
Das weiß man schließlich überall.

Er hatte Recht, der kleine Stern.
Die Kugel hört das gar nicht gern,
doch schwieg sie still, war sehr gescheit,
er führt zu nichts, der dumme Neid!

© Regina Meier zu Verl

Sterne und Kugeln in trauter Einigkeit Foto © Regina Meier zu Verl