Gesangsstunde mit Lukas (Kindermund)

Das Abendessen ist fertig. Lukas ist noch mit Opa im Pferdestall. Von dort bekomme ich ihn schlecht weg, es sei denn ich setze mich ans Klavier bei weit geöffneter Balkontür.
Sobald er die ersten Töne vernimmt, kommt er ins Haus und will mitspielen. Heute auch, ich spiele ein Menuett und bin kaum am Schluss, da sitzt er schon neben mir auf der Klavierbank.
„Rück mal, Oma!“
Klar rücke ich, viel zu gern tu ich das.
„Nehmen wir das randere Buch?“ Lukas krabbelt auf die Bank und sucht das Buch mit den Kinderliedern. Niedlich klingt das, wenn er „andere“ sagt, er setzt nämlich immer ein R davor, das randere Buch eben.
Wir spielen: Hänschen klein, Ein Männlein steht im Walde, Wer will fleißige Handwerker sehn?
Lukas singt alles mit, er liebt diese Gesangstunden mit mir und ich erst.
Dann sagt er plötzlich: „So, jetzt machen wir das Klavier zu, die Katastrophe ist zu Ende.“

Typisch Mann?

Typisch Mann

Typisch Mann?

Ein Mann, der gern Kartoffeln aß,
nachdenklich vor dem Teller saß.
„Oh, Knolle, wie ich dich verehre,
tagtäglich mich nach dir verzehre.“

Das hörte seine Frau, die Anne
und sprach erstaunt zu ihrem Manne:
„Mir solltest du das auch mal sagen,
doch Liebe geht wohl durch den Magen.“

„Ach Schatz, ich weiß, ich bin ein Stoffel.
Ich lieb dich mehr, als die Kartoffel.
Das solltest du niemals vergessen
und jetzt lass mich in Ruhe essen!“

© Regina Meier zu Verl


Und am meisten liebt er … KARTOFFEL-Puffer ;), Foto © Elke Bräunling

 

Der neue Mann – Kindermund

„Ich habe da einen neuen Mann kennen gelernt. Er ist nett, viel netter als der alte!“
„Erzähl, wer ist es?“
„Na ja, den Namen weiß ich nicht mehr, aber der alte hieß Herr B.“
„Ja, von dem hast du mir schon etwas erzählt, ich erinnere mich!“
„Und der neue Mann, was ist an ihm besser als an Herrn B.?“
„Der ist nicht so streng und lässt uns auch mal eine Pause machen!“
Merle (8) erzählt von ihrem Chorleiter und ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen … „Ich habe da einen neuen Mann kennen gelernt“

Einschlafrituale (Kindermund)

„Gute Nacht, schlaf schön!“
„Gute Nacht, Oma!“
Lukas zieht die Decke bis an die Ohren und legt sich auf die Seite. Gerade will ich die Tür schließen, da ruft er:
„Oma, du hast mich noch nicht zweimal geküsst!“
Klar, ich habe ihn erst einige Male geknuddelt, jetzt kommt noch das Zweimalküssen.
Lukas ist zufrieden und grinst mich an.
„Gute Nacht, Lukas!“
„Gute Nacht, Oma!“
Die Tür ist schon geschlossen, als Lukas wieder ruft:
„Oma, du hast meinen Kosie noch nicht geküsst!“
Kosie ist sein Teddybär, natürlich muss er auch noch geküsst werden.
„Gute Nacht, Kosie, gute Nacht, Lukas!“
Eine Weile ist Ruhe, dann ruft Lukas:
„Oma, du hast die Lampe noch nicht geküsst!“

Ich küsse die Lampe, dann Kosie und dann noch einmal Lukas und dann ist er wirklich zufrieden und schläft. Herrlich!

Die Bühne im Kurpark

Die Bühne im Kurpark

Als ich Kind war, wollte ich gern Schauspielerin werden. Ich stellte mir das so toll vor, berühmt zu sein und überall erkannt zu werden. Die Leute würden mir zujubeln und rufen: Schaut mal, da ist sie, die großartige Annelies Wuttke. Natürlich hätte ich meinen Namen geändert, vielleicht in Germaine Toulouse oder so. Aber es hat gar nicht geklappt. Mittlerweile bin ich in Rente und werde einiges nachholen. Leider muss ich auf mein Geld aufpassen, denn alles ist so teuer geworden. Mein Plan war, Theaterabonnements hier im Provinztheater des Städtchens und in der etwas entfernteren Großstadt zu Studienzwecken zu buchen, aber daraus wird nichts werden. Doch es gibt nichts, was eine Annelies Wuttke von einem Plan abhalten könnte. Ich werde mir meine eigene Bühne suchen.

Ich habe da auch schon so eine Idee, die umsetzbar ist und nichts, oder fast nichts kosten wird. Zuerst einmal fange ich allein an, später suche ich mir vielleicht ein paar Verbündete. Nun aber mal Klartext: ich werde eine Einfraushow einüben und damit in Seniorenheime oder Residenzen gehen. Das ist das eine und ein zweites Programm werde ich für Kindergärten einstudieren – ich habe eine Menge erlebt und einiges zu erzählen, warum sollte ich mir das nicht zunutze machen? Das Reden vor Publikum ist meine leichteste Übung. Schon meine Mutter sagte immer, dich wird man nach deinem Tod mal eigens noch erschlagen müssen, damit auch dein Plappermäulchen seine Ruhe findet. Damals habe ich das als Kompliment aufgefasst und ich bin so mit einer tüchtigen Portion Selbstvertrauen durchs Leben marschiert. Und nun freuen wir uns auf unsere neue Zukunft, mein Plappermäulchen und ich.
Zuerst werde ich mal ein paar Termine ausmachen. Das brauche ich, denn wenn ich kein klares Ziel habe und mich nicht ein wenig unter Druck setze, dann versanden meine guten Ideen wieder. Das kenne ich schon von mir.
Also rufe ich im Luisenstift hier in unserer Stadt an und trage mein Anliegen vor.
„Ich denke so an ein zweistündiges Programm, Sie werden begeistert sein!“, sage ich der Dame, mit der man mich verbunden hat, nachdem ich ihr mein Anliegen vorgetragen habe.
„Das hört sich gut an“, sagt diese. „Aber zwei Stunden sind viel zu lang. So lange können unsere Bewohner nicht aufmerksam bleiben und es würde auch unsere Abläufe hier total durcheinander bringen!“
„Gut, ich kann das Programm ja auch kürzen und nur eine Stunde zu Ihnen kommen!“, schlage ich vor.
„Hm. Ich weiß nicht so recht“, sie klingt zögerlich nun. „Also 20 Minuten am Anfang, das könnte vielleicht machbar sein. Lassen Sie mich einmal im Terminkalender nachsehen. Warten Sie … ja … einen Augenblick, ich muss gerade …“
Ich warte und warte und spüre, wie mein Herz nun doch anfängt, schneller zu schlagen und wie Aufregung aufkommt.
„Hallo?“, wage ich es schließlich, in den Telefonhörer zu hauchen. „Sind sie noch da?“
Keine Reaktion, seltsam. Sollte die etwa einfach aufgelegt haben? Erschien dann nicht so ein Zeichen, so ein langes Tuuuuut? Ich weiß es nicht und warte noch etwas. Nach einer Viertelstunde gebe ich auf.
Beinahe traue ich mich nun nicht mehr, die nächste Nummer auf meiner Liste anzurufen. Es kostet mich Überwindung und ich erschrecke ein bisschen. Habe ich mir die Sache zu einfach vorgestellt?
Um nicht länger nachdenken zu müssen, wähle ich schnell die nächste Nummer. Ein Anrufbeantworter schaltet sich ein und ich lege auf, dankbar fast, denn mein Herz will schon wieder stolpern. Was ist los mit mir?
Ich muss an die frische Luft.
Auf der Terasse atme ich tief durch und suche nach meinen Zigaretten, die ich für Notfälle immer in einem abgedeckten Blumentopf versteckt habe. Eigentlich rauche ich nicht mehr, nur im Notfall und ein solcher ist gerade eingetreten, meine Träume drohen zu zerplatzen – aber noch ist nicht aller Tage Abend, denke ich!
Es ist ein schöner Nachmittag. Die Wolken haben sich verzogen und es ist noch einmal warm geworden. Ganz in Gedanken gehe ich zum Gartentor und trete auf die Straße. Hier kann ich wieder besser atmen und ich beschließe, ein paar Schritte zu gehen. Die Bewegung wird mir guttun. Ich schreite mit großen Schritten aus und erreiche schon bald den kleinen Kurpark mit der alten Wandelhalle und dem Pavillon, in dem früher Musikkapellen aufgetreten waren. Noch gut erinnere ich mich an die Kurkonzerte, die es früher hier gegeben hat. Schade, dass sie den Kurbetrieb eingestellt haben. Wie magisch angezogen gehe ich auf den Pavillon zu. Die perfekte Bühne, denke ich.
Ich positioniere mich mitten auf der Bühne, schließe die Augen, breite die Arme aus und beginne zu erzählen. Wie automatisch habe ich eine Geschichte ausgewählt, die mir seit Tagen im Kopf herumgeistert. Sie handelt von dem alten Mann, der allein in einem kleinen Haus am Stadtrand wohnt und mit dem niemand etwas zu tun haben möchte, weil man ihm die seltsamsten Dinge unterstellt.
Meine Stimme wird zunehmend sicherer, während ich erzähle. Es ist auch keiner da, der mir zuhört. Ich werde übermütig und erfinde immer kuriosere und witzigere Begebenheiten rund um meinen einsamen Helden und muss selbst innerlich immer wieder lachen. Es macht mir so eine große Freude und ich spüre, wie ich mich innerlich immer freier fühle, wie die Energie durch meinen Körper strömt. Herrlich ist das! Und ich weiß nun wieder, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Und warum soll ich nicht hier mit meiner Passion beginnen? Eine Speaker’s Corner im alten Kurpark?
„Bravo!“, ruft da plötzlich eine Stimme und ich höre ein Klatschen.
Beinahe ist mir das ein wenig peinlich, aber als ich die Augen öffne und sehe, dass da ein paar Leute sitzen, die mich freundlich anlächeln, freue ich mich doch sehr.
Ich werde wiederkommen, verspreche ich mir selbst! Dann sage ich:
„Nächsten Sonntag um die gleiche Zeit geht es weiter, danke für den Applaus!“
Nach einer leichten Verbeugung gehe ich nach Hause, ich fühle mich leicht und glücklich, endlich mal wieder.

© Regina Meier zu Verl

Eine weitere Geschichte einer einsamen Dame findet ihr hier: Sonntags im Café

Aufwachwort:Pelerine

Ich lese gern das Wort des Tages bei Wildgans – siehe hier, oft ist es so, dass mir das Wort, wenn es mir gefällt, den ganzen Tag im Kopf herumspukt und manchmal sogar in einer Geschichte oder einem Gedicht landet.
Neuerdings wache ich häufiger mit einem eigenen Wort im Kopf auf und diese Wörter möchte ich gern mit euch teilen.
Heute ist es PELERINE. Kennt ihr das?

Mein erster Gedanke dazu ist, und jetzt weiß ich auch, warum das Wort mich beschäftigt, ‚Jetzt habe ich endlich ein Fahrrad und nun regnet es in einer Tour.‘ Als Schülerin hatte ich eine Regenpelerine, eine Art Poncho mit Kapuze, die beim Fahren sogar die Beine trocken hielt. Meine war dunkelblau und ich habe immer Auto gespielt, weil es so aussah, als sitze ich in einer Karosserie, vom Fahrrad war kaum noch was zu sehen.
(Pelerinen sind aber auch so kleine Umhänge, die die Damen früher über dem Mantel trugen, oder gestrickt als Schulterwärmer auch im Haus. Vielleicht wäre es sinnvoll, eine Pelerine jetzt zu stricken, falls der Winter kalt und lang werden sollte, denn mit dem Heizen wird das ja nix, dieses Jahr!)

Von Wunderpillen und Nachttöpfen

Von Wunderpillen und Nachttöpfen

Es war ein schöner Tag gewesen gestern. So hatte Tessa sich ihren Geburtstag gewünscht. Schließlich wird man nur einmal achtzig Jahre alt. Tessa kicherte, sie konnte es kaum selbst glauben, dass sie nun schon so alt war. Sie fühlte sich nicht so, eher wie fünfzig. Hm! Achtzig hörte sich trotzdem erschreckend an.
„Nein!“, wehrte sie sich gegen diese Gedanken. „So schnell kriegt ihr mich nicht klein. Wer gesund lebt, kann, so sagen sie, hundert werden und mehr. Gute Hundert ohne ein Siechtum im Rollstuhl.“
Sie öffnete die Schublade zu ihrer Kommode, die, die keiner öffnen durfte außer ihr, und nahm ihr gesundes Geheimnis, wie sie es nannte, heraus. Magnesium, Kalium, Vitamin C, Zink und einige andere mehr. Sorgsam verteilte sie die Kapseln in einer Schale und schluckte eine nach der anderen, langsam, bedächtig.
„So! Ihr werdet euch wundern!“
Tessa wusste, dass ihre Tochter sie auslachen würde. Deshalb behielt sie es für sich. Es würde sich schon zeigen, wer recht behalten würde. Tessa lächelte, packte die Wundermedizin wieder zurück in die Schublade, trank noch ein großes Glas Wasser und ging dann in den Garten, in dem der Herbst schon eingezogen war, ihre Lieblingsjahreszeit. Noch viel war zu tun hier, aber auch das trauten sie ihr ja nicht mehr zu.
„Ach was!“, wehrte sie sich laut gegen ihre Gedanken, die immer wieder zum selben Punkt zurückkehrten, und stapfte wie bekräftigend mit dem Fuß auf. „Ich werde sie nicht mehr beachten, sie mit ihren Unkenrufen und Mahnungen und falschen Sorgen. Davon habe ich mir gestern genug anhören müssen. Es reicht. Und nun werde ich das kleine Kartoffelbeet umgraben und letzte Schätze ernten.“
Tessa ging mit forschen Schritten hinüber zum Geräteschuppen, schnappte sich den kleinen handlichen Spaten, zog ihre dicken Gummiklotschen an und machte sich daran, das Beet umzugraben. Die Kartoffeln hatte sie schon in der letzten Woche geerntet und allen hatten die frischen Kartoffeln gestern im Geburtstagskartoffelsalat gut geschmeckt. Das selbst angebaute Gemüse war doch immer noch das Beste auf der Welt.
„Man weiß, was man isst!“, murmelte sie und hieb den Spaten mit all ihrer Kraft tief in die Erde. Es klirrte, laut und scheppernd. Tessa erschrak.
Sie ließ den Spaten fallen und trat einen Schritt zurück. Als sich weiter nichts tat, nahm sie den Spaten wieder auf und traute sich wieder näher an das Erdloch heran.
Da sie nichts darin sehen konnte, setzte sie den Spaten vorsichtig noch einmal an und … es schepperte wieder.
„Hilfe!“, rief Tessa laut. Irgendwie erschien ihr die Angelegenheit unheimlich. Es tat sich nichts. „Hilfe!“, rief sie noch einmal, diesmal laut und gellend.
Dann besann sie sich.
„Eine Bombe wird es wohl nicht sein“, schimpfte sie mit sich selbst. „Reiß dich mal zusammen, meine Liebe!“
„Hast du einen Schatz gefunden, Tante Tessa?“, hörte sie da Timo, den Nachbarjungen, rufen. „Das ist ja krass!“
„Das weiß ich noch nicht, mein Junge. Hilfst du mir beim Bergen, bitte?“ Tessa war hocherfreut, dass sie in der Situation nicht mehr allein war. Timo war ein taffer Junge, er würde wissen, was zu tun war.
„Darf ich?“, sagte er und nahm Tessa den Spaten ab. „Dann wollen wir doch mal sehen, was du da gefunden hast!“
Er stieß ein paar Mal in die Erde, es knirschte und schepperte, dann hatte er den „Schatz“ freigelegt.
„Wow!“, stieß er hervor und zog das Fundstück, eine weiße Emaille Schüssel mit einem Griff, aus der Erde. „Was ist das denn? Ein Salattopf mit Griff?“
„Was? Zeig her!“ Tessa starrte auf den Fund. „Ein Nachttopf!“, stieß sie hervor und musste lachen. „Wie kommt ein Nachttopf in mein Kartoffelbeet?“
„Aber was ist denn ein Nachttopf, Tante Tessa? Gibt es Tagtöpfe und Abendtöpfe und Nachttöpfe etwa?“, fragte Timo.
Tessa fing erneut an zu lachen, das gab es doch nicht, ein Junge, der nicht wusste, was ein Nachttopf war, komisch. „Weißt du, lieber Timo, früher hatte man nicht in jedem Haus eine Toilette, oft gab es außerhalb des Wohnhauses ein Klo, ein Plumpsklo. Da musste man, wenn man mal musste, bei jedem Wetter nach draußen. Das war besonders im Winter sehr unangenehm. Genau dafür war so ein Nachttopf da, der stand für das kleine Geschäft zwischendurch unter dem Bett und wurde am Morgen dann ausgeleert.“
„Igittegit!“ Tims Augen wurden groß vor Staunen. „Das ist ja eklig! Wie konnten die Menschen so leben?“
Tessa musste noch mehr lachen. „Wie du siehst, haben wir es alle überlebt. Sonst gäbe es dich und deine Eltern und deine Freunde nicht, oder?“
„Stimmt.“ Tim lachte nun auch.
„Das ist spannend mit dir“, sagte er. „Darf ich dir weiter beim Graben helfen? Vielleicht finden wir noch andere Schätze aus dieser gruseligen Zeit?“
„Gerne.“ Tessa freute sich. Es war so wichtig, dass die Jungen vom Leben ihrer Vorfahren erfuhren und lernten. Man konnte schließlich nie wissen, ob und wann sie dieses alte Wissen, das gerade im Begriff war, verloren zu gehen, auch für ihr Leben anwenden konnten. „Ich wusste doch, dass auch dies ein guter Tag werden würde.“
Tessa drückte Timo den Spaten in die Hand: „Bitte sehr, du bist dran!“, sagte sie und der Junge hatte im Nu das Kartoffelbeet umgegraben. An diesem Tag fanden die beiden keinen weiteren „Schatz“, aber sie suchten weiter, Tag für Tag.

© Regina Meier zu Verl

Eingerostet

Die erste kleine Radtour habe ich gemacht und festgestellt, dass das Fahrrad wunderbar ist und ohne Mängel, ich selbst bin aber ein wenig eingerostet. Also werde ich in den nächsten Tagen üben, bis ich wieder ganz sicher bin. Gut, dass wir einen Landwirtschaftsweg hinter dem Haus haben, den kann ich rauf und runter fahren, ohne Gegenverkehr und Autos. Mit dem Radfahren ist das genauso, wie mit vielen anderen Dingen, man verlernt es nicht, aber man kann es natürlich besser, wenn man regelmäßig fährt, oder malt, oder Klavier spielt, oder schreibt und und und …
Ein paar Fotos zeige ich euch hier:

Checkliste für heute

  1. Fahrrad anschaffen – erledigt

Gestern hat es sich ergeben, dass ich durch ein Schnäppchen bei e*bay Besitzerin eines Fahrrades geworden bin. Das hatte ich mir lange gewünscht, bisher aber keines gefunden. Ich wollte gern eines mit einem tiefen Einstieg haben, weil ich glaube, dass ich damit besser zurechtkommen werde. Nach der Probefahrt hat sich herausgestellt, dass das richtig ist. Witzig war, dass dieses Fahrrad von jemandem verkauft wurde, der an der gleichen Straße wohnt wie ich und den ich sogar kannte. So habe ich tatsächlich ein echtes Schnäppchen gemacht, weil er mit dem Preis nochmal ein wenig runterging – freu! Foto folgt

2. Helm anschaffen – steht noch aus

Das muss sein, denn ich habe zum einen eine Vorbildfunktion (für meine Enkelkinder) und zum anderen ist das sicherer. Lassen wir die Frisur mal außen vor – ins Theater fahre ich sicher nicht mit dem Rad, nicht wahr?

3. Tacho kaufen – steht noch aus

Ich möchte wissen, ob es sich auch kilometermäßig lohnt, dass ich nun viele Wege mit dem Fahrrad machen werde. Bei den Benzinpreisen lohnt es sich ja auf jeden Fall, denke ich!

Wir werden sehen, ob ich tatsächlich die gerade spürbare Begeisterung nutzen kann und das durchziehe!

Ausnahmsweise

Ausnahmsweise

„Ich esse alles, was mir schmeckt. Fleisch in Maßen, aber nur, wenn es von Tieren kommt, die ein gutes Leben hatten und langsam heranwachsen durften. Gemüse, wenn es Bioqualität hat oder aus meinem eigenen Garten kommt …“
Line holt kaum Luft beim Reden. Das würde wieder ein Vortrag werden, bei dem man keine Chance hatte, auch mal etwas zu sagen, ich kannte das schon.
Ich versuche, ein Gähnen zu unterdrücken. Gespräche über Essgewohnheiten sind mir unangenehm, denn sie haben stets einen lehrerhaften Unterton. Außerdem wecken sie regelmäßig mein Gewissen auf und das ist sehr unbequem, wenn es um gutes und richtiges Essen geht. Ich esse zu gerne, um auf viele Dinge, die man als ungesund erkannt hat, zu verzichten. Aber soll ich mich geißeln? Andererseits ist es ja gar nicht falsch, darüber nachzudenken und vielleicht peu à peu auf Ungesundes zu verzichten, oder sich zu beschränken und nur wenig davon zu sich zu nehmen. Ach, es ist schwierig! Jeder sagt etwas anderes, ich kenne mich gar nicht mehr aus. Wie viele Hundert und mehr Bücher gibt es übers richtige Essen, die einen sagen dies, die anderen das, die dritten wieder etwas ganz anderes und jeder behauptet, nur seine Methode sei die einzig wahre und gesunde. Das stresst und ich gähne nun doch.
Ich stutze, was ist denn mit Line los? Sie sagt gar nichts mehr. „Was ist?“, frage ich.
„Nichts, wieso? Ich warte darauf, dass du etwas dazu sagst, oder ist das nicht dein Thema?“, will sie wissen.
Ich werde rot. Mit Line über dieses Ess-Thema zu sprechen, kommt einen Griff ins Wespennest gleich. Alles was ich sagen würde, wäre das falsche. Und dennoch kann ich mich dann doch nicht beherrschen.
„Noch besser wäre es, wenn du dich für die vegane Ernährung entscheiden könntest“, sage ich so nebenbei und innerlich ducke ich mich bereits.
Aber weit gefehlt, ich ernte Zustimmung und das ist mehr, als ich befürchtet hatte, denn nun wir Line versuchen, auch mich zu überzeugen. Sie sagt doch tatsächlich: „Ich finde es super, dass du das sagst. Weißt du, ich bin auf dem besten Wege, auch noch das Fleisch wegzulassen. Wie ist es? Machst du mit?“
Na bravo! Da habe ich mir aber selbst ein Bein gestellt. Wie komme ich aus dieser Nummer wieder heraus, ohne Line zu kränken? Ich und vegan? Eher friert die Hölle zu. Ich hasse Soja und Tofu und all den Kram und von Hülsenfrüchten bekomme ich Blähungen. Na ja, da bleibt dann sonst nicht mehr viel für eine ausgewogene Ernährung.
Dass das nicht stimmt, wird Line mir dann sicher erklären. Wie ich sie kenne, hat sie sich da längst schlau gemacht. Ich aber bitte mir Bedenkzeit aus und wechsle elegant das Thema. „Wir sollten mal wieder einen Ausflug ans Meer machen, findest du nicht?“, frage ich.
„Zu Fischbrötchen und Fish and Chips?“ Line sieht mich mit einem schelmischen Grinsen an. „Das könnte mich doch glatt locken und mein Magen knurrt schon.“ Sie lacht. „Weißt du, man sollte das mit den Prinzipien und Regeln nicht so eng sehen. Ausrutscher sind erlaubt, wenn sie für den Moment fröhlich machen in dieser sonst so ernsten Welt. Was meinst du?“
Sie lacht mich an und ich verkneife mir jedes weitere Wort und lache auch.
Wie recht sie hat, die Line.

© Regina Meier zu Verl