Die doppelte Mona – Reizwortgeschichte

Tanne, Herbstlaub, bunt, traurig, schnaufen

Das sind die Wörter, die in die Geschichte eingebaut werden mussten. Ich habe mich diesmal etwas schwer getan, aber letztendlich …. lest selbst.

Bitte schaut auch bei meinen Kolleginnen:

Lore und Martina

Die doppelte Mona
Der Mann schob einen Briefumschlag über den Tresen.
„Appartement 12, die Schlüssel sind im Umschlag!“, sagte er und wandte sich sofort wieder seinem Computer zu.
„Das Gepäck?“, stammelte die junge Frau und wurde dabei hochrot im Gesicht.
„Sie können direkt vor die Tür fahren. Das Appartement liegt im Erdgeschoss, also ist keine große Schlepperei erforderlich!“
Es war offensichtlich, dass er ihr nicht helfen würde und sicherlich gab es auch kein weiteres Personal. Bei den hohen Preisen hätte Mona ein wenig Service erwartet. Die Unsicherheit wich der Verärgerung und mit einem lauten Knall warf sie die Tür hinter sich zu.
„Danke für nichts!“, sagte sie noch im Gehen, aber das hatte der unfreundliche Vermieter wohl nicht mehr gehört.
Mona fuhr mit ihrem Kleinwagen in die Einfahrt und trug schnaufender Weise den großen Koffer bis zur Haustür. Dabei wäre sie fast ausgerutscht, denn der Gehweg war dicht mit nassem Herbstlaub bedeckt und dadurch rutschig.
„Verflixt nochmal!“, fluchte sie. Sie schloss die Haustür auf und schob den riesigen Koffer in den kleinen Flur. Dann schaute sie sich das große Zimmer an, in dem sie in den nächsten Wochen wohnen würde. Es gab außerdem eine kleine Kochnische und ein Bad, sogar mit Badewanne, was Monas Laune umgehend hob. Laut Wetterapp sollte es in den nächsten Tagen sonniges Herbstwetter geben, sie konnte sich also freuen und musste gar nicht traurig darüber sein, dass sie allein hergekommen war. Schließlich hatte sie einen Auftrag bekommen.
„Schreib deinen Roman fertig!“, hatte Vincent ihr mit auf den Weg gegeben. Er war es auch gewesen, der die Sache mit dem Appartement in die Hand genommen hatte und sie dann vor vollendete Tatsachen stellte. Mona lächelte beim Gedanken an ihren Freund. Er war einfach ein Schatz, las ihr jeden Wunsch von den Augen ab. Halt! Das war Nonsens, es handelte sich hier wohl eher um einen Satz aus ihrem Roman, der vor Romantik triefte. Mona lachte nun laut auf, es war sicher nicht falsch, wenn man noch über sich selbst lachen konnte, oder?
In der nächsten Stunde war Mona damit beschäftigt, ihren Koffer auszupacken und sich eine gemütliche Atmosphäre zu schaffen. Zufrieden ließ sie sich auf die bunte Couch sinken und war zufrieden mit sich und der Welt.
Vincent hatte ihr einige Flaschen ihres Lieblingsweines eingepackt, die standen aber noch im Auto. Also zog Mona ihre Schuhe noch einmal an, nahm ihren Autoschlüssel und machte sich auf den Weg, ihre Vorräte aus dem Wagen zu holen.
„Guten Tag!“, rief ihr eine fröhliche Stimme zu, als sie gerade im Kofferraum abgetaucht war. Mona schreckte hoch und stieß sich prompt den Kopf.
„Aua!“, rief sie und fasste an ihren Schädel, das würde eine dicke Beule geben.
„Sorry! Ich wollte Sie nicht erschrecken!“
Vor Mona stand ein junger Mann, etwa in ihrem Alter. Er hatte einen jungen Hund an der Leine, der Mona sofort beschnupperte.
„Lass das, Mona!“, rief der junge Mann.
„Ich mach doch gar nichts!“ Mona war verblüfft, woher kannte er ihren Namen und was fiel ihm ein, ihr Befehle zu erteilen?
„Ich meinte den Hund!“ Der junge Mann nahm den kleinen Hund auf den Arm. „Darf ich vorstellen? Das ist Mona!“ Er lachte.
Mona stimmte in sein Lachen ein.
„Und darf ich vorstellen?“ Sie zeigte auf sich selbst. „Mona Tanne!“
„Das ist nicht Ihr Ernst!“
„Doch, absolut. Ich kann auch nichts dafür!“ Mona kicherte.

Anmerkung der Autorin:
Hier endet das erste Kapitel. Die junge Dame heißt Tanne, weil unsere Reizwörter das so wollten. Sie kann also wirklich nichts dafür.
Möglicherweise werde ich sie aber umtaufen, wenn die Geschichte jemals längere Ausmaße annehmen sollte. Das nächste Kapitel folgt in zwei Wochen, wenn es wieder heißt: Reizwortgeschichtenzeit!

Buchbesprechungen

Auf der Seite einer Freundin schreibe ich unter anderem über die Bücher die ich gelesen habe. Noch sind es nur drei Besprechungen, aber es werden mehr werden mit der Zeit. Vielleicht mögt ihr ja mal reinschauen, ich würde mich sehr freuen:
Hier geht es um das Buch: Stay away from Gretchen, Susanne Abel

Unsere Bücherecke

Gefühle und Gewitter

Gefühle und Gewitter

Manchmal zieht sich Lya gern in ihr Schneckenhaus zurück. Dann ist sie für niemanden zu sprechen, auch für Mama nicht. Natürlich hat Lya kein richtiges Schneckenhaus. Sie findet das blöd, denn so richtig zurückziehen kann sie sich nicht. Ist sie in ihrem Zimmer, dann klopft irgendwann jemand an und fragt nach, ob es ihr gut geht. Oder Mama hat einen Auftrag für sie. Heute auch!
„Es wird gleich regnen, kannst du mir helfen, die Wäsche abzunehmen, Lya?“, ruft Mama. Lya tut so, als habe sie nichts gehört. Mama ruft noch einmal, diesmal lauter:
„Lya, bitte komm sofort aus deinem Zimmer. Ich brauche deine Hilfe!“
‚Noch sagt Mama „bitte“, das wird sich gleich ändern‘, denkt Lya und schon krabbelt der Ärger den Rücken hoch, setzt sich im Nacken fest und dann ist er durch das Ohr gekrochen und im Kopf angekommen. Wenn er dort erstmal ist, dann gibt es zwei Möglichkeiten – man wird wütend und knirscht mit den Zähnen, oder man fühlt sich von Gott und der Welt nicht verstanden, man wird traurig und Schwupps sind sie da, die Tränen. Ab und zu kann man nicht erkennen, ob es Wuttränen sind oder eben Trauertränen, beide sind nass und auch die Nase mischt sich ein und läuft.
„Lya, ich zähle bis drei!“, ruft Mama jetzt und das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass Mamas Geduld nun zu Ende ist. Lya findet es feige, gleich bei Eins loszulaufen. Soll Mama sich doch ruhig auch ein bisschen ärgern. Schließlich muss Lya dringend nachdenken, dafür gibt es einen Grund, der momentan nebensächlich ist. Aber das verstehen die Erwachsenen sowieso nicht, deshalb muss Lya allein nachdenken und dafür braucht sie Ruhe.
„Eins!“, ruft Mama, es klingt bedrohlich. Mittlerweile hat es angefangen zu regnen. Dicke Tropfen platschen auf die Dachfensterscheibe. Mama hat aufgehört zu zählen, mit einem lauten Knall fliegt die Haustür ins Schloss.
„Ich komme ja schon!“, ruft Lya. Dass Mama sie nicht hören kann, ist ihr klar. Die ist nämlich nun allein zur Wäscheleine gelaufen. Sicher wird sie schimpfen, wenn sie zurückkommt. Bei Lya meldet sich das schlechte Gewissen. Das kommt im Gegensatz zum Ärger von der anderen Seite, grummelt im Bauch herum, kneift im Magen und drückt dann auf das Herz. Das tut weh! Es beißt sich fest wie ein kleiner bissiger Hund.
Es blitzt und kurz darauf ertönt ein gewaltiger Donnerschlag. Auch das noch! Mama ist draußen im Regen und Lya ganz allein im Haus. Da, wieder ein Blitz. Lya zählt die Sekunden bis zum Donner. Sie hat in der Schule gelernt, wie man die Entfernung eines Gewitters ausrechnen kann. Eins, zwei, drei, vier, fünf Sekunden sind es, die fünf muss man mit 340 malnehmen, weil jede Sekunde 340 Meter sind. Nun ist das aber gar nicht so einfach, wenn im Kopf der Ärger sitzt und auf dem Herzen sich das schlechte Gewissen festgebissen hat. Lya erscheint es schlicht unmöglich und ein neues Gefühl gesellt sich zu den anderen, die Verzweiflung. Lya schlägt die Hände vors Gesicht und weint bitterlich.
So findet Mama sie, die pitschnass auf einmal in Lyas Zimmer erscheint.
„Lya, was ist denn los?“, fragt sie besorgt.
„Ach Mama“, schluchzt Lya. „Ich hab doch nur zehn Finger, das reicht nicht, weil … und dann die Haustür und der Donner und ich wollte doch …“
Mama setzt sich auf Lyas Bett, zieht das Kind auf ihren Schoß und streicht ihr zärtlich übers Haar.
Ganz fest schmiegt sich Lya an die pudelnasse Mama und das schlechte Gewissen knabbert gleich wieder ein wenig an ihrem Herzen herum.
„Pst, nun beruhige dich erstmal und dann erzählst du mir alles!“, schlägt Mama vor. „Ich möchte mir etwas Trockenes anziehen und dann die Wäsche falten, die ich gerade noch vor dem Regen retten konnte. Hilfst du mir?“
Lya springt auf. „Aber klar doch!“, ruft sie erleichtert. Im gleichen Augenblick nimmt der Ärger das schlechte Gewissen an die Hand und die beiden lösen sich in Luft auf. Die Verzweiflung folgt ihnen und die Gänseblümchen auf Lyas Lieblingskissen grinsen unverschämt. Sie kennen das schon.

Übrigens: 5 x 340 = 1700. Das Gewitter war also 1700 Meter oder 1,7 Kilometer entfernt, als Lya die Sekunden gezählt hat – nur der Vollständigkeit halber.

© Regina Meier zu Verl 2016

Das vorlaute Löwenmaul


Löwenmäulchen

Ein Löwenmaul im Blumenbeet,
das nahm sich furchtbar wichtig.
„Schaut her“, rief es, „damit ihr seht,
ich mache alles richtig!“

„Mein Maul, das öffne ich ganz weit,
kommt’s Bienchen angeflogen,
fliegt es gleich rein und lässt sich Zeit
und das ist nicht gelogen!“

„Zu mir“, rief die Lupine
recht laut und voller Zorn,
„kommt jede kleine Biene
und auch zum Rittersporn.“

„Das stimmt“, sprach die Tagetes,
die klein und sehr bescheiden
stand am Rand des Beetes.
„Mich mögen sie auch leiden!“

Die Bienchen, die das hörten,
die kicherten und lachten
über die sehr Empörten,
die sich Gedanken machten.

„Der Nektar ist vom Feinsten,
vorzüglich, süß und rein
selbst von den Allerkleinsten;
er könnt nicht besser sein.“

So flogen sie von einer
zur andern hin und her –
ob größer oder kleiner,
keine beschwert sich mehr.

Das Löwenmaul nun leise
wünscht allen „Gute Nacht“,
und sagt noch ziemlich weise:
„Ich hab nur Spaß gemacht!“

© Regina Meier zu Verl

Einfach mal zwischendurch

In den letzten Tagen habe ich meine Treckergeschichten vorgestellt. Es gibt mittlerweile Folge 8, die ich aber noch nicht einsprechen konnte, weil meine Stimme nach einer Operation noch nicht wieder die „alte“ ist. Ich bin noch immer ein wenig heiser, aber ich bin guter Dinge, dass sich das wieder ändern wird. (Man hat mir erklärt, dass das sein kann, wenn man während einer OP einen Tubus hatte)
Auch mein Gesicht hat ein wenig gelitten und ist leicht schief – was sich auch wieder gibt. Auf den ersten Blick merkt man es kaum, aber ich selbst kenne mich natürlich gut und mag zur Zeit gar nicht in den Spiegel schauen.
So, genug gejammert – Kopf und Finger sind gesund, ich kann also schreiben und das ist ja schonmal was, oder!

Vom kleinen Trecker, der so gern gebraucht werden wollte (6)

Nachdem ich nun viel Post zu meinen Treckergeschichten bekommen habe und ich immer wieder gefragt wurde, wann es denn endlich weiter geht mit dem kleinen Trecker, stelle ich heute die 6. Geschichte vor und es werden weitere folgen. Danke für Euer Interesse und die vielen netten Mails dazu!

Vom kleinen Trecker, der so gern gebraucht werden wollte (6)

Das Wunder in der Scheune

Ich hatte euch doch von dem schönen neuen Sitzkissen erzählt, auf das ich so richtig stolz war. Margret, die Bäuerin, hatte es für mich gestrickt, bevor Josef mit mir zum Trecker Treff gefahren war. Dort hatten wir zwar keinen Preis gewonnen, aber wir sahen beide sehr fesch aus, der Josef mit seiner neuen Weste und frisch gestutztem Bart, und ich auf Hochglanz poliert und mit dem wunderbaren Sitzkissen.
Ja nun, wenn ihr jetzt erfahrt, warum ich dieses Kissen nicht mehr benutzen kann, dann werdet ihr sagen: Ist doch nicht so schlimm! Wetten?
Passt auf, das war so:
Ich stand, wie immer, in der Scheune und erfreute mich am Feierabend. Der dicke grüne Traktor hatte eine große Halle für sich allein. Mir gefiel es in der Scheune, dort hatte ich seit vielen Jahren meinen Platz. Ab und zu bekam ich Besuch, sogar mitten in der Nacht. Ein paar Mäuse trippelten durch die Scheune und suchten nach etwas Essbarem. Aber auch Violetta die schwarz-weiße Katze verirrte sich schonmal bei mir. Manchmal lag sie sogar auf meinem nigelnagelneuen Sitzkissen und schlief dort ein paar Stunden. Ich hatte nichts dagegen, war ich halt nicht so allein.
Ich hatte in den letzten Tagen immer mal gedacht, dass Violetta ganz schön dick geworden war. ‚Vielleicht frisst sie sich Winterspeck an‘, dachte ich noch und als ich sah, dass ihr Bauch beinahe über den Boden schleifte, musste ich kichern und hätte ihr am liebsten gesagt: Jetzt ist es aber genug, Violetta. Habe ich aber nicht, wie auch, sie hätte mich doch nicht verstanden.
Auf jeden Fall kam Violetta eines Nachts in die Scheune. Sie sah komisch aus, gar nicht so wie sonst. Gut, sie war dick geworden, aber daran hatte ich mich längst gewöhnt. In dieser Nacht aber war sie träge wie noch nie und sie schaute sich so ängstlich um, so als befürchte sie Schlimmes. Ganz seltsam eben. Sie atmete auch viel schneller als sonst und machte dabei so pfeifende Geräusche.
Ich bin ein alter Trecker und ich habe eine gewisse Lebenserfahrung. Also dachte ich mir schon, dass Violetta möglicherweise Junge bekommen würde und auf der Suche nach einem geeigneten Platz für die Geburt war. Dass sie schließlich diesen Platz in meinem Führerhaus wählte und sich dafür das Kissen vom Sitz zog, um es im Fußraum zu drapieren, konnte ich ja nicht ahnen.
Genau so passierte es aber. Violetta lag auf dem Kissen im Fußraum des Führerhauses und atmete schnell und schneller. Und ich, ich konnte gar nichts tun. Ich konnte nur ein guter Gastgeber sein und sie gewähren lassen, selbst wenn sie auf meinem schönen Kissen lag und das sicher nicht unbeschadet bleiben würde. Nicht so schlimm, habe ich doch gesagt!
Jedenfalls dauerte es ungefähr zwei Stunden, genau kann ich es nicht sagen, weil ich keine Uhr auf dem Tacho habe. Aber ich habe ein ganz gutes Zeitgefühl. Nach den zwei Stunden waren dann die Kätzchen geboren, was für ein Wunder. Josef hat mir später erzählt, dass es acht junge Kätzchen waren und eines bezaubernder war als das andere. Wir ließen Violetta und ihre Kinder weiter im Führerhaus wohnen. Josef und Margret brachten ihr jeden Tag frisches Futter und Wasser und stellten ihr sogar das Katzenklo ganz in die Nähe.
Josef und Margret haben übrigens direkt am nächsten Morgen von der wundersamen Geburt erfahren, nachdem ich mal eine Ausnahme gemacht habe und einfach von mir selbst aus laut gehupt habe, aber psssst, nicht verraten, dass ich das kann, abgemacht? Josef hat gemeint, dass Margret das nur geträumt haben kann, das mit dem Hupen, dann hat er aber doch nachgesehen und den Rest kennt ihr ja nun.
Margret strickt mir übrigens ein neues Kissen, nett, oder?

© Regina Meier zu Verl

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