Wer sucht, der findet

Wer sucht, der findet

Rechtzeitig, bevor der Frost kam, wurde im Stadtpark die kleine Wiese geflutet, auf der, wie in jedem Jahr, eine Eislauffläche für die Kinder entstehen sollte.
Anton und Nele hatten das beobachtet und in ihnen wuchs schon die Freude aufs Eislaufen. Prompt fror es in der nächsten Nacht und dann auch in den darauffolgenden Tagen und Nächten.
„Ich glaube, wir können schon mal unsere Schlittschuhe bereitstellen“, sagte Nele.
„Au ja. Wo sind sie denn?“ Anton schaute sich suchend um, so, als kämen ihm die Schlittschuhe jeden Moment entgegen.
„Auf dem Dachboden, glaube ich. Oder im Keller? Oder in der Garage oder … bei Opa?“, zählte Nele auf.
„Hm, dann mal los! Suchen wir sie!“, schlug Anton vor. Zuerst stiegen sie gemeinsam auf den Dachboden.
„Ui, ist das hier staubig!“, meinte Nele, als sie ein paar Kisten an die Seite geräumt hatten und der Staub in den Sonnenstrahlen, die in die Dachluke schien, tanzte!
„Staubig und kalt.“ Anton rieb sich die Hände. „Lass uns schnell suchen, ist so schweinekalt hier!“
„Schweinekalt?“, fragte Nele.
„Ja, das sagt man doch so!“, erwiderte Anton.
Sie suchten den ganzen Dachboden ab, lugten in alle Ecken, hoben alle Kisten und Koffer an, schauten in alte Schränke und fanden viele wunderbare Schätze. Nur die Schlittschuhe, die waren nicht da.
Weiter ging es im Keller. Nele musste sich überwinden, denn in den Keller ging sie eigentlich gar nicht gern. Gut war aber, dass Anton bei ihr war, dann fürchtete sie sich nicht so sehr und außerdem wollte sie unbedingt die Schlittschuhe finden. Aber wie es so ist mit Dingen, die man unbedingt sucht. Man ist sich so sicher, sie da oder dorthin gelegt zu haben, aber dann stimmte dieses Bild, das man im Kopf hatte, doch nicht. Und genauso erging es den Geschwistern nun. Im Keller nämlich waren die Schlittschuhe ebenfalls nicht.
Also, auf in die Garage – aber da war es lausig kalt, noch kälter als auf dem Dachboden. Also mummelten sich die beiden erstmal dick ein und dann machten sie sich auf die Suche. Die Hände waren schon ganz steif von der Kälte und die Nase gefror, jedenfalls fühlte es sich so an, als Anton ein Gedankenblitz traf. „Die Schlittschuhe sind doch im Keller!“, rief er freudig aus. „Jetzt weiß ich auch genau wo!“
Schnell rannten die Kinder ins Haus, hüpften die Kellertreppe hinunter. Anton öffnete die alte Gefriertruhe, die die Eltern abgeschaltet hatten, weil sie ein zu großer Stronmfresser war.
„Da hinein packen wir die Schlittschuhe. Das passt!“, hatte Mama gesagt, „Gefrierschrank und Eis und Schlittschuhe!“
Und da lagen sie auch, die Schlittschuhe. Aber nicht nur die. Noch weitere Pakete lagen darin, hübsch verpackt in buntes Weihnachtspapier.
Weihnachtspapier? Weihnachten war doch schon vorbei. Hm!
Sollten die Eltern die etwa vergessen haben? Komisch war das auf jeden Fall, so komisch, dass Mama laut lachte, als Anton und Nele ihr davon erzählten.
„Könnt ihr euch nicht an die Hektik am Tag vor Weihnachten erinnern, als Papa unbedingt noch etwas besorgen musste, weil Pakete verschwunden waren? Aber das könnt ihr ja nicht wissen!“ Mama lachte und lachte und am Abend, als Papa auch da war, machten sie nochmal eine kleine Nachweihnachtsbescherung, schön, dass der Baum noch stand!

© Regina Meier zu Verl

Verirrt

Dieser hübsche Vogel hatte sich wohl bei uns verirrt. Hier sitzt er nahe unserer Terrasse und beobachtet die Meisen beim Futter picken. Sicher hat er auch Hunger. Später war er dann weg und ich habe ihn auch noch nicht wieder entdeckt – hoffentlich geht’s ihm gut.

In unserem Garten – ein Besucher!

Baumgeflüster

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Baumgeflüster

„Weißt du eigentlich, dass die dicke Eiche auf unserem Hof reden kann, Opa?“, fragt Jan seinen Opa, der gerade hinter dem Schuppen eine Zaunlatte repariert.
„Klar, weiß ich das. Ist ein richtiges Plappermäulchen, die Dicke!“, sagt Opa und grinst übers ganze Gesicht.
„Du glaubst mir wohl nicht!“ Jan kennt diesen Tonfall und das dazugehörende Grinsen.
„Wieso? Ich habe doch gesagt, dass sie plappert!“
„Ja, aber das sagst du nur so. In Wirklichkeit denkst du, dass ich spinne!“ Jan kickt mit dem Fuß einen dicken Ast zur Seite. „Aua!“ Der Ast war härter als gedacht.
„Hast du dir was getan?“, fragt Opa besorgt. Er lässt den Hammer fallen und geht auf Jan zu. Doch der ist verärgert. Schnell läuft er davon.
„Nun warte doch, Junge! Was hat sie denn nun gesagt, die Eiche?“, ruft Opa.
„Sie sagt, dass Erwachsene blöd sind!“, antwortet Jan ohne sich umzuschauen. Im gleichen Moment tut es ihm schon wieder leid. Er wollte Opa doch erklären, wie Bäume miteinander reden, denn die plappern natürlich nicht so wie die Menschen. Aber soweit ist er ja gar nicht gekommen, gleich hat Opa das ins Lächerliche gezogen und das findet Jan blöd, sehr blöd sogar.
Jan setzt sich auf die Bank vorm Haus, zieht seinen Schuh und den Strumpf aus und reibt seinen schmerzenden Zeh. Als Opa am Haus angekommen ist, setzt er sich zu Jan auf die Bank.
„Tut mir leid!“, sagt Opa.
„Mir tut es auch leid!“, sagt Jan und dann grinsen sie beide.
„Ist dein Zeh verletzt?“, will Opa wissen.
„Nein, ich glaube nicht, sehen kann man nichts. Ist ja meine eigene Schuld!“, sagt Jan und streckt Opa den Fuß hin. „Guck du doch mal!“
Vorsichtig bewegt Opa Jans Zeh hin und her.
„Scheint alles in Ordnung zu sein!“, sagt er dann. „Vielleicht sollten wir trotzdem ein wenig mit Eis kühlen“, schlägt er vor und macht sich auf den Weg ins Haus. „Bin sofort zurück!“
Als er mit einem leckeren Eis zurückkommt, das zwar nicht den Zeh kühlt, aber Jans Zunge, ist die Welt wieder in Ordnung.

„So, und jetzt erzähl mir mal, was die dicke Eiche gesagt hat!“, bittet Opa.
„Na ja, so richtig gesprochen hat sie nicht, also so mit Worten wie wir, meine ich. Aber Bäume reden miteinander“, erklärt Jan seinem Großvater. „Heute war ein Förster in unserer Schule, der hat uns erzählt, dass die Bäume so eine Art Netzwerk haben, in dem sie sich miteinander verständigen können!“
„Wie im Internet?“, fragt Opa.
„Ja, ganz ähnlich, sie brauchen dafür aber keinen Computer, sie machen das mit Gerüchen, Geschmäckern und mit ihren Wurzeln!“, erzählt Jan.
Opa ist beeindruckt und will mehr wissen.
„Hat der Förster euch auch erklärt, wie das geht?“
„Ja, alles habe ich nicht behalten, aber gemerkt habe ich mir, die Sache mit den Raupen!“
„Igitt, ich mag keine Raupen!“, meint Oma, die gerade aus dem Haus kommt.
„Setz dich zu uns, der Jan erklärt mir gerade wie die Bäume miteinander reden!“, sagt Opa und klopft mit der flachen Hand auf die Bank. „Komm!“
Jan erzählt weiter: „Wenn eine Raupe an einem Blatt knabbert, dann ist das für den Baum eine Verletzung. Es tut ihm weh. Also wehrt er sich!“
„Ach ja? Was macht er denn? Schüttelt er sich?“, fragt Oma lachend.
„Du sollst den Jungen ernst nehmen!“, schimpft Opa. „Rede weiter, Jan!“
„Er schüttelt sich nicht, das kann er gar nicht, dazu braucht er Wind. Bäume, die sich von sich selbst aus schütteln können, gibt es nur im Märchen!“ Jan erinnert sich, dass der Förster das auch gesagt hat. „Auch kann ein Baum keine Geräusche machen von sich selbst aus. Er muss zu anderen Mitteln greifen. Passt auf: Die Raupe knabbert und solange es ihr schmeckt, wird sie weiter knabbern. Also verändert der Baum den Geschmack seiner Blätter. Das dauert ein wenig, aber so ungefähr nach einer Stunde schmeckt das Grün so widerlich für die Raupe, dass sie von ihm ablässt. Und um die anderen Bäume zu warnen, verändert sich auch der Duft des Baumes!“

Oma und Opa staunen. Das haben sie nicht gewusst, aber wenn Jan das sagt, dann ist da sicher etwas Wahres dran.
„Das klingt sehr logisch, auch wenn ich mir das noch nicht so richtig vorstellen kann!“, meint Opa.
„Wir haben ein Arbeitsblatt bekommen, auf dem das noch einmal erklärt wird!“ Eifrig springt Jan auf, um seinen Schulrucksack zu holen.
„Guckt hier!“ er zeigt das Arbeitsblatt. Man sieht einige Bäume, die in einer Gruppe beieinanderstehen. Ihre Kronen berühren sich und unter der Erde sind ihre Wurzeln miteinander verbunden. Die gezeichneten Bäume haben fröhliche Gesichter, nur einer von ihnen schaut verärgert, in seiner Krone sitzt nämlich eine fette Raupe, die sich an dem Blattgrün sattfrisst. Im nächsten Bild schauen dann alle Bäume verärgert, sie haben mitbekommen, dass sich da ein Schädling bei ihrer Baumfreundin eingenistet hat. Im dritten Bild purzelt die Raupe auf die Erde und macht sich, so schnell sie kann, davon. Ihr schmeckt es nicht mehr. In einer Sprechblase steht „Igittigitt“.
„Das ist aber schade!“, sagt Opa und legt die Stirn in Falten.
„Was denn?“, fragen Oma und Jan gleichzeitig.
„Na, dass unsere dicke Eiche da ganz alleine steht. Sie hat niemandem, mit dem sie sich unterhalten kann und der sie vor Raupen warnen könnte. Sicher ist sie einsam!“
Das findet Jan auch, aber er hat keine Idee, wie man das ändern könnte. Schließlich sollte die Eiche auch einen Partner ihrer Art haben, oder doch nicht?
„Meinst du, wir könnten einen kleinen Baum daneben pflanzen, Opa?“, fragt er deshalb.
„Ja, das meine ich. Hat denn der Förster gesagt, ob Eichen sich auch mit anderen Bäumen vertragen?“, will Opa wissen.
Jan schüttelt den Kopf. „Nein, das hat er nicht gesagt. Gleich morgen frage ich mal nach. Wir machen nämlich mit dem Förster einen Ausflug in den Wald.“
„Das finde ich super! Ach, ich würde auch gern noch einmal zur Schule gehen“, meint Opa, doch das findet Jan völlig übertrieben. Sie gehen ja nicht jeden Tag in den Wald.
„Du kannst in die Baumschule gehen und eine Freundin für unsere Eiche aussuchen. Das ist auch schön, oder nicht?“, fragt Jan.
„Das machen wir zusammen, wenn du herausgefunden hast, was für einen Baum wir pflanzen wollen! Ich fände es gut, wenn es keine Eiche wäre.“
„Aber warum denn, Opa?“
„Weil die so langsam wachsen, dass ich gar nicht mehr erleben würde, ob die beiden sich anfreunden. Unsere Dicke ist nämlich schon älter als ich, mein Opa hat sie gepflanzt, vor mehr als siebzig Jahren.“
Jan überlegt einen Moment. Wahrscheinlich hat Opa Recht, sie sollten einen schnellwachsenden Baum aussuchen, damit sie selbst etwas davon hatten – nicht erst die Ur-Ur-Enkel. Ist doch klar!

© Regina Meier zu Verl

Das Birkenblatt im Herbst

Ein goldgelbes Birkenblatt segelt durch die Lüfte.

Hui ruft es, schön ist das und diese tollen Düfte!

Kommt ihr Blätter, folgt mir nach, Kinder, das macht Spaß,

Wind, du darfst ruhig kräftig pusten, ach ich liebe das!

Ja, es dauert gar nicht lange, da ist die Birke leer,

schon nach ein paar Tagen trägt sie kein Blättchen mehr.

Traurig hängen ihre Zweige, wiegen sich im Wind,

Tränen kullern auf die Erde für jedes Blätterkind.

Die Blätterkinder aber legen auf die Erde ihre Decken

und manches Gartentier mag drunter sich verstecken,

das Igelchen, das kuschelt sich in die Blätterbetten,

dort träumt es wunderbare Träume – wetten?

© Regina Meier zu Verl

Photo by Jill Burrow on Pexels.com

Gesangsstunde mit Lukas (Kindermund)

Das Abendessen ist fertig. Lukas ist noch mit Opa im Pferdestall. Von dort bekomme ich ihn schlecht weg, es sei denn ich setze mich ans Klavier bei weit geöffneter Balkontür.
Sobald er die ersten Töne vernimmt, kommt er ins Haus und will mitspielen. Heute auch, ich spiele ein Menuett und bin kaum am Schluss, da sitzt er schon neben mir auf der Klavierbank.
„Rück mal, Oma!“
Klar rücke ich, viel zu gern tu ich das.
„Nehmen wir das randere Buch?“ Lukas krabbelt auf die Bank und sucht das Buch mit den Kinderliedern. Niedlich klingt das, wenn er „andere“ sagt, er setzt nämlich immer ein R davor, das randere Buch eben.
Wir spielen: Hänschen klein, Ein Männlein steht im Walde, Wer will fleißige Handwerker sehn?
Lukas singt alles mit, er liebt diese Gesangstunden mit mir und ich erst.
Dann sagt er plötzlich: „So, jetzt machen wir das Klavier zu, die Katastrophe ist zu Ende.“

Aufwachwort:Pelerine

Ich lese gern das Wort des Tages bei Wildgans – siehe hier, oft ist es so, dass mir das Wort, wenn es mir gefällt, den ganzen Tag im Kopf herumspukt und manchmal sogar in einer Geschichte oder einem Gedicht landet.
Neuerdings wache ich häufiger mit einem eigenen Wort im Kopf auf und diese Wörter möchte ich gern mit euch teilen.
Heute ist es PELERINE. Kennt ihr das?

Mein erster Gedanke dazu ist, und jetzt weiß ich auch, warum das Wort mich beschäftigt, ‚Jetzt habe ich endlich ein Fahrrad und nun regnet es in einer Tour.‘ Als Schülerin hatte ich eine Regenpelerine, eine Art Poncho mit Kapuze, die beim Fahren sogar die Beine trocken hielt. Meine war dunkelblau und ich habe immer Auto gespielt, weil es so aussah, als sitze ich in einer Karosserie, vom Fahrrad war kaum noch was zu sehen.
(Pelerinen sind aber auch so kleine Umhänge, die die Damen früher über dem Mantel trugen, oder gestrickt als Schulterwärmer auch im Haus. Vielleicht wäre es sinnvoll, eine Pelerine jetzt zu stricken, falls der Winter kalt und lang werden sollte, denn mit dem Heizen wird das ja nix, dieses Jahr!)

Eingerostet

Die erste kleine Radtour habe ich gemacht und festgestellt, dass das Fahrrad wunderbar ist und ohne Mängel, ich selbst bin aber ein wenig eingerostet. Also werde ich in den nächsten Tagen üben, bis ich wieder ganz sicher bin. Gut, dass wir einen Landwirtschaftsweg hinter dem Haus haben, den kann ich rauf und runter fahren, ohne Gegenverkehr und Autos. Mit dem Radfahren ist das genauso, wie mit vielen anderen Dingen, man verlernt es nicht, aber man kann es natürlich besser, wenn man regelmäßig fährt, oder malt, oder Klavier spielt, oder schreibt und und und …
Ein paar Fotos zeige ich euch hier: