Zwischendurch geplaudert

Ich bin kein Statistiker, schaue auch nicht ständig, wie viele Menschen hier wie oft vorbeischauen. Aber ab und zu bin ich neugierig interessiert und schaue dann doch.
Heute fand ich am Spannendsten, dass meine Geschichte vom Schäfchen mit dem Sprachfehler rund 3.000 Mal angehört wurde. Das macht mich doch ein wenig sehr stolz.
Kennt ihr sie schon, die Geschichte? Wenn nein, dann hört sie euch doch an HIER KLICKEN, bitte und dann ganz runter scrollen. Danke!

Oma Betty und das Karnevalskostüm

Oma Betty und das Karnevalskostüm

„Ach!“, stöhnt Oma Betty. „Ich mag mich eigentlich gar nicht verkleiden!“
Das kommt mir bekannt vor, denn es ist jedes Jahr das gleiche. Sie zetert und schimpft und dann macht es ihr doch Freude.
„Dann lass es doch einfach sein, geh als Oma Betty zum Karnevalsfest und gut isses!“, schlage ich vor.
„Das geht nicht, es herrscht Kostümzwang“, sagt sie und wirft ein knallbuntes Kleid zurück aufs Bett, nachdem sie es eingehend betrachtet hat.
„Es passt aber nicht zu dir, dass du dich zu etwas zwingen lässt!“, meine ich und grinse vor mich hin. Meine Oma weiß genau, was sie will und was sie nicht will. Auf jeden Fall will sie zum Fest gehen und deshalb wird sie sich verkleiden, wie immer.
„Na ja, das Wort Kostümzwang klingt vielleicht hart, ist aber nicht böse gemeint. Es geht ja darum, dass keiner aus der Rolle fällt und sich über die Verkleideten lustig macht!“, versucht sie mir zu erklären. Das will mir aber nicht einleuchten.
„Also amüsieren sich die, die nicht verkleidet sind über die Verkleideten und deshalb dürfen sie nicht rein? Ich dachte immer, dass es um Spaß geht! Und außerdem ist das unlogisch: die nicht Verkleideten fallen aus der Rolle? Aus welcher Rolle denn, ich dachte, dass man eine Rolle spielt, wenn man sich verkleidet, oder?“
Oma winkt ab. „Das verstehst du noch nicht!“, sagt sie.
Typisch, wenn sie nicht weiterweiß, dann kommt immer dieser Spruch. Ich finde den voll blöd, echt! Also sage ich nichts mehr dazu.
Oma setzt einen riesigen Hut auf, der mit bunten Federn geschmückt ist.
„Wie findest du den?“, fragt sie.
Ich bin verstimmt und habe keine Lust, ihr Modeberater zu sein, deshalb schweige ich lieber.
„Sprichst du nicht mehr mit mir?“, will sie wissen und ihre Stimme nimmt so einen Jammerton an.
„Doch, aber von Karneval und Kostümzwang verstehe ich nichts. Ich gehe in diesem Jahr als Oma Betty, das ist einfach!“
Oma lässt den Hut fallen und setzt sich aufs Bett.
„Erzähl, wie geht das?“, sagt sie. Der Jammerton ist weg, aber ihre Stimme ist gefährlich leise geworden, gleich wird sie mit den Lippen zittern.
„Ganz einfach: ich ziehe eine Jeans an, so wie du. Dann leihe ich mir einen Pulli von dir, vielleicht in Pink. Ich ziehe meine Augenbrauen nach, schminke meine Lippen und mache ein freundliches Gesicht – kurz: ich bin die schönste Oma der Welt!“
Oma Bettys Lippen zittern, aber nicht vor Ärger. In ihren Augen ist Hochwasser, gleich werden die Tränen kullern, so gerührt ist sie.
Vorsichtshalber drückt sie mich, damit ich ihre Tränen nicht sehen kann, dabei flüstert sie mir ins Ohr:
„Leihst du mir deine Baseball-Kappe? Ich werde eine Jeans tragen, ein Sweatshirt und deine Kappe und dann gehe ich als bester Enkel der Welt!“
„Check!“, sage ich und halte meine Hand hoch.
„Check!“, sagt sie und somit ist das Problem mit dem Kostüm erledigt.

© Regina Meier zu Verl

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Bildquelle annca/pixabay

 

Ein frohes neues Jahr

wünsche ich allen Freunden und Lesern. Wir sind ganz ruhig hinübergezuckelt ins neue Jahr und genießen auch heute noch die Ruhe. Ich probiere in aller Ruhe mein Weihnachtsgeschenk aus und bin begeistert von den zarten Melodien, die ich mit der Kalimba hervorbringen kann. Sobald ich es etwas besser kann, werde ich euch etwas vorspielen.

Ansonsten plane ich den Januar so ein bisschen vor. Ich habe viele Pläne, möchte aber nicht hetzen, sondern alles ganz ruhig und besonnen angehen. Dann gelingen viele Dinge einfach besser, jedenfalls bei mir ist das so.

Für heute wars das schon wieder. Alles Gute für die nächsten 365 Tage, bleibt gesund!

Der Rockabilly-Traum

Der Rockabilly-Traum


Rockabilly war der Begriff für eine Spielart des Rock ’n‘ Roll. Blues mit Countrymusic vermischt, so könnte man die Musik beschreiben. Später wurde der entsprechende Kleidungsstil als Rockabilly-Style bezeichnet. Dieser war, wie die Musik auch, auffällig, rebellisch, immer ein wenig überdreht und angesagt.
Meine Musik war das nie, aber die Mode hat mir immer gefallen. Hier bei uns in Gütersloh gab es ein Geschäft, das sich auf genau diesen Style eingeschossen hatte. Ein toller Laden mit toller Mode und tollen Inhaberinnen, die lebten, was sie verkauften. Meine Tochter hat sich dort einmal ein Kleid gekauft, für eine Hochzeit. Sie sah großartig darin aus und irgendwie hatte ich immer den Wunsch, auch einmal so ein Kleid zu tragen. Es sprach aber immer etwas dagegen, z.B. gab es für mich keine Gelegenheit, so ein Kleid mit bauschigem Petticoat zu tragen, oder ich hatte nicht die richtige Figur dafür, oder oder…
Das nur als Vorgeschichte zu meinem Traum von heute Nacht und nun geht es los:
Jemand, ich weiß nicht genau, wer es war (mein Mann war es nicht), hatte mich ins Kino eingeladen. Es gab einen alten Film mit Elvis Presley. Ich freute mich auf den Kinobesuch und sah endlich einmal die Gelegenheit, mein tolles Rockabilly-Kleid zu tragen. Selbstverständlich ging ich an dem Tag auch zum Frisör und ließ meine Haare entsprechend stylen – hochtoupiert, eine Art Dutt auf dem Kopf und eine Schleife um das ganze Kunstwerk. Lidstrich und knallrote Lippen waren genauso selbstverständlich wie ein aufgemalter Leberfleck rechts über der Oberlippe.
Der Petticoat stand so weit vom Körper ab, dass ich im Auto hinten sitzen musste, weil der Fahrer, wer auch immer das war, sonst nichts hätte sehen können. Ich fands lustig und kicherte die ganze Zeit vor mich hin.
Im Kino gingen dann die Schwierigkeiten aber erst richtig los. Die Stühle hatten Armlehnen und ich passte mit all dem Bausch nur schwer dazwischen. Man muss dazu sagen, dass ich auch in meinem Traum keine Modellfigur hatte. Schließlich hatten wir, mein Begleiter und ich, die Röcke aber so eng an den Körper gehalten, dass ich mich niederlassen konnte. Jetzt konnte ich allerdings die Leinwand gar nicht sehen, weil der Rock vor meinen Augen war. Es ging aber, wenn ich ihn mit den Händen nach unten drückte. Leider hatte ich so keine Hand für Cola und Popcorn frei, aber: wer schön sein will muss leiden, nicht wahr?
Schlimmer war, dass der Kinobesucher hinter mir keine Chance hatte, etwas zu sehen. Weder nach vorn blickend, noch rechts oder links an mir vorbei. Der ärgerte sich lautstark und forderte, dass ich mich in die letzte Reihe begeben sollte. Ich glaube, er war aber nicht so freundlich, wie sich das hier anhören mag. Ich konnte nichts erwidern, da ich in diesem Moment aufwachte …

© Regina Meier zu Verl

Die versprochene Geschichte

Nachtrag zum 11. Türchen

Oma Hildes Geschichte

Ich muss ungefähr fünf Jahre alt gewesen sein, als kurz vor Weihnachten ein Wunder passierte, Ich weiß noch ganz genau, wie ich mich damals gefühlt habe, denn nie wieder in meinem Leben habe ich so etwas Großartiges erlebt. In jedem Jahr zur Weihnachtszeit denke ich wieder an diesen besonderen Tag.
Mein Großvater, der, wie du ja weißt, Musiker war, hatte mir das Lied vom kleinen Apfel beigebracht. „In einem kleinen Apfel, da sieht es lustig aus. Darinnen sind fünf Stübchen, grad wie in einem Haus“.
Ich glaube, dass ich es sehr schön singen konnte, denn Opa war stolz auf mich und er begleitete mich mit seiner Laute. Meine Oma sagte dann immer: „Ihr werdet noch einmal berühmt werden, denn so schön wie ihr singt niemand!“
An einem Abend durfte ich mit meinen Großeltern zur Weihnachtsfeier des Kirchenchores gehen. Opa war der Dirigent dieses Chores. Das Fest war auf der Donnerburg, das war ein wunderschönes Restaurant mitten im Wald.
Ich trug mein Sonntagskleid, dann fuhren wir ein Stück mit der Straßenbahn und etwa eine halbe Stunde lang mussten wir dann zu Fuß durch den Schnee stapfen, um das Lokal zu erreichen. Brrr, das war ganz schön kalt.
Als wir dort ankamen, gab es erstmal etwas Warmes zu trinken. Nie wieder in meinem Leben hat mir eine heiße Milch mit Honig so gut geschmeckt, wie an diesem Tag.
Dann sang der Chor Weihnachtslieder, das war wunderbar. Schon an diesem Abend wusste ich, dass ich auch einmal in einem Chor singen würde.
Nach dem Abendessen verließ mein Opa für einen Moment den Saal. Er holte seine Laute. Dann stellte er mich mitten auf den Tisch, klopfte mit seinem Löffel an sein Weinglas und sagte: Das ist meine Enkelin. Sie wird euch jetzt das Lied vom kleinen Apfel vorsingen.“
Da stand ich nun, mitten auf dem Tisch, in meinem karierten Sonntagskleid. Oh, ich war so aufgeregt, aber ich sang. Aus vollem Herzen! Die Leute klatschten begeistert, das war der erste Auftritt in meinem Leben. Dann wurde ich in einen anderen Raum geführt, dort bereiteten sich Engel auf ihren Auftritt vor. Es waren echte Engel, ich schwöre, sie schwebten eine Handbreit über dem Boden. Aber das wollte mir niemand glauben, als ich es erzählt habe. Mit einem Engel wollte ich reden, aber er verstand mich nicht.

Tina unterbrach ihre Oma. „Ich weiß, warum er dich nicht verstanden hat!“
„Warum das denn?“, fragte Oma.
„Na, der sprach doch sicher nur Englisch!“, meinte Tina.
Oma Hild lachte, so sehr, dass ihr die Tränen kamen.
Später brachte sie Tina, ihren Koffer und eine große Dose mit Plätzchen nach Hause.
Sie packte ihre Spielkameraden wieder aus und setzte sie in die Puppenstube.
„Es war doch ein schöner Tag, oder?“, fragte Tina und alle bestätigten das. Dann kehrte Ruhe ein in Tinas Zimmer und wenn der Schneemann nicht so laut geschnarcht hätte, dann hätte man eine Stecknadel fallen hören können.
Am nächsten Morgen fand Tina einen Gutschein für die Eisbahn.
„Einmal Eislaufen mit Mama und Papa!“, stand drauf und darauf freute sich Tina schon sehr.

Umzugswochenende

Morgen zieht meine Mutter (89) um, sie bekommt nun eine barrierefreie kleinere Wohnung in einem Haus, in dem viele Wohnungen für ältere Menschen sind. Unsere Hoffnung ist, dass sie dort ein wenig Kontakt zu den anderen Bewohnern bekommt, damit sie nicht nur auf uns Kinder (wir sind 3) angewiesen ist und vielleicht noch ein wenig selbständiger werden kann. In der alten Wohnung war es die Dusche, die einen hohen Einstieg hatte und die Treppe zur Wohnung und verschiedene Stolperfallen, die immer wieder Stürze hervorgerufen haben. Außerdem ist im neuen Zuhause ein Fahrstuhl, so dass sie auch mal selbständig rausgehen kann.
Sie selbst ist morgen nicht da, verbringt den Tag bei ihrer Schwester und am Abend führen wir sie dann in ihr fix und fertiges neues Heim, das sie übrigens selbst ausgesucht hat.
Ich bin gespannt, wie es werden wird und hoffe, dass ich durchhalte, bin nämlich noch immer sehr angeschlagen. Drück mir bitte die Daumen! Danke schön!

Die Gardinen hängen schon … 🙂

Aus dem Malkasten

Die beiden ersten Bilder sind Grußkarten, das Bild im Rahmen ist neurographikart – mein Lebensbaum, und das letzte Bild war durch eine Inspiration beim happypainting entstanden – jetzt gehts aber wieder mehr an den Schreibtisch, auch da warten einige Ideen für Geschichten und bald ist ja auch schon wieder Reizwortgeschichtentag, am 30.10.

Die doppelte Mona – Reizwortgeschichte

Tanne, Herbstlaub, bunt, traurig, schnaufen

Das sind die Wörter, die in die Geschichte eingebaut werden mussten. Ich habe mich diesmal etwas schwer getan, aber letztendlich …. lest selbst.

Bitte schaut auch bei meinen Kolleginnen:

Lore und Martina

Die doppelte Mona
Der Mann schob einen Briefumschlag über den Tresen.
„Appartement 12, die Schlüssel sind im Umschlag!“, sagte er und wandte sich sofort wieder seinem Computer zu.
„Das Gepäck?“, stammelte die junge Frau und wurde dabei hochrot im Gesicht.
„Sie können direkt vor die Tür fahren. Das Appartement liegt im Erdgeschoss, also ist keine große Schlepperei erforderlich!“
Es war offensichtlich, dass er ihr nicht helfen würde und sicherlich gab es auch kein weiteres Personal. Bei den hohen Preisen hätte Mona ein wenig Service erwartet. Die Unsicherheit wich der Verärgerung und mit einem lauten Knall warf sie die Tür hinter sich zu.
„Danke für nichts!“, sagte sie noch im Gehen, aber das hatte der unfreundliche Vermieter wohl nicht mehr gehört.
Mona fuhr mit ihrem Kleinwagen in die Einfahrt und trug schnaufender Weise den großen Koffer bis zur Haustür. Dabei wäre sie fast ausgerutscht, denn der Gehweg war dicht mit nassem Herbstlaub bedeckt und dadurch rutschig.
„Verflixt nochmal!“, fluchte sie. Sie schloss die Haustür auf und schob den riesigen Koffer in den kleinen Flur. Dann schaute sie sich das große Zimmer an, in dem sie in den nächsten Wochen wohnen würde. Es gab außerdem eine kleine Kochnische und ein Bad, sogar mit Badewanne, was Monas Laune umgehend hob. Laut Wetterapp sollte es in den nächsten Tagen sonniges Herbstwetter geben, sie konnte sich also freuen und musste gar nicht traurig darüber sein, dass sie allein hergekommen war. Schließlich hatte sie einen Auftrag bekommen.
„Schreib deinen Roman fertig!“, hatte Vincent ihr mit auf den Weg gegeben. Er war es auch gewesen, der die Sache mit dem Appartement in die Hand genommen hatte und sie dann vor vollendete Tatsachen stellte. Mona lächelte beim Gedanken an ihren Freund. Er war einfach ein Schatz, las ihr jeden Wunsch von den Augen ab. Halt! Das war Nonsens, es handelte sich hier wohl eher um einen Satz aus ihrem Roman, der vor Romantik triefte. Mona lachte nun laut auf, es war sicher nicht falsch, wenn man noch über sich selbst lachen konnte, oder?
In der nächsten Stunde war Mona damit beschäftigt, ihren Koffer auszupacken und sich eine gemütliche Atmosphäre zu schaffen. Zufrieden ließ sie sich auf die bunte Couch sinken und war zufrieden mit sich und der Welt.
Vincent hatte ihr einige Flaschen ihres Lieblingsweines eingepackt, die standen aber noch im Auto. Also zog Mona ihre Schuhe noch einmal an, nahm ihren Autoschlüssel und machte sich auf den Weg, ihre Vorräte aus dem Wagen zu holen.
„Guten Tag!“, rief ihr eine fröhliche Stimme zu, als sie gerade im Kofferraum abgetaucht war. Mona schreckte hoch und stieß sich prompt den Kopf.
„Aua!“, rief sie und fasste an ihren Schädel, das würde eine dicke Beule geben.
„Sorry! Ich wollte Sie nicht erschrecken!“
Vor Mona stand ein junger Mann, etwa in ihrem Alter. Er hatte einen jungen Hund an der Leine, der Mona sofort beschnupperte.
„Lass das, Mona!“, rief der junge Mann.
„Ich mach doch gar nichts!“ Mona war verblüfft, woher kannte er ihren Namen und was fiel ihm ein, ihr Befehle zu erteilen?
„Ich meinte den Hund!“ Der junge Mann nahm den kleinen Hund auf den Arm. „Darf ich vorstellen? Das ist Mona!“ Er lachte.
Mona stimmte in sein Lachen ein.
„Und darf ich vorstellen?“ Sie zeigte auf sich selbst. „Mona Tanne!“
„Das ist nicht Ihr Ernst!“
„Doch, absolut. Ich kann auch nichts dafür!“ Mona kicherte.

Anmerkung der Autorin:
Hier endet das erste Kapitel. Die junge Dame heißt Tanne, weil unsere Reizwörter das so wollten. Sie kann also wirklich nichts dafür.
Möglicherweise werde ich sie aber umtaufen, wenn die Geschichte jemals längere Ausmaße annehmen sollte. Das nächste Kapitel folgt in zwei Wochen, wenn es wieder heißt: Reizwortgeschichtenzeit!