Lisa baut Brücken

Lisa baut Brücken

Der Winter verging und der Frühling zog ein in das kleine Städtchen. Die Leute öffneten ihre Fenster weit und auch in den Gärten sah man schon die ersten fleißigen Hobbygärtner.
„Geh doch ein wenig raus“, sagte Frau Maurer, als sie in das Zimmer ihrer Tochter schaute. Lisa saß dort auf dem Boden und hatte unzählige Legosteine um sich herum liegen.
„Ich habe keine Zeit, ich muss Brücken bauen“, sagte sie und schaute nicht einmal auf.
„Brücken?“, fragte Frau Maurer. „Wie kommst du auf Brücken?“ Sie machte eine Pause, überlegte. „Da brauchst du doch auch Straßen, ja, und Flüsse oder Täler und …“
„Brauch ich nicht“, unterbrach Lisa ihre Mutter. Sie konnte es nicht leiden, wenn sie ihr in ihre Ideen dreinredete. „Meine Brücken brauchen das alles nicht.“
Die Mutter ließ sich neben Lisa auf dem Fußboden nieder und schwieg. Ab und zu gab sie ihr einen Stein an, wenn sie dachte, dass es der richtige für diesen Moment sein könnte. Manche nahm Lisa an, andere nicht.
„Sie müssen stabil sein, meine Brücken. Und lang müssen sie sein, damit ich alle erreichen kann“, murmelte Lisa und baute unermüdlich weiter.
„Das machst du gut und richtig.“ Die Mutter nickte. „Eine rechte Brücke muss stabil sein und lang. Das ist wichtig.“
„Und offen!“
„Offen?“
Lisa nickte nun auch.
„Aber ja. Weit offen muss sie sein. Und groß, damit man sie von weither sehen kann.“ Sie machte eine kleine Pause, überlegte. „Weil sie doch für alle da sein soll.“
Frau Maurer unterbrach die Tochter nicht. Sie würde schon erzählen. Ihre Wangen hatten sich vor Eifer gerötet.
„Mama?“ fragte sie jetzt. „Warum sind die Menschen so?“
„Was meinst du, wie sind sie denn?“, wollte die Mutter wissen.
So ein bisschen ahnte sie, was ihre kleine Tochter meinte und ein bisschen hoffte sie auch, dass ihre Ahnungen nicht zuträfen.
„Na, so komisch … und irgendwie auch dumm“, platzte es da aus Lisa schon heraus.
„Komisch? Dumm? Du meinst, die Menschen sind dumm?“ Ihre Mutter schien nicht zu verstehen.
„Ja, komisch, und …nein, nicht dumm. Ich meine so, als würden sie etwas sehen und doch nicht sehen können, verstehst du?“
Ihre Mutter schüttelte den Kopf und Lisa fuhr fort:
„Als ob sie eine Brücke brauchen, sie aber nicht sehen und auch nicht betreten können. So halt.“
„Ich glaube, ich weiß jetzt, wie du es meinst“, die Mutter überlegte einen Moment und wollte gerade erklären, was sie verstanden hatte, als Lisa sagte:
„Es ist so: Ich stehe auf der einen Seite des Flusses und auf der anderen Seite steht einer, der Hilfe braucht. Ich baue ihm eine Brücke, damit er zu mir kommen kann. Aber er sieht sie nicht … so ähnlich. Es kann ein Fluss sein, oder eine Grenze, es kann auch einfach nur ein Mensch sein, der sich nicht traut“ Fragend sah Lisa ihre Mutter an. „Verstehst du?“
Oh ja. Frau Maurer verstand. Und sie dachte an den Streit, den sie am Morgen mit ihrer Schwiegermutter gehabt hatte. Laut war es zugegangen und auch ein bisschen unfair und am Ende hatten sie sich ohne ein gutes Wort voneinander verabschiedet. Dabei wollte sie nicht, dass es wieder einmal so enden musste. Lisa muss ihren Streit wohl doch gehört haben. Wie feinfühlig das Kind doch war. Und wie klug.
„Was bist du doch für ein gescheites kleines Mädchen“, sagte sie leise. „Ich gehe jetzt eine Brücke bauen, am Telefon!“

© Regina Meier zu Verl

Weihnachtsfriede

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Engel am Weihnachtsbaum Hans/pixabay

Weihnachtsfriede

Wie schön ist doch die Weihnachtszeit,
in allen Fenstern leuchten Kerzen,
Weihnachtsmusik berührt die Herzen,
am schönsten ist es, wenn es schneit.

Wie gern hab ich als Kind gesungen,
vom Christkind und vom Tannenbaum,
von Engeln und vom Friedenstraum.
Wie schön hat jedes Lied geklungen.

Wie spannend war für uns das Warten
aufs Christkind, das Geschenke bracht
am Heiligabend in der Nacht.
Nach Spuren suchten wir im Garten.

Geheimnisvoll war all das Treiben,
es roch nach Zimt und Tannenduft,
es lag ein Staunen in der Luft.
Ach, könnte es doch immer bleiben.

Durch Ruhe und Besinnlichkeit
erhalten wir uns dieses Glück,
holen die Freude uns zurück,
erleben froh die Weihnachtszeit.

Ach, könnte doch für alle sein
Friede auf der Welt!
Das ist es, was zählt,
nicht nur im Weihnachtskerzenschein.

© Regina Meier zu Verl