Leckeres Wetter

Leckeres Wetter

Gerade war der Himmel noch blau gewesen und erste Sonnenstrahlen hatten sich zaghaft hervorgewagt. Fast wie Vorfrühling hatte es sich angefühlt und das schürte die Hoffnung auf Sonne und Licht und alles eben, was der Frühling so mit sich bringen konnte. Ein wunderbares Gefühl, fast glaubte man, die Schneeglöckchen, die überall durch die Rasendecke linsten, läuteten leise den Frühling ein.
Das Rotkehlchen, das täglich seinen Futterplatz auf der Terrasse aufsuchte, stritt lautstark mit einer Blaumeise um die beste Position am Knödel. Auf dem alten Kirschbaum hockten weitere Vögel, die sich einen guten Platz erhofften, als es mit einem Mal dunkel wurde. Eine dicke Wolke schob sich vor die Sonne, fast schon unheimlich sah das aus. Im nächsten Moment hagelte es heftig. Unmengen von winzigen weißen Hagelkörnern fielen vom Himmel, bedeckten die Terrasse und den Rasen und ließen die Welt wieder winterlich aussehen.

Die Vögelchen vergaßen ihren Streit und nahmen Reißaus. Gina stand am Fenster und beobachtete das Naturschauspiel. Ihre Schwester saß am Tisch und vernähte die Fäden eines soeben fertiggestellten Baby-Jäckchens.
„Guck mal schnell!“, sagte Gina und deutete aus dem Fenster. Elke legte ihre Handarbeit zur Seite und stellte sich neben die Schwester.
„April, April, kann machen, was er will!“, sang sie.
„Weißt du noch?“, kicherte Gina. „Die leckeren Hagelzuckerplätzchen vom Milchwagen?“
Elke grinste. „Oh ja, mit einem großen Glas Milch dazu!“, schwärmte sie. Sie legte der Schwester einen Arm um die Taille.
„Ist lange her!“, sagte sie.
„Stimmt, war aber sehr schön!“, meinte Gina. „Und lecker!“
„Superlecker!“, antwortete Elke.
Es hatte bereits wieder aufgehört zu hageln, war wohl nur ein Schauer aus einer einzigen Wolke gewesen. Das Rotkehlchen nahm wieder seinen Platz an der Futterstelle ein. Und die Schwestern?
Die träumten von Hagelzuckerplätzchen und einem großen Glas Milch!

© Regina Meier zu Verl

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Der Geburtstagsregenbogen

Der Geburtstagsregenbogen

Traurig blickt das Kind aus dem Fenster. Es regnet! Ausgerechnet heute am Geburtstag. Schade. Das Kind hat sich so sehr auf ein Gartenfest gefreut. Daraus wird nun aber nichts.
„Es ist doch Sommer! Mag der mich denn nicht leiden?“
Es öffnet das Fenster, blickt zum Himmel und ruft in das Wolkengrau hinauf:
„Hallo, Sonne! Hörst du? Ich habe heute Geburtstag!“
„Weiß ich doch! Ich gieße nur schnell die Blumen, damit sie für dich strahlen können“, antwortet eine klare Stimme. Liebevoll klingt sie.
„Das ist sehr nett von dir, liebe Sonne! Aber bitte mach schnell! Am Nachmittag kommen meine Freunde und wir wollen so gerne im Garten feiern.“
„Einverstanden.“ Die Sonne lacht. „Ich beeile mich.“
„Halt! Halt!“, rufen da die Wolken und mit Schwung schieben sie sich noch ein bisschen dichter über die Sonne. „Für ein Fest soll die Welt sauber sein. Noch viele Regentröpfchen müssen wir über den Garten rieseln lassen, damit alles ringsum hier hübsch mit den Luftballons und Sternenlampions um die Wette glänzt und funkelt. Ist das klar?“
„Und ich“, meldet sich der Wind, „puste später alles wieder trocken. Das wird ein Vergnügen sein, hui, wie ich durch den Garten sausen werde! Hui!“
„Und wir? Was ist mit uns?“, kreischt es da hinter der besonders dicken, schwarzen Wolke hervor. „Uns fragt hier wohl wieder keiner, he? Sag, Donnermann, wollen wir uns das gefallen lassen?“
Die Blitzhexe ist’s, die ihren Worten gleich auch noch einen tüchtigen Blitz hinterher schickt.
„Hey, Leute! Haltet ein!“, bittet da die Sonne. „Wir wollen den Menschen doch nicht das Fest verderben! Lasst uns noch einmal heftig donnern und blitzen und regnen und dann schenken wir dem lieben Geburtstagskind einen wunderrunden, bunten Regenbogen!“
„Au ja!“ Das Kind klatscht vor Freude in die Hände. „Einen Geburtstagsregenbogen habe ich mir schon immer gewünscht. Den hat nämlich nicht jeder. Danke, Sonne!“

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

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Geheimniskrämereien und Kürbisse, die schießen

Geheimniskrämereien und Kürbisse, die schießen

Das Regenwasserfass im Garten ist randvoll. Die ganze Woche hat es geregnet.
„Meine Laune ist echt im Keller“, sagt Papa.
„Echt? Was macht sie da?“ Der kleine Florian sieht Papa erschrocken an.
Und ehe jemand dazu etwas sagen kann, saust er schon los in den Keller, obwohl er eigentlich nicht gerne alleine dort hinunter geht.
„Ich hol sie dir zurück, Papa!“
Mama und Papa schauen sich an und dann prusten sie los vor Lachen.
„Wir sollten versuchen, nicht immer so zweideutig zu reden!“, sagt Mama schließlich.
Da ist Florian auch schon wieder da. Mit einem alten Weidenkorb in der Hand.
„Ich habe deine komische Laune nicht gefunden“, verkündet er. „Nur das da.“
Und er stellt den Korb mitten zwischen Frühstücksgeschirr, Brotkorb, Marmeladentopf, Butterschale und Salzmühle auf den Tisch.
„Wo kommt der denn her?“, staunt Mama.
„Aus dem Keller! Er ist auch nicht schwer.“ Florian wundert sich über die Frage. Er hat doch gerade gesagt, dass er ihn im Keller gefunden hat.
„Und wie kommt er dahin?“, fragt Mama wieder
Papa zuckt mit den Schultern, er weiß es auch nicht. „Was ist denn drin?“, fragt er neugierig.
„Ich weiß es nicht“, sagt Florian. Und er muss plötzlich an Oma denken, die gestern unbedingt etwas im Keller gesucht hat. „Ein Geheimnis“, hat sie gesagt und so seltsam gelächelt hat sie dabei.
„Oma weiß es sicher!“, ruft Florian. Er ist jetzt ganz aufgeregt, denn Oma hat immer spannende Geheimnisse.
Das weiß Mama auch und deshalb bekommt sie erst einmal einen Schreck. Sie springt auf und stellt sich in die Nähe der Küchentür.
„Oma ist alles zuzutrauen“, schimpft sie. „Vielleicht ist eine Schlange drin oder irgendein Tier, das sie im Garten gefunden hat. Bei Oma weiß man das nie.“
„Oha!“ Papa ist mutiger und linst unter das Tuch, das im Korb liegt. „Schlimmer“, sagt er. „Ein Oma-Geschenk, das nach Arbeit riecht.“
Jetzt sehen auch Mama und Florian die drei Paar Gartenhandschuhe und die Marmeladengläser. Sie sind neu.
Papa seufzt. „Das riecht nach Gartenarbeit für uns. Ich glaube, aus unserem Ausflug wird heute wieder nichts. Oma aber auch immer mit ihren geheimen Botschaften.“
„Ich verstehe“, sagt Mama. „Die Kürbisse sind dank des vielen Regens aber auch regelrecht explodiert in den letzten Tagen!“
„Oh nein!“, kreischt Florian. Kürbisse, die explodieren? Das stellt er sich schrecklich gefährlich vor. Und er nimmt sich vor, erst mal nicht mehr in den Garten zu gehen.
Da fügt Papa hinzu: „Auch die Kräuter schießen nur so. Ebenso der Salat. Ihr wisst, was das bedeutet?“
„Die schießen?“ Florian kann es nicht fassen. Eine Schießerei im Garten und explodierende Kürbisse. Das ist zu viel. Da fällt ihm Oma ein, die ist im Garten. Er muss sie retten! Sofort!
Vergessen ist die eigene Angst. Noch bevor Mama und Papa etwas sagen können, rennt er schon los hinüber zu Oma.
Die hat gerade einen dicken Kürbis geerntet und schleppt ihn in Richtung Haus.
„Vorsichtig, Oma, sofort hinlegen, der explodiert gleich!“, ruft Florian ihr schon von weitem zu.
„Huch!“ Oma schreit auf, lässt den Kürbis fallen und sich gleich auch.
Florian schreit auch auf, rennt zu Oma, stolpert, fällt zu Boden.
Und da liegen sie nun, Oma, Florian und der Kürbis.
Ein Glück, dass Papa und Mama gleich gekommen sind. Papa hilft Oma auf die Beine und als alle feststellen, dass niemandem etwas Schlimmes passiert ist, lachen sie herzlich. Papas gute Laune ist auch wieder da. Hatte die sich etwa doch auch in dem Korb mit den Marmeladengläsern und Gartenhandschuhen versteckt? Egal, die Hauptsache ist doch, dass niemand erschossen wurde und dass auch die anderen Kürbisse friedlich in ihrem Beet liegen, oder?

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl 2016


Kürbisgarten, Bilquelle © rycky21/pixabay

 

Kakao wächst auf Bäumen

Kakao wächst auf Bäumen

Draußen ist es kalt, nebelig und nass. Voller Sehnsucht wartet Karin auf den ersten Schnee. Doch das Wetter ist seit Wochen das gleiche: kalt, nebelig und nass. Und viele Leute fühlen sich fast schon genau so.
„Ich habe eine Idee gegen schlechte Winterlaune“, sagt Mama. „Wir kochen uns eine Tasse Kakao, dann kuscheln wir uns unter die Wolldecke und probieren, ob uns unsere selbst gebackenen Kekse schmecken.“
Karin findet, dass das eine richtig gute Idee ist. Draußen ist es schon am frühen Nachmittag so dunkel, das es keinen Spaß macht, auf den Spielplatz Freunde zu treffen oder mit Hund Bassy über die Felder zu laufen. Schnell dreht sie mit Bassy daher eine schnelle Runde um die Häuser, dann setzt sie sich mit einem Buch zu Mama aufs Sofa. Ihr ist kalt und ein heißer, in der Tasse duftig dampfender Kakao passt nun prima zu einem gemütlichen Nachmittag.
„Mama, woher kommt eigentlich der Kakao?“, fragt Karin.
„Du willst immer alles ganz genau wissen, nicht wahr?“ Mama lächelt. „Da hole ich doch gleich das Lexikon, damit wir nachsehen können.“
Während es sich Karin auf dem Sofa mit Kissen und Decken gemütlich macht, kommt Mama auch schon mit einem Tablett in der Hand und dem Lexikon unterm Arm ins Wohnzimmer. Sie kriecht zu Karin unter die Decke und sie genießen einen ersten tiefen Schluck des herrlich süßen Kakaos.
Dann blättern sie im Lexikon und sie haben Glück. Neben dem Text finden sie nämlich auch ein Bild, und sie erfahren, dass die Kakaobohne aus Westafrika und Südamerika kommt und an Kakaobäumen, die über zehn Meter hoch werden, heranreift. Aber nicht die einzelnen Bohnen hängen an den Bäumen, sondern längliche rote und gelbe Früchte, die ähnlich wie Gurken aussehen und bis zu zwanzig Zentimeter lang werden. In deren Fruchtfleisch wachsen jeweils etwa fünfzig Samen. Das sind die Kakaobohnen. Die werden nach der Ernte geröstet, gemahlen und entölt, ja, und dann erst hat man das kostbare Kakaopulver, das auch zur Herstellung von Schokolade verwendet wird.
„Dass Kakao wie Obst und Nüsse auf Bäumen wächst, hätte ich nie gedacht!“, sagt Karin. Sie nimmt noch einen großen Schluck und irgendwie, findet sie, schmeckt der Kakao jetzt noch besser. Aufregender irgendwie.

© Elke Bräunling u. Regina Meier zu Verl

Kakaozeit, Bildquelle © rawpixel/pixabay

Kreislauf – Tauwetter

Ich nehme zur Kenntnis und gebe bekannt,
der Frühling zieht vergnügt ins Land.
Die Sonne küsst sanft, mit zärtlichem Munde
letzte Eiskristalle zur Mittagsstunde.

Sie werden zu Tränen und steigen dann auf
zum Himmel, immerwährender Lauf,
um zurückzukommen auf die Erde,
dass ein jedes Pflänzchen bewässert werde.

Im nächsten Winter kommen sie dann
voller Liebreiz neu auf Erden an,
als Flocken vielleicht, das wäre schön,
haben lange keinen Schnee gesehen.

Wir werden dann, ob arm oder reich
tanzen und tun es den Flocken gleich,
wir wirbeln freudig durch die Lüfte
und warten wieder auf Frühlingsdüfte.

© Regina Meier zu Verl