Von Adventskränzen, Angeln und Stricklieseln

Von Adventskränzen, Angeln und Stricklieseln

Auf dem Wochenmarkt hatte Marie einen schlichten Tannenkranz gekauft, den sie gemeinsam mit ihrem Mann schmücken wollte.
„Adventsschmuck müsste ich noch reichlich im Keller finden“, murmelte sie vor sich hin. „Aber Kerzen brauche ich, vier Stück!“
Sie überlegte. Hatte sie nicht noch Kerzen vom letzten Jahr? Sie konnte sich noch gut daran erinnern, dass sie damals eine große Packung gekauft hatte, die gerade im Sonderangebot waren. Nur wo hatte sie diese aufgehoben.
Ein Auto fuhr in die Einfahrt. Das war Albert, ihr Mann, Marie erkannte es daran, dass er noch einmal tüchtig Gas gab, bevor er den Schlüssel im Zündschloss drehte, um den Motor abzuschalten. Wie oft hatte Marie ihm schon gesagt, dass es großer Blödsinn ist, doch Albert bestand darauf, er behauptete sogar, dass das gut für den Motor ist. Marie hatte es aufgegeben, ärgerte sich aber jedes Mal ein wenig darüber.
„Du nun wieder mit deinen Sonderangeboten“, sagte Albert als Marie ihn nach den Kerzen fragte. Marie kaufte nämlich ständig Sonderangebote. Im Kellerregal lagen diverse Schnäppchen herum, etwa zehn Stück Seife, oder zwanzig Mikrofaserspülschwämme und vieles mehr.
Aber wegen der vier Kerzen jetzt den Keller durchsuchen, dazu war er doch zu bequem.
„Kauf doch einfach neue Kerzen“, schlug er vor.
„Kommt gar nicht in Frage, warum wohl kaufe ich immer billig ein und nutze jedes Angebot? Weil ich sparen möchte! Außerdem ist heute Samstag und der Keller müsste schon längst mal aufgeräumt werden.“
Missmutig dachte Albert, als er die Stufen hinunter ging:
„Billig einkaufen, ha, das meiste davon landet doch im Keller und wird nie mehr gebraucht.“
Aber als guter Ehemann wusste er, wann er den Mund zu halten hatte.
Als Albert nach mehr als einer Stunde immer noch nicht aus dem Keller aufgetaucht war, machte Marie sich Sorgen. Sie rief von der Kellertreppe aus nach ihm, bekam aber keine Antwort. Schließlich stieg sie die Stufen hinab, um nach Albert zu schauen.
Sie schlug entsetzt die Hände über dem Kopf zusammen.
Der Keller war ein einziges Chaos und mittendrin ihr Mann, der sie jetzt strahlend anlachte.
„Sieh mal, was ich gefunden habe?“
Er hob eine alte Angel hoch.
„Deine Angel! Was willst du jetzt damit? Eisfischen gehen? Du solltest den Keller aufräumen und nebenbei nach den Kerzen suchen, stattdessen sitzt du hier und …“
Marie seufzte und bückte sich.
„Guck mal!“, rief sie und die Begeisterung in diesem Aufschrei war deutlich zu hören.
„Da ist ja meine alte Strickliesel!“ Marie wühlte in einer Kiste und zog ein Knäuel Wolle hervor.
„Das wird Spaß machen!“, murmelte sie und schob mit Strickliesel und Wolle ab, ohne sich weiter um Albert zu kümmern.
„Und was ist nun mit den Kerzen?“, rief der. „Willst du welche klöppeln?“
„Wir kaufen neue!“, antwortete Marie lachend. „Ich habe jetzt gar keine Zeit zum Suchen!“

© Regina Meier zu Verl 2020
Hier lese ich die Geschichte vor

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Das Rentier im Supermarkt

Das Rentier im Supermarkt

Am Eingang des Supermarktes „Kaufmada“ in der beschaulichen kleinen Stadt, am Rande des Teutoburger Waldes, steht seit ein paar Tagen ein Rentier in Originalgröße. Es trägt einen Sattel, an dem zwei große Körbe hängen. Neben ihm ist eine Tafel aufgestellt, darauf steht:

Liebe Kunden! In unserer Stadt leben viele Menschen, die sich nicht erlauben können, sich zu Weihnachten Leckereien zu kaufen. Manchmal fehlt es sogar an den Grundnahrungsmitteln, um zum Fest vielleicht einmal einen Kuchen zu backen. Denken Sie beim Einkauf doch auch an diese Menschen und spenden Sie – vielleicht eine Tafel Schokolade oder ein Pfund Mehl.
Wir danken Ihnen schon jetzt und wünschen allen eine wunderbare Adventszeit. Ihr „Kaufmada-Team“.

„Guck mal, Mama. Das ist eine gute Idee, findest du nicht auch?“
„Ja, das finde ich auch. Wir sollten etwas spenden!“
Lena und ihre Mutter betrachten das Schild und Lena streichelt das herrlich weiche Rentier.
Während sie dort stehen, kommt eine Frau und legt zwei Beutel mit Nüssen in einen der Körbe. Das gefällt Lena sehr. Sie lächelt die Frau an und diese, die zuvor noch etwas mürrisch dreingeschaut hatte, lächelt zurück.
„Die sollen arbeiten, dann haben sie auch was zu essen!“, schimpft eine junge Frau, die ein weinendes Kind an der Hand hinter sich herzieht. „Unverschämt, diese Bettelei!“
Lena lächelt das Kind an, das sogleich aufhört zu weinen. „Hallo, ich heiße Lena, und du?“, fragt sie. Das Kind antwortet nicht, aber die Mutter antwortet gereizt: „Das ist Bella und sie ist heute mächtig schlecht gelaunt!“
„Schau, kleine Bella, das ist das Rentier vom Nikolaus. Freust du dich auch schon auf Weihnachten?“, fragt Lena und führt die Hand des Kindes zu dem kuscheligen Fell. Bella lacht und schmiegt ihre Wange an das Tier.
„Ich habe es eben nicht so gemeint“, sagt Bellas Mutter. „Ich bin etwas genervt und das überträgt sich dann auf das Kind und alles wird noch schlimmer.“
„Ich passe auf Bella auf, während sie einkaufen“, schlägt Lena vor und sieht ihre Mutter bittend an. „Das darf ich doch, oder?“
Die Mutter ist einverstanden und die beiden Frauen machen sich auf, ihre Einkäufe zu erledigen. „Denk an die Spende!“, ruft Lena der Mutter noch nach, dann setzt sie sich mit Bella auf den Schlitten, der dort als Dekoration steht. Sie spielen: Ich sehe was, was du nicht siehst und haben viel Spaß miteinander.
Wohlwollend betrachten die Menschen die beiden spielenden Kinder und deren Lächeln überträgt sich wohl auf ihre Herzen. Im Nu sind die beiden Körbe des Rentieres gefüllt. Der Marktleiter kommt mit einem Einkaufswagen und bringt die Spenden zu einem Tisch, wo sie gesammelt und sortiert werden.
„Später packen wir Pakete und dann bringen meine Mitarbeiter und ich diese Gaben zu Familien, die arm sind und sich darüber freuen werden.“, erklärt er den Kindern.
„Jetzt weiß ich auch, warum das hier ein Supermarkt ist!“, ruft Lena begeistert.
„Ihr seid alle super hier und Du bist auch super, Herr Kaufmada!“

© Regina Meier zu Verl