Vom kleinen Trecker, der so gern gebraucht werden wollte (9)

Vom kleinen Trecker, der so gern gebraucht werden wollte (9)

Von Treckern, Zahnbürsten und Blockflöten

Mein Bauer, der Josef, ist ja ein herzensguter Mann. Wenn einer in Not ist, dann hilft er, keine Frage. Ich habe davon öfter mal berichtet. Wenn es allerdings um mich geht, dann hat Josef seinen eigenen Kopf.
Neulich erst. Da war der Nachbar Willi bei uns. Man könnte sagen, dass der Willi ein guter Freund vom Josef ist. Das merkt man daran, dass die beiden gar nicht viel reden und sich trotzdem gut verstehen. Woher ich das weiß? Also das ist so: die beiden Männer sitzen zum Beispiel am Abend auf der Bank vor dem Haus. Das kommt öfter vor, weil der Willi ja auf dem Nachbarhof wohnt.
Sie sitzen dann da und Josef sagt: „Pülleken?“ Darauf antwortet der Nachbar: „Jau!“ Dann sagen sie lange nichts, bis Josef sagt: „Noch eins?“ Meist antwortet dann Willi: „Lass mal!“ Dann geht er nach Hause.
An diesem Abend, von dem ich heute erzählen will, war das aber anders. Es ging zwar mit der Pülleken Frage los, aber dann kam was Neues: „Kann ich den Kleinen mal ausleihen?“, fragte Willi und meinte damit wohl mich.
„Nee, kannste nicht!“, sagte Josef. „Die Zahnbürste und den Lieblingstrecker verleiht man nicht, das sagt auch mein Vater Fritz immer, den kannste fragen meinetwegen.“
„Und die Blockflöte!“, ruft Margret aus dem Küchenfenster.
Die beiden Männer sehen sich erstaunt an, was hat denn die Blockflöte damit zu tun?
„Hä?“, fragte da Willi auch schon.
„Habe ich so gelernt!“, meinte Margret und Josef grinste. Er fand das wohl so richtig gut, dass Margret auch noch einen Grund besteuerte und glaubte fast, dass sie den erfunden hätte. Hatte sie aber nicht, ihre Mutter hatte das tatsächlich immer gesagt: ‚Die Zahnbürste und die Blockflöte verleiht man nicht, nicht einmal an seine allerbeste Freundin!“
Wäre ja eklig, finde ich. Mit der einen pult man sich in den Zähnen herum und in die Flöte spuckt man rein, passiert ja so, oder? Was das nun aber mit mir zu tun hat, das habe ich noch nicht herausgefunden. Ich weiß nur, dass der Willi mit mir angeben wollte, weil doch sein Enkel den letzten Tag im Kindergarten hatte, und er hatte sich gewünscht, dass Opa Willi ihn mit dem kleinen Trecker von Onkel Josef abholen sollte, weil der, also ich, so schön knattert!
„Hätteste ja gleich sagen können!“, meinte Josef dann, als er das gewahr wurde. „Dafür hätte ich eine Ausnahme gemacht!“
„Du bist der Beste!“, sagte Willi.
„Pülleken?“, fragte Josef und grinste.
„Jau!“, antwortete Willi und damit war dann ja alles gesagt.

© Regina Meier zu Verl

Vom kleinen Trecker, … (8)

Vom kleinen Trecker, … (8)

Vertrauen ist gut, doch Kontrolle ist besser

Heute Morgen hatte der Bauer Josef die Scheunentür weit geöffnet und sich gleich auf meinen Sitz geschwungen.
„Guten Morgen, kleiner Trecker!“ hatte er gesagt und den Motor angelassen. Ich freute mich schon auf eine schöne Spazierfahrt, aber mitten auf dem Hof hielt er schon wieder an und machte den Motor aus.
Josef steckte zwei Finger in den Mund und pfiff, woraufhin Margret aus dem Haus gelaufen kam. Sie wischte sich die Hände an ihrer bunten Schürze trocken. Vermutlich hatte sie gerade Kartoffeln geschält, die Schürze trug sie nämlich dann immer. Ich weiß das, weil Margret gern vor dem Haus sitzt und Kartoffeln schält.
„Das macht mir an der frischen Luft viel mehr Spaß!“, hat sie mal gesagt und das verstehe ich auch. Ich bin nämlich auch gern an der frischen Luft, zu jeder Tages- und Jahreszeit sogar.
„Stell dich bitte nach vorn, Margret!“, sagte Josef. Margret gehorchte und schaute ihren Mann erwartungsvoll an. Der betätigte den Lichtschalter.
„Und?“, rief er.
„Tut es!“, antwortete Margret.
„Rechter Blinker!“, rief Josef.
Margret grinste. „Tut es – an, aus, an, aus!“, rief sie.
„Witzbold!“, Josef lachte. „Linker Blinker!“
„Tut es!“, Margret grinste schon wieder.
„Okay, geh nach hinten!“, sagte Josef.
Als Margret hinter mir stand rief Josef: „Licht, Bremslichter?“
„Tun es – beide!“, antwortete Margret.
„Prima – jetzt tauschen wir!“ Josef sprang vom Sitz und Margret kletterte hoch, dann folgte die ganze Prozedur ein weiteres Mal.
So richtig verstehe ich das nicht. Schließlich hatte Margret doch gerade alles kontrolliert und es war in Ordnung gewesen. Was also sollte das nun?
Und, als ob die Margret meine Frage gehört hätte, strich sie zärtlich über mein Lenkrad und sagte: „Du weißt ja, kleiner Trecker: Vertrauen ist gut, doch Kontrolle ist besser!“
Aha, so war das also. Ob die beiden das im Haus auch so machten, dass jeder den anderen überprüfte und der Josef kontrollierte, ob das Klo auch sauber geputzt war? Sicher nicht, hier ging es um mich, dachte ich mir, und das war Grund genug, es ganz genau zu nehmen, oder?
Am nächsten Tag wollte der Josef mich beim TÜV vorstellen, aber das ist schon wieder eine ganz neue Geschichte, die ich euch auch noch erzählen werde. Versprochen!

Vom kleinen Trecker, der so gern gebraucht werden wollte (7)

Vom kleinen Trecker, der so gern gebraucht werden wollte (7)

Immer rundum die Apfelbäume (7)

Die Zeit der Feldernte ist so gut wie vorbei. Die meisten Äcker sind frisch gepflügt und teilweise auch schon eingesät. Ab und zu fährt der dicke Grüne noch mit seinem Spritzwerk über die Felder und düngt die Saat. Ganz ehrlich: ich bin nicht so richtig traurig darüber, dass er das machen musst. Ich bin eben schon alt und muss mich auch mal ausruhen. Das darf man, wenn man älter ist. Es heißt ja gar nicht, dass man nicht mehr gebraucht wird, keinesfalls. Die Aufgaben verändern sich. Ihr habt das schon in meiner letzten Geschichte erfahren, als die Katze Violetta acht kleinen Herbstkätzchen das Leben geschenkt hat. Das war aufregend und schön, ja, ja.

Mittlerweile sind Mutter und Kinder ausgezogen. Sie besuchen mich aber täglich und darüber freue ich mich sehr. Auch Lukas schaut regelmäßig nach mir. Er ist nun schon ein großer Junge und hat sicherlich sehr viele andere Dinge im Kopf als mich, seinen alten Freund. Umso mehr freue ich mich eben, wenn er mal wieder reinschaut.

„Na, kleiner Trecker, alles im Lot bei dir?“, fragt er mich und insgeheim muss ich doch grinsen. Diese jungen Leute! Ob die wohl wissen, was genau das bedeutet? Natürlich weiß ich, was er meint, er will nämlich wissen, ob bei mir alles in Ordnung ist. Könnte man auch gleich sagen, oder?

Bei mir ist alles bestens! Ein Lot ist übrigens ein Gewicht, das an einer Schnur befestigt ist. Auf dem Bau hat man so ein Lot benötigt, um festzustellen, ob alles in einer schönen senkrechten Linie ausgerichtet ist. Dafür klettert man nach oben, hält die Schnur gut fest und lässt das Gewicht nach unten fallen. Beim Einbau von Fenstern und Türen ist das wichtig. Aber das interessiert euch vielleicht gar nicht. Ich wollte von Lukas erzählen. Der ist diesmal nämlich nicht allein da. Er bringt seinen kleinen Freund Henning mit.

Lukas fährt mittlerweile schon selbst Trecker. Das darf er auch, aber nicht auf der Straße, dafür benötigt man einen Trecker-Führerschein. Aber auf der Wiese kann er allein herumdüsen und das macht er auch ganz gut und vor allem nicht zu übermütig. Henning ist noch klein, aber groß genug, um auf dem Kindersitz Platz zu nehmen. Ich glaube, dass er ein bisschen aufgeregt ist und deshalb zeige ich mich von meiner besten Seite. Ich springe sofort an und mucke auch gar nicht herum, als Lukas ein wenig zu viel Gas gibt. Ich will unseren Gast nicht erschrecken, deshalb spare ich mir auch das Hupen. Ihr wisst ja, dass ich das vor lauter Freude ab und zu einfach mal so mache, ohne, dass jemand die Hupe gedrückt hat.

Wir drei, also Lukas, Henning und ich fahren vom Hof aus auf die Apfelwiese. Gut, dass der Bauer Josef die Äpfel am Morgen schon aus dem Gras gesammelt hat, denn sonst wären sie unter meinen dicken Reifen gleich zu Apfelmus geworden. Nicht auszudenken, wie viele Wespen dann gekommen wären, vom süßen Duft angelockt. Mir macht das nichts aus, aber wenn sie die Menschenkinder stechen, dann ist das Geschrei groß, es muss wohl heftig weh tun. Margret hat die Falläpfel schon zu Apfelmus verarbeitet, deshalb gibt es wohl heute Abend Kartoffelpuffer mit Apfelbrei. Lukas mag das und sicher mag das sein Freund auch.

Wir haben Glück, die Wespen sind anderweitig beschäftigt und wir können in aller Ruhe Slalom um die Apfelbäume fahren und das macht so großen Spaß, dass die Kinder vor Freude juchzen. Ja, ja, sogar der große Lukas, der mittlerweile zwölf Jahr alt ist, hat Spaß wie früher, als er selbst noch bei Opa Josef mitfuhr.

Später fährt mich Lukas in die Scheune zurück, dort werden Violettas Kinder herzlich begrüßt und geknuddelt. „Ach, sind die süß!“, findet auch Henning und Violetta ist mächtig stolz auf ihre Kinder und ich auch, denn schließlich bin ich bei ihrer Geburt dabei gewesen, also fast so vertraut wie ein Vater, wo auch immer der sein wird. Gesehen habe ich ihn jedenfalls bei uns noch nicht. Aber das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte.

© Regina Meier zu Verl

Vom kleinen Trecker, der so gern gebraucht werden wollte (6)

Vom kleinen Trecker, der so gern gebraucht werden wollte (6)

Nachdem ich nun viel Post zu meinen Treckergeschichten bekommen habe und ich immer wieder gefragt wurde, wann es denn endlich weiter geht mit dem kleinen Trecker, stelle ich heute die 6. Geschichte vor und es werden weitere folgen. Danke für Euer Interesse und die vielen netten Mails dazu!

Vom kleinen Trecker, der so gern gebraucht werden wollte (6)

Das Wunder in der Scheune

Ich hatte euch doch von dem schönen neuen Sitzkissen erzählt, auf das ich so richtig stolz war. Margret, die Bäuerin, hatte es für mich gestrickt, bevor Josef mit mir zum Trecker Treff gefahren war. Dort hatten wir zwar keinen Preis gewonnen, aber wir sahen beide sehr fesch aus, der Josef mit seiner neuen Weste und frisch gestutztem Bart, und ich auf Hochglanz poliert und mit dem wunderbaren Sitzkissen.
Ja nun, wenn ihr jetzt erfahrt, warum ich dieses Kissen nicht mehr benutzen kann, dann werdet ihr sagen: Ist doch nicht so schlimm! Wetten?
Passt auf, das war so:
Ich stand, wie immer, in der Scheune und erfreute mich am Feierabend. Der dicke grüne Traktor hatte eine große Halle für sich allein. Mir gefiel es in der Scheune, dort hatte ich seit vielen Jahren meinen Platz. Ab und zu bekam ich Besuch, sogar mitten in der Nacht. Ein paar Mäuse trippelten durch die Scheune und suchten nach etwas Essbarem. Aber auch Violetta die schwarz-weiße Katze verirrte sich schonmal bei mir. Manchmal lag sie sogar auf meinem nigelnagelneuen Sitzkissen und schlief dort ein paar Stunden. Ich hatte nichts dagegen, war ich halt nicht so allein.
Ich hatte in den letzten Tagen immer mal gedacht, dass Violetta ganz schön dick geworden war. ‚Vielleicht frisst sie sich Winterspeck an‘, dachte ich noch und als ich sah, dass ihr Bauch beinahe über den Boden schleifte, musste ich kichern und hätte ihr am liebsten gesagt: Jetzt ist es aber genug, Violetta. Habe ich aber nicht, wie auch, sie hätte mich doch nicht verstanden.
Auf jeden Fall kam Violetta eines Nachts in die Scheune. Sie sah komisch aus, gar nicht so wie sonst. Gut, sie war dick geworden, aber daran hatte ich mich längst gewöhnt. In dieser Nacht aber war sie träge wie noch nie und sie schaute sich so ängstlich um, so als befürchte sie Schlimmes. Ganz seltsam eben. Sie atmete auch viel schneller als sonst und machte dabei so pfeifende Geräusche.
Ich bin ein alter Trecker und ich habe eine gewisse Lebenserfahrung. Also dachte ich mir schon, dass Violetta möglicherweise Junge bekommen würde und auf der Suche nach einem geeigneten Platz für die Geburt war. Dass sie schließlich diesen Platz in meinem Führerhaus wählte und sich dafür das Kissen vom Sitz zog, um es im Fußraum zu drapieren, konnte ich ja nicht ahnen.
Genau so passierte es aber. Violetta lag auf dem Kissen im Fußraum des Führerhauses und atmete schnell und schneller. Und ich, ich konnte gar nichts tun. Ich konnte nur ein guter Gastgeber sein und sie gewähren lassen, selbst wenn sie auf meinem schönen Kissen lag und das sicher nicht unbeschadet bleiben würde. Nicht so schlimm, habe ich doch gesagt!
Jedenfalls dauerte es ungefähr zwei Stunden, genau kann ich es nicht sagen, weil ich keine Uhr auf dem Tacho habe. Aber ich habe ein ganz gutes Zeitgefühl. Nach den zwei Stunden waren dann die Kätzchen geboren, was für ein Wunder. Josef hat mir später erzählt, dass es acht junge Kätzchen waren und eines bezaubernder war als das andere. Wir ließen Violetta und ihre Kinder weiter im Führerhaus wohnen. Josef und Margret brachten ihr jeden Tag frisches Futter und Wasser und stellten ihr sogar das Katzenklo ganz in die Nähe.
Josef und Margret haben übrigens direkt am nächsten Morgen von der wundersamen Geburt erfahren, nachdem ich mal eine Ausnahme gemacht habe und einfach von mir selbst aus laut gehupt habe, aber psssst, nicht verraten, dass ich das kann, abgemacht? Josef hat gemeint, dass Margret das nur geträumt haben kann, das mit dem Hupen, dann hat er aber doch nachgesehen und den Rest kennt ihr ja nun.
Margret strickt mir übrigens ein neues Kissen, nett, oder?

© Regina Meier zu Verl

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Vom kleinen Trecker, der so gern gebraucht werden wollte (4)

Vom kleinen Trecker, der so gern gebraucht werden wollte (4)

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Spazierfahrt im Morgengrauen
Mit einem Ruck setzte sich der Bauer Josef im Bett auf. Hatte er geträumt, oder war es wirklich so, dass er den Motor des kleinen Treckers gehört hatte? Mitten in der Nacht. Er sah auf den Wecker, vier Uhr.
Er lauschte, hörte aber nichts. Margret, seine Frau, hatte die Decke bis zum Kinn gezogen und schnarchte leise vor sich hin.
„Es wird schon nichts gewesen sein“, beruhigte sich Josef und kuschelte sich wieder ein. So schön warm war es im Bett und er konnte noch gut zwei Stunden schlafen. Als er gerade wieder ein-schlummern wollte, hörte er es wieder. Jetzt war er sicher, dass er nicht träumte.
Mit einem Satz war er aus dem Bett, schlüpfte in Hose und Sweatshirt und flitzte dann barfuß die Treppen hinunter. Er nahm den Hausschlüssel vom Haken und wollte die Tür aufschließen, als er bemerkte, dass diese offen war.
„Ich habe doch nicht vergessen, sie gestern Abend abzuschließen, das weiß ich ganz genau!“, schimpfte Josef. Er lief über den Hof zur Scheune, das Tor stand weit offen und der Trecker – war nicht da.
„Das gibt es doch nicht!“ Josef rannte zurück zum Haus.
„Margret, Vater, steht schnell auf, jemand hat unseren kleinen Trecker gestohlen“, schrie er und seine Stimme überschlug sich vor Ärger.
Noch ganz verschlafen erschien Margret oben an der Treppe.
„Beruhige dich doch, das wird sich schon aufklären“, versuchte sich ihren Josef zu beruhigen. Sie klopfte an die Zimmertür ihres Vaters.
„Papa, bist du wach? Du musst schnell kommen!“, rief sie und öffnete gleichzeitig die Tür zum Zim-mer des Vaters.
Doch der war nicht da. Jetzt bekam Margret einen riesigen Schreck.
„Er ist nicht da“, schrie sie, „Vater ist nicht da!“
Josef wusste sofort, was passiert war. Der alte Herr machte eine Spazierfahrt mit dem Trecker. Und weil er das nicht durfte, hatte er die frühen Morgenstunden gewählt, damit ihn niemand aufhalten konnte. So musste es sein.
Josef nahm ihm das gar nicht übel, doch er sorgte sich sehr, denn der Vater war in den letzten Jahren vergesslich geworden und manchmal wusste er gar nicht mehr wo er war. Es war sogar schon vorgekommen, dass die Polizei ihn nach Hause gebracht hatte, wenn er sich mal wieder im Dorf verlaufen hatte. Seitdem sollte er nicht mehr mit dem Auto oder dem Trecker fahren, das war viel zu gefährlich.
„Wir müssen ihn suchen!“ Josef schnappte sich den Autoschlüssel.
„Fahr zum Teich!“, rief Margret ihm nach. „Das ist sein Lieblingsplatz!“ Doch Josef hörte sie schon nicht mehr, er ließ den Wagen an und fuhr los. So schnell war der Trecker ja nicht, er würde ihn schon finden.
Währenddessen fuhr der kleine Trecker mit dem Vater Fritz auf dem Fahrersitz in den Morgen. Noch war niemand auf der Straße unterwegs. Sie bogen in einen Waldweg ein.
„Ist das nicht wunderbar hier, kleiner Trecker?“, rief Fritz begeistert. „Wie oft sind wir beide durch die Gegend gefahren, aber nun sind wir alt geworden. Du hast es gut, du wirst noch gebraucht. Aber ich, ich darf nicht einmal mehr allein fahren. Sie haben Angst, dass ich mich verirre. Aber ich weiß mir zu helfen, und du, kleiner Trecker, du weißt den Weg ja auch, stimmt’s?“
Der kleine Trecker hupte einmal kurz zur Bestätigung. Fritz lacht laut auf.
„Du verstehst mich, ich wusste es doch!“, rief er voller Freude.
Der Trecker hupte wieder und noch einmal und noch einmal. Er hatte den Josef entdeckt, der nun aufmerksam wurde und ebenfalls in den Waldweg einbog und hupend auf sich aufmerksam machte. Fritz hielt den Trecker an und schaute sich um.
„Schau an, der Josef!“, rief er und kletterte vom Trecker. „Was machst du denn hier im diese Zeit?“
Josef schluckte seinen Ärger hinunter. Zu froh war er, dass er Fritz gefunden hatte und dass ihm nichts passiert war.
„Ich will euch abholen, das Frühstück ist gleich fertig!“, behauptete er.
„Fahrt ihr schon vor, ich bleibe hinter euch!“
Fritz stieg wieder auf den Trecker und ließ ihn erneut an. Dann fuhren sie rechts ab und wieder zurück zum Hof. Margret stand in der Tür. Erleichtert schloss sie ihren Vater in die Arme.
„Gott sei Dank, da seid ihr ja wieder!“
„Klar, wir haben Hunger und Kaffeedurst“, lachte Fritz und drückte seine Tochter.
„Ich geh schon nicht verloren, der kleine Trecker kennt den Weg!“
Seit diesem Tag nahm Josef den Treckerschlüssel mit ins Bett, ihr könnt euch schon denken warum das so war, stimmt’s?
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Vom kleinen Trecker, der so gern gebraucht werden wollte (Teil 2)

Vom kleinen Trecker, der so gern gebraucht werden wollte (Teil 2)

Wie hatte es der kleine Trecker genossen, dass sein Bauer ihn doch gebraucht hatte bei der Heuernte. Jetzt durfte er wieder arbeiten und als sein neuer Kollege repariert war, da teilten sie sich die Arbeit.

Natürlich musste er nicht mehr so viele schwere Aufgaben übernehmen, dafür war der Große da. Doch in vielen Bereichen war er eben wendiger und er brauchte auch nicht so viel von dem Dieselsaft, so dass es für den Bauern viel wirtschaftlicher war, ihn einzusetzen.

Eines Tages kam der Bauer in die Scheune. Er strich dem kleinen roten Trecker über die Kotflügel und sagte:

„Weißt du was?“ Dann machte er eine kleine Pause und besah sie den Trecker ganz genau.

„Du bist so ein schöner Traktor und du bist schon ganz schön alt, älter als ich sozusagen“, dabei grinste er übers ganze Gesicht.

„Du bist jetzt ein Veteran und wir werden dich mal so richtig herausputzen, damit ich dich bei Oldtimer-Treffen vorstellen kann. Vielleicht gewinnen wir sogar einen Preis. Wie würde dir das gefallen?“

Wenn der Motor des kleinen Treckers gelaufen wäre, dann hätte er vor Freude laut gehupt und mal richtig Gas gegeben. So konnte er sich nur still freuen, aber das tat er ausgiebig.

Er war also jetzt ein – wie hieß das nochmal – Veteran! Das war bestimmt was Gutes, wenn man damit einen Preis gewinnen konnte.

In den nächsten Tagen kümmerte sich der Bauer in jeder freien Minute um seinen kleinen Trecker. Er wurde gewaschen, poliert und geschmiert. Bauer Josefs Frau strickte sogar ein neues Sitzkissen, schwarzrot gestreift und niemand durft mehr mit schmutzigen Stiefeln ins Führerhaus steigen, jedenfall so lange nicht, bis das Treckertreffen gelaufen war. Schließlich wollten alle einen Preis gewinnen.

Am Sonntag nach dem Erntedankgottesdienst war es dann soweit. Auf der großen Wiese hinter der Schule trafen sich die Veteranen. Einer schöner als der andere und jeder alt, sehr alt.

War das ein Gehupe und Gedröhne, hatten sich doch die alten Trecker jede Menge zu erzählen und jeder wollte den anderen übertönen. Vielleicht mussten sie auch so laut sein, weil sie alle schon ein wenig schwer hören konnten. Genau kann man das nicht wissen.

Unser kleiner roter Trecker war jedenfalls glücklich. So glücklich war er bisher nur ein einziges Mal gewesen; das war an dem Tag, als der Bauer Josef seine Braut zur Kirche gefahren hat, mit ihm, dem kleinen roten Trecker. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

Einen Preis hat der Trecker nicht gewonnen, aber das war nicht schlimm. Er war zufrieden und der Josef, der war auch zufrieden und gefeiert hat er, als wäre er der Sieger.

© Regina Meier zu Verl