Jonas, Zwiebelchen und der Muttertag

Jonas, Zwiebelchen und der Muttertag

Jonas, Zwiebelchen und der Muttertag

Der kleine Apfelschimmel Zwiebelchen steht auf der Wiese. Er lässt sich das frische Gras schmecken. Es ist eine Freude, ihm dabei zuzuschauen. Ab und zu schüttelt er seine zottelige Mähne, dann sucht er weiter mit seinem weichen Maul nach dem leckeren Grün.
Na, Zwiebelchen, ist es dir nicht zu langweilig, so allein hier?“, fragt Jonas, der vor dem Mittagessen schnell noch einen Besuch bei seinem Freund macht.
„Schau her, ich habe dir etwas mitgebracht!“ Jonas holt eine trockene Brotscheibe aus seiner Hosentasche. Die hat er in der Küche stibitzt.
„Mama mag dich auch sehr gut leiden, deshalb ist es sicher nicht so schlimm, dass ich das Brot genommen habe. Weißt du, meine Mama ist die beste Mama von allen!“, erzählt er dem Pferd, das genüsslich kauend zuhört.
„Wo ist eigentlich deine Mutter? Schade, dass du mir nicht antworten kannst. Vielleicht sollte ich den Bauern mal fragen.“ Jonas setzt sich ins Gras. Die Sonne meint es schon gut an diesem Tag in Mai. Endlich kann man wieder ohne Jacke nach draußen gehen. Wunderbar. Alles fühlt sich so leicht an. Jonas lässt sich zurückfallen ins weiche Gras, und es dauert gar nicht lange, da ist er eingeschlafen.
Er träumt von Zwiebelchen, der mit seiner Mutter, einer hübschen Schimmelstute auf der Wiese steht. Es sieht so aus, als ob die Pferde miteinander reden. Jonas lauscht. So gern möchte er wissen, worüber sie sprechen. Aber er kann nichts verstehen. Als sich eine Fliege auf Jonas’ Nase setzt, muss er niesen. Die Pferde erschrecken und galoppieren davon. ‚Bleibt doch!’, ruft Jonas. Doch mit schwebender Leichtigkeit sind sie über das Gatter gesprungen und verschwinden im Wald. Jonas läuft ihnen nach, immer weiter und weiter. Er verliert sie aus den Augen, denn sie sind viel schneller als er. Erschöpft lässt er sich auf den Waldboden fallen. „Mama!“, ruft er, denn es ist dunkel im Wald und er hat sich verlaufen. „Mama!“
„Hier bin ich!“, sagt eine helle Stimme. Jonas öffnet die Augen und schaut in das Gesicht seiner Mutter. Erleichtert springt er auf.
„Oh Mama, ich habe wohl geträumt; im Traum habe ich mit verlaufen …“
Die Mutter nimmt Jonas in den Arm.
„Glücklicherweise bist du nur eingeschlafen. Ich habe dich gesucht und plötzlich hörte ich dich rufen. Da bin ich wohl zur rechten Zeit gekommen.“
„Ja, das bist du. Ich hatte solche Angst! Das arme Zwiebelchen hat keine Mutter, die immer da ist. Mama, ich habe dich so doll lieb!“
Mama lächelt. Ihr Jonas ist ein wunderbarer Junge.
„Zwiebelchen kann schon ganz gut allein auf sich aufpassen und ein bisschen kann ich ja auch seine Mutter sein, wie findest du das?“
„Gute Idee! Und weil doch am Sonntag Muttertag ist, machen wir dann alle zusammen ein Picknick hier, Zwiebelchen, du und ich, okay?“

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© Regina Meier zu Verl

Eine weitere Muttertagsgeschichte findet ihr hier: Mamas Herzenswunsch

Jockel sucht sein Herrchen

Jockel sucht sein Herrchen

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Jockel hatte die haarige Stirn in Falten gelegt. Missmutig trottete er die Straße entlang. Er fühlte sich von allen verlassen und es regnete noch dazu. Heftig, wie aus Eimern schüttete es.
„Was bin ich nur für ein armer Hund“, jammerte Jockel. „Keiner hat mich lieb und der einzige, der noch etwas für mich übrighat, liegt im Krankenhaus!“
Mit Blaulicht war der Krankenwagen gekommen. Jockel hatte solche Angst gehabt und die lauten Töne hatten ihm Ohrenschmerzen bereitet. Hinter die Couch war er gekrochen, während die Sanitäter sein Herrchen versorgt hatten.
„Wir müssen Sie mitnehmen, Herr Schulte, es geht nicht anders“, hatte der freundliche Arzt gesagt und dann hatten die Männer Herrchen auf die Trage gelegt.
„Aber, aber …“ hatte Herrchen noch gerufen. „Der Jockel kann nicht allein bleiben!“
„Sollen wir jemanden anrufen?“, hatte man ihn gefragt. „Und wer ist denn der Jockel und vor allem: Wo ist der Jockel?“
Wie Espenlaub hatte Jockel gezittert. Sie hatten ihn nicht gefunden und waren dann einfach mit Herrchen verschwunden. Der war wohl so schlecht zurecht, dass er nichts mehr sagen konnte.
Am Abend war dann Beate gekommen, die Tochter vom Herrchen. Sie hatte ihm zwar gut zugeredet, aber getröstet hatte ihn das nicht. Nicht einmal Hunger hatte er gehabt, er wollte einfach nur sein Herrchen zurückhaben.
„Jockelchen, es geht nicht anders. Ich muss dich ins Tierheim bringen.“
Damit hatte Jockel nicht gerechnet. Ins Tierheim sollte er, das gefiel ihm aber gar nicht, denn von dort war er gekommen und er wollte nicht zurück. Auf keinen Fall wollte er das.
Beate wollte ihm das Halsband anlegen, doch Jockel knurrte so gefährlich wie er konnte. Das beeindruckte Beate aber nicht.
„Nun komm schon, stell dich nicht so an. Vielleicht ist es nur für ein paar Tage!“, versuchte sie ihn zu locken.
„Hallo, ist jemand hier?“, rief eine vertraute Stimme. Es war die Nachbarin, die nach dem Rechten sehen wollte. Sie war es auch gewesen, die den Sanitätern die Tür geöffnet hatte.
„Guten Abend Frau Meier! Ich bin es nur, die Beate!“, antwortete Beate erleichtert, weil sie wohl glaubte, dass Frau Meier ihr bei dem Jockelproblem, also mir, helfen konnte.
Sofort rannte ich in den Flur, um die Nachbarin zu begrüßen. Frau Meier hatte die Tür offenstehen lassen und ich rannte, schnell wie ein Pfeil an ihr vorbei ins Freie.
Die beiden Frauen schrien noch hinter mir her, aber ich wollte einfach nur weg. Weg von Beate und der bösen Drohung, mich ins Tierheim zu bringen und auch weg von Frau Meier, die mich sowieso nicht gut leiden konnte. Das dachte ich jedenfalls.

Ein paar Stunden lief ich also durch die Straßen der Stadt. Ich war auf der Suche nach dem Krankenhaus und hatte keine Ahnung, wo es sich befinden konnte. Mir war kalt, ich hatte Hunger und ich war traurig wie noch nie in meinem Leben.
Dann entdeckte ich einen Krankenwagen, er stand vor einem riesigen Haus, dessen Fenster hell erleuchtet waren. Ob es das Krankenhaus war?
Am Eingang saß ein Mann in einem Glaskasten, der Pförtner. Den hatte ich schon einmal gesehen, als Herrchen mich an ihm vorbei geschmuggelt hatte, um Mama Schulte zu besuchen. Mein Herz machte einen Hüpfer, ich war also richtig hier. Jetzt musste ich nur noch irgendwie in das Gebäude kommen und dort dann mein Herrchen suchen.
Es ist gut, dass ich nicht so groß bin, denn ich konnte mich ungesehen am Pförtnerhaus vorbeischleichen und gelangte in die Empfangshalle. Um diese Zeit war dort nicht viel los, denn es war keine Besuchszeit mehr.
Mit Papa Schulte war ich damals in so einen komischen Kasten gestiegen, der rauf und runter fahren konnte. Das fand ich gar nicht lustig. Papa hatte auf einen Knopf gedrückt, die Tür hatte sich geschlossen und dann gab es einen Ruck. Ich gestehe, dass ich vor Angst in die Ecke gepieselt habe. Papa hat das mit seinem Taschentuch so gut wie möglich aufgewischt und dann sind wir in Mamas Zimmer gegangen. War das eine Freude.
Da – der Kasten, also rein da und dann …
Wie sollte ich den verflixten Knopf drücken und vor allem welchen denn von den vielen?
Ich war erschöpft und setzte mich erstmal in die Ecke. Dort saß ich, als eine Frau im weißen Kittel den Kasten betrat. Sie bemerkte mich erst einmal nicht, drückte auf einen Knopf und dann gab es wieder diesen Ruck. Diesmal pinkelte ich nicht, denn das kannte ich ja schon. Aber ich gab ein kurzes „Wuff“ von mir, um auf mich aufmerksam zu machen.
Die Frau erschrak ein wenig, aber sie blieb ganz ruhig. Sie schaute mich an und ich sage euch: Das waren die schönsten Augen, die ich jemals gesehen habe.
„Was machst du denn hier?“, fragte sie leise. Sie streckte die Hand aus und streichelte vorsichtig meinen Kopf.
„Bist du denn etwa der Jockel, nach dem der Herr Schulte den ganzen Tag gefragt hat?“
An meinem wilden Schwanzgewedel hat sie dann wohl erkannt, dass sie den Nagel auf den Kopf getroffen hat.
„Pst!“, sagte sie. „Wir machen dich nun trocken und dann bringe ich dich zu ihm. Du musst mir aber versprechen, dass du ganz still bist, okay?“
Gesagt, getan. Sie brachte mich in die Personaltoilette, rubbelte mich trocken und versteckte mich dann in einem Wäschekorb. Ganz still verhielt ich mich, wagte kaum zu atmen. Sie fuhr mich mit einem Wagen ins Zimmer, wo mein Herrchen im Bett lag. Er schlief nicht, denn er begrüßte die Schwester mit einem: „Da sind Sie ja wieder!“
„Schauen Sie, wen ich da bringe!“, flüsterte die Schwester und hob das Handtuch an, unter dem ich versteckt war. „Sie müssen nun ganz schnell gesund werden!“, fügte sie noch hinzu.
Herrchen strahlte vor Glück. Und ich? Ich pieselte vor Freude in den Wäschekorb, aber nur ein ganz kleines bisschen.

© Regina Meier zu Verl

Anmerkung der Autorin:
Natürlich dürfen Hunde nicht ins Krankenhaus. Mittlerweile gibt es aber Therapiehunde, die dürfen Altenheime oder Kinderstationen besuchen. Allerdings sind die nicht pudelnass und schmutzig und sie pieseln auch nicht in Aufzüge oder Wäschekörbe, oder doch?

Bildquelle jarmoluk/pixabay