Vergesslich? Ich doch nicht! (Reizwortgeschichte)

Die Reizwörter sind: Bibliothek, Buch, betreten, begeistert, beheben

Schaut bitte auch bei meinen Kolleginnen, was sie dazu geschrieben haben

Martina und Lore

Vergesslich? Ich doch nicht!

Als ich die Bibliothek betrat, wusste ich noch genau, was ich dort wollte. Aber, wie das so ist, wenn man einer Fülle an Informationen ausgesetzt ist und sich Buch an Buch reiht, kann man schonmal vergessen, was der eigentliche Grund für den Besuch war.

Das ist aber auch gar nicht schlimm, denn Lesen bildet und es kann ja nicht falsch sein, sich einfach mal inspirieren zu lassen. Ich stehe also mit schräg gelegtem Kopf vor einem Regal und versuchte die Titel der dort stehenden Bücher zu entziffern. Ab und zu greife ich ein Buch heraus und lese ein paar Seiten, manchmal überfliege ich nur den Klappentext. Immer wieder stelle ich fest, dass ich eine große Zahl der Bücher kenne, was aber kein Wunder ist – ich stehe in meiner Lieblingsabteilung, der Kinderbuchoase. Hier kenne ich die Klassiker und die Bücher meiner Lieblingsautoren und immer wieder freue ich mich darüber, etwas ganz Neues zu entdecken. Ich tarne meine Gier damit, mir einzureden, dass ich es meinen Enkeln vorlesen möchte.

Mache ich auch und selbst das ist Eigennutz. Solange sie es lieben, werde ich das schamlos ausnutzen, das könnt ihr mir glauben. Bücher begeistern mich eben und das ist ja kein Charakterfehler, nicht wahr?

Ich gehe nach Stunden dann zur Ausgabe und lasse einen Stapel Bücher einlesen, den ich mit nach Hause nehmen möchte. Wie gut, dass ich meinen Hackenporsche* bei mir habe, das passt allerhand rein, denn zum Tragen sind die Bücher viel zu schwer.

Als ich nach Hause komme, brauche ich erstmal einen Kaffee und dann ein Enkelkind, oder auch mehrere, damit wir mit dem Schmökern anfangen können. Als das Telefon schellt, wird dieses Enkelkinderproblem schnell behoben. Nummer Eins kündigt sich an, das gefällt mir sehr und bei der Gelegenheit fällt mir auch wieder ein, was ich eigentlich in der Bibliothek ausleihen wollte:

„Gedächtnistraining im Alter“ – habe schon viel Gutes über dieses Buch gelesen, vielleicht hilft es ja.

© Regina Meier zu Verl

*Einkaufswagen , auf Rädern, den man hinter sich herziehen kann.

Alles ist möglich (Reizwortgeschichte)

Die Reizwörter sind: Ameise, Ankunft, alt, angeln, angeben

Schaut bitte auch bei meinen Kolleginnen, was sie dazu geschrieben haben

Martina und Lore

Alles ist möglich


Die alte Adelheid sitzt in einem Ruderboot und angelt. Dabei kommt es ihr gar nicht darauf an, etwas zu fangen, nein, sie genießt einfach die Ruhe und das Alleinsein.
„Ich habe es so gut“, sagt sie sich und seufzt. „Welche Kuh hat so ein großes Glück wie ich und darf in aller Seelenruhe in einem Boot sitzen und angeln?“
Etwas ungewöhnlich ist das schon, oder habt ihr schon einmal eine schwarzbunte Kuh beim Angeln gesehen? Kaum jemand, oder? Ich möchte nicht angeben, aber ich habe eben einen Blick für so etwas und hier kommt mir entgegen, dass eine Kuh relativ groß und kaum zu übersehen ist, nicht wahr? Würde es sich um eine Ameise handeln, wäre mir so eine Sensation sicher verborgen geblieben. Die könnte man mit bloßem Auge kaum entdecken.
Aber zurück zu Adelheid. Ich kann mich noch gut an ihre Ankunft auf unserem Bauernhof erinnern. Damals war es noch Brauch, dass, wenn eine Frau auf einen Hof „einheiratete“, die Nachbarn der Braut eine Kuh als Mitgift gaben. So war das auch bei Adelheid. Sie war eine Mitgift. Darauf war sie zunächst sehr stolz gewesen, denn man hatte sie gewaschen und herausgeschmückt mit einem wundervollen Blumenkränzchen.
Aber sie hatte keinen leichten Start, denn alle anderen Stallgenossinnen kannten sich schon länger und Adelheid als Neue, wurde beäugt und gehänselt. Warum? Sie war schwarzbunt und im Stall gab es ausschließlich braune Kühe. Da Kühe aber ein recht gutes Sozialverhalten haben, lebte sich Adelheid bald ein und schloss auch Freundschaften mit der ein- oder anderen Kuhdame. Eigentlich sind Kühe den ganzen Tag mit dem Fressen beschäftigt, aber es bleibt schon Zeit für ein wenig Geplauder und da erzählt man sich auch von seinen geheimsten Wünschen. Als Freundschaftsbeweis leckt man sich dann gegenseitig das Fell und stößt zufriedene Seufzer aus.
Liese, eine von Adelheids engsten Freundinnen, wünschte sich nichts sehnlicher, als einmal einen ganzen Eimer Erdbeereis verspeisen zu dürfen. Immer und immer wieder hatte sie Adelheid davon erzählt und als auf dem Hof einmal der Gefrierschrank ausgefallen war und eine Riesenportion Erdbeereis geschmolzen war, da war ihr Traum wahr geworden, denn die Bäuerin hatte den Kühen das cremige Dessert hingestellt mit den Worten: „Genießt es, ich kann es nicht mehr verkaufen!“
Da alle Lieses Herzenswunsch kannten, ließ man ihr den Vortritt. Schön, oder?
Lächelnd erinnert sich Adelheid an diesen Tag, während sie hier in ihrem Boot sitzt und angelt. Dieser Wunsch war so einzigartig wie sie selbst und lange hatte sie nicht daran geglaubt, dass er sich erfüllen könnte. Dann hatte ihre Freundin Klärchen ihr aber verraten, dass alles möglich ist, wenn man nur fest genug daran glaubt und ihr einen Satz gesagt, den Clärchen selbst zu ihrem Lebensmotto gemacht hatte. Er lautet: „Wenn’s Beine hat, dann geht’s!“
Ihr seht, man muss nur fest dran glauben, Adelheid hat Beine und sitzt nun im Boot und angelt, das ist der Beweis, oder nicht?

© Regina Meier zu Verl

Adelheid angelt (c) Regina Meier zu Verl

Dreckspatz Pepper – Reizwortgeschichte

Pfoten, Pfütze, pflücken, pflegen, pfeffrig

Das waren die Wörter, die diesmal verwendet werden mussten. Bitte lest auch bei meinen Kolleginnen MARTINA und LORE

Dreckspatz Pepper


„Du glaubst doch nicht, dass du mit diesen schmutzigen Pfoten ins Haus darfst?“, fragte Conny Pepper, den kleinen Jack Russell Terrier, der mit freudig wedelndem Schwanz vor ihr stand. Anmutig legte er sein Köpfchen von einer Seite zur anderen. Er war offensichtlich sehr stolz, dass nicht nur seine Pfoten schlammig waren, sondern sein gesamtes Fell.
„Hast du wieder jede Pfütze unterwegs mitgenommen?“ Conny schüttelte verärgert den Kopf. „Nein, nein, nein, ich fasse es nicht!“, schimpfte sie.
„Mama, nicht schimpfen. Pepper kann gar nichts dafür. Weißt du, da war so ein Hundemädchen, das hatte es ihm angetan“, Florian verteidigte Pepper, obwohl er wusste, dass das fremde Hundemädchen keine Schuld traf. Er hätte besser aufpassen müssen und den Hund nicht von der Leine lassen dürfen. Das war klar.
„Du hast ihn frei laufen lassen, gib es zu!“, sagte Mama Conny da auch schon. Florian hatte es geahnt. Seine Mutter konnte Gedanken lesen, das war doch zum Haare raufen.
„Habe ich, es war aber weit und breit niemand zu sehen und dann kam da dieser kleine Hund um die Ecke. Die beiden tobten durch jede Pfütze.“, sagte Florian schuldbewusst und ärgerte sich insgeheim, dass er auf dem Nachhauseweg nicht einmal ein paar Blümchen für seine Mama gepflückt hatte. Dann wäre das Donnerwetter vielleicht halb so wild ausgefallen.
„Du weißt, was nun zu tun ist?“, fragte die Mutter.
„Ja, da ist wohl die Badewanne angesagt und anschließend wir das Fell gepflegt und dann muss das Badzimmer gewischt werden“, Florian seufzte.
„Jawohl, genau in der Reihenfolge – aber warte, ich helfe dir“, versprach Mama Conny.
Florian atmete auf, wenn Mama dabei war, dann war die Prozedur nur halb so wild, denn Pepper war, abgesehen von dreckigen Pfützen, absolut wasserscheu.
Pepper spielte dann auch, wie erwartet, den wilden Kerl. Er wehrte sich und versuchte zu entkommen, doch er hatte keine Chance. Am schlimmsten war es, wenn das Hundeshampoo zum Einsatz kam. Wäre das nun pfeffrig gewesen, dann könnte man das ja verstehen, aber es roch lecker und war so mild, dass es sicherlich nicht in den Augen biss. Florian hatte aber Verständnis, denn ihm machte das Haarewaschen auch immer ein wenig Stress.
„Beim nächsten Spaziergang passe ich besser auf!“, versprach Florian, als sie später mit dem frisch gebadeten Pepper im Wohnzimmer spielten.
„Ich bitte darum!“, sagte Mama Conny lachend und dann erzählte sie mir die Geschichte von ihrer Hündin Jacky, die genauso gern durch Pfützen getobt war, wie unser Pepper. Damals war Mama das Kind gewesen und sie hatte nicht vergessen, dass so etwas eben mal passieren konnte. Gut so!

© Regina Meier zu Verl

Meine Freundin Edeltraud

Meine Freundin Edeltraud

Sascha ist das Nesthäkchen der Familie. Er ist fünf Jahre alt. Dann sind da noch Tine und Bella, die Zwillinge. Die beiden sind schon acht und gehen in die dritte Klasse.Sascha findet es blöd, dass er noch nicht in die Schule gehen darf. Er möchte nicht mehr in den Kindergarten. Lesen will er und schreiben, denn dann würde er Geschichten schreiben, so wie seine Mama. Ja, und Bauer will er werden, so wie Nachbar Heinrich.
„Wenn du willst, dann schreibe ich deine Geschichten auf“, hatte seine Mutter ihm oft angeboten.
Heute ist es soweit, Sascha fragt:
„Mama, hast du Zeit?“
„Sicher, was möchtest du denn?“
„Ich will dir eine Geschichte erzählen. Schreibst du sie für mich auf?“
„Klar, mache ich.“
Mama nimmt sich einen Block und einen Bleistift und dann kann es losgehen.
Sascha diktiert:
„Sascha ist bei Heinrich. Was macht er da?“
Mama schreibt eifrig und Sascha überlegt. „Er füttert die Kühe. Heinrich hat viele Kühe.“
Sascha überlegt.
„…Und die haben dollen Hunger und Durst und die heißen Liese und Lotte und Herta und Franzi und…“
„Moment!“, ruft Mama. „Nicht so schnell!“
„Okay, also langsamer: Liese, Lotte, Herta, Franzi, Heidi, Paula, Trude…“
„Ich wusste ja gar nicht, dass du alle Namen kennst, Sascha.“
„Das ist ganz leicht, ich stelle mir vor, dass sie alle hier vor dem Fenster vorbeilaufen, dann fallen mit die Namen ein.“
Mama staunt nicht schlecht, denn es kommen noch mindestens zehn weitere Kuhdamennamen. Sie könnte sich das bestimmt nicht so merken.
„Kennt der Heinrich seine Kühe auch so gut?“
„Klar Mama, sie sind seine allerbesten Freundinnen, die kennt man doch. Er sagt immer, dass er sie am Euter erkennen kann.“
Mama prustet los, sie schüttelt sich vor Lachen.
„Und woran erkennst du die Kühe?“
„Na, am Gesicht und wenn nicht, dann auch am Euter!“
Als Mama sich wieder ein bisschen beruhigt hat, geht es weiter mit der Geschichte.
Zwischendurch muss Mama noch einmal vorlesen. Sie hat alles richtig gesagt und Sascha ist zufrieden.
„Ist schon eine ganz schön lange Geschichte, stimmt’s, Mama?“
„Ja, stimmt! Wie geht es denn weiter?“
„Gut, also weiter: Als alle Kühe gefüttert sind, schickt der Heinrich sie wieder auf die Weide, die Lise, die Lotte, die Herta, die Franzi…“
Mama schreibt brav mit, ihre Gedanken wandern aber schon in die Küche, bald ist Zeit für das Abendessen.
„Lies mal vor, Mama! Die Kühe schlafen jetzt und die erste Geschichte ist zu Ende.“
Mama liest vor. Als sie den letzten Satz gelesen hat, fängt Sascha an zu weinen.
„Was ist denn jetzt los?“
„Mama, du hast die Edeltraud vergessen, die hat jetzt nichts zu fressen bekommen und auf die Weide durfte sie auch nicht mit. Ich habe dir doch gesagt, du sollst die Edeltraud aufschreiben.“ Verzweifelte Tränen laufen und die Nase läuft gleich mit.
„Weißt du was, lieber Sascha. Du hast Recht, ich erinnere mich genau, dass du mir die Edeltraud genannt hast. Da habe ich wohl nicht richtig aufgepasst. Entschuldige bitte.“
„Ja gut, Mama. Aber was machen wir denn jetzt?“
„Wir schreiben die Edeltraud jetzt einfach dazu, dann hat alles wieder seine Ordnung!“
Sascha ist zufrieden und Mama denkt, dass sie beim nächsten Diktat einfach besser zuhören muss, denn Sascha ist pingelig und das ist ja auch richtig so.

© Regina Meier zu Verl


Der musikalische Spatz

Der musikalische Spatz

„Nur eine kleine Geschichte noch, Oma. Dann schlafe ich, versprochen!“
Ich kann dieser Bitte nicht widerstehen und überlege fieberhaft, welche Geschichte ich noch erzählen könnte. Jule kennt sie schon fast alle.
„Erzähl die mit dem Vogel, der sich in deinem Wohnzimmer verirrt hatte!“, bittet Jule und ihre blauen Kulleraugen leuchten.
„Okay, aber nächstes Mal erzählst du sie mir“, schlage ich vor und Jule nickt eifrig.
„Mache ich, einmal musst du sie aber noch erzählen!“
„Eines Abends im Frühling, ich hatte die Balkontür weit geöffnet, besuchte mich ein kleiner Spatz in meinem Wohnzimmer. Er setzte sich auf die Sofalehne und als ich in seine Nähe kam, schlug er vor Angst mit den Flügeln und floh.“
„Warum ist er denn nicht nach draußen geflogen, wenn er doch solche Angst vor dir hatte?“
„Vielleicht wusste er nicht mehr, in welche Richtung er sollte. Deshalb flog er mitten ins Zimmer und setzte sich auf’s Klavier.“
Jule grinst. Sie weiß genau, wie es weitergeht. Sie setzt die Geschichte fort:
„Und weil da gerade die Noten lagen, die du für die Schulaufführung geschrieben hattest, passierte es, dass der kleine Vogel, der ja große Angst hatte, auf das Notenpapier kleckerte!“
Jule lacht. Immer wieder kann sie darüber lachen. Natürlich habe ich ihr das Notenblatt gezeigt, das ich aufbewahrt hatte. Der ängstliche Spatz hatte dort nicht nur einen Klecks hinterlassen, nein, einen ganzen Takt hatte er zugekleckert.
„Du weißt ja, was dann passiert ist, Jule!“
„Ja, Oma, du hast so gelacht, dass der Spatz vor Schreck wieder losflog und den Weg ins Freie gefunden hat und dann hast du das Lied nach ihm benannt, stimmt’s?“
„Stimmt! Wollen wir es singen?“
Jule strahlt und fängt an:
„Ein Spatz, der gerne Lieder mocht‘,
von Menschhand geschrieben,
der kam mal in mein Wohnzimmer,
doch ist er nicht geblieben.
Er kleckerte das Sofa voll,
fast hätt ich ihn gepackt,
da hat er dann vor lauter Angst
aufs Notenblatt ge-kleckert.“

Jule lacht bis ihr die Tränen kommen.
„Das reimt sich nicht, Oma. Es muss doch …“
Ich unterbreche sie, bevor sie es ausgesprochen hat. Wir sind vor Lachen beide völlig außer Atem und plötzlich ist Jule gar nicht mehr müde.
„Mutter, du sollst doch nicht so wilde Geschichten vorm Einschlafen erzählen“, schimpft meine Tochter mit mir und droht mit dem Zeigefinger. Wir hatten gar nicht bemerkt, dass sie herein gekommen ist.
„Mach ich ja gar nicht“, versuche ich mich zu verteidigen. Jule kommt mir zur Hilfe.
„Mama, lass Oma in Ruhe, die ist cool. Keiner hat eine so coole Oma wie ich – und jetzt raus hier, ich will schlafen!“

© Regina Meier zu Verl

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Bildquelle Oldiefan/pixabay

Mäusefreundinnen (Reizwortgeschichte)

Praline – Glas – zittern – kunterbunt – beliebt

Das waren die Wörter, die diesmal verarbeitet werden mussten. Schaut auch bitte bei

Martina, was ihr zu den Wörtern eingefallen ist. Soweit ich weiß, setzt Lore noch einmal aus, wird aber beim nächsten Mal, am 15.8. wieder dabei sein!

Mäusefreundinnen

Die kleine Maus Krümel hatte ihr behagliches Nest unter der dichten Lorbeerhecke verlassen. Weit draußen, auf der Obstwiese schnupperte sie an einem Apfelkitsch, den wohl jemand achtlos weggeworfen hatte. Welch ein Glück für die Maus. Krümels winzige Nase bebte und die feinen Barthaare zitterten vor Aufregung. Mit den Pfoten ergriff sie geschickt einen Apfelkern und knabberte genüsslich daran. Einen weiteren Kern verputzte sie und einen dritten wollte sie ihrer Freundin Minny mitbringen. Die würde sich freuen. So flitzte Krümel mit dem Kern zwischen den Zähnen nach Hause, legte ihren Schatz in das winzige Glas im Nest, das sie einmal gefunden hatte und mühsam ins Heim geschleppt hatte. Dann machte sich gleich noch einmal auf den Weg, um einen weiteren Apfelkern einzusammeln.
Als sie aber zurück zur Wiese kam und durch das lange Gras trippelte, um den Apfelrest wiederzufinden, sah sie gerade noch, wie eine dicke Katze gebeugt durch die Wiese schlich. Im nächsten Moment sprang sie auf etwas zu und dann gab es ein Gequieke und Geschrei und – glücklicherweise – konnte ein anderes Mäuschen entwischen.
Unserer Maus Krümel allerdings war der Schreck dermaßen in die Glieder gefahren, dass sie keine Lust mehr auf Apfelkerne hatte und sich schleunigst auf den Weg ins Nest machte. Dort saß sie nun mit ihrem Apfelkern, der ihr so begehrenswert wie eine feine Praline erschien. Das Wasser lief ihr im Mäulchen zusammen, aber sie beherrschte sich. Schließlich hatte sie den Kern für ihre Freundin Minny mitgebracht. Vielleicht könnte sie aber auch den Kern verzehren und dafür einen kunterbunten Blumenstrauß für ihre Freundin pflücken, dachte sie. Aber das war wohl nicht ganz das gleiche, einen Kern konnte man essen und sie selbst hatte sogar zwei Kerne genießen können. Es war nicht gerecht, dass sie Minnys Kern auch noch vertilgte. Sie wäre eine schlechte Freundin gewesen.
Nach dem Mittagsschlaf machte sich Krümel auf den Weg, ihre Freundin zu besuchen. Sie huschte in deren Nest und ließ den Apfelkern vor Minny fallen.
„Bitte schön, der ist für dich!“, sagte sie und Minny machte sich sogleich über ihr Geschenk her.
„Danke schön, das tat gut!“, sagte sie noch schmatzend. „Apfelkerne geben Kraft, das habe ich heute am eigenen Leib erfahren!“
„Ja? Was ist denn passiert?“, wollte Krümel wissen.
„Ich wäre fast von der dicken Katze erwischt worden, ich konnte im letzten Moment entwischen, ich habe mich mit Händen, Füßen und Gequieke gewehrt und es hat funktioniert, ich konnte entwischen.“
„Das ist wunderbar! Aber, was haben denn die Apfelkerne damit zu tun?“, fragte Krümel.
„Ich hatte gerade genüsslich meinen fünften Apfelkern verzehrt, als die böse Katze auf mich zukam. Ich hatte nämlich einen Apfel im Gras gefunden und kam gut an alle fünf Kerne heran, mmmh, die waren lecker!“, erklärte Minny.
„Wolltest du gar keinen Kern für mich mitbringen? Nicht einen einzigen?“, fragte Krümel enttäuscht.
„Oh“, rief Minny, und dann noch einmal: „Oh, das tut mir leid und du hast recht, ich hätte dir einen Kern mitbringen sollen. Ich bin eine schlechte Freundin!“, jammerte sie.
Krümel wehrte ab. „Ist schon gut, wichtig ist, dass dich die Katze nicht erwischt hat!“, sagte sie, aber so ein ganz kleines Bisschen tat es doch weh im Bauch, dass Minny gar nicht an sie gedacht hatte.
Ein paar Tage später, Krümel kam gerade von einem Besuch bei ihrer Cousine Amie zurück, fand sie in ihrem Glas fünf herrlich schwarze, glänzende Apfelkerne. Sofort dachte Krümel an Minny und sie glaubte, dass nur sie die beliebten Kerne dort hineingelegt haben konnte. Bevor sie also nur ein einziges Kernchen verzehrte, lief sie zu Minny hinüber, um sich zu bedanken. Die kam ihr aber schon auf dem halben Wege entgegen und hatte das gleiche Anliegen, denn auch sie hatte fünf Apfelkerne vorgefunden.
„Wie, du warst das nicht?“, fragte Krümel ungläubig.
„Nein wirklich nicht und du? Warst du das auch nicht?“, wollte Minny wissen.
„Hey Mädels!“ Das war die Stimme von Feli. „Habt ihr mein Geschenk gefunden?“
Minny und Krümel sahen sich an. „Wir sind schlechte Freundinnen!“, flüsterte Minny und Krümel nickte zustimmend. Keine von beiden hatte an Feli gedacht. Sie schämten sich und nahmen sich vor, demnächst besser auf die Freundinnen zu achten und an sie zu denken, wenn es etwas zum Teilen gab. Ganz fest nahmen sie es sich vor und wie ich gehört habe, klappte das auch.

© Regina Meier zu Verl

Turteltauben

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Bildquelle Alexas_Fotos/pixabay

Turteltauben

„Guten Morgen, du schönste aller Tauben“, schmeichelte der dicke Täuberich und ließ sich neben die Angesprochene auf den Ast plumpsen.
„Huch“, piepste die, „hast du mich erschreckt und sicher sagst du das jeder Frau, sei doch ruhig!“
Sie rückte ein wenig von ihm ab und würdigte ihn keines Blickes.
„Mitnichten“, gurrte der Täuberich, „ich beobachte dich schon eine ganze Weile. Keine Schönere als dich habe ich gesehen, ganz ehrlich!“
Dem Taubenmädchen gefielen diese Worte sehr. Es wünschte sich schon lange die Wärme eines hübschen Nestes mit einem Gefährten an der Seite, der sich um sie kümmern würde.
„Keine Taube sollte allein sein, findest du nicht auch?“ Der Täuberich rückte näher und berührte das Ringeltaubenmädchen zaghaft. „Lass uns heiraten!“
Das junge Täubchen wurde ein wenig verlegen, aber der Gedanke an eine Hochzeit war so wunderschön, dass es nicht lange auf die Antwort warten ließ.
„Ja, das wollen wir tun, komm, wir wollen uns beeilen. Kennst du eine Brieftaube, die unsere Familien benachrichtigt?“
Der Täuberich lachte vor Freude. „Du machst mich damit zur Lachtaube, meine Liebe, so froh bin ich!“
Das Vogelmädchen schlug verlegen die Augen nieder.
„Und du machst mich zur Hochzeitstaube. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen“, ihr helles Lachen begleitete diese Worte am frühen Morgen – irgendwo, auf einem Lindenast in einem Dorf direkt vor der Kirche.

© Regina Meier zu Verl


Von einer Taubendame, die verlassen wurde, handelt das Gedicht: Die Taube

Reizwortgeschichte (Fortsetzung)

Bart – Nasenspitze – vorwitzig – füllig – saugen

Das sind die Reizwörter, die diesmal verarbeitet werden mussten. Ich habe ein Stückchen weitergeschrieben bei „Josh im Bärenwald“. Viel Spaß!

Lest bitte auch bei meinen Kolleginnen

LORE

MARTINA

„Das war aber eine lange Geschichte!“, sagte Josh begeistert. Er fand es so spannend, dass er auf keinen Fall einschlafen wollte, und das war ihm auch gelungen.
„Gibt es morgen wieder eine neue?“, wollte er von Opa wissen.
Der schüttelte mit dem Kopf. „Nein, mein Junge erst übermorgen wieder. Morgen Abend treffen ich doch meine Freunde vom Volleyballverein. Wir wollen besprechen, wann wir unser Training wieder aufnehmen können!“
„Schade!“, fand Josh, gab sich aber damit erstmal zufrieden, weil er ja wusste, wie gern Opa Volleyball spielte. Später würde er dem Verein sicher auch mal beitreten. Das hatte er sich vorgenommen.
„Machen Bären eigentlich auch Sport?“, fragte er jetzt, um Opas Verabschiedung noch ein wenig hinauszuzögern.
„Das weiß ich nicht, da muss ich erstmal wieder bei Familie Bär lauschen!“, meinte Opa und grinste. Natürlich hatte er Josh durchschaut. Er konnte es ihm nämlich an der Nasenspitze ansehen und da sah er so manches schon, bevor der Junge etwas gesagt hatte.
„Opa, du lauscht doch gar nicht, du denkst dir das aus!“ Josh kicherte. Er war ja schon ein großer Junge und kannte seinen Opa doch zu gut, um ihm alles zu glauben.
„Beim meinem Barte schwöre ich, dass ich lausche!“, sagte Opa jetzt und da tat sich schon wieder eine neue Frage auf.
„Bei deinem Barte, Opa? Du hast doch gar keinen Bart!“
„Nein, aber da könnte einer sein, wenn ich wollte!“, stammelte Opa und strich sich übers Kinn. Er hatte einfach nur vermeiden wollten, den Ausspruch „Beim Barte des Propheten“ zu benutzen. Den hätte er nämlich nicht erklären können.
Josh gab sich damit erstmal zufrieden. Es war ihm auch fast egal, woher Opa die Geschichten nahm, die Hauptsache war doch, dass er sie ihm erzählte.
„Opa, wenn du einmal keine Zeit zum Lauschen hast, dann saugst du dir eben eine Geschichte aus den Fingern!“, sagte er Josh vorwitzig.
Opa lachte. „Woher hast du denn den Spruch?“, wollte er wissen.
„Das hat Papa neulich gesagt, als er mir eine Geschichte erzählen sollte und ihm keine einfiel.“, Josh verstellte seine Stimme, weil er wie Papa klingen wollte: „Soll ich sie mir etwa aus den Fingern saugen?“
Die beiden lachten. „Das ist typisch dein Vater!“, sagte Opa.
„Aber jetzt sag doch! Machen Bären auch Sport?“, fragte Josh nachdrücklich.
Opa zögerte einen kurzen Moment, dann leuchteten seine Augen plötzlich.
„Weißt du, Mama Bär ist wohl ein wenig zu füllig und sie hat auch genug mit den Doppelzwillingen zu tun, wobei Papa Bär ein begeisterter Angler ist!“
„Aber Angeln ist doch kein Sport, Opa!“, meinte Josh vorwitzig.
„Hast du `ne Ahnung. Natürlich ist das Angeln Sport. Aber das werde ich dir heute nicht mehr erzählen, übermorgen wirst du es erfahren. Und nun schlaf schön, mein Lieber!“

in der nächsten Reizwortgeschichte geht es dann weiter …

Josh im Bärenwald (Reizwortgeschichte)

Märchen, Reise, vergnügt, erschrecken, erleichtert

Das sind die Reizwörter, die heute verarbeitet werden mussten. Bitte lest auch bei meinen Kolleginnen:

Lore

Martina

Ich habe diesmal ein etwas „längeres“ Werk begonnen und präsentiere heute zunächst den Prolog. Mit jeder weiteren Reizwortgeschichte wird es etwas vorangehen bei meiner Erzählung, vielleicht auch mal zwischendurch, mal schauen, wohin der Weg mich führt – mögt Ihr mich begleiten?

Josh im Bärenwald

Prolog
„Von diesem Tag an erzählte der Bärenpapa seinen Kindern jeden Abend ein Märchen!“, sagte Opa und klappte das Buch zu.
„Nun wird aber geschlafen, kleiner Josh!“ Er deckte den Jungen liebevoll zu, küsste seine Stirn und wollte gerade das Zimmer verlassen, als Josh fragte:
„Aber woher kennt denn der Bärenpapa die Märchen? Hat er auch ein Märchenbuch?“
„Das vermute ich!“, meinte Opa. „Vielleicht denkt er sich aber auch einfach immer wieder neue Geschichten aus, so wie ich das manchmal mache!“
Erschreckt setzte sich Josh im Bett auf.
„Aber wenn der Bärenvater die Geschichten erfindet, wie kann ich dann von ihnen erfahren. Opa, du musst mir ihm reden, unbedingt!“, bettelte Josh.
„Mmmh“, machte Opa und dann noch einmal „Mmmh!“
„Weißt du, kleiner Josh, es gibt so viele Geschichten, die erzählt werden wollen. Ich glaube, sie werden uns niemals ausgehen. Aber ich versuche, ob ich auch vom Bärenvater eine neue Geschichte erfahren kann, und die werde ich dir dann erzählen.“, sagte Opa vergnügt, denn er liebte es, Geschichten zu erfinden.
Erleichtert ließ sich Josh in sein Kissen zurücksinken.
„Meist du, du kannst mir morgen schon eine Geschichte vom Bärenvater erzählen?“, fragte Josh und seine Augen wurden kleiner und kleiner. Die Antwort seines Opas hörte er schon gar nicht mehr, im Nu hatte er sich auf die Reise ins Land der Träume gemacht.
Als Opa ins Wohnzimmer kam, setzte er sich auch gleich an seinen Schreibtisch. Oma war noch irgendwo im Haus beschäftigt, vielleicht arbeitete sie ebenfalls am Schreibtisch, denn sie war Lehrerin und musste am Abend immer den Unterricht vorbereiten, was in diesen Zeiten gar nicht so einfach war, da die Schüler gar nicht in die Schule kamen, sondern online am Bildschirm Unterricht hatten.
Opa nahm seinen Skizzenblock und malte einen Bären, daneben vier Kinder, natürlich Bärenkinder. Jedes von ihnen bekam einen Namen, Bärta, Bärt, Robärt und Bärthild hießen sie und waren allerliebst anzuschauen, besonders, als sie farbig ausgemalt waren und nun ihren Erschaffer, Opa, vorwitzig anschauten.
„Nun wollen wir doch mal sehen, ob mir zu euch nicht jede Menge Geschichten einfallen werden!“, sagte Opa und malte noch einen Wald in den Hintergrund, denn irgendwo mussten die Bären ja wohnen.
Der Josh würde staunen, wenn er ihm am nächsten Morgen die Zeichnung zeigen würde und noch mehr staunen würde er, wenn er dann am Abend bereits die erste Geschichte von Bärta, Bärt, Robärt und Bärthild hören würde. Opa hatte schon eine Idee, aber die wird natürlich noch nicht verraten – vielleicht morgen, mal sehen!

© Regina Meier zu Verl

Diese Geschichte nimmt an Elkes ‚froher und kreativer Linkparty‘ teil. Hier geht es zu Elke und ihrem ‚Kleinen Blog‘. KLICK!

Die „tonnenschweren“ Mückendamen

Die tonnenschweren Mückendamen

Zwei Mückendamen saßen auf einem Zitronengrashalm im Garten. Sie genossen die Ruhe und die Sonne, denn beide hatten eine anstrengende Nacht hinter sich.
Gemeinsam hatten sie das Zimmer der kleinen Leni belagert und sich reichlich an deren Blut gelabt. Immer und immer wieder hatten sie in die zarte Kinderhaut gepiekt. Das ging so lange, bis Leni wach wurde und sofort jämmerlich anfing zu weinen.
Sofort waren die Eltern ins Zimmer gestürmt. Während die Mutter das Kind tröstete und eine kühlende Salbe auf die Stiche auftrug, jagte der Vater die Mücken. Doch er war erfolglos, welch ein Glück für die Mückenweibchen. Sie flüchteten durch eine undichte Stelle im Fliegennetz vor dem Fenster.
Nun hatten sie Bauchschmerzen, vor lauter Aufregung und weil ihr Bauch voll war. Das drückte mächtig und sie hofften auf Linderung durch das Zitronengras, dessen Geruch sie eigentlich verabscheuten.
„Das Leben ist zu kurz, um sich ständig solchen Gefahren auszusetzen“, jammerte Micky. Ihre Freundin Lexi fand das auch, aber sie wusste, dass es notwendig war, wenn sie sich vermehren wollten. Und das wollten sie, unbedingt. Die Nährstoffe aus dem Blut brauchen sie für ihre Eier, damit diese sich entwickeln können.
„Ich fühle mich schwer wie eine Tonne!“, beklagte sich Micky und rülpste.
„Mach doch aus einer Mücke keinen Elefanten, du Ferkel!“, schimpfte Lexi und tat es ihr nach. „Oh, das tat gut!“, meinte sie und dann kicherten die beiden, so laut, wie Mücken halt kichern können. Eine Mücke ist übrigens nur zwei Milligramm schwer, von Tonne kann also gar keine Rede sein.
„Es muss doch noch etwas anderes geben, als nur zu fressen oder Eier zu legen, findest du nicht auch?“, fragte Lexi nachdenklich.
„Ja, aber was soll das sein?“ Verlegen putzte Micky ihre Flügel. Sie wusste so wenig vom Leben, das bei Mücken recht kurz ist. Wenn eine Mücke nicht von einer Fliegenklatsche oder einem Pantoffel aus dem Leben scheidet, dann bleiben ihr gerade mal sechs Wochen. Das ist nicht viel.
„Ich hab’s!“, rief Lexi auf einmal. „Wir machen einen Fallschirmsprung! Jeder sollte einmal im Leben einen Fallschirmsprung machen, findest du nicht?“
„Wie stellst du dir das vor?“, fragte Micky aufgeregt. Ein Abenteuer, das wäre was Großartiges.
„Zuerst muss unser Bauch wieder leer sein, sonst sind wir zu schwer!“ Lexi hatte scheinbar einen Plan. Es ist gut, einen Plan zu haben!
„Und dann?“
„Dann nehmen wir uns einen Fallschirm, der Löwenzahn ist bald soweit, er hat schon Samen gebildet, die schickt er in die weite Welt. Wir halten uns einfach an einem seiner Schirmchen fest und dann „Huiiiii“, geht’s los!“
„Aber …“, stammelte Micky, doch die Freundin ließ sie nicht ausreden.
„Komm, wir fliegen eine Runde, legen unsere Eier ab und bis unsere Kinder da sind, sind wir längst zurück! Also los!“
Genauso machten sie das, nachdem sie die Eier abgelegt hatten, flogen sie zur Löwenzahnwiese, suchten sich zwei kräftige Fallschirme aus und klammerten sie daran fest. Dann warteten sie auf einen kräftigen Windstoß und flogen davon.
Wo sie gelandet sind? Das weiß ich auch nicht, ehrlich!

© Regina Meier zu Verl

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Bildquelle 012/pixabay