Die Elfe Sumsinella, das Igelpaar und die Sonne (13)

Die Elfe Sumsinella, das Igelpaar und die Sonne

Der Igel Konrad, der mit seiner Frau auf der Suche nach einem geeigneten Platz für den Winterschlaf war, hatte Hunger und Durst und wollte unbedingt eine Pause einlegen.
„Lass uns ein wenig hier rasten“, schlug er deshalb vor, erntete aber nur einen bösen Blick von Kornelia.
„Wir können doch nicht ständig Pausen machen“, zeterte sie und lief noch ein bisschen schneller, so dass Konrad kaum folgen konnte. Er schnaufte und stöhnte, doch Kornelia ließ sich nicht beirren.
„Schau“, sagte sie, „die Bäume sind schon fast kahl, es wird Zeit, dass wir einen Unterschlupf finden, in dem wir sicher sind. Schlafen und dich ausruhen, das kannst du dann den ganzen Winter lang.“
„Ich will aber auch was vom Leben haben und nicht immer nur vorsorgen. Guck doch mal, die Sonne, sie lacht uns an und ruft: Ruht euch aus, ich wärme euch mit meinen Strahlen!“
Kornelia schüttelte unwillig den Kopf.
„Du bist ein Spinner, mein Lieber. Die Sonne kann gar nicht rufen, sie kann strahlen oder nicht strahlen, das ist auch schon alles.“
Konrad wurde immer trauriger. Er liebte seine Kornelia, aber sie war überhaupt nicht romantisch, kein kleines Bisschen. Das fand er nicht schön.
„Die Sonne kann strahlen, lachen, wärmen, trocknen, erhitzen, verbrennen, Regenbogen machen und rufen. Lausch doch mal, dann wirst du es hören!“

Die Elfe Sumsinella hatte das Gespräch des Igelpaares belauscht. Insgeheim war sie auf der Seite von Konrad, aber ein klein wenig konnte sie auch Kornelia verstehen. Da ihr aber der Schalk im Nacken saß, sang sie mit feiner Stimme:
„Ich bin die Mutter Sonne und trage die Erde bei Tag und Nacht …“ Das Lied kannte sie von der kleinen Anna, die es jeden Morgen in der Schule sang.
„Pst …“, machte Kornelia. „Hast du das auch gehört?“ Konrad verzog sein Igelschnütchen zu einem breiten Grinsen.
„Klar, ich hab’s dir die ganze Zeit schon gesagt, sie spricht und singen kann sie auch noch!“
„Sing weiter, Sonne, dein Lied ist so schön!“, bat Kornelia und lauschte.
„Ich trage die Erde bei Tag, die Erde bei Nacht“, sang Sumsinella weiter.
„Siehst du, sie kann noch mehr, die Sonne, sie kann tragen“, rief Konrad begeistert und bekam einen dicken Buff in die Seite.
„Sei still!“
Sumsinella hatte ihre Freude daran, die beiden Igel an der Nase herumzuführen, wusste aber, dass sie sich doch zu erkennen geben musste. Oder doch nicht?
Die Entscheidung wurde ihr abgenommen, denn über ihr, in der alten Buche saß Krächz, der Rabe.
Mit krächzender Stimme und ziemlich laut sang er drauflos: „Und ich bin der Mond, der schööööne Mond, den man gern mit einem Stück Käääääse belohnt!“
„Du bist unmöglich, Krächz, ganz und gar unmöglich!“, schimpfte Sumsinella und kam dann schnell aus ihrem Versteck, um sich den Igeln zu zeigen.
„Entschuldigung“, flüsterte sie und wurde ein wenig rot dabei. „Aber ich habe nicht gelogen, all das kann die Sonne, nur nicht rufen, das habe ich für sie übernommen.“
Das Igelpaar hatte Humor, alle lachten herzlich und hielten dann noch ein ausgiebiges Pläuschchen. Sumsinella hatte sogar einen wunderbaren Laubhaufen gesehen, zum dem sie Konrad und Kornelia brachte. Dort verbrachten die beiden den Winter und sie träumten von einer singenden Sonne und von Sumsinella, der kleinen Elfe.

© Regina Meier zu Verl

Sumsinella

Leni und die Sonne


Leni und die Sonne

Leni liebte alle Jahreszeiten, den Sommer mochte sie jedoch besonders gern, besonders wenn die Luft flirrte und die Sonne ein Lächeln in die Gesichter der Menschen zauberte.
Und die Sonne, die mochte Leni. Jedenfalls glaubte Leni dies, denn selten fand sie in diesen Sommerferien einen Grund, wie andere über das Wetter zu schimpfen. Hey, auch eine Zauberin wie die Sonne konnte nicht immer einen Sonnentag zaubern. Das wäre auch gar nicht richtig.
„Stimmt’s, Sonne?“, rief sie in den Himmel hinauf.
„Stimmt, kleine Leni“, hallte es von irgendwoher.
„Hey, so klein bin ich gar nicht, ich gehe schon in die Schule!“, beschwerte sich Leni. Sie wunderte sich kein bisschen und glaubte fest, dass die Sonne reden konnte. Wer sonst sollte da gesprochen haben? Deshalb schickte sie nun ein lautes „Hörst du, Sonne?“ hinterher.
„Ja-ha! Ich höre!“
„Sag ich doch!“, sagte Leni. „Weißt du auch, dass wir morgen zum Moorsee fahren? Zum Sonnebaden und zum Sonnetanken, wie Mama sagt. Sag, Sonne, kann man in dir baden und dich tanken?“
„Kann man, aber man muss aufpassen, meine Strahlen sind manchmal sehr heiß. Man kann sich die Haut verbrennen, das tut weh!“, kam die Antwort prompt.
„Weiß ich doch! Mama hat Sonnencreme gekauft, die schützt mich. Aber du könntest auch ein bisschen auf mich aufpassen, Sonne! Sag mir doch einfach, wann es genug ist mit dem Sonnenbaden!“
„Oho! Was ihr Menschen alles von mir verlangt! Nun soll ich auch auf eure Sonnenzeiten aufpassen? Meine liebe Leni, was glaubst du, wie viel Arbeit ich jeden Tag zu bewältigen habe?“, fragte die Sonne und ihre Stimme klang nun ein bisschen gestresst.
„Muss man als Sonne auch arbeiten?“, staunte Leni.
„Klar, ich muss aufgehen, strahlen, wärmen, trocknen, trösten …“
„Wieso trösten?“
„Die Menschen sagen oft: morgen wird die Sonne wieder für dich scheinen. Das heißt, dass es traurigen oder kranken Menschen besser gehen wird, wenn ich für sie scheine! Ist doch klar, oder?“
„Und du machst sie dann wieder fröhlich?“, freute sich Leni. Dieser Job der Sonne gefiel ihr ganz besonders. „Dann sollst du immer scheinen, damit kein Mensch mehr traurig sein muss. Ja, liebe Sonne, das wünsche ich mir am allermeisten. Und schicke bitte ganz besonders viele Strahlen zu Frau Linsengrün. Die ist unsere Lehrerin und sie guckt immer so traurig. Auch an Sonnentagen.“
Die Sonne lachte. Ein feines, wohlklingendes Lachen war es.
„Also gut, kleine Leni, morgen werde ich Frau Linsengrün besuchen und ihr ein paar tröstende Strahlen schenken. Jetzt aber muss ich schleunigst untergehen. Es ist schon spät und du solltest zu Bett gehen, so wie ich auch. Dann sind wir beide morgen wieder frisch und munter. Gute Nacht, Leni!“
Leni war einverstanden, auch wenn die Sonne wieder „kleine Leni“ gesagt hatte. Eigentlich hatte sie ja recht. Im Gegensatz zur Sonne war sie wirklich klein.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

Leni und die Sonne, Bildquelle © Seaq68/pixabay

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