Die Elfe Sumsinella und die Rennschnecke Amalie (5)

Die Elfe Sumsinella und die Rennschnecke Amalie
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Es regnete schon den ganzen Tag. Sumsinella hatte unter einem großen Rhabarberblatt Schutz gefunden und plauderte dort mit Amalie.
„Du hast es gut, kein anderes Tier hat ein so schönes Haus wie du“, schwärmte sie.
Die Schnecke war stolz, dass das schöne Elfenmädchen sie um ihr Häuschen beneidete. Wie gern hätte sie Sumsinella ihre Wohnung geschenkt, wenn sie dafür Flügel bekommen hätte und so reizend aussehen könnte wie die Elfe.
„Man wünscht sich immer das, was man nicht haben kann“, bemerkte sie weise. „Aber ich bin nicht das einzige Tier, das ein eigenes Haus hat. Da gibt es noch die Muscheln.“
Sumsinella nickte. Davon hatte sie auch schon gehört, obwohl sie noch nie am Meer gewesen war.
„Kenne ich, auf Annas Fensterbank liegt auch so eine Muschel, es wohnt aber niemand mehr drin.“
„Wer ist denn Anna?“, fragte Amalie.
„Das ist meine kleine Menschenfreundin im Haus dort drüben.“
Die Schnecke erschrak.
„Du hast Menschenfreunde? Weißt du denn nicht, wie gefährlich die sind?“
Sumsinella sah Amalie erstaunt an.
„Ja, ich weiß, dass man sich in Acht nehmen muss. Aber Anna ist sehr nett, sie würde mir nie etwas zuleide tun.“
„Da wäre ich nicht so sicher. Ich hatte da vor kurzem so ein Erlebnis, ich muss noch jetzt zittern vor Angst, wenn ich daran denke.“ Amalie zog sich vorsichtshalber ein wenig zurück, so dass nur noch der Kopf aus dem Schneckenhäuschen schaute.
„Erzähle mal!“, drängte Sumsinella.
„Das war so: Ich spazierte gerade zwischen den Salatköpfen durch und dachte an nichts Böses, als mich plötzlich jemand packte und hochhob. Natürlich habe ich mich sofort im Häuschen versteckt. Es rumpelte und schaukelte, so dass mir ganz schlecht wurde.“
„Ach du lieber Schreck! Und dann?“, fragte Sumsinella.
„Irgendwann wurde es ruhiger, ich habe mich aber lange nicht aus dem Haus getraut. Als ich dann nachschaute, wo ich gelandet war, sah ich zuerst gar nichts von der Welt. Es war dunkel. Aber ich war nicht allein, meine Tante Gerti war ebenfalls gefangen. Wir warteten und flüsterten miteinander, als es plötzlich wieder hell wurde. Meine Güte, wie haben wir uns erschrocken!“
Sumsinella nickte mitfühlend.
„Das kann ich gut verstehen. Erzähl weiter!“
„Ja, also wir zogen uns natürlich sofort wieder zurück, was auch gut war, denn wir wurden sehr unsanft aus unserem Gefängnis geschubst und landeten auf einem dicken Stein. Hat das gescheppert, ich habe noch heute Kopfschmerzen.“
Amalie wiegte ihren Kopf hin und her, streckte ihren Nacken und seufzte.
„Aber es ist ja noch einmal gut gegangen!“
„Das ist ein großes Glück, meine Liebe. Geht es deiner Tante Gerti denn auch gut?“
„Ja, wir konnten fliehen. Das Kind, das uns eingefangen hatte, verlor schnell die Freude daran, uns aus dem Haus locken zu wollen. Irgendwann vergaß es uns wohl ganz und wir nutzen die Zeit, um so schnell wie eben möglich vom Stein zu kriechen und uns im Gras zu verstecken. Wenn einem die Angst im Nacken sitzt, dann werden Schnecken zu Rennschnecken!“ Amalie lachte und Sumsinella stimmte fröhlich ein.
„Vielleicht können wir beim nächsten Fest mal ein Schneckenrennen veranstalten!“, schlug sie vor. Das gefiel Amalie gut.
„Ich werde dann mal losflitzen und meine Freunde und Verwandten zusammentrommeln, damit wir mit dem Training beginnen können“, kicherte sie und machte sich auch gleich auf den Weg.
„Passt aber gut auf euch auf“, rief ihr Sumsinella nach.

© Regina Meier zu Verl

Der Geburtstagsregenbogen

Der Geburtstagsregenbogen

Traurig blickt das Kind aus dem Fenster. Es regnet! Ausgerechnet heute am Geburtstag. Schade. Das Kind hat sich so sehr auf ein Gartenfest gefreut. Daraus wird nun aber nichts.
„Es ist doch Sommer! Mag der mich denn nicht leiden?“
Es öffnet das Fenster, blickt zum Himmel und ruft in das Wolkengrau hinauf:
„Hallo, Sonne! Hörst du? Ich habe heute Geburtstag!“
„Weiß ich doch! Ich gieße nur schnell die Blumen, damit sie für dich strahlen können“, antwortet eine klare Stimme. Liebevoll klingt sie.
„Das ist sehr nett von dir, liebe Sonne! Aber bitte mach schnell! Am Nachmittag kommen meine Freunde und wir wollen so gerne im Garten feiern.“
„Einverstanden.“ Die Sonne lacht. „Ich beeile mich.“
„Halt! Halt!“, rufen da die Wolken und mit Schwung schieben sie sich noch ein bisschen dichter über die Sonne. „Für ein Fest soll die Welt sauber sein. Noch viele Regentröpfchen müssen wir über den Garten rieseln lassen, damit alles ringsum hier hübsch mit den Luftballons und Sternenlampions um die Wette glänzt und funkelt. Ist das klar?“
„Und ich“, meldet sich der Wind, „puste später alles wieder trocken. Das wird ein Vergnügen sein, hui, wie ich durch den Garten sausen werde! Hui!“
„Und wir? Was ist mit uns?“, kreischt es da hinter der besonders dicken, schwarzen Wolke hervor. „Uns fragt hier wohl wieder keiner, he? Sag, Donnermann, wollen wir uns das gefallen lassen?“
Die Blitzhexe ist’s, die ihren Worten gleich auch noch einen tüchtigen Blitz hinterher schickt.
„Hey, Leute! Haltet ein!“, bittet da die Sonne. „Wir wollen den Menschen doch nicht das Fest verderben! Lasst uns noch einmal heftig donnern und blitzen und regnen und dann schenken wir dem lieben Geburtstagskind einen wunderrunden, bunten Regenbogen!“
„Au ja!“ Das Kind klatscht vor Freude in die Hände. „Einen Geburtstagsregenbogen habe ich mir schon immer gewünscht. Den hat nämlich nicht jeder. Danke, Sonne!“

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

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Die Augustfrau und das Sommerkonzert

Die Augustfrau und das Sommerkonzert
Eine Sommergeschichte für Kinder

„Was für ein wundervoller Tag heute doch ist! Wie golden das Licht schimmert! Oh, ich liebe es. Von ganzem Herzen liebe ich diesen Tag und die Zeit der warm schimmernden Sonne, der kräftig bunten Blüten und reifenden Früchte allüberall in Bäumen und Sträuchern. Es ist meine Zeit. Die Zeit des singenden Sommers.“
Die Augustfrau schwieg für einen Augenblick. Mit weit ausgebreiteten Armen blickte sie über das Land. „So viele Lieder könnte ich singen. So viele.“
„Dann sing doch! Ich mag Gesang!“, forderte der alte Apfelbaum sie heraus. „Sing ein Lied vom Apfelbaum im August!“
Die Augustfrau lächelte, dann begann sie zu singen:
„Was flüstert dort im Apfelbaum, sag an, wer ist denn das? Ein Apfel namens Sommertraum erzählt den Menschen ‚was!“
Sie schwieg für einen Moment. Dann pustete sie die Krone des alten Baumes ein wenig an und brachte ihn ins Schwingen. Ganz zärtlich nur, und ihr war, als lächelte der Baum. Da hörte sie ein fremdes Stimmchen. Es sang weiter zur Melodie ihres Liedes:
„Leise küsst der Sommerwind so zärtlich unsre Haut, die sich rötet voller Freud, kommt nur her und schaut.“
Eine weitere Stimme stimmte mit ein und mit einem Male sangen alle Äpfel im Chor:
„Grün mit roten Wangen nun sind wir Äpfel im August, knackig rund und gesund, es ist eine Lust!“
Die Augustfrau lachte hellauf. Was für ein wundervoller Apfelchor! So etwas Schönes hatte sie lange nicht gehört. Sie wollte schon in das Lied einstimmen, als andere, ganz fremde und doch von allen so sehr geliebte Stimmchen ertönten:
„Alle unsre Kinder hier erfreuen sich am Leben, das wir Ihnen bunt und rund im Frühling hab’n gegeben. Lalala, summsumm summsumm…“
Die Bienen vom Bienenstock nebenan waren es, die die Äpfelchen und die Nase der Augustfrau keck umrundeten.
„Ach, ihr Süßen!“, rief die Augustfrau erfreut. „Wie schön das klingt! Lasst uns alle zusammen ein Sommerkonzert geben. Wir bitten die Grillen noch dazu und die Frösche am Teich können den Bass dazu quaken! Oh ja, das wird fein!“
Sie lächelte. „Und so soll es auch sein. Meine Zeit im August ist eine fröhliche, heitere und kunterbunte. Schenken wir diesem wunderherrlichen Monat unser Lied!“
Und wieder begann sie zu singen und alle Kinder des Sommers, die Tiere, die Blumen, die Bäume und die Menschen, stimmten mit ein. Man musste ihn doch auch einfach mögen, diesen wunderbunten Sommermonat … und mit ihm auch die Augustfrau.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

Noch mehr Monatsmärchen im August:
Das Märchen vom königlichen Monat August
Als die Augustfee die Äpfel küsste

Sommerkonzert, Bildquelle © mohamed_hassan/pixabay

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