Auf der Schatzinsel

Auf der Schatzinsel

Wir sind eine tolle Truppe, Pia, Joe, Evi und ich.
Mein Name ist Fynn, ich bin der Kapitän der Mannschaft und ein richtiges Boot haben wir auch, die „Flotte Liese“.
Im Sommer paddeln wir mit der Liese auf dem See herum und ab und zu ankern wir an unserer Schatzinsel. Das dürfen wir nicht, denn die Insel gehört dem Angelverein. Wehe, wenn die uns erwischen.
Aber es ist einfach zu schön, auf der Insel zu spielen. Man kann sich herrlich verstecken und einmal haben wir sogar einen richtigen Schatz gefunden.
Das war so: Unsere Liese hatten wir im Schilf versteckt und Pia hatte einen Picknickkorb mitgebracht. Wir suchten uns ein schönes Plätzchen und verspeisten die leckeren Butterbrote, die Pias Mama extra für uns gemacht hatte. Dazu gab es für jeden ein Trinkpäckchen.
Bevor wir aufbrechen wollten, musste ich mal schnell in die Büsche. Ihr wisst schon! Als ich dort so stand, fiel mein Blick auf eine Brieftasche, die dort im Gras lag. Ich hob sie auf und entdeckte jede Menge Geldscheine darin und einen Führerschein.
„Schaut her, wir sind reich!“, weihte ich die anderen ein und spielte mich mächtig auf.
„Jetzt können wir unsere Liese neu streichen und obendrein noch Funkgeräte anschaffen. Die wünschen wir uns doch schon lange!“
Evi nahm die Brieftasche genauer unter die Lupe.
„Das geht doch nicht, die Brieftasche gehört einem Herrn Forste, das steht hier auf dem Führerschein. Den kenne ich sogar.“
„Ich auch!“, rief Joe aufgeregt. „Das ist doch der Mann aus dem Kiosk am Bahnhof.“
„Wir müssen die Brieftasche abgeben“, bestimmte Pia und das ärgerte mich unheimlich.
„Ich bin hier der Kapitän und habe zu bestimmen, was gemacht wird!“, schrie ich sie an und schämte mich gleich darauf ganz furchtbar. Natürlich hatte Pia Recht, wir mussten die Brieftasche abgeben.
„Aber es wird herauskommen, dass wir auf der Schatzinsel gespielt haben und dann sind wir dran!“, wandte ich ein.
„Dann müssen wir sie eben heimlich zurückgeben, ich weiß auch schon, wie wir das machen“, sagte Joe geheimnisvoll. Dann steckten wir die Köpfe zusammen und tuschelten.

Wir machten die „Flotte Liese“ vom Steg los und paddelten zum Seeufer. Evi bekam die Aufgabe, am Kiosk von Herrn Forste Kaugummi zu kaufen und Pia, sollte den Besitzer in ein Gespräch verwickeln, während Joe und ich uns von hinten anschlichen und die Brieftasche in den Postkasten steckten. Danach trafen wir die Mädchen am Boot wieder.
Es war ein gutes Gefühl, dass wir die Angelegenheit so klug gelöst hatten.
Zur Schatzinsel fuhren wir in den nächsten Wochen vorsichtshalber nicht. Wir hatten große Angst, dass uns die Piraten, die dort die Brieftasche versteckt hatten, auf die Schliche kamen und man konnte ja nie wissen, was sie mit uns gemacht hätten.

© Regina Meier zu Verl

Auf dem Weg zur Schatzinsel?, Foto © Andrea Oberdorfer

Die Elfe Sumsinella und die Rennschnecke Amalie (5)

Die Elfe Sumsinella und die Rennschnecke Amalie
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Es regnete schon den ganzen Tag. Sumsinella hatte unter einem großen Rhabarberblatt Schutz gefunden und plauderte dort mit Amalie.
„Du hast es gut, kein anderes Tier hat ein so schönes Haus wie du“, schwärmte sie.
Die Schnecke war stolz, dass das schöne Elfenmädchen sie um ihr Häuschen beneidete. Wie gern hätte sie Sumsinella ihre Wohnung geschenkt, wenn sie dafür Flügel bekommen hätte und so reizend aussehen könnte wie die Elfe.
„Man wünscht sich immer das, was man nicht haben kann“, bemerkte sie weise. „Aber ich bin nicht das einzige Tier, das ein eigenes Haus hat. Da gibt es noch die Muscheln.“
Sumsinella nickte. Davon hatte sie auch schon gehört, obwohl sie noch nie am Meer gewesen war.
„Kenne ich, auf Annas Fensterbank liegt auch so eine Muschel, es wohnt aber niemand mehr drin.“
„Wer ist denn Anna?“, fragte Amalie.
„Das ist meine kleine Menschenfreundin im Haus dort drüben.“
Die Schnecke erschrak.
„Du hast Menschenfreunde? Weißt du denn nicht, wie gefährlich die sind?“
Sumsinella sah Amalie erstaunt an.
„Ja, ich weiß, dass man sich in Acht nehmen muss. Aber Anna ist sehr nett, sie würde mir nie etwas zuleide tun.“
„Da wäre ich nicht so sicher. Ich hatte da vor kurzem so ein Erlebnis, ich muss noch jetzt zittern vor Angst, wenn ich daran denke.“ Amalie zog sich vorsichtshalber ein wenig zurück, so dass nur noch der Kopf aus dem Schneckenhäuschen schaute.
„Erzähle mal!“, drängte Sumsinella.
„Das war so: Ich spazierte gerade zwischen den Salatköpfen durch und dachte an nichts Böses, als mich plötzlich jemand packte und hochhob. Natürlich habe ich mich sofort im Häuschen versteckt. Es rumpelte und schaukelte, so dass mir ganz schlecht wurde.“
„Ach du lieber Schreck! Und dann?“, fragte Sumsinella.
„Irgendwann wurde es ruhiger, ich habe mich aber lange nicht aus dem Haus getraut. Als ich dann nachschaute, wo ich gelandet war, sah ich zuerst gar nichts von der Welt. Es war dunkel. Aber ich war nicht allein, meine Tante Gerti war ebenfalls gefangen. Wir warteten und flüsterten miteinander, als es plötzlich wieder hell wurde. Meine Güte, wie haben wir uns erschrocken!“
Sumsinella nickte mitfühlend.
„Das kann ich gut verstehen. Erzähl weiter!“
„Ja, also wir zogen uns natürlich sofort wieder zurück, was auch gut war, denn wir wurden sehr unsanft aus unserem Gefängnis geschubst und landeten auf einem dicken Stein. Hat das gescheppert, ich habe noch heute Kopfschmerzen.“
Amalie wiegte ihren Kopf hin und her, streckte ihren Nacken und seufzte.
„Aber es ist ja noch einmal gut gegangen!“
„Das ist ein großes Glück, meine Liebe. Geht es deiner Tante Gerti denn auch gut?“
„Ja, wir konnten fliehen. Das Kind, das uns eingefangen hatte, verlor schnell die Freude daran, uns aus dem Haus locken zu wollen. Irgendwann vergaß es uns wohl ganz und wir nutzen die Zeit, um so schnell wie eben möglich vom Stein zu kriechen und uns im Gras zu verstecken. Wenn einem die Angst im Nacken sitzt, dann werden Schnecken zu Rennschnecken!“ Amalie lachte und Sumsinella stimmte fröhlich ein.
„Vielleicht können wir beim nächsten Fest mal ein Schneckenrennen veranstalten!“, schlug sie vor. Das gefiel Amalie gut.
„Ich werde dann mal losflitzen und meine Freunde und Verwandten zusammentrommeln, damit wir mit dem Training beginnen können“, kicherte sie und machte sich auch gleich auf den Weg.
„Passt aber gut auf euch auf“, rief ihr Sumsinella nach.

© Regina Meier zu Verl

Die Elfe Sumsinella und die Hilfe der Ameisen (4)

Die Elfe Sumsinella und die Hilfe der Ameisen
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„Hilfe, Hilfe, hört mich denn keiner?“
Die Elfe Sumsinella sprang auf. Sie hatte ein Mittagsschläfchen gehalten und die warme Sonne genossen. Phil hatte neben ihr gelegen, doch jetzt war er weg.
„Wo bist du denn?“, rief Sumsinella und schaute sich suchend um.
„Hier, bei den Heckenrosen. Ich hänge fest!“, rief Phil und zappelte hin und her.
„Es piekt und sticht, komm, hilf mir doch!“
Sumsinella war schon bei den Heckenrosen angekommen und überlegte, wie sie den Mäuserich frei bekommen könnte.
„Hör auf zu zappeln, du machst es nur noch schlimmer!“ ordnete sie an und schob die Unterlippe vor. So konnte sie besser nachdenken.
„Ich hole Hilfe“, beschloss sie schließlich.
„Nein, auf gar keinen Fall, lass mich hier nicht allein, ich sterbe vor Angst!“, kreischte Phil.
„Aber ich kann gar nichts machen, es muss jemand kommen!“
„Dann rufen wir eben gemeinsam um Hilfe, aber bitte, geh nicht weg!“, heulte Phil und Sumsinella brachte es nicht übers Herz, ihn zu verlassen.
„Also gut, dann müssen wir uns was anderes überlegen. Sei einen Moment still, damit ich besser denken kann!“
Doch Phil rief in seiner Not schon wieder um Hilfe und Sumsinella stimmte mit ein:
„Hiiiilfe, Hiiilfe!“
„Ihr habt gerufen und hier bin ich“, war auf einmal eine feine Stimme zu hören. Sumsinella schaute sich um, sah aber niemanden.
„Wo bist du und wer bist du?“ fragte sie.
„Hier unten bin ich, neben deinem rechten Fuß.“
Sumsinella ging in die Hocke und entdeckte eine Ameise, die sie freundlich anlächelte.
„Das ist lieb, dass du gekommen bist“, freute sich Sumsinella, machte aber gleich wieder ein ernstes Gesicht.
„Meinst du wirklich, dass du uns helfen kannst?“ Sie betrachtete das Tierchen und fragte sich, wie ein so kleines Wesen nützlich sein konnte, wenn es um Phils Befreiung aus den Dornen ging.
„Ja, das glaube ich. Ich habe auch schon eine Idee, wie es gehen könnte.“
„Da bin ich sehr gespannt!“
„Ich hole noch ein paar Schwestern und gemeinsam werden wir die Haare aus den Dornen zupfen. Wir sind stark und schaffen das.“
Kaum hatte die Ameise das ausgesprochen, da näherte sich schon eine Schar ihrer Schwestern. Sie kamen im Gänsemarsch und krabbelten gemeinsam auf Phils Rücken. dort zupften und zogen sie. Ab und zu lachte Phil, weil es so kitzelte, dann wieder schrie er laut:
„Aua, könnt ihr denn nicht vorsichtig sein?“
Sumsinella schaute der Hilfsaktion zu und es dauerte gar nicht lange, da war ihr Freund frei.
Er sah ein wenig zerzaust aus, strahlte aber vor Freude und bedankte sich überschwänglich bei den Ameisen.
„Ihr seid Klasse, einsame Klasse“, rief er und strich mit den Pfötchen über seinen zerrupften Schnurrbart.
Sumsinella lachte:
„Einsam sind die Ameisen ganz bestimmt nicht. Hast du nicht bemerkt, dass es mindestens fünfzig Schwestern waren, die dich gerettet haben?“
„Echt? Deshalb hat es so gekitzelt!“ Phil kicherte.
Die Ameisen kicherten auch und machten sich dann wieder auf den Heimweg.
„Los, los!“ rief die Anführerin. „Wir haben noch jede Menge Arbeit, die Königin wartet schon auf uns.“
Sumsinella und Phil begleiteten die Ameisenkolonne noch bis zu ihrem Bau und Phil versprach, demnächst besser auf sich aufzupassen.
„Aber schön war es doch, welcher Mäuserich kann schon von sich sagen, dass ihm fünfzig Frauen gemeinsam das Fell gestreichelt haben!“
Sumsinella schüttelte den Kopf.
„Männer!“ sagte sie und buffte Phil in die Seite.

© Regina Meier zu Verl

Die Elfe Sumsinella und die Pünktchenkrankheit (2)

Die Elfe Sumsinella und die Pünktchenkrankheit

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Sumsinella und die Pünktchenkrankheit 2

Heftiges Kopfweh plagte Sumsinella, nachdem sie im Flug mit Hicks, dem dicken Hummelmann zusammen gestoßen war. Hicks traf keine Schuld, Sumsinella war mit ihren Gedanken ganz woanders gewesen.
„Du musst schnell zu deiner Schwester. Sie hat die Pünktchenkrankheit. Sie ist am ganzen Körper von roten Punkten übersät und ihre Flügel hängen schlaff herunter“, hatte ihr die Brieftaube überbracht.
Sumsinella war in großer Sorge um Zitronella und jetzt war auch noch dieser blöde Unfall passiert. Auf ihrer Stirn wuchs eine dicke Beule.
„So was Blödes, die eine hat rote Punkte und die andere Beulen“, jammerte sie.
Hicks hatte ein Blütenblatt der Sumpfdotterblume erbettelt, das vom frischen Tau benetzt war.
„Sei still, hicks, und leg dich hin, hicks“, befahl Hicks, der wie immer mit seinem Schluckauf kämpfte.
„Ich werde dir, hicks, die Stirn kühlen!“
Das tat gut, Sumsinella seufzte erleichtert. Nach ein paar Minuten machte sie sich erneut auf den Weg.
Kurz bevor es dunkel wurde, erreichte sie den Garten, in dem ihre Schwester lebte. Sie lag auf einem Moosbett und war tatsächlich rot gepunktet. Das sah so lustig aus, dass Sumsinella kichern musste.
„Das ist ja wohl die Höhe“, schimpfte Zitronella. „Du lachst mich doch nicht etwa aus?“
„Nein, nein, aber du siehst schon ein wenig komisch aus.“
Zitronella umarmte die Schwester.
„Schön, dass du da bist.“
„Ich hätte noch eher da sein können, wenn ich nicht diesen dummen Zusammenstoß mit Hicks gehabt hätte. Schau mal meine Stirn an!“
Sumsinella strich ihre blonden Haare zur Seite, damit die Schwester die Beule sehen konnte.
„Du Arme!“
„Ist nicht so schlimm. Wir wollen jetzt erst einmal herausbekommen, was du für eine Krankheit hast. Ich werde Kuno Troll herbitten, der soll sich das ansehen. Sicher weiß er einen Rat.“

Am nächsten Morgen flog Sumsinella los und machte sich auf die Suche nach Kuno, der allerlei gute Heilmittel wusste.
Kuno saß vor seiner Höhle. Er las in einem dicken Buch.
„Hallo Kuno Troll, ich brauche deine Hilfe, meine Schwester ist gepunktet!“
„So, so“, brummte Kuno, der sich nicht gern beim Lesen stören ließ. „Rote Punkte?“
„Ja, genau, rote Punkte hat sie, am ganzen Körper und sie fühlt sich schwach.“
„Klarer Fall von Windpocken!“, stellte Kuno fest. „Das ist nichts Schlimmes. Allerdings …“
Sumsinella bekam einen Schreck.
„Allerdings ist die Krankheit ansteckend, es wird zehn Tage dauern, dann wirst auch du mit Punkten gesegnet sein und alle, mit denen deine Schwester und du zu tun haben.“
„Ach herrjemine“, seufzte Sumsinella. „Das ist ja schrecklich!“
„Na, na, so schlimm ist es nicht. Wenn man die Windpocken gehabt hat, dann bekommt man sie nie wieder. Das ist das Gute daran!“
Kuno erhob sich und holte eine große braune Flasche.
„Damit kannst du deine Schwester einreiben, damit es nicht zu sehr juckt. Und sag ihr, dass sie sich nicht kratzen soll, das gibt Narben.“
Sumsinella bedankte sich und versprach dem Troll, dass sie sich bald wieder melden würde.

Es passierte genau so, wie Kuno es vorausgesagt hatte. Als bei Zitronella die Pusteln langsam abheilten, fing die Pünktchenkrankheit bei Sumsinella an und ob man es glaubt oder nicht – Kuno Troll erwischte es auch.

© Regina Meier zu Verl


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Die kleine Elfe Sumsinella und die Baumschaukel (11)

Die kleine Elfe Sumsinella und die Baumschaukel

Am dicksten Ast der Kastanie hatten die Menschen eine Schaukel aufgehängt. Die Seile waren lang, so dass die kleine Anna beinahe bis zum Himmel damit fliegen konnte. Sumsinella wünschte sich auch so eine Himmelsschaukel.
„Setz dich doch einfach auf meinen Schoß, dann nehme ich dich mit!“, hatte Anna vorgeschlagen und nur zu gern war Sumsinella dieser Aufforderung gefolgt.
„Hui, ist das herrlich!“, schwärmte sie. Anna nahm immer mehr Schwung. Höher und immer höher flogen die Beiden.
„Halt dich aber gut fest, Sumsinella!“, rief Anna und da war es auch schon passiert. Sumsinella konnte sich nicht halten und flog in hohem Bogen in die Luft. Das alles ging so schnell, dass sie ihre Flügel vergaß und immer tiefer purzelte. Sie landete aber nicht auf der Erde, sondern wurde aufgefangen von einem Spinnennetz, das Thea Spinne erst in der letzten Nacht fertig gestellt hatte. Thea selbst war gar nicht zu Hause. Vielleicht hatte sie sich auch nur versteckt und wartete auf Beute.
Richtig, da kam sie auch schon angekrabbelt und staunte nicht schlecht über ihren Fang.
„Ach, liebe Thea, hoffentlich habe ich dein schönes Netz nicht kaputt gemacht!“, rief Sumsinella.
„Das ist Nebensache. Hauptsache ist, dass dir nichts passiert ist, Kleine!“ Thea war gut gelaunt und schimpfte kein bisschen. Sie war satt und zufrieden und freute sich, dass sie der Elfe helfen konnte. Hilfe brauchte Sumsinella auch jetzt noch, denn die Spinnennetzfäden klebten und hielten sie gefangen.
„Da bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als dich mit Kraft herauszuziehen“, stellte Thea fest. „Anschließen musst du dann wohl ein Bad nehmen, die Seidenfäden sind hartnäckig!“
Mittlerweile hatte Anna die Schaukel angehalten und suchte ihre kleine Freundin. Als sie die zappelnde Sumsinella im Spinnennetz entdeckte, zupfte und zog sie behutsam so lange, bis Sumsinella frei war.
„Das Netz ist allerdings zerstört!“, stellte sie fest.
„Macht nichts, ich webe ein neues, habe sowieso gerade nichts zu tun“, sagte Thea großzügig und machte sich gleich an die Arbeit.
Vom Schaukeln hatten Anna und Sumsinella auch erst einmal genug. Sie legten sich in Gras und erholten sich von dem Schrecken.
„Weißt du was, Anna?“, fragte Sumsinella.
„Was denn?“ Anna zupfte noch einen Spinnfaden von Sumsinellas Kleid.
„Ich brauche gar keine Schaukel mehr, dieses Erlebnis hat mir gereicht!“
„Kann ich gut verstehen, ich werde auch noch etwas vorsichtiger sein, denn wenn ich mal aus der Schaukel fliege, dann fängt mich kein Netz auf.“
Später holte Anna die Badewanne aus ihrer Puppenstube. Sumsinella nahm ein Bad und hatten einen Elfenspaß an der tollen Wanne. Vorsichtig hüllte Anna die Freundin in ein Taschentuch ein und den Rest übernahm Mutter Sonne.

© Regina Meier zu Verl

Die Elfe Sumsinella und das kranke Mädchen (10)

Die Elfe Sumsinella und das kranke Mädchen

Das Licht des Mondes, das sich im See spiegelte, wurde zu Silberpünktchen, die auf dem Wasser schaukelten. Sumsinella betrachtete dieses Schauspiel und konnte sich nicht satt sehen.
„Eigentlich ist es gar nicht schlimm, dass ich nicht schlafen kann“, erzählte sie Ortrud, der Grille, die es sich neben ihr gemütlich gemacht hatte.
„Warum kannst du denn nicht schlafen?“, fragte Ortrud interessiert.
„Ich mache mir Sorgen“, antwortete Sumsinella.
„Weißt du, ich muss immer darüber nachdenken, dass es der kleinen Anna drüben im Haus nicht gut gehen könnte. Ich habe sie lange nicht im Garten gesehen und immer wenn ihre Mutter nach draußen kommt, dann schaut sie traurig aus.“
„So, so!“, sagte Ortrud und dann noch einmal: „So, so!“
„Wenn ich doch nur wüsste, was mit ihr los ist.“
„Ja, ja!“, seufzte die Grille und strich über ihre langen Fühler.
Sumsinella sprang auf und funkelte Ortrud böse an.
„Hast du nicht mehr zu sagen als immer nur ‚So, so’ oder ‚Ja, ja’? Ich dachte, dass du meine Freundin bist.“
Ortrud schwieg, Sumsinella schwieg auch.
Eine dicke Wolke hatte sich vor den Mond geschoben, die Lichtfunken waren verschwunden und kühler war es auch geworden. Sumsinella gähnte.
„Ich werde dann mal mein Bettchen aufsuchen. Tut mir Leid, dass ich dich so beschimpft habe!“ Sie reichte Ortrud die Hand.
„Schon gut, schon gut!“, sagte Ortrud und dann fügte sie hinzu: „Ich habe eine Idee!“
Sofort war Sumsinella wieder hellwach.
„Sag schon, was für eine Idee ist es denn?“, drängte sie die Freundin.
„Du solltest mal ins Haus fliegen, irgendwo ist doch sicher ein Fenster offen und du kannst hinein schlüpfen. Frag die kleine Anna, was mit ihr los ist.“
„Das kann ich doch nicht machen. Sie würde Angst bekommen und außerdem versteht sie mich doch gar nicht.“
„Dummchen!“, schimpfte Ortrud. „Sie ist doch ein Kind, oder?“
„Ja, aber …“
„Kinder verstehen die Sprache der Elfen, oder nicht?“
Sumsinellas Augen leuchteten. Dass sie daran gar nicht gedacht hatte!
„Ich versuche es sofort“, rief sie und schon flog sie auf das Haus zu, um nach einem geöffneten Fenster Ausschau zu halten. Sie wusste, wo Annas Zimmer war und hatte Glück, das Oberlicht des Fensters war geöffnet und Sumsinella konnte ungehindert ins Zimmer gelangen.
Anna lag in ihrem Bett und schlief. Ihre Wangen waren gerötet. Immer wieder drehte sie den Kopf hin und her. Sie stöhnte im Schlaf und plötzlich rief sie nach ihrer Mutter.
Sumsinella erschrak. Hoffentlich entdeckte die Mutter sie nicht, wenn sie gleich das Licht anknipsen würde. Auf der Fensterbank standen einige Spielzeuge, darunter auch kleine Blumenelfen aus Porzellan. Sumsinella stellte sich zu ihnen.
Schon wurde es hell im Zimmer. Die Eltern hatten den Raum betreten. Annas Mutter legte die Hand auf die Stirn der Tochter.
„Sie hat wieder Fieber!“, sagte sie. Der Vater nickte.
„Ich werde ihr Wadenwickel machen, bleib du solange bei ihr. Ich hole kaltes Wasser und Wickel.“
Der Vater setzte sich auf die Bettkante und nahm Annas Hand.
„Schätzchen, du musst gesund werden, hörst du. Wir brauchen dich doch!“, sagte er mit leiser Stimme.
Sumsinellas Herz klopfte wie wild, so dass sie dachte, dass jeder es hören konnte.
Die Mutter kam zurück, schlug die Bettdecke zur Seite und tauchte Tücher in eine Schüssel. Dann wickelte sie die nassen Lappen um Annas Beine, legte trockene Handtücher darüber und dann die Bettdecke wieder obendrauf.
„Können wir denn sonst gar nichts für sie tun?“, fragte der Vater.
„Der Doktor hat gesagt, dass wir nur für sie da sein sollen. Sie trauert und das tut ein jeder auf seine Weise. Irgendwann wird sie einen neuen Freund finden. Dann wird es ihr besser gehen. Jeder Mensch braucht einen Freund!“
Plötzlich fiel es Sumsinella wie Schuppen von den Augen. Klar, es ging um Fiete, Annas Hund. Seit Tagen hatte ihn niemand im Garten gesehen. Sicher war Fiete etwas passiert und Anna war nun krank vor Kummer. Ja, so musste es sein.
Jetzt wusste sie, wie sie Anna helfen konnte. Sie brauchte einen Freund. Sie, Sumsinella, würde Annas neue Freundin sein.
Sie konnte es kaum erwarten, dass die Eltern das Zimmer verließen. Als sich endlich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, flog sie auf Annas Kopfkissen, setzte sich ganz nahe an das Ohr des Mädchens und sang:
„Kleine Anna, weine nicht,
schau mir einfach ins Gesicht.
Ich bin für immer für dich da,
ja das ist wahr, ja das ist wahr.
Anna öffnete die Augen und blinzelte. Woher kam der schöne Gesang?
Sumsinella flog auf Annas Brust und setzte sich.
„Schau her, ich bin es, deine Elfenfreundin Sumsinella!“
Anna lächelte und fürchtete sich auch gar nicht.
„Singst du mir noch was vor?“, bat sie und schon bald war sie wieder eingeschlafen.
„Werde gesund, kleine Anna!“, flüsterte Sumsinella und blieb bei ihrer neuen Freundin, bis der Morgen anbrach.
„Heute Abend komme ich wieder zu dir!“, versprach sie und Anna murmelte:
„Ist gut!“ Dann drehte sie sich auf die Seite und schlief weiter.

Als die Mutter am Morgen das Zimmer betrat, war Anna schon wach.
„Ich habe eine neue Freundin!“, rief sie glücklich. „Sie heißt Sumsinella und kommt am Abend wieder zu mir. Sie ist eine Elfe.“
„Das ist ja wunderbar“, sagte die Mutter, die nicht an Elfen glaubte. Vielleicht hatte das Kind geträumt. Das war aber ganz gleich, die Hauptsache war doch, dass es ihr besser ging.

Nach zwei Tagen durfte Anna sogar schon wieder in den Garten und wenn sie ganz allein war, dann zeigte Sumsinella sich ihr auch tagsüber und sie hatten gemeinsam viel Spaß.
Ortrud betrachtete die beiden von weitem und nickte freudig.
„Ja, ja!“, sagte sie. „Ja, ja!“

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Die Elfe Sumsinella und das Sommerkonzert (9)

Die Elfe Sumsinella und das Sommerkonzert

Sumsinella lag auf einem Blütenboot und schaute in den Himmel. Strahlendes Blau erfreute ihre Augen, kein Wölkchen war zu sehen.
„Ach, wie herrlich das ist!“, seufzte Sumsinella und räkelte sich. Sie schloss die Augen und lauschte dem Gesang der Amsel, die auf der Spitze einer riesigen Tanne saß. Die Melodie gefiel dem Elfenmädchen so gut, dass es sich aufsetzte und in das Singen einstimmte.
Das hörte auch Goldi, er schwamm an die Oberfläche, ließ ein paar Blasen blubbern und beteiligte sich ebenfalls an dem Konzert.
„Hey, Goldi, du kannst ja singen!“, lachte Sumsinella.
„Na ja, als Gesang würde ich das nicht bezeichnen, ich bin wohl eher für den Rhythmus zuständig, richtige Töne gelingen mir nicht. Die Menschen sagen sogar, dass Fische stumm sind.“
„Menschen sind manchmal dumm, sie hören einfach nicht richtig zu. Lass uns noch ein Lied anstimmen“, schlug Sumsinella vor und ihre helle Stimme erklang aufs Neue. Nun waren sie schon zu dritt und es dauerte gar nicht lange, da gesellten sich weitere Gartenbewohner hinzu. Vater Quak ließ seinen Brummbass schnarren und die Froschkinder, die den Text noch nicht kannten, quakten mit lauten Stimmen dazu.
„Was ist denn das für ein Krach hier!“, ertönte plötzlich eine unfreundliche Stimme.
Sumsinella erschrak und schaute sich um. Sie konnte aber niemanden entdecken.
„Das ist ja nicht auszuhalten, wer stört da meine Ruhe?“, zeterte der Unsichtbare jetzt.
„Krach?“, fragte Sumsinella. „Das ist doch kein Krach, wir musizieren!“ Sie war empört, dass jemand ihr wunderbares Konzert als Lärm bezeichnete.
„Wenn du schon meckern kannst, dann zeig dich wenigstens, damit wir wissen, mit wem wir es zu tun haben!“
„Ich meckere gar nicht, bin doch keine Ziege“, schimpfte der Fremde und jetzt sah Sumsinella ihn auch. Er saß auf einem Hügel am Teichrand.
„Ach du bist es, Maulwurf!“, rief Sumsinella fröhlich.
„Ich habe auch einen Namen, Elfe!“, sagte der Maulwurf beleidigt. Sumsinella lachte jetzt hell auf.
„Gestatten, mein Name ist Sumsinella! Und wer bitte sind Sie?“, fragte sie.
„Ich heiße Herbert und du kannst ruhig Du sagen.“ Das klang schon freundlicher. Sumsinella war davon überzeugt, dass Maulwürfe eigentlich ganz nette Gesellen waren. Vielleicht war Herbert auch nur so mürrisch, weil er den herrlichen Sommertag gar nicht so richtig wahrnehmen konnte. Für ihn war es immer dunkel und der blaue Himmel blieb ihm verborgen.
„Sing doch einfach mit, Herbert. Das macht Spaß.“
„Ich kann nicht singen, aber warte mal, ich bin gleich zurück.“ Erdkrumen flogen in die Höhe, als sich Herbert in die Erde buddelte und es dauerte gar nicht lange, da kam er zurück. Er hatte eine Flöte mitgebracht, die setzte er jetzt an und eine liebliche Melodie erklang.
„Das klingt ja herrlich!“, rief Sumsinella und klatschte begeistert in die Hände.
„Dürfen wir mitsingen?“
Der Maulwurf räusperte sich und nickte dann mit dem Kopf.
„Also gut, dann also auf vier: eins, zwei, drei, vier!“, ordnete er an und alle folgten ihm.
Sie sangen bis spät in die Nacht, Glühwürmchen gesellten und spendeten Licht. Später kamen die Grillen mit ihren Fiedeln dazu.
Rundherum in ihren Nestern und Nachtlagern lauschten die Gartenbewohner der nächtlichen Symphonie und auch die Menschen im Haus spürten, dass es sich um eine ganz besondere Nacht handelte.
„Weißt du noch?“, fragte Annas Mutter und kuschelte sich an ihren Mann.
„Wie könnte ich das vergessen, in einer solchen Sommernacht habe ich dich gefragt, ob du mich heiraten möchtest“, seufzte er.
„Stimmt, ist schon lange her, nicht wahr?“
„Ja, lange her …“ antwortete der Mann und gleich darauf war er eingeschlafen und schnarchte leise im Takt der Sommermusik.

© Regina Meier zu Verl

Die Elfe Sumsinella tröstet Bienchen (8)

Die Elfe Sumsinella tröstet Bienchen

„Sumsinella, ich wäre auch so gern eine Elfe!“ Bienchen seufzte und ließ sich neben Sumsinella nieder, die es sich gerade im Körbchen der Sonnenblume gemütlich gemacht hatte.
„Warum denn das? Jeder ist doch auf seine Weise wichtig. Was wäre, wenn alle Bienen Elfen sein wollten, dann gäbe es doch keinen Honig“, antwortete Sumsinella und wunderte sich. Sie war noch niemals auf die Idee gekommen, jemand anders sein zu wollen.
„Das stimmt, aber manchmal wünsche ich mir, dass ich so ein schönes Kleid tragen könnte wie du und deine Haare gefallen mir so sehr.“
„Mmh“, machte Sumsinella und dann lächelte sie geheimnisvoll.
„Eigentlich bist du ja eine Elfe, Bienchen!“
Bienchen sah Sumsinella fragend an. Sie sollte eine Elfe sein, mit ihrem schwarz-gelb gestreiften Trikot und den viel zu kleinen Flügeln?
„Wie meinst du das?“, fragte sie neugierig.
„Pass auf, ich erzähle dir die Geschichte!“, begann Sumsinella. Bienchen lauschte.
„Vor langer Zeit, als die Aufgaben im Zwergen und Elfenreich neu verteilt wurden, beschloss die Elfenkönigin, dass einige Elfen dafür sorgen mussten, dass der Nektar der Blüten geerntet werden konnte. Auch der Blütenstaub musste verteilt werden, damit es Früchte geben konnte. Die Elfen, die dazu bestimmt wurden, taten ihr Bestes, aber es war eine beschwerliche Arbeit, denn du weißt ja, wie anstrengend es ist, den ganzen Tag von Blüte zu Blüte zu fliegen und dann zwischendurch zu Hause den gesammelten Nektar abzuliefern.“
Bienchen nickte.
„Klar, das weiß ich nur zu gut!“
„Die Elfenkönigin war sehr klug und sie überlegte sich, dass die Sammlerinnen ganz anders ausgestattet sein müssten, als die anderen Elfen. Sie brauchten einen Rüssel und zum Transport des Blütenstaubes wäre es ja viel besser gewesen, wenn kein Eimer oder ein anderes Gefäß mitgeschleppt werden musste, nicht wahr?“
„Das sehe ich ein!“, stimmte Bienchen nachdenklich zu. Sie ahnte bereits, dass ihre Herkunft irgendetwas mit den Gedanken der Elfenkönigin zu tun haben konnte.
„Die Elfenkönigin nahm also ihren Zauberstab und hielt ihn über die Nektarsammelelfen!“
„Und dann?“, stotterte Bienchen aufgeregt. „Erzähl schon!“
„Sie sagte einen Zauberspruch.“
„Und wie ging der?“
„Genau weiß ich das auch nicht, aber so ähnlich muss er geklungen haben: Lichtwesen werde klein, von goldener Farbe sollst du sein.“
„Ach so war das!“ Bienchen gefiel es, ein Lichtwesen aus Gold zu sein und wichtig war sie auch, das hatte Sumsinella ja schon gesagt. Wozu brauchte sie also ein Kleid oder Haare, die wären doch nur hinderlich bei ihrer Aufgabe.
„Du bist die beste Freundin der Blumen und auch der Elfen, Trolle und sogar der Menschen.“ Sumsinella staunte über sich selbst. Woher wusste sie das alles nur? Eines war aber sicher, wenn Sumsinella etwas erzählte, dann war es immer ein kräftiges Körnchen Wahrheit darin.
„Du musst ja nicht gleich so übertreiben“, wisperte die Frau Fliege, die sich heimlich zwischen den Blütenblättern der Sonnenblume versteckt hatte.
„Wenn sie die Freundin der ganzen Welt ist, warum hat die Elfenkönigin ihr dann einen Stachel gegeben?“
„Damit sie sich wehren kann, wenn mal jemand nicht weiß, wie wichtig sie ist!“, antwortete Sumsinella. Dann verabschiedete sie sich schnell.
„Ich muss jetzt los. Macht es gut, ihr Zwei!“
Das war wohl besser so, bevor die kluge Fliege noch weitere Fragen stellte, auf die Sumsinella vielleicht doch keine Antwort gefunden hätte.

© Regina Meier zu Verl

Die Elfe Sumsinella, Familie Drossel und das Kuckucksei (7)

Die Elfe Sumsinella, Familie Drossel und das Kuckucksei

Die feinen Zweige der Birke wiegten sich im Wind. Auf dem Teich drehte eine Entenfamilie ihre Runden. Sumsinella saß auf einer Baumwurzel und kaute auf einem Grashalm.
„Na, kleines Elfenkind! Bist du etwa traurig?“
„Nö, aber du hast mich erschreckt. Mach das nicht noch einmal!“ Pieps lachte, es machte ihm große Freude, kleine Elfenmädchen zu erschrecken. Es gab sonst kaum jemanden, der sich vor einem Spatzenkind fürchtete, im Gegenteil, überall lauerten Gefahren.
„Habe ich doch nicht böse gemeint, du kennst mich doch!“
„Ja, ich kenne dich und ich weiß genau, wie gern du dich leise anschleichst.“ Sumsinella kicherte. Pieps war einer ihrer besten Freunde und sie konnte ihm nicht lange böse sein.
„Hast du schon gehört, dass es die Drossel erwischt hat?“, fragte Pieps.
„Nein, was ist denn mit ihr?“
„Man hat ihr ein Kind untergeschoben. Herr Drossel ist völlig außer sich und beschimpft seine Frau heftig. Die Arme weiß schon gar nicht mehr, was sie machen soll.“
„Wie, ein Kind untergeschoben, ich verstehe das nicht!“ Sumsinella war entsetzt, sie kannte die Drosselfamilie gut und wusste, dass die Vogeleltern auf ihren Nachwuchs warteten.
„Ja also, das war so: Im Nest waren vier Eier, die bebrütet wurden. Immer abwechselnd saßen die Eltern auf dem Nest. Vor ein paar Tagen, als die Eltern gerade wieder wechseln wollten, stellte Herr Drossel fest, dass es plötzlich fünf Eier waren.“
Sumsinellas Augen wurden immer größer.
„Ja, und dann? Was ist dann passiert?“
„Frau Drossel hat hoch und heilig geschworen, dass sie kein weiteres Ei gelegt hat, während Herr Drossel auf Nahrungssuche war.“ Pieps nahm einen kleinen Schluck Wasser, seine Kehle war schon ganz rau vom vielen Piepsen.
„Sind die Jungen denn schon geschlüpft?“, wollte Sumsinella wissen, doch Pieps schüttelte den Kopf.
„Nein, aber es muss bald soweit sein. Allerdings weigert sich das Drosselmännchen beharrlich, seiner Frau beim Brüten behilflich zu sein und er füttert sie auch nicht. Ein Drama, ein echtes Familiendrama!“
Sumsinella nickte.
„Wir müssen ihr helfen!“, beschloss sie. „Wir werden sie zuallererst mal füttern und dann sehen wir weiter!“
„Okay, ich suche einen Regenwurm oder was anderes Essbares, flieg du schon zum Drosselnest und beruhige Frau Drossel!“
Der Spatz machte sich gleich auf die Suche, pickte hier und da und wurde bald fündig. Sumsinella flog unterdessen zum Nest und sprach beruhigend auf Frau Drossel ein.
„Wir kriegen das schon wieder hin, meine Liebe. Sicher war der Kuckuck der Übeltäter. Ich habe ihn schon vor ein paar Tagen rufen gehört. Er treibt sich hier in der Gegend herum.“
Während sie sprach, kam Pieps mit einem dicken Wurm und hielt ihn Frau Drossel hin, die ihn genüsslich verspeiste.
„Mit einem vollen Bauch kann ich gleich wieder besser denken!“, schwärmte sie.
Herr Drossel, der ein paar Äste über dem Nest sein Quartier bezogen hatte, schämte sich, dass so ein mickriger Spatz seine Frau füttern musste. Auf den Kuckuck war er noch gar nicht gekommen, in seiner Wut waren die Gedanken einfach nur durcheinander getanzt wie ein Mückenschwarm.
„Liebling, es tut mir so leid“, flötete er.
Doch Frau Drossel zeigte ihm die kalte Schulter, wenn die Kinder erst da waren, konnte sie ihm immer noch verzeihen. Und wie sie sich kannte, würde sie das auch tun.

© Regina Meier zu Verl

Die Elfe Sumsinella wird Patentante (6)

Die Elfe Sumsinella wird Patentante

Im Garten war ein Specht eingezogen. Eigentlich mochte Sumsinella ihn ganz gern. Sie bewunderte sein herrliches Gefieder und die kräftige Schwanzfeder, mit der er sich am Baumstamm abstützte, während er in die Baumrinde hackte.
Schon vor ein paar Tagen war die Klopferei losgegangen. Der Specht hatte sich eine Bruthöhle in den Stamm gemeißelt.
„Wird der denn nie fertig mit seiner Hämmerei? Das geht mir echt auf die Nerven!“, schnatterte Günter und legte seine Flügel über die Ohren.
„Das kann ich dir auch nicht beantworten!“ Sumsinella war ärgerlich, denn sie komponierte gerade ein Sommerlied und konnte sich gar nicht richtig auf die Melodie konzentrieren. Immer wieder brachte das Klopfen des Spechtes sie aus dem Takt.
„Sag doch mal ehrlich, sind wir Gänse nicht nette Tiere? Wir machen nicht solch einen Lärm wie der da!“ Günter schüttelte unwillig den Kopf und versuchte immer wieder, sich irgendwie die Ohren zuzuhalten. Wenn das so weiterging, dann musste er sich etwas überlegen, was besser helfen könnte.
„Vielleicht sollte ich mir Maiskörner in die Ohren stopfen“, überlegte er.
Sumsinella lachte.
„Das ist aber eine richtig blöde Idee, mein lieber Günter. Man darf sich nichts in die Ohren stecken, das ist gefährlich!“
„Mache ich ja auch nicht, aber der Specht, der nervt!“
„Stimmt!“, sagte Sumsinella. „Wir sollten mal mit ihm reden!“
„Gute Idee, aber das musst du allein machen, ich komme nicht auf den Baum“, gab Günter zu bedenken.
Sumsinella flog zum Spechtbaum und setzte sich auf den Ast über der Bruthöhle.
„Hallo du!“, begann sie das Gespräch. Der Specht ließ sich nicht beirren und bearbeitete weiter die Baumrinde.
„Ich spreche mit dir“, rief Sumsinella so laut sie konnte. Der Specht klopfte weiter. Plötzlich hörte man ein ohrenbetäubendes Geschnatter unter dem Baum. Günter hatte Agathe zur Hilfe geholt und gemeinsam schnatterten sie in den höchsten Tönen. Der Specht lauschte, die Gänse hörten auf zu schnattern und Sumsinella nutzte die Stille, um den neuen Gartenbewohner erneut anzusprechen.
„Willkommen in unserem Garten, Herr Specht!“, schrie sie.
„Nicht so laut, ich habe empfindliche Ohren!“, antwortete dieser. Günter und Agathe kicherten.
„Was machen diese blöden Gänse für einen Lärm?“, fragte der Störenfried jetzt und das fand Sumsinella gar nicht mehr lustig.
„Sie gehen uns furchtbar auf den Wecker, mein Herr. Ich möchte mal nachfragen, wann wir wieder mit etwas Ruhe rechnen dürfen. Außerdem sind das keine blöden Gänse, es sind meine Freunde Günter und Agathe.“ Sumsinella war jetzt richtig wütend. Wenn es um ihre Freunde ging, dann verstand sie keinen Spaß.
„Entschuldigung, ich wollte die beiden nicht beleidigen“, sagte der Specht jetzt kleinlaut.
„Meine Frau und ich fanden diesen Garten so nett. Deshalb baue ich an unserem Heim, denn schon bald werden wir Kinder bekommen.“
„Das ist ja gut und schön, aber wäre es nicht möglich, dass Sie ab und zu mal mit dem Baulärm aufhören. Wir haben ja keine ruhige Minute mehr!“, fragte Sumsinella und war schon gar nicht mehr so wütend. Der Specht musste ja schließlich auch irgendwo mit seiner Familie leben.
„Kann ich wohl machen, aber ich bin auch schon bald fertig. Wenn Sie mal schauen wollen, ich lade Sie ein.“
Das ließ sich Sumsinella nicht zweimal sagen. So eine Spechthöhle hatte sie noch nie gesehen und sie war ganz schön neugierig.
„Das ist ja richtig gemütlich hier“, lobte sie. „Hier würde ich mich auch wohl fühlen und ihre Kinder sind hier in Sicherheit und haben es trocken und warm.“
„Genau!“ Der Specht war sehr stolz, dass die zauberhafte Elfe so nette Worte fand.
„Ich heiße übrigens Siggi und würde mich mächtig freuen, wenn wir Freunde würden!“
Sumsinella nickte zustimmend.
„Aber gern, ich heiße Sumsinella und ich habe auch eine prima Idee, wie wir gut miteinander auskommen werden.“
Fragend legte Siggi den Kopf auf die Seite.
„Du klopfst einfach im Takt und ich singe dazu, dann haben die anderen Gartenbewohner schöne Musik und fühlen sich nicht gestört.“
„Das ist eine coole Idee!“, schnatterte Günter, der ein großer Verehrer von Sumsinellas Gesangskunst war und die beiden neuen Freunde legten auch gleich los. Das klang richtig schön.
Nach zwei Tagen war Siggi dann fertig mit dem Hausbau und seine Sieglinde konnte einziehen. Von da an wurde nur noch ab und zu geklopft, denn die Spechte suchten sich ihre Nahrung unter der Rinde der Bäume.
Im Garten war der Friede wieder hergestellt und als die kleinen Spechte geschlüpft waren, da feierten alle zusammen ein großes Fest und das Erstgeborene bekam eine glückliche Patentante, Sumsinella.

© Regina Meier zu Verl