Nadja kommt in die Schule

Nadja kommt in die Schule

Nadja kommt nach den Sommerferien in die Schule. Im Kindergarten hat sie mit ihrer Mutter zusammen eine Schultüte gebastelt. Nadja findet, dass es die schönste Schultüte von allen ist und sie ist besonders stolz auf sie.
„Schau, Oma, ist sie nicht ganz wunderbar geworden?“, fragt sie die Oma, die das nur bestätigen kann.
„Ich habe noch nie eine schönere Schultüte gesehen, Nadja!“
„Hast du auch eine Schultüte gehabt, Oma?“, will Nadja nun wissen.
„Aber sicher, mein Kind. Sie war aus rotem Glanzpapier und ein Blumentauschbild klebte darauf. So groß und schwer war meine Schultüte, dass ich sie kaum tragen konnte“, erinnert sich Oma.
„Was war denn drin, dass sie so schwer war?“
„Genau weiß ich das nicht mehr, aber ich erinnere mich an einen dicken Apfel mit roten Backen und an einen Anspitzer. Ach ja, eine Butterbrotdose war auch noch drin und ein Griffelkasten aus Holz.“
Nadja weiß nicht, was ein Griffelkasten ist, das Wort hat sie noch nie gehört, deshalb fragt sie nach.
„Wir hatten eine Tafel, auf der wir das Schreiben gelernt haben. Auf so einer Schiefertafel konnte man mit einem Kreidestift schreiben, den man auch Griffel nannte. Das Geschriebene konnte man anschließend wieder wegwischen und die Tafel neu beschreiben. Es gab eine Schwammdose mit einem sauberen feuchten Schwamm und einen Tafellappen aus Baumwolle zum trocken wischen“, erklärt Oma und dann fällt ihr ein, dass da noch etwas ganz Tolles in ihrer Schultüte war, etwas, das man nirgends kaufen kann.“
„Nun sag schon, was war es?“, drängelt Nadja.
„Eine Karte, auf die hatte meine Mutter mit Lippenstift einen dicken Kussmund gedrückt und darunter stand: Das ist ein Notfallkuss, damit du immer weißt, dass ich bei dir bin!“
„So ein Quatsch!“, sagt Nadja, die gar nicht verstehen kann, dass man einen Notfallkuss gebrauchen könnte. Schließlich war Mama ja immer da und die Schule ging auch nur bis zum Mittag, da war sie schnell wieder zu Hause.
„Ich habe diesen Notfallkuss immer bei mir getragen und es war gut, dass ich ihn hatte“, sagt Oma und dann geht sie zum Schrank und holt ein Fotoalbum hervor.
„Schau hier, da bin ich mit meiner Schultüte und hier hinten, auf der letzten Seite, da ist die Karte mit dem Kuss, ein wenig verblichen, aber immer noch erkennbar!“
Nadja schämt sich ein bisschen, dass sie den Kuss als „So ein Quatsch“ bezeichnet hat, wo er Oma doch so wichtig ist.
„Es ist der schönste Notfall-Kuss von allen“, lobt sie ihn deshalb und das tut Oma gut, sie wischt sich eine Träne aus dem Augenwinkel und drückt ihre Enkeltochter fest.
Am Abend, als Nadja zu Bett geht und Oma noch schnell gute Nacht sagen will, steckt sie ihr einen Zettel zu.
„Schau, Oma, hier ist ein frischer Notfall-Kuss, damit du weißt, dass ich immer für dich da bin!“, sagt sie und dann hüpft sie aus dem Zimmer.
„Wie gut, dass ich sie habe!“, denkt Oma und betrachtet liebevoll den kleinen Kinderkussmund. „Ein Schatz ist sie, ein wahrer Schatz!“

© Regina Meier zu Verl

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Erinnerungen an Fräulein Tät

Meine Freundin Uli strickte unter der Schulbank Socken, während ich Zigaretten für die Pause drehte. Trotz unserer Nebentätigkeiten lauschten wir aufmerksam den Ausführungen von Fräulein Tät. Eigentlich hieß sie Zimmermeister und unterrichtete Geschichte und Religion in unserer Mädchenschule. Fräulein Tät liebte Wörter, die auf „tät“ endeten, deshalb hatte sie ihren Spitznamen bekommen, den schon Generationen vor uns kreiert hatten. Keine Stunde verging, in der nicht mindestens drei dieser geliebten Wörter vorkamen. Oft schlossen wir Wetten ab, wie viele es am jeweiligen Tag sein würden.
Gerade gestern kam mit Fräulein Tät mal wieder in den Sinn, als ich die Nachrichten anschaute und mich über die vielen Fremdwörter ärgerte, die größtenteils überflüssig waren.
Über jedes neue Wort mit der Endung „tät“ freue ich mich aber noch heute diebisch, doch dazu später.
„Meine Damen“, pflegte Fräulein Tät zu sagen, wenn sie uns eine Aufgabe stellte. „Meine Damen, verfassen Sie eine Abhandlung über das soeben gehörte. Es zählt nicht die Quantität, sondern die Qualität Ihres Textes, denken Sie daran!“
Streng war sie, dennoch genoss sie eine gewisse Beliebtheit bei fast allen Schülerinnen, denn bei ihr wusste man genau, woran man war. Ja, und sie mochte uns auch. Das Zigaretten drehen übersah sie meist, ab und an gab es einen Rüffel und auch Ulis Strickerei war einmal Anlass zu einer Rüge: „Ich bewundere Ihre Kreativität, Uli, aber Sie bewegen sich am Rande der Legalität. Ihre Aktivität in allen Ehren, aber das hier ist der Geschichtsunterricht und keine Handarbeitsstunde.
„Beim Stricken kann ich mich besser konzentrieren!“, behauptete Uli und stillschweigend akzeptierte Fräulein Tät die Strickerei, wenn nicht allzu sehr mit den Nadeln geklappert wurde. Zu Weihnachten bekam sie zum Dank daher ein Paar selbst gestrickter Socken.
„Das ist eine wahre Rarität!“, rief sie begeistert aus und befühlte beinahe zärtlich die grüngelb geringelten Strümpfe. „An einem kalten und regnerischen Tag gibt es nichts Besseres als warme Stricksocken! Diese Qualität kann man in keinem Geschäft kaufen.“
Danach ging sie zur Tagesordnung über, hatte aber die ganze Stunde ein warmes Lächeln auf den Lippen, was sie um Jahre jünger aussehen ließ.
Mich interessierte besonders der Religionsunterricht. Die Vertreibung aus dem Paradies hatten wir bereits in der Unterstufe ausreichend behandelt. Ich erinnere mich gern an die Zeit, als es um die Weltreligionen ging. Das war mein Thema.
„Es geht um Spiritualität, und das nicht nur in der uns bekannten Form, sondern um weitere Glaubensrichtungen anderer Nationalitäten. Ich bitte bei den Ausführungen der Referate um Sensibilität und Konstruktivität“, verkündete Fräulein Tät, nachdem wir einige Schulstunden mit dem Studium der uns fremden Religionen verbracht hatten. „Humanität ist das Zauberwort!“, fügte sie noch hinzu.
Manchmal vermisse ich sie, unser Fräulein Tät. Ich bin traurig, dass ich nicht Abschied nehmen konnte von ihr, aber so ist das, Leben und Tod gehören zusammen. Letztens lief mir ein Wort unter, das ich gern mit ihr diskutiert hätte „Dualität“. Ich beschäftige mich mit dem Wort und dem, was dahintersteckt, mit der Zweiheit, dem Leben und dem Tod, der Erde und dem Himmel, mit Gott und den Menschen. An dieser Stelle möchte ich es jedoch einfach so im Raum stehen lassen, vielleicht erscheint mir ja Fräulein Tät in meinen Träumen und ich kann da mit ihr darüber philosophieren.

© Regina Meier zu Verl

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Bildquelle MabelAmber/pixabay

Der wandernde Bauchschmerz

Der wandernde Bauchschmerz

Justus hat die ersten Wochen in der Schule hinter sich. Eigentlich geht er ganz gern hin, aber morgens hat er immer noch Bauchkneifen und mag nichts essen.
„Wie kommt das denn nur, Justus? Hast du vielleicht doch ein bisschen Angst? Dich bedrückt doch was!“, sagt Mama und macht ein besorgtes Gesicht.
„Nein, es ist alles in Ordnung. Es ist nur alles noch so neu“, behauptet Justus und packt sein Schulbrot ein. Er setzt den Tornister auf den Rücken und dann kann es losgehen.
Da die Schule nicht weit von zu Hause entfernt liegt, gehen Mutter und Sohn zu Fuß. Am Eingang zum Schulhof verabschieden sie sich. Ein Küsschen will Justus nicht mehr haben, das ist ihm peinlich. Also rufen sie sich nur ein „Tschüss“ zu und dann geht Mama wieder nach Hause. Nun ist das Bauchkneifen bei ihr angekommen, denn sie macht sich Sorgen, so wie Mütter das machen, wenn sie ihre Kinder loslassen müssen.
Justus gesellt sich zu seinen Freunden und schon bald ist das Bauchkneifen vergessen. Gemeinsam rennen sie in den Klassenraum, als es zum Unterricht geläutet hat. Ist das ein Gerangel und Geschiebe, bis jeder Schüler am Platz sitzt. Jeden Morgen geht das so. Heute ist es besonders schlimm und Frau Müller muss mehrfach zur Ordnung rufen. Als es endlich still geworden ist, kann die erste Stunde beginnen. Heute lernen die Kinder einen neuen Buchstaben, das „M“.
„Welche Wörter kennt ihr denn, die mit einem „M“ beginnen? Ich sage mal ein Beispiel: Mmm-usik!“ Frau Müller zieht das „M“ ganz lang, damit man es auch richtig hören kann. Justus überlegt, ihm fällt sofort „Mama“ ein, aber das will er nicht sagen. Schon gestern hat Linus Mamakind zu ihm gesagt, nur weil er etwas über seine Mama erzählt hat in der Pause. Justus überlegt weiter, dann meldet er sich.
„Mistforke!“, sagt er, als ihn die Lehrerin aufruft. Alle Kinder lachen. „Blödes Wort!“, ruft Linus und schlägt sich beim Lachen auf die Schenkel.
„Aber es ist ja richtig!“, lobt Frau Müller und wartet auf weitere Meldungen. Max entdeckt, dass sein Name mit einem M anfängt und Lisa freut sich, dass sie Frau Müller nennen kann, ohne Frau natürlich, denn nur Müller beginnt ja mit dem M.
Justus hat noch einige Ideen, aber die Freude am Mitmachen ist ihm schon wieder vergangen und da ist er auch schon wieder da, der Bauchschmerz, heftiger als am Morgen. Justus sehnt sich nach seiner Mama. Die würde ihn jetzt trösten.
„Mama!“, ruft er jämmerlich und Tränen treten in seine Augen.
„Richtig, Justus! Mama beginnt auch mit einem M und in der Mitte ist sogar auch noch eines. Das ist ein tolles Beispiel!“, lobt sie Justus, der sich wieder gefangen hat und nun froh ist, dass Frau Müller gar nicht gemerkt hat, dass das eigentlich ein Versehen war. Linus ist auch still – das ist gerade nochmal gut gegangen.
Frau Müller schreibt das M an die Tafel und da die Kinder das A schon kennen, können sie nun auch das Wort Mama schreiben, in Großbuchstaben. Justus ist sehr stolz.
Als die Schüler in die große Pause gehen dürfen, bleibt Justus noch im Klassenraum, bis alle draußen sind. Dann bittet er Frau Müller, zum Wort Mama auf seinem Zettel noch folgendes hinzuzufügen: … ist die Beste!
Das macht die Lehrerin gern und Mama freut sich so sehr, als der Justus ihr zeigt, was er heute gelernt hat. Am Nachmittag sind die Bauchschmerzen verschwunden und sicherlich werden sie nun jeden Tag etwas weniger werden. Es ist ja alles noch so neu, nicht wahr?

© Regina Meier zu Verl 2015

Die dicke Wolke

Die dicke Wolke

„Hast du Hausaufgaben auf, Emmy?“, fragt Mama, als ich aus der Schule komme.
„Klar, heute sollen wir einen Aufsatz schreiben: Wie schön die Welt im Frühling ist. Das kann ich nicht!“ Erstaunt sieht Mama mich an.
„Du kannst doch tolle Geschichten erfinden, da dürfte es dir doch nicht schwerfallen, einen Aufsatz zu schreiben.“
„Ich mag aber nicht schreiben, ich male lieber Bilder oder höre Musik. Aufsätze sind blöd, megablöd!“, knurre ich und weiß doch, dass ich mich nicht drücken kann. Dabei würde ich so gern malen, mit den neuen Farben, die ich zu Ostern bekommen habe.
„Schreiben, das ist wie das Malen mit Worten!“, behauptet Mama.
„Kann ich zuerst etwas in den Garten gehen? Die Sonne ist so toll!“
Dagegen hat Mama nichts, frische Luft tut gut, sagt sie immer.
Die Krokusse blühen und auch die Narzissen leuchten schon. Es ist noch recht kühl, aber wunderbar. Der blaue Himmel verspricht gutes Wetter auch für die nächsten Tage. Nur eine einzige Wolke zieht dort oben, sie kommt immer näher. Wie ein riesiger Elefant sieht sie aus, ich rufe ihr zu:
„Komm runter, lass mich auf deinen Rücken klettern, damit ich die Welt von oben sehen kann!“
Sie kommt näher, immer näher und dann spricht sie mit mir:
„Ich darf die Erde nicht berühren, dann werde ich zu Wasser. Aber du, schließ die Augen und stelle dir ganz fest vor, dass du auf meinen Rücken kletterst, dann wird es gelingen!“
Ich schließe fest die Augen und ich blinzle auch kein kleines Bisschen. Ich sehe, wie ich auf den Rücken des Wolkenelefanten klettere und schon steigt er mit mir auf. Es wird kälter, immer kälter und ich trau mich nicht, die Augen zu öffnen.
„Du kannst jetzt gucken!“, sagt die Wolke. Vorsichtig gehorche ich. Das gibt es doch nicht, ich sitze auf einem flauschig weichen Elefanten und sehe unseren Garten, der kleiner und kleiner wird. Dann erblicke ich die Schule und den Supermarkt. Winzig kleine, bunte Autos fahren dort unten und in der Stadt laufen die Menschen wie geschäftige kleine Ameisen umher. Wie lustig das aussieht.
Bald verändert die Wolke ihre Form und wird zu einem rassigen Rennpferd, schnell galoppieren wir am Himmel entlang, immer weiter. Unter uns sind Wälder und Seen, die in der Sonne glitzern.
„Da, schau, blühende Kirschbäume, ein ganzer Wald davon!“, rufe ich und komme aus dem Staunen nicht heraus. Das müssen die Obstplantagen sein, von denen Oma immer erzählt hat. Rauchende Schornsteine sehen aus wie Drachennasenlöcher.
„So, kleine Emmy, jetzt muss ich dich wieder nach Hause bringen, sonst vermissen dich deine Leute!“, sagt die Wolke und traurig stimme ich zu.
„Schade, es war ein toller Ausflug mit dir, vielen Dank!“ Gern würde ich noch weiterfliegen, aber ich möchte auch nicht, dass Mama traurig ist. Außerdem muss ich auch noch meinen Aufsatz schreiben, ich habe auch schon eine Idee.
Völlig außer Atem renne ich ins Haus, als die liebe Wolke mich sanft auf den Rasen purzeln lassen hat.
„Hast du es aber eilig, Emmy!“, ruft Mama noch, ich sitze aber schon am Schreibtisch und schreibe:

Wie schön die Welt im Frühling ist

Heute war ein besonders schöner Frühlingstag. Ich bewunderte die Blumen im Garten, als plötzlich eine dicke Wolke direkt über mir anhielt und mich einlud, eine Reise mit ihr zu machen. Das war eine Freude, die Welt mal von oben zu sehen. Leider hatte ich keinen Fotoapparat bei mir, aber ich schreibe es für euch auf, denn Schreiben ist wie Malen mit Worten.

© Regina Meier zu Verl

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Bildquelle w3work/pixabay

 

Opas coole Idee

Opas coole Idee

Frau Bauer hatte vorgeschlagen, dass die Schüler den Unterricht mit einer Geschichte beginnen sollten.
Heute war Philip dran.
„Ich erzähle euch eine Geschichte, die ist so wahr, wahrer geht es nicht“, begann er.
Hannas rechter Arm schnellte nach oben und Daumen und Zeigefinger schnipsten wie wild.
„Was ist denn, Hanna?“
„Das Wort ‚wahr’ kann man nicht steigern. Es gibt nur wahr oder unwahr“, sagte Hanna.
„Das stimmt, aber bitte unterbrich Philip jetzt nicht mehr. Wir wollen zuerst seine ganze Geschichte hören!“
Hanna schmollte und Philip fing noch einmal von vorn an.
„Also, meine Geschichte ist wirklich wahr. Ihr könnt meine Mutter fragen, wenn ihr wollt.
Mein Opa ist ein Blumenfreund. Er hat die allerschönsten Blumenbeete der Stadt. Aber manchmal muss er sich schrecklich ärgern, immer dann, wenn die Wühlmäuse in seinem Garten räubern. Besonders gern fressen sie die Tulpensamen.“
Hanna schnipste schon wieder und rief ungefragt in die Klasse:
„Tulpen wachsen aus Zwiebeln!“
„Stimmt wohl, aber du gehst gleich vor die Tür, wenn du noch einmal störst“, sagte Frau Bauer streng.
Hanna schmollte weiter und Philip setzte neu an:
„Dann fressen sie eben die Zwiebeln. Mein Opa hatte eine megacoole Idee, wie die Wühlmäuse nicht an die Tulpenzwiebeln, oder auch Narzissen und Krokuszwiebeln herankommen konnten. Soll ich’s sagen?“
„Wir bitten darum!“ Frau Bauer lächelte, Philip machte es immer spannend.
„Also gut, die ganze Familie sammelte Jogurtbecher aus Plastik. Von denen wurde dann in den Boden ein großes Loch geschnitten, dann kam die Blumenzwiebel rein und wurde mitsamt dem Becher in die Erde gesteckt. Die Wühlmäuse konnten nicht mehr ran und durch das Loch im Boden konnten die Zwiebeln Wurzeln bilden und wurden zu prächtigen Tulpen. Nach dem Frühling sammelte er einfach alle Jogurtbecher wieder ein, ließ sie in der Sonne trocknen und im nächsten Jahr konnte er sie wieder ins Beet setzen.“
„Danke, Philip, das war eine tolle Geschichte, aus der wir auch etwas lernen konnten und im nächsten Jahr werde ich es genauso machen wie dein Opa!“, lobte Frau Bauer und Philip war mächtig stolz.
„Dein Opa ist ziemlich cool!“, sagte Hanna in der Pause und bot Philip eines von ihren Butterbroten an. Hanna war schon in Ordnung, eigentlich!

© Regina Meier zu Verl

 

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Bildquelle congerdesign/pixabay

 

Ein Glückskäfer zum ersten Schultag

Ein Glückskäfer zum ersten Schultag

Maja saß gerne hinter der Hecke mit dem Säulenobst. Hier konnte sie sich prima verstecken, den Käfern und Schmetterlingen zusehen und Kleeblätter mit vier Blättern suchen. Manchmal hatte sie Glück und fand schon nach kurzer Suche ein Glückskleeblatt. Heute hatte sie sogar Doppelglück. Auf einem vierblättrigen Kleeblatt saß ein Marienkäferchen.
Dieses Glück konnte Maja heute gut gebrauchen. Bald nämlich waren die Ferien zu Ende und sie würde dann auch ein Schulkind sein. Davor fürchtete sie sich aber ein bisschen.
„Du hast es gut, kleiner Käfer“, seufzte sie. „Du musst nicht zur Schule gehen.“
Da musste der Käfer aber gehörig kichern. „Hihihihi!“, lachte er. „Du glaubst, wir haben keine Pflichten? Wo sollen wir das Glück herbringen, wenn wir diesen Job nicht zuvor erlernten?“
Maja staunte. „Entschuldige“, sagte sie. „Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Es gibt also nicht nur Baumschulen, sondern auch Käferschulen?“
Ihr gefiel das, warum sollten auch nur Menschenkinder in die Schule gehen?
„Hat dir die Schule auch Angst gemacht?“, fragte sie vorsichtig. Dann erzählte sie dem Käfer von ihren Träumen, in denen es in der Schule immer sehr wild zuging und streng und gar nicht nett. So wie es ihr Pelle und Frieder aus der Nachbarschaft erzählt hatten.
„Ach was!“ Der Käfer lachte. „Deine Freunde erzählen Blödsinn. Schule macht Spaß. Und ich habe da auch gleich eine Idee: Du kommst einen Tag lang mit mir in meine Schule, dafür begleite ich dich am ersten Schultag.“
Hm. Maja überlegte. Keine schlechte Idee. Wer hatte schon einen Glückskäfer als Begleiter?
„So machen wir es“, sagte sie, „und weißt du was, ich freue mich schon darauf. Auf deine Schule.“
„Also gut, dann treffen wir uns in einer Stunde hier. Ich habe noch etwas zu erledigen.“ Der Glückskäfer flog davon.
„Maja! Maja!“, hörte Maja da eine Stimme rufen. Es ist Mamas Stimme.
Sie öffnete die Augen. War sie hier doch glatt eingeschlafen.
„Glückskäfer! Wo bist du?“, flüsterte sie.
Der kleine Käfer aber war verschwunden. Oder hatte sie die Begegnung nur geträumt? Egal. In Majas Gedanken aber war er noch da und als sie am ersten Schultag mit ihrem neuen Ranzen und der Schultüte vor dem Schulhaus stand, saß da plötzlich ein kleiner Marienkäfer auf ihrer Schulter.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl


Glückskäfer, Bildquelle © analogicus/pixabay

Osterlotta

Osterlotta

Lotta ist traurig. Sie hat in dieser Woche eine Brille bekommen. Eigentlich ist sie froh, endlich auch die kleinen Buchstaben erkennen zu können. Sie ist weitsichtig, hat der Augenarzt gesagt. Mama und Lotta sind auch gleich zum Optiker gegangen und haben ein schönes knallblaues Brillengestell ausgesucht. Lotta sieht toll damit aus, aber in der Schule lachen einige über sie, und der freche Felix singt: „Mit der Brille auf der Nase sieht sie aus wie´n Osterhase.“
Traurig kommt Lotta nach Hause. „Was ist passiert?“, fragt Mama.
„Nichts!“, antwortet Lotta. Mama aber sieht Lotta tief in die Augen.
„Du hast doch geweint, Lotta. Und deine neue Brille liegt drüben auf dem Sofa. Stell dir vor, jemand setzt sich auf die Brille und sie ist kaputt.“
„Soll sie kaputt gehen, ich werde sie sowieso nicht mehr aufsetzen“, trotzt Lotta.
„Aha, da also liegt der Hase im Pfeffer“, lächelt Mama. „Du magst deine Brille nicht mehr leiden.
Lotta aber heult laut auf, als sie das mit dem ´Hasen im Pfeffer´ hört. Schon wieder Hase!
„Nein! Den Hasen mag ich nicht leiden. Sag bloß nicht noch einmal ´Hase´!“, schimpft sie. „Mit der Brille auf der Nase seh ich aus wie´n Osterhase.“
Da muss Mama lachen. „Diesen dummen Spruch kenne ich aus einem Lied.“
„Wirklich?“, fragt Lotta.
Mama nickt. „Wer hat das denn zu dir gesagt? Etwa wieder der Felix, dieser Scherzkeks?“
Lotta nickt. Eigentlich mag sie Felix gut leiden. Er ist immer lustig. Nur diesen Osterhasenspruch heute, den findet sie doof.
„Ich habe eine Idee, Lotta. Schlagen wir dem Felix einfach mal ein Schnippchen …“.
Flüsternd stecken Mama und Lotta ihre Köpfe zusammen und lachen. Dann holt Lotta ihren Wasserfarbkasten und Mama kocht eine Handvoll Eier ab. Später, nachdem sie erkaltet sind, macht sich Lotta an die Arbeit und bemalt die Eier in schönen bunten Farben. Sie malt gepunktete und gestreifte Eier, eines mit einem Gesicht und eines, das aussieht wie ein Marienkäferchen. Dann schreibt sie einen Brief an Felix.

Lieber Felix,
wenn du sagst, ich sähe aus wie ein Osterhase, dann will ich auch einer sein. Lass dir die Eier gut schmecken …
Deine Lotta.

Lotta legt die Eier in ein kleines Osterkörbchen und stellt es bei Felix vor die Haustür.

Als sie am nächsten Tag in die Schule kommt, steht ein kleiner Schokoladeosterhase auf Lottas Schreibpult. Er ist von Felix.
„Danke, liebe Osterlotta“, sagt er und grinst ein wenig verlegen. „Deine Brille ist übrigens voll toll und steht dir supergut. Tut mir Leid wegen gestern.“ „Stimmt!“, sagt Lotta, „supertoll ist sie sogar, meine Brille, fast so toll wie ein Osterhase.“ Und lachend beißt sie in die süße Osterhasenschokolade.

© Regina Meier zu Verl

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Bildquelle Efraimstochter/pixabay