Begegnung unterm Apfelbaum

Begegnung unterm Apfelbaum

Begegnung unterm Apfelbaum

Johannes lag mit geschlossenen Augen im Gras. Auf seinem Gesicht spürte er die warme Sonne. Welch ein wohliges Gefühl. Mit keinem Geld der Welt war das zu bezahlen, so schön. Dass sich über seinem Kopf ein kleines Drama anbahnte, ahnte Johannes nicht. Dort oben, im Apfelbaum konnte sich eine dieser dicken, reifen Früchte nicht mehr an ihrem Stängel halten und fiel … pardauz, dem Johannes auf den Kopf!
Aua! Erschreckt setzte er sich auf und tastete mit der Hand über die schmerzende Stelle über der Stirn. Wütend ließ er seinen Blick durch den Garten streifen und suchte nach dem Übeltäter.
Ein Kichern ertönte.
„Darf das denn wahr sein?“, rief Johannes verärgert. „Wer lacht mich da aus? Diese Schmerzen gönne ich meinem ärgsten Feind nicht und du? Du lachst! Wo bist du überhaupt?“
„Hier unten, guck doch mal neben dich.“
Johannes ließ seinen Blick durch das Gras neben sich gleiten und entdeckte eine Schnecke.
Sie trug ein sehr schön geformtes Haus und hochaufgerichtet mit weit ausgestreckten Fühlern sah sie zu ihm auf und … tatsächlich sie grinste.
„Hast du mich etwa ausgelacht?“
„Ja, du hast wirklich komisch ausgesehen, als der Apfel auf deinen Kopf fiel.“
„Ein Apfel hat mich getroffen?“
„Ja, besser dich als mich, ich wäre platt gewesen. Da hinten liegt er. Guck mal!“
Johannes schaute in die Richtung, die ihm die Schnecke deutete und tatsächlich, da lag ein wunderbarer Apfel im Gras, einer mit leuchtend roten Wangen. So richtig zum Reinbeißen sah er aus und das tat Johannes dann auch, nachdem er ihn auf seiner Hose abgewischt und poliert hatte.
„Koste mal!“, sagte Johannes und hielt der Schnecke den Apfel hin.
„Lieber nicht“, meinte die Schnecke bescheiden. Es klang ein wenig traurig.
„Du würdest dich ekeln, selbst nochmal hinein zu beißen. Alle Menschen ekeln sich vor mir!“, sagte sie leise.
Johannes betrachtete die kleine Schnecke und auch die Schleimspur, dies sie im Gras hinterlassen hatte und wusste im Moment nicht was er sagen sollte, denn anlügen wollte er sie nicht.
Doch dann sah er in das kleine süße und freundliche Gesicht und er lächelte.
„Nein ich ekle mich nicht!“
Er hielt ihr den Apfel hin und forderte sie auf. „Beiß hinein!“
„Brich mir doch ein Stückchen ab, dann können wir gemeinsam essen!“, bat ihn die Schnecke. „Es speist sich schöner in Gesellschaft, findest du nicht?“
Sie war klug, die kleine Schnecke. Sie wollte nicht riskieren, dass Johannes nicht mehr weiteressen würde, wenn sie erstmal abgebissen hatte vom Apfel. Außerdem würde sie es nicht schaffen, dann den Rest des Apfels zu verputzen, dafür war sie viel zu klein und der wunderbare Apfel würde im Gras verfaulen, wenn ihn nicht die gefräßigen Krähen holen würden.
Johannes brach ein kleines Stückchen ab und legte es ins Gras, dann biss er mit seinen kräftigen Zähnen in den Apfel. Während er kaute, beobachtete er seine Freundin, die an dem Apfelstückchen mehr leckte als biss.
„Hast du eigentlich Zähne?“, fragte Johannes neugierig.
Die Schnecke kicherte. „Klar, jede Menge Zähne habe ich, die sind alle auf meiner Zunge und wenn ich esse, dann raspeln die Zähnchen meine Nahrung, so dass ich sie nur noch schlucken muss. Praktisch, nicht wahr?“
Das fand Johannes auch und er wollte noch viel mehr über die Schnecken wissen. Deshalb verabredeten sich die beiden gleich für den nächsten Tag an der gleichen Stelle.
Zu Hause las Johannes in seinem Kinderlexikon nach, was es mit den Zähnen und der Raspel auf sich hatte. Er erfuhr, dass die ‚Zunge‘ einer Schnecke Radula heißt und sich auf ihr bis zu 25.000 kleine Haken oder Zähnchen befinden, die Nahrung raspeln.
„Ach Schneckchen, ich habe dich gar nicht nach deinem Namen gefragt!“, seufzte Johannes, als er am Abend in seinem Bett lag. Er stellte sich vor, wie die Schnecke gemütlich in ihrem Häuschen lag und vielleicht auch an ihn dachte, könnte ja sein.
„Morgen werde ich dich nach deinem Namen fragen“, murmelte Johannes und dann schlief er ein. Von wem er in dieser Nacht geträumt hat, das muss ich euch sicher nicht erzählen, oder?

© Regina Meier zu Verl

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Bildquelle congerdesign/pixabay

Die Elfe Sumsinella und die Rennschnecke Amalie (5)

Die Elfe Sumsinella und die Rennschnecke Amalie
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Es regnete schon den ganzen Tag. Sumsinella hatte unter einem großen Rhabarberblatt Schutz gefunden und plauderte dort mit Amalie.
„Du hast es gut, kein anderes Tier hat ein so schönes Haus wie du“, schwärmte sie.
Die Schnecke war stolz, dass das schöne Elfenmädchen sie um ihr Häuschen beneidete. Wie gern hätte sie Sumsinella ihre Wohnung geschenkt, wenn sie dafür Flügel bekommen hätte und so reizend aussehen könnte wie die Elfe.
„Man wünscht sich immer das, was man nicht haben kann“, bemerkte sie weise. „Aber ich bin nicht das einzige Tier, das ein eigenes Haus hat. Da gibt es noch die Muscheln.“
Sumsinella nickte. Davon hatte sie auch schon gehört, obwohl sie noch nie am Meer gewesen war.
„Kenne ich, auf Annas Fensterbank liegt auch so eine Muschel, es wohnt aber niemand mehr drin.“
„Wer ist denn Anna?“, fragte Amalie.
„Das ist meine kleine Menschenfreundin im Haus dort drüben.“
Die Schnecke erschrak.
„Du hast Menschenfreunde? Weißt du denn nicht, wie gefährlich die sind?“
Sumsinella sah Amalie erstaunt an.
„Ja, ich weiß, dass man sich in Acht nehmen muss. Aber Anna ist sehr nett, sie würde mir nie etwas zuleide tun.“
„Da wäre ich nicht so sicher. Ich hatte da vor kurzem so ein Erlebnis, ich muss noch jetzt zittern vor Angst, wenn ich daran denke.“ Amalie zog sich vorsichtshalber ein wenig zurück, so dass nur noch der Kopf aus dem Schneckenhäuschen schaute.
„Erzähle mal!“, drängte Sumsinella.
„Das war so: Ich spazierte gerade zwischen den Salatköpfen durch und dachte an nichts Böses, als mich plötzlich jemand packte und hochhob. Natürlich habe ich mich sofort im Häuschen versteckt. Es rumpelte und schaukelte, so dass mir ganz schlecht wurde.“
„Ach du lieber Schreck! Und dann?“, fragte Sumsinella.
„Irgendwann wurde es ruhiger, ich habe mich aber lange nicht aus dem Haus getraut. Als ich dann nachschaute, wo ich gelandet war, sah ich zuerst gar nichts von der Welt. Es war dunkel. Aber ich war nicht allein, meine Tante Gerti war ebenfalls gefangen. Wir warteten und flüsterten miteinander, als es plötzlich wieder hell wurde. Meine Güte, wie haben wir uns erschrocken!“
Sumsinella nickte mitfühlend.
„Das kann ich gut verstehen. Erzähl weiter!“
„Ja, also wir zogen uns natürlich sofort wieder zurück, was auch gut war, denn wir wurden sehr unsanft aus unserem Gefängnis geschubst und landeten auf einem dicken Stein. Hat das gescheppert, ich habe noch heute Kopfschmerzen.“
Amalie wiegte ihren Kopf hin und her, streckte ihren Nacken und seufzte.
„Aber es ist ja noch einmal gut gegangen!“
„Das ist ein großes Glück, meine Liebe. Geht es deiner Tante Gerti denn auch gut?“
„Ja, wir konnten fliehen. Das Kind, das uns eingefangen hatte, verlor schnell die Freude daran, uns aus dem Haus locken zu wollen. Irgendwann vergaß es uns wohl ganz und wir nutzen die Zeit, um so schnell wie eben möglich vom Stein zu kriechen und uns im Gras zu verstecken. Wenn einem die Angst im Nacken sitzt, dann werden Schnecken zu Rennschnecken!“ Amalie lachte und Sumsinella stimmte fröhlich ein.
„Vielleicht können wir beim nächsten Fest mal ein Schneckenrennen veranstalten!“, schlug sie vor. Das gefiel Amalie gut.
„Ich werde dann mal losflitzen und meine Freunde und Verwandten zusammentrommeln, damit wir mit dem Training beginnen können“, kicherte sie und machte sich auch gleich auf den Weg.
„Passt aber gut auf euch auf“, rief ihr Sumsinella nach.

© Regina Meier zu Verl

So ein Schreck

So ein Schreck

„Wenn wir ein Fest veranstalten wollen, dann brauchen wir aber auch etwas zu essen und zu trinken.“
Das war typisch für Naschi, sie dachte immer nur ans Essen, dabei war sie schon so dick, dass man sich wundern musste, dass sie noch in ihr Schneckenhäuschen passte.
„Ach Naschi, das ist doch wirklich kein Problem, wir nehmen einfach die frischen Kräuter und sammeln Tau, dann wird schon genug für alle da sein!“ Kiki dachte stets recht praktisch und wenn sie etwas in Angriff nahm, dann klappte das gewöhnlich auch.
Aber Naschi hatte schon wieder etwas einzuwenden.
„Worin sollen wir denn Tau sammeln?“
„Na, in Eichelhütchen oder wir fragen mal die Maiglöckchen, ob sie uns ein paar Blütenbecher zur Verfügung stellen.“, schlug Mariechen vor.
„Igitt, Maiglöckchen duften so kräftig, da würde alles parfümiert schmecken und außerdem sind sie giftig.“ Naschi schimpfte wie ein Rohrspatz.
„Du kannst einem aber auch jeden Spaß verderben. Ich habe schon gar keine Lust mehr auf ein Fest!“ Mariechen zog sich beleidigt in ihr Schneckenhaus zurück.
„Dann sollen sie halt alles alleine machen“, dachte sie und beschloss, vorläufig nicht mehr heraus zu kommen.
„Da hast du es! Immer musst du Mariechen ärgern.“ Auch Kiki war jetzt verstimmt. Dabei hatte alles so hoffnungsvoll begonnen. Das Fest der Elfen war wunderschön gewesen, so dass die drei Schnecken spontan entschieden hatten, auch mal so eine tolle Fete auszurichten. Und jetzt das hier, dabei hatte Kiki schon ganz viele Freunde eingeladen.
„Ich besuche mal meine Cousine, die Nacktschnecke. Vielleicht hat sie einen Rat für mich. Bin ganz schnell wieder zurück.“, rief Kiki und machte sich auf den Weg.
„Das kann dauern!“ Naschi kaute bedächtig an einem Löwenzahnblatt, aber so richtig wollte es ihr heute nicht mehr schmecken. Hoffentlich hatte sie es sich nicht ganz mit den Freundinnen verdorben, das wäre schlimm. Wer mag schon gern allein sein?

Kiki war völlig erschöpft, als sie am nächsten Morgen zurückkam. Sie wollte erst einmal ein wenig schlafen und verkroch sich ebenfalls in ihr Häuschen, direkt neben Naschi und Mariechen, die noch keinen Fühler vor die Tür gesteckt hatten.
Sie war gerade eingeschlafen, als sie unsanft wieder geweckt wurde. Irgendwer oder was hob sie hoch, ihr wurde ganz schwindlig und sie traute sich nicht, aus dem Häuschen zu schauen. Dann machte es plötzlich „Pling“ und noch einmal und ein drittes Mal „Pling“ und dann war Ruhe.
Kiki hielt die Luft an, sie konnte sich nicht vorstellen, was da passiert war. Nach einer Weile schaute sie ganz vorsichtig aus ihrem Haus und wäre beinahe mit Naschi zusammengestoßen, die auch einen Blick wagen wollte.
„Huch, hast du mich erschreckt!“, rief Naschi und schaute sich dann neugierig um.
„Schau mal, Mariechen ist auch da. Sag mal, wo sind wir denn hier gelandet?“ Naschi kam nun ganz aus dem Schneckenhaus und kroch ein Stückchen weiter auf Mariechen zu.
„Igitt, ist das kalt und glatt hier, das ist doch nicht der Waldboden“, stellte sie fest und Kiki stimmte ihr zu.
„Das ist Glas, wir sind in einem Marmeladenglas gefangen. Schau mal nach oben, kein Himmel weit und breit, aber ein Deckel mit Luftlöchern drin.“
„Und nichts zu essen hier, kein einziges Blättchen“, jammerte Naschi.
Mariechen ließ sich nun auch blicken, sie war die kleinste von allen und hatte furchtbare Angst. Sie fing leise an zu weinen und sagte kein einziges Wörtchen.
„Wir werden verhungern und verdursten, wenn wir nicht bald etwas unternehmen, nun tu doch was, Kiki. Du bist doch sonst immer so klug.“ Naschi quengelte und jammerte.
Kiki versuchte an den Seiten des Glases nach oben zu kommen, das war gar nicht so einfach. Vielleicht könnte sie ja versuchen, den Deckel an die Seite zu schubsen und sie alle konnten entkommen.
Sie war fast am Rand angekommen, als sich plötzlich der Deckel öffnete und eine gewaltige Stimme ertönte: „Na, dir gefällt es wohl nicht da drin!“
„Natürlich nicht, blöde Frage“, antwortete Kiki mutig, aber wohl nicht laut genug, denn die Stimme ertönte aufs Neue.
„Schön da drin bleiben ich pflücke schnell ein paar Kräuter und dann nehme ich euch mit nach Hause.“ Ein Junge gehörte zu der Stimme, er stellt das Glas auf einem Stein ab und suchte den Waldboden nach Grünem ab. Kiki ergriff die Gelegenheit und kroch, so schnell das für eine Schnecke möglich war, auf den Rand des Glases und ließ sich dann hinunterfallen. Dann versteckte sie sich unter einem Blatt, kroch in ihr Haus und verhielt sich mucksmäuschenstill. Voller Angst dachte sie an ihre Freundinnen, die es wohl nicht schaffen würden, aus dem Gefängnis zu kriechen. Die Elfen kamen ihr in den Sinn. Sie musste Hilfe holen, doch wie sollte sie das machen. Sicher kam der Junge gleich zurück und vielleicht würde er nach ihr suchen.
Kiki dachte ganz fest an die Elfen, die versprochen hatten, auf die Schneckenkinder aufzupassen.
„Bitte, bitte, kommt doch, wir brauchen euch jetzt so dringend“, dachte Kiki und dann schlief sie vor Erschöpfung ein.
Ein leises Klopfen weckte sie auf und dann hörte sie die Stimme von Millie, dem Elfenmädchen.
„Kiki, komm nur heraus. Alles ist gut, deine Freundinnen sind in Sicherheit. Ihnen ist nur ein wenig übel, denn sie mussten mit mir auf eine Flugreise gehen. Wenn du magst, bringe ich dich jetzt zu ihnen und dann machen wir ein großes Fest, ein Geburtstagsfest für euch drei Schneckenmädchen.“
Kiki musste jetzt vor Erleichterung auch ein bisschen weinen und dann merkte sie, dass sie schrecklichen Hunger hatte.
Wie froh war sie, als sie endlich Mariechen in die Arme schließen konnte und Naschi hatte bereits leckere Waldmeisterblätter und kühles Wasser für die mutige Freundin bereitgestellt.
Mit vielen Gästen feierten die Schnecken und Elfen ein wunderbares Fest und immer wieder musste Kiki die Geschichte vom Marmeladenglas und der mutigen Befreiungsaktion erzählen.

© Regina Meier zu Verl

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