Reizwortgeschichte: Irgendwann, wenn ich groß bin

Feuerwehrauto, Bier, wachsen, schnappen, schrumpelig

Das waren die Wörter, die eingebaut werden mussten. Bitte lest auch bei meinen Kolleginnen: Lore und Martina

Irgendwann, wenn ich groß bin

„Die Haare wachsen wieder!“, sagte mein Vater. Er setzte sein Feuerzeug am Kronkorken der Bierflasche an, woraufhin dieser mit einem Plop in die Küche flog und den Flaschenhals freigab.
„Hebelwirkung!“, sagte Vater, der meine Frage, wie er das mache, gar nicht mehr abwartete. Er setzte die Flasche an die Lippen, es gluckerte und im Nu war sie leer, so als hätte er den Inhalt einfach in sich hineingeschüttet. Dann rülpste er laut und verließ die Küche.
Ich zog den zerschlissenen Frisierumhang von den Schultern und wischte verstohlen meine Tränen weg. Den Blick in den Spiegel vermied ich, als ich im Flur daran vorbeikam, um mir den Besen zu schnappen, der seinen Platz in der Ecke vorm Klo hatte.
In regelmäßigen Abständen verpasste mein Vater meinem Bruder und mir diese furchtbaren Frisuren mit der eigens dafür angeschafften Haarschneidemaschine.
Eigentlich hätte ich mich längst daran gewöhnen müssen, doch es tat jedes Mal wieder weh – nicht körperlich, nein, meine Seele heulte.

Sorgfältig kehrte ich die Haare meines Bruders und meine eigenen zusammen und fegte sie auf die Dreckschüppe. Später würde Vater sie in der Ofenklappe entsorgen. Alles hatte seinen geregelten Ablauf bei uns. Nach dem Entsorgen, es stank furchtbar, wenn die Haare im Feuer verbrannten, schaute er uns, seine Söhne, zufrieden an. Er gab jedem von uns einen schrumpeligen Apfel, den wir mit einem artigen Danke in Empfang nahmen. Er dachte wohl, dass er uns etwas Gutes tut, er selbst nahm sich noch eine Flasche Bier, setzte das Feuerzeug an … na, ihr wisst schon!
Wie viele Flaschen es bis dahin schon waren, das weiß ich nicht. Es ging mich auch gar nichts an, hatte Vater gesagt. Nicht nur mir, sondern auch unserer Mutter hatte er das immer wieder deutlich gemacht.
„Ich trinke so viel Bier, wie ich will!“, hatte er gesagt und meine Mutter hatte gekuscht und geschwiegen.
Irgendwann, ich erinnere mich noch ganz genau an den Tag vor einem Jahr, kam sie nicht mehr nach Hause von der Arbeit. Bis dahin hatte sie in der Fabrik gearbeitet, damit sie uns ernähren konnte. So hatte sie es immer gesagt und ich war mächtig stolz auf sie gewesen. Es ist schon was Tolles, wenn ein Mensch, meine Mutter, drei Menschen ernähren konnte.
Doch dann kam der Tag, an dem sie einfach nicht nach Hause kam. Vater hat getobt und geschrien, doch das nützte nichts. Er ging sogar zur Polizei, doch die konnten auch nicht helfen. Mama war weg, einfach so, ohne sich zu verabschieden.
Nach drei Wochen, wir Kinder hatten uns die Augen aus dem Kopf geweint, kam eine Postkarte.
„Sucht mich nicht!“, hatte draufgestanden. Papa hatte wieder getobt, ich aber war erleichtert. Sie lebte, das war doch das Wichtigste. Irgendwann, wenn ich größer war, würde ich sie finden. Dann, wenn ich erst einmal Feuerwehrmann war, dann ganz bestimmt.
Ich nahm mein kleines Feuerwehrauto und betrachtete es liebevoll. Es war alles, was mir von Mama geblieben war, aber irgendwann …

© Regina Meier zu Verl

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Die doppelte Mona – Reizwortgeschichte

Tanne, Herbstlaub, bunt, traurig, schnaufen

Das sind die Wörter, die in die Geschichte eingebaut werden mussten. Ich habe mich diesmal etwas schwer getan, aber letztendlich …. lest selbst.

Bitte schaut auch bei meinen Kolleginnen:

Lore und Martina

Die doppelte Mona
Der Mann schob einen Briefumschlag über den Tresen.
„Appartement 12, die Schlüssel sind im Umschlag!“, sagte er und wandte sich sofort wieder seinem Computer zu.
„Das Gepäck?“, stammelte die junge Frau und wurde dabei hochrot im Gesicht.
„Sie können direkt vor die Tür fahren. Das Appartement liegt im Erdgeschoss, also ist keine große Schlepperei erforderlich!“
Es war offensichtlich, dass er ihr nicht helfen würde und sicherlich gab es auch kein weiteres Personal. Bei den hohen Preisen hätte Mona ein wenig Service erwartet. Die Unsicherheit wich der Verärgerung und mit einem lauten Knall warf sie die Tür hinter sich zu.
„Danke für nichts!“, sagte sie noch im Gehen, aber das hatte der unfreundliche Vermieter wohl nicht mehr gehört.
Mona fuhr mit ihrem Kleinwagen in die Einfahrt und trug schnaufender Weise den großen Koffer bis zur Haustür. Dabei wäre sie fast ausgerutscht, denn der Gehweg war dicht mit nassem Herbstlaub bedeckt und dadurch rutschig.
„Verflixt nochmal!“, fluchte sie. Sie schloss die Haustür auf und schob den riesigen Koffer in den kleinen Flur. Dann schaute sie sich das große Zimmer an, in dem sie in den nächsten Wochen wohnen würde. Es gab außerdem eine kleine Kochnische und ein Bad, sogar mit Badewanne, was Monas Laune umgehend hob. Laut Wetterapp sollte es in den nächsten Tagen sonniges Herbstwetter geben, sie konnte sich also freuen und musste gar nicht traurig darüber sein, dass sie allein hergekommen war. Schließlich hatte sie einen Auftrag bekommen.
„Schreib deinen Roman fertig!“, hatte Vincent ihr mit auf den Weg gegeben. Er war es auch gewesen, der die Sache mit dem Appartement in die Hand genommen hatte und sie dann vor vollendete Tatsachen stellte. Mona lächelte beim Gedanken an ihren Freund. Er war einfach ein Schatz, las ihr jeden Wunsch von den Augen ab. Halt! Das war Nonsens, es handelte sich hier wohl eher um einen Satz aus ihrem Roman, der vor Romantik triefte. Mona lachte nun laut auf, es war sicher nicht falsch, wenn man noch über sich selbst lachen konnte, oder?
In der nächsten Stunde war Mona damit beschäftigt, ihren Koffer auszupacken und sich eine gemütliche Atmosphäre zu schaffen. Zufrieden ließ sie sich auf die bunte Couch sinken und war zufrieden mit sich und der Welt.
Vincent hatte ihr einige Flaschen ihres Lieblingsweines eingepackt, die standen aber noch im Auto. Also zog Mona ihre Schuhe noch einmal an, nahm ihren Autoschlüssel und machte sich auf den Weg, ihre Vorräte aus dem Wagen zu holen.
„Guten Tag!“, rief ihr eine fröhliche Stimme zu, als sie gerade im Kofferraum abgetaucht war. Mona schreckte hoch und stieß sich prompt den Kopf.
„Aua!“, rief sie und fasste an ihren Schädel, das würde eine dicke Beule geben.
„Sorry! Ich wollte Sie nicht erschrecken!“
Vor Mona stand ein junger Mann, etwa in ihrem Alter. Er hatte einen jungen Hund an der Leine, der Mona sofort beschnupperte.
„Lass das, Mona!“, rief der junge Mann.
„Ich mach doch gar nichts!“ Mona war verblüfft, woher kannte er ihren Namen und was fiel ihm ein, ihr Befehle zu erteilen?
„Ich meinte den Hund!“ Der junge Mann nahm den kleinen Hund auf den Arm. „Darf ich vorstellen? Das ist Mona!“ Er lachte.
Mona stimmte in sein Lachen ein.
„Und darf ich vorstellen?“ Sie zeigte auf sich selbst. „Mona Tanne!“
„Das ist nicht Ihr Ernst!“
„Doch, absolut. Ich kann auch nichts dafür!“ Mona kicherte.

Anmerkung der Autorin:
Hier endet das erste Kapitel. Die junge Dame heißt Tanne, weil unsere Reizwörter das so wollten. Sie kann also wirklich nichts dafür.
Möglicherweise werde ich sie aber umtaufen, wenn die Geschichte jemals längere Ausmaße annehmen sollte. Das nächste Kapitel folgt in zwei Wochen, wenn es wieder heißt: Reizwortgeschichtenzeit!

Gedankenblitze und Bölkewater

Schatz, Kutsche, kratzen, maulen, steinreich

Das sind die Reizwörter, die diesmal mit eingebaut werden mussten. Bitte lest auch, was meine beiden Kolleginnen dazu geschrieben haben:

Lores Märchenzauber

Martinas Von-Herz-zu-Herz-Geschichten

Gedankenblitze und „Bölkewater“*

Der Sommer ist Hannas liebste Jahreszeit. Sie liebt es barfuß durch den Garten zu laufen, am besten gleich am Morgen nach dem Aufstehen, gern auch im Schlafanzug. Das hat sie von Mama abgeguckt, die macht das auch. Dazu gehört bei Mama aber noch eine Tasse Kaffee, unbedingt.
Kaffee trinkt Hanna nicht, der ist ihr zu bitter. Aber neuerdings nimmt sie ihre Lieblingstasse, gefüllt mit Mineralwasser und wandert durch den Garten. Während des Wanderns denkt sie, so wie Mama. Die denkt nämlich über ihre nächste Geschichte nach und ab und zu kommt es vor, dass sie schnell die Kaffeetasse irgendwo abstellt und ins Haus saust, weil sie eine zündende Idee hatte, einen Gedankenblitz. Hanna findet das toll. Sie möchte auch Geschichten schreiben, vielleicht über einen verborgenen Schatz, mit dessen Hilfe sie dann steinreich werden kann. Deshalb wartet sie auf so eine Blitzidee.
Seit sie mit Mineralwasser wandert, kommt ab und zu ein kleiner Rülpser, aber ein Blitz war noch nicht dabei. Schade! So richtig kann sie sich das aber sowieso nicht vorstellen. Wie soll das gehen? Es blitzt im Kopf und dann? Eigentlich müsste es dann donnern, aber es handelt sich wohl nicht um ein richtiges Gewitter. Na ja, Hanna muss Mama einmal genauer befragen, vielleicht funktioniert es dann auch bei ihr mit den Gedankenblitzen.
Noch bevor Hanna ihre Mutter interviewen kann, passiert es heute Morgen. Es blitzt ein Gedanke in Hannas Kopf. Schnell stellt sie die Tasse ab und saust in ihr Zimmer. Ein Block und ein Stift liegen dort bereit, für den Fall, dass sie schnell etwas aufschreiben muss.
Hanna nimmt den Bleistift und schreibt: «Das Geheimnis der Kaffeetassen». Das war der Blitzgedanke, aber wie soll es weitergehen? Hanna ist unsicher. Dabei gibt es viele Möglichkeiten. Die Tassen könnten verschwinden, oder sie fangen an, miteinander zu reden. Vielleicht sind im Garten Kobolde, die Geschirr sammeln und die Tassen in ihre Behausungen schleppen. Es hilft nichts, Hanna muss wieder in den Garten, vorsichtshalber nimmt sie noch eine Tasse mit Mineralwasser mit, das hat ja scheinbar geholfen. Über dem Garten hängt zwar eine dicke Wolke, aber noch regnet es nicht und Mama ist auch gerade unterwegs und denkt. Sie lächelt Hanna kurz zu und legt dann den Zeigefinger auf die Lippen. Das heißt: Bitte jetzt nicht stören! «Natürlich nicht!», mault Hanna leise.
Hanna wandert und wandert, die zweite Tasse ist schon wieder leer und der Bauch wölbt sich von der vielen Kohlensäure. Wieder lässt das Mädchen ein paar kleine Rülpser ab, nicht zu laut, um Mama nicht zu stören. Hanna grinst. Bereits beim nächsten Rülpser kommt eine neue Idee. Wieder stellt sie die Tasse ab und flitzt ins Haus, sie überholt Mama, die ebenfalls gerade auf dem Weg an ihren Schreibtisch ist. Beide lächeln und schweigen, damit sie ihre Gedanken nicht verlieren.
In der Überschrift hat sie von geheimnisvollen Kaffeetassen geschrieben, aber jetzt erst weiß sie, wie es weitergehen soll. Also schreibt Hanna:
Es war ein schöner Tag Ende August. Die großen Ferien waren zu Ende und endlich durfte man die Freundinnen und Freunde wiedersehen, die man so sehr vermisst hatte. Lea hatte in den Ferien einen Kaffeebecher mit Porzellanfarben angemalt. Den schenkte sie ihrer besten Freundin Lotta, die sich darüber sehr freute. Für sich selbst hatte Lea genau den gleichen Becher bemalt, nur dass ihr Name draufstand und auf Lottas Becher eben Lottas Name, logisch, oder? Die Namen hatte sie auf eine Kutsche geschrieben, nämlich auf die Kürbiskutsche, die sie in ihrem Märchenbuch gefunden hatte und mit der Cinderella zum Ball gefahren war.
Hanna ist stolz, als sie den Text noch einmal durchliest. Das war doch schon ein kräftiger Gedankenblitz, darauf kann man aufbauen, denkt sie und wandert wieder in den Garten. Diesmal ohne Tasse, denn der Schrank ist leer, es ist keine Tasse mehr drin. Hanna nimmt sich einen kleinen Korb und macht sich auf in den Garten, nach den Tassen schauen. Auf der Terrasse findet sie einen von Mamas Bechern. Er ist noch halb voll, aber der Kaffee ist kalt. Mit einem Schwung gießt Hanna den Inhalt an die Geranien im Blumenkübel. Dann wandert sie weiter, findet den nächsten Becher unter dem großen Rhododendronbusch, auch einer von Mamas. Eine Schnecke sitzt drin und schaut sich verwundert um, als sie mitsamt dem Becher hochgehoben wird.
«Igitt!», ruft Hanna, schickt aber gleich ein «Entschuldigung, ist mir nur so rausgerutscht!» hinterher. Eigentlich mag Hanna Schnecken, aber nicht in Kaffeetassen. Behutsam legt sie die Tasse ins Gras und sagt: «Ich gebe dir fünf Minuten, um in die Freiheit zu kriechen, dann komme ich wieder!»
«Herzlichen Dank!», flüstert die Schnecke.
«Gerne!», sagt Hanna und geht weiter auf Tassenjagd. Dann stutzt sie, kratzt sich am Kopf, denkt nach – ja, noch intensiver als sowieso schon und kommt zu dem Schluss, dass sie sich verhört haben muss und das nun ein echter Gedankenblitz war. Sie rennt ins Haus, so schnell man das mit einem Korb mit einer Tasse drin kann und schreibt auf ihren Block: Wenn Schnecken in Kaffeetassen wohnen, können sie sprechen!
Wie die Geschichte weitergeht, möchtet ihr nun wissen? Das wüsste ich auch gern, ich nehme mir nun meinen Lieblingsbecher mit Kaffee und wandere in den Garten. Dort warte ich, na, ihr wisst es schon! Nein, nicht auf den Gedankenblitz, sondern auf sprechende Schnecken, ich bin nämlich davon überzeugt, dass es die gibt. Ihr auch?

*Bölkewater ist übrigens Mineralwasser mit Kohlensäure
© Regina Meier zu Verl

Mäusefreundinnen (Reizwortgeschichte)

Praline – Glas – zittern – kunterbunt – beliebt

Das waren die Wörter, die diesmal verarbeitet werden mussten. Schaut auch bitte bei

Martina, was ihr zu den Wörtern eingefallen ist. Soweit ich weiß, setzt Lore noch einmal aus, wird aber beim nächsten Mal, am 15.8. wieder dabei sein!

Mäusefreundinnen

Die kleine Maus Krümel hatte ihr behagliches Nest unter der dichten Lorbeerhecke verlassen. Weit draußen, auf der Obstwiese schnupperte sie an einem Apfelkitsch, den wohl jemand achtlos weggeworfen hatte. Welch ein Glück für die Maus. Krümels winzige Nase bebte und die feinen Barthaare zitterten vor Aufregung. Mit den Pfoten ergriff sie geschickt einen Apfelkern und knabberte genüsslich daran. Einen weiteren Kern verputzte sie und einen dritten wollte sie ihrer Freundin Minny mitbringen. Die würde sich freuen. So flitzte Krümel mit dem Kern zwischen den Zähnen nach Hause, legte ihren Schatz in das winzige Glas im Nest, das sie einmal gefunden hatte und mühsam ins Heim geschleppt hatte. Dann machte sich gleich noch einmal auf den Weg, um einen weiteren Apfelkern einzusammeln.
Als sie aber zurück zur Wiese kam und durch das lange Gras trippelte, um den Apfelrest wiederzufinden, sah sie gerade noch, wie eine dicke Katze gebeugt durch die Wiese schlich. Im nächsten Moment sprang sie auf etwas zu und dann gab es ein Gequieke und Geschrei und – glücklicherweise – konnte ein anderes Mäuschen entwischen.
Unserer Maus Krümel allerdings war der Schreck dermaßen in die Glieder gefahren, dass sie keine Lust mehr auf Apfelkerne hatte und sich schleunigst auf den Weg ins Nest machte. Dort saß sie nun mit ihrem Apfelkern, der ihr so begehrenswert wie eine feine Praline erschien. Das Wasser lief ihr im Mäulchen zusammen, aber sie beherrschte sich. Schließlich hatte sie den Kern für ihre Freundin Minny mitgebracht. Vielleicht könnte sie aber auch den Kern verzehren und dafür einen kunterbunten Blumenstrauß für ihre Freundin pflücken, dachte sie. Aber das war wohl nicht ganz das gleiche, einen Kern konnte man essen und sie selbst hatte sogar zwei Kerne genießen können. Es war nicht gerecht, dass sie Minnys Kern auch noch vertilgte. Sie wäre eine schlechte Freundin gewesen.
Nach dem Mittagsschlaf machte sich Krümel auf den Weg, ihre Freundin zu besuchen. Sie huschte in deren Nest und ließ den Apfelkern vor Minny fallen.
„Bitte schön, der ist für dich!“, sagte sie und Minny machte sich sogleich über ihr Geschenk her.
„Danke schön, das tat gut!“, sagte sie noch schmatzend. „Apfelkerne geben Kraft, das habe ich heute am eigenen Leib erfahren!“
„Ja? Was ist denn passiert?“, wollte Krümel wissen.
„Ich wäre fast von der dicken Katze erwischt worden, ich konnte im letzten Moment entwischen, ich habe mich mit Händen, Füßen und Gequieke gewehrt und es hat funktioniert, ich konnte entwischen.“
„Das ist wunderbar! Aber, was haben denn die Apfelkerne damit zu tun?“, fragte Krümel.
„Ich hatte gerade genüsslich meinen fünften Apfelkern verzehrt, als die böse Katze auf mich zukam. Ich hatte nämlich einen Apfel im Gras gefunden und kam gut an alle fünf Kerne heran, mmmh, die waren lecker!“, erklärte Minny.
„Wolltest du gar keinen Kern für mich mitbringen? Nicht einen einzigen?“, fragte Krümel enttäuscht.
„Oh“, rief Minny, und dann noch einmal: „Oh, das tut mir leid und du hast recht, ich hätte dir einen Kern mitbringen sollen. Ich bin eine schlechte Freundin!“, jammerte sie.
Krümel wehrte ab. „Ist schon gut, wichtig ist, dass dich die Katze nicht erwischt hat!“, sagte sie, aber so ein ganz kleines Bisschen tat es doch weh im Bauch, dass Minny gar nicht an sie gedacht hatte.
Ein paar Tage später, Krümel kam gerade von einem Besuch bei ihrer Cousine Amie zurück, fand sie in ihrem Glas fünf herrlich schwarze, glänzende Apfelkerne. Sofort dachte Krümel an Minny und sie glaubte, dass nur sie die beliebten Kerne dort hineingelegt haben konnte. Bevor sie also nur ein einziges Kernchen verzehrte, lief sie zu Minny hinüber, um sich zu bedanken. Die kam ihr aber schon auf dem halben Wege entgegen und hatte das gleiche Anliegen, denn auch sie hatte fünf Apfelkerne vorgefunden.
„Wie, du warst das nicht?“, fragte Krümel ungläubig.
„Nein wirklich nicht und du? Warst du das auch nicht?“, wollte Minny wissen.
„Hey Mädels!“ Das war die Stimme von Feli. „Habt ihr mein Geschenk gefunden?“
Minny und Krümel sahen sich an. „Wir sind schlechte Freundinnen!“, flüsterte Minny und Krümel nickte zustimmend. Keine von beiden hatte an Feli gedacht. Sie schämten sich und nahmen sich vor, demnächst besser auf die Freundinnen zu achten und an sie zu denken, wenn es etwas zum Teilen gab. Ganz fest nahmen sie es sich vor und wie ich gehört habe, klappte das auch.

© Regina Meier zu Verl

Reizwortgeschichte „Das Marienkäferchen in der Schule“

Marienkäfer – Dachboden – wirbeln – nervig – witzig

Das waren die Wörter, die diesmal verarbeitet werden mussten. 

Lest bitte auch bei meinen beiden Kolleginnen:

Lore  schreibt: „Wie ein Marienkäfer zum Glückskäfer wurde

Martina „Glücksmomente zu verschenken“ heißt es bei Martina

Das Marienkäferchen in der Schule

„Ich hatte als Kind einen Marienkäfer aus Blech, den ich hinter mir herziehen konnte. Er lief auf Rädern und öffnete beim Fahren die Flügel – auf und zu, auf und zu. In seinem Inneren konnte man einen Schatz verstecken oder aber ein wenig Proviant, um im Garten spazieren zu gehen!“, sagte Frau Korte. Sie schaute dabei so sehnsüchtig aus dem Fenster, als vermisse sie ihren Marienkäfer noch heute. Die Kinder lachten. Das musste doch ein seltsames Spielzeug gewesen sein, heute packte man seinen Proviant in eine Brotdose und dann in den Rucksack und einen Schatz hatte keines von ihnen. Was war das überhaupt, ein Schatz?
Jonas meldete sich.
„Frau Korte, was für einen Schatz meinen Sie denn? Etwa so ein geheimes Tagebuch oder sowas?“, fragte er.
„Ein Schatz – mmh, das können ganz verschiedene Dinge sein. Etwa ein Schlüssel zu einer Schatzkammer oder aber ein Schmuckstück. Es kann auch ein wertvolles Erbstück sein oder eine verzauberte Haarspange!“, erklärte Frau Korte.
„Das war sicher Ihr Lieblingsspielzeug, Frau Korte, stimmt’s? Wo Sie doch Maria heißen, meine ich!“, sagte Anna-Lena.
„Du meinst den Marienkäfer, oder?“, wollte Frau Korte wissen und als Anna-Lena nickte, bestätigte sie: „Ja, das war mein Lieblingsspielzeug, ich muss doch mal nachschauen, ob ich ihn noch auf dem Dachboden finden kann, dann bringe ich ihn mit, versprochen!“
Entschlossen stand Frau Korte auf. Wie war sie denn jetzt auf das Kinderspielzeug gekommen? Ach ja, sie hatten den Kindern davon erzählen wollen, wie der Marienkäfer zu seinem Namen gekommen war.
„Kann sich denn schon jemand vorstellen, warum der Marienkäfer so heißt?“, fragte sie.
Die Kinder riefen durcheinander und immer wieder hörte man „Gottesmutter Maria“ oder „Heilige Maria“ oder aber „Glückssymbol“.
„Pssst! Nicht alle durcheinander, aber alles was ich hören konnte, war richtig. Natürlich hat Maria etwas damit zu tun. Man sagt, dass sie die kleinen Nützlinge als Geschenk geschickt haben soll!“
Frau Korte machte eine kurze Pause und sah die Kinder aufmerksam an.
„Geschenk?“, rief Jonas. „Tiere darf man doch nicht verschenken und Marienkäfer schon gar nicht, die gehören doch keinem!“
„Deshalb kann Maria sie doch trotzdem verschenkt haben, sie hat uns ja auch Jesus geschenkt, oder?“, wandte Steffi ein. „Außerdem sind Marienkäfer ja ganz doll nützlich, sie fressen Läuse und befreien die Blumen von ihnen und das Getreide, und alles eben. Opa sagt immer, dass Marienkäfer Gold wert sind!“
Kalle, der vor Steffi saß und eigentlich nie so richtig zuhörte, wirbelte herum. „Die fressen Mäuse?“, fragte er.
„Kalle, du musst zuhören! Läuse fressen sie, Läu-se!“, feixte Steffi. „Das ist nicht witzig, Kalle, echt nicht!“
„Das ist nicht witzig, Kalle, echt nicht!“, äffte Kalle Steffi nach. „Du bist nervig, Steffi, echt jetzt!“, fügte er hinzu.
Steffi schwieg beleidigt und Kalle drehte sich wieder nach vorn. Frau Korte erzählte jetzt, dass es noch einige andere Deutungen gab, so schütze der Marienkäfer beispielsweise vor Hexen und Magiern und diene den Menschen deshalb als Glückssymbol.
„Und jetzt wünsche ich mir, dass ihr einen schönen Marienkäfer ins Zeichenheft malt und für morgen schreibt ihr dann drei kurze Sätze über die Bedeutung des Namens dazu!“
Während Steffi sich verstohlen ein Tränchen wegwischte, das sich in ihre Augen gestohlen hatte, flog das kleine Marienkäferchen, das die ganze Zeit auf der Fensterscheibe alles mit angehört hatte auf Steffis Zeichenheft, zum Trost wohl und Steffi freute sich und verriet kein Sterbenswörtchen.

© Regina Meier zu Verl

Star-Allüren (Reizwortgeschichte)

Lore, Martina und ich schreiben 2 x monatlich eine Reizwortgeschichte, die bisher immer in meinem anderen Blog erschienen ist. Ab sofort wird sie immer direkt hier erscheinen. Die beiden anderen Mädels verlinke ich dann jeweils.
Fleck, Baum, knurrig, fröhlich, niedergeschlagen
Das waren die Wörter, die dieses Mal zu verarbeiten waren, meine Geschichte dazu lest unten. Schaut bitte auch bei
Lores Märchenzauber
Martina setzt im Moment noch aus

Star-Allüren

„Ich werde mich nicht vom Fleck rühren und hier sitzen bleiben, bis du schwarz wirst!“, schimpfte der Starenvater knurrig, als er sich von seiner Liebsten mal wieder ein Donnerwetter eingefangen hatte. Er saß auf dem Kirschbaum, ganz oben.
Die Starenmutter kannte das, zuerst war er knurrig und dann tat er doch, was sie wollte. War immer so gewesen und würde auch immer so bleiben. Das war Gesetz.
„Gut Schatz“, rief sie deshalb fröhlich. „Dann ruhe dich noch eine Weile aus und dann geht’s aber los, einverstanden?“
Sie bekam keine Antwort. Auch das kannte sie schon. „Männer!“, dachte sie und überlegte, ob sie einfach schon anfangen sollte mit dem Nestbau. Schließlich war sie eine tüchtige Frau und im Notfall könnte sie das sogar ganz allein.
Aus trockenen Blättern, Wurzeln, Stroh, Haaren, Wolle und Federn baute man so ein Nest. Im letzten Jahr war das urgemütlich gewesen und genauso wollte sie es auch jetzt wieder haben. Schließlich sollten die Kleinen ein schönes Zuhause haben. Die Frage war nur noch, wo sie sich niederlassen sollten, denn der Baum mit der schönen Höhle vom letzten Jahr war nicht mehr da. Das war mehr als schade und es verdarb der Vogelmama für einen Moment die gute Laune. Niedergeschlagen ließ sie ein Tränchen laufen, rappelte sich dann aber wieder auf.
„Ich bin ein Star, ich schaff das schon!“, sagte sie zu sich selbst, schüttelte ein wenig ihr prachtvolles Gefieder und hob ab, um sich auf die Suche nach einer Baumhöhle oder etwas Ähnlichem zu machen.
Währenddessen hatte der Starenvater die Augen geschlossen und genoss die ersten Frühlingssonnenstrahlen. Er nickte sogar ein wenig ein. Im Traum bestand er gefährliche Abenteuer und brachte seiner Liebsten von seinen Ausflügen immer etwas Leckeres mit. Gerade hatte er eine dicke Kirsche ergattert und wollte sie heimbringen, als er feststellte, dass man ihn an dem Ast, auf dem er saß, festgebunden hatte, mit Strohbändern und dicken Knoten. Es blieb ihm nichts übrig, als die Kirsche fallen zu lassen, was ja schon schlimm genug war. Noch schlimmer war allerdings, dass er die Knoten nicht lösen konnte, so sehr er sich auch bemühte. In seiner Not rief er laut um Hilfe:
„Ich bin ein Star – hol mich hier runter!“ Immer und immer wieder rief er diese Worte und du kannst dir sicher vorstellen, dass das auf die übrigen Gartenbewohner recht befremdlich wirkte. Hämisch lachten sie ihn aus und die Starenmama die lachte auch. Nicht so laut wie die anderen, aber doch laut genug, dass ihr Mann davon erwachte.
Die beiden hielten aber zusammen, verließen den Garten mit den hämischen Lachern und ließen sich im nah gelegenen Wald in einer wunderhübschen Baumhöhle nieder. Dort bauten sie ihr Nest und als endlich sechs prächtige hellgrüne Eier darin lagen, da sagte der Starenpapa: „Du bist mein Star, mein allerbester sogar! Ja, so war das!

© Regina Meier zu Verl