Wer wird Chef in der Osterhasenmalstube?

Wer wird Chef in der Osterhasenmalstube?
auch zum Anhören unter dem Text

„Mein Sohn, es wird Zeit, dass du die Malstube übernimmst. Ich bin ein alter Hase und wünsche mit nichts mehr, als endlich in den Ruhestand zu gehen“, sagte der Hasenvater zu seinem Sohn.
„Ach nein, Papa, das ist nichts für mich. Ich möchte einen Beruf haben, in dem ich das ganze Jahr gebraucht werde und dieser Stress vor Ostern macht mir auch keinen Spaß!“
Der Hasenvater zitterte nervös mit den Barthaaren. Das konnte doch wohl nicht wahr sein. So ein frecher Bengel. Es war eine alte Tradition in der Familie, dass der erstgeborene Sohn das Atelier übernahm und die sollte nicht gebrochen werden.
„Kommt ja gar nicht in die Kiepe“, schimpfte er deshalb und zog Fritz, so hieß der Sohn, an den Ohren, dass dieser vor Schmerz aufschrie.
„Ich schwöre dir bei meinen Löffeln, dass ich einen anderen Beruf erlernen werde. Ich habe mich auch schon erkundigt. Der Bäcker sucht einen Lehrling, ich werde Brot backen und Brötchen und wenn es sein muss, auch Osterzöpfe!“
„Und meine Malstube? Ich kann das allein nicht schaffen!“, murrte der Vater und ließ die Ohren hängen.
„Du hast so viele Kinder, da wird schon eines dabei sein, dass mit Freuden dein Nachfolger werden wird, frag doch mal die Luzie“, riet Fritz seinem Vater.
„Ein Mädchen, es wird ja immer schöner!“
„Du bist so altmodisch, lieber Papa. Es ist doch heute ganz normal, dass eine Frau einen Betrieb leiten kann.“
Der Hasenvater schüttelte ärgerlich den Kopf. Stress, altmodisch, eine Frau als Chef – da kam er nicht mehr mit. Aber es geschah dann doch alles so, wie Fritz vorgeschlagen hatte und zur Osterzeit lieferte Malstubenchefin Luzie bunte Ostereier in die Bäckerei, die kamen dann auf die Hefezöpfe, die Bruder Fritz gebacken hatte.
Der Hasenvater gab es nicht zu, aber insgeheim war er doch stolz auf seine Kinder.

© Regina Meier zu Verl

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Bildquelle geralt/pixabay
Wer wird Chef … – zum Anhören

Als die Küken dem Osterhasen halfen

Als die Küken dem Osterhasen halfen (unter der Geschichte auch zum Anhören)

„Bleibt nicht so lange fort und macht euch nicht schmutzig“, gab Frau Henne ihren Küken mit auf den Weg. Die Kinder wollten raus und das war Frau Henne Recht, denn jetzt vor Ostern hatte sie alle Flügel voll zu tun.
Kalli, Franz und Hedwig hüpften vergnügt los.
Am Abend kam zuerst Hedwig zurück.
„Da bist du ja endlich!“ Frau Henne hatte sich Sorgen gemacht.
„Wo sind denn deine Brüder?“
„Die kommen auch“, antwortete Hedwig und versuchte, sich an der Mutter vorbei zu schleichen. Sie gab sich Mühe, ihre Rückseite zu verbergen.
„Da sind wir schon“, riefen Kalli und Franz schon von weitem und Hedwig nutzte die Gelegenheit, sich in eine Pfütze plumpsen zu lassen.
„Komm sofort da raus!“, schimpfte die Mutter und half mit dem Schnabel nach.
„Was ist denn das, du bist ja ganz grün auf der Rückseite.“
Aufgeregt schlug Frau Henne mit den Flügeln. Kalli und Franz zogen es vor, der Mutter gleich zu zeigen, dass sie ebenfalls bunte Hinterteile hatte. Kallis war blau und Franz’ Po leuchtete pinkfarben.
„Das darf ja wohl nicht wahr sein.“ Frau Henne war so laut geworden, dass die Bäuerin besorgt aus dem Fenster schaute, ob die Katze wieder die Hühner ärgerte.
Sie sah aber nur ein aufgeregtes Huhn, das seine Kinder in einer Pfütze badete und lächelte. ‚Ganz wie bei uns Menschen’, dachte sie und schloss das Fenster.
Die Kükenrückseiten waren wieder sauber und Frau Henne schickte die Kinder ins Nest. Die drei hatten nicht verraten, woher die Farbe stammte.
Als die Küken am nächsten Morgen wieder losziehen wollten, folgte die Mutter ihnen heimlich. Die drei steuerten die Malschule vom Osterhasen an, der vor der Tür auf sie wartete.
„Da seid ihr ja!“, rief er und hüpfte ihnen vergnügt entgegen.
„Ohne euch müssten die Kinder wohl in diesem Jahr auf die Ostereier verzichten. Ich bin so dankbar für eure Hilfe, kommt rein!“
Frau Henne stutzte, vorsichtig näherte sie sich dem Fenster der Malstube und schaute hinein. Der Osterhase tauchte Hedwigs Po gerade in den grünen Farbtopf. Dann stellte er sie auf den Tisch. Danach kam der Franz dran, er wurde ins Blau getaucht, der Kalli in den pinkfarbenen Topf. Die drei standen nebeneinander auf dem Tisch, als der Osterhase auf den Knopf vom Kassettenrekorder drückte und der Ententanz erklang. Hedwig, Franz und Kalli wackelten im Takt mit den Hinterteilen und der Osterhase, seine Frau und die Kinder nahmen sich jeweils ein weißes Ei und hielten es ein paar Sekunden an jeden Kükenpo. Ruckzuck war eine ganze Palette mit Eiern gefärbt.
Das sah so lustig aus, dass Frau Henne draußen vorm Fenster laut lachen musste.
Schuldbewusst drehte sich der Osterhase zu ihr um.
„Kommen Sie doch rein und entschuldigen Sie vielmals, dass ich ihre Kinder für meine Arbeit einspanne, aber mir sind sämtliche Malpinsel abhanden gekommen und da kam ihre Hedwig auf die Idee, mir zu helfen. Ein tüchtiges Mädchen übrigens.“
Man kann sich vorstellen, wie stolz Frau Henne war und sie schimpfte auch gar nicht mehr über die Farbe im Gefieder. Wozu gab es denn Pfützen?

© Regina Meier zu Verl

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Als die Küken dem Osterhasen halfen – zum Anhören