Oma Betty und die Saatbomben

Von Oma Betty gibt es mittlerweile schon  einige Geschichten, in dieser Episode bastelt Oma Betty Saatbomben mit ihrem Enkelkind. Es lohnt sich, das einmal nachzumachen, mir hat es jedenfalls viel Freude bereitet, mit Saatbomben zu schießen und dann später viele bunten Blumen vorzufinden. Die Bienen hat’s auch gefreut!

Oma Betty und die Saatbomben
Manchmal hat Oma so richtige coole Ideen. Gerade letzte Woche haben wir beide etwas Spannendes gemacht, Bomben gebaut, Saatbomben. Kennt ihr das?
Oma hatte im Gartenmarkt Sämereien für Wildblumen gekauft und Lehmpulver. Wir haben dann zu Hause Gartenerde mit dem Lehmpulver und den Blumensamen vermischt und ordentlich nass gemacht. Das war beinahe so, wie beim Plätzchen backen vor Weihnachten. Viele kleine Kugeln haben wir aus dem Erde-Ton-Samenteig geformt Das war eine ganz schöne Mantscherei, aber es hat Spaß gemacht.
Die Samenbomben haben wir dann auf der Fensterbank zwei Tage trocknen lassen, durch das Lehmpulver wurden sie ganz hart. Dann kam der spannendste Teil der Aktion, das Verteilen der Bomben im Garten. Überall hin haben wir sie geworfen, waren ja schließlich Bomben. Nun sind wir gespannt, wann wir die ersten Blumen entdecken werden. Oma hat gesagt, dass das etwas dauern wird. Geduld ist nicht so meine Stärke, aber was soll’s, warten wir halt ab.
Einige Kugeln habe ich mir gesichert und mit in die Schule genommen. Dort habe ich sie ebenfalls in die Beete geworfen. Heimlich, damit mich keiner dabei erwischt. Ich weiß nämlich gar nicht, ob man das darf. Egal, alle werden sich wundern, wenn dort demnächst überall Wildblumen blühen und die Bienen, die werden sich freuen. Das ist nämlich der Sinn der Sache. Manchmal kann Nützliches so viel Spaß machen, probiert es doch auch einmal aus.
Ich werde berichten, wann ich die erste Kornblume, Margerite, Kleeblüte oder Ringelblume im Garten entdeckt habe, versprochen!

© Regina Meier zu Verl

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Bildquelle Capri23auto/pixabay

Reizwortgeschichte: Oma Betty und die Wollmäuse

Hut, Schachtel, magisch, ehrfürchtig, knarzen
Das sind die Wörter, die es diesmal zu verarbeiten galt. Bei mir ist eine neue Oma Betty Geschichte draus geworden, wie immer mit viel Wahrheit drin aber auch jeder Menge Fantasie.
Bitte lest auch bei meinen Kolleginnen:
Lore – Lores Märchenzauber
Martina – Von Herz zu Herz Geschichten

Oma Betty und die Wollmäuse

„Oma, was ist denn eigentlich in dieser großen runden Schachtel dort oben auf dem Kleiderschrank?“
Maila war wieder einmal bei Oma Betty zu Besuch und half ihr, die Betten neu zu beziehen. Das machten sie gern zusammen, denn Maila liebte es so sehr, zwischen Oma und Opa im frisch duftenden Bett zu liegen. Als sie gerade auf der Matratze herumhüpfte, sah sie oben auf dem Schrank diesen rosa-weiß gestreiften Karton und schon war die Neugier geweckt.
„Könnte es wohl sein, dass da mein Weihnachtsgeschenk drin versteckt ist?“, fragte sie.
Oma Betty lachte.
„Aber Kind, die Geschenke bringt doch das Christkind, nicht wahr?“
Maila grinste, dabei wurde ihre große Zahnlücke sichtbar.
„Oma, ich weiß genau, dass es ein Christkind gibt, aber die Geschenke, die kommen doch von euch, gib es zu!“
„In dieser Schachtel ist auf jeden Fall kein Geschenk für dich!“, verriet Oma und zog den großen Bezug über das dicke Federbett.
„Für jemand anderen vielleicht?“, wollte Maila wissen.
Oma Betty schüttelte den Kopf. „Auch nicht für jemand anderen!“, sagte sie.
„Oma, nun sag schon. Was ist drin?“ Maila konnte es fast nicht mehr aushalten, so neugierig war sie.
„Lass uns zuerst die Betten fertigmachen. Dann holen wir Opa, denn ich bin zu klein, ich komme gar nicht ran an die Schachtel und ehrlich gesagt: ich traue mich auch nicht!“
„Wieso? Ist da was Gefährliches drin?“ Maila sah ihre Oma mit weit aufgerissenen Augen an.
„Eigentlich nicht, aber neulich, da hat es so komisch geknarzt in der Nacht, vielleicht haben sich Mäuse dort oben eingerichtet. Opa meint, das sei unmöglich, aber ich schwöre, ich habe etwas gehört!“ Oma Betty hatte sehr leise gesprochen, so, als wollte sie nicht, dass die Mäuse hörten, dass sie ihnen auf die Schliche gekommen war. Oh je, das war spannend.
„Soll ich Opa schon holen?“, fragte sie.
„Ja, mach das und sage ihm, dass er die Trittleiter mitbringen soll und verrate nicht, dass ich dir von den Mäusen erzählt habe. Dann sagte er nämlich wieder: Das kann gar nicht sein!“
Maila kicherte. Das war nämlich einer von Opas Lieblingssätzen. Immer wieder kam der zum Einsatz, besonders dann, wenn er keine Lust hatte, sich um etwas zu kümmern, was in seinen Augen Unsinn war.
Wenn aber seine Enkelin um etwas bat, dann fackelte er nicht lange, sondern tat, was sie wollte. Er schnappte sich also die Trittleiter und gemeinsam gingen sie zu Oma ins Schlafzimmer.
„Wo brennts?“, fragte er.
„Gar nicht!“, sagte Oma. „Ich wollte dich bitten, die Schachtel vom Kleiderschrank zu holen und bei der Gelegenheit könntest du kurz Staub wischen da oben, ich komme so schlecht da ran!“, sagte Oma.
Opa stellte die Leiter auf und kletterte hoch. Er schnappte sich die Schachtel und musste prompt niesen, so staubig war es auf dem Schrank. Oma nahm die Schachtel an, wischte sie ab und reichte den Lappen an Opa weiter.
„Oh, oh“, schimpfte er und nieste erneut. „Mäuse, Wollmäuse, jede Menge!“
Oma Betty kreischte und verließ den Raum. Maila, die keine Angst vor Mäusen hatte, wäre am liebsten gleich mit auf die Leiter geklettert und hätte sich die niedlichen Wollmäuse angeschaut.
Opa lachte.
„Mailakind, hol Oma zurück. Es sind keine echten Mäuse, schau!“ Er zeigte Maila einen Knubbel aus Staub.
Oma war längst wieder da. „Igitt!“, rief sie. Da sollte ich mich wohl schämen!“ Sie hatte einen kleinen Eimer mit Wasser und einen frischen Putzlappen mitgebracht und Opa wischte nun den gesamten Kleiderschrank sauber. Das lohnte sich so richtig!
Oma befreite die Schachtel vom restlichen Staub und dann war es endlich so weit. Maila durfte den Deckel abheben.
In der Schachtel lag ein riesiger weißer Hut. „Mein Hochzeitshut“, flüsterte Oma Betty und hob den Hut aus seiner Schachtel.
„Ein Hochzeitshut? Das habe ich noch nie gesehen!“, meinte Maila, betrachtete aber den Hut ehrfürchtig, immerhin war er ja schon alt, mindestens hundert Jahr oder so.
„Setzt du ihn bitte mal auf, Oma!“, bat sie. Doch das wollte Oma nicht, lieber wollte sie Maila Bilder von der Hochzeit zeigen.
„Weißt du, der Hut ist nämlich magisch, wenn man ihn trägt, muss man tanzen, die ganze Nacht lang. So war das jedenfalls bei unserer Hochzeit und jetzt machen das meine müden Gelenke nicht mehr mit!“, versuchte Oma zu erklären.
Opa lachte schallend.
„Ich höre immer „müde Gelenke“, das kann ja wohl nicht sein, oder? Zwei Mal in der Woche gehst du zum Sport, einmal zum Yoga und im Sommer schwimmst du jeden Morgen – von Müdigkeit keine Spur, also setz den magischen Hut auf, mach uns die Freude!“
„Also gut!“ Oma setzte den Hut auf, fing an zu singen, schnappte sich Opa und tanzte mit ihm durchs Schlafzimmer. Und Maila? Die machte mit! Später waren alle drei aus der Puste und ließen sich ins frisch bezogene Bett fallen, aber nur ein Viertelstündchen …

© Regina Meier zu Verl

Oma Betty und das verflixte Biest

Oma Betty und das verflixte Biest

Ich lag gerade so schön mit Opa auf dem Sofa, als plötzlich ein lauter Schrei aus dem Badezimmer zu hören war.
„Ach herrjemine!“, rief Opa. „Oma Betty!“ Er sprang so schnell auf, dass sein Weinglas auf dem Tisch umkippte. Dann rannte er ins Bad, ich hinterher.
„Betty, was ist passiert?“, fragte er durch die geschlossene Tür. Ich wäre ja sofort reingegangen, aber Opa ist eben höflich. Er stört nicht, wenn eine Dame duscht.
„Mich hat eine erwischt!“, kreischte Oma. „Kommt rein, ihr müsst gucken!“
„Wer hat dich erwischt?“, fragte ich aufgeregt. Es konnte doch gar niemand reingekommen sein.
Vorsichtig öffnete Opa die Tür. Oma hatte sich ein großes Badehandtuch umgelegt und sie machte ein sehr verschrecktes Gesicht.
„Hier!“, sagte sie und stellte ihr Bein auf den Badewannenrand.
„Ich sehe nichts!“, sagte Opa. „Philip, hol bitte schnell meine Brille!“
Das war ja mal wieder typisch. Immer wenn es spannend wurde, dann schickte man mich weg. Ich sauste so schnell ich konnte ins Wohnzimmer und hastete dann mit der gewünschten Brille wieder ins Bad.
„Dann lass mich mal gucken!“ Opa setzte die Brille auf und nickte. „Stimmt, da hat dich eine angefallen!“, sagte er. Angefallen? „Ich will auch mal sehen!“, rief ich und schaute mir Omas Oberschenkel genauer an. Dann sah ich sie, eine dicke Zecke hatte sich dort festgebissen. Die hätte Opa nun auch ohne Brille erkennen können. Also wirklich.

„Und jetzt?“, fragte ich. „Müssen wir ins Krankenhaus?“
„Quatsch mit Soße!“, lachte Opa. „Hol den Zeckenhaken, der liegt auf dem Schrank neben dem Hundekörbchen.
Als ich zurückkam, erfolgte die Operation „Zecke“ umgehend. Konzentriert setzte Opa den Haken an und zog. Oma hatte wohl die Luft angehalten, sie war schon ganz weiß im Gesicht. Der Zeckenhaken rutschte ab und die Zecke steckte noch immer in Omas Bein.
„Dieses verflixte Biest!“, kreischte Oma. Opa versuchte es erneut. Es funktionierte, das Tier war raus. Es zappelte noch mit den Beinen und wie es aussah, war es noch vollständig. Das war gut, denn wenn noch etwas in Omas Bein geblieben wäre, das wäre schlecht gewesen.
Oma atmete nun wieder, sie war froh, dass sie den kleinen Vampir los war.
„Ich desinfiziere das ein bisschen und dann ist alles wieder gut!“, sagte sie und schickte uns wieder ins Wohnzimmer zurück. Opa ließ schnell das Weinglas verschwinden, das beim Umkippen kaputt gegangen war und ich wischte die Weinflecken weg, so gut es ging.
Jetzt könnte man meinen, es sei alles gut ausgegangen – stimmt leider nicht. Am nächsten Morgen war Omas Bein geschwollen und es tat ihr weh.
„Morgen gehe ich zum Arzt!“, beschloss sie. Es war ja Sonntag und in die Notaufnahme wollte sie nun auch nicht.
Am Montagmorgen war die Schwellung noch gewachsen, in der Mitte war ein roter Flatschen und außen rum war es weiß und geschwollen. Eine Wanderröte nennt sich das. Hat der Arzt Oma erklärt und ihr eine Medizin verschrieben, die sie nun 21 Tage lang einnehmen muss. Oma gefällt das nicht, aber sie fügt sich und sie schimpft auf diese verflixten Biester jeden Tags aufs Neue. Kann ich verstehen, ihr auch?

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Oma Betty regt sich auf

Oma Betty regt sich auf

Wenn Oma Betty morgens ihre erste Tasse Kaffee getrunken hat, setzt sie die Lesebrille auf und macht sich über die Tageszeitung her.
Liest sie was Nettes, grinst sie, manchmal ärgert sie sich und ab und zu regt sie sich auf. Gestern zum Beispiel!
Ich dachte schon, dass etwas furchtbar Schlimmes passiert ist, noch furchtbarer als die schlechten Nachrichten, über die sich Oma sonst so ärgert. Sie wurde puterrot im Gesicht und atmete ganz schnell.
„Oma, was ist denn los?“, fragte ich vorsichtig, bekam aber keine Antwort. „Soll ich dir ein Glas Wasser holen?“, hakte ich nach, weil sie so heftig schnaufte.
„Wasser?“ Sie schrie es fast, ich bekam es so langsam mit der Angst zu tun.
„Wasser hilft nicht und Schnaps darf ich nicht, du weißt ja, mein Herz! Ich könnte jetzt aber einen gebrauchen!“ Oma nahm die Lesebrille ab, setzte sie wieder auf und las noch einmal das, was sie so aufregte.
„Das kann ja wohl nicht wahr sein!“, schimpfte sie. Dann hielt sie mir die Seite hin, die wohl Anlass für den Ärger war. Eine ganzseitige Werbeanzeige des Kaufhauses in der Nachbarstadt.
„Das machen die doch extra!“, schimpfte Oma Betty.
„Was denn? Ich verstehe nicht …“, warf ich ein, obwohl ich mir wirklich Mühe gegeben hatte, gleich zu erkennen, was denn so schrecklich war.
„Na da!“ Oma klopfte mit der flachen Hand auf die Anzeige. Als ich noch immer nicht reagierte, nahm sie den Zeigefinger und tippte auf einen Topf. So langsam schwante mir, was passiert sein könnte.
„Dein neuer Slow-Cooker?“, fragte ich vorsichtig.
„Genau der! Eine Unverschämtheit ist das, ich sag’s ja, die machen das extra!“
„Aber was denn, Oma?“
„Die verkaufen doch das gleiche Modell für 49 Euro und ich habe letzte Woche 79 Euro bezahlt!“ Oma war jetzt den Tränen nah.
„Aber du hast ihn doch gar nicht dort gekauft, Oma!“
„Nein, habe ich nicht. Ich wollte den unbedingt haben und da bin ich zum Haushaltswarenladen bei uns gefahren, da gab es den für 79 Euro und die Verkäuferin sagte noch, dass es ein Sonderangebot sei!“
Mir fiel nichts ein, was Oma hätte trösten können, also blieb ich lieber still. Plötzlich sprang Oma auf und rannte in den Keller. Mit der Gebrauchsanweisung des neuen Topfes kam sie zurück in die Küche. Diese studierte sie dann ganz genau, las dann noch einmal die Anzeige und endlich entspannten sich ihre Züge.
„Ich nehme alles zurück!“, sagte sie leise.
„Warum?“, wollte ich nun wissen.
„Mein Slow-Cooker ist für fünf Liter ausgerichtet, der in der Anzeige nur für drei Liter!“ Sie strahlte.
„Oma?“
„Ja, was ist denn?“
„Sagst du nicht immer zu mir, dass ich erstmal ganz genau nachdenken soll, bevor ich jemanden beschuldige?“, fragte ich sie und freute mich, dass mir das gerade eingefallen war.
„Das ist ja ganz was anderes …“, sagte sie. „Aber …“
„Aber?“
„Aber du hast doch ein bisschen recht, nein, du hast hundertprozentig recht, entschuldige!“, sagte sie und die Entschuldigung habe ich natürlich angenommen. Auch Omas können sich mal vertun, nicht wahr?“

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Oma Bettys neuer Hut

Oma Bettys neuer Hut

Lausig kalt war es heute und zu allem Überfluss war für den Nachmittag Regen angesagt. So ein Mist! Dabei hatte ich mich schon so auf den Besuch bei Oma Betty gefreut. Wir wollten einen Herbstspaziergang machen und anschließend im kleinen Café am Tierpark einen leckeren Kakao mit Marshmallows trinken. Das konnten wir nun wohl vergessen.
Ich rief Oma an, als ich aus der Schule zurückkam.
„Hallo Oma. Ich bin ganz traurig, wir wollten doch zum Tierpark!“, sagte ich.
„Ja und, was spricht dagegen?“, meinte Oma und mein Herz machte einen kleinen Hüpfer. „Wir ziehen uns schön warm an und ich führe meinen neuen Regenhut aus!“, sagte Oma fröhlich.
„Klasse!“, rief ich ins Telefon. „Wann soll ich kommen?“
„Du weißt doch, erst mein Mittagsschläfchen, dann bin ich zu jeder Schandtat bereit!“
Mama bestand darauf, dass ich nach dem Essen meine Hausaufgaben erledigen sollte. „Dann hast du den Kopf frei und das tut gut!“, behauptete sie und ich fügte mich. Es war dann auch gar nicht schlimm, irgendwie machte mir die Aufgabe heute sogar Spaß, was nicht immer der Fall ist. Wir sollten alles aufschreiben, was wir am Morgen über den Kürbis gelernt hatten. Da ich gut aufgepasst hatte, fiel es mir nicht schwer und als ich dann zu meinem Text noch einen leuchtend orangen Kürbis dazu gemalt hatte, war ich happy. Die Zeit hatte ich völlig vergessen und als Mama in mein Zimmer kam und mich erinnerte, dass ich doch zu Oma wollte, musste ich mich sputen.
Mit dem dicken Pulli, den Oma mir gestrickt hatte, der wetterfesten Jacke und quietschbunten Socken in Gummistiefeln machte ich mich dann auf den Weg zu Oma. Ich sang fröhlich vor mich hin und ließ keine einzige Pfütze aus unterwegs. Ach, es machte so Spaß so richtig mit Schmackes hinein zu hüpfen. Dabei wurde es immer später, aber das würde Oma mir sicherlich verzeihen.
Dreimal hatte ich bereits an der Haustür geklingelt, doch Oma machte nicht auf. Also ging ich ums Haus herum und schaute im Garten nach Oma. Ich hatte sie schon einige Male gerufen, als sich plötzlich hinter dem Komposthaufen ein dicker Fliegenpilz in Bewegung setzte. Das gab’s doch gar nicht, zum einen nicht so dicke Fliegenpilze und schon gar keine, die laufen konnten. Ich wusste das und trotzdem fuhr mir der Schreck in die Glieder. Da, jetzt kam er auf mich zu. Ich wollte weglaufen, aber meine Beine konnten sich nicht rühren. Jetzt rief der dicke Pilz meinen Namen! „Hallo Mila!“, rief er und nochmal: „Hallo Mila!“
„Oh mein Gott! Fliegenpilze sind gefährlich, aber fressen sie auch Großmütter?“, schrie ich.
„Hä? Was ist denn das für eine Frage?“, sagte der Fliegenpilz und lachte laut.
Ich schwöre, dass ich erst in diesem Moment erkannte, dass da meine Oma vor mir stand, leibhaftig, mit ihrem neuen Regenhut – rot, mit weißen Tupfen. Sie trug ihre weiße Regenjacke und Gummistiefel. Den Hut hatte sie tief ins Gesicht gezogen.
Ich habe Oma nicht verraten, dass ich einen Moment lang richtig Angst gehabt hatte und dicker Fliegenpilz habe ich auch nicht zu ihr gesagt, ehrlich.

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Oma Betty erklärt, heute „Schwiegermutter“

Oma Betty erklärt
Heute: Schwiegermutter

„Meine Schwiegermutter“, sagt Oma Betty und drückt auf den Knopf der Kaffeemaschine, „hat sich sogar nachts, wenn sie nicht schlafen konnte, einen Kaffee gekocht und sie hat behauptet, dass sie nach einer Tasse wunderbar einschlafen konnte!“
„Und? Stimmte das?“, will ich wissen, denn Mama sagt immer, dass sie abends keinen Kaffee mehr trinken kann, weil sie dann keine Ruhe findet. Ich darf übrigens aus dem gleichen Grund keine Cola trinken.
„Muss wohl gestimmt haben!“, meint Oma Betty.
„Oma?“
„Ja?“
„Was ist eine Schwiegermutter?“ Ich habe das Wort schon so oft gehört, aber so richtig hinterfragt habe ich das noch nicht.
„Meine Schwiegermutter war die Mutter von deinem Opa!“, erklärt Oma Betty.
„Ach so, meine Uroma, stimmt’s?“ Ich habe sie noch kennengelernt, aber so richtig kann ich mich nicht mehr an sie erinnern.
„Ich bin auch eine Schwiegermutter!“, sagt Oma. „Nun rate mal, wessen Schwiegermutter ich bin!“
„Warte, also du bist ja Mamas Mutter und meine Oma und für meine Kinder würdest du die Uroma sein … ich hab’s, du bist Papas Schwiegermutter!“ Das war eigentlich ganz einfach
„Da hast du das Pferd aber von hinten aufgezäumt!“, lacht Oma und das verstehe ich schon wieder nicht. Wie meint sie das denn nun wieder?
„Das sagt man, wenn man auf Umwegen ans Ziel kommt!“ Ich nicke, verstanden habe ich es noch immer nicht so richtig. Wo war denn da ein Umweg? Jedenfalls weiß ich nun, was eine Schwiegermutter ist. Eines Tages werde ich vielleicht auch eine haben und dann werde ich ihr erzählen, dass die Schwiegermutter meiner Oma nachts immer Kaffee getrunken hat. Man soll ja Erinnerungen wachhalten, oder so!

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Oma Betty sucht den Frühling

Oma Betty sucht den Frühling

„Ich müsste dringend die Fenster putzen“, seufzt Oma Betty. „Geht aber leider nicht!“
„Warum nicht?“, will ich wissen. Es ist doch ganz einfach, die Scheiben zu säubern, habe ich doch auch schon gemacht.
„Der Lappen würde am Glas festfrieren, es ist viel zu kalt!“, erklärt Oma. So richtig unglücklich scheint sie darüber nicht zu sein.
„Ach so!“, sage ich und freue mich insgeheim, denn wenn sie keine Fenster putzt, hat sie mehr Zeit für mich.
„Komm!“, sagt Oma entschlossen. „Wir ziehen uns warm an und machen einen Spaziergang!“
„Das geht leider nicht!“, behaupte ich, ahne aber, dass ich damit nicht durchkommen werde. Ich kenne diesen Blick von Oma zu gut.
„Warum nicht?“, fragt sie auch schon.
„Meine … meine Füße würden auf dem Weg festfrieren!“, versuche ich ihr zu erklären. Oma lacht.
„Dann müssen wir die Füße schön in Bewegung halten, damit das nicht passieren kann!“
„Tut dir denn deine Hüfte heute gar nicht weh?“, frage ich vorsichtshalber. Könnte ja sein, dass Oma das gerade vergessen hat. Wenn ich nämlich mit ihr mal irgendwo hin will, dann sagt sie oft: „Heute nicht, meine Hüfte schmerzt so, es gibt anderes Wetter!“
„Nö, es geht mir ganz gut. Einem Spaziergang steht nichts im Wege!“
Mir fällt nichts mehr ein, deshalb gebe ich mich geschlagen. Wir packen uns warm ein, nehmen Emmy an die Leine und dann marschieren wir los. Es hat ein wenig geschneit in der Nacht. Emmy findet das toll, sie springt wie ein junger Hund durch den Garten und ich finde es plötzlich auch ganz schön. Als wir die ersten Schneeglöckchen im Garten entdecken, ist Oma völlig aus dem Häuschen.
„Guck mal!“, ruft sie fröhlich und zückt ihr Smartphone. „Das muss ich knipsen!“
„Pass auf, dass dein Finger nicht am Display festfriert!“, rate ich ihr, weil ich gerade wieder an die Fensterscheiben denken muss.
„Recht hast du!“ Oma steckt das Handy wieder in die Manteltasche. „Man muss ja auch nicht immer knipsen, wichtig ist, dass wir mit unseren Augen wahrnehmen, dass die Natur sich schon auf den Frühling vorbereitet, nicht wahr?“, sagt sie.
„Und wenn unsere Augen frieren, dann machen wir einfach die Deckel zu, ne?“
„Genau!“, sagt Oma und dann machen wir uns auf, auch außerhalb des Gartens nach dem Frühling zu suchen. Ja, so ist das mit Oma Betty und mir.

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Oma Bettys Tränen und die seligen Geister von Herrn Gluck

Oma Bettys Tränen und die seligen Geister von Herrn Gluck

Manchmal weint Oma Betty. Oft kommt das nicht vor, aber gelegentlich schon. Ich versuche sie dann aufzuheitern und erzähle ihr Witze. Sie lacht aber meist aus Höflichkeit. Das merkt man ja, wenn ein Witz gar nicht so richtig ankommt, entweder weil er nicht richtig witzig ist, oder wenn derjenige, der ihn hört einfach nicht in der Stimmung ist.
Oma Betty ist selten traurig. Ich bin dann sehr betrübt, lieber habe ich die Tränen, die sie vor Freude lacht, oder vor Rührung.
Neulich zum Beispiel, da hat sie so herzlich gelacht, dass dicke Tränen über ihre Wangen kullerten. Das war toll und man kann einfach nicht anders und muss mit lachen, bis einem der Bauch wehtut.
Und die Rührungstränen, die weint sie, wenn etwas ganz besonders schön für sie ist. Als Mila letzte Woche zu ihr gesagt hat, dass sie die allerbeste Oma der ganzen Welt ist, da hat sie auch geweint, vor Freude halt.
Ich habe mir vorgenommen, viel öfter solche Tränen bei Oma Betty hervor zu kitzeln. Sicher tut ihr das gut. Mir auch! Denn ich liebe meine Oma sehr.
Wenn Oma schöne Musik hört, dann kann es auch passieren, dass sie sich das ein- oder andere Tränchen verdrückt. Ihre Lieblingsmusik kenne ich schon sehr gut und deshalb war ich voll begeistert, als ich von meinem Klavierlehrer neulich ein neues Stück bekam, das zu Oma Bettys Lieblingsmusik gehört. Ich glaube, ich habe noch nie so fleißig geübt, wie in dieser Woche.
Ihr hättet ihr Gesicht sehen sollen, als ich ihr das Stück dann vorgespielt habe. Prompt nahm sie ihre Geige aus dem Koffer und hat mitgespielt. Zusammen haben wir dann den Reigen seliger Geister so schön gespielt, dass sogar unser Hund mitgesungen hat. Opa hat es wohl nicht so gefallen, er hat sich schnell in den Garten verzogen. Ist halt nicht so sein Ding, die klassische Musik.
Mein Ding eigentlich auch nicht, aber für Oma kann man das wohl mal machen, nicht wahr? Dieser Herr Gluck hat einfach schöne Musik komponiert, da gibt es nichts zu meckern.
Ich habe mich übrigens total gefreut, dass sie die Geige dazu genommen hat. Das hat sie lange nicht gemacht und wenn mich nicht alles täuscht, dann wird sie nun wieder öfter spielen. Finde ich gut!
Jetzt müssen wir nur noch Mila überreden endlich den Flötenkurs zu besuchen, den sie vom Christkind bekommen hat. Bisher weigert sie sich noch. Aber es wäre doch schön, wenn wir zu dritt musizieren könnten. Vielleicht gefällt’s dann auch Opa!

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Oma Bettys Feenorakel

Oma Bettys Feenorakel

Eine Frau in einem blauen Samtkleid legt den rechten Arm um den Hals eines Einhorns. Sie hat blauschwarze, lange Haare und um sie herum ist ein Leuchten. Die Frau lächelt. Sie schaut aus einer Baumhöhle in die bunte Welt voller Sonnenschein.
„Was macht sie da? Und wer ist sie?“, frage ich Oma Betty. Fasziniert betrachte ich die Karte aus Omas Feenorakel. Morgens ziehen wir beide nämlich immer eine Karte. Gut, nicht immer, aber wenn ich bei Oma bin und da bin ich wirklich gern. Mit Oma ist es nie langweilig.
„Es scheint eine Feenkönigin zu sein!“, sagt Oma. „Schau, sie trägt eine Krone!“
Jetzt sehe ich es auch. Zu ihren Füßen wachsen Pilze, ähnlich wie Fliegenpilze, aber nicht rot mit weißen Tupfen, sondern bunt und in verschiedenen Formen.
„Solche Pilze gibt es ja gar nicht!“, behaupte ich, denn gerade neulich haben wir in der Schule über Pilze gesprochen und verschiedene Arten kennengelernt.
„Das kannst du ja gar nicht wissen.“, meint Oma und betrachtet die Karte noch ein wenig genauer.
„Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen wir nicht einmal etwas ahnen!“
„Meinst du?“, frage ich.
„Weiß ich!“, sagt Oma bestimmt. „Manchmal träume ich von solchen Dingen und wenn es sie nicht gäbe, wo sollten dann meine Träume herkommen?“
Mir fällt ein, was Mama neulich gesagt hat, als sie abends mit Papa in der Küche saß.
„Mutter wird langsam wunderlich!“, hatte sie gesagt und Papa hatte laut gelacht. „Meine Liebe“, hatte er gesagt, „werden wir das nicht alle eines Tages? Ich finde es jedenfalls prima!“
„Dass sie wunderlich wird, oder was?“
„Nein, dass sie so viel Fantasie besitzt und unseren Kindern von einer bunten Welt erzählt. Probleme können sie noch lange genug wälzen!“
Dieses Gespräch habe ich deutlich in Erinnerung und ganz ehrlich: Ich bin froh, dass Oma wunderliche Geschichten erzählt. Ich glaube sogar, dass das meiste von dem, was sie erzählt, wahr ist. Ob es Feen gibt, wie auf Omas Karten, das ist mir gerade piepegal. Ich möchte daran glauben und das ist es, was zählt, oder?

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Oma Betty guckt wie Theo

Oma Betty guckt wie Theo

„Es gibt so Tage“, sagt Oma Betty, „da ist man einfach nicht gut zurecht!“ Sie fährt sich mit den Fingern durchs Haar und versucht, ihre Frisur zu richten. Dabei guckt sie wie Theo. Das ist der Hund des Nachbarn, ein Dackel. Er guckt immer so, als wollte er jeden Moment anfangen zu weinen.
„Mach dir nichts draus, Oma!“, versuche ich sie zu trösten. „Mir geht es auch manchmal so und dann denke ich an etwas Schönes und gleich geht es mir wieder besser!“ Bei mir klappt das meist, wieso sollte es also bei Oma Betty nicht funktionieren?
„Ja, ja, was Schönes!“, flüstert Oma und sie guckt immer noch wie Theo. „Da fällt mir spontan nichts ein!“, behauptet sie und verstrubbelt erneut ihre Haare.
Ich drücke mit dem Zeigefinger auf meine Nasenspitze, so wie Opa das immer macht, wenn er nachdenkt. Er hat vom vielen Denken schon ganz tiefe Furchen auf dem Nasenrücken. Prompt muss ich lachen, Opa macht mir gute Laune.
„Denk mal an Opa!“, rate ich Oma Betty. „Bei mir hilfts!“
Oma grinst, ganz leicht nur, aber ich kann es schon sehen. Zuerst lächeln die Augen, dann erst der Mund und dann das ganze Gesicht. Schließlich lachen wir beide Tränen, es ist so ansteckend, einfach herrlich.
„Hach!“, seufzt Oma. „Das hat gutgetan!“ Sie zieht mich an sich und drückt mich ganz fest. So lange niemand zusieht darf sie das, ich bin nämlich schon groß.
„Weißt du, es gibt so Tage, da braucht man einen, der einen anstupst, damit man nicht vergisst, wie schön das Leben ist!“, sagt Oma und wenn sie Theo wäre, dann hätte sie jetzt mit dem Schwanz gewedelt. Als ich mir das vorstelle, pruste ich schon wieder los. Oma auch, obwohl sie gar nicht weiß, was für ein Bild ich gerade da vor Augen hatte. Macht aber nichts, Hauptsache ist, dass ich sie immer wieder anstupsen kann, wenn es ihr mal nicht so gut geht. Am besten gefällt mir meine Oma Betty nämlich, wenn sie lacht!

© Regina Meier zu Verl

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