Reizwortgeschichte „Das Marienkäferchen in der Schule“

Marienkäfer – Dachboden – wirbeln – nervig – witzig

Das waren die Wörter, die diesmal verarbeitet werden mussten. 

Lest bitte auch bei meinen beiden Kolleginnen:

Lore  schreibt: „Wie ein Marienkäfer zum Glückskäfer wurde

Martina „Glücksmomente zu verschenken“ heißt es bei Martina

Das Marienkäferchen in der Schule

„Ich hatte als Kind einen Marienkäfer aus Blech, den ich hinter mir herziehen konnte. Er lief auf Rädern und öffnete beim Fahren die Flügel – auf und zu, auf und zu. In seinem Inneren konnte man einen Schatz verstecken oder aber ein wenig Proviant, um im Garten spazieren zu gehen!“, sagte Frau Korte. Sie schaute dabei so sehnsüchtig aus dem Fenster, als vermisse sie ihren Marienkäfer noch heute. Die Kinder lachten. Das musste doch ein seltsames Spielzeug gewesen sein, heute packte man seinen Proviant in eine Brotdose und dann in den Rucksack und einen Schatz hatte keines von ihnen. Was war das überhaupt, ein Schatz?
Jonas meldete sich.
„Frau Korte, was für einen Schatz meinen Sie denn? Etwa so ein geheimes Tagebuch oder sowas?“, fragte er.
„Ein Schatz – mmh, das können ganz verschiedene Dinge sein. Etwa ein Schlüssel zu einer Schatzkammer oder aber ein Schmuckstück. Es kann auch ein wertvolles Erbstück sein oder eine verzauberte Haarspange!“, erklärte Frau Korte.
„Das war sicher Ihr Lieblingsspielzeug, Frau Korte, stimmt’s? Wo Sie doch Maria heißen, meine ich!“, sagte Anna-Lena.
„Du meinst den Marienkäfer, oder?“, wollte Frau Korte wissen und als Anna-Lena nickte, bestätigte sie: „Ja, das war mein Lieblingsspielzeug, ich muss doch mal nachschauen, ob ich ihn noch auf dem Dachboden finden kann, dann bringe ich ihn mit, versprochen!“
Entschlossen stand Frau Korte auf. Wie war sie denn jetzt auf das Kinderspielzeug gekommen? Ach ja, sie hatten den Kindern davon erzählen wollen, wie der Marienkäfer zu seinem Namen gekommen war.
„Kann sich denn schon jemand vorstellen, warum der Marienkäfer so heißt?“, fragte sie.
Die Kinder riefen durcheinander und immer wieder hörte man „Gottesmutter Maria“ oder „Heilige Maria“ oder aber „Glückssymbol“.
„Pssst! Nicht alle durcheinander, aber alles was ich hören konnte, war richtig. Natürlich hat Maria etwas damit zu tun. Man sagt, dass sie die kleinen Nützlinge als Geschenk geschickt haben soll!“
Frau Korte machte eine kurze Pause und sah die Kinder aufmerksam an.
„Geschenk?“, rief Jonas. „Tiere darf man doch nicht verschenken und Marienkäfer schon gar nicht, die gehören doch keinem!“
„Deshalb kann Maria sie doch trotzdem verschenkt haben, sie hat uns ja auch Jesus geschenkt, oder?“, wandte Steffi ein. „Außerdem sind Marienkäfer ja ganz doll nützlich, sie fressen Läuse und befreien die Blumen von ihnen und das Getreide, und alles eben. Opa sagt immer, dass Marienkäfer Gold wert sind!“
Kalle, der vor Steffi saß und eigentlich nie so richtig zuhörte, wirbelte herum. „Die fressen Mäuse?“, fragte er.
„Kalle, du musst zuhören! Läuse fressen sie, Läu-se!“, feixte Steffi. „Das ist nicht witzig, Kalle, echt nicht!“
„Das ist nicht witzig, Kalle, echt nicht!“, äffte Kalle Steffi nach. „Du bist nervig, Steffi, echt jetzt!“, fügte er hinzu.
Steffi schwieg beleidigt und Kalle drehte sich wieder nach vorn. Frau Korte erzählte jetzt, dass es noch einige andere Deutungen gab, so schütze der Marienkäfer beispielsweise vor Hexen und Magiern und diene den Menschen deshalb als Glückssymbol.
„Und jetzt wünsche ich mir, dass ihr einen schönen Marienkäfer ins Zeichenheft malt und für morgen schreibt ihr dann drei kurze Sätze über die Bedeutung des Namens dazu!“
Während Steffi sich verstohlen ein Tränchen wegwischte, das sich in ihre Augen gestohlen hatte, flog das kleine Marienkäferchen, das die ganze Zeit auf der Fensterscheibe alles mit angehört hatte auf Steffis Zeichenheft, zum Trost wohl und Steffi freute sich und verriet kein Sterbenswörtchen.

© Regina Meier zu Verl

Die Elfe Sumsinella und der englische Glückskäfer (3)

Die Elfe Sumsinella und der englische Glückskäfer

Sumsinella 3

Die wöchentliche Teestunde mit den Freundinnen war Sumsinella heilig. Ganz gleich, wie viel Arbeit sie hatte, den Mittwochnachmittag hielt sie sich frei.
Auch heute trafen sich die drei, diesmal bei Erdbeerina, die einen leckeren Kuchen gebacken hatte, auf dem frische Walderdbeeren in herrlichem Rot prangten.
„Sieht das köstlich aus!“, schwärmte Sumsinella und leckte sich die Lippen. Sie konnte es kaum erwarten, so ein herrliches Kuchenstück auf den Teller zu bekommen.
„Zum Tee habe ich Kleeblütennektar mitgebracht.“ Sumsinella reichte ihrer Freundin ein Eichelhütchen, das mit einem Birkenblatt abgedeckt und verschlossen war.
„Ich habe auch ein Geschenk!“, rief Niesella, die gerade erst angekommen war. „Schaut mal!“
Sie öffnete ihre Hand, auf der ein Marienkäferchen saß.
„Ach, wie niedlich, ein Zweipünktchen!“, rief Erdbeerina.
Der Käfer hob seine Flügel ein wenig an und krabbelte auf Niesellas Handfläche herum. Er flog aber nicht davon.
„Kann er nicht fliegen?“, fragte Sumsinella.
„Frag ihn doch selbst!“, riet Niesella und lachte.
„Kann er denn reden?“ Erdbeerina war völlig aus dem Häuschen. Ein Marienkäfer, der sprechen konnte war etwas ganz Besonderes. Normalerweise sprachen diese Glückbringerchen nicht mit den Elfen, die sonst mit jedem Waldbewohner reden konnten.
„Hallo du, wie heißt du denn?“, fragte Sumsinella und wartete gespannt auf eine Antwort.
„I am a ladybird!“, sagte der Käfer mit leiser Summstimme.
„He? Was hast du gesagt?“ Die Elfen schauten sich verwundert an. Der Käfer sprach, aber sie verstanden kein Wort.
„I am a ladybird!“, sagte der Zweipunkt jetzt und krabbelte auf Niesellas Mittelfinger, direkt bis an die Spitze. Anscheinend hatte er von dort einen besseren Blick auf die Elfenmädchen, die er nacheinander erstaunt anschaute.
„Was spricht der für eine Sprache?“, rätselte Erdbeerina. „Das klingt ganz fremd!“
Sumsinella tippt sich auf die Brust und sagte mit lauter und deutlicher Stimme:
„Sum-si-nella!“
„Ssummssinella!“, wiederholte der Käfer und Sumsinella klatschte erfreut in die Hände.
„Klasse, er versteht mich.“ Dann deutete sie auf Erdbeerina:
„Erd-bee-rina!“
Der Käfer versuchte es auch:
„Errina …“, sagte er und rollte das R ganz seltsam dabei.
Ach, machte das Spaß, mit dem Käferchen zu plaudern. Schade war aber, dass er scheinbar nur wiederholte und gar nicht verstand, was er da sagte.
Doch der Glücksbote stellte sich auf seine Hinterbeine und tippte sich nun seinerseits auf die Brust.
„Ladybird!“, sagte er laut und deutlich.
„Das ist wohl dein Name, Leedibörd, stimmt’s?“
„Yes, yes, my name is ladybird!“ Ladybird flatterte aufgeregt mit den Flügeln und machte ordentlich Wind.
„I am from England and I speak English!“, erklärte der Käfer.
“Inglisch? Du meinst sicher Englisch, oder?” Niesella war glücklich, endlich wusste sie, woher ihr neuer Freund kam und dabei hatten ihr die beiden anderen Elfen geholfen.
„Dann kommst du direkt aus dem Himmel?“, fragte sie.
Ladybird antwortete nicht und Erdbeerina und Sumsinella sahen die Freundin erstaunt an.
„Wie kommst du darauf?“, fragten sie.
„Na, wenn er Englisch spricht, dann kommt er wohl von den Engeln, woher sonst?“
Das war einleuchtend und jetzt wussten die Freundinnen auch, warum man die Marienkäferchen als Glücksbringer bezeichnete. Sie brachten das Glück direkt von den Engeln. Ja, so war es wohl.
Ladybird krabbelte wieder auf Niesellas Handfläche, pumpte ordentlich mit den Flügeln, nahm Anlauf und startete dann seinen Flug.
„Er kann fliegen! Er kann fliegen!“, rief Niesella und verdrückte ein Tränchen, weil sie doch wusste, dass ihr neuer Freund sie jetzt verlassen würde.
„Bye, bye!“, rief Ladybird und die Elfen taten es ihm nach:
„Bei, bei, kleiner Leedibörd, pass auf dich auf!“

© Regina Meier zu Verl

Ein Glückskäfer zum ersten Schultag

Ein Glückskäfer zum ersten Schultag

Maja saß gerne hinter der Hecke mit dem Säulenobst. Hier konnte sie sich prima verstecken, den Käfern und Schmetterlingen zusehen und Kleeblätter mit vier Blättern suchen. Manchmal hatte sie Glück und fand schon nach kurzer Suche ein Glückskleeblatt. Heute hatte sie sogar Doppelglück. Auf einem vierblättrigen Kleeblatt saß ein Marienkäferchen.
Dieses Glück konnte Maja heute gut gebrauchen. Bald nämlich waren die Ferien zu Ende und sie würde dann auch ein Schulkind sein. Davor fürchtete sie sich aber ein bisschen.
„Du hast es gut, kleiner Käfer“, seufzte sie. „Du musst nicht zur Schule gehen.“
Da musste der Käfer aber gehörig kichern. „Hihihihi!“, lachte er. „Du glaubst, wir haben keine Pflichten? Wo sollen wir das Glück herbringen, wenn wir diesen Job nicht zuvor erlernten?“
Maja staunte. „Entschuldige“, sagte sie. „Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Es gibt also nicht nur Baumschulen, sondern auch Käferschulen?“
Ihr gefiel das, warum sollten auch nur Menschenkinder in die Schule gehen?
„Hat dir die Schule auch Angst gemacht?“, fragte sie vorsichtig. Dann erzählte sie dem Käfer von ihren Träumen, in denen es in der Schule immer sehr wild zuging und streng und gar nicht nett. So wie es ihr Pelle und Frieder aus der Nachbarschaft erzählt hatten.
„Ach was!“ Der Käfer lachte. „Deine Freunde erzählen Blödsinn. Schule macht Spaß. Und ich habe da auch gleich eine Idee: Du kommst einen Tag lang mit mir in meine Schule, dafür begleite ich dich am ersten Schultag.“
Hm. Maja überlegte. Keine schlechte Idee. Wer hatte schon einen Glückskäfer als Begleiter?
„So machen wir es“, sagte sie, „und weißt du was, ich freue mich schon darauf. Auf deine Schule.“
„Also gut, dann treffen wir uns in einer Stunde hier. Ich habe noch etwas zu erledigen.“ Der Glückskäfer flog davon.
„Maja! Maja!“, hörte Maja da eine Stimme rufen. Es ist Mamas Stimme.
Sie öffnete die Augen. War sie hier doch glatt eingeschlafen.
„Glückskäfer! Wo bist du?“, flüsterte sie.
Der kleine Käfer aber war verschwunden. Oder hatte sie die Begegnung nur geträumt? Egal. In Majas Gedanken aber war er noch da und als sie am ersten Schultag mit ihrem neuen Ranzen und der Schultüte vor dem Schulhaus stand, saß da plötzlich ein kleiner Marienkäfer auf ihrer Schulter.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl


Glückskäfer, Bildquelle © analogicus/pixabay