Mäusefreundinnen (Reizwortgeschichte)

Praline – Glas – zittern – kunterbunt – beliebt

Das waren die Wörter, die diesmal verarbeitet werden mussten. Schaut auch bitte bei

Martina, was ihr zu den Wörtern eingefallen ist. Soweit ich weiß, setzt Lore noch einmal aus, wird aber beim nächsten Mal, am 15.8. wieder dabei sein!

Mäusefreundinnen

Die kleine Maus Krümel hatte ihr behagliches Nest unter der dichten Lorbeerhecke verlassen. Weit draußen, auf der Obstwiese schnupperte sie an einem Apfelkitsch, den wohl jemand achtlos weggeworfen hatte. Welch ein Glück für die Maus. Krümels winzige Nase bebte und die feinen Barthaare zitterten vor Aufregung. Mit den Pfoten ergriff sie geschickt einen Apfelkern und knabberte genüsslich daran. Einen weiteren Kern verputzte sie und einen dritten wollte sie ihrer Freundin Minny mitbringen. Die würde sich freuen. So flitzte Krümel mit dem Kern zwischen den Zähnen nach Hause, legte ihren Schatz in das winzige Glas im Nest, das sie einmal gefunden hatte und mühsam ins Heim geschleppt hatte. Dann machte sich gleich noch einmal auf den Weg, um einen weiteren Apfelkern einzusammeln.
Als sie aber zurück zur Wiese kam und durch das lange Gras trippelte, um den Apfelrest wiederzufinden, sah sie gerade noch, wie eine dicke Katze gebeugt durch die Wiese schlich. Im nächsten Moment sprang sie auf etwas zu und dann gab es ein Gequieke und Geschrei und – glücklicherweise – konnte ein anderes Mäuschen entwischen.
Unserer Maus Krümel allerdings war der Schreck dermaßen in die Glieder gefahren, dass sie keine Lust mehr auf Apfelkerne hatte und sich schleunigst auf den Weg ins Nest machte. Dort saß sie nun mit ihrem Apfelkern, der ihr so begehrenswert wie eine feine Praline erschien. Das Wasser lief ihr im Mäulchen zusammen, aber sie beherrschte sich. Schließlich hatte sie den Kern für ihre Freundin Minny mitgebracht. Vielleicht könnte sie aber auch den Kern verzehren und dafür einen kunterbunten Blumenstrauß für ihre Freundin pflücken, dachte sie. Aber das war wohl nicht ganz das gleiche, einen Kern konnte man essen und sie selbst hatte sogar zwei Kerne genießen können. Es war nicht gerecht, dass sie Minnys Kern auch noch vertilgte. Sie wäre eine schlechte Freundin gewesen.
Nach dem Mittagsschlaf machte sich Krümel auf den Weg, ihre Freundin zu besuchen. Sie huschte in deren Nest und ließ den Apfelkern vor Minny fallen.
„Bitte schön, der ist für dich!“, sagte sie und Minny machte sich sogleich über ihr Geschenk her.
„Danke schön, das tat gut!“, sagte sie noch schmatzend. „Apfelkerne geben Kraft, das habe ich heute am eigenen Leib erfahren!“
„Ja? Was ist denn passiert?“, wollte Krümel wissen.
„Ich wäre fast von der dicken Katze erwischt worden, ich konnte im letzten Moment entwischen, ich habe mich mit Händen, Füßen und Gequieke gewehrt und es hat funktioniert, ich konnte entwischen.“
„Das ist wunderbar! Aber, was haben denn die Apfelkerne damit zu tun?“, fragte Krümel.
„Ich hatte gerade genüsslich meinen fünften Apfelkern verzehrt, als die böse Katze auf mich zukam. Ich hatte nämlich einen Apfel im Gras gefunden und kam gut an alle fünf Kerne heran, mmmh, die waren lecker!“, erklärte Minny.
„Wolltest du gar keinen Kern für mich mitbringen? Nicht einen einzigen?“, fragte Krümel enttäuscht.
„Oh“, rief Minny, und dann noch einmal: „Oh, das tut mir leid und du hast recht, ich hätte dir einen Kern mitbringen sollen. Ich bin eine schlechte Freundin!“, jammerte sie.
Krümel wehrte ab. „Ist schon gut, wichtig ist, dass dich die Katze nicht erwischt hat!“, sagte sie, aber so ein ganz kleines Bisschen tat es doch weh im Bauch, dass Minny gar nicht an sie gedacht hatte.
Ein paar Tage später, Krümel kam gerade von einem Besuch bei ihrer Cousine Amie zurück, fand sie in ihrem Glas fünf herrlich schwarze, glänzende Apfelkerne. Sofort dachte Krümel an Minny und sie glaubte, dass nur sie die beliebten Kerne dort hineingelegt haben konnte. Bevor sie also nur ein einziges Kernchen verzehrte, lief sie zu Minny hinüber, um sich zu bedanken. Die kam ihr aber schon auf dem halben Wege entgegen und hatte das gleiche Anliegen, denn auch sie hatte fünf Apfelkerne vorgefunden.
„Wie, du warst das nicht?“, fragte Krümel ungläubig.
„Nein wirklich nicht und du? Warst du das auch nicht?“, wollte Minny wissen.
„Hey Mädels!“ Das war die Stimme von Feli. „Habt ihr mein Geschenk gefunden?“
Minny und Krümel sahen sich an. „Wir sind schlechte Freundinnen!“, flüsterte Minny und Krümel nickte zustimmend. Keine von beiden hatte an Feli gedacht. Sie schämten sich und nahmen sich vor, demnächst besser auf die Freundinnen zu achten und an sie zu denken, wenn es etwas zum Teilen gab. Ganz fest nahmen sie es sich vor und wie ich gehört habe, klappte das auch.

© Regina Meier zu Verl

Das mutige Mäuschen Martha

Das mutige Mäuschen Martha

„Ich muss das schaffen, irgendwie!“
Martha saß hoch oben auf einem Baum. Ihre feinen Barthaare zitterten vor Aufregung und der Hunger war groß. Deutlich hatte der kleine Mäusemagen geknurrt, so laut, wie das bei einer winzigen Maus eben möglich ist.
Mit ihren zierlichen Vorderpfötchen versuchte Martha den Ring zu greifen, der dort für die Vögel aufgehängt worden war. Die Meisen hatten sich schon reichlich daran bedient. Aber für sie, Martha, musste es doch auch möglich sein, ein Stück vom Körnerkuchen zu erhaschen.
Sie schnupperte und sah sich noch kurz um. Die Luft war rein, sie musste es nun wagen. Mit den Hinterfüßen stieß sich Martha beherzt von dem Zweig ab, auf dem sie gesessen hatte und klammerte sich dann mit allen Vieren am Meisenring fest. Geschafft!
Aber, ach du liebe Güte, wie sehr dieses Ding schaukelte. Da konnte einem übel werden und die Lust auf einen Snack vergehen. Martha schloss die Augen und versucht, sich nicht zu bewegen. „Ganz ruhig bleiben, Martha!“, dachte sie und sehnte sich nach ihrem Nest, in dem sie sich, wenn sie hier lebend davonkam, an ihren Mann kuscheln würde, ganz fest, Ja, das würde sie machen!
Doch zuerst musste sie dieses Abenteuer heil überstehen.
Langsam beruhigte sich der Ring, er schaukelte nur noch ganz sanft. Vorsichtig öffnete Martha ein Auge, dann das andere. Vor sich sah sie leckere Körner, eingehüllt in wohlriechendes Kokosfett. Zaghaft knabberte Martha an dem köstlichen Fett. Das war ein Träumchen und so lecker, unglaublich, dieser Genuss. Immer mutiger werdend schlug sich die kleine Mäusedame den Bauch voll und dass da eine Blaumeise im Landeanflug war, die laut zeterte, war eigentlich ganz gut. Warum? Na, weil Martha sich einfach auf die Erde plumpsen ließ und in Windeseile flüchtete. Ihr war glücklicherweise nichts passiert. Hätte sie darüber nachgedacht, dann hätte sie sich das niemals getraut.
© Regina Meier zu Verl

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Bildquelle Seaq68/pixabay

Ferdinand hat Kummer

Ferdinand hat Kummer

unter dem Text auch zum Anhören

„Ich verstehe gar nicht“, sagte die Maus Roselies ihrer Freundin Netti, als sich die beiden bei einem Spaziergang trafen, „dass da nicht früher jemand darauf gekommen ist!“
Netti kicherte.
„Wir sind eben ganz besonders kluge Mäuse!“, sagte sie und setzte ein wichtiges Gesicht auf.
„So klug könnt ihr nicht sein, wenn ihr so sorglos durch die Gegend lauft.“
Sie sahen nach oben, wo Meridith, das Eichhörnchen auf einem Ast saß, eine Nuss zwischen den Pfoten.“
„Warum sagst du so etwas?“, empörte sich Roselies.
„Weil der Kater Balduin euch im Visier hat und gerade dort hinten angeschlichen kommt. An eurer Stelle würde ich mich sputen.“
„Ha!“, kicherte Netti.
„Der kann uns bald gar nichts mehr anhaben, das garantier ich dir!“
Trotzdem verschwanden die beiden Mäusemädchen blitzschnell, denn sie wollten nicht riskieren, dass der Balduin sie zum Abendbrot verspeiste. Demnächst könnte er ihnen nichts mehr anhaben, sie hatten nämlich einen Plan! In der dicken Eiche gab es ein verlassenes Vogelnest, das sich ganz wunderbar als Ferienwohnung eignete. Dort wollten die beiden einziehen und es sich so richtig gut gehen lassen.
Aber zuerst wollten sie etwas fressen, ihre kleinen Bäuchlein knurrten schon recht verärgert.
„Wir könnten doch unseren Freund Ferdinand Dickerle besuchen, so verfressen wie der ist, hat er bestimmt was Leckeres zuhause.“ schlug Netti vor.
„Ja, aber nenne ihn um Himmels Willen nicht Dickerle. Diesen Spitznamen mag er gar nicht. Er wird dann sehr wütend und lädt uns sicher nicht zum Essen ein. Außerdem ist er nicht fett sondern nur etwas korpulent.“
Netti lacht über das komische Wort, das sie noch nie gehört hatte, es klang irgendwie … korpulent.
„Ich schlage vor, wir nehmen ein kleines Präsent mit, was meinst du?“, fragte sie Netti. Die schaute sie mit ihren Knopfaugen an und staunte.
„Schon wieder ein neues Wort. Was ist denn ein Präsent?“
Roselies verdrehte die Augen, Ihre Freundin war doch manchmal sehr ungebildet.
„Ein Präsent ist ein Geschenk, das man mitbringt, wenn man einen Besuch macht.“
„Was du alles weißt!“
„Naja“, meinte Roselies bescheiden, „meine Familie lebte im Haus eines Professors und da bekommt man so einiges mit.“
„Was denkst du, über was würde Dick,,, oh pardon, Ferdinand sich freuen?“
Roselies krauste das Näschen und überlegte angestrengt.
„Keine Ahnung! Es sei denn, wir pflücken ein paar Blümchen. Aber freut sich ein Mann über Blumen?“, meinte Roselies.
„Warum eigentlich nicht!“ Netti fand den Vorschlag nicht schlecht, außerdem standen ja hier Blumen genug herum, da kam es auf ein paar mehr oder weniger gar nicht an.
„Du Netti, wir verraten dem Ferdinand aber nichts von unserem Plan, nicht wahr? Sonst will der noch mitmachen und dafür ist er nun wirklich zu … korpulent!“
„Nein und außerdem sehr sportlich und schnell ist er auch nicht. Der würde es gar nicht bis in unsere Ferienwohnung schaffen. Schade, das würde ihm auch gefallen.“
„Ach Unsinn, außerdem ist das allein unser Plan, so war es abgemacht und basta. Sieh mal die Gänseblümchen da drüben, die sind doch schön.“
Netti kicherte.
„Hoffentlich glaubt er nicht, es wäre etwas zum Fressen!“
Bald hatten sie beide einige Gänseblümchen gepflückt und machten sich auf den Weg zu Ferdinands kleiner Höhle.
Gerade wollten sie eintreten, als sie Ferdinands Stimme hörten. Offensichtlich hatte er Besuch. Er schimpfte laut: „Geh nur, lass mich ruhig hier allein, mir ist schon alles egal! Ich weiß, dass mich niemand mag!“
Betroffen ließen Netti und Roselies die Gänseblümchen fallen. Was war denn da los? So hatten sie „ihren“ Ferdinand noch nie erlebt.
Vorsichtig näherten sie sich. Ferdinand stand mit hochrotem Gesicht vor einer zierlichen Maus, deren Barthaare zitterten und aus deren schwarzen Knopfaugen Tränen kullerten.
„Was ist denn hier los?“
Ferdinand drehte sich zu Netti und Roselies herum und nun richtete sich seine ganze Wut auf diese beiden.
„Was wollt ihr denn, kommt wohl wieder zum Essen schnorren, ja dazu ist das fette Dickerle gut genug. Keiner mag mich wirklich, alle wollt ihr mich nur ausnutzen!“
„Das stimmt doch gar nicht!“, rief Netti und Roselies sammelte schnell die Gänseblümchen auf und reichte sie dem Freund.
„Schau, wir wollten dir einen Blumenstrauß bringen! Das ist doch nett von uns, oder?“
Trotzdem hatten die beiden Mäusemädchen Bauchschmerzen, wegen des schlechten Gewissens, das da im Bauch rumorte. Das fühlte sich gar nicht gut an.
Der Mäuserich betrachtete verächtlich die Blumen und deutete spöttisch in den Hintergrund der Höhle.
„Holt euch was zum Essen, dafür seid ihr ja wohl zu mir gekommen!“
Wütend rannte er aus seinem Zuhause.
„Wir müssen ihm nach, hoffentlich macht er keine Dummheiten!“ rief das kleine Mäusefräulein ängstlich.
„Wer bist du denn eigentlich?“ wollte Netti wissen.
„Lass Sie!“, rief Roselies. „Komm lieber, wir müssen den Ferdinand einholen!“
Sie rannten, so schnell ihre kleinen Beinchen das zuließen ins Freie und hatten Glück. Ferdinand war noch nicht weit gekommen. Im Nu hatten sie ihn eingeholt.
„Was ist denn nur mit dir los heute?“, fragte Netti, als sie wieder zu Atem gekommen war. Roselies war still, sie strich dem Ferdinand liebevoll übers Nackenfell.
Der ließ sich das gefallen, aber er schwieg.
„Ferdilein“, drängte Netti ihn. „Nun sag doch was!“
„Geht nicht“, stammelte Ferdinand. „Dann heule ich gleich und ein Mann heult nicht!“
Roselies lächelte ihn freundlich an und gestand ihm dann;
„Ferdinand, es stimmt, wir haben uns hinter deinem Rücken oft lustig gemacht und haben wir deine Gutmütigkeit ausgenutzt, aber das war nicht böse gemeint, nur etwas gedankenlos. Denn wir haben dich wirklich gern!“
„Ist das auch wahr?“ fragte der Mäuserich zweifelnd.
Netti trat neben ihre Freundin und bestätigte:
„Ja das ist wahr, wir haben dich wirklich gern, auch wenn wir es nicht immer zeigten. Aber nun erzähle uns deinen Kummer. Wir wollen jetzt für dich da sein, wie du es immer für uns warst.“
Ferdinand wurde rot.
„Ich habe mich verliebt.“
„In die Kleine, die bei dir war?“
„Ja, Putzi heißt sie und sie ist ja auch so lieb und putzig,“ schwärmte er.
„Doch heute hat sie mir gesagt, dass ich nicht mehr kommen darf, denn ihr Vater und ihre Brüder haben es verboten.“
Und nun liefen ihm wirklich die Tränen herunter.
Die beiden Mäusemädchen weinten mit ihrem Freund und es dauerte gar nicht lange, da gesellten sich jede Menge Waldbewohner zu ihnen und als alle sie fertig waren mit Weinen, da schmiedeten sie einen Plan.
„Ich schlage vor“, sagte der Fuchs, „ich rede mal mit dem Familienvorstand der kleinen Putzi!“
„Sind Sie verrückt?“, kreischte Netti.
„Wir hier wissen, dass Sie Vegetarier sind, aber Putzis Familie weiß das nicht. Die haben Angst vor Ihnen!“
Nun redeten sie alle durcheinander und bemerkten nicht die kleine etwas korpulente Mäusedame, die sich zu ihnen gesellt hatte.
Aus gutmütigen klugen Augen betrachtete sie die aufgeregte Gesellschaft.
„Hallo?“ Keiner beachtete sie.
„Hallo!“ Ihre Stimme wurde nun lauter, schließlich hatte sie fünf Kinder und gelernt sich durchzusetzen.
Die Waldbewohner drehten sich erschrocken um.
„Na also, geht doch,“ murmelte die Maus und trippelte zu Ferdinand und betrachtete ihn sehr aufmerksam.
Dann lächelte sie zufrieden.
„Du gefällst mir, ich würde dich gerne in meiner Familie willkommen heißen.“
„Wer, wer sind sie denn?“ stammelte der Mäuserich.
„Ich bin Putzis Mutter!“
Ferdinands Augen wurden immer größer. War das wirklich passiert? Putzis Mutter wollte ihn in der Familie begrüßen? Unglaublich, aber wunderschön!
„Das … Das möchte ich auch gern!“, stammelte er und alle Waldbewohner applaudierten, sogar die Spinne Cordula, die dafür kurz die Fliege loslassen musste, die sie in ihrem Netz gefangen hatte. Dass diese entkommen konnte, setzte dem Tag das I-Tüpfelchen auf, oder nicht?

© Regina Meier zu Verl

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Ferdinand ist doch ein hübscher Kerl, oder?

Hier kannst du dir die Geschichte anhören: 

 

Ferdinand hat Kummer – zum Anhören