Lebensdrabble 24 – Philodendron und Fransen

Ich hatte ehrlich gedacht, ich mache meiner Mutter eine Freude, wenn ich die hässlichen Luftwurzeln der großen Philodendron Pflanze abknibbele. Ich fand jedenfalls, dass sie so viel schöner aussah. Mama fand das nicht, sie liebte ihr Philodendron. Auch der Pflanze gefiel es nicht, sie reagierte nach ein paar Tagen mit gelben Blättern, die Pflanze. Mama war direkt beleidigt, auch, weil das nicht die einzige wohlgemeinte Hilfe war an diesem Tag. Elke und ich hatten feinsäuberlich die Teppichfransen im Wohnzimmer teils geflochten, teils verknotet. Mann, war das eine Arbeit gewesen und dann dieser Undank! Ich mag heute weder Teppichfransen noch Philodendren.

100 Wörter

Lebensdrabble 22 „Mareili im Märchenwald“

In der Schule probten wir ein Theaterstück „Mareili im Märchenwald“. Ich wurde Dornröschen. Wie jedes Mädchen freute ich mich, eine Prinzessin sein zu dürfen. Meine Mutter gestaltete mein Kostüm, das aus einem rosa Nachthemd bestand, auf das rote Rosen aus Krepp-Papier aufgenäht waren. Rote Schuhe und eine Krone aus Pappe rundeten das Bild ab. Was gäbe ich für ein Foto aus dieser Zeit, gibt es aber leider nicht. Es war 1962, da fotografierte man nicht wild in der Gegend rum, sondern musste jedes Foto gut bedenken. Die Schuhe waren zu groß, man behalf sich mit Toilettenpapier, das vorn reingestopft wurde.

100 Wörter

Lebensdrabble 21 „Wer sich die Musik erkiest“

Wir sind eine musikalische Familie. Beide Eltern spielten Klavier, es lag nahe, dass ich Klavierunterricht bekommen sollte. Mit Mama klappte das nicht gut, mit Papa aber auch nicht, weil der einfach zu wenig Zeit hatte. Also beschloss die kleine Regina, ein anderes Instrument zu erlernen, eines, das die Eltern nicht konnten und somit auch nicht dazwischen reden würden. Eine Geige musste her. Die fand sich auf dem Dachboden eines guten Freundes meiner Eltern und wurde für mich restauriert. Mein Bruder wollte auch, deshalb teilten wir uns das Instrument eine Weile. Darauf komme ich noch zurück, 100 Wörter reichen hier nicht!

100 Wörter

Lebensdrabble 20 „Stilles Örtchen“

Stilles Örtchen

Wir wohnten in einer Werkswohnung. Diese war sehr geräumig und es gab einen großen Balkon. Unsere Küchentür, sowie das Wohnzimmerfenster der Nachbarn führten auf den Balkon. Und: das Fenster der gemeinsamen und zunächst einzigen Toilette. Nun waren wir fünf Personen, die Nachbarn vier Leute. Und wenn alle mal aufs Klo mussten, dann konnte man sich keine langen Sitzungen erlauben. Die Klobrille wurde praktisch nicht kalt. Ich erinnere mich, dass ich einmal im Toilettenraum war, die Tür abschloss und dann aus dem Fenster auf den Balkon stieg und verschwand. Die Schlange vorm Klo löste sich erst, als jemand meine „Schandtat“ bemerkte.

100 Wörter

Lebensdrabble 18 „Haarträume“

Jedes Mädchen träumt den Traum von langen Haaren. Ich auch, besonders, weil meine Mutter meinte, meine Haare seien zu dünn, zu verwirbelt. Ein wenig stimmte das, trotzdem trage ich meine Haare heute eher lang als kurz und fühle mich damit sehr wohl. Heute gibt es sogar, ich benutze sie nicht, Extensions. Damals gab es stattdessen Pelzmützen mit langen Bindebändern dran, wenn man die nicht zuband, sondern offen hängen ließ, dann sah das aus, als habe man lange Haare. Himmel, waren wir schick! Alternativ nutzten wir Strickröcke, die man auf dem Kopf tragen konnte, die „Ersatzhaare“ gingen dann bis zum Po.

100 Wörter

Lebensdrabble 17 „Zu Besuch in der Hundehütte“

Zu Besuch in der Hundehütte

„Braves Hündchen!“, soll ich gesagt haben, als ich mich, ungefähr vierjährig, in die Hütte des angeketteten, sehr gefährlichen Schäferhundes begeben hatte, um ihn mit meiner Liebe zu überschütten. Der Hund gehörte zu der Gaststätte. Ich selbst kann mich daran nicht mehr erinnern, aber Mama erzählte, dass ihr fast das Herz stehen geblieben ist, denn alle hatten furchtbare Angst vor dem Hund. Mit leisen Worten versuchte man mich dann aus der Hütte zu locken, was erst nach langem Hin und Her gelang. Mit hat’s da wohl gefallen. Angst vor fremden Hunden habe ich erst später entwickelt, hält sich aber in Grenzen.

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Lebensdrabble 16 „Papa lässt die Leute tanzen“

Papa lässt die Leute tanzen

Mein Vater machte an den Wochenenden Tanzmusik. Damit besserte er das Familieneinkommen auf. Es hieß aber für uns, dass wir am Samstag und am Sonntag leise spielen mussten, weil Papa den versäumten Schlaf nachholen musste. Früher gingen Hochzeiten noch über den ganzen Tag, dann spielte meine Mutter nachmittags ein paar Stunden Klavier zur Unterhaltung und am Abend kam dann Papa mit seiner „Kapelle“ zur Ablösung. Waren sie mal beide unterwegs, passte Tante Strothmann auf uns auf. Sie war für uns Kinder wie eine dritte Oma. Die beiden anderen Omas wohnten in Bielefeld und konnten nicht mal eben auf uns achten.

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Lebensdrabble 15 „Das weiße Eheschlafzimmer“

Das weiße Eheschlafzimmer

Ein Nachbar hatte für Schwesterchen Elke und mich ein „Eheschlafzimmer“ gebaut, weiß lackiert. Ehebett, Kleiderschrank, Frisierkommode und zwei Nachschränkchen gehörten dazu. Mein Bruder hatte ein eigenes Zimmer, wollte aber nicht da schlafen, sondern bei uns in der Mitte. Wir wehrten uns gern dagegen, aber Uwe gewann meist und lag dann selig in der Besucherritze. „Gina, erzählst du uns eine Geschichte?“, bat er, und ich erzählte. Immer aus dem Kopf und immer lustig. Wir lachten und kicherten um die Wette, bis unsere Mutter Einhalt gebot und wir leise weitermachten. So kommt es, dass ich schon mein ganzes Leben lang Geschichten erzähle.
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Lebensdrabble 14 „Tauschbilder“

Tauschbilder


Wie alle Mädchen sammelte ich Tauschbilder. Diese niedlichen, kitschigen, bunten Bildchen, die man als Bogen kaufen konnte und dann sorgfältig ausschnitt. Sie wurden in leeren Pralinenschachteln aufbewahrt und mindestens einmal wöchentlich besuchte ich meine Freundinnen Anne und Waltraud mit der Schachtel unterm Arm. Ich war gespannt, ob es doppelte bei ihnen gab, die ich gegen meine doppelten Bilder eintauschen konnte. Doch nicht nur die Bildchen, auch die Pralinenschachteln waren Schätze, denn nur selten kam ich in den Genuss, eine zu ergattern. Später sammelte ich Modebilder. Noch heute überlege ich, wenn ich mal eine geschenkt bekomme, was ich darin sammeln könnte.


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Lebensdrabble 13 „Schneeweißchen und Rosenrot“

Schneeweißchen und Rosenrot

In unserer Viermädelsgruppe der Grundschule waren Heidi und Anke, die von unserer Lehrerin Schneeweißchen und Rosenrot genannt wurden, Marianne, die immer feine Schürzen über ihrer Kleidung trug und ich, die so langsam schrieb, weil ich die Buchstaben mit Hingabe auf Tafel und Papier malte. Oft wurde ich geneckt deswegen, das störte mich aber nicht. Wir verbrachten die Pausen miteinander, luden uns auch gegenseitig zu unseren Kindergeburtstagen ein.
Es machte Spaß, mit den Mädchen zu spielen und noch heute haben wir Kontakt. Ich finde das sehr bereichernd. Vor zwei Jahren trafen wir auch einige von den anderen bei unserer goldenen Konfirmation.

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