Oma Betty guckt wie Theo

Oma Betty guckt wie Theo

„Es gibt so Tage“, sagt Oma Betty, „da ist man einfach nicht gut zurecht!“ Sie fährt sich mit den Fingern durchs Haar und versucht, ihre Frisur zu richten. Dabei guckt sie wie Theo. Das ist der Hund des Nachbarn, ein Dackel. Er guckt immer so, als wollte er jeden Moment anfangen zu weinen.
„Mach dir nichts draus, Oma!“, versuche ich sie zu trösten. „Mir geht es auch manchmal so und dann denke ich an etwas Schönes und gleich geht es mir wieder besser!“ Bei mir klappt das meist, wieso sollte es also bei Oma Betty nicht funktionieren?
„Ja, ja, was Schönes!“, flüstert Oma und sie guckt immer noch wie Theo. „Da fällt mir spontan nichts ein!“, behauptet sie und verstrubbelt erneut ihre Haare.
Ich drücke mit dem Zeigefinger auf meine Nasenspitze, so wie Opa das immer macht, wenn er nachdenkt. Er hat vom vielen Denken schon ganz tiefe Furchen auf dem Nasenrücken. Prompt muss ich lachen, Opa macht mir gute Laune.
„Denk mal an Opa!“, rate ich Oma Betty. „Bei mir hilfts!“
Oma grinst, ganz leicht nur, aber ich kann es schon sehen. Zuerst lächeln die Augen, dann erst der Mund und dann das ganze Gesicht. Schließlich lachen wir beide Tränen, es ist so ansteckend, einfach herrlich.
„Hach!“, seufzt Oma. „Das hat gutgetan!“ Sie zieht mich an sich und drückt mich ganz fest. So lange niemand zusieht darf sie das, ich bin nämlich schon groß.
„Weißt du, es gibt so Tage, da braucht man einen, der einen anstupst, damit man nicht vergisst, wie schön das Leben ist!“, sagt Oma und wenn sie Theo wäre, dann hätte sie jetzt mit dem Schwanz gewedelt. Als ich mir das vorstelle, pruste ich schon wieder los. Oma auch, obwohl sie gar nicht weiß, was für ein Bild ich gerade da vor Augen hatte. Macht aber nichts, Hauptsache ist, dass ich sie immer wieder anstupsen kann, wenn es ihr mal nicht so gut geht. Am besten gefällt mir meine Oma Betty nämlich, wenn sie lacht!

© Regina Meier zu Verl

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Bildquelle Brummeier/pixabay

Wolkenlachen und Sonnenstrahlgeflüster

Wolkenlachen und Sonnenstrahlengeflüster

Die Geschichte wurde von Tanja Esche vertont – es lohnt sich, die Aufnahme anzuhören, sie macht das wirklich super. Folgt bitte dem Link KLICK

Ein kleiner Sonnenstrahl hatte sich mit vielen anderen seiner Art versammelt. Gemeinsam planten sie, den Menschen auf der Erde einen sonnigen Tag zu schenken. Aber es gab ein Problem, ein recht dickes Problem sogar. Besser gesagt, eine dicke Wolke.

„Geh zur Seite, dicke Wolke!“, wisperten die Sonnenstrahlen. Die Wolke hörte das nicht, denn die Sonnenstrahlen waren ja klein und ihre Stimmen drangen nicht bis zu ihr durch. Doch unermüdlich versuchten es die Sonnenstrahlen weiter, zuerst freundlich:

„Würden Sie bitte verschwinden, Wolke, wir möchten gern zur Erde strahlen!“, riefen sie im Chor. Nichts tat sich, im Gegenteil, die Wolke hatte wohl eine Freundin eingeladen, die sich nun zu ihr gesellte und mit ihr plauderte.

„Meine Damen, halten Sie doch ihren Plausch bitte woanders!“, rief einer der Sonnenstrahlen. Die Wolkendamen ließen sich aber nichts anmerken, oder hatten sie es wieder nicht gehört?

Nun wurden die Sonnenstrahlen ungeduldiger und prompt vergaßen sie ihre Höflichkeit.

„Weg da! Sofort!“, riefen sie so laut sie eben konnten. Das brachte aber auch keinen Erfolg.

„Wir müssen uns etwas überlegen“, meinte der kleinste der Strahlen. „Ich habe eine Idee!“

Die anderen lachten. Dieser Winzling war doch ein Neunmalklug. Sie konnten sich nicht vorstellen, wie man die dicken Wolken dazu bewegen könnte, vom Himmel zu verschwinden. Höflich ging es nicht und mit Geschimpfe auch nicht.

„Na, dann schieß mal los!“, sagten sie.

Der Kleine schüttelte sich. „Keine Gewalt, meine Lieben und geschossen wird hier schon gar nicht!“, rief er. „Wir könnten folgendes probieren! Wir verteilen uns und kitzeln die Wolken so lange, bis sie endlich verschwinden. Das müsste funktionieren!“

Die Sonnenstrahlen kicherten, das würde ein Spaß werden und vielleicht hatte der Kleine ja recht und es gelang, die Wolken zu vertreiben. Sie verteilten sich also und jeder kitzelte an seinem Platz die dicken Wolken und siehe da, die Wolken lachten laut auf; sie teilten sich und wurden zu vielen kleinen Wolken, durch deren Lücken die Sonnenstrahlen die Erde erreichen konnten.

Auf der Erde stand ein Kind am Fenster. Gerade noch hatte es traurig den Himmel betrachtet, doch dann sah es das Schauspiel der Sonnenstrahlen und Wolken und wenn es sich nicht getäuscht hatte, dann hatte es sogar das Lachen der Wolken vernommen. Da lachte es auch, zog seine Schuhe an und lief in den Garten.

„Danke, liebe Sonnenstrahlen, danke, liebe Wolken!“, rief es glücklich.

„Gern geschehen!“, wisperten die Sonnenstrahlen, aber das konnte das Kind nicht hören, denn die Strahlen waren ja noch klein – Sonnenstrahlenkinder eben.

© Regina Meier zu Verl