Die Elfe Sumsinella und Muck, der Mückenmann (12)

Sumsinella und Muck, der Mückenmann

Auf dem Teich hat die Seerose ihre großen Blätter und eine wunderschöne Blüte ausgebreitet. Eine Libelle schwebt mit hauchfeinen Flügeln über dem Wasser. Sie schimmert im Sonnenlicht. Doch halt, das ist gar keine Libelle. Schau genau hin. Es ist Sumsinella, die Elfe, die einen Landeplatz sucht. Leichtfüßig schwebt sie auf ein großes Blatt und schaut sich suchend um.
„Vater Quak!“, ruft sie. „Bist du nicht zu Hause?“
Wenn eine Elfe ruft, dann ist das etwa so, als flüstere der leichte Sommerwind mit dir. So zart ist ihre Stimme und Vater Quak, der mal wieder völlig müde ist und seinen Mittagsschlaf hält, hört nichts, gar nichts. Er hat sich im Schilf verkrochen, damit ihn niemand stören kann.
„Schade“, denkt Sumsinella und schaut sich weiter um. Irgendwer wird doch zu Hause sein. Sie setzt sich und singt ein Lied. Das Singen ist ihre Lieblingsbeschäftigung und sie kann es auch wirklich wunderbar. Es dauert gar nicht lange, da gesellt sich der erste Gartenbewohner zu ihr, ganz leise setzt er sich neben Sumsinella und lauscht dem Gesang.
Es ist Muck, der Mückenmann. Er ist so verzaubert von der Melodie, dass er leise mitbrummt. Sumsinella lässt ihn gewähren und lächelt ihn an. Als das Lied zu Ende ist begrüßt sie ihn:
„Hallo Muck, aber nicht, dass du mich gleich stichst!“
„Mach ich nicht, kleine Elfe. Du weißt doch, dass nur unsere Weibchen stechen, oder weißt du das etwas nicht?“
Sumsinella schüttelt den Kopf. Das hat sie noch nicht gehört.
„Gut zu wissen“, freut sie sich und erkundigt sich dann nach der Familie.
„Alles gut soweit, wir wollen heute Abend noch tanzen. Es ist gerade das richtige Wetter dafür. Könntest du vielleicht dazu singen? Dann macht es noch mehr Freude.“
Sumsinella ist einverstanden.
„Aber nur, wenn du ein Rätsel lösen kannst, pass auf: Sag mir ein Wort in dem drei U vorkommen.“
Muck schaut die Elfe entsetzt an.
„Wie soll ich das denn wissen? Ich kann ja nicht einmal schreiben!“
Sumsinella lacht.
„Dann solltest du es lernen, es ist immer gut, wenn man schreiben und lesen kann.“
„Als Mücke braucht man das nicht, sag mir womit ich einen Stift halten sollte!“
„Entschuldige, Muck, daran hatte ich gar nicht gedacht. Dann verrate ich dir das Wort und du sagst mir dann, was das ist, in Ordnung?“
„Leg schon los!“
Sumsinella will gerade das gesuchte Wort sagen, da unterbricht Muck sie.
„Warte noch, mir ist was eingefallen: Uhukuchen … sind da drei U drin?“ Sumsinella kichert.
„Schon, aber das gibt es doch nicht, Uhukuchen. Was dir nur immer einfällt. Hast du noch eine Idee?“ Man muss also gar nicht lesen und schreiben können, nur hören und hinhören. Auf diese Weise kann man auch entdecken, wie viele Laute in einem Wort vorkommen, denkt Sumsinella und freut sich, dass der Mückenmann mitdenkt.
„Ja, ich habe noch eine Idee: Wunderwurzelmus!“
„Was soll das sein? Drei U sind aber drin, da hast du Recht!“ Der Mückenmann freut sich.
„Na, ist doch klar, Mus von der Wunderwurzel, sage ich doch! Gilt das?“
Sumsinella ist einverstanden. „Gut, wir lassen es gelten, obwohl ich ein anderes Wort gemeint habe. Soll ich es sagen?“
„Bitte!“
„Kuckucksspucke – da kommen drei U drin vor und drei C und vier K, ist das nicht ein tolles Wort?“
„Ja, ein Superwort, aber – was ist Kuckucksspucke? Ich habe das noch nie gehört!“
„Eigentlich“, antwortet Sunsinella, „eigentlich gibt es keine Kuckucksspucke, aber im Mai, wenn auch der Kuckuck anfängt zu rufen, dann bilden die Schaumzikaden ihre Nester an den Wiesenblumen und das sieht so aus, als sei es Spucke. Deshalb sagt man Kuckucksspucke dazu.“
„Das sind doch Insekten, wie ich, oder? Ich sollte mich mehr um meine Verwandten kümmern“, sagt Muck und dann lacht er so laut, wie eben eine Mücke laut lachen kann.
„Ich hab noch was! Muck, Muck, Muck …“
„Und was soll das sein?“, fragt Sumsinella erstaunt.
„Das sagt meine Frau immer, wenn ich zu spät nach Hause komme und deshalb sause ich jetzt mal los. Machs gut, Sumsinella, bis heute Abend!“
© Regina Meier zu Verl

Milchbart, Schmand und Muckefuck

Milchbart, Schmand und Muckefuck

An diesem Tag im April war es lausig kalt.
Oma und ich hatten uns schon auf den Frühling eingestellt. Eigentlich, doch wenn wir uns etwas vornahmen, dann zogen wir das auch durch. Heute war, trotz der Kälte, die Aussaat der Sommerblumen dran gewesen. Nach einer Stunde waren wir so durchgefroren, dass nur noch ein heißer Kakao uns retten konnte. Also zogen wir die Gummistiefel aus, wuschen unsere Hände gründlich und machten es uns auf in Omas Küche.

Vorsichtig pustete ich in den Kakaobecher. Ich beobachtete die winzigen Wellen auf der Milch und wartete darauf, dass sich der ungeliebte Schmand bildete. „Vorsichtig, Kind!“, sagte Oma und nestelte in ihrer Schürzentasche herum. Gleich würde sie ein zerdrücktes Stofftaschentuch hervor zaubern. „Es passiert schon nichts, Oma. Du kennst mich doch!“ Oma grinste. „Eben!“, sagte sie und zog endlich das Taschentuch hervor.
Ich nahm einen winzigen Schluck und da der Kakao nicht allzu heiß war, gleich noch einen kräftigen zweiten Schluck hinterher. Genüsslich leckte ich über meine Lippen und dann passierte das, was unvermeidlich war. Oma spuckte auf ihr Taschentuch und wischte meinen Milchbart ab.

„Igitt!“, rief ich, gespielt empört und Oma lachte hell auf.
So richtig geekelt habe ich mich aber nicht, denn ich liebe meine Oma sehr.
Sie ist immer für mich da und das bisschen Spucke macht mir nichts aus, ist ja Omaspucke!
„Sag mal ein Wort mit drei „CK“!“, bat ich Oma, denn wir beide lieben Rätselaufgaben und vertreiben uns so gern die Zeit.
Oma überlegte, murmelte ein paar Wörter vor sich hin, aber immer waren es nur zwei „CK“. Ich freute mich, denn jede gewonnene Aufgabe brachte einen Punkt und diese Punkte sammelte ich. Wenn genügend zusammenkamen, dann konnte ich sie einlösen und ich sparte gerade Punkte für einen Besuch im Kino. Dafür brauchte ich genau fünfzig Stück. Peinlich genau trug ich die dann in ein extra dafür vorgesehenes Vokabelheftchen ein.
„Scheck, Speck, Schreck“, sagte Oma und „Heckmeck – das sind schonmal zwei!“, rief sie.
„Das zählt nicht, ist kein Wort!“, meinte ich. Es war aber auch egal, denn es waren ja sowieso nur zwei „CK“. Oma schloss die Augen und dachte nach. „Drecksack!“, rief sie, als sie die Augen wieder öffnete. „Aber Oma!“, rief ich empört. „Das ist ein Schimpfwort!“
Oma grinste. „Stimmt! Und es hat auch nur zwei „CK“!“, stellte sie fest. „Verflixt, mir fällt ein solches Wort nicht ein!“, schimpfte sie. „Gib mir einen Tipp, bitte!“

Entschlossen schüttelte ich den Kopf. Das ja gar nicht infrage, ich wollte Punkte sammeln und damit basta.
Nachdem sie hin und her überlegt hatte, gab sie auf.
„Nun sag schon, der Punkt gehört dir!“
„Prima, für noch einen Punkt gebe ich dir eine Hilfe!“, schlug ich vor und wartete ab.
Sie rang sich zu einem Okay durch.
„Also gut: das Wort hat nicht nur drei „CK“, sondern auch drei „U“.“
„Muckefuck!“, rief Oma begeistert, ließ aber gleich darauf die Mundwinkel wieder hängen.
„Sind nur zwei!“, stellte ich fest und freute mich auf den nächsten Punkt. „Außerdem: Was ist Muckefuck?“, wollte ich noch wissen, das Wort hatte ich noch nie gehört.“
„Das ist so eine Art Ersatzkaffee. Damals, nach dem Krieg hatten die Leute keinen, oder nur wenig Kaffee. Deshalb stellten sie Kaffee aus geröstetem Getreide her, ähnlich wie Malzkaffee.“
„Aha!“, sagte ich und fragte mich, warum man sowas machte. Kaffee war so oder so eklig, ekliger als Omaspucke, fand ich.
„Ich gebe dir noch eine Hilfe“, bot ich an. „Es kommt ein Tier drin vor!“
Omas Augen leuchteten auf. „Kuckuck!“, rief sie begeistert. „Es ist ein Kuckuck!“
„Richtig! Aber da fehlt noch was!“ Ich war sicher, dass sie nicht drauf kam und handelte um einen weiteren Punkt, doch Oma wollte etwas Bedenkzeit.
„Okay, zwei Minuten!“, gewährte ich ihr und das hätte ich nicht tun sollen denn plötzlich rief sie:
„Kuckucksspucke! Ich hab’s, Kuckucksspucke!“
Das war es, gerade gestern in der Schule hatten wir drüber gesprochen, denn sonst hätte ich es ja auch nicht gekannt. Aber Oma wusste Bescheid.
„Früher war in den Wiesen noch viel mehr Wiesenschaumkraut zu sehen und daran hing dann die Kuckucksspucke, dass ich mir das nicht gleich eingefallen ist!“
Ich kicherte. „Wenn du mir jetzt noch erklären kannst, wie die Spucke da hingekommen ist, dann werde ich dich bewundern!“
„Kann ich nicht!“, sagte Oma. Das nahm ich ihr aber nicht ab, eigentlich weiß Oma nämlich alles.
„Soll ich es dir sagen?“, fragte ich.
„Ich bitte darum, es wäre mir noch einen weiteren Punkt wert!“, meinte Oma.
„Die Schaumzikaden, das sind winzige Insekten, hinterlassen dort den Schaum, der wie Speichel aussieht. In dem Schaum legen sie ihre Eier ab. Wie in einem Nest, praktisch, oder? Und da das in der Jahreszeit geschieht, wenn auch der Kuckuck wieder ruft, hat man dem Schaum den Namen Kuckucksspucke oder Hexenspeichel gegeben, so, jetzt weißt du es!“
„Kluges Kind!“, lobte Oma anerkennend. Weitere Rätsel gab es an diesem Tag nicht, denn gerade strahlte die Sonne herrlich durchs Fenster und wir nahmen unsere Gartenarbeit wieder auf. Schließlich wollten wir einen bunt blühenden Garten haben, in dem sich die Bienen und andere Insekten wohlfühlen konnten. So hatten wir es beschlossen, und … wenn wir uns was vornehmen, dann ziehen wir das auch durch.
„Ich weiß noch ein Wort mit drei „CK“ und drei „U“!“, rief Oma mir zu. „Muckefuckschluck!“
„Stimmt, geht auch!“

© Regina Meier zu Verl

HIER auch als Hörgeschichte

hot-chocolate-1047608_1280
Bildquelle jill111/pixabay