Kindermund „Sommersprossen“

„Lukas, was hast du für niedliche Sommersprossen auf der Nase!“

„Hab ich gar nicht!“

„Doch, kleine süße Pünktchen!“

„Zeig!“

Wir gehen ins Bad und Lukas schaut sich seine Sommersprossen an. Sie sind kaum zu sehen und wegputzen kann man sie nicht, stellst er fest.

„Oma?“

„Ja?“

„Und was ist mit den Wintersprossen?“
(aus meinem alten Blog aus 2013)

Jonas und der Bayer

Jonas und der Bayer

Jonas hatte die Herbstferien bei seinen Großeltern verbracht. Viel zu schnell waren die zwei Wochen vergangen. So viel hatten sie zu tun gehabt. Mit Opa hatte er den Garten winterfest gemacht, Rasen und Sträucher durch einen letzten Schnitt gepflegt. Den Strauchschnitt und das Laub hatten sie dann auf die Rosenwurzeln gelegt, um sie vor Kälte und Frost zu schützen. Das war viel Arbeit gewesen, aber es war lustig, denn zu jeder Blume oder Pflanze hatte Opa eine kleine Geschichte zu erzählen. Opas Wissen in dieser Richtung war ein wahres Schatzkästchen, das niemals leer zu sein schien.

Zur Belohnung für die harte Arbeit hatte Oma ihn ins Kino eingeladen. Mit dem Bus waren sie in die Stadt gefahren. Das war herrlich, denn Jonas war noch nie mit dem Bus gefahren. Stimmt nicht ganz, einmal waren sie von der Schule aus in den Zoo gefahren mit dem Bus. Aber das war etwas Anderes. Da waren ja nur Kinder aus seiner Klasse mitgefahren. Er musste daran denken, wie ihnen der Lehrer erklärt hatte, dass sie, nachdem sie die beschlagenen Scheiben mit allerlei Unsinn bemalt hatten und dann wieder sauber wischen mussten, durch ihre Atemluft die Scheiben zum Beschlagen gebracht hatten. Das Wasserdampfprinzip, hatte Herr Maurer gesagt, der jede Gelegenheit nutzte, um seinen Schülern die Hintergründe zu erklären. In einem unbeobachteten Moment hatte Jonas die Scheibe erneut angehaucht und ein Herz hineingemalt. J. und J. stand drin, Jonas und Julie, mehr wird an dieser Stelle nicht verraten.

Im Stadtbus aber waren die unterschiedlichsten Menschen unterwegs, das fand Jonas
interessant. Er machte sich Gedanken über jeden einzelnen von ihnen. Der Mann mit dem bayrischen Schnauzbart mit den nach oben gezwirbelten Enden vor ihm, ob der wohl tatsächlich aus Bayern kam? Jonas hätte ihn gern gefragt, traute sich aber nicht. Möglicherweise würde er ihn auch gar nicht verstehen, weil er ja kein Bayrisch konnte.
„Oma, kannst du Bayrisch?“, fragte Jonas die Oma.
„Nein, eigentlich nicht. Jedenfalls kann ich es nicht sprechen, aber verstehen kann ich das meiste! Warum fragst du?“, wollte Oma wissen.
Jonas deutete auf den Mann. „Der kommt doch bestimmt aus Bayern, oder?“
„Warum glaubst du das?“, fragte Oma und sah nun genauer hin.
„Na, der Bart sieht so aus!“
„Das heißt noch gar nichts, vielleicht mag er einfach nur einen langen Schnauzbart tragen. Das machen viele.“
„Ja, aber dieser Bart ist so nach oben gezwirbelt, das sieht man doch nicht so oft, außer in Bayern!“, wandte Jonas ein. Er hatte nämlich im Fernsehen die Eröffnung des Oktoberfestes in München gesehen und da gab es sehr viele Männer, die genau so einen Bart hatten wie der Mann vor ihnen.
Oma tippte dem fremden Mann auf die Schulter. „Entschuldigen Sie!“, sagte sie. Jonas schämte sich vorsichtshalber schon im Vorhinein. Sie würde ihn doch jetzt nicht fragen, ob er aus Bayern kommt? Das war ja megapeinlich. „Können Sie mir sagen, wie spät es ist?“, fragte Oma jetzt.
Der Mann schaute auf die Uhr und antwortete: „Gern, es ist auf die Minute genau 15.30 Uhr!“
„Danke schön!“, sagte Oma und schaute ein wenig verwirrt aus der Wäsche. „Hast ja gehört, er kommt nicht aus Bayern!“, flüsterte sie Jonas zu. „Das war reines Hochdeutsch!“
Der Mann grinste, bei so einem Zwirbelschnauzbart konnte er das kaum verbergen, der zitterte sogar ein wenig, der Bart.
Oma merkte das auch. Sie lief rot an, was Jonas lustig fand. Er konnte sich das Lachen nicht verkneifen, Oma auch nicht und der Mann konnte sich nun ebenfalls nicht mehr zusammenreißen.
Das Lachen der Drei war so ansteckend, dass nach und nach sämtliche Fahrgäste mit einstimmten. Als sich alle wieder beruhigt hatten, stand der Bärtige auf und erklärte: „Der junge Mann wollte wissen, ob ich aus Bayern komme. Er hat sich aber nicht getraut zu fragen, sondern seine Oma musste das machen. Und: was soll ich euch sagen? Sie haben recht. I bin a Boar, a waschta sogar, aba weil mi do niemand vastäd, rede i liaba Houchdeitsch, wisst ihr! Da Bua hod des richtig dakennt.
Wieder lachten alle, alles in allem war die Fahrt viel zu schnell vergangen und Jonas nahm sich vor, demnächst Bayrisch zu lernen, jo mei, wenn’s ihm Spaß macht.

© Regina Meier zu Verl

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Gamsbarthüte Foto: atimedia/pixabay

Kindermund (Lukas)

Lukas ist mein ältestes Enkelkind. Letzte Woche ist er 13 geworden. Viele Kindermundgeschichten habe ich aufgeschrieben und möchte sie nun auch hier sammeln, damit sie nicht verloren gehen.

Gesangsstunde mit Lukas
10. August 2011

Das Abendessen ist fertig. Lukas ist noch mit Opa im Pferdestall. Von dort bekomme ich ihn schlecht weg, es sei denn ich setze mich ans Klavier bei weit geöffneter Balkontür.
Sobald er die ersten Töne vernimmt, kommt er ins Haus und will mitspielen. Heute auch, ich spiele ein Menuett und bin kaum am Schluss, da sitzt er schon neben mir auf der Klavierbank.
„Rück mal, Oma!“
Klar rücke ich, viel zu gern tu ich das.
„Nehmen wir das randere Buch?“ Lukas krabbelt auf die Bank und sucht das Buch mit den Kinderliedern. Niedlich klingt das, wenn er „andere“ sagt, er setzt nämlich immer ein R davor, das randere Buch eben.
Wir spielen: Hänschen klein, Ein Männlein steht im Walde, Wer will fleißige Handwerker sehn?
Lukas singt alles mit, er liebt diese Gesangstunden mit mir und ich erst.
Dann sagt er plötzlich: „So, jetzt machen wir das Klavier zu, die Katastrophe ist zu Ende.“

Weihnachten steht vor der Tür

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Türkranz Free-Photos/pixabay

Erwachsene sagen manchmal so Dinge vor sich hin, die leicht zu Missverständnissen führen können, so wie auch hier in der nachfolgenden Geschichte. 

Weihnachten steht vor der Tür

Hatte Mama nicht neulich gesagt, dass Weihnachten vor der Tür steht? Seither wunderte ich mich seit Tagen schon. Ich schaute nach, immer wieder, aber da stand nie jemand vor der Tür, auch Weihnachten nicht. Pah!
Die Erwachsenen sagen oft Sachen, die sie dann gar nicht so meinen. Ich finde das blöd. Wie soll ich denn unterscheiden, was wirklich so gemeint ist und was nicht? Keine Ahnung.
Ich fragte also nach:
„Mama, du hast doch gesagt, dass Weihnachten vor der Tür steht, stimmt’s?“
„Ja, das habe ich wohl gesagt“, seufzte Mama. Sie stand sofort auf und räumte ihre Teetasse zur Seite. Vorbei war es mit der Gemütlichkeit.
„Ich habe noch so viel zu tun!“, sagte sie, seufzte und verschwand in ihrem Arbeitszimmer.
Ich erschrak. Sie würde sich doch jetzt nicht vor den Computer setzen?
Rasch folgte ich ihr.
„Mama?“
„Ja, was ist denn noch?“ Ein bisschen ungeduldig sah Mama mich an.
„Vor der Tür steht aber keiner. Schon gar nicht Weihnachten. Ich habe extra nachgeschaut. Geklingelt hat es auch nicht“, sagte ich schnell.
Da lachte Mama. Und wie sie lachte. So heftig, dass sie sich wieder setzen musste und jedes Mal, wenn sie mich ansah, dann lachte sie wieder los, bis ihr die Tränen kamen.
„Was ist denn da jetzt so lustig?“, fragte ich nach.
„Du darfst nicht immer alles so wörtlich nehmen. Ich habe gemeint, dass wir jetzt Mitte November haben und es gar nicht mehr lange dauert, dann ist Weihnachten.“
„Warum sagst du das dann nicht?“
„Du hast ja Recht, ich werde mich besinnen und dir demnächst sofort erklären, was gemeint ist. Sollen wir jetzt Plätzchenteig machen?“
Natürlich wollte ich Plätzchenteig mit ihr machen und dann würde ich naschen, was das Zeug hielt.
„Ja sicher, das machen wir. Ich weiß ja jetzt, dass Weihnachten vor der Tür steht, auch wenn wir erst Mitte November haben.“

© Regina Meier zu Verl