Aufregung auf der Gänsewiese (Reizwortgeschichte)

Gänse, Brot, süß, meckern, stehlen

Das sind die Wörter, die dieses Mal verarbeitet werden mussten. Lest, was dabei herausgekommen ist unten und auch bei meinen beiden Mitstreiterinnen:

Lore

Martina

Aufregung auf der Gänsewiese 

Aufgeregt liefen die Gänse auf der Gänsewiese hin und her. Sie schnatterten dabei laut. Man hätte denken können, es sei der Teufel oder der Fuchs hinter ihnen her. Sie schlugen so kräftig mit den Flügeln, dass Gänsefedern durch die Luft stoben. Das Pony Rodrian wieherte: „Guck, es schneit wieder!“
Was war denn da nur los? Tante Anna, die Bäuerin, stand am Küchenfenster und wunderte sich.
„Ich glaube“, sagte sie zu ihrem Mann Antonius, „du musst mal gucken gehen, die Gänse sind außer Rand und Band!“
Antonius schob sich schnell noch ein Stück Brot mit Schinkenspeck in den Mund, murmelte „Jau!“, erhob sich schwerfällig, schnappte seine Mütze und ging nach draußen.
Als er an der Gänsewiese angekommen war, beruhigten sich die Tiere ein wenig. Es war immer gut, wenn sich der Boss einmischte, das kannten sie schon.
„Nun macht doch mal halblang, ihr alten Schnattertanten!“, sagte er und schon der Klang seiner Stimme half, um noch ein wenig mehr Ruhe einkehren zu lassen.
„Schade!“, wieherte Rodrian und drehte den Gänsen sein Hinterteil zu. Er hatte sich so über den Schnee gefreut und nun machte der Bauer alles kaputt.
„Nun sagt mir doch mal, was hier los ist!“, befahl der Bauer. Sofort schnatterten alle wild durcheinander.
„Halt!“, brüllte Antonius. „So nicht! Eine redet, die anderen schweigen!“
Stille kehrte ein, dann schnatterte Gisela, die Älteste: „Die böse Katze hat unser Schnubbelchen gestohlen!“
„Wer um alles in der Welt ist denn Schnubbelchen?“, fragte der Bauer verwundert.
„Na, unser Jüngstes!“, erklärte Gisela weinerlich. „Die Katze hat das Kleine so lange gelockt, bis es durch ein Loch im Zaun hinter ihr her ist. Wir konnten gar nichts machen!“
„Und wo ist die Katze jetzt? Und wie sieht sie aus? Und von woher kommt sie überhaupt?“, wollte der Bauer nun wissen.
Gisela zuckte mit den Flügeln. „Woher soll ich das wissen?“
Der Bauer Antonius schlurfte nun über seinen gesamten Hof, schaute in jede Ecke, hinter jeden Busch und Strauch und rief: „Schnubbelchen! Schnubbelchen!“
Gerade als er vor dem Küchenfenster hinter dem Rhododendron nachgeschaut hatte und immer weiter rief: „Schnubbelchen, wo bist du denn?“, antwortete sein Frau: „Hier bin ich doch!“
Der Bauer Antonius lachte auf, er konnte sich gar nicht wieder einkriegen vor Lachen. „D…dich meinte ich nicht!“, stammelte er atemlos. „Ich suche ein Gänseküken, Schnubbelchen! Eine fremde Katze soll es gestohlen haben!“
Anna überlegte nicht lange. „Dann kann ich dir helfen. Es wird die Nachbarkatze sein, die Schnurrsula! Die kuschelt so gern, schau mal in der Scheune nach!“ Die Bäuerin kam aus der Küchentür und begleitete den Antonius zur Scheune. Leise öffneten sie die Tür und schauten vorsichtig hinein.
„Da, schau!“ Anna deutete auf einen Haufen Heu, in dem hatte sich die Katze eingerollt und an ihren Hals gekuschelt schlief ein Gänseküken, Schnubbelchen.
„Das ist süß, oder?“, flüsterte Anna.
„Jau!“, sagte Antonius und sah seine Anna liebevoll an. „Aber jetzt verrate mir doch bitte, woher du den Namen der Katze kennst!“
„Es ist die Katze der Nachbarin und weil die Ursula heißt, und die Katze so ein liebevolles Kätzchen ist, habe ich sie Schnurrsula genannt!“
Dass die Katze eigentlich ein Kater war und Felix hieß, war ja nicht so schlimm, oder?

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Ein leeres Paket zum Muttertag

Meine Oma Betty macht mal ein paar Tage Pause, es gibt noch viel mehr von ihr zu erzählen, aber ich will euch nicht ermüden und stelle nun erstmal wieder ein paar Geschichten aus meinen „frischen und aktuellen“ ein. Mit einer Muttertagsgeschichte geht es los, es ist ja bald soweit, am 9. Mai, wenn ich das richtig im Kopf habe.

Ein leeres Paket zum Muttertag

„Hast du eine Idee, was wir Mama zum Muttertag schenken könnten?“, fragt Anne ihren Bruder Tim.
Der nimmt seine Kopfhörer aus dem Ohr und sagt: „Was?“
„Das heißt: wie bitte!“, verbessert ihn Anne und fragt dann nochmal.
„Keine Ahnung!“, ist die Antwort und sofort wandern die Kopfhörer wieder ins Ohr.
Anne verdreht die Augen und tippt ihrem Bruder auf die Schulter.
„Du könntest mal mit mir gemeinsam überlegen!“, bittet sie.
„Wie bitte?“, fragt Tim und grinst, nimmt aber die Kopfhörer wieder raus und wendet sich seiner Schwester zu.
„Ist gar nicht einfach!“, meint er und kratzt sich am Ohr. „Blumen?“
Anne schüttelt den Kopf. „Nein du weißt doch, dass Mama es nicht mag, dass am Muttertag alle Blumen schenken. Sie sagt immer, dass es dafür Gelegenheiten genug gibt und die zum Muttertag einfach überteuert sind.“
„Ist das denn wirklich so?“, fragt Tim und schielt auf sein Handy, das gerade eine Nachricht angekündigt hat. Gern würde er nachsehen, wer geschrieben hat, wartet aber ab. In Gedanken ist er bereits nicht mehr beim Muttertag, sondern bei der Handynachricht.
„Fürs Bildermalen sind wir wohl zu groß mittlerweile“, meint Anne. Tim nickt zustimmend.
„Stimmt, außerdem kann ich nicht malen, das wäre dann nur was für dich!“, sagt er und nimmt das Handy, um nun doch mal kurz drauf zu schauen. Er liest, grinst, tippt und schon hat er seine Schwester wieder vergessen.
„Du bist wirklich unmöglich!“, schimpft Anne. „Kannst du nicht mal ein paar Minuten ohne dein Handy sein?“
„Schlecht!“, gibt Tim zu.
Annes Augen blitzen mit einem Mal auf. „Ich habe eine Idee für den Muttertag!“, ruft sie. „Vertraust du mir?“, will sie von ihrem Bruder wissen.
„Mmh, eigentlich schon, aber jetzt lass mich erstmal in Ruhe!“
„Pass auf, du musst gar nichts machen, ich kümmere mich um das Geschenk, aber du musst versprechen, dass du nicht meckerst!“, sagt Anne.
„Versprochen!“, Tim steckt seine Kopfhörer wieder ins Ohr, für ihn ist die Diskussion damit beendet.

Am Muttertagmorgen decken die Geschwister liebevoll den Kaffeetisch.
„Und was ist nun mit dem Geschenk?“, fragt Tim.
„Warte, bis Mama da ist, dann wirst du es sehen!“ Anne macht ein so verschmitztes Gesicht, dass Tim doch neugierig geworden ist. Aber sie verrät nichts.
„Alles Gute zum Muttertag!“, sagt Anne feierlich und drückt ihrer Mama einen dicken Kuss auf die Wange. Tim schließt sich an. Mama freut sich über das Frühstück. „Ihr seid die Besten!“, sagt sie glücklich.
„Wir haben auch noch ein Geschenk für dich“, Anne holt ein buntes Päckchen aus dem Küchenschrank, wo sie es vorher versteckt hatte.
Mama packt das Geschenk erwartungsvoll aus, Tim schaut ihr neugierig über die Schulter. Das Paket ist leer, nur ein Brief ist drin. Mama öffnet den Brief und liest laut:
Liebe Mama, wir schenken dir zum Muttertag Zeit, Zeit ohne Unterbrechungen und blödes Handygepiepe, deshalb legen wir nun unsere Handys in diesen Karton und du darfst bestimmen, wann wir sie wieder herausholen dürfen. Deine Kinder Anne und Tim!
„Das ist eine großartige Idee!“ Mama freut sich. Anne legt ihr Handy in den Karton und auch Tim tut das, ohne zu murren. Er hat’s versprochen und was man versprochen hat … ihr wisst schon.
Papa, der in der Küchentür steht und die Sache beobachtet, legt sein Handy auch dazu, weil er die Idee richtig schön findet.
„Fehlt nur noch Mamas Handy!“, sagt er fröhlich. Natürlich wandert das auch in den Karton und ich bin davon überzeugt, dass die Vier einen wunderbaren Tag haben werden, ganz ohne Störungen.

© Regina Meier zu Verl

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Oma Betty im Tanzfieber

Oma Betty im Tanzfieber

„Und eins, zwei drei, eins zwei drei!“, zählt Oma Betty, während ich wie ein kleines Äffchen an ihr hänge und versuche, mich zu der Musik zu bewegen. Oma ist nämlich im Tanzfieber, seit sie diese Sendung im Fernseher verfolgt. Da sie aber niemanden hat, den sie zum Tanzen überreden könnte, Opa ist nämlich völlig untalentiert, bin ich mal wieder dran.
„Oma, du schaffst mich!“, stöhne ich und wundere mich, wo diese alte Frau ihre Kondition hernimmt. „Können wir mal eine Pause machen?“
Ich löse mich aus ihrem festen Griff und lasse mich in den Sessel plumpsen. Oma lacht mich aus.
„Junge, du solltest Frühsport machen, so wie ich! Jeden Morgen hundert Kniebeugen, das tut gut und hält fit!“, meint Oma und macht die Musik leiser.
Ganz ehrlich, ich habe Oma Betty noch niemals Kniebeugen machen sehen. Das ist doch geflunkert, denke ich.
„Hundert Kniebeugen?“, frage ich. „Ist das nicht ungesund?“
Oma schüttelt den Kopf. „Keineswegs, soll ich es dir vormachen?“
„Nein, lass mal, ich glaube dir auch so!“, behaupte ich, weil ich fürchte, dass ich mitmachen muss.
„Dann tanzen wir aber noch eine Runde, okay? Weißt du, es ist gut, wenn ein Mann tanzen kann“, sagt sie und strahlt mich an. Ich strahle auch, denn es gefällt mir gut, als Mann bezeichnet zu werden, das weckt meinen Ehrgeiz ungemein.
„Also gut!“, ich rappele mich hoch, verbeuge mich vor Oma und sage: „Darf ich bitten?“
„Gern!“, sagt Oma und reicht mir die linke Hand, mit der rechten dreht sie den CD-Spieler wieder auf laut. Wir schwingen dreimal hin und her und dann tanzen wir den langsamen Walzer zu Omas krasser Musik. Geschmack hat sie, das muss ich sagen, denn genau wie Oma liebe ich Metallica. Oma Betty hat eine Aufnahme von „Nothing else matters“ Metallica mit Symphonieorchester, das rockt!
„Wie viele Musiker hat eigentlich so ein Orchester?“, frage ich Oma, als wir wieder eine kurze Verschnaufpause einlegen müssen.
„Das können bis zu hundert Musiker sein, wenn ich das richtig behalten habe!“, sagt Oma und plötzlich leuchten ihre Augen und ich weiß genau, was jetzt kommen wird.
„Schade, dass ich nun zu alt dafür bin, ich hätte auch so gern mal in einem großen Orchester mitgespielt!“, sagt sie und ich höre deutlich das Bedauern in ihrer Stimme.
„Aber Oma, du bist doch nicht alt. Du wirst sicher hundert Jahre alt werden, es bleibt also noch genügend Zeit, um sich Wünsche zu erfüllen, oder?“
Oma lacht, richtig fröhlich klingt das und gar nicht alt. „Du bist ein Schatz!“, behauptet sie und drückt mir einen dicken Schmatzer auf die Wange. Ich lass ihr das heute mal durchgehen, ausnahmsweise.
„Sag mal Oma, heute haben wir es aber mit der Hundert, oder?“
Irritiert schaut sie mich an. „Was meinst du?“
„Na, hundert Kniebeugen, hundert Musiker im Orchester und dann dein hundertster Geburtstag irgendwann!“, zähle ich auf und Oma setzt der ganzen Zählerei noch die Krone auf:
„Und dieses ist die hundertste Geschichte für das Bonewie*!“, lacht sie und ich weiß, dass sie unserem Tanznachmittag nun gleich aufschreiben wird.
Meinetwegen – ich bin sicher, sie kriegt auch die Zweihundert noch voll!

© Regina Meier zu Verl
Das Bonewie ist ein Lokalmagazin, in dem monatlich eine Geschichte von mir erscheint.

Ein Bild für Tina

Ein Bild für Tina

Mama arbeitet im Homeoffice. Maila weiß, dass sie nur im äußersten Notfall stören darf und so ein Notfall ist nun eingetreten. Puppe Tina ist aus ihrem Stühlchen gestürzt und hat sich verletzt. Wahrscheinlich ist ein Bein gebrochen, so wie bei Oma neulich und das war richtig schlimm. Dabei hatte Oma noch Glück gehabt und einen glatten Bruch erlitten. Schmerzvoll war es trotzdem gewesen. Bis zur Heilung muss Oma nun einen Gips tragen und mit Gehhilfen durchs Zimmer humpeln.
Maila klopft leise an die Wohnzimmertür. Mama sitzt am Schreibtisch und hat die Kopfhörer auf. Sie spricht mit einem Herrn, den Maila auf dem Bildschirm sehen kann. Vorsichtig schleicht sie sich an Mama heran und zupft an ihrem Ärmel.
Zuerst schaut Mama sie verärgert an, sieht dann aber, dass Maila todunglücklich schaut.
„Entschuldigen Sie, Herr Winter, ich glaube ich muss mich schnell um einen Notfall kümmern. Darf ich Sie in ein paar Minuten noch einmal anrufen?“, sagt sie und nimmt den Kopfhörer ab, nachdem Herr Winter den Daumen gehoben hatte, um sein Einverständnis anzuzeigen.
„Was ist den los, Schatz?“, fragt Mama und zieht Maila auf ihren Schoß.
„Meine Tina ist aus ihrem Stühlchen gefallen und hat sich verletzt, kannst du schnell kommen? Ich glaube, sie braucht einen Gips!“, erzählt Maila aufgeregt.
„Oh je, das tut mir leid!“, sagt Mama und geht mit Maila gemeinsam ins Kinderzimmer. Tina liegt auf dem Boden. Mama nimmt sie auf und wiegt sie in ihren Armen. Dabei summt sie leise. Dann legt sie die Puppe vorsichtig auf Mailas Bett und untersucht sie. Vorsichtig tastet sie Arme und Beine ab.
„Ich glaube, es ist nichts gebrochen, aber vielleicht wird sie morgen einen blauen Fleck haben, das könnte sein.“, sagt Mama. „Ich denke, wir werden ihr ein Pflaster aufs Bein kleben und ein wenig Gummibärchenmedizin geben, das hilft gut!“, schlägt sie vor.
Das findet Maila prima, denn auch sie bekommt Gummibärchen, sogar zwei mehr als Tina.
„So“ sagt Mama entschieden. „Nun lege Tina in dein Bett und male ihr ein schönes Bild. Ich gehe zurück zu Herrn Winter und dann habe ich gleich wieder Zeit für euch, okay?“
Maila ist einverstanden und während sie genüsslich ihre Gummibärchenmedizin lutscht, malt sie ein schönes Frühlingsbild für ihre Tina. Das hilft auch bei der Heilung, oder?

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Bente und die Insel

Die nachfolgende Geschichte ist ein wenig länger. Du kannst sie dir aber vorlesen lassen, wenn du magst. Viel Spaß beim Anhören oder Lesen!

Bente und die Insel

Es war einer dieser Sonnentage, die sich beinahe wie Frühling anfühlten. Die Kraniche waren schon vor ein paar Tagen zurückgekommen, ein sicheres Zeichen dafür, dass es nun nicht mehr lange dauern würde, bis wir wieder ohne Jacke und Mütze nach draußen gehen könnten. Darauf freute ich mich schon sehr.
Die Kühe vom Nachbarn waren bereits auf der Weide, die an unseren Garten grenzte. Eine von ihnen, Bente, stand allein am Zaun. Immer schon hatte sie sich von den anderen abgesondert. Ich wusste das so genau, weil ich Bente gut kannte, besser gesagt „erkannte“, denn sie hatte auf dem linken hinteren Batzen einen weißen Fleck, der aussah wie die Insel Sylt, ansonsten war sie beinahe überall schwarz. „Bente und die Insel“ weiterlesen

Bärentanz im Gartencenter

auch zum Anhören – unter der Geschichte

„Im Gartencenter tanzte heute der Bär!“, erzählte Opa Arne, der die ersten Blumen für den Frühling eingekauft hatte. Bunte Primeln, Mini-Narzissen und Träuble-Hyazinthen und einen riesigen Tulpenstrauß für Oma. Was für eine Pracht.
„Hattest du denn gar keine Angst, Opa?“, fragt Florian. „Bären sind doch gefährlich! Dürfen die denn einfach zwischen den Tulpen herumtanzen?“
Opa lachte. „Junge da war kein Bär. Das ist nur eine Redewendung. Früher, als es noch kein Radio oder Fernsehen gab, kamen Musikanten in die Dörfer. Manche führten einen Bären an der Leine. Die Tiere hatten einen Nasenring, durch den die Leine durchgezogen war. Der Bär stellte sich auf die Hinterbeine und tanzte schwerfällig nach der Geigenmusik seines Herrn. Die Leute liefen herbei, tanzten und klatschten. Deshalb sagt man, wenn viele Menschen zusammenkommen: Da tanzt der Bär.“
Das fand Florian aber gar nicht gut. Ein Bär gehörte nicht auf die Straße und ein Nasenring, der würde sicherlich Schmerzen bereiten. Gerade im letzten Monat hatten sie in der Schule darüber gesprochen, was der Begriff „artgerecht“ bedeutet. Dabei waren sie sich einig geworden, dass Löwen und Tiger, Elefanten und andere wilde Tiere nicht in einen Zirkus gehören, so schön das auch anzusehen ist.
Sie hatten auch über die Massenhaltung von Hühnern gesprochen, die ein elendes Leben führen mussten. Der Lehrer hatte ihnen einen Film gezeigt, bei dem ihnen die Tränen kamen, als sie die federlosen, zerrupften, armseligen Hühner sahen. Florian hatte sofort beim nach Hause kommen seiner Mama erklärt, dass sie nur noch Eier von freilaufenden Hühnern kaufen dürften. Die Mutter hatte gelächelt, ihm über den Kopf gestreichelt und gesagt, dass sie das schon immer mache. Da war er erleichtert gewesen.
„Sag mal Opa, hast du das noch erlebt, dass es kein Radio und Fernsehen gab?“, will Florian nun von Opa wissen. Der lacht und kratzt sich am Kopf, so, als müsse er sein Gehirn aktivieren. Dann antwortet er:
„Nein, nicht einmal deine Urgroßeltern haben das erlebt. Einen Radioempfänger gab es schon früher, aber das Fernsehen, das gab es erst ab 1928. Ich weiß das so genau, weil mein Vater, dein Uropa genau in dem Jahr geboren wurde.“
„Hatten denn deine Eltern einen Fernseher?“ Florian sieht seinen Opa neugierig an, „Anfangs nicht, früher ging man ins Kino, um auf der großen Leinwand die Filme zu sehen. Aber ein Radio hatten sie, meine Mutter schwärmte immer von den Hörspielen, die jeden Abend kamen. Sie hat keine Folge verpasst, wenn sie etwas interessierte. Mein Vater grinste dann, er konnte das nicht verstehen. Das änderte sich sonntags, wenn es um Fußball ging, dann durften wir keinen Mucks sagen, damit Papa alles mitbekam, besonders, wenn sein Lieblingsverein spielte.
Florian wollte nun gern wissen, um was für Hörspiele es sich handelte, das interessierte ihn doch sehr. „Kannst du dich an die Hörspiele erinnern?“, fragte er seinen Opa.
„Oft waren es Märchen, aber auch neuere Geschichten…“, sagte Opa Arne und kratzte sich schon wieder am Kopf, ihr wisst schon, wegen der Gehirnaktivierung.
„War auch die Geschichte vom tanzenden Bären im Gartencenter dabei?“, fragte Florian lachend.
„Nee!“, sagte Opa. „Gartencenter gab es damals noch nicht!“

© Regina Meier zu Verl

 

Bärentanz im Gartencenter – zum Anhör
Zeichnung Regina Meier zu Verl

Dicke Clownstränen

Dicke Clownstränen

„Heute bin ich einmal nicht ich!“, kündigt Oma an. Das klingt komisch, aber wenn man, wie ich, die Oma schon acht Jahre kennt, dann ist das nicht mehr komisch. Sie macht das ganz oft. Sie sagt diesen Satz und dann geht die Verwandlung los. Heute zieht sie die gelben Schuhe und bunte Hosenträger an. Dann malt sie mit Lippenstift rote Kreise auf ihre Wangen und verreibt sie ein wenig. Auch die Lippen schminkt sie, aber nicht schön auf der Linie, sondern weit über die Lippenlinien hinaus. Sie wirft ihre Haare nach vorn, kämmt kurz durch und macht sich dann einen Zopf mitten auf dem Kopf. Jetzt fehlt nur noch die rote Clownsnase, dann ist sie fertig, die Clownin Wilhelmine.
„Willst du auf eine Karnevalsparty gehen, Oma?“, frage ich sie und kenne die Antwort längst.
„Natürlich nicht, ich mag keinen Karneval!“, sagt sie und setzt ihre Herzbrille auf. Die hat sie sich extra anfertigen lassen beim Optiker Oppermann.
„Wenn schon, denn schon!“, hat sie gesagt. Was sie damit gemeint hat, weiß ich nicht so genau, aber was soll’s, sie sieht toll aus, meine Oma, und wenn mich nicht alles täuscht, dann will sie ins Altenheim.
„Darf ich mitgehen?“, frage ich sie und heute bekomme ich eine andere Antwort als erwartet.
„Ja, komm mit! Sag schnell deiner Mutter Bescheid“, sagt Oma. Mama und ich wohnen oben im gleichen Haus wie Oma. Ich flitze schnell hoch und hole mir Mamas Einverständnis. Im Nu bin ich wieder bei Oma.
„Du musst dich dann aber auch verkleiden!“, bestimmt sie und sucht in ihrer Kramschublade nach einer weiteren Clownsnase und Hosenträgern. Auch ich bekomme einen riesigen geschminkten Mund und rote Wangen, und an meine Brille, die ich sowieso trage, bindet Oma an jede Seite eine bunte Schleife. Das sieht lustig aus und ich fühle mich ganz wohl in der Verkleidung.
Mit Theo, so heißt Omas kleines Auto, fahren wir los. Ich wundere mich, warum wir unsere Stadt verlassen. „Gibt es denn hier kein Altenheim?“, will ich wissen.
„Doch, sicher. Altenheime gibt es in jeder Stadt, meist sogar mehrere. Ich fahre aber immer gern in Orte, wo man mich nicht kennt. Das gefällt mir viel besser, denn dann kann ich einfach die Clownin Wilhelmine sein und keiner fragt mich nach meinem Mann, oder nach der Arbeit, oder nach Frau Sowieso und ob die denn immer noch lebt“, sagt Oma.
Jetzt muss ich aber lachen. Gibt es echt Menschen, die so unverschämte Fragen stellen? Das kann ich gar nicht glauben. Aber wenn Oma das sagt, dann wird das ja so sein.
„Was lachste?“, fragt Oma prompt.
„Ach, ich wundere mich, dass es Leute gibt, die so gemeine Fragen stellen wie: Lebt die denn immer noch?“, antworte ich und schäme mich ein bisschen, denn zum Lachen ist das ja eigentlich gar nicht. Ich bin ein bisschen nachdenklich geworden und mit einem Mal bin ich richtig traurig.
„Da hast du recht, aber glaub mir, solche Leute gibt es wirklich – sind aber nicht so viele, die meisten sind in Ordnung!“, versichert mir Oma und schaut mich von der Seite an.
„Hey, du musst jetzt aber nicht traurig sein!“, sagt sie, als sie die dicke Träne bemerkt, die über meine rot geschminkte Wange rollt. Als ich sie wegputzen will, verschmiere ich die rote Farbe und dann putze ich zu allem Überfluss die Farbe in meinem hellblauen Anorak ab. Das sieht nicht schön aus, sicher gibt’s ein Donnerwetter, wenn Mama das sieht.
„Oh weia!“, rufe ich und nun kullern die Tränen noch heftiger. Oma fährt rechts ran und holt ein Taschentuch aus dem Handschuhfach. Damit tupft sie meine Tränen ab und wischt vorsichtig an der Wangenfarbe, doch da ist nichts mehr zu retten.
„Ist nicht schlimm!“, sagt Oma. „Wir holen uns jetzt ein dickes Stück Kuchen und dann fahren wir nach Hause. Da stecken wir die Jacke in die Waschmaschine und schon ist alles wieder gut!“
„Aber…“, sage ich, „Wir wollten doch …“
„Das läuft uns nicht weg. Wir fahren eben morgen zum Altenheim, ich rufe schnell dort an, damit die Pfleger Bescheid wissen und dann machen wir es uns gemütlich, oder?“
Das machen wir dann auch. Der Anorak kommt blitzsauber aus der Waschmaschine und ist schnell trocken. Mama merkt gar nichts und Oma hält dicht, so ist sie eben und morgen nehmen wir einen neuen Anlauf.

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Elina und die rosafarbenen Stulpen

Elina und die rosafarbenen Stulpen (unter dem Text auch zum Anhören)

„Oma, was machst du denn da?“
„Ich ruhe mich aus, Elina!“ Oma Betty sitzt in ihrem Fernsehsessel und hat die Beine hochgelegt.
„Könntest du mir einen Gefallen tun, während du dich ausruhst?“, fragt Elina mit zuckersüßer Stimme.
„Das kommt darauf an“, sagt Oma.
„Worauf kommt es an?“, will Elina wissen.
„Also, wenn ich mich weiter dabei ausruhen kann und die Beine liegen bleiben dürfen, dann könnte ich dir einen Gefallen tun. Worum geht es denn?“
„Ich gehe doch jetzt immer zum Ballettunterricht. Die anderen Mädchen dort haben Stulpen über der Strumpfhose. Das gefällt mir gut. Ich möchte auch welche haben.“ Elina zeigt ihrer Oma, von wo bis wo die Stulpen gehen und erklärt dann, dass diese langen Socken ohne Fuß den Sinn haben, die Waden schön warm zu halten.
„Weißt du Oma, man kann sich leicht verletzen, wenn die Muskeln kalt sind!“
„Ich verstehe!“, sagt Oma. „Und nun möchtest du, dass ich dir ein Paar Stulpen stricke, stimmt’s?“
Elina strahlt. Sie wusste, dass Oma ein offenes Ohr für sie hatte und schnell ihren Wunsch erraten würde.
„Genau, rosa sollen sie sein. Genauso rosa wie mein Ballettkleid!“
„Dann müssen wir Wolle besorgen und ich muss doch meinen Sessel verlassen. Außerdem wird es gleich schon dunkel und wir schaffen es nicht mehr im Hellen zurück!“
„Mama könnte uns fahren, oder wir nehmen eine Taschenlampe mit“, schlägt Elina vor. Dann fällt ihr ein, dass Mama ja gar nicht zu Hause ist und Papa kommt erst spät, da er heute noch in die Stadt fahren wollte nach Feierabend.
„Mmh“, macht Oma. „Mmh“, macht auch Elina. Dann schwingt Oma die Beine vom Sessel und steht auf. Sie strickt ja viel zu gerne und möchte am liebsten heute noch beginnen mit den rosa Stulpen.
„Also gut, dann mal los, junge Dame!“
„Oma, du bist die Beste!“
Schnell packen sich die beiden warm ein und schreiben einen Zettel auf dem steht: Wir sind im Wollgeschäft, Stulpenwolle kaufen!
Oma nimmt vorsichtshalber noch das Handy mit, dann geht es los.
Nach einer Viertelstunde erreichen sie die Einkaufsstraße, an der auch Frau Wortmanns Wollgeschäft zu finden ist.
„Schau, Oma, das ist die richtige Farbe!“ Elina hat schnell ihre Wunschwolle gefunden. Oma kauft noch zwei Knäuel Sockenwolle zusätzlich und schon machen sie sich wieder auf den Heimweg. Als sie das Geschäft verlassen, ist es tatsächlich schon fast dunkel. Natürlich haben sie die Taschenlampe vergessen. Elina ist ein wenig mulmig zumute.
Auch Oma gefällt das gar nicht, denn ein Stück des Weges ist eine Landstraße ohne Bürgersteig. Da wird man schlecht gesehen und es ist ganz schön gefährlich. Erst im letzten Jahr ist ein Kind dort angefahren worden.
„Wir gehen ins Café und trinken einen heißen Kakao und dann rufen wir Mama an, dass sie uns später hier abholen kommt!“, schlägt Oma vor. Das findet Elina toll, denn sie bibbert schon jetzt vor Kälte. Ein schlechtes Gewissen hat sie auch, weil sie Oma ja überredet hat. Mama wird das gar nicht gefallen.
„Ich werde Mama sagen, dass ich mich verplaudert habe bei Frau Wortmann. Dann schimpft sie nicht!“, sagt Oma, die genau gemerkt hat, dass ihre Enkelin immer stiller wird.
„Guck, nun strahlst du wieder. Das ist super, denn das passt so gut zu dir wie dein Name?“
Elina weiß, dass Elina „Die Strahlende“ bedeutet. Das hat Mama ihr erklärt und seitdem gefällt ihr der eigene Name noch viel besser.
„Du strahlst wie ein Stern am sternenklaren Himmel, meine Kleine!“, schwärmt Oma, aber jetzt wird es Elina dann doch zu viel.
„Jetzt isses aber gut, Oma! Meinst du, ich könnte zum Kakao noch ein Stückchen Kuchen bekommen?“

© Regina Meier zu Verl

Hier lese ich dir die Geschichte vor:

Elina und die rosafarbenen Stulpen

Lilli, Opa und die bunte Box

Lilli, Opa und die bunte Box

„Hausaufgaben!“, stöhnte Lilli. „Wenn ich dieses Wort schon höre!“ Das Mädchen ärgerte sich einfach darüber, dass es nicht in die Schule gehen konnte und alles nur noch „Hausaufgaben“ waren. Homeoffice klang vielleicht interessanter, war aber auch nicht besser und Homeschooling nervte sowieso ohne Ende.
Überhaupt, nichts mehr war richtig schön. So lange hatte sie schon ihre Freunde nicht mehr besuchen dürfen. Den ganzen Tag verbrachte sie zu Hause, die Mama war viel öfter nervös und ihr Bruder fiel ihr gehörig auf den Wecker. Sie durfte nicht in die Stadt fahren, nicht zum Handballtraining, auch Chorproben gab es nicht momentan. Was für ein ödes Leben!
Wenn Lilli darüber nachdachte, dass Oma und Opa ganz allein in ihrer Wohnung waren und keinen Besuch empfangen durften, dann tat ihr das Herz richtig weh. Aber es ging nicht anders, die Großeltern waren alt und das Virus war für sie lebensgefährlich. Lilli wusste das und sie wollte sie nicht gefährden. Trotzdem sehnte sie sich nach den Stunden mit Oma und Opa und sie vermisste Opas Geschichten so sehr.
Und dann kam eines Tages ein Päckchen für Lili und darin war ein mit Stoff bespannter Würfel und einige lustige Figuren: ein grüner Gitarrist, eine beerenfarbige Elfe und ein buntes Einhorn. Ein Brief lag dabei, in dem Opa den Eltern erklärte, er habe einen Kassettenrekorder kaufen wollen, aber der sei nicht mehr „in“. Heute habe man solchen Boxen für die Kinder und wie sie mit der Box umgehen mussten, erklärte er mit einer Zeichnung. „Typisch Vater!“, schmunzelte Papa. Schon nach kurzer Zeit hatten alle verstanden, wie man die Box bediente und welche tollen Möglichkeiten sie bot. Man stellte eine der Figuren auf die Box, schaltete sie ein und dann erklang Opas Stimme, die eine Geschichte erzählte. Und es war nicht nur eine Geschichte, sondern viele! Drei Figuren hatte Opa mit seinen eigenen Geschichten bespielt und wie sie Opa kannten, würde es bei den dreien nicht bleiben. Außerdem gab es Kinderhörspiele in Hülle und Fülle, die man dazu kaufen konnte, Märchen, Schlaflieder, Pferdegeschichten und und und.
Lilli war selig und hüpfte vor Freude in die Luft. Eigentlich hatte sie immer gedacht, sie sei viel zu alt für eine solche Box. Das stimmte aber nicht, denn nun würde sie jeden Tag eine Geschichte von Opa hören können, auch wenn er nicht bei ihr war. Und nicht nur sie allein, auch ihre Freundinnen Angi und Mara konnten sich bei ihren täglichen Videotreffs über Opas Geschichte freuen.
„Ich muss jetzt unbedingt Opa anrufen!“, rief Lilli und stürmte zum Telefon. Sie wählte Opas Nummer und hatte ihn auch gleich am Apparat.
„Opa, du bist der aller-allerbeste Opa der ganzen Welt!“, rief sie und genauso meinte sie es auch.

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Annelie und ich

Annelie und ich
Ich setzte das letzte Wort unter meine Geschichte. Ende! Zufrieden blickte ich auf die Seitenzahl. Zweihundertzwanzig Seiten, ein umfangreiches Manuskript war es geworden. Klar, nach der Überarbeitung würde es etwas schlanker werden. Doch im Moment war ich erstmal glücklich, dass ich durchgehalten hatte.
Lange hatte ich davon geträumt, diese Geschichte endlich aufschreiben zu können. Stets hatte mich etwas davon abgehalten oder der richtige Zeitpunkt war einfach noch nicht gekommen. Ich hatte mir dieses Gefühl ersehnt und genauso vorgestellt. Es war einfach wunderbar.
Nachdenklich drehte ich das Glas in den Händen, das ich mir zur Feier des Abends eingeschenkt hatte. Ich dachte an den Moment in der Buchhandlung, der dazu geführt hatte, dass ich mich endlich an die Geschichte gemacht hatte. Ich war zu diesem Zeitpunkt auf der Suche nach einem ganz besonders schönen Buch, das ich meinem Patenkind schenken wollte. In der gemütlichen Leseinsel hatte ich es mir bequem gemacht, als ein kleines Mädchen mich am Arm zupfte.
„Kannst du mir vorlesen?“, fragte das Kind und schaute mich erwartungsvoll an.
„Sicher, das kann ich, aber bist du denn ganz allein hier? Wo ist deine Mutter?“, fragte ich. Das Kind deutete nach oben.
„Mama ist da oben. Mir ist aber so langweilig und lesen kann ich noch nicht!“
In der oberen Abteilung der Buchhandlung befanden sich die wissenschaftlichen Bücher, sicher suchte die Mutter dort nach einem Werk und hatte das Mädchen in die Kinderbuchabteilung geschickt.
„Also gut, dann lese ich dir vor!“, willigte ich ein. „Was möchtest du hören?“
„Etwas, das ich noch nicht kenne!“
Das war aber nicht so einfach, wie sich schnell herausstellte. Das Kind kannte alle Bücher, die ich vorschlug.
„Dann such du doch etwas aus und bring es mir, dann lese ich für dich!“ Die Kleine zögerte, bevor sie fragte:
„Kannst du auch einfach so erzählen? Etwas ganz Neues, das ich noch nie gehört habe?“
Ich lachte. Das Kind war eine Herausforderung, oder sah man mir etwa an, dass sie selbst Geschichten schrieb?
„Kann ich auch, aber zuerst möchte ich wissen wie du heißt!“
„Ich heiße Annelie“, die Kleine stand auf und machte einen Knicks, ganz so, wie die Kinder das früher gelernt hatten, wenn sie Erwachsene begrüßten.
„Also gut, Annelie, dann erzähle ich dir jetzt von einer Geschichte, die noch gar nicht geschrieben ist und schon ganz lange in meinem Kopf wohnt.“
Die Augen des Kindes strahlten. Vertrauensvoll kuschelte sich Annelie an mich. Ich erzählte ihr vom Gasthaus Zum Paradeiser, in dem die kleine Annelie ihren Teddy Franz vergessen hatte und wie sie sich ganz allein auf den Weg machte, um ihn zurückzuholen. Es war eine lange Geschichte mit vielen spannenden Abenteuern.
Irgendwann waren alle Besucher der Buchhandlung gegangen und der Besitzer kam in die Leseinsel.
„Na, Annelie, hast du wieder jemanden gefunden, der dir vorliest?“, fragte er.
Das Kind drückte mir einen Kuss auf die Wange.
„Ja, Papa. So eine schöne Geschichte habe ich lange nicht gehört!“
„Leider müssen wir jetzt nach Hause, Oma wartet mit dem Abendessen. Ihnen danke ich sehr, dass Sie für meine Tochter da waren. Nachmittags nehme ich sie immer mit hierher, da ist sie gut aufgehoben und manchmal begegnet sie lieben Menschen wie Ihnen, die ihr vorlesen.“
Ich ahnte in diesem Moment, dass Annelie, als sie nach oben deutete und sagte, dass ihre Mutter da oben sei, den Himmel meinte. Das stimmte auch. Das habe ich aber viel später erfahren, denn von da an ging ich jede Woche in die Buchhandlung und erzählte meine Geschichte weiter.
Jetzt habe ich sie auch zu Papier gebracht und sobald sie überarbeitet und gedruckt ist, werde ich sie Annelie schenken.

© Regina Meier zu Verl

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