Oma Betty erklärt, heute „Schwiegermutter“

Oma Betty erklärt
Heute: Schwiegermutter

„Meine Schwiegermutter“, sagt Oma Betty und drückt auf den Knopf der Kaffeemaschine, „hat sich sogar nachts, wenn sie nicht schlafen konnte, einen Kaffee gekocht und sie hat behauptet, dass sie nach einer Tasse wunderbar einschlafen konnte!“
„Und? Stimmte das?“, will ich wissen, denn Mama sagt immer, dass sie abends keinen Kaffee mehr trinken kann, weil sie dann keine Ruhe findet. Ich darf übrigens aus dem gleichen Grund keine Cola trinken.
„Muss wohl gestimmt haben!“, meint Oma Betty.
„Oma?“
„Ja?“
„Was ist eine Schwiegermutter?“ Ich habe das Wort schon so oft gehört, aber so richtig hinterfragt habe ich das noch nicht.
„Meine Schwiegermutter war die Mutter von deinem Opa!“, erklärt Oma Betty.
„Ach so, meine Uroma, stimmt’s?“ Ich habe sie noch kennengelernt, aber so richtig kann ich mich nicht mehr an sie erinnern.
„Ich bin auch eine Schwiegermutter!“, sagt Oma. „Nun rate mal, wessen Schwiegermutter ich bin!“
„Warte, also du bist ja Mamas Mutter und meine Oma und für meine Kinder würdest du die Uroma sein … ich hab’s, du bist Papas Schwiegermutter!“ Das war eigentlich ganz einfach
„Da hast du das Pferd aber von hinten aufgezäumt!“, lacht Oma und das verstehe ich schon wieder nicht. Wie meint sie das denn nun wieder?
„Das sagt man, wenn man auf Umwegen ans Ziel kommt!“ Ich nicke, verstanden habe ich es noch immer nicht so richtig. Wo war denn da ein Umweg? Jedenfalls weiß ich nun, was eine Schwiegermutter ist. Eines Tages werde ich vielleicht auch eine haben und dann werde ich ihr erzählen, dass die Schwiegermutter meiner Oma nachts immer Kaffee getrunken hat. Man soll ja Erinnerungen wachhalten, oder so!

© Regina Meier zu Verl

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Bildquelle Alexas_Fotos/pixabay

Oma Bettys Tränen und die seligen Geister von Herrn Gluck

Oma Bettys Tränen und die seligen Geister von Herrn Gluck

Manchmal weint Oma Betty. Oft kommt das nicht vor, aber gelegentlich schon. Ich versuche sie dann aufzuheitern und erzähle ihr Witze. Sie lacht aber meist aus Höflichkeit. Das merkt man ja, wenn ein Witz gar nicht so richtig ankommt, entweder weil er nicht richtig witzig ist, oder wenn derjenige, der ihn hört einfach nicht in der Stimmung ist.
Oma Betty ist selten traurig. Ich bin dann sehr betrübt, lieber habe ich die Tränen, die sie vor Freude lacht, oder vor Rührung.
Neulich zum Beispiel, da hat sie so herzlich gelacht, dass dicke Tränen über ihre Wangen kullerten. Das war toll und man kann einfach nicht anders und muss mit lachen, bis einem der Bauch wehtut.
Und die Rührungstränen, die weint sie, wenn etwas ganz besonders schön für sie ist. Als Mila letzte Woche zu ihr gesagt hat, dass sie die allerbeste Oma der ganzen Welt ist, da hat sie auch geweint, vor Freude halt.
Ich habe mir vorgenommen, viel öfter solche Tränen bei Oma Betty hervor zu kitzeln. Sicher tut ihr das gut. Mir auch! Denn ich liebe meine Oma sehr.
Wenn Oma schöne Musik hört, dann kann es auch passieren, dass sie sich das ein- oder andere Tränchen verdrückt. Ihre Lieblingsmusik kenne ich schon sehr gut und deshalb war ich voll begeistert, als ich von meinem Klavierlehrer neulich ein neues Stück bekam, das zu Oma Bettys Lieblingsmusik gehört. Ich glaube, ich habe noch nie so fleißig geübt, wie in dieser Woche.
Ihr hättet ihr Gesicht sehen sollen, als ich ihr das Stück dann vorgespielt habe. Prompt nahm sie ihre Geige aus dem Koffer und hat mitgespielt. Zusammen haben wir dann den Reigen seliger Geister so schön gespielt, dass sogar unser Hund mitgesungen hat. Opa hat es wohl nicht so gefallen, er hat sich schnell in den Garten verzogen. Ist halt nicht so sein Ding, die klassische Musik.
Mein Ding eigentlich auch nicht, aber für Oma kann man das wohl mal machen, nicht wahr? Dieser Herr Gluck hat einfach schöne Musik komponiert, da gibt es nichts zu meckern.
Ich habe mich übrigens total gefreut, dass sie die Geige dazu genommen hat. Das hat sie lange nicht gemacht und wenn mich nicht alles täuscht, dann wird sie nun wieder öfter spielen. Finde ich gut!
Jetzt müssen wir nur noch Mila überreden endlich den Flötenkurs zu besuchen, den sie vom Christkind bekommen hat. Bisher weigert sie sich noch. Aber es wäre doch schön, wenn wir zu dritt musizieren könnten. Vielleicht gefällt’s dann auch Opa!

© Regina Meier zu Verl

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