Engelstrompete – #juniverse

Straßenmusik

Michael an der Trompete
sieht heut wie ein Engel aus,
Anton spielt die Altblockflöte,
manchmal übt er auch zu Haus.

Friedrich bläst die dicke Tuba,
lustig, seine dicken Backen.
Die Musik, sie kommt aus Kuba,
Anton hat den Schalk im Nacken,

schlägt wie wild das Tambourin,
bis die Hände heftig schmerzen,
doch egal, was kümmerts ihn,
er ist aufgelegt zu Scherzen.

Im Geigenkasten von Franz-Heinrich
landen ein paar Münzen schon.
Anton bettelt, das ist peinlich,
gehört auch nicht zum guten Ton.

Am Schluss, das Publikum ist weg,
wird einträchtig das Geld gezählt
und die Kohle kriegt dann der,
dem sie gerad am meisten fehlt.

Und: wer bekommt heute die Knete?
Der Michael an der Engelstrompete!

© Regina Meier zu Verl

Mädchenauge – #Juniverse

Mädchenauge – Juniverse

In meinem kleinen Blumengarten
versammeln sich gar viele Arten,
ob Männertreu, ob Wandelröschen,
auch Dahlien gibt’s und die Mimöschen,
Mädchenaugen in gelb und rot
und Kräuter für mein Butterbrot
zum Beispiel Schnittlauch, das auch blüht
so schön in lila fürs Gemüt.
Die Schmetterlinge, die dran saugen,
genau wie an den Mädchenaugen,
die lieben meinen Garten sehr,
er ist ein wahres Blütenmeer.

© Regina Meier zu Verl

Löwenzahn – #Juniverse

Löwenzahn

Während ich die weißen Haare
noch auf meinem Kopf verwahre,
fliegen deine in die Welt
viele hundert, ungezählt.
Schwebend fliegen sie dann fort
Bis zu einem andren Ort,
lassen sich irgendwo nieder
erfreun im nächsten Jahr uns wieder.
Löwenstark, selbst im Asphalt
platzierst du deine Kinder bald.
Grün und gelb, dann weißer Flaum,
so schnell geht das, man glaubt es kaum.

© Regina Meier zu Verl

 

Glückstaler – #Juniverse

Was es braucht

Glückstaler auf der Fensterbank,
einen Notgroschen im Schrank,
ein Enkelkindchen, das dich liebt,
dir Zuckerschnutenküsschen gibt,
Sonnenschein und auch mal Regen,
auszuruhen und bewegen,
mal zu reden, mal zu schweigen
fröhlich sich der Welt zu zeigen,
all das ist so lebenswichtig
und wie’s kommt, so ist es richtig!

© Regina Meier zu Verl

silbenton.de/juniverse-2022

Nachtkerze – #Juniverse

Die Nachtkerze und ich

Eines haben wir gemeinsam,
in der Nacht blühen wir auf,
dabei sind wir beide einsam,
das ist wohl des Lebens Lauf.

Du lockst Falter, sie zu nähren
In der milden Abendluft
die zum Liebling dich erklären,
laben sich nicht nur am Duft.

Mich umkreisen nur zwei Mücken,
wollen stechen, wollen saugen,
doch ich werde sie zerdrücken,
sehe sie nicht – meine Augen

sind nicht mehr so gut in Schuss,
ich gebe auf, gehe ins Bett,
kuschle mich ein, welch ein Genuss
und denk: Sonst war der Tag recht nett.

Und du, Nachtkerze, leuchtest weiter
und beschenkst aus Blütentrichtern,
eine Nacht lang duftig heiter
die Welt mit deinen hellen Lichtern.

© Regina Meier zu Verl

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