Wer wird Chef in der Osterhasenmalstube?

Wer wird Chef in der Osterhasenmalstube?
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„Mein Sohn, es wird Zeit, dass du die Malstube übernimmst. Ich bin ein alter Hase und wünsche mit nichts mehr, als endlich in den Ruhestand zu gehen“, sagte der Hasenvater zu seinem Sohn.
„Ach nein, Papa, das ist nichts für mich. Ich möchte einen Beruf haben, in dem ich das ganze Jahr gebraucht werde und dieser Stress vor Ostern macht mir auch keinen Spaß!“
Der Hasenvater zitterte nervös mit den Barthaaren. Das konnte doch wohl nicht wahr sein. So ein frecher Bengel. Es war eine alte Tradition in der Familie, dass der erstgeborene Sohn das Atelier übernahm und die sollte nicht gebrochen werden.
„Kommt ja gar nicht in die Kiepe“, schimpfte er deshalb und zog Fritz, so hieß der Sohn, an den Ohren, dass dieser vor Schmerz aufschrie.
„Ich schwöre dir bei meinen Löffeln, dass ich einen anderen Beruf erlernen werde. Ich habe mich auch schon erkundigt. Der Bäcker sucht einen Lehrling, ich werde Brot backen und Brötchen und wenn es sein muss, auch Osterzöpfe!“
„Und meine Malstube? Ich kann das allein nicht schaffen!“, murrte der Vater und ließ die Ohren hängen.
„Du hast so viele Kinder, da wird schon eines dabei sein, dass mit Freuden dein Nachfolger werden wird, frag doch mal die Luzie“, riet Fritz seinem Vater.
„Ein Mädchen, es wird ja immer schöner!“
„Du bist so altmodisch, lieber Papa. Es ist doch heute ganz normal, dass eine Frau einen Betrieb leiten kann.“
Der Hasenvater schüttelte ärgerlich den Kopf. Stress, altmodisch, eine Frau als Chef – da kam er nicht mehr mit. Aber es geschah dann doch alles so, wie Fritz vorgeschlagen hatte und zur Osterzeit lieferte Malstubenchefin Luzie bunte Ostereier in die Bäckerei, die kamen dann auf die Hefezöpfe, die Bruder Fritz gebacken hatte.
Der Hasenvater gab es nicht zu, aber insgeheim war er doch stolz auf seine Kinder.

© Regina Meier zu Verl

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Das Hühnchen und der Osterhase

Das Hühnchen und der Osterhase

„Ich werde mir die Welt anschauen“, beschloss das Hühnchen. Freudig piepsend lief es los. Plötzlich blieb es wie angewurzelt stehen. Ein schreckliches Ungeheuer kam ihm entgegen. Alles an ihm war groß und am allergrößten waren seine Ohren. Schnell rannte das Hühnchen zurück.
Das Ungeheuer war ein junger Hase, der sich plötzlich einem gefährlichen Vogel gegenüber sah. Dieser Vogel war zwar winzig, aber er blickte ihn mit scharfem, durchdringendem Blick an. Der spitze Schnabel war auch nicht gerade Vertrauen erweckend und so zog es der Hase vor, sich aus dem Staub zu machen.
Erst nach einigen Metern hielt er an und schaute nach, wie weit sein Verfolger gekommen war. Er sah gerade noch die Schwanzfedern um die Ecke verschwinden. Der Hase richtete sich stolz auf.
„Es gibt also ein gefährliches Tier, das Angst vor mir hat!“, dachte er, den doch alle immer den Angsthasen genannt hatten.
Auch das Hühnchen hatte aufgehört zu rennen. Neugierig trippelte es ein paar Schritte zurück und sah den Hasen in einiger Entfernung sitzen.
Vorsichtig gingen die beiden aufeinander zu und grüßten schüchtern.
„Na du“, sagte der Hase und das Hühnchen antwortete leise: „Na du.“
Sie schwiegen eine Weile und beäugten sich.
„Was bist du für ein Tier? So jemanden wie dich habe ich noch nie gesehen.“
„Danke gleichfalls“, der Hase hoppelte um das Hühnchen herum.
„Ich habe auch noch niemals einen solch komischen Vogel wie dich gesehen.“
„Von wegen, komischer Vogel“, piepste das Huhn aufgeregt, „ich bin ein Huhn und wenn ich größer bin kann ich Eier legen!“
„Ich lach mir ein Ohr ab“, feixte der Hase und schüttelte sich vor Lachen, so dass seine großen Ohren um den Kopf schlackerten. Das sah so komisch aus, dass das Hühnchen mitlachen musste, dabei schlug es aufgeregt mit den Flügeln und drehte sich im Kreis.
„Jetzt aber mal ernst bleiben“, sagte der Hase mit strenger Stimme. „Ich bin der Osterhase und die Eier legen unsere Frauen.“
Es war ja immerhin möglich, dass dieser komische Hase ebenfalls Eier legen konnte, dachte das Hühnchen.
„Wir schenken den Kindern Ostereier, die legt meine Mutter und wir Hasenkinder malen sie bunt an. In diesem Jahr darf ich auch mitmachen“, prahlte der Hase.
Das Hühnchen hatte für heute genug Neues gesehen und gehört.
„Ich muss jetzt nach Hause. Sollen wir uns Morgen wieder hier treffen?“, fragte es. Das Hasenkindungeheuer nickte.
„Okay, wir sehen uns nach dem Frühstück!“ Eilig hoppelte der neue Freund davon und das Hühnchen sah zu, dass es schnell nach Hause kam.
„Kind, wo warst du denn nur? Ich habe dich schon überall gesucht. Du weißt doch, dass ich mein Nest nicht lange verlassen kann, sonst nimmt mir der Bauer die Eier weg.“, schimpfte die Mutter.
„Diesen bösen Bauern werde ich noch ins Bein beißen, wenn ich ihn das nächste Mal sehe!“ Das Hühnchen ärgerte sich.
„Das wirst du nicht tun, sonst gibt es was auf den Schnabel.“ Die Mutter gackerte aufgeregt, sie war froh, dass sie ein so prächtiges Kind aufziehen durfte, das war nicht selbstverständlich, denn die meisten Eier wurden vom Bauern eingesammelt.
„Mama, ich habe heute einen Osterhasen kennen gelernt, er hat mir erzählt, dass er Eier anmalt und verschenkt.“ Mutter Huhn schüttelte verärgert den Kopf.
„Der Prahlhans schmückt sich mit fremden Federn!“
„Er hatte aber keine Federn, Mama, sondern ein weiches Fell. Und er sagte, dass die Hasenfrauen Eier legen können.“
„Das ist es ja, Hasen können keine Eier legen, sie nehmen unsere und bemalen und verschenken sie. Eine Unverschämtheit ist das!“
Das Hühnchen zog es vor, nicht weiter nachzufragen.
In der Nacht träumte es von bunten Eiern und glücklichen Kindern und gleich mit dem ersten Sonnenstrahl hüpfte es aus dem Nest und trippelte zu der Stelle, an der es gestern den Osterhasen getroffen hatte.
Der neue Freund war auch schon da.
„Weißt du was“, schlug er vor, „ich nehme dich mit und zeige dir unsere Malstube.“
Das Hühnchen war begeistert. Sie machten sich auf den Weg und die Hasenfamilie nahm das Hühnchen freundlich auf.
„Wie schön, dass du uns besuchst“, Mama Hase freute sich, sie schnupperte lustig mit dem Näschen.
Dann zeigte sie dem Gast die Ostereiermalstube, in der vier Hasenkinder damit beschäftigt waren, die Eier zu färben. Überall standen Farbtöpfe und Pinsel herum und die Häschen waren auch schon ganz bunt.
„Ich möchte mitmachen“, bat das Hühnchen und rupfte sich eine Feder aus, die es in einen der Farbtöpfe tauchte. Dann malte es feine Muster auf ein schneeweißes Ei.
„Natürlich darfst du mitmachen, schließlich liefert ihr Hühner ja die Eier. Jedes Kind weiß das.“
„Liebe Frau Osterhase, aber dein eigenes Kind weiß es wohl nicht!“
Frau Hase musste nun lachen.
„Ich wollte nur ein bisschen angeben“, erklärte der Hasenjunge.
Dann machten sie sich an die Arbeit und so kam es, dass in diesem Jahr auch ein Hühnchen an der Ostereiermalaktion beteiligt war und es wurden ganz besonders feine Ostereier.

© Regina Meier zu Verl

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