Die Elfe Sumsinella und der englische Glückskäfer (3)

Die Elfe Sumsinella und der englische Glückskäfer

Sumsinella 3

Die wöchentliche Teestunde mit den Freundinnen war Sumsinella heilig. Ganz gleich, wie viel Arbeit sie hatte, den Mittwochnachmittag hielt sie sich frei.
Auch heute trafen sich die drei, diesmal bei Erdbeerina, die einen leckeren Kuchen gebacken hatte, auf dem frische Walderdbeeren in herrlichem Rot prangten.
„Sieht das köstlich aus!“, schwärmte Sumsinella und leckte sich die Lippen. Sie konnte es kaum erwarten, so ein herrliches Kuchenstück auf den Teller zu bekommen.
„Zum Tee habe ich Kleeblütennektar mitgebracht.“ Sumsinella reichte ihrer Freundin ein Eichelhütchen, das mit einem Birkenblatt abgedeckt und verschlossen war.
„Ich habe auch ein Geschenk!“, rief Niesella, die gerade erst angekommen war. „Schaut mal!“
Sie öffnete ihre Hand, auf der ein Marienkäferchen saß.
„Ach, wie niedlich, ein Zweipünktchen!“, rief Erdbeerina.
Der Käfer hob seine Flügel ein wenig an und krabbelte auf Niesellas Handfläche herum. Er flog aber nicht davon.
„Kann er nicht fliegen?“, fragte Sumsinella.
„Frag ihn doch selbst!“, riet Niesella und lachte.
„Kann er denn reden?“ Erdbeerina war völlig aus dem Häuschen. Ein Marienkäfer, der sprechen konnte war etwas ganz Besonderes. Normalerweise sprachen diese Glückbringerchen nicht mit den Elfen, die sonst mit jedem Waldbewohner reden konnten.
„Hallo du, wie heißt du denn?“, fragte Sumsinella und wartete gespannt auf eine Antwort.
„I am a ladybird!“, sagte der Käfer mit leiser Summstimme.
„He? Was hast du gesagt?“ Die Elfen schauten sich verwundert an. Der Käfer sprach, aber sie verstanden kein Wort.
„I am a ladybird!“, sagte der Zweipunkt jetzt und krabbelte auf Niesellas Mittelfinger, direkt bis an die Spitze. Anscheinend hatte er von dort einen besseren Blick auf die Elfenmädchen, die er nacheinander erstaunt anschaute.
„Was spricht der für eine Sprache?“, rätselte Erdbeerina. „Das klingt ganz fremd!“
Sumsinella tippt sich auf die Brust und sagte mit lauter und deutlicher Stimme:
„Sum-si-nella!“
„Ssummssinella!“, wiederholte der Käfer und Sumsinella klatschte erfreut in die Hände.
„Klasse, er versteht mich.“ Dann deutete sie auf Erdbeerina:
„Erd-bee-rina!“
Der Käfer versuchte es auch:
„Errina …“, sagte er und rollte das R ganz seltsam dabei.
Ach, machte das Spaß, mit dem Käferchen zu plaudern. Schade war aber, dass er scheinbar nur wiederholte und gar nicht verstand, was er da sagte.
Doch der Glücksbote stellte sich auf seine Hinterbeine und tippte sich nun seinerseits auf die Brust.
„Ladybird!“, sagte er laut und deutlich.
„Das ist wohl dein Name, Leedibörd, stimmt’s?“
„Yes, yes, my name is ladybird!“ Ladybird flatterte aufgeregt mit den Flügeln und machte ordentlich Wind.
„I am from England and I speak English!“, erklärte der Käfer.
“Inglisch? Du meinst sicher Englisch, oder?” Niesella war glücklich, endlich wusste sie, woher ihr neuer Freund kam und dabei hatten ihr die beiden anderen Elfen geholfen.
„Dann kommst du direkt aus dem Himmel?“, fragte sie.
Ladybird antwortete nicht und Erdbeerina und Sumsinella sahen die Freundin erstaunt an.
„Wie kommst du darauf?“, fragten sie.
„Na, wenn er Englisch spricht, dann kommt er wohl von den Engeln, woher sonst?“
Das war einleuchtend und jetzt wussten die Freundinnen auch, warum man die Marienkäferchen als Glücksbringer bezeichnete. Sie brachten das Glück direkt von den Engeln. Ja, so war es wohl.
Ladybird krabbelte wieder auf Niesellas Handfläche, pumpte ordentlich mit den Flügeln, nahm Anlauf und startete dann seinen Flug.
„Er kann fliegen! Er kann fliegen!“, rief Niesella und verdrückte ein Tränchen, weil sie doch wusste, dass ihr neuer Freund sie jetzt verlassen würde.
„Bye, bye!“, rief Ladybird und die Elfen taten es ihm nach:
„Bei, bei, kleiner Leedibörd, pass auf dich auf!“

© Regina Meier zu Verl

Ein Glückskäfer zum ersten Schultag

Ein Glückskäfer zum ersten Schultag

Maja saß gerne hinter der Hecke mit dem Säulenobst. Hier konnte sie sich prima verstecken, den Käfern und Schmetterlingen zusehen und Kleeblätter mit vier Blättern suchen. Manchmal hatte sie Glück und fand schon nach kurzer Suche ein Glückskleeblatt. Heute hatte sie sogar Doppelglück. Auf einem vierblättrigen Kleeblatt saß ein Marienkäferchen.
Dieses Glück konnte Maja heute gut gebrauchen. Bald nämlich waren die Ferien zu Ende und sie würde dann auch ein Schulkind sein. Davor fürchtete sie sich aber ein bisschen.
„Du hast es gut, kleiner Käfer“, seufzte sie. „Du musst nicht zur Schule gehen.“
Da musste der Käfer aber gehörig kichern. „Hihihihi!“, lachte er. „Du glaubst, wir haben keine Pflichten? Wo sollen wir das Glück herbringen, wenn wir diesen Job nicht zuvor erlernten?“
Maja staunte. „Entschuldige“, sagte sie. „Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Es gibt also nicht nur Baumschulen, sondern auch Käferschulen?“
Ihr gefiel das, warum sollten auch nur Menschenkinder in die Schule gehen?
„Hat dir die Schule auch Angst gemacht?“, fragte sie vorsichtig. Dann erzählte sie dem Käfer von ihren Träumen, in denen es in der Schule immer sehr wild zuging und streng und gar nicht nett. So wie es ihr Pelle und Frieder aus der Nachbarschaft erzählt hatten.
„Ach was!“ Der Käfer lachte. „Deine Freunde erzählen Blödsinn. Schule macht Spaß. Und ich habe da auch gleich eine Idee: Du kommst einen Tag lang mit mir in meine Schule, dafür begleite ich dich am ersten Schultag.“
Hm. Maja überlegte. Keine schlechte Idee. Wer hatte schon einen Glückskäfer als Begleiter?
„So machen wir es“, sagte sie, „und weißt du was, ich freue mich schon darauf. Auf deine Schule.“
„Also gut, dann treffen wir uns in einer Stunde hier. Ich habe noch etwas zu erledigen.“ Der Glückskäfer flog davon.
„Maja! Maja!“, hörte Maja da eine Stimme rufen. Es ist Mamas Stimme.
Sie öffnete die Augen. War sie hier doch glatt eingeschlafen.
„Glückskäfer! Wo bist du?“, flüsterte sie.
Der kleine Käfer aber war verschwunden. Oder hatte sie die Begegnung nur geträumt? Egal. In Majas Gedanken aber war er noch da und als sie am ersten Schultag mit ihrem neuen Ranzen und der Schultüte vor dem Schulhaus stand, saß da plötzlich ein kleiner Marienkäfer auf ihrer Schulter.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl


Glückskäfer, Bildquelle © analogicus/pixabay