Das mutige Mäuschen Martha

Das mutige Mäuschen Martha

„Ich muss das schaffen, irgendwie!“
Martha saß hoch oben auf einem Baum. Ihre feinen Barthaare zitterten vor Aufregung und der Hunger war groß. Deutlich hatte der kleine Mäusemagen geknurrt, so laut, wie das bei einer winzigen Maus eben möglich ist.
Mit ihren zierlichen Vorderpfötchen versuchte Martha den Ring zu greifen, der dort für die Vögel aufgehängt worden war. Die Meisen hatten sich schon reichlich daran bedient. Aber für sie, Martha, musste es doch auch möglich sein, ein Stück vom Körnerkuchen zu erhaschen.
Sie schnupperte und sah sich noch kurz um. Die Luft war rein, sie musste es nun wagen. Mit den Hinterfüßen stieß sich Martha beherzt von dem Zweig ab, auf dem sie gesessen hatte und klammerte sich dann mit allen Vieren am Meisenring fest. Geschafft!
Aber, ach du liebe Güte, wie sehr dieses Ding schaukelte. Da konnte einem übel werden und die Lust auf einen Snack vergehen. Martha schloss die Augen und versucht, sich nicht zu bewegen. „Ganz ruhig bleiben, Martha!“, dachte sie und sehnte sich nach ihrem Nest, in dem sie sich, wenn sie hier lebend davonkam, an ihren Mann kuscheln würde, ganz fest, Ja, das würde sie machen!
Doch zuerst musste sie dieses Abenteuer heil überstehen.
Langsam beruhigte sich der Ring, er schaukelte nur noch ganz sanft. Vorsichtig öffnete Martha ein Auge, dann das andere. Vor sich sah sie leckere Körner, eingehüllt in wohlriechendes Kokosfett. Zaghaft knabberte Martha an dem köstlichen Fett. Das war ein Träumchen und so lecker, unglaublich, dieser Genuss. Immer mutiger werdend schlug sich die kleine Mäusedame den Bauch voll und dass da eine Blaumeise im Landeanflug war, die laut zeterte, war eigentlich ganz gut. Warum? Na, weil Martha sich einfach auf die Erde plumpsen ließ und in Windeseile flüchtete. Ihr war glücklicherweise nichts passiert. Hätte sie darüber nachgedacht, dann hätte sie sich das niemals getraut.
© Regina Meier zu Verl

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Bildquelle Seaq68/pixabay