Eine lustige Hasenjagd

Eine lustige Hasenjagd

„Eins, zwei, drei, und fertig ist das Ei!“, sang Trudi, die kleine Osterhäsin, vergnügt. Sie färbte eifrig Eier für das bevorstehende Osterfest und war sehr beschäftigt.
„Hör doch auf mit diesem albernen Gesang!“, maulte Trotzi, ihr Bruder, dem die gute Laune seiner Schwester gehörig auf die Nerven ging. „Ich habe keine Lust mehr auf diesen Eierkram. Überhaupt: Was habe ich mit Eiern zu tun? Ich bin ein Hase und kein Huhn.“
Er warf den Pinsel in den Eimer und stand auf. „Ich gehe jetzt gleich mal zum Hühnerhof rüber und kläre das mit den Hühnern.“
Oh je! Trudi kannte das schon, jedes Jahr das gleiche Theater. Trotzi war aber auch unbelehrbar. So oft hatte Mama Huhn ihm schon erklärt, was es mit den Osterhasen und den bunten Eiern auf sich hatte, doch er wollte das einfach nicht verstehen. Jetzt würde er bestimmt wieder Streit im Hühnerstall anfangen. Trudi schnaufte schwer. Sie musste das verhindern. Und schnell eilte sie ihrem kleinen Hasenbruder hinterher.
Vom Hühnerstall her hörte sie schon ein aufgeregtes Gackern und Hahn Reginald trompetete viele laute Kikerikis in die Frühlingswelt hinaus.
„Oh!“, murmelte Trudi. „Ich fürchte, ich bin zu spät.“
Doch da sah sie den trotzigen Trotzi auf einmal hinter den Ställen im wilden Hasengalopp über die Weide jagen. Bruno, der Bernhardinerhund, raste hinter ihm her. Er hatte aber keine Chance, den flinken kleinen Hasen zu erwischen und Trotzi wusste das genau. Er schlug Haken um Haken, näherte sich dann wieder dem Hund, um im letzten Moment wieder zu entwischen. Bruno bellte und bellte und Trotzi kicherte.
Ja, Trudi hörte es ganz genau. Dieser freche Lümmel machte sich lustig über den armen Hofhund Bruno, der unentwegt weiter hinter ihm her hechtete. Auch die Hühner waren auf die beiden aufmerksam geworden. Eines nach dem anderen hüpften sie auf den Bretterzaun und begannen auch sie zu kichern und zu lachen. Was für eine Vorstellung!
Als Bruno schließlich aufgab und sich ermattet ins Gras fallen ließ, verlor Trotzi die Freude am Jagen. Er ließ sich noch von den Hühnern ein bisschen feiern und versprach, bald wieder mal vorbeizuschauen. Nun habe er aber keine Zeit mehr, er müsse seiner Schwester helfen, die wunderbaren Eier zu färben, die beim Osterfest in den Nestern liegen sollten.
„Meine Damen!“, sagte er noch. „Sie sind die schönsten Hühner, die ich weit und breit gesehen habe.“
„Schmeichler!“, kicherte Trudi.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

Osterhäsin wartet auf ihren Mann

Arthur, Friedrich und die Schiffschaukel


Arthur, Friedrich und die Schiffschaukel

Leckeren Pflaumenkuchen gab es am Sonntag. Mit süßer Sahne. Die ganze Familie saß auf der Terrasse und alles hätte wunderbar sein können, wenn da nicht plötzlich ein markerschütternder Schrei die fröhliche Runde erschreckt hätte.
Opa sprang auf. „Dieses Mal erwische ich den Übeltäter!“, rief er und rannte um die Ecke zum Schuppen hinüber.
Alle anderen sprangen ebenfalls auf und folgten Opa. Hinter dem Schuppen befand sich das Gehege für das Federvieh und der Schrei konnte nur von Arthur kommen. Der spazierte aufgeregt im Gehege herum und seine Kumpels, die Hühner gackerten.
Wer Arthur war? Ein Pfau, der bei Opa Asyl gefunden hatte und der die Ruhe im Hühnerhof gerne mal störte. Wo aber steckte Friedrich, der Hahn?
„Arthur? Was hast du mit Friedrich angestellt?“, rief Opa und die kleine Anna fing an zu weinen. Friedrich war nämlich ihr allerliebstes Tier und auch ihr bester Freund.
„Ist Friedrich tot?“, schluchzte sie. „Hat Arthur dem Friedrich weh getan?“
„Beruhige dich. Ich glaube, der Übeltäter ist nicht Arthur, sondern Friedrich. Wo hat er sich nur wieder versteckt, dieser Feigling.“ Opa hatte schon einige Male beobachtet, wie der Friedrich dem Pfau eine Feder auszupfen wollte.
„Warum ist Friedrich gemein zu Arthur?“, fragte Anna.
„Weil er ein Halunke ist“, antwortete Opa mit Empörung in der Stimme.
„Ach was“, sagte Oma. „Er ist eifersüchtig, der dumme, alte Kerl.“
„Ja, ja, die Männer!“, sagte Mama mit einem Seitenblick auf Papa, der gerade über das Tor zum Hühnerhof stieg und auf den Hühnerstall zuging. Er bückte sich, schaute kurz hinein und dann lachte er. Er konnte sich gar nicht mehr beruhigen.
„Das müsste ihr euch anschauen!“, rief er und hielt sich den Bauch vor Lachen.
In der hintersten Ecke des kleinen Stalls saß Friedrich. Er war kaum zu sehen, weil drei Hennen sich schützend vor ihn gestellt hatten.
„Dieser Feigling lässt sich von den Frauen beschützen!“, rief Oma und versuchte die Hennen zu verjagen. „Weg, weg, weg mit euch!“
Da war sie aber bei Anna an der falschen Adresse. „Lasst Friedrich in Ruhe!“, rief sie empört. „Er ist nur müde von gestern. Wir haben Schiffschaukel gespielt, der Friedrich und ich.“
Sie deutete zur Schaukel am Nussbaum hinüber. „Das hat großen Spaß gemacht! Auch Friedrich war glücklich. Er hat auf meinem Schoß gesessen und wir sind ganz hoch in den Baum hinauf geschaukelt. Nein, bis zum Himmel fast. Dann ist Friedrich sogar ein kurzes Stück geflogen. Sehr glücklich war er, das weiß ich. Auch den Hennen hat es Spaß gemacht. Sie haben uns zugesehen und laut gegackert. Oh! Da war vielleicht etwas los!“ Anna lachte, dann zeigte sie mit spitzem Finger zu Pfau Arthur hinüber. „Nur Arthur war sauer. Und wie!“
Da mussten alle nun aber lachen. Was für Ideen Anna immer hatte!
Nur Pfau Arthur war beleidigt. Er schlug ein Rad und stolzierte davon. Er konnte nicht verstehen, warum das kleine Mädchen diesen blöden Hahn ihm vorzog, wo er doch so ein prächtiges Federkleid hatte und überhaupt das schönste Wesen unter der Sonne war! Oder etwa nicht?

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

Beim Spielen, Bildquelle © summa/pixabay

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