Opa und Julia schreiben ihren Jahresrückblick

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Bildquelle AkhilKokani/pixabay

Opa und Julia schreiben ihren Jahresrückblick

„Stör Opa bitte nicht, Julia! Er braucht heute seine Ruhe!“ Mama fängt Julia auf dem Weg ins Wohnzimmer ab.
„Will ich ja gar nicht, ich möchte nur ein wenig zuschauen. Was macht er denn eigentlich?“, fragt Julia neugierig, denn Opa sitzt nun schon seit Stunden am Schreibtisch im Wohnzimmer. Manchmal schreibt er etwas auf, aber die meiste Zeit schaut er einfach vor sich hin und denkt.
„Er schreibt seinen Jahresrückblick. Du weißt doch, dass er das in jedem Jahr zwischen den Feiertagen macht und pünktlich zu Silvester schickt er den Bericht an alle Verwandten und Freunde.“
„Oh, da muss er sich aber beeilen, spätestens am 30. Dezember muss die Post ja dann im Briefkasten sein, oder?“
„Stimmt! Wir haben aber beschlossen, dass wir das in diesem Jahr per Mail machen, dann muss er es nur ein einziges Mal schreiben und erreicht doch fast alle.“
„Gute Idee!“ Julia gefällt das und sofort erwacht in ihr der Wunsch, auch so einen Rückblick zu schreiben. Wenn Mama wieder in der Küche verschwunden ist, wird sie sich zu Opa schleichen und ihn fragen, wie man das macht.
Leise öffnet sie die Tür zum Wohnzimmer. Gemütlich ist es darin, die Lichter am Weihnachtsbaum leuchten und im Kamin flackert ein lustiges Feuer.
„Hallo Opa, magst du einen Tee trinken?“, fragt Julia.
„Das ist eine gute Idee. Bringst du mir einen?“ Opa schaut erfreut auf. „Ich könnte eine kleine Pause gebrauchen und vielleicht kannst du mir sogar ein bisschen helfen!“
Das klingt spannend, gern will Julia helfen. Doch zuerst holt sie Tee aus der Küche und ein paar Kekse, die könnten beim Denken behilflich sein, findet Julia.
„Danke, mein Kind. Dann können wir ja loslegen. Kannst du dich noch an meinen Geburtstag erinnern, Julia?“
„Klar, Opa, das war ein tolles Fest. Alle Verwandten waren da, es gab leckeres Essen und später haben wir sogar getanzt!“
„Weißt du auch noch, wie das Lied hieß, dass die Gratulanten für mich gesungen haben? Ich denke schon die ganze Zeit drüber nach und es will mir einfach nicht wieder einfallen. Ich möchte es gern als Motto für meinen Jahresrückblick nehmen.“
„Was ist das? Ein Motto?“, will Julia wissen.
Opa erklärt: „Wenn ihr in der Schule einen Aufsatz schreibt, dann bekommt ihr doch ein Thema gestellt. Ein Motto ist so was Ähnliches: ein Thema, das als Überschrift gilt und zu dem man immer irgendwie wieder hinleitet. Ein Leitgedanke sozusagen!“
„Ich verstehe, warte!“, Julia überlegt einen Moment, dann fängt sie an zu singen.
„Das Lesen ist des Peters Lust, das Lesen ist des Peters Lust, das Le-he-sen. Er liest so gern bei Tag und Nacht, das Licht wird niemals ausgemacht bevor das Buch zuende ist, zu-en-hen-de!“
Opa lacht. Ja, genau so war das und es stimmt ja auch, er ist eine Leseratte. Er liest immer, jeden Tag und jeden Abend und es macht ihm große Freude.
„Danke, Julia!“ Opa ist dankbar, nun hat er sein Motto gefunden und schon beginnt er zu schreiben.
„Opa, was schreibst du jetzt?“
„Ich schreibe über die Bücher, die ich in diesem, Jahr gelesen habe und über die Ereignisse des Jahres – eben alles, was so passiert ist. Dafür nutze ich mein Tagebuch, denn da habe ich ja schon alles aufgeschrieben. Der Jahresrückblick wird nur kürzer werden, sonst mag das ja niemand lesen, nicht wahr?“
„Ich verstehe!“ Julia steht auf und will gerade das Zimmer verlassen, als der Großvater sie zurückruft. „Wo willst du denn hin?“
„Ich hole mein Tagebuch und dann fange ich auch an zu schreiben!“
„Und wie lautet dein Motto?“, will Opa wissen.
„Mein Opa und ich und die Tagebücher“, antwortet Julia verschmitzt.
An diesem Nachmittag werden die beiden nicht mehr gesehen, sie sind in ihre Tagebücher vertieft und picken die interessantesten Ereignisse heraus, um sie mit den Freunden und der Familie zu teilen. Das macht Spaß, ungeheuren Spaß!

© Regina Meier zu Verl

Das Rentier im Supermarkt

Das Rentier im Supermarkt

Am Eingang des Supermarktes „Kaufmada“ in der beschaulichen kleinen Stadt, am Rande des Teutoburger Waldes, steht seit ein paar Tagen ein Rentier in Originalgröße. Es trägt einen Sattel, an dem zwei große Körbe hängen. Neben ihm ist eine Tafel aufgestellt, darauf steht:

Liebe Kunden! In unserer Stadt leben viele Menschen, die sich nicht erlauben können, sich zu Weihnachten Leckereien zu kaufen. Manchmal fehlt es sogar an den Grundnahrungsmitteln, um zum Fest vielleicht einmal einen Kuchen zu backen. Denken Sie beim Einkauf doch auch an diese Menschen und spenden Sie – vielleicht eine Tafel Schokolade oder ein Pfund Mehl.
Wir danken Ihnen schon jetzt und wünschen allen eine wunderbare Adventszeit. Ihr „Kaufmada-Team“.

„Guck mal, Mama. Das ist eine gute Idee, findest du nicht auch?“
„Ja, das finde ich auch. Wir sollten etwas spenden!“
Lena und ihre Mutter betrachten das Schild und Lena streichelt das herrlich weiche Rentier.
Während sie dort stehen, kommt eine Frau und legt zwei Beutel mit Nüssen in einen der Körbe. Das gefällt Lena sehr. Sie lächelt die Frau an und diese, die zuvor noch etwas mürrisch dreingeschaut hatte, lächelt zurück.
„Die sollen arbeiten, dann haben sie auch was zu essen!“, schimpft eine junge Frau, die ein weinendes Kind an der Hand hinter sich herzieht. „Unverschämt, diese Bettelei!“
Lena lächelt das Kind an, das sogleich aufhört zu weinen. „Hallo, ich heiße Lena, und du?“, fragt sie. Das Kind antwortet nicht, aber die Mutter antwortet gereizt: „Das ist Bella und sie ist heute mächtig schlecht gelaunt!“
„Schau, kleine Bella, das ist das Rentier vom Nikolaus. Freust du dich auch schon auf Weihnachten?“, fragt Lena und führt die Hand des Kindes zu dem kuscheligen Fell. Bella lacht und schmiegt ihre Wange an das Tier.
„Ich habe es eben nicht so gemeint“, sagt Bellas Mutter. „Ich bin etwas genervt und das überträgt sich dann auf das Kind und alles wird noch schlimmer.“
„Ich passe auf Bella auf, während sie einkaufen“, schlägt Lena vor und sieht ihre Mutter bittend an. „Das darf ich doch, oder?“
Die Mutter ist einverstanden und die beiden Frauen machen sich auf, ihre Einkäufe zu erledigen. „Denk an die Spende!“, ruft Lena der Mutter noch nach, dann setzt sie sich mit Bella auf den Schlitten, der dort als Dekoration steht. Sie spielen: Ich sehe was, was du nicht siehst und haben viel Spaß miteinander.
Wohlwollend betrachten die Menschen die beiden spielenden Kinder und deren Lächeln überträgt sich wohl auf ihre Herzen. Im Nu sind die beiden Körbe des Rentieres gefüllt. Der Marktleiter kommt mit einem Einkaufswagen und bringt die Spenden zu einem Tisch, wo sie gesammelt und sortiert werden.
„Später packen wir Pakete und dann bringen meine Mitarbeiter und ich diese Gaben zu Familien, die arm sind und sich darüber freuen werden.“, erklärt er den Kindern.
„Jetzt weiß ich auch, warum das hier ein Supermarkt ist!“, ruft Lena begeistert.
„Ihr seid alle super hier und Du bist auch super, Herr Kaufmada!“

© Regina Meier zu Verl