Turteltauben

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Bildquelle Alexas_Fotos/pixabay

Turteltauben

„Guten Morgen, du schönste aller Tauben“, schmeichelte der dicke Täuberich und ließ sich neben die Angesprochene auf den Ast plumpsen.
„Huch“, piepste die, „hast du mich erschreckt und sicher sagst du das jeder Frau, sei doch ruhig!“
Sie rückte ein wenig von ihm ab und würdigte ihn keines Blickes.
„Mitnichten“, gurrte der Täuberich, „ich beobachte dich schon eine ganze Weile. Keine Schönere als dich habe ich gesehen, ganz ehrlich!“
Dem Taubenmädchen gefielen diese Worte sehr. Es wünschte sich schon lange die Wärme eines hübschen Nestes mit einem Gefährten an der Seite, der sich um sie kümmern würde.
„Keine Taube sollte allein sein, findest du nicht auch?“ Der Täuberich rückte näher und berührte das Ringeltaubenmädchen zaghaft. „Lass uns heiraten!“
Das junge Täubchen wurde ein wenig verlegen, aber der Gedanke an eine Hochzeit war so wunderschön, dass es nicht lange auf die Antwort warten ließ.
„Ja, das wollen wir tun, komm, wir wollen uns beeilen. Kennst du eine Brieftaube, die unsere Familien benachrichtigt?“
Der Täuberich lachte vor Freude. „Du machst mich damit zur Lachtaube, meine Liebe, so froh bin ich!“
Das Vogelmädchen schlug verlegen die Augen nieder.
„Und du machst mich zur Hochzeitstaube. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen“, ihr helles Lachen begleitete diese Worte am frühen Morgen – irgendwo, auf einem Lindenast in einem Dorf direkt vor der Kirche.

© Regina Meier zu Verl


Von einer Taubendame, die verlassen wurde, handelt das Gedicht: Die Taube

Trilli, Ted und der Frühling

Trilli, Ted und der Frühling

„Du hörst mir gar nicht richtig zu!“, schimpfte Trilli, die kleine Blaumeise. „Schau mich doch bitte an, wenn ich mit dir rede!“
Ted, ihr Mann, ließ sich nicht beirren. Er nahm weiter das köstliche Wasser in seinem Schnabel auf und ließ es genüsslich die Kehle hinunter rinnen.
„Ah, das tut gut!“, seufzte er zufrieden. „Du solltest auch mehr trinken!“, fügte er noch hinzu.
Trilli wollte nichts trinken, sie wollte auch keine guten Ratschläge hören. Sie wollte mit Ted über die Familienplanung reden, denn es gab noch viel Arbeit, die zuvor zu erledigen war.
„Willst du denn gar keine Kinder?“, fragte sie noch einmal, ein wenig lauter diesmal.
„Mach mich nicht verrückt! Natürlich will ich Kinder, aber jetzt habe ich erstmal Durst und genieße das Wasser. Danach können wir über Kinder reden!“
Trilli schwieg beleidigt. Ihre Freundin Meilinde war längst mit dem Nestbau beschäftigt. Trilli wollte auch endlich ein Nest bauen. So schön stellte sie es sich vor, den ganzen Tag auf den Eiern zu hocken und vor sich hin zu träumen, vom Ehemann gefüttert zu werden und dann später mit drei oder vier entzückenden Vogelkindern beschenkt zu werden. Hach!
„Liebst du mich denn gar nicht mehr?“, fragte sie ihren Ted und rückte ein Stückchen näher an ihn heran. „Hast du denn gar keine Frühlingsgefühle?“
„Doch habe ich! Ich liebe das frische Wasser, das frische Grün und überhaupt: Ich liebe den Frühling so sehr!“, schwärmte Ted.
„Du liebst den Frühling, und was ist mit mir?“ Trilli war kurz davor in Tränen auszubrechen.
„Du bist mein Frühling und mein Sommer, du bist alles für mich, meine Liebe!“ Ted flüsterte es beinahe, aber es klang so schön, so echt, so wunderbar, dass Trilli ihren Ärger vergaß. Sollte Meilinde doch fleißig ihr Nest bauen, sie, Trilli, würde nun erst einmal mit ihrem Ted kuscheln und morgen war ja auch noch ein Tag.

© Regina Meier zu Verl

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Bildquelle Gellinger/pixabay