Frieder und der Erdbeerkönig

Frieder und der Erdbeerkönig

Frieder und seine Mama waren zum Erdbeeren pflücken auf dem großen Feld von Onkel Albert gewesen. Mama hatte einen Eimer mitgenommen. Sie brauchte viele Erdbeeren, denn sie wollte später leckere Marmelade kochen.
Frieder hatte auch einen Eimer dabei, den kleinen gelben mit den roten Punkten. Doch den brauchte er eigentlich nicht. Er hatte einen Mund und einen Bauch, nein, einen großen Mund und einen großen Bauch und das genügte ihm.
Als Mama und er dann wieder zu Hause ankamen, war Frieder satt und zufrieden und er hatte eine leuchtend rote Schnute.
„Hoffentlich bekommst du keine Bauchschmerzen“, meinte Mama, die immer sehr um Frieder besorgt war.
„Ach was, bekomme ich schon nicht“ sagte Frieder. Aber Erdbeeren mochte er nun auch nicht mehr essen und Mama helfen, dazu hatte er so gar keine Lust.
„Ich bin erschöpft vom Pflücken!“, verkündete er. Und insgeheim drückte es ihm ja doch auch ein bisschen im Bauch. Frieder fühlte sich voll bis obenhin angefüllt mit Erdbeeren, Erdbeeren, Erdbeeren. Und ein bisschen Schokolade, die hatte er von Tante Helene geschenkt bekommen und mit aufs Erdbeerfeld genommen. Die drückte auch im Bauch.
Er setzte sich auf den Boden und blätterte lustlos in einem Bilderbuch, das eigentlich für Babys geschrieben war, so für 4 oder 5 Jahre, und Frieder war schon fünfeinhalb. Da, im Buch saß der Erdbeerkönig auf einer Baumwurzel.
„Hey, Frieder!“, sagte er mit einer tiefen, aber sehr angenehmen Stimme. Frieder erschrak trotzdem. ‚Woher kennt der mich?‘, dachte er und wollte das Buch schnell wieder zuklappen. Das gelang aber nicht, denn nun stemmte der Erdbeerkönig sich gegen die Seite.
„Halt!“, rief er, „Nicht zuklappen, ich will dir etwas sagen.“
Frieder zuckte zusammen. Das konnte doch nicht der Erdbeerkönig aus dem Buch sein, der da zu ihm sprach. Das kam wohl davon, wenn man zu viel in sich hineinfutterte. Er hielt sich die Hand vor den Bauch und überlegte, ob er zu Mama hinüber flüchten sollte.
„Nur Mut, junger Mann!“, meldete sich da die Stimme wieder zu Wort. „Sei neugierig?“
„Aber, aber mir ist doch ein bisschen übel!“, stammelte Frieder.
„Das wird gleich wieder besser werden, hör zu, ich erzähle dir etwas, das wird dir helfen!“, sagte der Erdbeerkönig. Frieder war gespannt, so gern hörte er Geschichten, da würde er doch nicht auf diese hier verzichten. Er atmete tief durch und schloss für einen Moment die Augen. Und da begann die Geschichte auch schon: „Es war einmal ein Land mit dem Namen ‚Erdbeerland‘ und da …“
Mehr hörte Frieder nicht mehr. Die vielen Erdbeeren in seinem Bauch hatten ihn müde gemacht, so müde, dass er einmal laut gähnte und dann auch schwupps – einschlief. Der Erdbeerkönig aber erzählte und erzählte und wer weiß, vielleicht redet er immer noch.

© Regina Meier zu Verl

Die Junifrau und die Beerenzeit


Die Junifrau und die Beerenzeit

„Beeren. Frische Beeren! Ihr Leute, seht, ich habe euch meine Beeren mitgebracht. Nur von mir und eigens für euch. Kommt und seht und genießt!“
Laut hallte die Stimme der Junifrau übers Land.
„Erdbeeren gibt es hier längst zuhauf. Seit Wochen schon“, antwortete ein Stimmchen.
Die Junifrau schaute sich um, konnte aber nicht entdecken, wer da zu ihr sprach. Auch ärgerte es sie, dass man ihr Widerworte gab. Wie ungehörig! Dabei hatte sie doch die süßesten, saftigsten Erdbeeren mitgebracht. Dazu Himbeeren, Johannisbeeren in rot und schwarz und Stachelbeeren.
„Das… das kann nicht sein“, rief sie. „Ich allein bin die Beerenfrau, die dem Sommer die süßen Beerenfrüchte, nach denen sich Menschen und Tiere so sehr sehnen, zurückbringt. Beere für Beere küsse ich reif und kein anderer kann diesen Job erledigen. Nicht ohne meine beerenwarmen Hände. Hörst du?“
Das Stimmchen kicherte. „Aber du musst doch zugeben, meine Gute, dass du ohne die Sonne nicht viel taugst. Da können deine Küsse und die beerenwarmen Hände noch so nett sein. Ohne Sonne geht nichts!“
„Oha!“ Die Junifrau wollte nun endlich wissen, wer ihr da Widerworte gab. So einen Empfang war sie nicht gewöhnt.
„Was redest du?“, rief sie. „Die Sonne ist mir sehr nahe und sie wird es auch immer bleiben. Was sonst, glaubst du, wäre der Sommer ohne uns beide? Keine Wärme gäbe es, keine Ernten, keinen Sommer. Daher kann man fast sagen, wir sind so etwas wie Schwestern, Frau Sonne und ich.“
„Na gut, dann ist das eben so!“, antwortete das Stimmchen. „Du musst mich nun entschuldigen, ich ziehe mich in mein Haus zurück. Der Mittagsschlaf, weißt du?“
Die Junifrau erblickte zu ihren Füßen, mitten im Erdbeerbeet, eine Schnecke.
„Ach, du bist das!“, murmelte sie versöhnlich. „Dann wünsche ich dir ein erholsames Schläfchen. Ich habe noch jede Menge zu tun! Obwohl, müde bin ich auch. Und wie müde ich bin!“
Sie gähnte und … Da! Ein Glöckchen bimmelte. Nein, es war ein vielstimmiger Glöckchenklang. Er riss die Junifrau aus dem Schlaf.
„Was … wie … wo bin ich?“, murmelte sie und rieb sich die Augen.
„Das fragen wir uns auch!“, riefen die Beeren an ihren Sträuchern. „Wir wollen nicht länger warten! Wir wollen reifen und warten auf den Zauber deiner Junisüße!“
„Ich … ich bin doch schon da. Haben wir uns nicht gerade schon unterhalten?“
Die Junifrau war verwirrt. Verwundert sah sie sich um. Sie lag ja noch in ihrem Winterschlafquartier in ihr Wolkenbett eingekuschelt und schwitzte! Hatte sie ihre Reise ins Juniland und das Gespräch mit der kleinen, frechen Schnecke nur geträumt?
„Ein Glück!“, murmelte sie. „Sie warten noch auf mich, die Beeren. Und ich dachte schon, ich …“
Die Junifrau musste sich aber keine Gedanken machen. Es war nur ein Traum gewesen. Sie wurde sehnsuchtsvoll erwartet, die Menschen liebten den Sommer und die Beeren. Das war schon immer so und würde es auch bleiben.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

Beerenzeit, Bildquelle © butenko94/pixabay

 

Monatsgeschichten JUNI findest du hier:
Die Junifee, die die Nächte heller machte
Vom arbeitssamen Monat Juni
Die Zeit des kleinen Sommers
Die Junifrau und die Beerenzeit
Und hier geht es weiter zur Julifrau: Die Reisen der Julifrau

*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*

*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*-*