Tanzen Engel Cha-Cha-Cha?

Tanzen Engel Cha-Cha-Cha?

„Im Himmel ist Jahrmarkt, die Engel tanzen Cha-Cha-Cha!“, singt Oma Henriette, nicht schön, aber laut.
„Oma, was ist denn Jahrmarkt und was ist Cha-Cha-Cha?“, will die fünfjährige Mila wissen.
„Kind! Das sind schon wieder zwei Fragen!“ Oma Henriette lacht und insgeheim staunt sie über ihre wissbegierige Enkelin, die immer gleich mehrere Fragen stellt.
„Cha-Cha-Cha ist ein Tanz“, sagt sie dann. „Und Jahrmarkt ist ein Rummel, man kann auch Kirmes dazu sagen.“
„Aha“, sagt Mila und überlegt.
„Haben die Engel denn so viel Zeit, dass sie tanzen können?“, fragt sie dann. „Und dürfen sie das überhaupt? Im Himmel tanzen, meine ich.“
„Sicher, warum denn nicht?“, will Oma Henriette wissen.
„Hm! Weil … weil Engel immer brav sind und nur brave Dinge tun. Und …“ Sie weiß nicht weiter.
„Meinst du, dass Engel immer brav sind?“, fragt Oma.
„Ja, das glaube ich. Aber wenn sie tanzen, dann haben sie ja gar keine Zeit, meine Geschenke zu basteln, oder? Basteln dann andere meine Geschenke?“, fragt Mila.
„Wie kommst du darauf, dass Engel Geschenke basteln?“, fragt Oma erstaunt.
„Wer sonst? Glaubst du, Papa schwindelt mich an?“, fragt Mila. „Er sagt immer, ich soll brav sein. Besonders vor Weihnachten. Ein Engel soll ich sein, sagt er, weil die Engel sonst kein Geschenk für mich haben werden.“
Oma Henriette grinst. Dann lacht sie.
„Was ist denn, Oma? Warum lachst du?“, will Mila nun wissen.
„Dein Vater hätte sicherlich niemals ein Geschenk bekommen, wenn die Engel dafür zuständig gewesen wären!“
„Nicht? Mag Papa Engel denn nicht leiden? Ist er böse zu ihnen gewesen? Oder glaubt er nicht an sie? Oder …“ Frage über Frage sprudelt über Milas Lippen und Oma Henriette ruft:
„Halt, Milakind! Das sind noch mehr Fragen als sonst. Wie soll ich die alle beantworten?“
„Eine nach der anderen, Mutter!“
Weder Mila, noch Oma Henriette hatten bemerkt, dass Papa ins Zimmer gekommen war. Oma Henriette wird rot im Gesicht.
„Dein Papa glaubt wohl an die Engel, nicht wahr, Andy?“ Papa nickt.
„Und er glaubt, dass die Engel die Geschenke basteln, oder, Andy?“ Papa nickt wieder. Mila kann sich nicht erklären, warum er bei diesem ernsten Thema so grinst.
„Und dein Papa war immer brav? Meinst du, dass man das so sagen kann, Andy?“, fragt Oma.
Jetzt ist es Papa, dessen Wangen sich röten, bei jedem von Omas Worten mehr, bis er einen tomatenroten Kopf hat. „D-das ist doch schon so lange her“, stammelt er. „Vorbei und vergessen. Außerdem“, er macht eine Pause, sieht Oma bittend an, „ja, außerdem war ich noch so klein … damals …“
Mila lächelt, mit einem sicheren Gespür dafür, wann es genug ist, wechselt sie das Thema.
„Wie tanzt man eigentlich Cha-Cha-Cha? Und haben wir die richtige Musik dafür, Oma?“
Oma springt auf wie ein junges Mädchen, mit sicherem Griff findet sie die CD im Ständer und einen Moment später erklingt das Lied: „Feliz Navidad“
„Darf ich bitten?“, sagt Oma und Papa kann nun nicht anders, als mit seiner Mutter ein beschwingtes Tänzchen zu wagen. Mila findet das super!

© Regina Meier zu Verl

Hier lese ich euch die Geschichte vor.

Photo by Tim Gouw on Pexels.com

Das scheint nur so

Das scheint nur so

eine Engelgeschichte, ganz ohne Flügel und Rauschgoldhaar

Willi war gerade mal zehn Jahre alt, als es zum ersten Mal passierte. Er maß dem keine Bedeutung bei, erst viel später erinnerte er sich daran.
Auf dem Schulhof war die kleine Grete heftig gestürzt. Ihr Knie blutete und sie weinte jämmerlich. Um sie herum stand eine Traube von Kindern. Keines wusste, was zu tun war und der Lehrer Zimmermann war gerade mit einer Rangelei der älteren Jungen beschäftigt. Willi, der Grete kannte, weil sie in seiner Nachbarschaft wohnte, trat zu ihr und beruhigte sie mit leisen Worten.
„Ist nicht so schlimm, komm, leg deine Hände um meinen Hals, dann trage ich dich zum Sekretariat. Dort wird man dein Knie versorgen.“
Grete legte die Hände auf Willis Schulter und ließ sich von ihm tragen, die anderen Kinder traten einen Schritt zurück und ließen die beiden durch. Die nette Schulsekretärin säuberte die Wunde und legte einen Verband an. Grete weinte, aber Willi wich nicht von ihrer Seite. Das tat gut!
„Danke, Willi, du bist ein Engel!“, flüsterte Grete in sein Ohr, als sie später gemeinsam zum Klassenraum gingen.
„Das scheint nur so!“, sagte Willi beschämt, aber er freute sich auch, denn Engel sind ja etwas Schönes und für Grete wollte er gern ein Engel sein und sie beschützen, wenn es nötig war.

Ein anderes Mal hatte sich die Nachbarin aus ihrer Wohnung ausgesperrt. Da stand sie mit ihrem Baby vor der Tür und wusste nicht, was sie machen sollte. Ein Handy hatte sie nicht, das gab es damals noch nicht und weit und breit war kein Mensch zu sehen, der ihr hätte helfen können. Willi kam gerade vom Fußball zurück, es war kalt und er freute sich auf ein heißes Bad, als er die Nachbarin entdeckte, die verzweifelt ausschaute und deren Baby jämmerlich weinte.
„Was ist passiert?“, rief er ihr zu und wechselte die Straßenseite, um ihr näher zu sein.
„Ich habe mich ausgesperrt und nun weiß ich nicht, was ich machen soll. Das Baby hat Hunger und mein Mann kommt erst am Abend heim. Sowas Dummes aber auch!“ Die Frau weinte nun auch, nicht so laut wie das Kind, aber doch mit dicken Tränen.
Willi lud die Frau ein, mit zu ihm zu kommen. „Meine Eltern sind zwar nicht zu Hause, aber das geht schon in Ordnung, wir kennen uns doch!“, sagte er. „Vielleicht können Sie ihren Mann anrufen!“, schlug er vor und schloss die Haustür auf.
„Danke, Willi!“, sagte die Frau, als sie kurze Zeit später in der warmen Stube von Willis Eltern saß und ihr Baby stillte. Willi war etwas verlegen, aber was sein musste, musste sein.
Als die Nachbarin nach einer Stunde von ihrem Mann abgeholt wurde, sagte sie: „Willi, du bist ein Engel!“ Verlegen antwortete er: „Das scheint nur so!“

So zogen sich kleine Hilfestellungen für anderen durch Willis Leben. Er heiratete, wurde Vater und engagierte sich in Kindergarten und Schule und immer wieder gab es Ereignisse, nach denen andere zu ihm sagten: „Willi, du bist ein Engel“ und stets antwortete er: „Das scheint nur so!“

Einmal saß er in der Kirche und hörte aufmerksam den Worten des Pastors zu, der sagte: „Engel sind mitten unter uns. Man erkennt sie nicht an ihren rauschenden Goldhaaren oder weißen Gewändern. An ihren Handlungen kann man sie wahrnehmen und ihre Anwesenheit spüren. Sie sind an unserer Seite und beschützen und helfen uns.“
Willi wurde verlegen, als seine Frau seine Hand nahm und fast unmerklich nickte, so als wollte sie sagen: „Willi, du bist mein Engel!“ Willi lächelte und zum ersten Mal fühlte er keinen Widerspruch in sich. Gern wollte er ihr Schutzengel sein und er war es immer für sie und viele andere gewesen. Daran sollte sich nichts ändern.
Und das tat es auch nicht und so, wie wir alle eines Tages gehen müssen, musste auch Willi im hohen Alter diese Welt verlassen. Als er die Himmelspforte erreichte und Petrus zu ihm sagte:
„Willi, du bist ein Engel!“, widersprach er nicht. „Ja, das bin ich!“, antwortete er und macht sich auf, im Himmel nach seinen Angehörigen zu suchen, die ihm vorausgegangen waren.

© Regina Meier zu Verl
Hier lese ich euch die Geschichte vor.

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Bildquelle Pexels/pixabay

Silver, der kleine Engel

Silver, der kleine Engel

Es war ein paar Tage vor Weihnachten. Der kleine Engel Silver trottete traurig durch den verschneiten Winterwald. Eiskalte Füße hatte er, daran konnten auch seine heißen Tränen nichts ändern. Er hätte fliegen können, doch dazu fehlte ihm die Kraft.
Es war Nacht. Glücklicherweise schien aber der Vollmond hell auf den glitzernden Schnee. So schön sah das aus, doch Silver nahm es nicht wahr.
„Nun sag mal“, sagte der kleine Fuchs, der plötzlich mitten auf dem Weg stand. „Was ist denn nur mit dir los? Du weinst ja zum Herzerbarmen!“
„Stimmt“, schluchzte der Engel. „Es ist aber auch alles so furchtbar traurig!“
„Kann ich dir helfen?“, fragte der Fuchs.
„Mir kann niemand helfen!“, heulte Silver und schon wieder tropfen dicke Tränen in den Schnee.
„Lass es mich doch versuchen“, schlug der Fuchs vor. Er setzte sich vor die Füße des kleinen Engels und schlug seinen buschigen Schwanz um seine Vorderpfoten. Sehr anmutig sah das aus. Silver, der noch nie einen Fuchs aus der Nähe gesehen hatte, war beeindruckt von dessen Eleganz.
„Wie schön du bist!“, rief er bewundernd aus und das meinte er auch ganz ehrlich.
Der Fuchs lächelte, das Kompliment freute ihn.
„So schöne Worte für mich von einem so schillernden Wesen wie dir“, schmeichelte er. „Dabei bist du viel schöner als ich. Dein silbernes Engelshaar leuchtet im Dunklen. Jeder Stern müsste vor Neid blass werden.“
Silver überlegte einen Moment. Sollte der Fuchs etwa recht haben? Doch mit dem winzigen Hoffnungsfünkchen stellten sich schon im nächsten Augenblick heftige Zweifel ein.
„Das mag sein, aber alles an mir ist falsch. Alle anderen Engel sind von goldener Farbe, ihr Haar, ihre Gewänder, ihr Sternenschmuck im Haar. An mir ist alles Silber. Das ist nicht richtig und deshalb bin ich so unglücklich!“
„Tja“, sagte der Fuchs. „Du musst lernen, dich selbst zu lieben. So mache ich das auch und deshalb bin ich ein glücklicher Fuchs.“
„Ich werde es versuchen“, versprach der kleine Engel halbherzig.
„Gut“, sagte der Fuchs. „Denk immer an meine Worte! Mach‘s gut, kleiner Engel!“
Der Fuchs erhob sich und ging seines Weges. Erst jetzt bemerkte Silver, dass der hübsche Fuchs das linke Hinterbein schwerfällig hinter sich herzog.
Lange schaute er ihm nach und er schämte sich. Er jammerte und jammerte, nur wegen seiner Farbe und der Fuchs, der offensichtlich ein schweres Schicksal zu tragen hatte, strahlte Zuversichtlichkeit und Glück aus.
„Warte, Fuchs!“, rief Silver laut. „Lass mich ein Stück mit dir gehen!“
Doch der Fuchs drehte sich nicht um und er wartete auch nicht auf den kleinen Engel. Also ging Silver allein weiter. Er hatte aufgehört zu weinen. Auch die Last auf seinen Schultern schien ihm plötzlich nicht mehr so schwer zu sein. Vorsichtig hof er seine Flügel an und hob sich in die Luft.
„Ich kann es wieder“, jubelte er. „Ich bin gut, so wie ich bin. Das werde ich von nun an beherzigen und dann wird sich erfüllen, was mir mein Freund Gabriel prophezeit hat, der gesagt hatte: „Kleiner Engel Silver, Engel werden mit ihrem Namen geboren und wie dein Name, ist auch alles weitere an dir silbern. Das ist kein Zufall, sondern Bestimmung. Eines Tages wirst du wissen, was das zu bedeuten hat.“

Was es damit auf sich hatte, das werden wir auch schon bald erfahren, denn das ist schon wieder eine neue Geschichte von Silver, dem kleinen silbernen Engel.

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Engel unter sich (ein kleines Hörspiel für Zwei)

Wolkenhimmel

Zwei Engel, ein junger und ein älterer, sitzen auf einer dicken Wolke. Es ist kurz vor Weihnachten. Die beiden ruhen sich aus, denn sie haben für die Festvorbereitungen kräftig gearbeitet.

Kleiner: Na du!

Großer: Na du? Was soll das denn heißen?

Kleiner: Wollte nur mal Hallo sagen, mir ist so langweilig hier!

Großer: Mmh, ja, ein bisschen langweilig ist mir auch! Hast du denn auch schon alle Aufgaben erledigt?

Kleiner: Klar, ich war in diesem Jahr in der Backwerkstatt. Ich kann dir sagen: tonnenweise Mehl haben wir da verarbeitet. Junge, war das eine Arbeit!

Großer: Ein bisschen Respekt bitte, ich bin kein Junge, ich bin ein Engel, ein alter dazu.

Kleiner: Sorry, habe ich doch nicht böse gemeint. Weißt du, ich mag dich doch!

Großer: So? Mmh, ja, wie soll ich es sagen?

Kleiner: Sag einfach wie dir der Schnabel gewachsen ist …

Großer: Ich habe aber keinen … ach egal. Ich wollte sagen, dass es mich freut, wenn du mir sagst, dass du mich magst! Hat mir lange keiner mehr gesagt!

Kleiner: Oh, dann wurde es ja Zeit. Sollen wir ein bisschen singen?

Großer: Ach nein, weißt du, meine Stimme ist etwas kratzig. Früher konnte ich schön singen, da war ich sogar im Engelchor. Ach, was haben wir schöne Konzerte gegeben.

Kleiner: Toll. Ich spiele in diesem Jahr im Orchester mit, darauf freue ich mich schon sehr. Morgen haben wir wieder eine Probe. Ich muss gleich noch ein bisschen üben. Spielst du mit?

Großer: Ich kann das nicht und um es zu lernen bin ich wohl schon zu alt! Schade!

Kleiner: Ach was, du bist doch nicht alt. Alles kann man lernen, man muss es nur wollen!

Großer: Meinst du?

Kleiner: Meine ich!

Der junge Engel zieht seine Flöte hervor und einen Putzstab. Er fängt an, das Instrument zu reinigen.

Großer: Was machst du da?

Kleiner: Ich reinige meine Flöte, weißt du, sie muss von innen immer gut ausgewischt werden, sonst verändert sich das Holz und dann klingt sie nicht mehr schön. Wenn ich gleich fertig bin, dann zeige ich dir, wie man spielt!

Großer: Ach, das ist vergebliche Liebesmüh, das lerne ich nie. Bin viel zu alt dafür!

Kleiner: Jetzt hör aber auf, ständig mit deinem Alter zu kokettieren. Du bist nicht alt, nur älter als ich und was macht das schon?

Großer: Wenn du meinst!

Kleiner: Meine ich!

Der junge Engel reicht dem Alten die Flöte und zieht eine weitere Flöte hervor.

Kleiner: Zuuuufällig habe ich noch eine Flöte, die ist schon sauber. Wir können also loslegen.

Großer: Loslegen? Ich?

Kleiner: Ja pass auf, ich zeige es dir. Du musst den linken Daumen schön dicht auf das Daumenloch legen, guck hier hinten …

Großer: Okay, das klappt. Und dann?

Kleiner: Dann legst du den Zeigefinger auf das oberste Loch, den Mittelfinger auf das nächste und immer so weiter, bis alle Finger auf der Flöte sind. Mach mal!

Großer: So? Mach ich das richtig? Aber ich höre gar nichts!

Kleiner:Haha, du bist mir ja einer. Du musst oben reinpusten, sonst hört man natürlich nichts, ist doch klar!

Großer: Ach so, ja, warte, ich versuche es mal! (Er spielt ein paar Töne) Klingt schaurig! So wird das nichts, glaube ich!

Kleiner: Nicht so ungeduldig – wir haben ja etwas ganz Wichtiges vergessen!

Großer: Was denn?

Der kleine Engel fasst in seine Tasche und holt etwas Sternenstaub heraus, er pustet ihn über beide Flöten!

Kleiner: So, nun kann es losgehen, was spielen wir?

Großer: Weiß ich doch nicht, sag du!

Kleiner: Für den Anfang was Leichtes … eins, zwei drei vier

Die beiden spielen „Alle Jahre wieder“, es klappt ganz gut!

Großer: Ich bin beeindruckt, das hätte ich nicht gedacht, dass das so gut klappt.

Kleiner: Du bist eben cool!

Großer: Cool?

Kleiner: Talentiert, meinte ich.

Großer: Meinst du?

Kleiner: Meine ich!

Sie nehmen wieder die Flöten. der Kleine zählt an. Sie spielen: Hört der Engel helle Lieder, es klingt wunderbar.

Kleiner: Ich werde vorschlagen, dass du im Orchester mitspielen kannst!

Großer:Das wäre wunderbar. Schon immer wollte ich in einem Orchester mitspilen. Danke, kleiner Engel, du bist …

Kleiner: Cool?

Großer: Ja, genau!

Kleiner: Wenn du meinst!

Großer: Meine ich!

© Regina Meier zu Verl