Schuhgröße Neun, Reizwortgeschichte

Clematis, Couch, clever, campen und chauffieren
Das waren die Reizwörter, die diesmal verarbeitet werden mussten.
Schaut bitte auch bei meinen Kolleginnen:

Martina und Lore

Schuhgröße Neun

Oma stand im Garten und bewunderte die Blütenpracht der Clematis, die sich in diesem Jahr von ihrer besten Seite zeigte und üppig an der Dachrinne hochkroch.
„Ist sie nicht wunderbar?“, seufzte sie ein ums andere Mal, erwartete aber keine Antwort. Doch ich war clever, ich ging auf ihre Jubelrufe ein und staunte laut mit ihr. Ich wollte nämlich mit meinem Freund im Garten campen und brauchte dafür ihr Einverständnis.
„Ach Oma, ich habe noch in keinem anderen Garten so eine prächtige Clementine gesehen!“, rief ich ihr von der Terrasse aus zu.
„Das heißt Clematis, Junge. Wie oft muss ich dir das noch sagen?“, schimpfte Oma. Dass ich mir das aber auch nicht merken konnte, das war blöd.
„Sorry, immer wieder vergesse ich den Namen der Schönheit!“, entschuldigte ich mich und summte das Lied von Clementine, das wir im Schulchor neulich gesungen hatten. Eigentlich war es ein trauriges Lied von einem Bergmann, der seine Tochter Clementine so sehr vermisste, aber mir gefiel es.
„Das kenne ich!“, jubelte Oma und stimmte den Refrain an: „Oh my darling, oh my darling, oh my darling Clementine!“
Sie lachte. „Jetzt weiß ich auch, warum du meine Blümchen immer verwechselst.“
„Stimmt, die Clementine aus dem Lied soll ja auch sehr schön gewesen sein, sie hatte nur furchtbar große Füße. Größe Neun, das war ihr Verhängnis!“, erzählte ich Oma, denn wir hatten im Unterricht nicht nur gesungen, sondern auch den Text übersetzt.
„Habe ich auch!“, sagte Oma. „Große Füße meine ich! Aber da fällt mir ein, dass ich unbedingt noch was einkaufen möchte. Fragst du Opa bitte mal, ob er mich in die Stadt chauffiert?“
Wie praktisch, dachte ich mir. Dann könnte sie doch ein paar Chips und Limo mitbringen, die wir beim Zelten verspeisen konnten. „Dürfen Tom und ich in eurem Garten campen, Oma?“, fragte ich.
„Meinetwegen, aber frag auch Opa, du findest ihn auf der Couch!“
Auch Opa war einverstanden. Also stand einem tollen Wochenende nichts mehr im Wege und Chips und Limo gab es auch, aber erst nach den Grillwürstchen und Omas leckerem Kartoffelsalat.

© Regina Meier zu Verl