Der Zauberer Theodosius

2012-12-02 14.07.23
Der Zauberer Theodosius

„Ich bin ein Zauberer!“, rief der Weihnachtsmanngehilfe Theodosius und sprang einen halben Meter in die Höhe. „Ein großer Zauberer bin ich, jaja!“
Die anderen Gehilfen kicherten.
„Jetzt fängt er wieder mit diesem Blödsinn an!“, schimpfte Ambrosia, die das schon aus den vergangenen Jahren kannte. „Gleich zaubert er Weihnachtsgebäck und wir dürfen die Sache dann wieder ausbaden, weil wir, wie immer, in Verzug geraten werden!“
„Nun lass ihn doch, vielleicht hat er das Zaubern ja gelernt mittlerweile und wenn das so wäre, dann würde er uns jede Menge Arbeit ersparen“, meinte Klarina, die ein bisschen verliebt in Theodosius war.
Dankbar schaute Theodosius zu ihr hin und lächelte sie strahlend an und Klarina war hin und weg.
„Ihr nun wieder!“ Das war Ambrosia, die kopfschüttelnd die Backstube verließ. Sicher wollte sie wieder beim Weihnachtsmann petzen.
„Dann lass doch mal sehen!“, schlug Klarina vor und klopfte Theodosius aufmunternd auf die Schulter. „Was zauberst du uns zuerst?“
„Ja, ja!“, riefen auch die anderen. „Zeig, was du kannst!“
„Okay, dann mal los!“, sagte Theodosius. „Man stelle fünf Schüsseln auf den Tisch, alle müssen die gleiche Größe haben!“, ordnete er an.
Sogleich stellten die neugierigen Gehilfen fünf Schüsseln bereit. Dann sahen sie Theodosius erwartungsvoll an.
Der murmelte ein paar unverständliche Worte, hielt die Hände über jede Schüssel und wartete.
Dann rief er: „Okay, nun brauche ich eine riesige Schüssel, viel größer als die fünf anderen!“
Klarina holte eine große Schüssel aus dem Regal und stellte sie zu den anderen.
„Danke, du Liebe!“, schmeichelte Theodosius. „Nun werden die kleinen Schüsseln befüllt, in eine kommt viel Butter, in die nächste viel Zucker, in die nächste doppelt so viel Mehl, in die vierte gemahlene Mandeln und in die fünfte eine Prise Salz, ein wenig Vanillemark, etwas Zimt und Kardamom!“, ordnete er an.
„Der schmiert uns doch an!“, flüsterte Bella, eine der Kleinsten.
„Pst!“, machte Klarina und legte den Zeigefinger auf die Lippen. „Stör ihn nicht!“
Als alle Zutaten verteilt waren, die Gehilfen hatten sich echt beeilt, murmelte Theodosius ein paar Worte in die leere Riesenschüssel, hob die Hände, schloss die Augen und rief dann:
„Vereinigt euch, ihr leckeren Dinge, dass euer Geschmack uns Freude bringe!“
Dann wurde es ganz still, man hätte eine Stecknadel fallen hören können, so still wurde es. Aber – es geschah nichts.
„Und jetzt?“, fragte Klarina in die Stille hinein.
Theodosius kratzte sich am Kopf. „Mmh, da muss ich wohl eine wichtige Zutat vergessen haben!“, murmelte er und ging die Zutatenliste im Kopf noch einmal durch.
„Ich hab’s, alles muss nun in die große Schüssel!“, rief er.
„Klar, das hätte ich dir auch sagen können!“ Klarina schüttelte den Kopf. Wollte er sie etwa für dumm verkaufen? So viel Frechheit hatte sie ihm nun doch nicht zugetraut und ein Fünkchen Hoffnung, dass der Zauber noch käme, wenn erst alle Zutaten in der Riesenschüssel wären, blieb noch. Also füllte sie alles, Butter, Zucker, Mehl, Mandeln und Gewürze in die Riesenschüssel und wartete.
Und sie wartete und wartete, nichts tat sich. Wie auch?
Klarina fing an, den Teig zu kneten, dann formte sie kleine Kugeln und die anderen Gehilfen gingen ihr zur Hand. Sie rollten den Teig aus, stachen Sterne aus und legten die Teigstücke auf die großen Backbleche. Der Ofen wurde angeheizt und nach und nach wurden die Bleche in den heißen Ofen geschoben. Ein köstlicher Duft breitete sich aus, der weit bis über die Backstube hinaus zu riechen war.
Während alle zusammen mit dem Verzieren der Plätzchensterne beschäftigt waren, kam auch Theodosius zurück.
„Es hat funktioniert!“, rief er begeistert aus. „Plätzchen backen, ohne einen Finger zu bewegen! Ich bin ein großer Zauberer!“

© Regina Meier zu Verl

Zimt schmeckt am besten im Winter

Zimt schmeckt am besten im Winter

Alina und Mama backen Plätzchen. Es ist gar nicht einfach, den Teig flach auszurollen. Alina muss sich mächtig anstrengen.
„Kann ich jetzt mit dem Ausstechen beginnen, Mama?“, fragt sie wieder und wieder, und jetzt hat sie endlich Glück.
„Ja, kleine Nervensäge“, antwortet Mama. Sie lacht. „Hier hast du die Formen. Wir haben Sonne, Mond, Sterne und ein Engelchen. Sogar ein Tannenbaum ist dabei und ein Nikolaus-Stiefel.
Alina ist eifrig bei der Sache. Nachdem die Plätzchen ausgestochen sind, werden sie mit Eigelb bepinselt.
„Du machst du prima“, lobt Mama. „Ich mische nun noch Zucker und Zimt. Das streuen wir dann auf das Eigelb.“ Sie nimmt ein Schälchen, mischt einen großen Löffel gemahlenen Zimt mit drei Löffeln Zucker.
Mmh, das riecht lecker! Alina kann nicht widerstehen und nascht ein wenig davon.
„Ich muss doch probieren, ob du nicht aus Versehen Salz genommen hast“, sagt sie und lacht.
Mama schmunzelt. „Gegen diese Ausrede gibt es nichts einwenden“, meint sie. „Zimt ist übrigens ein ganz altes Gewürz. Schon vor 4500 Jahren hat man es in der chinesischen Küche benutzt.“
„Dann kommt der Zimt aus China? Oder kann er auch bei uns im Garten wachsen?“, fragt Alina.
„Der Zimt kommt aus Asien und damit auch aus China“, erklärt Mama. „Ein Baum, der dort wächst, liefert ihn uns.“
„Du meinst, Zimt wächst auf Bäumen wie Äpfel oder Nüsse?“
„Nicht ganz“, sagt Mama. „Man schält die Borke von diesen Bäumen, und unter ihr befindet sich eine dünne Rinde. Die wird durch Abschaben geerntet, und dabei bilden sich kleine Röllchen. Die werden getrocknet und als Stangenzimt verkauft. Zimtpulver entsteht, indem man diese Zimtrollen in einer Mühle mahlt. Ganz einfach, nicht?“
Währenddessen sind die ersten Plätzchen fertig geworden.
„Das riecht toll!“, ruft Alina. „Noch besser als Reisbrei mit Zucker und Zimt, ja, und so richtig nach Winter und Weihnachten. Hmmm…!“

© Elke Bräunling und Regina Meier zu Verl

Zimt, Bildquelle © ulleo/pixabay