Weihnachten im Stall 16. Dezember

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16. Dezember
Die Tiere versuchten schon einmal für sich, ein Bild aufzustellen.
„Das hier“, Jessy zeigte auf den Wassereimer, den er mitten in den Stall geschleppt hatte, „ist wohl mal die Krippe. Wir müssen uns da noch etwas Besseres einfallen lassen, aber erstmal geht es so!“
Schorsch stellte sich rechts vom Wassereimer auf, Berta legte sich malerisch vor ihn.
„Gut so?“, fragte sie und leckte sich mit ihrer langen Zunge über die Augen. Sie war nämlich ein wenig eitel und hoffte, dass ihre Wimpern im nassen Zustand besser zur Geltung kämen.
„Ja, okay!“, meinte Jessy. „Ich werde mich dann auf die andere Seite stellen, dann rahmen wir Großen das Bild schön ein. Die Schafe sollten sich dann vor mir platzieren!“
Agnes, Trudi und Lisbeth drängelten. Jede von ihnen wollte vorn stehen. Schließlich einigten sie sich darauf, dass sie eine Reihe bildeten und somit alle vorn standen.
„Jetzt die Mäuse!“, rief Jupp lockend. „Ihr müsst ganz nach vorn, sonst sieht man euch nicht!“
„Das hätteste wohl gern!“, zeterte Erna, die Älteste. „Wir werden schön in Sicherheit bleiben und uns erst dann aufs Bild gesellen, wenn du, Jupp, deinen Platz eingenommen hast. Weit weg von dir und denk an unseren Vertrag!“
„Vertrag?“, fragte Jupp. „Ich habe nichts unterschrieben!“
Schorsch räusperte sich verärgert.
„Du, mein Lieber hältst dich zurück, sonst kannst du was erleben. Ich habe genau gehört, dass du versprochen hast, dass du niemandem was tust und versprochen ist versprochen!“
„Und wird auch nicht gebrochen!“, fügte Berta hinzu.
Jessy bot den Mäusen an, sich auf seinen Rücken zu setzen.
„Da seid ihr in Sicherheit und man sieht euch auch viel besser!“, schlug er vor.
Familie Maus probierte das sofort aus und war begeistert.
„Nicht so viel hin und her laufen, das kitzelt!“, kicherte Jessy.
„Und nun alle mal die Luft anhalten und feierlich gucken!“, rief Lisbeth. In diesem Moment wurde die Stalltür geöffnet.

Oh je, nun üben sie gerade so schön und gucken feierlich (wie das wohl geht?). Da kommt jemand in den Stall – wer das ist, werdet ihr morgen erfahren. Schaut bitte wieder rein!

Weihnachten im Stall 15. Dezember

IMG_20141219_15085108515. Dezember
Hendrik räusperte sich. „Also dann sage ich euch mal, was mir gerade so eingefallen ist.“
„Ja, mach das, heute ist schon der 15. Dezember, so langsam aber sicher wird es Zeit!“, meckerte Agnes.
„Du alte Ziege, sei doch still!“, schimpfte Berta, die genau wusste, dass sie Agnes damit auf die Palme bringen konnte. Agnes ließ sich heute aber nicht aus der Ruhe bringen.
„Wohl dem, der eine Fremdsprache beherrscht!“, murmelte sie.
„Verflixt, ihr benehmt euch wie ungezogene Gören, seid doch endlich still und lasst den Jungen reden!“, schimpfte Schorsch.
„Also …“, begann Hendrik noch einmal. „Wir schreiben die Weihnachtsgeschichte ein wenig um. So, dass sie zu uns passt und wir mit dem arbeiten können, was uns zur Verfügung steht. Dann stellen wir ein stilles Bild auf und ich lese unsere Geschichte dazu. Wir findet ihr das?“
„Stilles Bild? Was soll das denn bedeuten? Sind Bilder nicht immer still?“, wollte Trudi wissen und Lisbeth fügte hinzu: „Du willst also, dass wir schweigen und uns nicht bewegen?“
„So ähnlich!“, erklärte Hendrik. „Bewegen dürft ihr euch schon! Wir sind ja Lebewesen, ein lebendiges Bild ohne Sprache sollte es sein!“
Jupp nickte wissend. Er fand, dass das eine ausgesprochen gute Idee von Hendrik war. Auf diese Weise könnten sie ohne viele Proben eine lebendige Krippenszene darstellen. Die Sache mit der Geschichte würde Hendrik schon meistern, da war Jupp sicher. Er kannte doch seinen Freund.
„Ich muss los!“, flüsterte Hendrik, der gerade auf seine Uhr geschaut hatte. „Nicht, dass mich meine Eltern hier erwischen, dann gäbe es ein Donnerwetter und die ganze Vorfreude wäre dahin!“
„Donnerwetter? Wo? Wann? Warum? Mitten im Winter ein Gewitter? Oh, ich habe so Angst vor Gewittern!“, sagte Berta und sie zitterte mit den Ohren.
„Quatsch!“ Schorsch schüttelte den Kopf. Kühe waren eben doch dumm.
„Näh, näh, näh, kein Gewitter, ein Donnerwetter bedeutet, dass Hendrik ausgeschimpft werden wird, näh, näh, das dürfen wir nicht riskieren!“, meinte Lisbeth. Sie schubste Hendrik mit der Schnauze an.
„Sieh zu, dass du in die Falle kommst!“ – „Falle?“, rief Berta verängstigt.

Aha, ein stilles Bild wollen sie also aufstellen. Hoffentlich gelingt das und es gibt keinen Streit, das könnte man nun gar nicht gebrauchen. Sehen wir morgen, wie es weitergeht …

Weihnachten im Stall 14. Dezember

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14. Dezember
Um Mitternacht schlich sich Hendrik dann wieder in den Stall zu einer kurzen Besprechung. Er erzählte seinen Freunden, was er heute von seiner Mutter erfahren hatte und auch seine Kinderbibel hatte er mitgebracht.
„Schaut her, so hat es damals im Stall wohl ausgesehen. Hier ist eine Zeichnung!“, sagte er und zeigte das Bild einer Krippenszene herum.
„Oh, guck mal, da sind wir!“, rief Erna Maus.
„Tatsächlich!“ Jessy betrachtete begeistert das schöne Bild. „Und hier bin ich!“, sagte er stolz.
Berta hielt sich zurück und auch Schorsch sagte keinen Ton. Jupp maulte beleidigt: „Da ist so ein blöder Hund drauf. Ich mag keine Hunde!“
Lisbeth, Agnes und Trudi hatten sich auch entdeckt. Aber was waren das für Tiere, die da noch zu sehen waren?
„Das sind ja seltsame Gestalten! Habe ich noch nie gesehen!“ Jessy deutete auf eine Reihe von riesigen Vögeln mit langen Hälsen.
„Oh weia, wenn die mal Halsschmerzen haben, das tut weh!“
„Das sind Bratenvögel!“, erklärte Jupp. „Beim Festessen liegen sie immer nackt auf dem Teller und alle Menschen rufen: „Oh, wie lecker! Manchmal bekomme ich ein Stückchen ab. Ich kann euch sagen, die schmecken vorzüglich!“
„In unserer Krippe brauchen wir die nicht!“, beschloss Schorsch, der wusste, dass es sich dabei um Gänse handelte. Er hatte ja Geschichten gehört, die Hendrik ihm damals vorgelesen hatte. Einmal war es um den kleinen Nils Holgersson gegangen, der, als Wichtelmann verzaubert auf dem Rücken einer Gans nach Lappland gereist war.
„Aber Bratenvögel sind das auch nicht, es sind Gänse!“, fügte er noch hinzu.
„Jaha, Gänsebratenvögel! Du hast recht!“ Jupp, der immer das letzte Wort haben wollte, lachte. „Hendrik, du bist ja so still heute, was ist los?“, wollte er dann von dem Jungen wissen.
„So kommen wir nicht weiter!“, antwortete Hendrik nachdenklich. „Ich habe überhaupt noch keine Vorstellung davon, wie unser Krippenspiel aussehen könnte.“
„Er hat recht!“, meinte Berta. „Mach du doch einen Vorschlag, Junge!“

Man weiß noch nicht so richtig, wohin der Weg führen wird. Aber sicher fällt Hendrik noch ein, wie man das Krippenspiel gestalten könnte. Morgen geht es weiter …

Weihnachten im Stall 13. Dezember

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13. Dezember
Hendrik erholte sich schnell. Bereits am nächsten Morgen hatte er wieder Appetit und außer einer laufenden Nase plagte ihn nichts mehr.
Er freute sich darauf, in der Nacht wieder mit den Tieren sprechen zu können und er machte sich bereits eifrig Notizen auf seinem Block.
„Du Mama, wie war das eigentlich damals in Bethlehem? Gab es da Licht im Stall?“, wollte er von seiner Mutter wissen.
„Das weiß ich nicht! Vielleicht eine Laterne? Kerzen wären ja viel zu gefährlich gewesen in einem Stall voller Heu und Stroh!“, antwortete die Mutter.
„Stimmt!“ Hendrik strich das Wort Licht dick durch.
„Und hatten sie im Stall einen Weihnachtsbaum?“, war die nächste Frage.
„Nein, Weihnachtsbäume hat man erst viel später aufgestellt, genau weiß ich das nicht. Lass Papa doch nachher mal nachschauen. In Bethlehem hatten sie jedenfalls keinen!“
„Okay!“ Hendrik strich auch den Weihnachtsbaum durch.
„Was machst du denn da eigentlich? Etwa freiwillige Hausaufgaben?“, fragte Mama.
„Es interessiert mich einfach!“ Das war nicht geflunkert, Hendrik wollte möglichst genau Bescheid wissen, damit er den Tieren die Wahrheit erzählen konnte.
„Eine Frage noch: Was ist mit Musik? Haben sie Weihnachtslieder gesungen damals?“
Die Mutter schüttelte den Kopf. „Nein, auch das haben sie damals sicher nicht gemacht. Vielleicht hat Maria dem Jesuskind ein Wiegenlied gesungen, das könnte ich mir gut vorstellen.“
Hendrik nickte. So langsam wurde ihm klar, dass das Weihnachten von heute ganz anders war, als der Heilige Abend damals, als Jesus geboren wurde. War ja auch klar. Es wusste ja niemand so richtig, was eigentlich los war. Außen den Hirten und später den Königen. Aber zuallererst hatten die Tiere davon erfahren, denn sie waren ja dabei.
„Das war ganz schön gemein damals, dass Maria und Josef in einem Stall wohnen mussten!“, meinte Hendrik nachdenklich. Eine Nacht im Heu im Sommer, das war toll, aber mitten im kalten Winter, das war heftig. Er konnte sich das jedenfalls nicht so richtig vorstellen und dann dieses kleine Baby, wie musste das gefroren haben.

Wie gut, dass Hendrik sich erholt hat, schließlich brauchen ihn die Tiere für ihr Vorhaben. Sicherlich ist es für den Jungen auch eine sehr spannende Aufgabe. Wie es weitergeht erfahrt ihr, wenn ihr morgen wieder reinschaut …

Weihnachten im Stall 12. Dezember

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12. Dezember
Im Stall wurde es mucksmäuschenstill. Alle warteten auf das Gebet. Lisbeth räusperte sich einmal kurz und dann betete sie:
„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf grüner Aue und führet mich zum frischen Wasser!“ Atemlose Stille.
Lisbeth schluckte, sie hatte den weiteren Text vergessen, aber das war gar nicht so schlimm. Mit ihren eigenen Worten fügte sie hinzu:
„Ich bin ein kleines Wollschaf und war mein ganzes Leben brav. Drum bitte ich in dieser Stund‘, mach unsern Hendrik schnell gesund!“
„Amen!“, sagte Jessy ergriffen, der von Lisbeths Gebet sehr beeindruckt war.
„Das hast du aber schön gesagt, Lisbeth!“, lobte Schorsch, der Tränen in den Augen hatte.
Jupp machte sich wieder auf den Weg ins Haus, um nach Hendrik zu sehen und die anderen Tiere unterhielten sich noch eine Weile leise miteinander. Es war eine schöne, adventliche Stimmung im Stall. Nun musste nur noch Hendrik gesund werden, dann könnten sie weiter Pläne schmieden für den Heiligen Abend.
„Schaut mal nach oben. Ist das nicht der Weihnachtsstern dort?“, fragte Agnes leise.
Alle Tiere schauten gespannt durch die Dachluke.
„Kann nicht sein!“, meinte Jessy. „Wenn ich mich nicht irre, haben wir heute erst den 12. Dezember. Der Weihnachtsstern geht erst am 24. Dezember auf.“
Schorsch lachte wiehernd.
„Leute, das ist doch der Mond, scheint Vollmond zu sein. Der Weihnachtsstern hat einen Schweif, so wie ich!“
Er wedelte bedeutungsvoll und ein bisschen stolz mit dem Schwanz.
„Blödmann!“, kreischte Jessy. „Ich habe auch einen und Berta auch und sogar die Mäuse haben einen!“
„Näh, näh, was seid ihr doch für eingebildete Schnösel!“, schimpfte Trudi, die sich eher selten zu Wort meldete.
„Und dumm dazu!“, meckerte Agnes.
„Stimmt genau!“, bekräftigte Lisbeth die Aussagen ihrer Freundinnen.
„Aber mal ganz nebenbei, wir haben auch einen, jawoll!“

Nach dem feinen Gebet kann der Hendrik ja nur noch gesund werden, findet ihr nicht auch? Wollen wir es ihm wünschen und weiter gespannt bleiben, was nun passieren wird. Schaut einfach morgen wieder rein, wenn ihr mögt.

Weihnachten im Stall 11. Dezember

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11. Dezember
Die anderen Tiere waren sehr gespannt, was für eine Idee Schorsch hatte. „Dann leg mal los!“, forderte Jessy ihn auf.
„Mach zuerst mal die Tür auf, wenn ich mit euch rede, dann will ich auch bei euch sein!“, bat Schorsch, der in seiner Box immer allein war und sich mächtig anstrengen musste, um über die hohe Holztür zu schauen.
Jessy packte den Riegel mit den Zähnen und öffnete die Tür.
„Aber nicht abhauen, verstanden?“, ermahnte er das Pony.
„Werde ich schon nicht, bin ja nicht blöd!“ Schorsch schaute sich neugierig um.
„Was guckste so? Noch nie einen Gemeinschaftsstall gesehen?“, fragte Berta, die nur im Winter im Stall wohnte. Ansonsten graste sie auf der Weide und kaute den ganzen Tag vor sich hin. Jetzt aber war es kalt geworden und sie lebte im Stall, genau wie Jessy und die Schafe. Schorsch, der schon ein wenig in die Jahre gekommen war, verbrachte die meiste Zeit in seiner Box. Man sagte ihm nach, dass er sich nicht mit anderen vertragen könnte. Das stimmt aber nicht, er war halt ein Einzelgänger und das war er gern. Für das Weihnachtsspiel wollte er eine Ausnahme machen und außerdem könnte er so seinem Liebling Hendrik etwas näher sein.
„Als ich damals so krank war, erinnert ihr euch, da hat Hendrik mir immer vorgelesen aus seiner Kinderbibel!“, erzählte Schorsch. „Ich habe das geliebt, seine helle Stimme hat mich geheilt, auch wenn ich nicht alles verstanden habe, was er vorgelesen hat. Einiges habe ich aber behalten und vor allem …“ Er machte eine kunstvolle Pause. Die anderen Tiere lauschten gebannt. „Vor allem weiß ich eines: er hat so eine Bibel, in der alles drinsteht, was wir wissen müssen. Wir sollten also heute dafür beten, dass Hendrik schnell gesund wird, damit er uns weiterhelfen kann!“
Insgeheim wünschte sich Schorsch, dass Hendrik ihnen vorlas. Dieses Glück wollte er gern mit den anderen teilen, auch wenn er ansonsten ein Einzelgänger war.
„Ich kenne ein Gebet!“, rief Lisbeth aufgeregt.
„Na dann, sag es auf!“, übernahm Jessy wieder die Führung, Schorsch hatte ihn zwar beeindruckt, aber nun hatte er genug geredet.
„Mache ich! Ich muss mich nur kurz besinnen und ihr müsst alle ganz still sein!“, sagte Lisbeth und schloss die Augen.

Was wird sie sagen, die Lisbeth? Ein Schafgebet, oder gar ein Vater Unser? Morgen werden wir es erfahren, schaut bitte wieder rein …

Wer spielt mit in der Geschichte (zur besseren Übersicht)

Jupp, der Kater,
Berta, die Kuh,
Jessy, der Esel, Schorsch, das Pony,
Agnes, Lisbeth und Trudi, die Schafe,
Erna Maus und Familie,
Opa Josef,
Papa Hannes, und Mama
Hendrik

 

Weihnachten im Stall 10. Dezember

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10. Dezember

Jupp saß auf der Fensterbank in Hendriks Zimmer und betrachtete besorgt den Jungen. Er hatte sich erkältet bei seinem Ausflug in den Stall. Nicht dran zu denken, ihn heute Nacht zu wecken und mitzunehmen. Morgen würde das sicher wieder anders aussehen, heute ließ er ihn schlafen und machte sich allein auf den Weg zu den Tieren.
„Hey, wo ist der Junge?“, fragte Jessy.
„Er ist krank und muss im Bett bleiben. Seid ihr weitergekommen in euren Überlegungen?“
„Oh je. Krank? Das ist aber nicht schön, gar nicht schön!“, meinte Berta. „Wir brauchen ihn doch so dringend hier!“
Jessy übernahm es, Jupp mitzuteilen, dass sie sich entschieden hätten, Hendrik als Erzähler einzusetzen und die Krippenszene beinahe ohne Bewegung darzustellen.
„Es ist besser so, denn wir sind doch alle verschieden und wenn jeder seinen Platz hat, dann wird das ein schönes Bild geben. Der Junge liest die Weihnachtsgeschichte dazu und fertig ist die Kiste!“
„Welche Kiste, ich denke das Kind liegt in einer Krippe. Von Kiste ist doch in der Bibel gar keine Rede!“ Jupp schüttelte missmutig den Kopf. Die anderen erschienen ihm etwas dumm, garantiert hatten sie noch niemals die Bibel gelesen. Gut, er auch nicht, aber er hatte dem Großvater gelauscht, der in der Adventszeit gern biblische Geschichten erzählte. Da hatte er sich einiges gemerkt und er war sicher, dass er noch nie etwas von einer Kiste gehört hatte.
Jessy seufzte. „Das sagt man so am Theater, meinst du ich weiß nicht, dass das Kind in einer Krippe lag? Ich bin zwar ein Esel, aber dumm bin ich nicht!“
„Habe ich ja gar nicht gesagt!“, maulte Jupp beleidigt.
„Also dann, ich fasse mal zusammen. Hauptaufgabe wird sein, den Stall so herzurichten, dass er aussieht wie der Stall in Bethlehem. Davon gibt es sicher Bilder, nach denen wir uns richten können!“ Jessy war in seinem Element, vor seinem inneren Auge sah er die Krippenszene bereits vor sich.
„Ich habe einen Vorschlag!“, wieherte Schorsch, der nun doch gern dazugehören wollte.

Die Idee ist ja ganz gut, finde ich und ich kann mir das Bild der Krippenszene auch gut vorstellen. Dass der Schorsch sich nun doch dazugesellen will, gefällt mir auch, bin gespannt, wie er sich einbringen wird und was er für eine Idee hat. Ihr auch? Dann kommt doch morgen wieder her …

Weihnachten im Stall 9. Dezember

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9. Dezember
„Text? Ich höre immer Text! Keiner von uns kann einen Text aufsagen, man würde uns doch sowieso nicht verstehen!“, meinte Agnes nachdenklich. „Wir brauchen einen Erzähler und das kann eigentlich nur Hendrik sein. Wenn der aber schon der Josef ist, dann hat er keine Zeit, auch noch den Erzähler zu mimen. Da muss uns was Besseres einfallen!“
„Stimmt!“, piepste Erna Maus. „Außerdem brauchen wir ein Kamel!“
„Hä? Ein Kamel?“, fragte Jessy erstaunt.
„Klar, der König Balthasar kam auf einem Kamel geritten und wenn wir schonmal dabei sind, dann brauchen wir auch noch ein Pferd und einen Elefanten!“ Erna Maus kannte sich offensichtlich aus. Sie hatte nämlich in der Stube gesessen, als Opa Josef dem Hendrik eine Geschichte von der Geburt Jesu vorgelesen hatte.
„Der Melchior kam zu Pferd und der Kaspar, der ja aus Afrika kommt, ritt auf einem Elefanten!“
„Frollein, jetzt bist du aber auf dem falschen Dampfer!“, meckerte Jessy. „Wir reden hier von einem Krippenspiel am Heiligabend. Die heiligen drei Könige kamen aber erst am Dreikönigstag, die spielen bei uns also gar nicht mit! Viel dringender brauchten wir Hirten, ohne Hirten keine Schafe und umgekehrt!“ Jessy wieherte vor Lachen. Er hatte eine diebische Freude daran, die anderen zu belehren.
„Wo du recht hast, hast du recht!“, stimmte ihm Lisbeth zu. „Dabei war mir gerade eingefallen, dass der alte Schorsch ein tolles Kamel abgegeben hätte, der hat sowieso einen Buckel!“
„Blöde Ziege!“, schimpfte Schorsch, der im hinteren Teil des Stalls seine Box hatte und eigentlich nur seine Ruhe wollte.
„Ich bin ein Schaf und keine Ziege!“, maulte Lisbeth.
„Und ich bin ein Pony und kein Kamel!“, erwiderte Schorsch bissig. „Außerdem könnt ihr euer blödes Krippenspiel ohne mich machen, ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt!“
Da wäre doch beinahe ein handfester Streit entstanden, wenn Jessy nicht eingegriffen hätte. Schließlich war er der Regisseur und musste versuchen, alle Darsteller bei guter Laune zu halten.
„Weihnachten ist das Fest der Liebe!“, predigte er. „Und wir haben uns doch alle lieb, oder?“

Klar, alle haben sich lieb, auch wenn es manchmal nicht so klingt. Jessy macht das schon ganz gut, finde ich. er hält die Truppe zusammen und Lisbeth ist ziemlich frech, schließlich ist der Schorsch schon alt, da zeigt man doch etwas mehr Respekt. Vielleicht klappt das ja morgen, schaut wieder rein, bitte.

Weihnachten im Stall 8. Dezember

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8. Dezember
Andererseits musste ihr Vorhaben aber gut geplant werden, wenn es richtig gelingen sollte. Vielleicht war es doch nicht so eine dumme Idee, vorher einen Plan zu schreiben. Gut, dass Hendrik das übernehmen würde. Somit konnte sich Jessy auf das Wesentliche konzentrieren. Den ganzen Morgen dachte er nun schon nach und je mehr er nachdachte, desto schwieriger erschien ihm das Ganze.
„Verflixt, wir brauchen eine Maria!“, rief er plötzlich völlig unvermittelt. „Wo sollen wir die hernehmen?“
„Haben wir denn schon einen Josef und ein Kind?“, fragte Berta, die glaubte mal wieder etwas verpasst zu haben.
„Nee, haben wir nicht, aber den Josef könnte doch Hendrik übernehmen. Der kennt sich aus, sein Opa heißt auch Josef!“ Jessy sagte das so dahin, richtig überzeugt war er aber nicht von der Idee. Hendrik war eigentlich viel zu jung, er konnte unmöglich einen Vater spielen.
„So, so, und du meinst, dass er sich auskennt, weil sein Opa Josef heißt?“, fragte Berta argwöhnisch und streute damit Salz in die frische Wunde.
Die Schafe gackerten, sie fanden die Gespräche zwischen Berta und Jessy ziemlich lustig.
„Jungs und Mädels, so wird das nichts. Ihr müsst schon ein wenig mitdenken und mich unterstützen!“, schimpfte Jessy beleidigt.
„Findest du nicht, dass ich eine wunderschöne Maria abgeben würde?“, fragte Lisbeth und sie drehte sich einmal um die eigene Achse, um sich von allen Seiten zu zeigen.
„Bist du verrückt? Du bist ein Schaf und keine Frau!“, spottete Agnes. Trudi zog es vor, sich da rauszuhalten.
„Wir könnten Anna dazu bitten, sie wohnt auf dem Nachbarhof. Sie wäre sicher eine tolle Maria und als Kind nehmen wir ihre Puppe!“, wisperte Erna Maus. „Die habe ich mal gesehen, als ich mich nachts in ihr Zimmer geschlichen habe. Sie hat dort immer so leckere Kekse und ab und zu hole ich mir mal einen davon!“
„Du Diebin!“, schimpfte Berta. „Und uns wieder nichts abgeben!“, fügte sie hinzu.
„Nicht streiten!“, befahl Jessy. „Die Idee mit Anna finde ich gut und eine Puppe ist doch auch prima als Christkind, die vergisst wenigstens ihren Text nicht.

So ist das also, da schleichen sich die Mäuse nachts in unsere Wohnungen und stehlen Kekse, unglaublich. Aber so richtig böse sein kann man den süßen Mäuschen auch wieder nicht. Morgen erfahren wir, wie es weitergeht, Keks hin oder her.

Weihnachten im Stall 7. Dezember

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7. Dezember
Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass Jupp und Hendrik sich eine Menge zu erzählen hatten. An Schlaf war also vorerst nicht zu denken.
„Wir müssen die Zeit nutzen, denn nur eine Stunde lang kannst du unsere Sprache verstehen!“, erklärte Jupp. „Was aber gut ist, ist, dass du nun weißt, dass ich dich immer verstehen kann. Wenn du also Ideen hast, dann nur immer her damit und morgen Nacht können wir ja wieder plaudern!“ Jupp gähnte und auch Hendrik konnte die Augen plötzlich kaum noch offenhalten.
„Ist gut!“, sagte er deshalb und kuschelte sich in sein Kissen.
Am nächsten Morgen fand er tatsächlich allerlei Leckereien in seinem Stiefel. Mama wollte von ihm wissen, wann er denn den Stiefel aufgestellt hatte. Sie lächelte verschmitzt. „Um Acht stand er noch nicht da, ich dachte schon, dass du es ganz vergessen hast!“
„Hatte ich auch zuerst, doch dann hat Jupp …“ Hendrik stockte. Er durfte sicher nichts verraten. „… mich aufgeweckt mit seinem Geschnarche und da fiel es mir wieder ein.“
„Hat er etwa wieder in deinem Bett geschlafen?“, fragte Mama ärgerlich. „Du weißt doch, dass er das nicht soll!“
Jupp verließ eilig die Küche, er hatte keine Lust auf Moralpredigten. Hendrik versprach vorsichtshalber, dass es nicht wieder vorkommen würde und flitzte hinter Jupp her in den Stall.
Dort war es ruhig, die Tiere schliefen. Sie hatten wohl noch lange geredet in der letzten Nacht und holten nun ihren Schlaf nach. Hendrik kraulte Berta hinter den Ohren und anschließend Trudi, Lisbeth und Agnes, die vor Wohlgefallen die Augen verdrehten.
Jessy grinste schon wieder übers ganze Maul. Irgendetwas hatte sich verändert, seit der Junge mit ihnen reden konnte. Man war sich vertraut wie nie. Sogar die Mäuse wagten einen kurzen Blick von ihrem Versteck aus.
„Heute Nacht komme ich wieder, ihr Lieben!“, versprach Hendrik. „Ich bringe einen Malblock mit, damit wir alles aufschreiben können, was wir besprechen!“
‚Menschen!‘, dachte Jupp. ‚Immer müssen sie alles aufschreiben und festlegen. Wo bleibt da das Spontane?‘

Na ja, so sind wir Menschen eben, manchmal ist das ja auch ganz gut, denn wenn viele an einer Sache beteiligt sind, dann muss man festlegen, wer an welcher Stelle was zu tun oder zu sagen hat, oder? Morgen geht es hier weiter, mal sehen, was der Hendrik so alles auf seinen Block kritzelt.