Mit Blaulicht durch den Schnee

Mit Blaulicht durch den Schnee
Was für eine Freude machte es, durch den, noch unberührten Schnee zu gehen. Die ersten Fußspuren vorsichtig in das Weiß zu drücken, bevor es ein anderer tat, das war herrlich. Es hatte die ganze Nacht geschneit, genauso wie die Wetterfrösche es vorausgesagt hatten. Dabei meinte Opa immer, dass die gar keine Ahnung haben.
»Hey, die haben Ahnung, die haben das studiert», pflegte Oma dann zu sagen und damit hatte sie vermutlich recht. Der Beweis lag hier vor mir, in Form einer weißen Schneedecke. Ich malte ein Herz in den Schnee.
»Das ist für dich, Oma!“, sagte ich und malte gleich noch eines daneben, für Opa. Die würden staunen, wenn sie es erblickten. Seit die beiden Rentner waren, schliefen sie morgens immer ein bisschen länger. Ich war schon immer ein Frühaufsteher und konnte es kaum erwarten, den anderen den Schnee zu zeigen. Mama war schon im Bad, jedenfalls brannte dort Licht. Papa hatte Nachtdienst gehabt. Sicher hatte er den Schnee gesehen, als er von der Arbeit heimkam. Jetzt musste er schlafen und wir alle verhielten uns leise, bis er wieder wach war. Meine große Schwester hatte bei ihrer Freundin übernachtet. Die Mädchen wollten Weihnachtsgeschenke basteln.
Und ich hatte gestern stundenlang an meinen Adventskalendern gemalt, meine Eltern und meine Großeltern sollten nämlich jeweils einen bekommen. Das war viel Arbeit, vierundzwanzig kleine Bilder pro Kalender anzufertigen. Schön sollten sie sein und bunt und fantasievoll. Am Anfang war das noch leicht. Ich hatte mir einfach vorgestellt, wie sich Menschen und Tieren aufmachten, um in Bethlehem dabei zu sein, wenn Jesus geboren würde. Dazu hatte ich mir kleine Geschichten ausgedacht. Gestern hatte ich zwei Krankenwagen-Bilder gemalt, obwohl diese Fahrzeuge eigentlich mit dem Gang nach Bethlehem gar nichts zu tun hatten. Damals gab es noch keine Autos. Aber ich bin so ein großer Fan, will sogar einmal Rettungssanitäter werden, wenn ich groß bin. Deshalb dachte ich mir, dass der Krankenwagen einfach für mich dazu gehört, und das verpacke ich dann folgendermaßen: Auf dem Weg kommt eines der Tiere ins Stolpern und bricht sich ein Bein und das muss dann mit den Krankenwagen ins Hospital gefahren werden, damit das Bein eingegipst werden kann. Kann man doch machen, oder?
Sie werden alle staunen, ganz bestimmt und das ist doch das Wichtigste. Ich selbst war auch schon gespannt, ob ich einen Adventskalender bekommen würde und was es für einer sein wird in diesem Jahr. Aber jetzt sauste ich erstmal durch den Schnee, im Garten immer außen herum, damit ich die schönen Herzen nicht zertrample, dabei rief ich laut: „Tatüüüü, Tataaaa!“ Ihr wisst schon.

© Regina Meier zu Verl

Hundstage

Hundstage

Verschmilzt voller Wonne
das Licht der Sonne
mit dem Feuer des Sirius,
die Menschheit schwitzen muss.
Glaubt mir, oder glaubt mir nicht,
das ist so wahr, wie dies Gedicht.
Woher ich das weiß, ist nun die Frage?
Hab die Erklärung für „Hundstage“
aus dem Brockhaus gerissen.
So sammelt man Wissen.

© Regina Meier zu Verl

Mein Beitrag zum Aufruf meines Blogfreundes David Silbenton

Weihnachten im Stall 24. Dezember

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24. Dezember Heiligabend
In Hendriks Familie war es Tradition, dass am Heiligabend zuerst zusammen gegessen wurde und erst danach das Wohnzimmer mit dem Tannenbaum betreten werden durfte.
Hendrik war sehr aufgeregt, nicht wegen der Geschenke, sondern wegen des Krippenspiels. Opa hatte versprochen, dass er mit allen anderen in den Stall kommen würde. Hendrik durfte schon vor allen anderen den Tisch verlassen.
„Hendrik, geh doch bitte mal in mein Zimmer und hole mir meine Lesebrille!“, sagte Opa Josef. Das war das Zeichen für Hendrik, dass er nun in den Stall gehen konnte.
Die Tiere erwarteten ihn schon. Sie hatten sich so aufgestellt, wie sie es vereinbart hatten. Toll sah das aus. Opa hatte Laternen aufgestellt, in denen die künstlichen Lichter nur noch angeknipst werden mussten, weil echte Kerzen in einem Stall viel zu gefährlich waren. Trotzdem gab es ein herrliches Licht und die Deckenlampe konnte ausgeschaltet werden. Überall an den Wänden hingen Tannenzweige, die mit roten Papiersternen geschmückt waren und statt des Eimers hatte Opa Josef den alten Bollerwagen aufgestellt, in dem ein Schaffell lag, darauf schlief die alte Puppe von Oma, die Opa klammheimlich aus der Vitrine stibitzt hatte.
Hendrik stellte sich neben die Tiere. In den Händen hielt er ein dickes Buch, das er in Goldfolie eingeschlagen hatte. In dieses Buch hatte er seine Geschichte gelegt, die er mit großen Buchstaben aufgeschrieben hatte.
Draußen hörten sie Gemurmel, die Gäste kamen.
„Freunde, es geht los!“, sagte Hendrik leise. Dann öffnete sich die Stalltür und die Erwachsenen traten ein.
Mucksmäuschenstill verhielten sich die Tiere, leise nahmen die Gäste Platz auf den Strohballen. Ganz still war es im Stall. Dann begann Hendrik zu singen: „Ihr Kinderlein kommet, oh kommet doch all, zur Krippe herkommet, in Bethlehems Stall und seht, was in dieser hochheiligen Nacht, der Vater im Himmel für Freude uns macht!“
Dann begann er zu lesen:
„Es begab sich aber zu der Zeit im Advent, als die Tiere von Opa Josefs Hof beschlossen, ein Krippenspiel aufzuführen. Da waren: Jessy, der Esel, der die Mutter Maria getragen hatte, als ihr das Laufen zu schwer wurde, Berta, die Kuh, die den Ochsen vertreten musste, der die Aufgabe hatte, mit seinem gewaltigen Körper für Wärme im Stall zu sorgen, damit das Kind nicht erfriere und die wolligen Schafe Agnes, Lisbeth und Trudi, die ganz nah an die Heilige Familie rückten, um ihr Wärme zu spenden. Dann waren da die Mäuse, die auf den Rücken von Berta kletterten, um das Kind in der Krippe zu betrachten und der alte Schorsch, der aufpasste, dass niemand dem Kinde zu nahetreten konnte. Der Kater Jupp aber vermittelte zwischen Tieren und Menschen und bat den Jüngsten, also mich, die Weihnachtsgeschichte dazu zu erzählen, weil Tiere ja nicht reden können, oder besser gesagt: weil nicht jeder die Tiere verstehen kann.

Wir alle, die Tiere und ich, wünschen euch ein friedliches, gesegnetes Weihnachtsfest!“

Alle Gäste waren begeistert, sie klatschten Beifall und umarmten sich und sie umarmten den Hendrik und sogar die Tiere. Jedes von ihnen bekam eine Extraportion Heu an diesem Abend und Hendrik hatte sogar an ein paar Kekse für die Mäusefamilie gedacht. Da drückte selbst Mama ein Auge zu und ließ sich sogar zu einem: „Oh, sind die niedlich!“ hinreißen. Es war eben Weihnachten und da ist alles anders – friedlich eben!

© Regina Meier zu Verl 2017

Wir wünschen unseren Freunden und treuen Lesern ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in ein glückliches neues Jahr!

Regina & Elke

Weihnachten im Stall 23. Dezember

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23. Dezember
„Beinahe hätte ich einen Herzinfarkt bekommen!“, erzählte Elli Maus ihrer Familie. „Dabei wollte ich doch nur ein paar Kekse für die Kleinen holen!“
„Ich habe dir gleich gesagt, dass ihr hierbleiben sollt!“, schimpfte Mutter Erna Maus. Streng sah sie ihre Töchter Elli und Mimi an. „Für solche Abenteuer seid ihr noch zu klein und unerfahren!“
Jessy mischte sich ein. „Nun schimpf mal nicht, es ist ja noch einmal gut ausgegangen. Jupp“, sagte er an den Kater gewandt, „ich bin sehr stolz auf dich!“
Jupp richtete sich auf und legte mit einer eleganten Bewegung den Schwanz um seine Vorderpfoten. Er fühlte sich geschmeichelt und war auch selbst ein wenig stolz auf sich.
„Schon gut, es ist bald Weihnachten, da müssen wir doch alle zusammenhalten, nicht wahr?“, wehrte er scheinbar ab.
„Stimmt! Hast du im Haus mitbekommen, ob Hendrik schon mit seinem Opa geredet hat?“, wollte Jessy wissen.
„Ja, der alte Herr ist eingeweiht. Er sorgt dafür, dass wir ein Publikum bekommen werden. Ich freue mich schon sehr auf morgen!“, antwortete Jupp.
„Näh, Näh, Kinder, ist die Zeit vergangen!“, rief Agnes und Berta stimmt ihr zu. „Wie im Sauseschritt!“
„Heute Abend sollten wir aber noch einmal üben!“, stellte Schorsch fest und auch hier waren sich wieder alle einig.
Am Nachmittag kam Hendrik mit seinem Opa Josef in den Stall. Die beiden rückten ein paar Strohballen zurecht, die den Gästen als Sitz dienen sollten. Hendrik zwinkerte den Tieren zu und Opa Josef kommentierte alles, was sie taten. „Und jetzt nehme ich den Besen und mache hier ein wenig sauber – alles an die Seite, was kleiner ist als der Besen!“, rief er und das ließen sich die Mäuse nicht zweimal sagen, schnell brachten sie sich in Sicherheit. Eine Aufregung am Tag war wahrlich genug.
Als alle Arbeiten abgeschlossen waren, setzten sich die beiden fleißigen Männer auf einen der Strohballen. Opa nahm ein paar Äpfel aus der Stofftasche, die er mitgebracht hatte und verteilte sie an die Tiere.
„Näh. Näh!“, rief Lisbeth. „Was geht es uns gut! Näh, Näh!“

 

Einmal werden wir noch wach, dann ist es soweit, wir erfahren, wie unser Krippenspiel zu Ende geht und das Christkind wird kommen, morgen aber erst – bitte schaut wieder rein!


 

Weihnachten im Stall 22. Dezember

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Mittags holte Opa sein Enkelkind mit dem Schlitten ab. Es hatte den ganzen Morgen geschneit.
„Dann steig mal auf und wir haben jede Menge Zeit zum Reden!“, sagte Opa. „Zuhause ist der Teufel los, ich bin froh, dass ich dort mal verschwinden konnte.“, fügt er hinzu.
„Was ist denn los?“ Hendrik erschrak.
Opa aber lachte. „Keine Sorge, nichts wirklich Schlimmes. Oma hat festgestellt, dass in der Speisekammer Mäuse sind. Du kannst dir vorstellen, dass sie nicht begeistert ist. Und deine Mutter erstmal, die sitzt auf dem Tisch und schimpft in einer Tour!“
„Oh je, das kann ich mir vorstellen. Mama hat Angst vor Mäusen, dabei sind die doch so niedlich.“
„Sie haben Jupp in die Speisekammer gesperrt, damit er die Mäuse fängt.“
Ach du Schreck! Das gefiel Hendrik aber gar nicht. Fieberhaft überlegte er, was er tun konnte, um die Mäuse zu retten. Er hoffte, dass Jupp so vernünftig war, den kleinen Tieren nichts anzutun, denn sie waren ja ebenso am Krippenspiel beteiligt, wie der Kater selbst. Es half nichts, er musste Opa nun einweihen und um Hilfe bitten.
„Opa, ich wollte dir das Geheimnis anvertrauen. Du weißt schon!“, begann er zu erzählen und dann berichtete er von dem Plan, den die Tiere und er geschmiedet hatten. „Und am Heiligabend möchten wir gern alle in den Stall holen und zeigen, was wir gemeinsam geübt haben!“, beendete er seine Geschichte.
Opa staunte nicht schlecht. Das gefiel ihm sehr und selbstverständlich würde er dafür sorgen, dass alle Erwachsenen vor der Bescherung in den Stall gebeten wurden.
„Dann sollten wir jetzt schleunigst den Jupp aus der Speisekammer holen und die Mäuse retten, wenn es noch nicht zu spät ist!“ Opa Josef legte einen Schritt zu, um möglichst schnell nach Hause zu gelangen.
Er wusste ja nicht, dass sich das Problem längst erledigt hatte, denn Jupp hatte sich rechtzeitig an seinen Vertrag erinnert und den beiden Mäuschen nichts zuleide getan, im Gegenteil. Sie waren, vor Angst zitternd, in sein Fell gekrochen und gemeinsam mit ihnen hatte er flink die Speisekammer verlassen, als Oma die Tür einen Spalt breit geöffnet hatte. Super!

Da haben die Mäuse ja Glück gehabt, Ihr wisst schon, der Vertrag! Wie es weitergeht erfahrt ihr morgen …

Weihnachten im Stall 21. Dezember

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Beim Frühstück bat Hendrik seinen Opa Josef, ihn zur Schule zu bringen.
„Heute ist der letzte Schultag vor den Ferien“, sagte er. „Da wünsche ich mir, dass du mich bringst!“ Opa wollte eigentlich noch seine Zeitung lesen, aber für sein Enkelkind verzichtete er darauf, er musste sowieso noch etwas erledigen. Da konnte er zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.
„Also gut, aber unter einer Bedingung. Wir nehmen den Trecker!“, sagte Opa.
„Vater!“ Mama war damit nicht einverstanden. „Das geht doch nicht!“
Hendrik war aber Feuer und Flamme. „Warum denn nicht? Die anderen Kinder werden mich beneiden. Bitte Mama, lass Opa und mich mit dem Trecker fahren!“, bettelte er.
Papa grinste, er konnte seinen Sohn so gut verstehen. Früher hatte Opa ihn auch oft mit dem Trecker zur Schule gefahren. Das war immer toll gewesen.
„Lass ihn doch! Mir hat es auch nicht geschadet!“, sagte er deshalb und Mama gab sich geschlagen. „Aber du musst doch schön warm anziehen, es ist bitterkalt draußen und der Trecker hat keine Heizung!“ Sie verließ die Küche, um warme Sachen für Hendrik zu holen.
Eine Viertelstunde später ratterten Opa und Hendrik über die Landstraße. Es hatte geschneit in der Nacht und alles sah sauber und irgendwie festlich aus. In den Vorgärten der Häuser, die sie passierten, standen Tannenbäume mit Lichterketten und da es noch ein wenig dunkel war, erstrahlten auch einige Fenster in gemütlichem, weihnachtlichen Licht.
„Du Opa!“, rief Hendrik, um das Geratter des Motors zu übertönen. „Kannst du ein Geheimnis für dich behalten?“
Opa nickte. „Ich liebe Geheimnisse, aber warte, bis wir da sind, ich verstehe dich so schlecht bei diesem Getöse!“
„Okay, ein gebrülltes Geheimnis bleibt dann ja auch nicht lange geheim, ne?“, lachte Hendrik. Vor der Schule angekommen wurden sie gleich von Kindern umringt, die den tollen alten Trecker bewunderten.
„Du hast es gut!“, rief Annabel, Hendriks Freundin. „Nimmst du mich mal mit?“ Sie fasste Hendrik an der Hand und zog ihn mit sich.
„Heute Mittag, Opa!“, rief Hendrik seinem Opa zu. „Heute Mittag reden wir!“

Na, das stimmt wohl, gebrüllte Geheimnisse bleiben nicht lange geheim … mal sehen, ob Hendrik seinen Opa doch noch informieren kann, morgen geht es weiter und dann haben wir schon bald das Ende der Adventszeit erreicht. Näh, Näh, würde Lisbeth sagen, die Zeit die rast, Näh. Näh!

Weihnachten im Stall 20. Dezember

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20. Dezember
„Ich meine“, übernahm Schorsch das Wort, „wir sollten nicht streiten und niemanden beleidigen. Jupp ist unser Kumpel. Hendrik, hol ihn zurück. Wir brauchen ihn! Außerdem ist bald Weihnachten, da streitet man nicht!“
Wie gut das tat, solche Worte zu hören. Jupp wurde es ganz warm ums Herz und als Hendrik vor die Stalltür trat, ließ er sich nicht lange bitten.
„Na gut, ich komme zurück.“ Leise fügte er hinzu: „Ihr könnt ja doch nicht ohne mich!“ Hendrik überhörte das. Er war froh, dass der Kater nun wieder dabei war.
„Jupp, sag du doch mal was! Hast du einen Vorschlag?“ Schorsch übergab das Wort an Jupp.
„Äh, ich glaube …“, er machte eine kunstvolle Pause, „auch wenn Lisbeth sich undeutlich ausgedrückt hat, was zu dem Missverständnis führte, hat sie recht. Wir sollten den alten Herrn einweihen. Das könnte Hendrik übernehmen!“
Der Junge nickte zustimmend. „Mache ich, aber jetzt muss ich zurück ins Haus, bevor noch jemand merkt, dass ich nicht in meinem Bett liege. Tschüss, Freunde!“
„Denk an die Geschichte!“, ermahnte ihn Lisbeth, wurde aber von Agnes angestupst. „Näh, Näh, lass doch den Jungen, der schafft das schon rechtzeitig!“
„Genau“, rief Hendrik, der schon in der Tür stand. „Ich schaffe das schon, macht euch keine Sorgen. Morgen früh werde ich erstmal Opa Josef ins Boot holen!“ Mit diesen Worten schloss er die Tür.
„Ins Boot? Wollen wir denn verreisen?“, fragte Berta erschreckt. Sie war wasserscheu und in so ein kleines Boot würde sie doch gar nicht reinpassen.
„Nein, Berta, das wollen wir nicht. Meine Güte, muss man dir denn alles erklären?“ Schorsch konnte es nicht fassen, dass man so wenig wissen konnte. Sie hätte einfach mal zuhören sollen, wenn Hendrik vorlas, dann wüsste sie, was damit gemeint war.
„Wenn es dir nichts ausmacht, dann erklär du es mir!“, säuselte Berta und bedachte Schorsch mit einem Augenaufschlag, dem er nicht widerstehen konnte. „Ach Berta, das ist ein Sinnbild – alle rudern und einer ist der Kapitän“, begann er zu erklären, doch Berta hörte schon nicht mehr zu, sie war eingeschlafen. Schließlich war sie eine alte Dame.

Möglicherweise hätte Berta das nun auch wieder nicht verstanden, aber eigentlich ist es auch egal. Sie ist ja zufrieden, wenn sich ihr jemand zuwendet, da schläft es sich gleich viel besser. Was morgen passiert, könnt ihr lesen, wenn ihr wieder reinschaut …

Weihnachten im Stall 19. Dezember

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Um Mitternacht weckte Jupp Hendrik auf, denn sie wollten gemeinsam in den Stall. Sie wurden schon sehnlichst erwartet.
„Da seid ihr ja endlich!“, rief Jessy. „Wir haben eine Generalprobe gemacht und Opa Josef hat uns erwischt“, verkündete er.
„Und jetzt?“, fragte Hendrik. „Müssen wir unser Vorhaben nun aufgeben?“
„Aber nein, Opa Josef ist doch auf unserer Seite. Er hat sofort erkannt, dass wir was vorhaben, stimmt doch, Berta, oder?“ Jessy schmunzelte.
„Stimmt genau, aber was wir genau planen, das weiß er nicht und er wird uns auch nicht davon abhalten. Er hat sogar dem Schorsch erlaubt bei uns zu bleiben!“ Berta nickte bekräftigend mit dem Kopf.
„Hast du deine Geschichte denn schon fertig?“, fragte Lisbeth neugierig. Zu gern hätte sie schon einmal gehört, was Hendrik geschrieben hatte.
„Noch nicht ganz!“, gab Hendrik zu. „Es war immer wieder was anderes los in den letzten Tagen. Aber ich schaffe das noch, versprochen!“
„Mal was anderes, ihr Lieben“, warf Schorsch ein. „Wie kriegen wir die Zuschauer denn in den Stall? Es wäre doch schade, wenn gar keiner käme!“
Gemurmel, das immer lauter wurde. Jeder hatte etwas beizutragen, doch niemand konnte das verstehen, weil alle durcheinander posaunten.
„Einer nach dem anderen!“, ordnete Jessy an. „Schorsch, du zuerst!“
„Nee, ich habe doch gefragt, sagt ihr mal was dazu!“ Schorsch drückte sich, aber irgendwie hatte er ja auch recht. Er hatte die Frage gestellt und wollte sie nicht gleich selbst beantworten.
„Agnes, jetzt du!“ Agnes trippelte elegant aus der Mitte und stellte sich vor ihren Freunden auf. „Also ich finde ja, wir sollten Josef ins Vertrauen ziehen!“, sagte sie.
„Ich heiße Jupp, nicht Josef!“, kreischte Jupp, der sich den anderen überlegen fühlte. Immerhin war er das Bindeglied zwischen Haus und Stall und ohne ihn käme auch Hendrik gar nicht zu den Versammlungen der Tiere.
„Blödmann!“, rief Lisbeth empört. „Lass Agnes doch mal ausreden, sie meint doch sicher Opa Josef und nicht dich, du eingebildeter Fatzke!“
„Du kannst mich mal!“ Jupp war beleidigt und verließ den Stall, blieb aber vor der Tür sitzen, weil er hören wollte, was weiter passierte.

Das ist aber nicht nett von Lisbeth, trotzdem sollte Jupp nicht so empfindlich sein. Ob er wieder reingehen wird? Morgen geht es weiter …

Weihnachten im Stall 18. Dezember

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18. Dezember
„Die Tiere spüren wohl auch, dass bald Weihnachten ist!“, verkündete Opa Josef, als er wieder ins Haus kam, wo Oma, Mama und Papa in der Stube versammelt waren. Mama strickte an ihrer letzten Weihnachtssocke, denn handgestrickte Socken hatten auf allen Wunschzetteln der Familie gestanden. „Wie kommst du darauf?“, wollte Papa Hannes wissen, der am Tisch saß und Weihnachtskarten an die Freunde und Verwandten schrieb, die man zum Fest nicht sehen würde.
„Sie hatten sich im Stall versammelt und saßen da andächtig zusammen, beinahe wie im Stall von Bethlehem!“ Opa lachte noch immer, als er sich an das Bild erinnerte.
„Ach Quatsch, das kommt dir nur so vor. Erzähl das nur nicht dem Jungen, der springt auf solche Geschichten an.“ Oma schüttelte den Kopf. Was ihr Mann sich nur immer ausdachte!
„Ich schwöre es, das ist kein Quatsch. Sogar Schorsch stand friedlich bei den anderen!“, beteuerte Opa, der es ja mit eigenen Augen gesehen hatte. „Schaut doch nach, dann wisst ihr, dass ich nicht lüge!“
„Ist schon gut, Vater. Wir glauben dir ja!“, lenkte Papa ein. Er erinnerte sich an die vielen schönen Geschichten, die Opa Josef ihm als Kind erzählt hatte. Er hatte es geliebt und immer seinem Vater abgenommen, was er erzählte, auch wenn es noch so unmöglich erschien. Er nahm die nächste Weihnachtskarte, die einen prächtigen Weihnachtsbaum zeigte, auf dessen Spitze ein goldener Trompetenengel thronte. Er schrieb:
Ein lieber Weihnachtsgruß kommt hier von uns allen. Wir sind in schöner Weihnachtsstimmung, sogar die Tiere kuscheln friedlich miteinander im Stall. Wenn Ihr das nicht glaubt, dann fragt Vater Josef, der hat’s gesehen!
Er malte noch einen dicken zwinkernden Smiley darunter und unterschrieb schwungvoll – Hannes und Familie.
Zufrieden blätterte er alle Karten noch einmal durch.
„Die müssen spätestens morgen in den Briefkasten, damit sie noch pünktlich ankommen und nun gehe ich ins Bett. Der Schlaf vor Mitternacht ist der Erholsamste!“, sagte er und wenn er genau hingeschaut hätte, dann wäre ihm aufgefallen, dass Kater Jupp grinste wie ein Honigkuchenpferd.

Morgen geht es weiter, nur noch ein paar Tage sind es bis zum Fest, vielleicht sollte ich auch meine Weihnachtskarten endlich schreiben …

Weihnachten im Stall 17. Dezember

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„Oh, Opa Josef!“, flüsterte Erna Maus ängstlich. Sie zitterte. Keines der Tiere bewegte sich, alle waren starr vor Schreck. Keines von ihnen traute sich, den alten Mann anzuschauen. Besonders Schorsch plagte das schlechte Gewissen, denn er hatte seine Box verlassen und nun rechnete er mit einer Strafe.
Opa Josef war aber mindestens genauso verdattert wie die Tiere. Da standen sie nun alle in trauter Einigkeit nebeneinander und machten keinen Mucks. Was hatte das zu bedeuten? Das war ja noch nie vorgekommen.
Er drehte den Eimer, der als Krippe herhalten musste auf den Kopf und setzte sich schwerfällig zwischen die Tiere. Dann schaute er eines nach dem anderen an, so, als könnte er in ihren Gesichtern lesen. Nichts tat sich, alle blieben stillstehen und schlugen die Augen nieder.
„Kann mir mal einer verraten, was hier los ist?“, fragte Opa Josef, gab sich aber gleich selbst die Antwort. „Man merkt, dass Weihnachten naht!“, murmelte er und lächelte. „Da kann sowas schonmal passieren!“
Ja, das konnte sein, an Weihnachten war vieles anders, alle hatten Geheimnisse, warum nicht auch die Tiere?
Jessy war erleichtert, er grinste vorsichtig und auch die anderen entspannten ihre Muskeln, was zur Folge hatte, dass Berta ein dröhnender Furz entfuhr.
„Oh, muh!“, rief sie. Das sollte wohl eine Entschuldigung sein, kam aber nicht so an, denn plötzlich lachten alle schallend. Am lautesten aber lachte Opa Josef.
„Wenn ich das einem erzähle, das glaubt mir keiner!“, stammelte er unter Lachen und Tränen.
Bis auf die Mäuse, die schnell in ihre Verstecke geflitzt waren, streichelte der alte Mann jedes seiner Tiere und er hatte auch für jedes ein liebes Wort und … das war das tollste an der Sache, ein Leckerchen in der Tasche.
Als er später den Stall wieder verließ, waren sich die Tiere einig. Einen besseren Herrn hätten sie nicht haben können und auch Hendrik und sein Papa waren in Ordnung.
Selbst Schorsch durfte im Gemeinschaftsstall bleiben, musste aber durch dreimaliges Kopfnicken versprechen, keinen von den anderen zu ärgern.
Da nickte Schorsch nur allzu gern, schließlich hatten sie noch einiges vor.

Das ist ja noch einmal gut ausgegangen, es war aber nicht anders zu erwarten, denn Opa Josef liebt die Tiere und sie lieben ihn. Morgen geht es hier weiter, schaut doch wieder rein bitte.