Vier Tage noch

Vier Tage noch

Vier Tage noch, dann ist’s soweit,
dann wird das Christkind kommen.
Schön war sie, diese Wartezeit,
so hab ich’s wahrgenommen.

Viel Ruhe gab es, Kerzenschein
und Muße zum Entspannen,
zu zweit, zu dritt, auch mal allein
beim Duft von Weihnachtstannen.

So sollt es sein, doch war es so
oder war’s nur ein Traum?
Egal, ich bin heut richtig froh
und dort steht auch der Baum.

Noch ungeschmückt wartet er drauf,
dass wir ihm Lichter schenken
und dass wir dann in seinem Glanz
des Weihnachtssinns gedenken.

Das werde ich im Kerzenschein,
ich hab’s mir vorgenommen,
zu zweit, zu dritt oder allein –
das Weihnachtsfest kann kommen.

© Regina Meier zu Verl

Geschmückte Weihnachtsfenster Foto © Regina Meier zu Verl

Die Adventskalenderfiguren

Die Adventskalenderfiguren

„Ach Menno“, drängelte der süße Nikolaus aus Schokolade, der sich im sechsten Türchen von Leos Adventskalender versteckte.
„Ich will hier raus!“
Die anderen Schokoladenfiguren kicherten.
„Warte nur ab, du bist schon bald an der Reihe und dann ist es aus mit dir!“
„Hier ist es aber so eng und sehen kann ich auch nichts, viel zu dunkel ist’s“, jammerte der Nikolaus, aber ein wenig erschrocken war er schon. Wieso sollte es dann aus sein mit ihm?
„Draußen ist es bestimmt schöner und Leo wird mit mir spielen“, behauptete er. Die anderen Figuren kicherten schon wieder.
„Du spinnst doch. Aufessen wird er dich, happs, dann bist du weg!“
„Stimmt ja gar nicht!“
Er bekam keine Antwort mehr, denn Leo war ins Zimmer gekommen und machte sich am Adventskalender zu schaffen. Wenn der Nikolaus richtig gezählt hatte, dann war heute das fünfte Türchen dran geöffnet zu werden. Es knisterte und dann ertönte ein Jubelschrei von Leo: „Ach guck mal, wie niedlich, ein Schaukelpferd!“
Aha, da war also ein Schaukelpferd im fünften Türchen und Leo fand es niedlich. Dann würde er es doch ganz sicher nicht einfach aufessen, dachte sich der Nikolaus.
Leo verließ das Zimmer und die Schokoladenfiguren nahmen ihre Unterhaltung wieder auf.
„Das arme Schaukelpferd“, riefen sie und der Nikolaus bekam es nun doch mit der Angst zu tun. Woher wussten die anderen denn nur, dass sie allesamt aufgegessen werden würden.
„In der Schokoladenfabrik hat es einer gesagt, das wird schon stimmen“, brummte der Ochse aus dem zehnten Türchen und eine helle Stimme mischt sich ein:
„Das ist eben unsere Bestimmung, den Kindern Freude zu machen!“ Das war der Engel aus Nummer siebzehn.
„Können wir denn gar nichts dagegen tun?“, fragte der Nikolaus traurig und er schämte sich ein bisschen. Denn schließlich war er doch ein alter weiser Mann, der die anderen besser trösten sollte, als herumzujammern.
„Es gibt nur eine einzige Möglichkeit“, rief eine Glocke wichtigtuerisch. „Wir müssen uns verwandeln, in Stein, Metall oder Plastik. Dann kann uns nichts mehr passieren!“
Niemand sagte etwas, alle überlegten und plötzlich rief das Rentier, das direkt neben dem Nikolaus wohnte:
„Ich hab es, wir werden um Mitternacht alle Türen öffnen und zu einer Konferenz zusammen kommen. Vielleicht gibt es ja hier im Kinderzimmer einen Zauberkasten oder so was, oder eines von den Spielzeugen weiß einen Rat, um Zwölf werden die doch alle lebendig!“
„Ja, genau, das ist es!“, schrie der Esel und schickte ein lautes „IA“ hinterher.
„Jetzt aber leise“, warnte der Stern. „Das Kind will schlafen!“
„Welches Kind?“, fragte der Ochse erstaunt.
„Das Christkind etwa?“ flüsterte der Nikolaus.
„Das ist doch noch gar nicht geboren, es kommt er’s am vierundzwanzigsten!“, wusste das Schaf aus der achtzehnten Tür.
„Quatsch!“, rief der Engel, so gar nicht engelhaft. „Das alles ist über zweitausend Jahre her, wir sind doch nur Schauspieler aus Schokolade!“
Alle schwiegen bedrückt. Es war ja auch so, wer waren sie denn schon? Klitzekleine Schokofiguren, die um ihr Überleben bangten.
„Dann ist schon alles egal“, sagte der Nikolaus traurig. „Wir werden wohl nichts machen können!“ Er nahm sich vor, von nun an kein Wort mehr zu sagen und sich in sein Schicksal zu ergeben. Auch die anderen Figuren waren ganz still geworden und so blieb es auch den ganzen Tag lang.

Der Nikolaustag war gekommen. Es dauerte ewig, bis der Nikolaus aus seinem Türchen geholt wurde, denn der Leo hatte verschlafen und war in Windeseile im Bad verschwunden, ohne an den Kalender zu denken. Als er aus der Schule kam, half er der Mutter beim Plätzchen backen, denn am Abend sollte der richtige Nikolaus zu den Kindern kommen und Mama wollte alles schön herrichten.
Die Adventskalenderfiguren hörten, wie es an der Haustür klingelte und eine tiefe Stimme erklang: „Ho, Ho, Ho, liebe Kinder. Ich, der Nikolaus, möchte doch mal nachfragen, ob ihr alle lieb und brav gewesen seid!“
Was die Kinder antworteten, konnte man nicht verstehen, so leise und schüchtern waren ihre Stimmen. Der Nikolaus wurde eingelassen und er fragte:
„Habt ihr denn auch einen Adventskalender?“
‚Ach du Schreck’, dachte der kleine Nikolaus, jetzt geht es mir an den Kragen.
„Habt ihr denn euer Türchen heute schon geöffnet?“, fragte der richtige Nikolaus und im nächsten Augenblick kam Leo ins Zimmer gerannt, riss den Adventskalender vom Haken, dass die Figuren nur so durcheinander geschüttelt wurden und flitzte die Treppe wieder hinunter. Das sechste Türchen wurde geöffnet. Der kleine Nikolaus blinzelte, so hell war es mit einem Mal.
„Was ist das denn?“, rief Leo. „Der ist ja gar nicht aus Schokolade!“ Er nahm den kleinen Nikolaus und betrachtete ihn. Wie ein richtiger Nikolaus sah er aus, hatte einen roten Mantel an und trug einen Sack mit Geschenken in seiner Hand. Der kleine Nikolaus zitterte, aber nur ein ganz kleines Bisschen. Erstaunt schaute er an sich herunter. Dann blickte der den richtigen Nikolaus an, der ihm zuzwinkerte. War er etwas der Zauberer gewesen, der den Wunsch der Figuren erfüllt hatte?
„Zu viel Süßes ist schlecht für die Zähne!“, sagte er zu Leo und der nickte eifrig.
„Stimmt, von diesem Nikolaus habe ich viel mehr, ich werde ihn an den Weihnachtsbaum hängen und dann in jedem Jahr wieder herausholen!“
„Das ist eine gute Idee“, sagte der weise alte Mann und holte noch ein Päckchen aus seinem Sack.
Was drin war, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass der kleine Nikolaus sehr glücklich war und der Ochse, der Esel, der Stern und der Engel und wer noch so alles im Adventskalender war, auch.

© Regina Meier zu Verl


Diese Weihnachtsmänner warten wohl auf ihren Einsatz Foto © Regina Meier zu Verl

Weihnachten im Stall 4. Dezember

IMG_20141219_150851085

4. Dezember
„Jupp, du könntest dich uns anschließen, da du den besten Kontakt zu den Menschen im Haus hast. Wann kommen wir da mal hin? Niemals!“, sagte Jessy jetzt. Er suchte nach einer Möglichkeit, Hendrik in ihre Pläne einzubinden und dabei könnte der Kater nützlich sein.
„Ich müsste zuerst wissen, was für Pläne das sind. Ihr glaubt doch nicht, dass ich mich auf etwas einlassen werde, das mir schaden könnte, oder?“ Jupp nahm eine gerade, herrschaftliche Haltung an, um sich Respekt zu verschaffen. Neugierig war er aber auf jeden Fall.
„Dann sind wir aber raus!“, wisperten die Mäuse, die sich in Deckung begeben hatten. „Wir trauen dem Mistkerl nicht!“
Jessy versuchte, sie zu beruhigen. „Wenn wir uns beschimpfen, dann wird das nichts! Ich finde, dass wir einen Vertrag schließen sollten, zumindest für die Zeit bis zum Geburtstag! Keiner tut keinem was zuleide. Punkt.“
„Das kommt darauf an!“, säuselte Jupp und seine Stimme klang einigermaßen freundlich. „Wenn die Sache spannend ist, dann könnte ich mich auf so einen Vertrag einlassen.“
„Bald ist Weihnachten, das Fest der Liebe und der Geburtstag des Christkindes.“ Jessy machte eine bedeutsame Pause, bevor er weitersprach.
„Wir haben besprochen, dass wir diesmal nicht beschenkt werden wollen, sondern Geschenke machen möchten. Da wir alle ja irgendwie dabei waren, als Christus geboren wurde, finde ich das angebracht. Jupp, was sagst du dazu?“
„Na ja, so spannend klingt das jetzt nicht! Außerdem war ich nicht dabei, das wüsste ich!“ Jupp putzte gelangweilt seine Vorderbeine.
„Kennst du denn die Weihnachtsgeschichte nicht?“, fragte Berta. „Denk doch mal, Ochs und Esel, die Schafe, die Hirten und die vornehmen Könige waren da. Sicherlich waren auch Mäuse im Stall und ganz bestimmt auch eine Katze.“
Jupp lachte schallend. „Und wo ist hier der Ochse? Ich sehe nur eine dumme Kuh!“
„Ich bin raus!“, sagte Berta verärgert und sie drehte dem Kater ihr Hinterteil zu.

Einer ist immer da, der Unfrieden stiftet, fast tut einem die Berta ein wenig leid, oder? Nun ja, wir werden sehen, ob der Jupp sich letztendlich anpassen wird oder ob er weiterhin herumnörgeln wird. Auf jeden Fall kennt Berta die Weihnachtsgeschichte und der Jupp hat scheinbar noch nie etwas davon gehört. Schaut doch bitte morgen wieder rein …

Weihnachten im Stall 3. Dezember

IMG_20141219_150851085

3. Dezember
Der Kater Jupp blieb im Stall, als Hendrik wieder zurück zum Haus ging.
„Was guckt ihr alle so geheimnisvoll? Hier ist doch was im Gange, ich kenn euch doch!“, fragte Jupp und sah Jessy durchdringend an.
Jessy, der dem Kater nicht traute, schlug die Augen nieder. Dieser Blick macht ihn ganz nervös. Fast war es so, als könne Jupp in ihn hineinschauen. Das gefiel ihm ganz und gar nicht.
„Wenn ich mir Lisbeth, Trudi und Agnes so anschaue, dann bin ich davon überzeugt, dass ihr was im Schilde führt, also los, raus damit!“, forderte Jupp.
Die Schafe schreckten zusammen. „Näh, näh!“, erklärte Lisbeth für alle. „Wir haben etwas zu besprechen, das für Katerohren nicht bestimmt ist.“
„Wieso denn?“, fragte Berta. „War denn keine Katze dabei, damals? Ich meine doch, bin aber nicht ganz sicher!“
„Wie? Damals? Nun sag schon, was ist hier los und was war damals los? Ihr seid doch alle Geheimniskrämer, ich kriege es ja sowieso raus, irgendwie!“ Jupp lachte böse. Er dachte daran, dass er eine der Mäuse erpressen könnte, die würden ihm in ihrer Todesangst schon antworten, ganz bestimmt.
„Berta, du Verräterin, halt dein Maul!“, schimpfte Trudi und schüttelte derart missmutig den Kopf, dass sie beinahe umgekippt wäre, sie strauchelte und konnte sich gerade noch bei Jessy anlehnen.
„Hey, lass das!“, schimpfte der. „Ich kuschele nicht mit Schafen, schon gar nicht wenn sie Kühe beleidigen.“
Berta hob erstaunt den Kopf. Hatte Jessy sie etwa verteidigt? Damit hätte sie im Leben nicht gerechnet. Zu oft hatte sie schon von ihm gehört, dass er sie als „dumme Kuh“ bezeichnete. Ein Glücksgefühl machte sich in ihr breit. Was gab es Schöneres, als Freunde zu haben? Nichts!
Die Schafe hatten sich selbst, aber sie und Jessy waren allein von ihrer Sorte. Nun gut, Jupp auch, aber der war sowieso eine Ausnahme und stand über den Dingen. Jetzt auch, er grinste schon wieder so unverschämt …

Ob der Jupp tatsächlich über den Dingen steht, das ist noch zu klären. Morgen geht es hier weiter, vielleicht werdet ihr dann erfahren, was die Tiere im Schilde führen. Momentan sind sie ja noch mit sich selbst beschäftigt, von wegen: Ich kuschle nicht mit Schafen …

Weihnachten im Stall 1. Dezember

IMG_20141219_150851085

1. Dezember

„Ich war dabei, als Christus geboren wurde!“, behauptete Jessy, der kleine Esel.
„Erzähle uns keine Märchen. Das ist über 2000 Jahre her. Du bist gerade mal fünf Jahre alt!“, wandte die rotbunte Kuh Berta ein, die im Stall ihren Platz neben Jessy hatte.
„Noch nie etwas von Auferstehung gehört?“, maulte Jessy. „Frag mal den Ochsen. Der war auch dabei!“
Berta schüttelte unwillig den Kopf. So einen Blödsinn wollte sie gar nicht hören. Ihr sagte der gesunde Kuhverstand, dass Jessy mal wieder fantasierte. Er war eben ein dummes Kind!
„Kinder sind nicht dumm!“, sagte Jessy nun. Berta konnte es nicht glauben. Konnte der kleine Esel nun etwa auch noch Gedanken lesen?
Jessy kicherte. Gedanken lesen konnte er nicht, aber Berta sagte bei jeder Gelegenheit, dass Kinder dumm sind und so konnte er sich denken, dass ihre Überlegungen genau darauf hinzielten.
Dabei hatte ihm die Mutter erzählt, dass gerade die Kinder dazu in der Lage sind, die Wahrheit zu erkennen.
„Wo ist er denn, dieser Christus, bei dessen Geburt du dabei warst?“, wollte Berta wissen.
„Überall!“, sagte Jessy geheimnisvoll. „Er ist bei uns, hier im Stall. Aber er ist auch bei den Menschen, drüben im Haus. Sonntags ist er in der Kirche und er besucht die Armen und Kranken!“
„Hast du ihn gesehen?“ Berta wurde immer nachdenklicher. Brauchte sie vielleicht eine Brille?
Jessy lachte. „Ach Berta, gesehen habe ich ihn auch nicht, aber ich spüre ihn, gerade jetzt im Advent. Ich freue mich auf seinen Geburtstag und überlege, was ich ihm schenken soll!“
„Aber …“ Berta erhob sich schwerfällig. „Aber zu Weihnachten bekommt man doch Geschenke, weißt du noch, die Extraportion Heu im letzten Jahr?“
Jessy überlegte. „Weißt du was, Berta? Das eine schließt das andere ja nicht aus. In diesem Jahr denken wir uns eben auch etwas aus, das wir dem Christkind schenken können!“
„Wir sind dabei!“, riefen die Schafe. „Wir haben auch schon eine Idee!“

Morgen geht es hier weiter. Seid ihr gespannt, was für eine Idee die Tiere haben und was noch so alles passieren wird? Dann schaut einfach wieder rein, bis zum 24. Dezember gibt es täglich eine Fortsetzung der Geschichte. Wir wünschen allen eine wunderschöne Adventszeit,
Regina und Elke