Oma Betty sucht den Frühling

Oma Betty sucht den Frühling

„Ich müsste dringend die Fenster putzen“, seufzt Oma Betty. „Geht aber leider nicht!“
„Warum nicht?“, will ich wissen. Es ist doch ganz einfach, die Scheiben zu säubern, habe ich doch auch schon gemacht.
„Der Lappen würde am Glas festfrieren, es ist viel zu kalt!“, erklärt Oma. So richtig unglücklich scheint sie darüber nicht zu sein.
„Ach so!“, sage ich und freue mich insgeheim, denn wenn sie keine Fenster putzt, hat sie mehr Zeit für mich.
„Komm!“, sagt Oma entschlossen. „Wir ziehen uns warm an und machen einen Spaziergang!“
„Das geht leider nicht!“, behaupte ich, ahne aber, dass ich damit nicht durchkommen werde. Ich kenne diesen Blick von Oma zu gut.
„Warum nicht?“, fragt sie auch schon.
„Meine … meine Füße würden auf dem Weg festfrieren!“, versuche ich ihr zu erklären. Oma lacht.
„Dann müssen wir die Füße schön in Bewegung halten, damit das nicht passieren kann!“
„Tut dir denn deine Hüfte heute gar nicht weh?“, frage ich vorsichtshalber. Könnte ja sein, dass Oma das gerade vergessen hat. Wenn ich nämlich mit ihr mal irgendwo hin will, dann sagt sie oft: „Heute nicht, meine Hüfte schmerzt so, es gibt anderes Wetter!“
„Nö, es geht mir ganz gut. Einem Spaziergang steht nichts im Wege!“
Mir fällt nichts mehr ein, deshalb gebe ich mich geschlagen. Wir packen uns warm ein, nehmen Emmy an die Leine und dann marschieren wir los. Es hat ein wenig geschneit in der Nacht. Emmy findet das toll, sie springt wie ein junger Hund durch den Garten und ich finde es plötzlich auch ganz schön. Als wir die ersten Schneeglöckchen im Garten entdecken, ist Oma völlig aus dem Häuschen.
„Guck mal!“, ruft sie fröhlich und zückt ihr Smartphone. „Das muss ich knipsen!“
„Pass auf, dass dein Finger nicht am Display festfriert!“, rate ich ihr, weil ich gerade wieder an die Fensterscheiben denken muss.
„Recht hast du!“ Oma steckt das Handy wieder in die Manteltasche. „Man muss ja auch nicht immer knipsen, wichtig ist, dass wir mit unseren Augen wahrnehmen, dass die Natur sich schon auf den Frühling vorbereitet, nicht wahr?“, sagt sie.
„Und wenn unsere Augen frieren, dann machen wir einfach die Deckel zu, ne?“
„Genau!“, sagt Oma und dann machen wir uns auf, auch außerhalb des Gartens nach dem Frühling zu suchen. Ja, so ist das mit Oma Betty und mir.

© Regina Meier zu Verl

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Ein Tag am Fenster

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Ein Tag am Fenster

Wie durch ein Wunder war in der Nacht ein Meisenknödelbaum in Opas Garten gewachsen. Besser gesagt: der Baum war schon vorher dagewesen, aber die Knödel, die waren gestern noch nicht dran.

Ich habe gestaunt und mich gefreut, denn die kleinen Piepmätze fanden nach dem langen Winter kaum noch etwas zu fressen. Oma streute ihnen zwar jeden Morgen die Krümel, die vom Frühstück übrig blieben auf die Fensterbank, aber das war einfach zu wenig. Die Tiere hatten Hunger und das hatte ich meinen Großeltern immer wieder gesagt.

„Tut doch was“, hatte ich sie gebeten und wenn ich etwas wollte, dann musste es sofort sein. Von einer Minute zur anderen praktisch. Da spielten Opa und Oma aber nicht mit.

„Immer mit der Ruhe!“ Das war einer von Opas Lieblingssätzen und manchmal machte mich das ganz schön kribbelig.

Wie gesagt, am diesem Morgen stand plötzlich ein Meisenknödelbaum im Garten. Kleine Bällchen in grünen Netzen hingen an den Zweigen. In Pflanzenfett gepresste Körner waren darin, erklärte Oma. Sie selbst habe damit allerdings nichts zu tun, dem Baum seien über Nacht einfach Knödelfrüchte gewachsen.

Den ganzen Vormittag saß ich am Fenster und wartete auf die ersten Vögel. Nichts tat sich.

„Sie trauen sich noch nicht, immer mit der Ruhe!“, sagte Opa, nachdem ich zum hundertsten Mal nachgefragt hatte, wann die Meisen denn endlich kommen würden.

Dann war es so weit, die erste Meise steuerte einen Knödel vorsichtig an, krallte sich fest und pickte an dem köstlichen Inhalt. Sie flog weg, kam nach kurzer Zeit aber zurück. Oder war es eine andere? Egal, es kamen immer mehr Vögel, Meisen und Spatzen und die dicken Drosseln saßen auf dem Boden und schimpften. Sie wollten wohl auch was, trauten sich aber nicht, den Meisenknödel anzufliegen. Also warteten sie, dass etwas zu Boden fiel.

„Ihr seid zu dick!“, rief ich ihnen zu, doch sie nahmen mich gar nicht wahr und das war auch gut so, denn ich hatte Gelegenheit, sie einmal richtig zu betrachten. Ich bewunderte die farbenprächtigen Blaumeisen. Was sie für ein schönes Gefieder hatten, einfach nur wunderbar und die Spatzen waren so herzig, winzig klein, aber frech.

Oma brachte mir einen Zeichenblock und die Buntstifte und so malte ich meine kleinen Freunde, die mir geduldig Modell saßen. Im Laufe des Tages stellte ich fest, wie viele unterschiedliche Vögel Opas Garten bewohnten. Ein Grünfink war auch dabei, „Jupp, Jupp, Jupp“, rief er, und am späten Nachmittag sah ich sogar ein Rotkehlchen. Dieses kleine Vögelchen hatte ich besonders gern, denn Oma hatte mir erzählt, dass es das Rotkehlchen gewesen war, dass den Herrn Jesus getröstet hatte, als er sterben musste.

„Es singt so schön und kann sogar andere Vogelstimmen nachahmen“, erklärte mir mein Großvater. Er kannte sich aus und konnte die Vögel am Gesang unterscheiden.

„Natürlich nur, wenn mich nicht gerade ein Rotkehlchen veräppelt und einen Grünfink imitiert!“

„Das kann ich auch: Jupp, Jupp, Jupp!“, rief ich und dann lachten wir beide so laut, dass die Piepmätze draußen verschreckt Reißaus nahmen.

© Regina Meier zu Verl

Bauchweh, oder wie doch noch alles gut wurde

Bauchweh, oder wie doch noch alles gut wurde

Im Kindergarten wird ein Karnevalsfest geplant. Alle Kinder basteln Fensterbilder und lustige Mobiles, die an der Decke aufgehängt werden. Da gibt es viele Clowns, Zauberer, Elfen, Cowboys und Indianer.
„Ich gehe als Prinzessin“, erzählt Nadja ihrer Freundin Lea, die gerade einen Zwerg aus Tonpapier ausschneidet.
„Ich weiß noch nicht, was ich anziehe“, sagt sie und legt die Schere zur Seite.
„Eigentlich mag ich mich nicht verkleiden, das ist doch blöd!“
Nadja kann das nicht verstehen, sie findet es ganz toll, dass man beim Karneval einmal jemand anders sein darf und Prinzessinnenkleider sind superklasse. Mama hat ihr sogar eine keine goldene Krone gekauft.
Lea würde sich auch gern verkleiden, aber ihre Eltern haben kein Geld. Gerade am Abend vorher hat Mama gesagt, dass kein Cent für unnütze Dinge ausgegeben werden darf. Aber das mag Lea nicht erzählen, die anderen Kinder könnten das sowieso nicht verstehen. Sie wird einfach sagen, dass sie Bauchschmerzen hat und nicht in den Kindergarten gehen kann, nimmt sie sich vor.
„Lea, du schaust ja so traurig. Was ist denn los?“, fragt Frau Werner, die Erzieherin.
„Ich habe Bauchweh“, behauptet Lea und legt die Hände auf den Bauch.
„Soll ich deine Eltern anrufen, damit sie dich abholen?“ Frau Werner macht ein besorgtes Gesicht und legt die Hand auf Leas Stirn. „Fieber hast du aber nicht, das ist schon mal gut!“
„Ich möchte nicht nach Hause, da ist auch niemand. Mama arbeitet doch und holt mich ab, wenn sie Feierabend hat.“
„Dann gehen wir ins Büro und du legst dich einen Moment auf die Liege, was meinst du?“
Lea folgt Frau Werner und legt sich auf die Krankenliege. Sie wird mit einer kuscheligen Decke zugedeckt und dann holt Frau Werner ihr eine Tasse Tee.
„Ich habe gar keine Bauchschmerzen“, sagt Lea, als Frau Werner zurückkommt. „Ich finde es nur so blöd, dass ich mich verkleiden muss!“
„Das musst du nicht, wenn du es nicht möchtest“, beruhigt die Erzieherin Lea.
„Ich möchte ja, aber es geht nicht. Mama kann mir nichts kaufen“, jetzt fängt Lea an zu weinen. Frau Werner reicht ihr ein Taschentuch.
„Das ist doch gar kein Problem, wir haben doch eine große Verkleidungskiste in der Bärengruppe. Da schauen wir zwei jetzt mal nach, ob wir ein passendes Kostüm für dich finden. Der Alex hat sich dort auch etwas ausgesucht.“
Gemeinsam gehen die beiden in die Bärengruppe und wühlen in der Klamottenkiste. Lea findet ein Engelkostüm und Frau Werner holt dazu noch richtige Flügel aus Goldpappe. Die Sachen werden im Büro untergebracht und morgen früh kann sich Lea dort umziehen.
„Danke, Frau Werner, du bist ein Engel“, schwärmt Lea und drückt der Erzieherin einen dicken Schmatz auf die Wange.
„Ich nicht, das bist du doch, meine Liebe. Du wirst wunderschön aussehen und wir verraten keinem anderen Kind etwas, okay?“
„Klar!“, ruft Lea und dann hüpft sie durch den Gang, um schnell wieder in ihre Gruppe zu kommen.

© Regina Meier zu Verl

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Schneemannliebe

Schneemann und Kind
Schneemannliebe

Vor nicht allzu langer Zeit hatte Friedrich Gärtner sein Frühstück stets allein eingenommen. Er lebte in einer Seniorenwohngruppe, konnte sich aber so recht nicht anfreunden mit dem Geplapper am Morgen, das ihm zuweilen tüchtig auf die Nerven ging.
Dann war Henriette Müller eingezogen und alles hatte sich seitdem verändert. Friedrich hatte plötzlich wieder Freude daran, sich am Morgen zu rasieren und ein frisches Hemd anzuziehen. Das war ihm lange nicht gelungen und seine Tochter hatte immer wieder mit ihm geschimpft. Sorgfältig frisierte er jetzt sein noch volles, weißes Haar und manchmal summte er sogar ein Liedchen.
Er grämte sich nicht mehr, wenn er ein paar Tage keinen Besuch von seinen Kindern erhielt und sogar seine Gitarre hatte er aus ihrem Koffer befreit, in dem sie monatelang untätig auf ihren Einsatz wartete.
„Guten Morgen, meine Liebe!“ Friedrich deutete einen Diener an. „Ist es gestattet?“, fragte er und deutete auf den freien Platz an ihrem Tisch.
„Ach Friedrich, du musst nicht jeden Morgen fragen, setz dich. Das ist dein Platz!“, antwortete Henriette. Sie lachte und schob sich dann eine Weintraube in den Mund. „Köstlich!“, schwärmte sie.
Friedrich schenkte sich Kaffee ein, nahm einen Schluck und seufzte.
„Hach, das tut gut!“
„Hast du schon aus dem Fenster geschaut heute?“, fragte Henriette und griff nach einem Körnerbrötchen.
„Ja, es hat heftig geschneit, so langsam reicht es mit dem Schnee, finde ich!“ Friedrich mochte den Winter nicht so gern. Früher schon hatte er das Frühjahr herbeigesehnt, damit er endlich wieder in seinem Garten werkeln konnte.
„Ich meinte, ob du HIER schon aus dem Fenster geschaut hast!“, sagte Henriette und deutete auf die große Terassentür.
„Sollte ich?“, fragte Friedrich mit einem Augenzwinkern.
„Solltest du! Unbedingt, am besten sofort!“ Henriette lachte wieder, in Friedrichs Ohren klang das wie Musik.
Friedrich legte die Serviette neben seinen Teller, erhob sich und machte sich auf den Weg zum Fenster. Im Garten, mitten auf der großen Rasenfläche, stand ein riesiger Schneemann. Henriette war ihm gefolgt. Sie hakte sich bei Friedrich ein.
„Ist er nicht wunderbar? Ich liebe Schneemänner, so lange habe ich keinen mehr gesehen!“
‚Der kann nicht echt sein!‘, schoss es Friedrich durch den Kopf, denn er entdeckte keine Rollspuren im Schnee.
„Wie ist er dahingekommen?“, sagte er leise, erwartete aber keine Antwort.
„Er will uns besuchen und kam in der Nacht, gestern war er ja noch nicht da, oder?“ Henriette drückte die Nase an die Scheibe wie ein junges Mädchen. „Er erinnert mich ein bisschen an dich!“
Friedrich stutzte. Er betrachtete den dicken Bauch und die überlange Karottennase des Schneemannes. Es war nicht gerade schmeichelhaft, mit ihm verglichen zu werden.
„Schau, sein Gesichtsausdruck!“, versuchte Henriette zu erklären. „Er guckt wie du, wenn ihm etwas nicht gefällt, er sollte lächeln, das stände ihm viel besser!“
Friedrich lacht laut auf. „Du kennst mich schon ganz gut, meine Liebe!“
„Sollen wir nach dem Frühstück mal zu ihm hinausgehen?“ Henriette zwinkerte Friedrich zu und der war sofort einverstanden.
„Das machen wir!“
Simon, der Praktikant, der in der Teeküche die Kaffeemaschine versorgte, hatte das Gespräch der beiden Senioren grinsend mit angehört. Es war also eine gute Idee gewesen, am Abend mit seinen Jungs den dicken Schneemann zu bauen. Sie hatten viel Freude daran gehabt und als dann später dicke Schneeflocken vom Himmel gefallen waren, die alle Spuren des Bauens zugedeckt hatten, schien ihm die Überraschung perfekt. Und das war sie ja auch!
Als er später Henriette und Friedrich sah, die Arm in Arm vor dem dicken Schneemann standen, fasste er den Entschluss, am Abend eine weitere Aktion zu starten.
„Liebe Frau Holle, lass es noch ein bisschen schneien!“, murmelte er und wenn ich euch jetzt erzähle, dass am Morgen des nächsten Tages neben dem Schneemann eine Schneefrau stand, die fröhlich lächelte, dann wisst ihr ja, wie sie dort hingekommen ist, oder?

© Regina Meier zu Verl

Zauberseifenblasen

Zauberseifenblasen

Mama hatte Sophie überredet, einen Winterspaziergang mit ihr zu machen. Sophie wollte eigentlich lieber im warmen Zimmer bleiben und mit ihrem Zauberkasten spielen. Doch Mama hatte nicht lockergelassen.
„Frische Luft tut gut und draußen können wir auch zaubern! Ich werde es dir zeigen!“, hatte sie versprochen, und da Sophie neugierig war, zog sie ihre dicke Jacke an und die warmen Stiefel. Oma hatte ihr eine Mütze gestrickt, die zog Sophie über die Ohren und dann ging es los.
„Wann zaubern wir denn endlich?“, fragte Sophie ungeduldig. Sie waren gerade mal ein paar Meter gegangen.
„Warte, bis wir am See sind!“, sagte Mama und lächelte. War sie auch mal so ungeduldig gewesen als kleines Mädchen, fragte sie sich. Bestimmt war das so.
„Als ich klein war, bin ich immer mit meinem Opa spazieren gegangen!“, erzählte sie.
„Habt ihr auch gezaubert?“, wollte Sophie wissen.
„Nein, wir haben uns nur unterhalten, das heißt: eigentlich habe ich geredet und mein Opa hat zugehört!“ Mama lachte und Sophie stimmte ein. „Das kann ich mir gut vorstellen, auch wenn ich meinen Uropa nicht mehr kennengelernt habe!“
„Wieso kannst du dir das vorstellen?“, fragte Mama.
„Na, wenn wir spazieren gehen, dann redest du auch die ganze Zeit und ich sage nichts!“, meinte Sophie, korrigierte sich aber gleich: „Fast nichts!“
„Das stimmt doch gar nicht!“ Mama tat als sei sie beleidigt, ganz so, wie Sophie es immer machte, wenn ihr etwas nicht passte. Um das zu unterstreichen, stampft sie sogar einmal fest mit dem Fuß auf.
„Stimmt jawohl!“, rief Sophie und stampfte ebenfalls mit dem Fuß auf. Dann sahen sich die beiden an und lachten laut auf.
„Wir sind schon zwei Stampfer!“, lachte Mama und Sophie nickte. „Ja, das sind wir!“
Sie waren beim See angekommen. Schön sah es da aus, in den Zweigen rund um das Ufer hing noch ein wenig Schnee und die Ränder des Sees waren zugefroren.
„Ist das nicht toll hier?“, fragte Mama begeistert und zog ein Fläschchen mit Seifenblasen aus ihrer Manteltasche. „Jetzt zaubern wir!“
Sie schüttelte das Fläschchen, nahm den Pustestab heraus und blies hinein. Viele Seifenblasen schwebten durch die Luft und eine setzte sich auf einen Zweig. Was dann geschah, versetzte Sophie ins Staunen. Augenblicklich gefror die Seifenblase und sah aus wie eine richtige Glaskugel.
„Siehst du, ich kann zaubern!“, rief Mama.
„Darf ich auch mal?“, wollte Sophie wissen.
„Klar, aber pass auf, dass du die Flüssigkeit nicht verschüttest, dann ist es aus mit der Zauberei!“
Sophie pustete und schaute den Seifenblasen hinterher. Einige schwebten auf die Erde und wieder gefroren sie sofort.
„So etwas Schönes habe ich noch nie gesehen!“, schwärmte Sophie und sie konnte gar nicht genug von der Seifenblasenzauberei bekommen. Leider passierte es dann doch, dass sie in ihrer Begeisterung nicht aufpasste und den Inhalt des Fläschchens verschüttete. Wie immer eigentlich!
„Gehen wir morgen wieder hierher?“, fragte sie traurig.
„Gern, und dann nehmen wir den Fotoapparat mit, damit wir die Zauberseifenblasen knipsen können!“, versprach Mama.
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Zauberseifenblasen

Tanja Esche liest Euch hier die Geschichte vor! Lasst euch von ihrer tollen Stimme verzaubern!

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Opa und Julia schreiben ihren Jahresrückblick

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Opa und Julia schreiben ihren Jahresrückblick

„Stör Opa bitte nicht, Julia! Er braucht heute seine Ruhe!“ Mama fängt Julia auf dem Weg ins Wohnzimmer ab.
„Will ich ja gar nicht, ich möchte nur ein wenig zuschauen. Was macht er denn eigentlich?“, fragt Julia neugierig, denn Opa sitzt nun schon seit Stunden am Schreibtisch im Wohnzimmer. Manchmal schreibt er etwas auf, aber die meiste Zeit schaut er einfach vor sich hin und denkt.
„Er schreibt seinen Jahresrückblick. Du weißt doch, dass er das in jedem Jahr zwischen den Feiertagen macht und pünktlich zu Silvester schickt er den Bericht an alle Verwandten und Freunde.“
„Oh, da muss er sich aber beeilen, spätestens am 30. Dezember muss die Post ja dann im Briefkasten sein, oder?“
„Stimmt! Wir haben aber beschlossen, dass wir das in diesem Jahr per Mail machen, dann muss er es nur ein einziges Mal schreiben und erreicht doch fast alle.“
„Gute Idee!“ Julia gefällt das und sofort erwacht in ihr der Wunsch, auch so einen Rückblick zu schreiben. Wenn Mama wieder in der Küche verschwunden ist, wird sie sich zu Opa schleichen und ihn fragen, wie man das macht.
Leise öffnet sie die Tür zum Wohnzimmer. Gemütlich ist es darin, die Lichter am Weihnachtsbaum leuchten und im Kamin flackert ein lustiges Feuer.
„Hallo Opa, magst du einen Tee trinken?“, fragt Julia.
„Das ist eine gute Idee. Bringst du mir einen?“ Opa schaut erfreut auf. „Ich könnte eine kleine Pause gebrauchen und vielleicht kannst du mir sogar ein bisschen helfen!“
Das klingt spannend, gern will Julia helfen. Doch zuerst holt sie Tee aus der Küche und ein paar Kekse, die könnten beim Denken behilflich sein, findet Julia.
„Danke, mein Kind. Dann können wir ja loslegen. Kannst du dich noch an meinen Geburtstag erinnern, Julia?“
„Klar, Opa, das war ein tolles Fest. Alle Verwandten waren da, es gab leckeres Essen und später haben wir sogar getanzt!“
„Weißt du auch noch, wie das Lied hieß, dass die Gratulanten für mich gesungen haben? Ich denke schon die ganze Zeit drüber nach und es will mir einfach nicht wieder einfallen. Ich möchte es gern als Motto für meinen Jahresrückblick nehmen.“
„Was ist das? Ein Motto?“, will Julia wissen.
Opa erklärt: „Wenn ihr in der Schule einen Aufsatz schreibt, dann bekommt ihr doch ein Thema gestellt. Ein Motto ist so was Ähnliches: ein Thema, das als Überschrift gilt und zu dem man immer irgendwie wieder hinleitet. Ein Leitgedanke sozusagen!“
„Ich verstehe, warte!“, Julia überlegt einen Moment, dann fängt sie an zu singen.
„Das Lesen ist des Peters Lust, das Lesen ist des Peters Lust, das Le-he-sen. Er liest so gern bei Tag und Nacht, das Licht wird niemals ausgemacht bevor das Buch zuende ist, zu-en-hen-de!“
Opa lacht. Ja, genau so war das und es stimmt ja auch, er ist eine Leseratte. Er liest immer, jeden Tag und jeden Abend und es macht ihm große Freude.
„Danke, Julia!“ Opa ist dankbar, nun hat er sein Motto gefunden und schon beginnt er zu schreiben.
„Opa, was schreibst du jetzt?“
„Ich schreibe über die Bücher, die ich in diesem, Jahr gelesen habe und über die Ereignisse des Jahres – eben alles, was so passiert ist. Dafür nutze ich mein Tagebuch, denn da habe ich ja schon alles aufgeschrieben. Der Jahresrückblick wird nur kürzer werden, sonst mag das ja niemand lesen, nicht wahr?“
„Ich verstehe!“ Julia steht auf und will gerade das Zimmer verlassen, als der Großvater sie zurückruft. „Wo willst du denn hin?“
„Ich hole mein Tagebuch und dann fange ich auch an zu schreiben!“
„Und wie lautet dein Motto?“, will Opa wissen.
„Mein Opa und ich und die Tagebücher“, antwortet Julia verschmitzt.
An diesem Nachmittag werden die beiden nicht mehr gesehen, sie sind in ihre Tagebücher vertieft und picken die interessantesten Ereignisse heraus, um sie mit den Freunden und der Familie zu teilen. Das macht Spaß, ungeheuren Spaß!

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Wunderkerzensilvester

Wunderkerzensilvester

„Heute Nacht“, sagte der kleine Playmobilmann, „setze ich mich auf eine dieser Silvesterraketen und fliege einfach mit ins Universum!“
„Du bist ja verrückt!“, meinte die Barbiepuppe Cindy, die gerade ihre Fingernägel lackierte. Sie konnte sich nicht vorstellen, einfach in den Himmel zu fliegen. Dort gab es wahrscheinlich weder Nagellack, Lippenstifte und hübsche Kleidung, noch Kinder, die mit ihr spielen würden. Nein, sie wollte auf der Welt bleiben, ganz sicher.
„Wieso sollte ich verrückt sein? Schau doch mal, ich habe sogar einen Raumfahreranzug an!“, meinte der Playmobilmann und zeigte stolz auf seinen Anzug.
„Du bist nur verkleidet, du bist gar kein richtiger Astronaut, so wie ich keine richtige Kuh bin“, rief die winzige rot bunte Kuh, die in der Alpenlandschaft der Eisenbahnanlage stand.
„Wieso bis du keine richtige Kuh?“, fragte Barbie und pustete ihre Fingernägel trocken. „Du siehst jedenfalls aus wie eine und du riechst auch so!“, sie rümpfte die Nase.
Die Spielzeuge hätten weiter gestritten, wenn nicht in diesem Moment Tine das Zimmer betreten hätte. Sofort war alles mucksmäuschenstill. Tine hatte schlechte Laune, zuerst hatte sie die Tür mit einem Knall hinter sich ins Schloss geschmissen und dann war sie aufs Bett zugestürzt und hatte sich mit lautem Geheule ins Kopfkissen vergraben.
Nach einer Weile setzte das Mädchen sich auf und schimpfte: „Erwachsene sind gemein, so gemein!“
Insgeheim nickten die Spielzeuge. Stimmte nämlich, denn wenn es nach den Erwachsenen ging, dann hatten sie jeden Abend in der Schublade zu verschwinden und man gönnte ihnen nicht einmal die Geisterstunde um Zwölf. Die Schublade bekamen sie nämlich allein nicht auf und nur, wenn einer von ihnen draußen geblieben war, konnte er helfen, dass sie sich um Mitternacht frei bewegen konnten. Aus diesem Grund versteckte sich der Teddy Paul gern unter dem Bett, damit er nicht ins Schubfach musste, denn ins Bett nahm Tine ihn nicht mehr mit. Es hatte andere Zeiten gegeben, aber die waren wohl vorbei.
Nun hätten die Spielzeuge nur allzu gern gewusst, warum Tine so traurig war. Barbie versuchte, das Mädchen zu hypnotisieren, indem sie durchdringlich in ihre Augen schaute und es wirkte.
„Letztes Jahr haben sie gesagt, dass ich noch zu klein sei, um an Silvester aufzubleiben und die Schießerei anzuschauen und sie haben mich vertröstet, dass ich es in diesem Jahr darf und nun das! Es gibt keine Party und Knaller gibt es auch nicht, das ist so gemein!“, schluchzte Tine.
Die Spielzeuge konnten ja nicht nachfragen, aber sie ahnten schon, dass das wieder so eine Corona-Sache war. Erst neulich hatte Mama das ganze Kinderzimmer ausgeräumt, geputzt und sämtliche Stofftiere in die Waschmaschine gesteckt. Nachmittags war nämlich eine Freundin, Merle, zu Besuch gewesen und die Familie dieser Freundin hatte einen Test machen müssen, der war positiv, was auch immer das heißen sollte.
„Ich hasse dieses blöde Corona!“, schimpfte Tine. „Zuerst darf Merle nicht mehr kommen und an Weihnachten durften wir nicht zu Oma und Opa und jetzt wird nicht mal geböllert zu Silvester. Ausgerechnet dieses Jahr, wo ich endlich auch mal aufbleiben dürfte!“
Papa kam in diesem Moment ins Zimmer. „Komm mal her, mein Mädchen!“, sagte er und setzte sich zu Tine aufs Bett. Tine kletterte auf seinen Schoß und weinte dicke Tränen auf seine Schulter. Das tat gut, auch wenn es nichts änderte.
Papa streichelte ihren Kopf und redete beruhigend auf Tine ein und dann zog er ein Päckchen Wunderkerzen aus der Hosentasche. „Kommst du mit mir in den Garten? Wir zünden die Kerzen an und warten auf ein Wunder“, schlug er vor.
„Wunder?“, fragte Tine.
„Klar, deshalb heißen sie doch Wunderkerzen. Wer weiß, was passieren wird?“, antwortete Papa und reichte Tine die dicke Jacke. „Komm meine Große!“, sagte er.
Auf der Terrasse wartete Mama, auf dem Tisch standen Becher und eine Thermoskanne und am Zaun zur Straße stand ein kleines Tischchen mit einer Kerze drauf. Mama füllte zwei Becher mit heißem Punsch, die sie auf das Zauntischchen stellte. Die erste Wunderkerze war gerade erloschen, da kamen zwei Leute zum Zaun, warm eingepackt. Tine erkannte sie erst auf den zweiten Blick. „Oma und Opa!“, rief sie glücklich und wollte gleich losspringen, als ihr einfiel, dass sie das nicht durfte!
„Wie schön, dass ihr da seid!“, rief sie und machte ein kleines Freudentänzchen.
„An der Haustür hängt eine Tüte mit allerlei kleinen Silvesterüberraschungen!“, sagte Opa und Oma erzählte, dass sie auch noch eine ordentliche Portion Weihnachtsplätzchen dazu gepackt habe.
„Und um zwölf rufen wir an!“, versprachen die beiden, nachdem sie ihren Punsch ausgetrunken hatten. Tine war versöhnt und konnte sich nun wieder auf den Abend freuen.
So hatten die Wunderkerzen für ein kleines Wunder gesorgt und vielleicht war im nächsten Jahr alles wieder gut und sie konnten gemeinsam mit den Großeltern Weihnachten und Silvester feiern. Das wünschte Tine sich von Herzen und zündete gleich noch eine Wunderkerze an.

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Vom kleinen Glück

Vom kleinen Glück

Das kleine Glück saß auf dem Marktplatz und fror. Ach, es war so bitterkalt an diesem letzten Tag des Jahres. Worauf aber wartete das kleine Glück? Es hätte doch einfach in irgendein Haus gehen können, oder in die Kirche, die war immer geöffnet. So einfach war die Sache aber nicht. Das kleine Glück wartete darauf, dass es jemand aufhob und annahm, denn nur dann konnte es seine Kräfte entfalten.

Viele Menschen gingen an ihm vorbei. Sie nahmen es gar nicht wahr, das Glück auf dem Marktplatz. Zu sehr waren sie mit sich selbst beschäftigt. Sie schauten nicht nach rechts und nicht nach links. Sie hatten keine Zeit für einen Gruß, geschweige denn für ein Lächeln. Sie eilten von einem Kaufhaus ins andere und kamen mit prall gefüllten Taschen wieder heraus. Das kleine Glück verstand nicht, warum die Menschen so viele Sachen nach Hause schleppten. Ihre Gesichter machten einen gequälten Eindruck, von der schweren Schlepperei.
Schon vor Weihnachten hatte das kleine Glück das beobachtet und letztendlich niemanden gefunden, an den es sich verschenken konnte. Lediglich Bruno, der alte Setter, der nachts durch die Straßen streunte, hatte das Glück beschnuppert, angenommen und sich mit ihm auf die Suche nach etwas Essbarem gemacht. Und da er das Glück bei sich hatte, fand er im Hinterhof des Restaurants einen dicken Knochen.
Ein kleines Mädchen ging an der Hand seiner Mutter über den Marktplatz. Kaum konnte es den schnellen Schritten der Frau folgen. Doch die hatte es eilig. „Komm, Marie, wir wollen doch noch ein Tischfeuerwerk kaufen, für die Silvesterfeier morgen!“, sagte sie und zog Marie mit sich fort. „Wir brauchen noch Luftschlangen, Glücksschweinchen, Kleeblätter für die Tischdekoration und noch so allerhand Sachen.“
Marie war müde und sie hatte Hunger. Sie hatte auch keine Lust mehr, hinter der Mutter herzulaufen. Ihre kleinen Füße schmerzten. Wie gern hätte sie sich irgendwo hingesetzt und eine heiße Schokolade getrunken, denn kalt war ihr auch. Traurig schaute sie vor sich auf den Boden.
Plötzlich entdeckte sie ein Glitzern im Schnee. Sie wischte sich über die Augen und schaute genauer hin. Da, da war es wieder.
Das kleine Glück hatte das Kind entdeckt und es freute sich über die Aufmerksamkeit des Mädchens. Es hatte sofort das Glitzern entdeckt, an dem alle vorbeigingen und es nicht wahrnahmen. Erfreut hüpfte es in Maries Manteltasche. Das Kind hatte das bemerkt, aber es sagte kein Wort. Gut fühlte es sich an, warm und einfach nur schön.
„Marie, wir sollten eine Pause machen. Sicher ist dir kalt und du bist müde, stimmt’s? Komm, wir trinken einen heißen Kakao, da drüben beim Bäcker. Willst du?“, fragte die Mutter und verlangsamte ihre Schritte.
„Ja, klar, das wäre toll! Ich bin doch ein Glückskind!“, rief Marie begeistert.
Und das war sie auch, schließlich trug sie das kleine Glück in der Manteltasche spazieren. Das blieb noch eine Weile bei ihr, dann hüpfte es wieder hinaus und wartete auf den nächsten, den es glücklich machen konnte, wenigstens ein bisschen. Schließlich war es ja ein kleines Glück.

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Der Wunderweihnachtsbaum

Der Wunderweihnachtsbaum

Die riesige Tanne vor dem Rathaus wurde in jedem Jahr von den Schülern der Grundschule geschmückt. Jedes Kind, das Lust hatte, etwas zu basteln und an den Baum zu hängen war eingeladen, am Tag vor dem ersten Dezember zu kommen und dem Schauspiel beizuwohnen. Das Errichten der Tanne, die Befestigung der Lichterketten, sehr spannend war es, das mit anzusehen. Doch der Höhepunkt war, wenn die Sterne, Päckchen oder andere Basteleien angebracht wurden, denn in einem Korb, der hochgefahren wurde, stand Herr Koch, der Hausmeister.

„Ein bisschen nach links, ein bisschen nach rechts“, riefen die Kinder ihm zu oder: „Herr Koch, du musst mein Geschenk an die Spitze hängen, damit es das Christkind zuerst sehen kann!“

Der Hausmeister war geduldig, schon seit vielen Jahren erledigte er diese Aufgabe und für ihn war es die rechte Weihnachtsfreude, so viele strahlende Kinderaugen zu sehen. In diesem Jahr aber hatte sich Herr Koch etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Es war nämlich sein letztes Jahr im Dienst der Stadt und es sollte einen Abschluss bilden, an den man sich noch lange erinnern würde. So hatte es sich der Fast-Rentner vorgenommen.

In den Schulen und Kindergärten hatte er Aushänge aufgehängt und mit den Lehrern und Erziehern gesprochen. Herr Koch wünschte sich nur große Sterne am Baum und auf jedem Stern sollte ein persönlicher Wunsch vermerkt sein. Keiner, den man einfach mit Geld und im nächsten Warenhaus erfüllen konnte, sondern einer, mit dem man einem anderen eine große Freude bereiten wollte. Die Lehrer erklärten es den Kindern und die waren gleich mit Feuereifer bei der Sache. So ganz einfach war das aber nicht, denn was sie sich selbst wünschten, das wussten sie längst. Aber was sie jemand anderem wünschen sollten, das war eine andere Sache. Frau Müller gab ihren Schülern ein Beispiel.

„Da ich nicht mitmachen darf, sage ich euch jetzt, was ich auf meinen Stern schreiben würde. Vielleicht habt ihr dann eine gute Idee, wie euer Wunsch ausfallen könnte. Also: Meine Nachbarin ist schon alt. Ihr größter Traum ist es, einmal noch ihren Sohn zu sehen, der weit weg, in Amerika lebt. Ich wünsche ihr, dass sich dieser Wunsch recht bald erfüllt, denn sie ist sehr krank.“                           Die Kinder waren ganz still geworden. Die Idee war so schön, eine solche Bitte wollten sie auch formulieren und manchen fiel auch gleich ein Mensch ein, der in der näheren Umgebung lebte und der auch so einen Wunsch haben könnte.

„Ihr dürft euren Wunsch aber nicht verraten, dann erfüllt er sich nicht!“, verriet Frau Müller den Kindern.

Große rote und goldene Sterne wurden aus dicken Karton ausgeschnitten, dann schrieben die Schüler die Wünsche auf die Rückseite und am Schluss wurde jeder einzelne Stern in eine Folie eingeschweißt, damit Regen oder Schnee ihm nichts anhaben konnte.                                                    Am nächsten Tag gingen dann alle gemeinsam zum Rathaus und dort beobachteten sie, wie ein Stern nach dem anderen am Weihnachtsbaum befestigt wurde. Der Bürgermeister hatte Punsch für alle gespendet und er beobachtete das Treiben wohlwollend aus seinem Rathauszimmer.

„Wenn sich ein Wunsch erfüllt hat, dann leuchtet der Stern, der dazu gehört!“, erklärte er seiner Sekretärin, die lächelte, aber nicht so recht daran glauben wollte. Sie fand, dass es eine schöne Geste sei, aber Wunder hatte sie noch keine erlebt und das würde ihr auch der Chef nicht einreden können.

Ein paar Tage lang bewunderten alle Leute der Stadt „ihren“ Weihnachtsbaum und sie erfreuten sich an der Geschichte, dass die Sterne leuchten würden, wenn sich Wünsche erfüllten. Besonders gut beobachtete Herr Koch den Baum, denn schließlich hatte er ja die Idee gehabt, es in diesem Jahr einmal anders zu machen. Er wünschte sich sehr, dass möglichst viele Sterne leuchten mögen.

Alltag war eingekehrt in der kleinen Stadt. Der Baum stand an seinem Platz, jeder hatte ihn gesehen und bewundert und eigentlich warteten nur noch die Kinder, Herr Koch und der Bürgermeister auf ein Leuchten oder zwei oder drei. Am Tag vor dem Heiligen Abend, es war den ganzen Tag nicht richtig hell geworden, weil die Wolken voller Schnee waren, passierte dann etwas, über das alle noch lange reden würden. Dicke Schneeflocken fielen auf die Stadt und auf den Weihnachtsbaum und sie legten sich auf seine Zweige und alle, die gerade in der Nähe waren blieben stehen und freuten sich. Und während sie den Baum betrachteten, leuchtete ein Sternchen in hellem Licht auf und dann noch eines und ein weiteres und es dauerte fast eine Stunde, da waren alle Sterne hell erleuchtet und das hieß dann wohl, dass sich alle Wünsche erfüllt hatten.

„Wie kann das sein?“, fragten sich die Leute. „Da ist doch ein Trick dabei!“

Herr Koch stand mit klopfendem Herzen ganz in der Nähe, aus seinen Augen lösten sie Tränen, die heiß über die kühlen Wangen rollten. Wie schön das war und wie Recht er doch behalten hatte. Auch der Bürgermeister beobachtete das Wunder, schnell ließ er sich seinen Mantel geben und eilte nach draußen, um sich mit den Menschen zu freuen, die dort standen und Beifall klatschten. Ein Wunder, ein richtiges Wunder in seiner Stadt. So stolz war er nur bei seiner Wahl gewesen, damals, vor vielen Jahren.

Nun mag man sich fragen, wie es denn kam, dass alle Sterne zu funkeln anfingen, wo es doch so viele Wünsche waren, die dort verzeichnet waren? Wenn ich euch jetzt sage, dass die alte Dame, von der die Lehrerin gesprochen hatte, just in dem Moment Besuch von ihrem Sohn aus Amerika bekam, dann beantwortet sich diese Frage wohl von selbst, oder?

© Regina Meier zu Verl

Hier lese ich euch die Geschichte vor.

Der Wunderweihnachtsbaum
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Wie Jonathan zu seinen bunten Socken kam

Gestern Abend habe ich noch lange gestrickt, Wollsocken. Stricken hat für mich etwas Meditatives und so versank ich in Gedanken und irgendwann war ich so müde und zufrieden, dass ich einschlief, ganz entspannt. Heute wachte ich mit einer Geschichte auf, die mir wohl im Traum zugefallen ist. Ich habe sie schnell aufgeschrieben, damit ich sie nicht wieder vergesse. Die Namen in der Geschichte habe ich allerdings austauschen müssen. Vorsichtshalber, sonst erkennt sich noch jemand 🙂

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Wie Jonathan zu seinen bunten Socken kam

Der kleine Engel Jonathan stapfte mit nackten Füßen durch den Schnee. Ihm war kalt und seine Füßchen schmerzten. Er hatte sich verlaufen und fand den Weg zur Himmelsleiter nicht mehr. Nur einen kurzen Ausflug in den Wald hatte er machen wollen und dabei vergessen, sich die Richtung zu merken. Er hätte nun seine goldene Trillerpfeife benutzen können, die sogleich Hilfe schicken würde, aber das wollte er nicht. Bedeutete es doch für ihn, dass er noch nicht die notwendige Reife besaß, ein Schutzengel zu sein und das war sein allergrößter Wunsch. Helfen wollte er, ein Menschenkind beschützen und immer für es da sein.

Jonathan war den Tränen nahe, als er plötzlich ein jämmerliches Weinen hörte. Er legte sein Köpfchen auf die Seite und lauschte. Da, da war es wieder. Es musste ganz in der Nähe sein. Langsam ging er in die Richtung, aus der das Weinen kam. Er gelangte zu einer Holzhütte, deren Fenster erleuchtet waren. Aus dem Schornstein stieg eine dicke Rauchwolke in den Himmel. Vorsichtig näherte sich Jonathan einem der Fenster. Er schaute in eine warme Stube, in der ein Feuerchen im Kamin prasselte. In einer hölzernen Wiege lag ein Kind. Es strampelte mit den Beinen und weinte zum Herzerbarmen. Niemand kam, um das Kind zu trösten. Wo war denn nur seine Mutter? Jonathan ging um die Hütte herum und suchte nach ihr, indem er in jedes Fenster schaute. Aber da war niemand. Er musste eingreifen, jetzt!

Mit klopfendem Herzen drückte er die schwere Klinke der Tür hinunter und betrat die Hütte. Geschwind ging er auf die Wiege zu und streichelte die tränennassen Wangen des Kindes. Es erschrak, denn die Hände des kleinen Engels waren eiskalt. Doch als es in Jonathans Augen schaute, beruhigte es sich sofort, denn es erkannte seinen Engel. Sorgfältig deckte Jonathan das Kind zu und dann begann er zu singen, so, wie er es von seinen Lehrmeistern gelernt hatte. „Stille Nacht, Heilige Nacht“ sang er. „alles schläft, einsam wacht, nur das traute hochheilige Paar, holder Knabe im lockigen Haar …“ Jonathan verschluckte sich, er kicherte und dann lachte er frei heraus. Das Kind dort in der Wiege hatte gar keine Haare, geschweige denn Locken und sicherlich war es auch kein Knabe, denn es trug einen rosaroten Strampelanzug und es gluckste nun vor Vergnügen. Von Schlaf war nicht die Rede.

Knarrend öffnete sich in diesem vergnüglichen Augenblick die Tür. Eine Frau betrat die Hütte, sie trug ein Bündel Feuerholz auf dem Arm.

„Marie, du bist ja so fröhlich“, rief die Frau, legte das Feuerholz ab und trat an die Wiege. Jonathan verhielt sich ganz still, doch auch wenn er genau neben der Frau stand, so sah sie ihn doch nicht. Das glaubte er jedenfalls. „Ich wasche mir nur schnell die Hände und dann nehme ich dich!“, sagte die Frau zu Marie. „Und wir bedanken uns bei deinem Schutzengel, der so schön auf dich aufgepasst hat. Zum Dank lege ich ihm ein Paar Socken hin, denn draußen ist es kalt und etwas Anderes kann ich ihm nicht anbieten.“ Sie griff in einen großen Korb, der mit Wolle gefüllt war und beförderte ein buntes Paar Socken zutage. Das legte sie auf den Rand der Wiege, dann verließ sie das Zimmer.

Jonathan zögerte noch, dann aber zog er die bunten Wollsocken an und machte sich wieder auf den Weg. Nun würde er die Himmelsleiter sicher finden, denn er hatte bewiesen, dass er ein guter Schutzengel sein würde, für Marie!

© Regina Meier zu Verl
Hier lese ich euch die Geschichte vor, viel Spaß!