Prinzessin oder Indianerin?

Prinzessin oder Indianerin?

Muriel möchte in diesem Jahr beim Karnevalsfest eine Prinzessin sein. Sie war schon Cowboy, Indianerin und Drache. Die Kostüme hat Mama alle selbst geschneidert. Nun soll es also ein Prinzessinnenkostüm werden. Gemeinsam mit Mama zieht sie los, um einen Stoff für das wunderbare Kleid zu kaufen, das ihr vor Augen schwebt. Blau soll es sein und im dazu gehörenden Krönchen sollen blaue Steine glitzern. Ganz genau weiß Muriel, wie es aussehen soll und sie freut sich schon sehr.
Mit dem Bus fahren sie in die Stadt. Muriel fährt so gern mit dem Bus und am liebsten sitzt sie ganz vorn hinter dem Fahrer. Dem würde sie gern ein paar Fragen stellen, aber das darf sie nicht. Mama hat ihr erklärt, dass man den netten Herrn nicht ablenken darf. Er muss ja auf den Verkehr achten, denn er trägt eine große Verantwortung für seine Passagiere.
Das versteht Muriel gut und deshalb hält sie sich daran. Sie fragt eben Mama, die fast alles weiß und meist geduldig auf die Fragen ihrer Tochter antwortet. Heute ist Mama aber etwas schweigsam. Muriel hat es schon beim Mittagessen bemerkt, dass irgendetwas nicht stimmt. Wenn sie nicht alles täuscht, dann hat Mama sogar geweint. Ihre Augen sind gerötet und immer wieder holt sie ein Taschentuch aus ihrer Handtasche und wischt über die Augen.

„Mama, warum weinst du denn?“
„Ach, ich weine gar nicht. Ich glaube ich bekomme eine Erkältung.“, weicht Mama aus und lächelt gequält. Muriel kennt ihre Mama gut, deshalb ist sie davon überzeugt, dass etwas nicht in Ordnung ist.
„Weinst du wieder wegen Papa?“, fragt sie ganz leise, damit kein anderer es hören kann.
Mama schüttelt den Kopf. „Nein, nein, es ist nichts, mach dir keine Sorgen!“
Muriels Eltern haben in der letzten Zeit oft Streit. Sie denken, dass ihr Kind nichts davon mitbekommt, aber Muriel hat schon oft gehört, dass sie sich anschreien. Meist geht es dabei um Geld. Dann wirft Papa Mama vor, dass sie zu viel ausgegeben hat. Dabei ist Mama sparsam, denn immer wenn Muriel um irgendetwas bittet, dann sagt Mama:
„Kind, wir müssen sparen!“
Muriel ist zwar klein, aber sie ist nicht dumm. Sie spürt genau, dass Mama traurig ist und sicher geht es wieder um Geld und Vorwürfe, die Papa ihr gemacht. In Muriels Bauch bildet sich ein dicker Kloß. Jetzt kriecht auch in ihr die Traurigkeit hoch und sie verliert die Lust auf ein Prinzessinnenkleid. Das würde ja wieder neuen Ärger geben, denn die Zutaten kosten ja Geld. Muriel denkt nach.
„Mama“, flüstert sie. „Ich könnte doch auch das Indianerkleid vom letzten Jahr anziehen. Das ist wunderschön und alle haben mich bewundert!“
„Wie kommst du denn nur darauf?“, fragt die Mutter verwundert. „Es wird dir auch zu klein sein, du bist mächtig gewachsen im letzten Jahr!“
„Dann nähst du einfach noch was unten dran, dann wird es schon passen!“, schlägt Muriel vor. Langsam aber sicher verschwindet der Kloß im Bauch. Die Idee ist doch toll und dann wird Papa auch nicht schimpfen. Nur das zählt im Moment. Muriel möchte, dass Mama wieder lacht. Das ist viel wichtiger als ein blödes Prinzessinnenkleid, viel wichtiger.
„Meinst du?“, fragt Mama jetzt und schnäuzt noch einmal kräftig in ihr Taschentuch. Dann legt sie den Arm um ihr Kind und drückt es an sich. „Du hast dich doch so gefreut auf das Kleid!“
„Ja, das meine ich!“, behauptet Muriel und sie fühlt sich ganz großartig dabei, kein bisschen traurig. Sie sind doch eine Familie und sie müssen zusammenhalten. Außerdem ist Papa doch eigentlich total lieb. Er muss Kummer haben, sonst wäre er nicht so nervös. Muriel möchte nun aber wissen, was denn eigentlich los ist und warum Papa sich so verändert hat.
„Ich bin schon groß, du kannst mir ruhig sagen was los ist“, sagt sie deshalb zu Mama.
Mama zögert noch, doch dann erzählt sie von der kleinen Tischlerei, in der Papa arbeitet.
„Sie haben keine Aufträge und wenn das so ist, dann kommt kein Geld rein. Wenn kein Geld da ist, kann Papas Chef seine Mitarbeiter nicht bezahlen. Erinnerst du dich an die Zeit, als Papa so oft zu Hause war? Da hat er Kurzarbeit gemacht und viel weniger Lohn bekommen!“
Klar, daran erinnert sich Muriel. Das war im Sommer gewesen und sie konnten nicht verreisen in den Ferien. Schlimm fand sie das nicht, denn stattdessen hatte Papa ja viel Zeit für sie gehabt und gemeinsam hatten sie einiges unternommen. Sogar einen Kaninchenstall hatte Papa gebaut. Den hatte sich Muriel lange gewünscht.
„Wenn Papa nun arbeitslos werden sollte, dann müssen wir noch mehr sparen!“, sagt Mama jetzt betrübt.
„Verstehe ich!“, behauptet Muriel und findet ihre Entscheidung, auf das Prinzessinnenkleid zu verzichten, umso richtiger. „Wir sind doch eine Familie, wir müssen zusammenhalten. Wir bummeln jetzt durch die Stadt und fahren dann wieder nach Hause, okay?“
„So machen wir das!“ Mama ist einverstanden und sie ist sehr stolz auf ihre Tochter. Im Supermarkt kaufen sie noch ein paar Zutaten für das Abendessen ein und als sie wieder zu Hause sind, kochen sie gemeinsam und warten auf Papa, den sie mit seinem Lieblingsessen überraschen:
Bratkartoffeln mit Spiegelei.
„Ich liebe Bratkartoffeln!“, sagt Papa. „Aber euch, meine beiden Frauen, liebe ich noch viiiiel mehr!“

© Regina Meier zu Verl 2016

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Bildquelle Bru-nO/pixabay

 

 

Glatteis

Glatteis

Jonathan war mit Oma Betty im Kino. Jetzt sitzen sie im Bus, der sie wieder nach Hause bringt.
„Ins Kino gehen ist viel schöner, als einen Film im Fernseher anzusehen“, schwärmt Jonathan und Oma nickt.
„Ja, das finde ich auch. Die Bilder sind so schön groß und man konzentriert sich nur auf den Film. Kein Telefon schellt und Opa schnarcht nicht dazwischen.“
Jonathan kichert.
„So schlimm ist es doch auch nicht, wenn er schnarcht“, verteidigt er seinen Opa Heinz.
„Du hast gut reden, hast ja auch ein Zimmer für dich allein. Sollen wir mal eine Nacht tauschen, dann weißt du, wovon ich spreche.“
„Wenn Mama nichts dagegen hat, könnte ich ja heute bei euch schlafen, dann probieren wir das mal aus, ja?“
„Meinetwegen!“, stimmt Oma zu.
„Friedrichstraße“, sagt der Omnibusfahrer durch das Mikrofon und Oma und Jonathan erheben sich schnell von ihren Plätzen. Sie müssen hier aussteigen und dann noch ein Stückchen laufen, bis sie zu Hause sind. Als sie um die Ecke kommen, sehen sie das Blaulicht eines Krankenwagens, er parkt direkt vorm Haus, in dem Jonathan mit seinen Eltern und Großeltern wohnt.
„Oh Gott, da ist doch hoffentlich nichts passiert!“, ruft Oma und beschleunigt ihren Schritt. Jonathan kann gar nicht so schnell hinterher kommen.
Als sie das Haus fast erreicht haben, sehen sie, dass die Sanitäter jemanden aus dem Haus tragen. Papa und Mama kommen auch gerade aus der Haustür. Als sie Jonathan sehen, kommt Papa und nimmt Jonathan an die Hand.
„Die Nachbarin ist gestürzt, es war plötzlich so glatt hier vorm Haus. Wahrscheinlich hat sie ein Bein gebrochen, ist sicher nicht so schlimm. Sei vorsichtig auf der Treppe, ich nehme Oma in den Arm, damit sie nicht auch noch hinfällt. Komm, Mutter, wir gehen zusammen“, er hakt seine Mutter unter und gemeinsam gehen sie ins Haus. Die Nachbarin ist längst im Krankenwagen, der kurze Zeit darauf mit lautem Tatü-Tata abfährt.
„Ach Heinz, wie froh ich bin, dass dir nichts passiert ist“, sagt Oma, als sie bei Opa im Wohnzimmer angekommen ist.
„Und ich erstmal“, ruft Jonathan. „Ich schlafe nämlich heute bei dir!“
Die Erwachsenen lachen und kommen gar nicht auf die Idee, es dem Jungen zu verbieten. Alle sind froh, dass sie heil und gesund beisammen sein können.
Am Abend ruft Oma im Krankenhaus an und erfährt, dass sich Frau Schröder ein Bein gebrochen hat. Es ist ein glatter Bruch und es wird schnell verheilen.
„Gott sei Dank!“, sagt Oma und Jonathan ist der gleichen Meinung. Da hat der liebe Gott gut aufgepasst.

© Regina Meier zu Verl

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Bildquelle Fotocitizen/pixabay

 

Julius und sein Schneemann

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Von Julius für den Schneemann gemalt

„Einmal nur möchte ich eine bunte Blumenwiese sehen, das ist mein größter Traum!“, sagt der Schneemann zu Julius, der ihn gebaut hat.
Traurig antwortet der Junge: „Das geht nicht, deine Zeit ist der Winter. Wenn die Sonne wärmer wird, dann wirst du schmelzen!“
„Du hast mich gebaut, also bist du doch mein Vater, stimmt’s?“, fragt der Schneemann.
Julius kichert.
„Das könnte man so sagen!“
„Väter tun alles für ihre Söhne, oder?“
„Alles, was sie können!“, stimmt Julius zu.
„Dann mach, dass ich auf einer Blumenwiese stehen kann!“ Der Schneemann wird immer energischer und Julius immer stiller. Wie soll er seinem Schneemann den Wunsch erfüllen? Er hat keine Idee.
„Mein Vater tut auch alles für mich, aber manche Wünsche kann auch er nicht erfüllen!“
„Es ist aber doch mein einziger Wunsch!“, erwidert der Schneemann.
„Also gut, ich überlege mir was. Aber jetzt muss ich ins Haus, Papa hat schon zum Essen gerufen!“
Als Julius mit seinem Papa am Küchentisch sitzt, fragt er:
„Du, Papa, wenn ich nur einen einzigen Wunsch hätte, würdest du mir den erfüllen?“
„Wenn ich das könnte, dann würde ich es tun. Was wünscht du dir denn?“
„Ach, eigentlich geht es gar nicht um mich, sondern um einen Freund!“
„Erzähl doch mal!“
„Mein Freund der Schneemann draußen wünscht sich auf einer Blumenwiese zu stehen!“
„Wie soll das gehen, es ist doch Winter!“
„Das habe ich ihm auch gesagt, aber er meint, dass es sein einziger Wunsch sei und den möchte ich ihm so gern erfüllen!“, sagt Julius traurig und eigentlich will er gar nicht weinen. Doch da ist es schon passiert, die Tränen kullern die Wangen hinunter.
Papa reicht ihm ein Taschentuch, das er aus der Hosentasche gezaubert hat.
„Mama hätte bestimmt eine Idee“, jammert er. Doch Mama ist nicht da, sie macht eine Kur im Schwarzwald und ist ganz weit weg.
„Vielleicht hätte sie das. Ruf sie doch am Abend mal an!“, schlägt Papa vor.
Plötzlich beginnen Julius’ Augen zu leuchten. Er rast in sein Zimmer und ist in nullkommanichts wieder da. In der Hand hat er ein Bild von Mama.
„Ich hab’s!“, ruft er. „Abends wünsche ich mir immer, dass Mama bei mir ist. Da sie aber nicht kommen kann, nehme ich ihr Bild und schaue es so lange an, bis mir ganz warm wird, vor lauter Liebe und dann geht es mir gleich besser!“
„Das ist schön! Aber was hat das mit dem Schneemann zu tun?“
„Ich male ihm ein Bild und auf dem Bild steht er auf einer bunten Blumenwiese. Das ist dann fast so, als wäre es wahr!“
Papa ist stolz auf seinen Julius und es rührt ihn beinahe zu Tränen, wie klug und gefühlvoll der kleine Mann ist.
Nachdem die beiden den Tisch abgeräumt haben, hilft Papa dabei, ein wunderbares Bild zu malen und später bringt Julius es in den Garten, zu seinem Schneemann. Papa knipst ein Foto vom Schneemann, Julius und dem Blumenwiesenbild und das schicken sie dann zu Mama.
Die wird sich freuen!

© Regina Meier zu Verl 2015

Winterpicknick mit Oma

Wie sagt man so schön? Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur die falsche Kleidung. Oma sieht das auch so und sie hat immer ein Rezept gegen Langeweile. Lukas weiß das zu schätzen, auch wenn er nicht immer gleich begeistert von einem Vorschlag ist, den Oma so macht. Beim Picknick allerdings hat sie wieder voll ins Schwarze getroffen, doch lest selbst.

Winterpicknick mit Oma

„Du, Oma?“
„Ja, was ist denn?“
„Kannst du mir sagen, wann ich endlich meinen Schlitten rausholen kann?“
„Den Schlitten kannst du jederzeit aus dem Schuppen holen, aber du wolltest sicher wissen, wann es endlich schneit, stimmt’s?“
„Ach Oma, du weißt schon was ich meine – also wann? Ich möchte so gern Schlitten fahren.“
„Keine Ahnung. Es sieht noch nicht nach Schnee aus und der Wetterbericht macht uns auch noch keine Hoffnung. Ich habe gestern extra die Nachrichten angeschaut!“
„Blöder Wetterbericht!“
„Na, der kann ja nichts dafür. Das Wetter kommt wie es will, da können wir Menschen gar nichts daran ändern. Das ist auch gut so!“
„Und jetzt? Mir ist so langweilig, ich möchte endlich in den Schnee und Schlitten fahren oder einen Schneemann bauen.“
„Weißt du was? Wir mummeln uns jetzt warm ein und machen einen langen Spaziergang. Wir nehmen uns eine Kanne Kinderpunsch oder Tee mit und ein paar Kekse. Dann machen wir ein nettes Winterpicknick im Park. Was hältst du davon?“
„Gute Idee, das machen wir.“
Kurze Zeit später sind Lukas und Oma unterwegs zum Stadtpark. Da es nicht regnet, können sie sich auf eine Bank setzen und ihren Proviant verputzen. Zu ihren Füßen versammeln sich ein paar Täubchen, die auf Kekskrümel warten. Sie gurren und sind gar nicht ängstlich. Oma macht sogar ein Foto von Lukas und den Tauben.
‚Winter ist auch ohne Schnee ganz schön`, findet Lukas und erzählt seiner Mama begeistert vom Winterpicknick im Park.

© Regina Meier zu Verl

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Bildquelle Imoflow/pixabay

Gezwitscher

Gezwitscher

„Oh je, ich habe heftigen Muskelkater. Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr das schmerzt!“
Kehli jammerte und streckte vorsichtig seine Beine aus. Eins nach dem anderen natürlich, denn sonst wäre er wohl auf den Schnabel gefallen.
„Was hast du denn nur gemacht, dass deine Muskeln so weh tun?“ Meisi sah ihren Freund mitleidig an. Das konnte sie gar nicht haben, dass es ihm so schlecht ging.
„Ach weißt du, ich hatte Hunger und da der Schnee ja alles zugedeckt hat, habe ich nichts gefunden, mit dem ich meinen Hunger hätte stillen können. Also habe ich versucht, an den leckeren Bällchen zu picken, die hier überall im Garten hängen!“, antwortete Kehli.
„Das war doch eine gute Idee. Ich bin jedenfalls total glücklich über die Leckerbissen. Sonnenblumenkerne sind drin, Nüsse und Fett, das wir so dringend brauchen, um gut über den Winter zu kommen!“ Meisi verstand nicht, was die Futterbällchen mit dem Muskelkater zu tun haben könnten.
„Du hast gut zwitschern, meine Liebe!“ Hast du schon einmal darüber nachgedacht, warum diese Bällchen ‚Meisenknödel‘ heißen?“, fragte Kehli verärgert.
„Nein, habe ich nicht. Ich wusste gar nicht, dass sie so heißen!“, meinte Meisi verwundert. Sie fand es nett, dass diese Leckerchen nach ihr benannt waren.
„Weil ihr Meisen euch daran festhalten könnt. Ihr seid eben Akrobaten und ich bin eben nur ein Rotkehlchen!“, erklärte Kehli etwas neidisch. „Ich kann machen was ich will, immer rutsche ich ab und stürze zu Boden. Trotzdem versuche ich es immer wieder. Manchmal gelingt es sogar!“
Meisi bedauerte ihren Freund. „Jetzt verstehe ich, du fliegst den Knödel an, kannst dich nicht halten, stürzt ab und dann rappelst du dich wieder auf und versuchst es erneut! Tapfer, tapfer, mein Freund! Du kannst andere Dinge viel besser als wir Meisen, du singst wunderschön. Es tut mir so leid!“
„Danke, Meisi! Du kannst ja nichts dafür und … psst!“ Kehli brach mitten im Satz ab. Meisi wagte nicht nachzufragen, was denn los sei. Da sah sie es aber schon. Eine Frau näherte sich dem Bäumchen, auf dem sie saßen. Sie hatte so ein komisches Ding in der Hand, an dem ein Band befestigt war.
Kehli suchte das Weite, Meisi flog hinter ihm her. Auf einem Nachbarbaum setzten sie sich nebeneinander auf einen hohen Ast und beobachteten die Frau.
Diese hängte dieses seltsame Gerät an einen stabilen Zweig. Dann ging sie zurück ins Haus und stellte sich ans Fenster.
Neugierig flogen die beiden Freunde wieder zurück zum Baum, an dem nun dieses Ding, ein durchsichtiger Plastikzylinder mit drei Stangen in verschiedenen Höhen, hing. Der Zylinder war mit Körnern gefüllt, leckeren Körnern.
„Ich werde verrückt!“, zwitscherte Kehli. „Sie hat extra für mich eine Futterstation aufgehängt!“
Meisi lachte hell auf.
„Vielleicht ist sie in dich verliebt!“, meinte sie und wäre Kehli, das Rotkehlchen nicht sowieso schon ganz schön rot im Gesicht und auf der Brust, so wäre das spätestens jetzt passiert.

© Regina Meier zu Verl

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Rotkehlchen copyright Gatierf/pixabay

Basti hat Langeweile

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„Mama, mir ist so langweilig!“
Basti setzt sich an den Küchentisch und schaut seiner Mutter zu, die das Mittagessen vorbereitet.
„Spiel doch mit deinen Weihnachtsgeschenken“, schlägt Mama vor und schneidet eine Zwiebel in feine Würfel, heute soll es Bratkartoffeln geben. Das ist genau das richtige Essen nach den vielen Festtagsmenues.
„Das macht aber allein keinen Spaß“, antwortet Basti. „Kann ich mich mit Kevin verabreden?“
Die Mutter schüttelt entschieden den Kopf.
„Nein, ich möchte gern nach den Feiertagen meine Ruhe haben, es war so viel los hier in den letzten Tagen.“
„Ich könnte doch zu ihm gehen!“
„Nein, Kevins Eltern sind sicher auch froh, wenn sie ihre Ruhe haben.“
Basti zieht eine Schnute, seine Mutter weint – wegen des Zwiebelsaftes.
Da schellt das Telefon.
„Gehst du mal ran?“, bittet Mama.
„Keine Lust!“, mault Basti. Mama ist verärgert, wischt aber ihre Hände schnell in der Schürze ab und nimmt den Anruf an.
Es ist Kevins Mutter, die fragt, ob Basti nicht zu ihnen kommen will, weil Kevin so gern mit ihm spielen möchte.
„Den ganzen Morgen geht er mir schon auf die Nerven“, klagt sie und dann lachen beide Mütter herzlich.
„Na, dann schicke ich Basti mal rüber. Er wird sich freuen!“
Basti strahlt über das ganze Gesicht , manche Probleme erledigen sich von selbst, stellt er fest und drückt seiner Mama einen dicken Schmatz auf die Wange.

Was nützen denn die schönsten Weihnachtsgeschenke, wenn man sie niemandem zeigen kann?

© Regina Meier zu Verl

Zimt schmeckt am besten im Winter

Zimt schmeckt am besten im Winter

Alina und Mama backen Plätzchen. Es ist gar nicht einfach, den Teig flach auszurollen. Alina muss sich mächtig anstrengen.
„Kann ich jetzt mit dem Ausstechen beginnen, Mama?“, fragt sie wieder und wieder, und jetzt hat sie endlich Glück.
„Ja, kleine Nervensäge“, antwortet Mama. Sie lacht. „Hier hast du die Formen. Wir haben Sonne, Mond, Sterne und ein Engelchen. Sogar ein Tannenbaum ist dabei und ein Nikolaus-Stiefel.
Alina ist eifrig bei der Sache. Nachdem die Plätzchen ausgestochen sind, werden sie mit Eigelb bepinselt.
„Du machst du prima“, lobt Mama. „Ich mische nun noch Zucker und Zimt. Das streuen wir dann auf das Eigelb.“ Sie nimmt ein Schälchen, mischt einen großen Löffel gemahlenen Zimt mit drei Löffeln Zucker.
Mmh, das riecht lecker! Alina kann nicht widerstehen und nascht ein wenig davon.
„Ich muss doch probieren, ob du nicht aus Versehen Salz genommen hast“, sagt sie und lacht.
Mama schmunzelt. „Gegen diese Ausrede gibt es nichts einwenden“, meint sie. „Zimt ist übrigens ein ganz altes Gewürz. Schon vor 4500 Jahren hat man es in der chinesischen Küche benutzt.“
„Dann kommt der Zimt aus China? Oder kann er auch bei uns im Garten wachsen?“, fragt Alina.
„Der Zimt kommt aus Asien und damit auch aus China“, erklärt Mama. „Ein Baum, der dort wächst, liefert ihn uns.“
„Du meinst, Zimt wächst auf Bäumen wie Äpfel oder Nüsse?“
„Nicht ganz“, sagt Mama. „Man schält die Borke von diesen Bäumen, und unter ihr befindet sich eine dünne Rinde. Die wird durch Abschaben geerntet, und dabei bilden sich kleine Röllchen. Die werden getrocknet und als Stangenzimt verkauft. Zimtpulver entsteht, indem man diese Zimtrollen in einer Mühle mahlt. Ganz einfach, nicht?“
Währenddessen sind die ersten Plätzchen fertig geworden.
„Das riecht toll!“, ruft Alina. „Noch besser als Reisbrei mit Zucker und Zimt, ja, und so richtig nach Winter und Weihnachten. Hmmm…!“

© Elke Bräunling und Regina Meier zu Verl

Zimt, Bildquelle © ulleo/pixabay

Kakao wächst auf Bäumen

Kakao wächst auf Bäumen

Draußen ist es kalt, nebelig und nass. Voller Sehnsucht wartet Karin auf den ersten Schnee. Doch das Wetter ist seit Wochen das gleiche: kalt, nebelig und nass. Und viele Leute fühlen sich fast schon genau so.
„Ich habe eine Idee gegen schlechte Winterlaune“, sagt Mama. „Wir kochen uns eine Tasse Kakao, dann kuscheln wir uns unter die Wolldecke und probieren, ob uns unsere selbst gebackenen Kekse schmecken.“
Karin findet, dass das eine richtig gute Idee ist. Draußen ist es schon am frühen Nachmittag so dunkel, das es keinen Spaß macht, auf den Spielplatz Freunde zu treffen oder mit Hund Bassy über die Felder zu laufen. Schnell dreht sie mit Bassy daher eine schnelle Runde um die Häuser, dann setzt sie sich mit einem Buch zu Mama aufs Sofa. Ihr ist kalt und ein heißer, in der Tasse duftig dampfender Kakao passt nun prima zu einem gemütlichen Nachmittag.
„Mama, woher kommt eigentlich der Kakao?“, fragt Karin.
„Du willst immer alles ganz genau wissen, nicht wahr?“ Mama lächelt. „Da hole ich doch gleich das Lexikon, damit wir nachsehen können.“
Während es sich Karin auf dem Sofa mit Kissen und Decken gemütlich macht, kommt Mama auch schon mit einem Tablett in der Hand und dem Lexikon unterm Arm ins Wohnzimmer. Sie kriecht zu Karin unter die Decke und sie genießen einen ersten tiefen Schluck des herrlich süßen Kakaos.
Dann blättern sie im Lexikon und sie haben Glück. Neben dem Text finden sie nämlich auch ein Bild, und sie erfahren, dass die Kakaobohne aus Westafrika und Südamerika kommt und an Kakaobäumen, die über zehn Meter hoch werden, heranreift. Aber nicht die einzelnen Bohnen hängen an den Bäumen, sondern längliche rote und gelbe Früchte, die ähnlich wie Gurken aussehen und bis zu zwanzig Zentimeter lang werden. In deren Fruchtfleisch wachsen jeweils etwa fünfzig Samen. Das sind die Kakaobohnen. Die werden nach der Ernte geröstet, gemahlen und entölt, ja, und dann erst hat man das kostbare Kakaopulver, das auch zur Herstellung von Schokolade verwendet wird.
„Dass Kakao wie Obst und Nüsse auf Bäumen wächst, hätte ich nie gedacht!“, sagt Karin. Sie nimmt noch einen großen Schluck und irgendwie, findet sie, schmeckt der Kakao jetzt noch besser. Aufregender irgendwie.

© Elke Bräunling u. Regina Meier zu Verl

Kakaozeit, Bildquelle © rawpixel/pixabay