Winterpicknick mit Oma

Wie sagt man so schön? Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur die falsche Kleidung. Oma sieht das auch so und sie hat immer ein Rezept gegen Langeweile. Lukas weiß das zu schätzen, auch wenn er nicht immer gleich begeistert von einem Vorschlag ist, den Oma so macht. Beim Picknick allerdings hat sie wieder voll ins Schwarze getroffen, doch lest selbst.

Winterpicknick mit Oma

„Du, Oma?“
„Ja, was ist denn?“
„Kannst du mir sagen, wann ich endlich meinen Schlitten rausholen kann?“
„Den Schlitten kannst du jederzeit aus dem Schuppen holen, aber du wolltest sicher wissen, wann es endlich schneit, stimmt’s?“
„Ach Oma, du weißt schon was ich meine – also wann? Ich möchte so gern Schlitten fahren.“
„Keine Ahnung. Es sieht noch nicht nach Schnee aus und der Wetterbericht macht uns auch noch keine Hoffnung. Ich habe gestern extra die Nachrichten angeschaut!“
„Blöder Wetterbericht!“
„Na, der kann ja nichts dafür. Das Wetter kommt wie es will, da können wir Menschen gar nichts daran ändern. Das ist auch gut so!“
„Und jetzt? Mir ist so langweilig, ich möchte endlich in den Schnee und Schlitten fahren oder einen Schneemann bauen.“
„Weißt du was? Wir mummeln uns jetzt warm ein und machen einen langen Spaziergang. Wir nehmen uns eine Kanne Kinderpunsch oder Tee mit und ein paar Kekse. Dann machen wir ein nettes Winterpicknick im Park. Was hältst du davon?“
„Gute Idee, das machen wir.“
Kurze Zeit später sind Lukas und Oma unterwegs zum Stadtpark. Da es nicht regnet, können sie sich auf eine Bank setzen und ihren Proviant verputzen. Zu ihren Füßen versammeln sich ein paar Täubchen, die auf Kekskrümel warten. Sie gurren und sind gar nicht ängstlich. Oma macht sogar ein Foto von Lukas und den Tauben.
‚Winter ist auch ohne Schnee ganz schön`, findet Lukas und erzählt seiner Mama begeistert vom Winterpicknick im Park.

© Regina Meier zu Verl

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Bildquelle Imoflow/pixabay

Gezwitscher

Gezwitscher

„Oh je, ich habe heftigen Muskelkater. Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr das schmerzt!“
Kehli jammerte und streckte vorsichtig seine Beine aus. Eins nach dem anderen natürlich, denn sonst wäre er wohl auf den Schnabel gefallen.
„Was hast du denn nur gemacht, dass deine Muskeln so weh tun?“ Meisi sah ihren Freund mitleidig an. Das konnte sie gar nicht haben, dass es ihm so schlecht ging.
„Ach weißt du, ich hatte Hunger und da der Schnee ja alles zugedeckt hat, habe ich nichts gefunden, mit dem ich meinen Hunger hätte stillen können. Also habe ich versucht, an den leckeren Bällchen zu picken, die hier überall im Garten hängen!“, antwortete Kehli.
„Das war doch eine gute Idee. Ich bin jedenfalls total glücklich über die Leckerbissen. Sonnenblumenkerne sind drin, Nüsse und Fett, das wir so dringend brauchen, um gut über den Winter zu kommen!“ Meisi verstand nicht, was die Futterbällchen mit dem Muskelkater zu tun haben könnten.
„Du hast gut zwitschern, meine Liebe!“ Hast du schon einmal darüber nachgedacht, warum diese Bällchen ‚Meisenknödel‘ heißen?“, fragte Kehli verärgert.
„Nein, habe ich nicht. Ich wusste gar nicht, dass sie so heißen!“, meinte Meisi verwundert. Sie fand es nett, dass diese Leckerchen nach ihr benannt waren.
„Weil ihr Meisen euch daran festhalten könnt. Ihr seid eben Akrobaten und ich bin eben nur ein Rotkehlchen!“, erklärte Kehli etwas neidisch. „Ich kann machen was ich will, immer rutsche ich ab und stürze zu Boden. Trotzdem versuche ich es immer wieder. Manchmal gelingt es sogar!“
Meisi bedauerte ihren Freund. „Jetzt verstehe ich, du fliegst den Knödel an, kannst dich nicht halten, stürzt ab und dann rappelst du dich wieder auf und versuchst es erneut! Tapfer, tapfer, mein Freund! Du kannst andere Dinge viel besser als wir Meisen, du singst wunderschön. Es tut mir so leid!“
„Danke, Meisi! Du kannst ja nichts dafür und … psst!“ Kehli brach mitten im Satz ab. Meisi wagte nicht nachzufragen, was denn los sei. Da sah sie es aber schon. Eine Frau näherte sich dem Bäumchen, auf dem sie saßen. Sie hatte so ein komisches Ding in der Hand, an dem ein Band befestigt war.
Kehli suchte das Weite, Meisi flog hinter ihm her. Auf einem Nachbarbaum setzten sie sich nebeneinander auf einen hohen Ast und beobachteten die Frau.
Diese hängte dieses seltsame Gerät an einen stabilen Zweig. Dann ging sie zurück ins Haus und stellte sich ans Fenster.
Neugierig flogen die beiden Freunde wieder zurück zum Baum, an dem nun dieses Ding, ein durchsichtiger Plastikzylinder mit drei Stangen in verschiedenen Höhen, hing. Der Zylinder war mit Körnern gefüllt, leckeren Körnern.
„Ich werde verrückt!“, zwitscherte Kehli. „Sie hat extra für mich eine Futterstation aufgehängt!“
Meisi lachte hell auf.
„Vielleicht ist sie in dich verliebt!“, meinte sie und wäre Kehli, das Rotkehlchen nicht sowieso schon ganz schön rot im Gesicht und auf der Brust, so wäre das spätestens jetzt passiert.

© Regina Meier zu Verl

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Rotkehlchen copyright Gatierf/pixabay

Krümelkinder – The children and their crumbs

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Bildquelle Zoosnow/pixabay

Krümelkinder

„Na du, wartest du auf den Bus?“, fragt die Taube Tilli die Amsel, die sich gerade neben ihr auf dem Wartehäuschen niedergelassen hat.
„Auf den Bus? Wie kommst du darauf? Ich brauche keinen Bus, ich kann doch fliegen!“, antwortet diese und kichert. Dieses Kichern klingt wie eine schöne Melodie.
„Worauf wartest du dann?“, will Tilli wissen.
„Auf den Frühling, meine Liebe, und du?“ Die Amsel schüttelt ein paar Wassertropfen von ihrem Gefieder.
„Ich warte auf die Kinder. Sie müssen gleich aus der Schule kommen!“ Tilli späht aufgeregt von rechts nach links und wieder zurück.
„Und dann?“, fragt sie die Taube. „Was hast du vor mit den Kindern?“
„Mit ihnen habe ich nichts vor. Ich warte darauf, dass sie ihre Butterbrote auspacken und dann ist meine Zeit gekommen!“ Tilli lacht gurrend, eine gewisse Vorfreude ist ihr anzumerken. Die Amsel schaut Tilli verständnislos an.
„Wieso? Warum?“, fragt sie neugierig.
„Na, sie packen ihre Brote aus und dann krümeln sie! Ich liebe Kinder, die krümeln. Sie haben ein Herz für uns Vögel!“, erklärt Tilli. Langsam beginnt die Amsel zu verstehen.
„Aha, und dann pickst du die Krümel auf!“, lacht sie. „Aber sag: Reicht das denn für eine Mahlzeit?“
„Mal ja, mal nein. Man darf halt die Hoffnung niemals aufgeben!“ Das klingt ernst. Der Amsel tut das leid, sie selbst hat großes Glück in diesem Winter, sie hatte immer etwas zu essen gefunden.
„Wie heißt du eigentlich?“, will Tilli nun von der Amsel wissen.
„Ich heiße Alice, so wie die Alice aus dem Wunderland!“, flötet die Amsel.
„Alice, heute ist dein Glückstag!“, ruft Tilli fröhlich aus. „Ich lade dich zum Essen ein!“
In diesem Moment kommt eine Schar aufgeregt schwatzender Schüler auf die Bushaltestelle zu. Sie setzen sich auf die Bank im Unterstand und packen, genau wie Tilli es vorausgesagt hatte, ihre Pausenbrote, oder das, was davon übriggeblieben ist, aus. Ja, und sie krümeln was das Zeug hält. Tilli läuft das Wasser im Schnabel zusammen, doch noch traut sie sich nicht hinunter. Erst als der Bus alle Kinder aufgenommen hat, fliegen die beiden Vögel auf den Boden und picken die Krümel auf. Tilli findet sogar ein riesiges Stück Brotkruste, das sie mit ihrer neuen Freundin teilt.
Zum Dank dafür singt Alice ein herrliches Frühlingslied und wenn ich mich nicht irre, dann habe ich die beiden gerade in trauter Einigkeit auf meiner Terrasse entdeckt. Dort habe ich nämlich eine Handvoll Sonnenblumenkerne verstreut, wie jeden Morgen.

© Regina Meier zu Verl

The children and their crumbs

„Hi, are you waiting for the bus?“ Tilli the dove asks the blackbird, who had just landed next to her on the roof of the bus shelter.
“For the bus? What makes you think that? I don’t need a bus, I can fly!”, she answers with a giggle. This giggle sounds like a lovely melody.
“What are you waiting for then?” Tilli wants to know.
“For springtime, my dear, and you?” The blackbird shakes a few drops of water rain drops off her feathers.
“I’m waiting for the children. They’ll be coming out of school any minute now!” Tilli looks excitedly to the right, and to the left and back again.
“And then?”, she asks the dove. “What are you going to do with the children?”
“I’m not going to do anything with them. I’m waiting for them to unpack their sandwiches and then my moment has come!”, Tilli laughs cooing, a certain anticipation hangs in the air. The blackbird gives Tilli a blank look.
“Why, why?”, she asks, longing to know.
“Well, they unpack their sandwiches and then they make crumbs! I love children who make crumbs. They have a heart for us birds!”, Tilli explains. Slowly but surely the blackbird begins to understand.
“Ah ha, and then you peck up the crumbs!” she laughs. “But tell me: is it enough for a whole meal?”
“Sometimes it is, and sometimes it isn’t. You must never give up hope!” This has an earnest ring to it. The blackbird is sorry, she had always been lucky this winter; she had always found something to eat.
“What’s your name?”, Tilli asks the blackbird.
“My name is Alice, like Alice in Wonderland!”, the blackbird sings.
“Alice, today is your lucky day!”, Tilli calls out happily. “I’ll treat you to a meal!”
At this very moment a crowd of excitedly chattering pupils make their way towards the bus shelter. They sit down on the bench under the roof and just as Tilli had predicted, they unpack their sandwiches, or what’s left of them. Yes, and they make no end of crumbs. Tilli’s beak begins to water, but she doesn’t have the courage to fly down just yet. As soon as all the children have got onto the bus, both birds fly to the ground and peck up the crumbs. Tilli even finds and huge piece of crust, which she shares with her new friend.

To express her thanks, Alice sings a wonderful springtime song and if I’m not mistaken, I have just discovered them both in trusted unity on my patio. You, see, I have just scattered a handful of sunflower seeds there, as every morning.

© Regina Meier zu Verl für die Übersetzung Helen Swetlik