Wunderkerzensilvester

Die nachfolgende Geschichte stammt aus dem letzten Jahr, leider ist sie noch genauso aktuell wie zum Jahresübergang 2020/2021.Hoffen wir auf ein Wunder!

Wunderkerzensilvester

„Heute Nacht“, sagte der kleine Playmobilmann, „setze ich mich auf eine dieser Silvesterraketen und fliege einfach mit ins Universum!“
„Du bist ja verrückt!“, meinte die Barbiepuppe Cindy, die gerade ihre Fingernägel lackierte. Sie konnte sich nicht vorstellen, einfach in den Himmel zu fliegen. Dort gab es wahrscheinlich weder Nagellack, Lippenstifte und hübsche Kleidung, noch Kinder, die mit ihr spielen würden. Nein, sie wollte auf der Welt bleiben, ganz sicher.
„Wieso sollte ich verrückt sein? Schau doch mal, ich habe sogar einen Raumfahreranzug an!“, meinte der Playmobilmann und zeigte stolz auf seinen Anzug.
„Du bist nur verkleidet, du bist gar kein richtiger Astronaut, so wie ich keine richtige Kuh bin“, rief die winzige rot bunte Kuh, die in der Alpenlandschaft der Eisenbahnanlage stand.
„Wieso bis du keine richtige Kuh?“, fragte Barbie und pustete ihre Fingernägel trocken. „Du siehst jedenfalls aus wie eine und du riechst auch so!“, sie rümpfte die Nase.
Die Spielzeuge hätten weiter gestritten, wenn nicht in diesem Moment Tine das Zimmer betreten hätte. Sofort war alles mucksmäuschenstill. Tine hatte schlechte Laune, zuerst hatte sie die Tür mit einem Knall hinter sich ins Schloss geschmissen und dann war sie aufs Bett zugestürzt und hatte sich mit lautem Geheule ins Kopfkissen vergraben.
Nach einer Weile setzte das Mädchen sich auf und schimpfte: „Erwachsene sind gemein, so gemein!“
Insgeheim nickten die Spielzeuge. Stimmte nämlich, denn wenn es nach den Erwachsenen ging, dann hatten sie jeden Abend in der Schublade zu verschwinden und man gönnte ihnen nicht einmal die Geisterstunde um Zwölf. Die Schublade bekamen sie nämlich allein nicht auf und nur, wenn einer von ihnen draußen geblieben war, konnte er helfen, dass sie sich um Mitternacht frei bewegen konnten. Aus diesem Grund versteckte sich der Teddy Paul gern unter dem Bett, damit er nicht ins Schubfach musste, denn ins Bett nahm Tine ihn nicht mehr mit. Es hatte andere Zeiten gegeben, aber die waren wohl vorbei.
Nun hätten die Spielzeuge nur allzu gern gewusst, warum Tine so traurig war. Barbie versuchte, das Mädchen zu hypnotisieren, indem sie durchdringlich in ihre Augen schaute und es wirkte.
„Letztes Jahr haben sie gesagt, dass ich noch zu klein sei, um an Silvester aufzubleiben und die Schießerei anzuschauen und sie haben mich vertröstet, dass ich es in diesem Jahr darf und nun das! Es gibt keine Party und Knaller gibt es auch nicht, das ist so gemein!“, schluchzte Tine.
Die Spielzeuge konnten ja nicht nachfragen, aber sie ahnten schon, dass das wieder so eine Corona-Sache war. Erst neulich hatte Mama das ganze Kinderzimmer ausgeräumt, geputzt und sämtliche Stofftiere in die Waschmaschine gesteckt. Nachmittags war nämlich eine Freundin, Merle, zu Besuch gewesen und die Familie dieser Freundin hatte einen Test machen müssen, der war positiv, was auch immer das heißen sollte.
„Ich hasse dieses blöde Corona!“, schimpfte Tine. „Zuerst darf Merle nicht mehr kommen und an Weihnachten durften wir nicht zu Oma und Opa und jetzt wird nicht mal geböllert zu Silvester. Ausgerechnet dieses Jahr, wo ich endlich auch mal aufbleiben dürfte!“
Papa kam in diesem Moment ins Zimmer. „Komm mal her, mein Mädchen!“, sagte er und setzte sich zu Tine aufs Bett. Tine kletterte auf seinen Schoß und weinte dicke Tränen auf seine Schulter. Das tat gut, auch wenn es nichts änderte.
Papa streichelte ihren Kopf und redete beruhigend auf Tine ein und dann zog er ein Päckchen Wunderkerzen aus der Hosentasche. „Kommst du mit mir in den Garten? Wir zünden die Kerzen an und warten auf ein Wunder“, schlug er vor.
„Wunder?“, fragte Tine.
„Klar, deshalb heißen sie doch Wunderkerzen. Wer weiß, was passieren wird?“, antwortete Papa und reichte Tine die dicke Jacke. „Komm meine Große!“, sagte er.
Auf der Terrasse wartete Mama, auf dem Tisch standen Becher und eine Thermoskanne und am Zaun zur Straße stand ein kleines Tischchen mit einer Kerze drauf. Mama füllte zwei Becher mit heißem Punsch, die sie auf das Zauntischchen stellte. Die erste Wunderkerze war gerade erloschen, da kamen zwei Leute zum Zaun, warm eingepackt. Tine erkannte sie erst auf den zweiten Blick. „Oma und Opa!“, rief sie glücklich und wollte gleich losspringen, als ihr einfiel, dass sie das nicht durfte!
„Wie schön, dass ihr da seid!“, rief sie und machte ein kleines Freudentänzchen.
„An der Haustür hängt eine Tüte mit allerlei kleinen Silvesterüberraschungen!“, sagte Opa und Oma erzählte, dass sie auch noch eine ordentliche Portion Weihnachtsplätzchen dazu gepackt habe.
„Und um zwölf rufen wir an!“, versprachen die beiden, nachdem sie ihren Punsch ausgetrunken hatten. Tine war versöhnt und konnte sich nun wieder auf den Abend freuen.
So hatten die Wunderkerzen für ein kleines Wunder gesorgt und vielleicht war im nächsten Jahr alles wieder gut und sie konnten gemeinsam mit den Großeltern Weihnachten und Silvester feiern. Das wünschte Tine sich von Herzen und zündete gleich noch eine Wunderkerze an.

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Die bunte Weihnachtsdose

Die bunte Weihnachtsdose

All ihre kleinen Schätze bewahrte Djamila in einer großen bunten Dose auf. Früher waren mal Lebkuchen drin gewesen. Da man Lebkuchen fast ausschließlich in der Weihnachtszeit isst, waren auch weihnachtliche Motive auf dieser Dose zu finden.
Da war auf der einen Seite der bunte Nussknacker, der einem beinahe ein wenig Furcht einjagen konnten mit seinem grimmigen Gesicht. Djamila hatte sich aber vorgestellt, dass er gar nicht böse war, sondern lediglich Zahnschmerzen hatte vom ewigen Nüsse knacken.
Wenn man die Dose ein wenig weiterdrehte, sah man den dicken Weihnachtsmann in seinem roten Mantel, die Daumen in dem breiten braunen Ledergürtel verhakt und breitbeinig mitten im Schnee stehend. Er hatte bestimmt keine Zahnschmerzen. Seine Backen lugten aus dem weißen Gestrüpp seines Bartes wie zwei rotwangige Äpfel und seine kleinen Augen lachten fröhlich und verschmitzt, Am liebsten würde man mitlachen und in sein vergnügtes „hohoho!“ mit einstimmen.
Neben dem Weihnachtsmann prangte eine festlich geschmückte Weihnachtstanne mit unzähligen Lichtern und noch ein wenig weiter schauten zwei Engel aus einer Wolke auf die Erde hinab. Das war Djamilas Lieblingsmotiv auf der Dose, denn Oma hatte einmal gesagt, dass sie, Djamila, einer dieser Engel sei.
Obwohl das Mädchen da seine Zweifel hatte. Mussten Engel nicht immer brav und folgsam sein? Und das war sie bestimmt nicht, sie konnte ganz schön schmollen, wenn es mal nicht nach ihrem Kopf ging. Dann musste sie lachen, denn Papa war auch gerade im Zimmer gewesen und hatte Omas Worte gehört.
„Mama, du hattest schon immer eine rosarote Brille auf, wenn es um deine Enkelin geht“, hatte er schmunzelnd gesagt. Daran konnte sich Djamila noch genau erinnern.
Djamila hatte gelacht, als sie sich Oma mit einer rosaroten Brille vorgestellt hatte. Die Bedeutung dieser Worte war ihr damals aber nicht bewusst gewesen.
„Oma, du hast dich getäuscht“, flüsterte Djamila.
„Du bist das da oben auf der Wolke und neben dir ist deine Freundin Anna, von der du mir so oft erzählt hast.“
Auf Djamilas Lippen lag ein Lächeln bei der Erinnerung an ihre Oma, aber in ihren Augen glitzerten schon wieder die Tränen. Das erste Weihnachtsfest ohne Oma konnte sie sich nicht vorstellen und das wollte sie auch nicht. Sie öffnete den Deckel der Weihnachtsdose und griff nach dem mit Spitze umhäkelten Taschentuch und schnupperte daran.
Sie schloss die Augen. Es roch so schön nach Oma! Wie hatte sie Weihnachten immer geliebt. Und nun sollte das erste Mal das Fest ohne sie stattfinden. Sie drehte die Dose und betrachtete gedankenverloren den geschmückten Weihnachtsbaum. Da hatte sie eine Idee, wie Oma doch mitfeiern könnte und das jedes Jahr. Sie würde eine Weihnachtskugel basteln mit ihrem Bild und glücklicherweise hatte sie ganz viele Geschichten, die Oma für sie gesprochen hatte, und die sie nun immer wieder anhören konnte.
Am Heiligabend hing die Kugel mit Omas Bild am festlich geschmückten Baum. Die Familie saß zusammen und erinnerte sich daran, wie es in den Jahren zuvor gewesen war und die ein- oder andere Träne floss auch an diesem Abend.
Als man später gemeinsam Omas lustige Weihnachtsgeschichten anhörte, konnte man sogar schon wieder ein bisschen lachen und das hätte Oma gefreut, ganz sicher hätte sie das gefreut!

© Regina Meier zu Verl

Hier lese ich euch die Geschichte vor.

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Die drei Glocken

Die drei Glocken

Im ersten Türchen fanden wir eine kleine goldenen Glocke und hörten die Geschichte vom Glöckchen, das im Glockenturm einer kleinen Bergkapelle sein Zuhause gehabt hatte. Am Sonntag vor dem Gottesdienst ertönten immer die beiden großen Glocken und der Klang des kleinen Glöckchens ging darin unter, so dass niemand hören konnte, welch silberhelles Stimmchen die Kleine hatte. Trotzdem läutete sie voller Inbrunst, denn sie wusste, dass sie wie Lie-be klang, Lie-be, Lie-be, Lie-be. War das nicht das Wichtigste auf der Welt? Die Liebe!
„Spiel dich nicht so auf, Kleine, tönte die dicke Glocke, die alle anderen übertönte. Es ist der Glaube, der am wichtigsten ist. Ja, ja, der Glaube!“ Sie legte sich noch einmal so richtig ins Zeug und die Kinder, die vor der Kirche standen legten die Hände auf die Ohren, so laut war sie.
„Und was ist mit mir?“, fragte die dritte Glocke, die ein wenig kleiner war als die Dicke, aber immer noch laut genug, um die kleine Glocke zu übertönen. „Ich bin die Hoffnung und ohne die Hoffnung geht gar nichts!“
Es stimmt nicht, dachte die kleine Glocke, aber sie schwieg. Wusste sie doch genau, dass die Liebe, war sie als Glöckchen auch noch so klein, die Größte von allen war, was ihre Bedeutung betraf. Aber sie liebte ja ihre beiden Freunde und deshalb ließ sie diese gewähren.
Langsam klangen sie aus, die Gottesdienstbesucher waren alle in der Kirche, als die Hoffnungsglocke leise sagte: „Bald ist wieder Weihnachten, ich hoffe sehr, dass es friedlich sein wird, hier und überall auf der Welt!“
„Das möchte ich so gern glauben“, flüsterte die Glaubensglocke. „Aber denkt doch mal an die vielen traurigen Erlebnisse dieses Jahres. Da kann einem angst und bange werden, findet ihr nicht auch?“
Beinahe hätten die beiden anderen Glocken genickt, aber das durften sie nicht, weil sie erst am Ende der Sonntagsfeier wieder läuten durften.
„Vielleicht“, wisperte die kleine Glocke, „vielleicht sollten wir einmal alles anders machen, nicht mehr schweigen und uns fügen, sondern die Menschen darauf aufmerksam machen, wie wichtig Glaube, Liebe und Hoffnung sind. Was meint ihr?“
„Sie hat recht!“, meinte die Dicke und auch die Mittlere stimmte zu. „Ja, wir sollten nicht mehr schweigen. Kleine Glocke, fang du an und wir stimmen dann leise mit ein. Wie findest du das?“
So kam es, dass die kleine Glocke zunächst ganz allein ihr Lie-be, Lie-be, Lie-be erklingen ließ, ganz fein und leise klang das und die Menschen horchten auf. Und als die mittlere Glocke einstimmte, da staunten alle, die es hören konnten und das war weithin möglich. Schließlich setzte die große Glocke ein und man hörte das Geläute der drei weit über den Ort hinaus. Die Menschen blieben stehen und lauschten andächtig.
„Jetzt kann Weihnachten werden!“, sagte der alte Michel, der zum ersten Mal nach vielen Jahren ein Lächeln auf den Lippen hatte. „Glaube, Liebe und Hoffnung, diese drei“, flüsterte er und schaute glücklich in den Winterhimmel.

© Regina Meier zu Verl

Die drei Glocken – Bild Regina Meier zu Verl (nach einem Tutorial von happypaintingclub)

Silver, der kleine Engel

Silver, der kleine Engel

Es war ein paar Tage vor Weihnachten. Der kleine Engel Silver trottete traurig durch den verschneiten Winterwald. Eiskalte Füße hatte er, daran konnten auch seine heißen Tränen nichts ändern. Er hätte fliegen können, doch dazu fehlte ihm die Kraft.
Es war Nacht. Glücklicherweise schien aber der Vollmond hell auf den glitzernden Schnee. So schön sah das aus, doch Silver nahm es nicht wahr.
„Nun sag mal“, sagte der kleine Fuchs, der plötzlich mitten auf dem Weg stand. „Was ist denn nur mit dir los? Du weinst ja zum Herzerbarmen!“
„Stimmt“, schluchzte der Engel. „Es ist aber auch alles so furchtbar traurig!“
„Kann ich dir helfen?“, fragte der Fuchs.
„Mir kann niemand helfen!“, heulte Silver und schon wieder tropfen dicke Tränen in den Schnee.
„Lass es mich doch versuchen“, schlug der Fuchs vor. Er setzte sich vor die Füße des kleinen Engels und schlug seinen buschigen Schwanz um seine Vorderpfoten. Sehr anmutig sah das aus. Silver, der noch nie einen Fuchs aus der Nähe gesehen hatte, war beeindruckt von dessen Eleganz.
„Wie schön du bist!“, rief er bewundernd aus und das meinte er auch ganz ehrlich.
Der Fuchs lächelte, das Kompliment freute ihn.
„So schöne Worte für mich von einem so schillernden Wesen wie dir“, schmeichelte er. „Dabei bist du viel schöner als ich. Dein silbernes Engelshaar leuchtet im Dunklen. Jeder Stern müsste vor Neid blass werden.“
Silver überlegte einen Moment. Sollte der Fuchs etwa recht haben? Doch mit dem winzigen Hoffnungsfünkchen stellten sich schon im nächsten Augenblick heftige Zweifel ein.
„Das mag sein, aber alles an mir ist falsch. Alle anderen Engel sind von goldener Farbe, ihr Haar, ihre Gewänder, ihr Sternenschmuck im Haar. An mir ist alles Silber. Das ist nicht richtig und deshalb bin ich so unglücklich!“
„Tja“, sagte der Fuchs. „Du musst lernen, dich selbst zu lieben. So mache ich das auch und deshalb bin ich ein glücklicher Fuchs.“
„Ich werde es versuchen“, versprach der kleine Engel halbherzig.
„Gut“, sagte der Fuchs. „Denk immer an meine Worte! Mach‘s gut, kleiner Engel!“
Der Fuchs erhob sich und ging seines Weges. Erst jetzt bemerkte Silver, dass der hübsche Fuchs das linke Hinterbein schwerfällig hinter sich herzog.
Lange schaute er ihm nach und er schämte sich. Er jammerte und jammerte, nur wegen seiner Farbe und der Fuchs, der offensichtlich ein schweres Schicksal zu tragen hatte, strahlte Zuversichtlichkeit und Glück aus.
„Warte, Fuchs!“, rief Silver laut. „Lass mich ein Stück mit dir gehen!“
Doch der Fuchs drehte sich nicht um und er wartete auch nicht auf den kleinen Engel. Also ging Silver allein weiter. Er hatte aufgehört zu weinen. Auch die Last auf seinen Schultern schien ihm plötzlich nicht mehr so schwer zu sein. Vorsichtig hof er seine Flügel an und hob sich in die Luft.
„Ich kann es wieder“, jubelte er. „Ich bin gut, so wie ich bin. Das werde ich von nun an beherzigen und dann wird sich erfüllen, was mir mein Freund Gabriel prophezeit hat, der gesagt hatte: „Kleiner Engel Silver, Engel werden mit ihrem Namen geboren und wie dein Name, ist auch alles weitere an dir silbern. Das ist kein Zufall, sondern Bestimmung. Eines Tages wirst du wissen, was das zu bedeuten hat.“

Was es damit auf sich hatte, das werden wir auch schon bald erfahren, denn das ist schon wieder eine neue Geschichte von Silver, dem kleinen silbernen Engel.

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Der kleine Strohstern – Gedicht

Der kleine StrohsternDer kleine Strohstern

Ein kleines Sternchen sagte froh:
Ich bin nicht nur ein Stern aus Stroh.
Zu Weihnachten häng ich am Baum
und das ist wahr, nicht nur ein Traum!

Da gehörst du gar nicht hin,
ich bin hier die Königin!
sprach die Kugel arrogant,
weil sie sich so entzückend fand.

Ein Stern war es, der in der Nacht
Licht über Bethlehem gemacht,
damit man es findet, das Kind im Stall.
Das weiß man schließlich überall.

Er hatte Recht, der kleine Stern.
Die Kugel hört das gar nicht gern,
doch schwieg sie still, war sehr gescheit,
er führt zu nichts, der dumme Neid!

© Regina Meier zu Verl

Sterne und Kugeln in trauter Einigkeit Foto © Regina Meier zu Verl

Das Ende der Weihnachtszeit – Eine Tannenbaumgeschichte

Das Ende der Weihnachtszeit – Eine Tannenbaumgeschichte

Niemals hätte sie gedacht, dass sie einmal zum Weihnachtsbaum werden würde. Die Tannengeschwister im Wald hatten so viel davon erzählt und in jedem Jahr waren einige von ihnen verschwunden und niemals mehr zurückgekommen. Die kleine Tanne hatte nicht gewusst, ob es erstrebenswert war, ein Weihnachtsbaum zu werden. Trotzdem hatte sie sich immer ein wenig geärgert, wenn die Menschen sie betrachtet hatten. Oft hatte sie Worte gehört wie: Die ist doch viel zu klein, geradezu mickrig. Das hatte weh getan.

In diesem Jahr hatte es geklappt. Ein Mann war mit seiner Tochter Laura in den Wald gekommen und hatte lange nach einem passenden Baum gesucht, als das Mädchen stehen blieb und rief:
„Schau hier, Papa, dieser schöne Baum ist genau richtig für uns.“
Die beiden trugen eine scharfe Säge bei sich und einigten sich schnell, dass es eine gute Wahl war, die kleine Silbertanne mitzunehmen. Als der Vater die Säge ansetzen wollte, bekam das Bäumchen heftige Angst und rief: „Halt, nicht sägen, dann sterbe ich!“

Als hätte er die Worte gehört, hielt der Mann inne. Er trat ein wenig zurück, betrachtete den Baum erneut und schüttelte den Kopf.
„Warte hier!“, sagte er zu seiner Tochter. „Dieses Bäumchen ist viel zu schade, um es abzusägen. Ich werde einen Spaten aus dem Auto holen, dann graben wir es aus.“
Glücklicherweise war der Waldboden nicht gefroren. Mitsamt aller Wurzeln wurde die Tanne in den Kofferraum geladen und dann trat sie die erste Reise seines Lebens an, hinaus aus dem Wald und hinein in eine warme Stube.
„Oh!“, staunte Lauras Mutter, „So ein schöner Baum, der ist ja niedlich! Ganz entzückend!“
Am Abend schmückte dann die ganze Familie den Baum mit bunten Glaskugeln und Strohsternen, mit Holzspielzeug und echten Kerzen. Die kleine Tanne war mächtig stolz. Wie schön es doch war, ein Weihnachtsbaum zu sein.

Es folgten glückliche Tage. Die Tanne war nie allein, denn es kamen viele Menschen zu Besuch, die Großeltern, die Nachbarn und Freunde und alle betrachteten den Weihnachtsbaum und lobten seinen schönen Wuchs und herrlichen Schmuck. Es wurden Lieder gesungen, die waren fast so schön, wie der Gesang der Waldvögel im Frühling. Die kleine Tanne war einfach nur glücklich.
Da sie in einem großen Blumentopf eingepflanzt war und regelmäßig Wasser zu trinken bekam, ging es ihr gut. Nur ab und zu war es ihr etwas zu warm und sie sehnte sich nach kühler, frischer Luft.

Als das Weihnachtsfest längst vorbei war und die Menschen wieder zur Schule gingen oder zur Arbeit, wurde es ruhiger im Wohnzimmer und die kleine Tanne fühlte sich allein.
„Morgen werden wir den Baum abschmücken und in den Garten pflanzen!“, beschloss Lauras Mutter und der Vater nickte zustimmend.
„Du hast Recht, aber ich denke, wir sollten das Bäumchen wieder an seinen alten Platz im Wald bringen.“
„Ja, Papa, das finde ich richtig“, rief auch Laura. „Ich komme mit!“

Vater und Tochter brachten die kleine Tanne zurück in den Wald. Als Laura sich verabschiedete, hängte sie ein rotes Glasherz an einen der Zweige.
„Damit ich dich immer erkennen kann, wenn ich im Wald bin und vielleicht können wir dich im nächsten Jahr wieder in unser Haus holen. Danke, kleine Tanne!“

Ein ganzes Jahr stand die Tanne wieder an ihrem Platz im Wald, freute sich über den Frühling, den Sommer und den Winter. Als es im Advent anfing zu schneien, sah man ihr rotes Glasherz schon von weitem leuchten.
„Wann kommst du, kleine Laura?“, dachte die Tanne, die so gern wieder ein Weihnachtsbaum sein wollte. Doch sie wartete umsonst.
An einem Sonntag, es war der vierte Advent, kam ein Mann einer Säge. Er schaute sich um und suchte nach einem geeigneten Baum für das Fest. Da entdeckte er die kleine Silbertanne mit dem roten Herzen.
„Na bitte“, sagte der Mann. „Hier ist doch schon ein toller Baum.“ Er setzte die Säge an; im gleichen Augenblick zerbrach das Herz aus Glas mit einem lauten Knall. Der Mann erschrak.
„Das ist kein gutes Zeichen!“, rief er. „Dich lasse ich wohl besser hier stehen!“
Er nahm seine Säge und stapfte weiter durch den Schnee.
Die kleine Silbertanne war erleichtert. War auch ihr Herz zerbrochen, so würde sie doch weiterleben und wieder einen Frühling, Sommer und Herbst erleben.

© Regina Meier zu Verl

Die Weihnachtskatze

Die Weihnachtskatze

Ich habe ganz heimlich durchs Fenster geschaut,
im Zimmer erschien mir gar alles vertraut.
Die Menschen, die Bilder, der Kerzenlichtschein,
wie gern wollte ich eine von ihnen sein.

Sie sangen und lachten, sie herzten und küssten,
und plötzlich sah’n alle, als ob sie es wüssten
zum Fenster hin. Hatten sie mich entdeckt?
Schnell hab ich mich hinter der Hecke versteckt.

Wie ein Dieb in der Nacht, so fühlte ich mich,
als ich leise zum nächsten Fensterchen schlich.
Die Pfoten, sie schmerzten, mein Bäuchlein war leer,
wo bekam ich denn nur was Essbares her?

Vor Erschöpfung schlief ich dann im Hauseingang ein
und träumte von Hühnchen und Braten und Wein,
als mir plötzlich eine Hand zärtlich über’s Fell strich.
Komm rein, kleine Katze, hier ist Platz für dich.

Man schuf mir ein Plätzchen ganz nah beim Kamin
und stellte ein Schälchen mit Futter mir hin.
Glücklich war ich und ich schnurrte ganz leise
eine Katzendankeschön-Weihnachtsweise.

© Regina Meier zu Verl 

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Vier Tage noch

Vier Tage noch

Vier Tage noch, dann ist’s soweit,
dann wird das Christkind kommen.
Schön war sie, diese Wartezeit,
so hab ich’s wahrgenommen.

Viel Ruhe gab es, Kerzenschein
und Muße zum Entspannen,
zu zweit, zu dritt, auch mal allein
beim Duft von Weihnachtstannen.

So sollt es sein, doch war es so
oder war’s nur ein Traum?
Egal, ich bin heut richtig froh
und dort steht auch der Baum.

Noch ungeschmückt wartet er drauf,
dass wir ihm Lichter schenken
und dass wir dann in seinem Glanz
des Weihnachtssinns gedenken.

Das werde ich im Kerzenschein,
ich hab’s mir vorgenommen,
zu zweit, zu dritt oder allein –
das Weihnachtsfest kann kommen.

© Regina Meier zu Verl

Geschmückte Weihnachtsfenster Foto © Regina Meier zu Verl

Weihnachtsbastelei

Weihnachtsbastelei

Greta hatte sich zum Basteln in ihr Zimmer zurückgezogen. Von Mama hatte sie eine Bastelschere, Papier und eine große Tube Klebstoff bekommen.
„Stifte und Farben hast du genügend, dann leg mal los!“, hatte Mama gesagt und seit mindestens zwei Stunden nicht einen einzigen Pieps von Greta gehört.
‚Was sie wohl macht?’, dachte Mama und rollte eine weitere Lage Plätzchenteig aus, um dann winzige Tannenbäumchen auszustechen.
‚Eigentlich könnte sie so langsam mal wieder in die Küche kommen und mir ein helfen! ’

Doch Greta hatte keine Zeit. Sie kam zwar kurz in die Küche und holte sich ein Glas Milch, naschte vom Plätzchenteig und bat ihre Mutter um einen Locher.
„Wofür brauchst du ihn denn?“
„Geheimnis! Großes Geheimnis“, sagte Greta und lächelte verschmitzt.
Mit dem Locher bewaffnet verschwand sie wieder in ihrem Zimmer und als sie am Abend zum Essen kam, hatte sie hochrote Wangen, vor lauter Eifer.

Mama war gespannt, was ihre Tochter denn gebastelt haben könnte, musste sich aber bis Weihnachten gedulden.

Am Heiligabend, als alle ihre Geschenke auspackten, lag ein Päckchen unter dem Weihnachtsbaum, das hübsch in Geschenkpapier eingepackt war und an dem ein Kärtchen hing, worauf stand „Für uns alle“.
„Wer darf es denn öffnen?“, fragte Papa.
„Das mache ich gleich selbst“, antwortete Greta und riss das Päckchen an einer Seite auf. Dann drehte sie sich juchzend um die eigene Achse und schüttelte das Päckchen.
„Schaut, es schneit!“, rief Maxi, der kleine Bruder, und versuchte die Schneeflocken einzufangen, die da durchs Zimmer wirbelten.
„Greta hat uns Schnee gebastelt, wie schön!“, rief nun auch Mama und Papa lachte.
„Unsere Tochter hat immer gute Ideen, wenn es draußen nicht schneit, dann macht sie den Schnee kurzerhand selbst!“

So gab es an diesem Weihnachtsabend Schnee in der guten Stube der Müllers und alle hatten ihre Freude daran.

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Der Wunderweihnachtsbaum

Der Wunderweihnachtsbaum

Die riesige Tanne vor dem Rathaus wurde in jedem Jahr von den Schülern der Grundschule geschmückt. Jedes Kind, das Lust hatte, etwas zu basteln und an den Baum zu hängen war eingeladen, am Tag vor dem ersten Dezember zu kommen und dem Schauspiel beizuwohnen. Das Errichten der Tanne, die Befestigung der Lichterketten, sehr spannend war es, das mit anzusehen. Doch der Höhepunkt war, wenn die Sterne, Päckchen oder andere Basteleien angebracht wurden, denn in einem Korb, der hochgefahren wurde, stand Herr Koch, der Hausmeister.

„Ein bisschen nach links, ein bisschen nach rechts“, riefen die Kinder ihm zu oder: „Herr Koch, du musst mein Geschenk an die Spitze hängen, damit es das Christkind zuerst sehen kann!“

Der Hausmeister war geduldig, schon seit vielen Jahren erledigte er diese Aufgabe und für ihn war es die rechte Weihnachtsfreude, so viele strahlende Kinderaugen zu sehen. In diesem Jahr aber hatte sich Herr Koch etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Es war nämlich sein letztes Jahr im Dienst der Stadt und es sollte einen Abschluss bilden, an den man sich noch lange erinnern würde. So hatte es sich der Fast-Rentner vorgenommen.

In den Schulen und Kindergärten hatte er Aushänge aufgehängt und mit den Lehrern und Erziehern gesprochen. Herr Koch wünschte sich nur große Sterne am Baum und auf jedem Stern sollte ein persönlicher Wunsch vermerkt sein. Keiner, den man einfach mit Geld und im nächsten Warenhaus erfüllen konnte, sondern einer, mit dem man einem anderen eine große Freude bereiten wollte. Die Lehrer erklärten es den Kindern und die waren gleich mit Feuereifer bei der Sache. So ganz einfach war das aber nicht, denn was sie sich selbst wünschten, das wussten sie längst. Aber was sie jemand anderem wünschen sollten, das war eine andere Sache. Frau Müller gab ihren Schülern ein Beispiel.

„Da ich nicht mitmachen darf, sage ich euch jetzt, was ich auf meinen Stern schreiben würde. Vielleicht habt ihr dann eine gute Idee, wie euer Wunsch ausfallen könnte. Also: Meine Nachbarin ist schon alt. Ihr größter Traum ist es, einmal noch ihren Sohn zu sehen, der weit weg, in Amerika lebt. Ich wünsche ihr, dass sich dieser Wunsch recht bald erfüllt, denn sie ist sehr krank.“                           Die Kinder waren ganz still geworden. Die Idee war so schön, eine solche Bitte wollten sie auch formulieren und manchen fiel auch gleich ein Mensch ein, der in der näheren Umgebung lebte und der auch so einen Wunsch haben könnte.

„Ihr dürft euren Wunsch aber nicht verraten, dann erfüllt er sich nicht!“, verriet Frau Müller den Kindern.

Große rote und goldene Sterne wurden aus dicken Karton ausgeschnitten, dann schrieben die Schüler die Wünsche auf die Rückseite und am Schluss wurde jeder einzelne Stern in eine Folie eingeschweißt, damit Regen oder Schnee ihm nichts anhaben konnte.                                                    Am nächsten Tag gingen dann alle gemeinsam zum Rathaus und dort beobachteten sie, wie ein Stern nach dem anderen am Weihnachtsbaum befestigt wurde. Der Bürgermeister hatte Punsch für alle gespendet und er beobachtete das Treiben wohlwollend aus seinem Rathauszimmer.

„Wenn sich ein Wunsch erfüllt hat, dann leuchtet der Stern, der dazu gehört!“, erklärte er seiner Sekretärin, die lächelte, aber nicht so recht daran glauben wollte. Sie fand, dass es eine schöne Geste sei, aber Wunder hatte sie noch keine erlebt und das würde ihr auch der Chef nicht einreden können.

Ein paar Tage lang bewunderten alle Leute der Stadt „ihren“ Weihnachtsbaum und sie erfreuten sich an der Geschichte, dass die Sterne leuchten würden, wenn sich Wünsche erfüllten. Besonders gut beobachtete Herr Koch den Baum, denn schließlich hatte er ja die Idee gehabt, es in diesem Jahr einmal anders zu machen. Er wünschte sich sehr, dass möglichst viele Sterne leuchten mögen.

Alltag war eingekehrt in der kleinen Stadt. Der Baum stand an seinem Platz, jeder hatte ihn gesehen und bewundert und eigentlich warteten nur noch die Kinder, Herr Koch und der Bürgermeister auf ein Leuchten oder zwei oder drei. Am Tag vor dem Heiligen Abend, es war den ganzen Tag nicht richtig hell geworden, weil die Wolken voller Schnee waren, passierte dann etwas, über das alle noch lange reden würden. Dicke Schneeflocken fielen auf die Stadt und auf den Weihnachtsbaum und sie legten sich auf seine Zweige und alle, die gerade in der Nähe waren blieben stehen und freuten sich. Und während sie den Baum betrachteten, leuchtete ein Sternchen in hellem Licht auf und dann noch eines und ein weiteres und es dauerte fast eine Stunde, da waren alle Sterne hell erleuchtet und das hieß dann wohl, dass sich alle Wünsche erfüllt hatten.

„Wie kann das sein?“, fragten sich die Leute. „Da ist doch ein Trick dabei!“

Herr Koch stand mit klopfendem Herzen ganz in der Nähe, aus seinen Augen lösten sie Tränen, die heiß über die kühlen Wangen rollten. Wie schön das war und wie Recht er doch behalten hatte. Auch der Bürgermeister beobachtete das Wunder, schnell ließ er sich seinen Mantel geben und eilte nach draußen, um sich mit den Menschen zu freuen, die dort standen und Beifall klatschten. Ein Wunder, ein richtiges Wunder in seiner Stadt. So stolz war er nur bei seiner Wahl gewesen, damals, vor vielen Jahren.

Nun mag man sich fragen, wie es denn kam, dass alle Sterne zu funkeln anfingen, wo es doch so viele Wünsche waren, die dort verzeichnet waren? Wenn ich euch jetzt sage, dass die alte Dame, von der die Lehrerin gesprochen hatte, just in dem Moment Besuch von ihrem Sohn aus Amerika bekam, dann beantwortet sich diese Frage wohl von selbst, oder?

© Regina Meier zu Verl

Hier lese ich euch die Geschichte vor.

Der Wunderweihnachtsbaum
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