Die Elfe Sumsinella, das Igelpaar und die Sonne (13)

Die Elfe Sumsinella, das Igelpaar und die Sonne

Der Igel Konrad, der mit seiner Frau auf der Suche nach einem geeigneten Platz für den Winterschlaf war, hatte Hunger und Durst und wollte unbedingt eine Pause einlegen.
„Lass uns ein wenig hier rasten“, schlug er deshalb vor, erntete aber nur einen bösen Blick von Kornelia.
„Wir können doch nicht ständig Pausen machen“, zeterte sie und lief noch ein bisschen schneller, so dass Konrad kaum folgen konnte. Er schnaufte und stöhnte, doch Kornelia ließ sich nicht beirren.
„Schau“, sagte sie, „die Bäume sind schon fast kahl, es wird Zeit, dass wir einen Unterschlupf finden, in dem wir sicher sind. Schlafen und dich ausruhen, das kannst du dann den ganzen Winter lang.“
„Ich will aber auch was vom Leben haben und nicht immer nur vorsorgen. Guck doch mal, die Sonne, sie lacht uns an und ruft: Ruht euch aus, ich wärme euch mit meinen Strahlen!“
Kornelia schüttelte unwillig den Kopf.
„Du bist ein Spinner, mein Lieber. Die Sonne kann gar nicht rufen, sie kann strahlen oder nicht strahlen, das ist auch schon alles.“
Konrad wurde immer trauriger. Er liebte seine Kornelia, aber sie war überhaupt nicht romantisch, kein kleines Bisschen. Das fand er nicht schön.
„Die Sonne kann strahlen, lachen, wärmen, trocknen, erhitzen, verbrennen, Regenbogen machen und rufen. Lausch doch mal, dann wirst du es hören!“

Die Elfe Sumsinella hatte das Gespräch des Igelpaares belauscht. Insgeheim war sie auf der Seite von Konrad, aber ein klein wenig konnte sie auch Kornelia verstehen. Da ihr aber der Schalk im Nacken saß, sang sie mit feiner Stimme:
„Ich bin die Mutter Sonne und trage die Erde bei Tag und Nacht …“ Das Lied kannte sie von der kleinen Anna, die es jeden Morgen in der Schule sang.
„Pst …“, machte Kornelia. „Hast du das auch gehört?“ Konrad verzog sein Igelschnütchen zu einem breiten Grinsen.
„Klar, ich hab’s dir die ganze Zeit schon gesagt, sie spricht und singen kann sie auch noch!“
„Sing weiter, Sonne, dein Lied ist so schön!“, bat Kornelia und lauschte.
„Ich trage die Erde bei Tag, die Erde bei Nacht“, sang Sumsinella weiter.
„Siehst du, sie kann noch mehr, die Sonne, sie kann tragen“, rief Konrad begeistert und bekam einen dicken Buff in die Seite.
„Sei still!“
Sumsinella hatte ihre Freude daran, die beiden Igel an der Nase herumzuführen, wusste aber, dass sie sich doch zu erkennen geben musste. Oder doch nicht?
Die Entscheidung wurde ihr abgenommen, denn über ihr, in der alten Buche saß Krächz, der Rabe.
Mit krächzender Stimme und ziemlich laut sang er drauflos: „Und ich bin der Mond, der schööööne Mond, den man gern mit einem Stück Käääääse belohnt!“
„Du bist unmöglich, Krächz, ganz und gar unmöglich!“, schimpfte Sumsinella und kam dann schnell aus ihrem Versteck, um sich den Igeln zu zeigen.
„Entschuldigung“, flüsterte sie und wurde ein wenig rot dabei. „Aber ich habe nicht gelogen, all das kann die Sonne, nur nicht rufen, das habe ich für sie übernommen.“
Das Igelpaar hatte Humor, alle lachten herzlich und hielten dann noch ein ausgiebiges Pläuschchen. Sumsinella hatte sogar einen wunderbaren Laubhaufen gesehen, zum dem sie Konrad und Kornelia brachte. Dort verbrachten die beiden den Winter und sie träumten von einer singenden Sonne und von Sumsinella, der kleinen Elfe.

© Regina Meier zu Verl

Sumsinella

Die Elfe Sumsinella und Muck, der Mückenmann (12)

Sumsinella und Muck, der Mückenmann

Auf dem Teich hat die Seerose ihre großen Blätter und eine wunderschöne Blüte ausgebreitet. Eine Libelle schwebt mit hauchfeinen Flügeln über dem Wasser. Sie schimmert im Sonnenlicht. Doch halt, das ist gar keine Libelle. Schau genau hin. Es ist Sumsinella, die Elfe, die einen Landeplatz sucht. Leichtfüßig schwebt sie auf ein großes Blatt und schaut sich suchend um.
„Vater Quak!“, ruft sie. „Bist du nicht zu Hause?“
Wenn eine Elfe ruft, dann ist das etwa so, als flüstere der leichte Sommerwind mit dir. So zart ist ihre Stimme und Vater Quak, der mal wieder völlig müde ist und seinen Mittagsschlaf hält, hört nichts, gar nichts. Er hat sich im Schilf verkrochen, damit ihn niemand stören kann.
„Schade“, denkt Sumsinella und schaut sich weiter um. Irgendwer wird doch zu Hause sein. Sie setzt sich und singt ein Lied. Das Singen ist ihre Lieblingsbeschäftigung und sie kann es auch wirklich wunderbar. Es dauert gar nicht lange, da gesellt sich der erste Gartenbewohner zu ihr, ganz leise setzt er sich neben Sumsinella und lauscht dem Gesang.
Es ist Muck, der Mückenmann. Er ist so verzaubert von der Melodie, dass er leise mitbrummt. Sumsinella lässt ihn gewähren und lächelt ihn an. Als das Lied zu Ende ist begrüßt sie ihn:
„Hallo Muck, aber nicht, dass du mich gleich stichst!“
„Mach ich nicht, kleine Elfe. Du weißt doch, dass nur unsere Weibchen stechen, oder weißt du das etwas nicht?“
Sumsinella schüttelt den Kopf. Das hat sie noch nicht gehört.
„Gut zu wissen“, freut sie sich und erkundigt sich dann nach der Familie.
„Alles gut soweit, wir wollen heute Abend noch tanzen. Es ist gerade das richtige Wetter dafür. Könntest du vielleicht dazu singen? Dann macht es noch mehr Freude.“
Sumsinella ist einverstanden.
„Aber nur, wenn du ein Rätsel lösen kannst, pass auf: Sag mir ein Wort in dem drei U vorkommen.“
Muck schaut die Elfe entsetzt an.
„Wie soll ich das denn wissen? Ich kann ja nicht einmal schreiben!“
Sumsinella lacht.
„Dann solltest du es lernen, es ist immer gut, wenn man schreiben und lesen kann.“
„Als Mücke braucht man das nicht, sag mir womit ich einen Stift halten sollte!“
„Entschuldige, Muck, daran hatte ich gar nicht gedacht. Dann verrate ich dir das Wort und du sagst mir dann, was das ist, in Ordnung?“
„Leg schon los!“
Sumsinella will gerade das gesuchte Wort sagen, da unterbricht Muck sie.
„Warte noch, mir ist was eingefallen: Uhukuchen … sind da drei U drin?“ Sumsinella kichert.
„Schon, aber das gibt es doch nicht, Uhukuchen. Was dir nur immer einfällt. Hast du noch eine Idee?“ Man muss also gar nicht lesen und schreiben können, nur hören und hinhören. Auf diese Weise kann man auch entdecken, wie viele Laute in einem Wort vorkommen, denkt Sumsinella und freut sich, dass der Mückenmann mitdenkt.
„Ja, ich habe noch eine Idee: Wunderwurzelmus!“
„Was soll das sein? Drei U sind aber drin, da hast du Recht!“ Der Mückenmann freut sich.
„Na, ist doch klar, Mus von der Wunderwurzel, sage ich doch! Gilt das?“
Sumsinella ist einverstanden. „Gut, wir lassen es gelten, obwohl ich ein anderes Wort gemeint habe. Soll ich es sagen?“
„Bitte!“
„Kuckucksspucke – da kommen drei U drin vor und drei C und vier K, ist das nicht ein tolles Wort?“
„Ja, ein Superwort, aber – was ist Kuckucksspucke? Ich habe das noch nie gehört!“
„Eigentlich“, antwortet Sunsinella, „eigentlich gibt es keine Kuckucksspucke, aber im Mai, wenn auch der Kuckuck anfängt zu rufen, dann bilden die Schaumzikaden ihre Nester an den Wiesenblumen und das sieht so aus, als sei es Spucke. Deshalb sagt man Kuckucksspucke dazu.“
„Das sind doch Insekten, wie ich, oder? Ich sollte mich mehr um meine Verwandten kümmern“, sagt Muck und dann lacht er so laut, wie eben eine Mücke laut lachen kann.
„Ich hab noch was! Muck, Muck, Muck …“
„Und was soll das sein?“, fragt Sumsinella erstaunt.
„Das sagt meine Frau immer, wenn ich zu spät nach Hause komme und deshalb sause ich jetzt mal los. Machs gut, Sumsinella, bis heute Abend!“
© Regina Meier zu Verl

Die Elfe Sumsinella und die Rennschnecke Amalie (5)

Die Elfe Sumsinella und die Rennschnecke Amalie
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Es regnete schon den ganzen Tag. Sumsinella hatte unter einem großen Rhabarberblatt Schutz gefunden und plauderte dort mit Amalie.
„Du hast es gut, kein anderes Tier hat ein so schönes Haus wie du“, schwärmte sie.
Die Schnecke war stolz, dass das schöne Elfenmädchen sie um ihr Häuschen beneidete. Wie gern hätte sie Sumsinella ihre Wohnung geschenkt, wenn sie dafür Flügel bekommen hätte und so reizend aussehen könnte wie die Elfe.
„Man wünscht sich immer das, was man nicht haben kann“, bemerkte sie weise. „Aber ich bin nicht das einzige Tier, das ein eigenes Haus hat. Da gibt es noch die Muscheln.“
Sumsinella nickte. Davon hatte sie auch schon gehört, obwohl sie noch nie am Meer gewesen war.
„Kenne ich, auf Annas Fensterbank liegt auch so eine Muschel, es wohnt aber niemand mehr drin.“
„Wer ist denn Anna?“, fragte Amalie.
„Das ist meine kleine Menschenfreundin im Haus dort drüben.“
Die Schnecke erschrak.
„Du hast Menschenfreunde? Weißt du denn nicht, wie gefährlich die sind?“
Sumsinella sah Amalie erstaunt an.
„Ja, ich weiß, dass man sich in Acht nehmen muss. Aber Anna ist sehr nett, sie würde mir nie etwas zuleide tun.“
„Da wäre ich nicht so sicher. Ich hatte da vor kurzem so ein Erlebnis, ich muss noch jetzt zittern vor Angst, wenn ich daran denke.“ Amalie zog sich vorsichtshalber ein wenig zurück, so dass nur noch der Kopf aus dem Schneckenhäuschen schaute.
„Erzähle mal!“, drängte Sumsinella.
„Das war so: Ich spazierte gerade zwischen den Salatköpfen durch und dachte an nichts Böses, als mich plötzlich jemand packte und hochhob. Natürlich habe ich mich sofort im Häuschen versteckt. Es rumpelte und schaukelte, so dass mir ganz schlecht wurde.“
„Ach du lieber Schreck! Und dann?“, fragte Sumsinella.
„Irgendwann wurde es ruhiger, ich habe mich aber lange nicht aus dem Haus getraut. Als ich dann nachschaute, wo ich gelandet war, sah ich zuerst gar nichts von der Welt. Es war dunkel. Aber ich war nicht allein, meine Tante Gerti war ebenfalls gefangen. Wir warteten und flüsterten miteinander, als es plötzlich wieder hell wurde. Meine Güte, wie haben wir uns erschrocken!“
Sumsinella nickte mitfühlend.
„Das kann ich gut verstehen. Erzähl weiter!“
„Ja, also wir zogen uns natürlich sofort wieder zurück, was auch gut war, denn wir wurden sehr unsanft aus unserem Gefängnis geschubst und landeten auf einem dicken Stein. Hat das gescheppert, ich habe noch heute Kopfschmerzen.“
Amalie wiegte ihren Kopf hin und her, streckte ihren Nacken und seufzte.
„Aber es ist ja noch einmal gut gegangen!“
„Das ist ein großes Glück, meine Liebe. Geht es deiner Tante Gerti denn auch gut?“
„Ja, wir konnten fliehen. Das Kind, das uns eingefangen hatte, verlor schnell die Freude daran, uns aus dem Haus locken zu wollen. Irgendwann vergaß es uns wohl ganz und wir nutzen die Zeit, um so schnell wie eben möglich vom Stein zu kriechen und uns im Gras zu verstecken. Wenn einem die Angst im Nacken sitzt, dann werden Schnecken zu Rennschnecken!“ Amalie lachte und Sumsinella stimmte fröhlich ein.
„Vielleicht können wir beim nächsten Fest mal ein Schneckenrennen veranstalten!“, schlug sie vor. Das gefiel Amalie gut.
„Ich werde dann mal losflitzen und meine Freunde und Verwandten zusammentrommeln, damit wir mit dem Training beginnen können“, kicherte sie und machte sich auch gleich auf den Weg.
„Passt aber gut auf euch auf“, rief ihr Sumsinella nach.

© Regina Meier zu Verl

Die Elfe Sumsinella und die Hilfe der Ameisen (4)

Die Elfe Sumsinella und die Hilfe der Ameisen
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„Hilfe, Hilfe, hört mich denn keiner?“
Die Elfe Sumsinella sprang auf. Sie hatte ein Mittagsschläfchen gehalten und die warme Sonne genossen. Phil hatte neben ihr gelegen, doch jetzt war er weg.
„Wo bist du denn?“, rief Sumsinella und schaute sich suchend um.
„Hier, bei den Heckenrosen. Ich hänge fest!“, rief Phil und zappelte hin und her.
„Es piekt und sticht, komm, hilf mir doch!“
Sumsinella war schon bei den Heckenrosen angekommen und überlegte, wie sie den Mäuserich frei bekommen könnte.
„Hör auf zu zappeln, du machst es nur noch schlimmer!“ ordnete sie an und schob die Unterlippe vor. So konnte sie besser nachdenken.
„Ich hole Hilfe“, beschloss sie schließlich.
„Nein, auf gar keinen Fall, lass mich hier nicht allein, ich sterbe vor Angst!“, kreischte Phil.
„Aber ich kann gar nichts machen, es muss jemand kommen!“
„Dann rufen wir eben gemeinsam um Hilfe, aber bitte, geh nicht weg!“, heulte Phil und Sumsinella brachte es nicht übers Herz, ihn zu verlassen.
„Also gut, dann müssen wir uns was anderes überlegen. Sei einen Moment still, damit ich besser denken kann!“
Doch Phil rief in seiner Not schon wieder um Hilfe und Sumsinella stimmte mit ein:
„Hiiiilfe, Hiiilfe!“
„Ihr habt gerufen und hier bin ich“, war auf einmal eine feine Stimme zu hören. Sumsinella schaute sich um, sah aber niemanden.
„Wo bist du und wer bist du?“ fragte sie.
„Hier unten bin ich, neben deinem rechten Fuß.“
Sumsinella ging in die Hocke und entdeckte eine Ameise, die sie freundlich anlächelte.
„Das ist lieb, dass du gekommen bist“, freute sich Sumsinella, machte aber gleich wieder ein ernstes Gesicht.
„Meinst du wirklich, dass du uns helfen kannst?“ Sie betrachtete das Tierchen und fragte sich, wie ein so kleines Wesen nützlich sein konnte, wenn es um Phils Befreiung aus den Dornen ging.
„Ja, das glaube ich. Ich habe auch schon eine Idee, wie es gehen könnte.“
„Da bin ich sehr gespannt!“
„Ich hole noch ein paar Schwestern und gemeinsam werden wir die Haare aus den Dornen zupfen. Wir sind stark und schaffen das.“
Kaum hatte die Ameise das ausgesprochen, da näherte sich schon eine Schar ihrer Schwestern. Sie kamen im Gänsemarsch und krabbelten gemeinsam auf Phils Rücken. dort zupften und zogen sie. Ab und zu lachte Phil, weil es so kitzelte, dann wieder schrie er laut:
„Aua, könnt ihr denn nicht vorsichtig sein?“
Sumsinella schaute der Hilfsaktion zu und es dauerte gar nicht lange, da war ihr Freund frei.
Er sah ein wenig zerzaust aus, strahlte aber vor Freude und bedankte sich überschwänglich bei den Ameisen.
„Ihr seid Klasse, einsame Klasse“, rief er und strich mit den Pfötchen über seinen zerrupften Schnurrbart.
Sumsinella lachte:
„Einsam sind die Ameisen ganz bestimmt nicht. Hast du nicht bemerkt, dass es mindestens fünfzig Schwestern waren, die dich gerettet haben?“
„Echt? Deshalb hat es so gekitzelt!“ Phil kicherte.
Die Ameisen kicherten auch und machten sich dann wieder auf den Heimweg.
„Los, los!“ rief die Anführerin. „Wir haben noch jede Menge Arbeit, die Königin wartet schon auf uns.“
Sumsinella und Phil begleiteten die Ameisenkolonne noch bis zu ihrem Bau und Phil versprach, demnächst besser auf sich aufzupassen.
„Aber schön war es doch, welcher Mäuserich kann schon von sich sagen, dass ihm fünfzig Frauen gemeinsam das Fell gestreichelt haben!“
Sumsinella schüttelte den Kopf.
„Männer!“ sagte sie und buffte Phil in die Seite.

© Regina Meier zu Verl

Die Elfe Sumsinella und der englische Glückskäfer (3)

Die Elfe Sumsinella und der englische Glückskäfer

Sumsinella 3

Die wöchentliche Teestunde mit den Freundinnen war Sumsinella heilig. Ganz gleich, wie viel Arbeit sie hatte, den Mittwochnachmittag hielt sie sich frei.
Auch heute trafen sich die drei, diesmal bei Erdbeerina, die einen leckeren Kuchen gebacken hatte, auf dem frische Walderdbeeren in herrlichem Rot prangten.
„Sieht das köstlich aus!“, schwärmte Sumsinella und leckte sich die Lippen. Sie konnte es kaum erwarten, so ein herrliches Kuchenstück auf den Teller zu bekommen.
„Zum Tee habe ich Kleeblütennektar mitgebracht.“ Sumsinella reichte ihrer Freundin ein Eichelhütchen, das mit einem Birkenblatt abgedeckt und verschlossen war.
„Ich habe auch ein Geschenk!“, rief Niesella, die gerade erst angekommen war. „Schaut mal!“
Sie öffnete ihre Hand, auf der ein Marienkäferchen saß.
„Ach, wie niedlich, ein Zweipünktchen!“, rief Erdbeerina.
Der Käfer hob seine Flügel ein wenig an und krabbelte auf Niesellas Handfläche herum. Er flog aber nicht davon.
„Kann er nicht fliegen?“, fragte Sumsinella.
„Frag ihn doch selbst!“, riet Niesella und lachte.
„Kann er denn reden?“ Erdbeerina war völlig aus dem Häuschen. Ein Marienkäfer, der sprechen konnte war etwas ganz Besonderes. Normalerweise sprachen diese Glückbringerchen nicht mit den Elfen, die sonst mit jedem Waldbewohner reden konnten.
„Hallo du, wie heißt du denn?“, fragte Sumsinella und wartete gespannt auf eine Antwort.
„I am a ladybird!“, sagte der Käfer mit leiser Summstimme.
„He? Was hast du gesagt?“ Die Elfen schauten sich verwundert an. Der Käfer sprach, aber sie verstanden kein Wort.
„I am a ladybird!“, sagte der Zweipunkt jetzt und krabbelte auf Niesellas Mittelfinger, direkt bis an die Spitze. Anscheinend hatte er von dort einen besseren Blick auf die Elfenmädchen, die er nacheinander erstaunt anschaute.
„Was spricht der für eine Sprache?“, rätselte Erdbeerina. „Das klingt ganz fremd!“
Sumsinella tippt sich auf die Brust und sagte mit lauter und deutlicher Stimme:
„Sum-si-nella!“
„Ssummssinella!“, wiederholte der Käfer und Sumsinella klatschte erfreut in die Hände.
„Klasse, er versteht mich.“ Dann deutete sie auf Erdbeerina:
„Erd-bee-rina!“
Der Käfer versuchte es auch:
„Errina …“, sagte er und rollte das R ganz seltsam dabei.
Ach, machte das Spaß, mit dem Käferchen zu plaudern. Schade war aber, dass er scheinbar nur wiederholte und gar nicht verstand, was er da sagte.
Doch der Glücksbote stellte sich auf seine Hinterbeine und tippte sich nun seinerseits auf die Brust.
„Ladybird!“, sagte er laut und deutlich.
„Das ist wohl dein Name, Leedibörd, stimmt’s?“
„Yes, yes, my name is ladybird!“ Ladybird flatterte aufgeregt mit den Flügeln und machte ordentlich Wind.
„I am from England and I speak English!“, erklärte der Käfer.
“Inglisch? Du meinst sicher Englisch, oder?” Niesella war glücklich, endlich wusste sie, woher ihr neuer Freund kam und dabei hatten ihr die beiden anderen Elfen geholfen.
„Dann kommst du direkt aus dem Himmel?“, fragte sie.
Ladybird antwortete nicht und Erdbeerina und Sumsinella sahen die Freundin erstaunt an.
„Wie kommst du darauf?“, fragten sie.
„Na, wenn er Englisch spricht, dann kommt er wohl von den Engeln, woher sonst?“
Das war einleuchtend und jetzt wussten die Freundinnen auch, warum man die Marienkäferchen als Glücksbringer bezeichnete. Sie brachten das Glück direkt von den Engeln. Ja, so war es wohl.
Ladybird krabbelte wieder auf Niesellas Handfläche, pumpte ordentlich mit den Flügeln, nahm Anlauf und startete dann seinen Flug.
„Er kann fliegen! Er kann fliegen!“, rief Niesella und verdrückte ein Tränchen, weil sie doch wusste, dass ihr neuer Freund sie jetzt verlassen würde.
„Bye, bye!“, rief Ladybird und die Elfen taten es ihm nach:
„Bei, bei, kleiner Leedibörd, pass auf dich auf!“

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Die Elfe Sumsinella und die Pünktchenkrankheit (2)

Die Elfe Sumsinella und die Pünktchenkrankheit

Hier zum Anhören:

Sumsinella und die Pünktchenkrankheit 2

Heftiges Kopfweh plagte Sumsinella, nachdem sie im Flug mit Hicks, dem dicken Hummelmann zusammen gestoßen war. Hicks traf keine Schuld, Sumsinella war mit ihren Gedanken ganz woanders gewesen.
„Du musst schnell zu deiner Schwester. Sie hat die Pünktchenkrankheit. Sie ist am ganzen Körper von roten Punkten übersät und ihre Flügel hängen schlaff herunter“, hatte ihr die Brieftaube überbracht.
Sumsinella war in großer Sorge um Zitronella und jetzt war auch noch dieser blöde Unfall passiert. Auf ihrer Stirn wuchs eine dicke Beule.
„So was Blödes, die eine hat rote Punkte und die andere Beulen“, jammerte sie.
Hicks hatte ein Blütenblatt der Sumpfdotterblume erbettelt, das vom frischen Tau benetzt war.
„Sei still, hicks, und leg dich hin, hicks“, befahl Hicks, der wie immer mit seinem Schluckauf kämpfte.
„Ich werde dir, hicks, die Stirn kühlen!“
Das tat gut, Sumsinella seufzte erleichtert. Nach ein paar Minuten machte sie sich erneut auf den Weg.
Kurz bevor es dunkel wurde, erreichte sie den Garten, in dem ihre Schwester lebte. Sie lag auf einem Moosbett und war tatsächlich rot gepunktet. Das sah so lustig aus, dass Sumsinella kichern musste.
„Das ist ja wohl die Höhe“, schimpfte Zitronella. „Du lachst mich doch nicht etwa aus?“
„Nein, nein, aber du siehst schon ein wenig komisch aus.“
Zitronella umarmte die Schwester.
„Schön, dass du da bist.“
„Ich hätte noch eher da sein können, wenn ich nicht diesen dummen Zusammenstoß mit Hicks gehabt hätte. Schau mal meine Stirn an!“
Sumsinella strich ihre blonden Haare zur Seite, damit die Schwester die Beule sehen konnte.
„Du Arme!“
„Ist nicht so schlimm. Wir wollen jetzt erst einmal herausbekommen, was du für eine Krankheit hast. Ich werde Kuno Troll herbitten, der soll sich das ansehen. Sicher weiß er einen Rat.“

Am nächsten Morgen flog Sumsinella los und machte sich auf die Suche nach Kuno, der allerlei gute Heilmittel wusste.
Kuno saß vor seiner Höhle. Er las in einem dicken Buch.
„Hallo Kuno Troll, ich brauche deine Hilfe, meine Schwester ist gepunktet!“
„So, so“, brummte Kuno, der sich nicht gern beim Lesen stören ließ. „Rote Punkte?“
„Ja, genau, rote Punkte hat sie, am ganzen Körper und sie fühlt sich schwach.“
„Klarer Fall von Windpocken!“, stellte Kuno fest. „Das ist nichts Schlimmes. Allerdings …“
Sumsinella bekam einen Schreck.
„Allerdings ist die Krankheit ansteckend, es wird zehn Tage dauern, dann wirst auch du mit Punkten gesegnet sein und alle, mit denen deine Schwester und du zu tun haben.“
„Ach herrjemine“, seufzte Sumsinella. „Das ist ja schrecklich!“
„Na, na, so schlimm ist es nicht. Wenn man die Windpocken gehabt hat, dann bekommt man sie nie wieder. Das ist das Gute daran!“
Kuno erhob sich und holte eine große braune Flasche.
„Damit kannst du deine Schwester einreiben, damit es nicht zu sehr juckt. Und sag ihr, dass sie sich nicht kratzen soll, das gibt Narben.“
Sumsinella bedankte sich und versprach dem Troll, dass sie sich bald wieder melden würde.

Es passierte genau so, wie Kuno es vorausgesagt hatte. Als bei Zitronella die Pusteln langsam abheilten, fing die Pünktchenkrankheit bei Sumsinella an und ob man es glaubt oder nicht – Kuno Troll erwischte es auch.

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Die Elfe Sumsinella (1)

Diese Geschichte ist der Auftakt zu zwölf weiteren Elfengeschichten, die ich momentan vertone und gern in Erinnerungen rufen möchte.

Hier kannst du die  Geschichte anhören:

Sumsinella 1

Die Elfe Sumsinella (1)

Den ganzen Tag hatte Sumsinella fleißig gearbeitet.
„Ach du liebes Gänseblümchen, schau dir nur dein Röckchen an, es ist ganz unordentlich“, sagte sie und zupfte die weißen Blütenblätter in Form. „So ist es schön!“
Die großen Blätter der Seerosen waren so blank poliert, dass Vater Quak beinahe ausgerutscht wäre.
„Also das ist zu viel des Guten, Sumsinella. Muss das denn sein?“ schimpfte er, meinte es aber nicht so böse, wie es klang.
„Ach Vater Quak, einer muss doch hier für Ordnung sorgen, stimmt’s?“ Sumsinella stemmte die zierlichen Hände in die Hüften und ihre zarten Flügel bebten ärgerlich während sie weiter sprach:
„Ich finde, dass alle ein wenig mehr mit helfen könnten!“
„Ich habe den ganzen Tag Fliegen gefangen“, verteidigte sich der Frosch und strich zufrieden über seinen dicken Bauch.
„Du denkst doch nur ans Essen.“ Sumsinella kicherte.
„Du lügst, manchmal denke ich auch ans Schlafen!“ Der dicke Frosch lachte albern und seine ganze Familie stimmte mit ein.
„Ich lüge niemals, damit du es weißt!“ Sumsinella hob sich in die Luft und flog verärgert davon. Auf der alten Kastanie, ließ sie sich nieder und summte ein trauriges Lied.
„Was ist denn los, Kleines?“ fragte der dicke Hirschkäfer. „Kann ich dir helfen?“
„Ach nein, du Lieber. Manchmal fühle ich mich nur so allein und dann ärgere ich mich über Kleinigkeiten“, erklärte die Elfe.
„Schade, dass ich schon verheiratet bin“, scherzte Hirschi, der nicht im Traum daran gedacht hätte, eine Elfe zu heiraten. Sumsinella war bildhübsch und konnte wunderbar singen, aber diese kleinen Flügelchen, die ständig in Bewegung waren und das emsige Treiben den ganzen Tag machte ihn ganz nervös.
„Dann schlaf schön, kleine Elfe und sing noch ein bisschen, das klingt so herrlich“, sagte Hirschi und das machte Sumsinella dann auch. Als sie zu ihrer Schlafblume flog, kam sie gerade noch rechtzeitig, bevor diese ihren Blütenkelch schließen wollte.
„Da bist du ja endlich, jetzt aber husch, husch ins Blütchen!“

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Vater Quak hat sich in den lila Blütensternchen versteckt © Regina Meier zu Verl

Die kleine Elfe Sumsinella und die Baumschaukel (11)

Die kleine Elfe Sumsinella und die Baumschaukel

Am dicksten Ast der Kastanie hatten die Menschen eine Schaukel aufgehängt. Die Seile waren lang, so dass die kleine Anna beinahe bis zum Himmel damit fliegen konnte. Sumsinella wünschte sich auch so eine Himmelsschaukel.
„Setz dich doch einfach auf meinen Schoß, dann nehme ich dich mit!“, hatte Anna vorgeschlagen und nur zu gern war Sumsinella dieser Aufforderung gefolgt.
„Hui, ist das herrlich!“, schwärmte sie. Anna nahm immer mehr Schwung. Höher und immer höher flogen die Beiden.
„Halt dich aber gut fest, Sumsinella!“, rief Anna und da war es auch schon passiert. Sumsinella konnte sich nicht halten und flog in hohem Bogen in die Luft. Das alles ging so schnell, dass sie ihre Flügel vergaß und immer tiefer purzelte. Sie landete aber nicht auf der Erde, sondern wurde aufgefangen von einem Spinnennetz, das Thea Spinne erst in der letzten Nacht fertig gestellt hatte. Thea selbst war gar nicht zu Hause. Vielleicht hatte sie sich auch nur versteckt und wartete auf Beute.
Richtig, da kam sie auch schon angekrabbelt und staunte nicht schlecht über ihren Fang.
„Ach, liebe Thea, hoffentlich habe ich dein schönes Netz nicht kaputt gemacht!“, rief Sumsinella.
„Das ist Nebensache. Hauptsache ist, dass dir nichts passiert ist, Kleine!“ Thea war gut gelaunt und schimpfte kein bisschen. Sie war satt und zufrieden und freute sich, dass sie der Elfe helfen konnte. Hilfe brauchte Sumsinella auch jetzt noch, denn die Spinnennetzfäden klebten und hielten sie gefangen.
„Da bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als dich mit Kraft herauszuziehen“, stellte Thea fest. „Anschließen musst du dann wohl ein Bad nehmen, die Seidenfäden sind hartnäckig!“
Mittlerweile hatte Anna die Schaukel angehalten und suchte ihre kleine Freundin. Als sie die zappelnde Sumsinella im Spinnennetz entdeckte, zupfte und zog sie behutsam so lange, bis Sumsinella frei war.
„Das Netz ist allerdings zerstört!“, stellte sie fest.
„Macht nichts, ich webe ein neues, habe sowieso gerade nichts zu tun“, sagte Thea großzügig und machte sich gleich an die Arbeit.
Vom Schaukeln hatten Anna und Sumsinella auch erst einmal genug. Sie legten sich in Gras und erholten sich von dem Schrecken.
„Weißt du was, Anna?“, fragte Sumsinella.
„Was denn?“ Anna zupfte noch einen Spinnfaden von Sumsinellas Kleid.
„Ich brauche gar keine Schaukel mehr, dieses Erlebnis hat mir gereicht!“
„Kann ich gut verstehen, ich werde auch noch etwas vorsichtiger sein, denn wenn ich mal aus der Schaukel fliege, dann fängt mich kein Netz auf.“
Später holte Anna die Badewanne aus ihrer Puppenstube. Sumsinella nahm ein Bad und hatten einen Elfenspaß an der tollen Wanne. Vorsichtig hüllte Anna die Freundin in ein Taschentuch ein und den Rest übernahm Mutter Sonne.

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Die Elfe Sumsinella und das kranke Mädchen (10)

Die Elfe Sumsinella und das kranke Mädchen

Das Licht des Mondes, das sich im See spiegelte, wurde zu Silberpünktchen, die auf dem Wasser schaukelten. Sumsinella betrachtete dieses Schauspiel und konnte sich nicht satt sehen.
„Eigentlich ist es gar nicht schlimm, dass ich nicht schlafen kann“, erzählte sie Ortrud, der Grille, die es sich neben ihr gemütlich gemacht hatte.
„Warum kannst du denn nicht schlafen?“, fragte Ortrud interessiert.
„Ich mache mir Sorgen“, antwortete Sumsinella.
„Weißt du, ich muss immer darüber nachdenken, dass es der kleinen Anna drüben im Haus nicht gut gehen könnte. Ich habe sie lange nicht im Garten gesehen und immer wenn ihre Mutter nach draußen kommt, dann schaut sie traurig aus.“
„So, so!“, sagte Ortrud und dann noch einmal: „So, so!“
„Wenn ich doch nur wüsste, was mit ihr los ist.“
„Ja, ja!“, seufzte die Grille und strich über ihre langen Fühler.
Sumsinella sprang auf und funkelte Ortrud böse an.
„Hast du nicht mehr zu sagen als immer nur ‚So, so’ oder ‚Ja, ja’? Ich dachte, dass du meine Freundin bist.“
Ortrud schwieg, Sumsinella schwieg auch.
Eine dicke Wolke hatte sich vor den Mond geschoben, die Lichtfunken waren verschwunden und kühler war es auch geworden. Sumsinella gähnte.
„Ich werde dann mal mein Bettchen aufsuchen. Tut mir Leid, dass ich dich so beschimpft habe!“ Sie reichte Ortrud die Hand.
„Schon gut, schon gut!“, sagte Ortrud und dann fügte sie hinzu: „Ich habe eine Idee!“
Sofort war Sumsinella wieder hellwach.
„Sag schon, was für eine Idee ist es denn?“, drängte sie die Freundin.
„Du solltest mal ins Haus fliegen, irgendwo ist doch sicher ein Fenster offen und du kannst hinein schlüpfen. Frag die kleine Anna, was mit ihr los ist.“
„Das kann ich doch nicht machen. Sie würde Angst bekommen und außerdem versteht sie mich doch gar nicht.“
„Dummchen!“, schimpfte Ortrud. „Sie ist doch ein Kind, oder?“
„Ja, aber …“
„Kinder verstehen die Sprache der Elfen, oder nicht?“
Sumsinellas Augen leuchteten. Dass sie daran gar nicht gedacht hatte!
„Ich versuche es sofort“, rief sie und schon flog sie auf das Haus zu, um nach einem geöffneten Fenster Ausschau zu halten. Sie wusste, wo Annas Zimmer war und hatte Glück, das Oberlicht des Fensters war geöffnet und Sumsinella konnte ungehindert ins Zimmer gelangen.
Anna lag in ihrem Bett und schlief. Ihre Wangen waren gerötet. Immer wieder drehte sie den Kopf hin und her. Sie stöhnte im Schlaf und plötzlich rief sie nach ihrer Mutter.
Sumsinella erschrak. Hoffentlich entdeckte die Mutter sie nicht, wenn sie gleich das Licht anknipsen würde. Auf der Fensterbank standen einige Spielzeuge, darunter auch kleine Blumenelfen aus Porzellan. Sumsinella stellte sich zu ihnen.
Schon wurde es hell im Zimmer. Die Eltern hatten den Raum betreten. Annas Mutter legte die Hand auf die Stirn der Tochter.
„Sie hat wieder Fieber!“, sagte sie. Der Vater nickte.
„Ich werde ihr Wadenwickel machen, bleib du solange bei ihr. Ich hole kaltes Wasser und Wickel.“
Der Vater setzte sich auf die Bettkante und nahm Annas Hand.
„Schätzchen, du musst gesund werden, hörst du. Wir brauchen dich doch!“, sagte er mit leiser Stimme.
Sumsinellas Herz klopfte wie wild, so dass sie dachte, dass jeder es hören konnte.
Die Mutter kam zurück, schlug die Bettdecke zur Seite und tauchte Tücher in eine Schüssel. Dann wickelte sie die nassen Lappen um Annas Beine, legte trockene Handtücher darüber und dann die Bettdecke wieder obendrauf.
„Können wir denn sonst gar nichts für sie tun?“, fragte der Vater.
„Der Doktor hat gesagt, dass wir nur für sie da sein sollen. Sie trauert und das tut ein jeder auf seine Weise. Irgendwann wird sie einen neuen Freund finden. Dann wird es ihr besser gehen. Jeder Mensch braucht einen Freund!“
Plötzlich fiel es Sumsinella wie Schuppen von den Augen. Klar, es ging um Fiete, Annas Hund. Seit Tagen hatte ihn niemand im Garten gesehen. Sicher war Fiete etwas passiert und Anna war nun krank vor Kummer. Ja, so musste es sein.
Jetzt wusste sie, wie sie Anna helfen konnte. Sie brauchte einen Freund. Sie, Sumsinella, würde Annas neue Freundin sein.
Sie konnte es kaum erwarten, dass die Eltern das Zimmer verließen. Als sich endlich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, flog sie auf Annas Kopfkissen, setzte sich ganz nahe an das Ohr des Mädchens und sang:
„Kleine Anna, weine nicht,
schau mir einfach ins Gesicht.
Ich bin für immer für dich da,
ja das ist wahr, ja das ist wahr.
Anna öffnete die Augen und blinzelte. Woher kam der schöne Gesang?
Sumsinella flog auf Annas Brust und setzte sich.
„Schau her, ich bin es, deine Elfenfreundin Sumsinella!“
Anna lächelte und fürchtete sich auch gar nicht.
„Singst du mir noch was vor?“, bat sie und schon bald war sie wieder eingeschlafen.
„Werde gesund, kleine Anna!“, flüsterte Sumsinella und blieb bei ihrer neuen Freundin, bis der Morgen anbrach.
„Heute Abend komme ich wieder zu dir!“, versprach sie und Anna murmelte:
„Ist gut!“ Dann drehte sie sich auf die Seite und schlief weiter.

Als die Mutter am Morgen das Zimmer betrat, war Anna schon wach.
„Ich habe eine neue Freundin!“, rief sie glücklich. „Sie heißt Sumsinella und kommt am Abend wieder zu mir. Sie ist eine Elfe.“
„Das ist ja wunderbar“, sagte die Mutter, die nicht an Elfen glaubte. Vielleicht hatte das Kind geträumt. Das war aber ganz gleich, die Hauptsache war doch, dass es ihr besser ging.

Nach zwei Tagen durfte Anna sogar schon wieder in den Garten und wenn sie ganz allein war, dann zeigte Sumsinella sich ihr auch tagsüber und sie hatten gemeinsam viel Spaß.
Ortrud betrachtete die beiden von weitem und nickte freudig.
„Ja, ja!“, sagte sie. „Ja, ja!“

© Regina Meier zu Verl

Die Elfe Sumsinella und das Sommerkonzert (9)

Die Elfe Sumsinella und das Sommerkonzert

Sumsinella lag auf einem Blütenboot und schaute in den Himmel. Strahlendes Blau erfreute ihre Augen, kein Wölkchen war zu sehen.
„Ach, wie herrlich das ist!“, seufzte Sumsinella und räkelte sich. Sie schloss die Augen und lauschte dem Gesang der Amsel, die auf der Spitze einer riesigen Tanne saß. Die Melodie gefiel dem Elfenmädchen so gut, dass es sich aufsetzte und in das Singen einstimmte.
Das hörte auch Goldi, er schwamm an die Oberfläche, ließ ein paar Blasen blubbern und beteiligte sich ebenfalls an dem Konzert.
„Hey, Goldi, du kannst ja singen!“, lachte Sumsinella.
„Na ja, als Gesang würde ich das nicht bezeichnen, ich bin wohl eher für den Rhythmus zuständig, richtige Töne gelingen mir nicht. Die Menschen sagen sogar, dass Fische stumm sind.“
„Menschen sind manchmal dumm, sie hören einfach nicht richtig zu. Lass uns noch ein Lied anstimmen“, schlug Sumsinella vor und ihre helle Stimme erklang aufs Neue. Nun waren sie schon zu dritt und es dauerte gar nicht lange, da gesellten sich weitere Gartenbewohner hinzu. Vater Quak ließ seinen Brummbass schnarren und die Froschkinder, die den Text noch nicht kannten, quakten mit lauten Stimmen dazu.
„Was ist denn das für ein Krach hier!“, ertönte plötzlich eine unfreundliche Stimme.
Sumsinella erschrak und schaute sich um. Sie konnte aber niemanden entdecken.
„Das ist ja nicht auszuhalten, wer stört da meine Ruhe?“, zeterte der Unsichtbare jetzt.
„Krach?“, fragte Sumsinella. „Das ist doch kein Krach, wir musizieren!“ Sie war empört, dass jemand ihr wunderbares Konzert als Lärm bezeichnete.
„Wenn du schon meckern kannst, dann zeig dich wenigstens, damit wir wissen, mit wem wir es zu tun haben!“
„Ich meckere gar nicht, bin doch keine Ziege“, schimpfte der Fremde und jetzt sah Sumsinella ihn auch. Er saß auf einem Hügel am Teichrand.
„Ach du bist es, Maulwurf!“, rief Sumsinella fröhlich.
„Ich habe auch einen Namen, Elfe!“, sagte der Maulwurf beleidigt. Sumsinella lachte jetzt hell auf.
„Gestatten, mein Name ist Sumsinella! Und wer bitte sind Sie?“, fragte sie.
„Ich heiße Herbert und du kannst ruhig Du sagen.“ Das klang schon freundlicher. Sumsinella war davon überzeugt, dass Maulwürfe eigentlich ganz nette Gesellen waren. Vielleicht war Herbert auch nur so mürrisch, weil er den herrlichen Sommertag gar nicht so richtig wahrnehmen konnte. Für ihn war es immer dunkel und der blaue Himmel blieb ihm verborgen.
„Sing doch einfach mit, Herbert. Das macht Spaß.“
„Ich kann nicht singen, aber warte mal, ich bin gleich zurück.“ Erdkrumen flogen in die Höhe, als sich Herbert in die Erde buddelte und es dauerte gar nicht lange, da kam er zurück. Er hatte eine Flöte mitgebracht, die setzte er jetzt an und eine liebliche Melodie erklang.
„Das klingt ja herrlich!“, rief Sumsinella und klatschte begeistert in die Hände.
„Dürfen wir mitsingen?“
Der Maulwurf räusperte sich und nickte dann mit dem Kopf.
„Also gut, dann also auf vier: eins, zwei, drei, vier!“, ordnete er an und alle folgten ihm.
Sie sangen bis spät in die Nacht, Glühwürmchen gesellten und spendeten Licht. Später kamen die Grillen mit ihren Fiedeln dazu.
Rundherum in ihren Nestern und Nachtlagern lauschten die Gartenbewohner der nächtlichen Symphonie und auch die Menschen im Haus spürten, dass es sich um eine ganz besondere Nacht handelte.
„Weißt du noch?“, fragte Annas Mutter und kuschelte sich an ihren Mann.
„Wie könnte ich das vergessen, in einer solchen Sommernacht habe ich dich gefragt, ob du mich heiraten möchtest“, seufzte er.
„Stimmt, ist schon lange her, nicht wahr?“
„Ja, lange her …“ antwortete der Mann und gleich darauf war er eingeschlafen und schnarchte leise im Takt der Sommermusik.

© Regina Meier zu Verl