Der besondere Hase (Reizwortgeschichte)

Wärme, Duft, aufatmen, glücklich, leuchten
Das waren die Wörter, die in der Geschichte verarbeitet werden mussten.
Bitte lest auch bei meinen Kolleginnen:
Martina
Lore


Der besondere Hase


Eine Woche lang hatte es mildes und frühlingshaftes Wetter gegeben und nun dieser jähe Rückfall. Beinahe fühlte es sich wieder wie Winter an, fehlte noch, dass es schneite. Wo war nur die Wärme geblieben? Traurig hoppelte ein Häschen durch die nasse Wiese.
„Arme Narzissen!“, bedauerte er die hübschen gelben Blumen, die dort standen.
„Euch ist ja sicher noch viel kälter als mir. Ich habe wenigstens ein dickes Fell, aber ihr müsst zittern.“
„Ach was!“ Eine der Narzissen lachte hell auf und antwortete: „Wir sind doch sonnengelb und tragen die Wärme praktisch in uns. Schau nur, wie wir leuchten!“
Der Hase schaute und schnupperte und dann nickte er. „Stimmt, ihr leuchtet wunderbar und euer Duft ist einmalig. Nach Frühling riecht ihr und nach … Sonnenschein, ja, genau, nach Sonnenschein!“
„Oh, vielen Dank. Solche Komplimente machen uns glücklich!“, sagte die Narzisse, die scheinbar das Sprechen für alle übernommen hatte.
„Oh, sehr gern“, antwortete das Häschen. „Ich mache gern hübsche Blumen glücklich!“
„Und Eier, nicht wahr?“ fragte die Blume.
„Eier? Wieso das denn?“ Der kleine Hase war ratlos. Was hatte er denn mit Eiern zu tun?
„Na, du ziehst ihnen doch hübsche Kleider an, ist es nicht so?“ Plötzlich kicherten alle Narzissen, silberhell klang das. Der Hase fand das wunderschön.
„Ich bin doch kein Schneider, ihr Hübschen!“, lachte der Hase.
„Dann bist du vielleicht ein Maler?“, meinten die Narzissen und jetzt sprachen sie alle durcheinander.
„Oder ein Frisör?“ – „Oder gar ein Künstler?“
Der Hase lachte und lachte, er konnte sich gar nicht beruhigen. Er war doch nur ein einfacher Hase, was sonst? Oder?
„Ich bin nur ein einfacher Hase!“, sagte er deshalb ein wenig zögerlich, weil es ihm eigentlich gerade so gut gefiel, etwas Besonderes zu sein oder zu können.
„Im letzten Jahr war hier einer von deiner Sorte, der viele bunte, wunderhübsche Eier zwischen uns versteckt hat. Das war lustig und auch das hat uns glücklich gemacht. Man kann sagen: Hasen machen uns glücklich. Die einen verstecken bunte Eier und du machst uns liebevolle Komplimente!“, sagte die Narzisse, die schon ganz zu Anfang das Wort übernommen hatte.
Mit einem Mal mischte sich eine fremde Stimme ein. Es war die alte Eiche, die ganz in der Nähe stand.
„Ihr kleinen Dummies!“, sagte sie freundlich. „Habt ihr denn noch nie etwas vom Osterhasen gehört?“
Der kleine Hase schüttelte heftig den Kopf, so dass seine Ohren hin und her flogen und auch die Narzissen schüttelten ihre Glockenblüten. Ein silberhelles Klingeln ertönte, das war so wunderschön, dass alle, die auf dem Weg vorbeigingen stehen blieben.
„Guck mal!“, rief ein Kind. „Der Osterhase in der Narzissenwiese!“
Der kleine Hase atmete auf. „Ach, dann bin ich wohl ein Osterhase, gut, dass ich das endlich weiß!“, rief er den Narzissen zu, drehte ihnen sein Stummelschwänzchen zu und sauste davon wie der Blitz. Schließlich hatte er nun jede Menge zu tun, nicht wahr?

© Regina Meier zu Verl

Osterlotta

Osterlotta

Lotta ist traurig. Sie hat in dieser Woche eine Brille bekommen. Eigentlich ist sie froh, endlich auch die kleinen Buchstaben erkennen zu können. Sie ist weitsichtig, hat der Augenarzt gesagt. Mama und Lotta sind auch gleich zum Optiker gegangen und haben ein schönes knallblaues Brillengestell ausgesucht. Lotta sieht toll damit aus, aber in der Schule lachen einige über sie, und der freche Felix singt: „Mit der Brille auf der Nase sieht sie aus wie´n Osterhase.“
Traurig kommt Lotta nach Hause. „Was ist passiert?“, fragt Mama.
„Nichts!“, antwortet Lotta. Mama aber sieht Lotta tief in die Augen.
„Du hast doch geweint, Lotta. Und deine neue Brille liegt drüben auf dem Sofa. Stell dir vor, jemand setzt sich auf die Brille und sie ist kaputt.“
„Soll sie kaputt gehen, ich werde sie sowieso nicht mehr aufsetzen“, trotzt Lotta.
„Aha, da also liegt der Hase im Pfeffer“, lächelt Mama. „Du magst deine Brille nicht mehr leiden.
Lotta aber heult laut auf, als sie das mit dem ´Hasen im Pfeffer´ hört. Schon wieder Hase!
„Nein! Den Hasen mag ich nicht leiden. Sag bloß nicht noch einmal ´Hase´!“, schimpft sie. „Mit der Brille auf der Nase seh ich aus wie´n Osterhase.“
Da muss Mama lachen. „Diesen dummen Spruch kenne ich aus einem Lied.“
„Wirklich?“, fragt Lotta.
Mama nickt. „Wer hat das denn zu dir gesagt? Etwa wieder der Felix, dieser Scherzkeks?“
Lotta nickt. Eigentlich mag sie Felix gut leiden. Er ist immer lustig. Nur diesen Osterhasenspruch heute, den findet sie doof.
„Ich habe eine Idee, Lotta. Schlagen wir dem Felix einfach mal ein Schnippchen …“.
Flüsternd stecken Mama und Lotta ihre Köpfe zusammen und lachen. Dann holt Lotta ihren Wasserfarbkasten und Mama kocht eine Handvoll Eier ab. Später, nachdem sie erkaltet sind, macht sich Lotta an die Arbeit und bemalt die Eier in schönen bunten Farben. Sie malt gepunktete und gestreifte Eier, eines mit einem Gesicht und eines, das aussieht wie ein Marienkäferchen. Dann schreibt sie einen Brief an Felix.

Lieber Felix,
wenn du sagst, ich sähe aus wie ein Osterhase, dann will ich auch einer sein. Lass dir die Eier gut schmecken …
Deine Lotta.

Lotta legt die Eier in ein kleines Osterkörbchen und stellt es bei Felix vor die Haustür.

Als sie am nächsten Tag in die Schule kommt, steht ein kleiner Schokoladeosterhase auf Lottas Schreibpult. Er ist von Felix.
„Danke, liebe Osterlotta“, sagt er und grinst ein wenig verlegen. „Deine Brille ist übrigens voll toll und steht dir supergut. Tut mir Leid wegen gestern.“ „Stimmt!“, sagt Lotta, „supertoll ist sie sogar, meine Brille, fast so toll wie ein Osterhase.“ Und lachend beißt sie in die süße Osterhasenschokolade.

© Regina Meier zu Verl

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Bildquelle Efraimstochter/pixabay

Der Osterhase hat ein Problem

Der Osterhase hat ein Problem

„Kannst du bitte in die Stadt fahren und Farben holen? Wir brauchen blaue, rote und gelbe Farbe!“, der Osterhase schaute in die Küche, wo seine Frau mit der Zubereitung des Mittagessens beschäftigt war. „Wir kommen nie und nimmer hin mit den Resten und es wird allerhöchste Zeit!“, fügte er noch hinzu. Dann schlug er hektisch die Tür hinter sich zu und schon war er wieder verschwunden.
„Halt!“, rief Frau Osterhase. „Hiergeblieben!“
Der Osterhase öffnete die Küchentür erneut und streckte vorsichtig nur den Kopf ins Zimmer.
„Gibt es schon Mittagessen?“, fragte er.
„Von wegen Mittagessen! Wir müssen reden, mein Lieber!“, sagte Frau Osterhase.
„Was gibt es denn zu reden? Hat von den Kindern eines etwas ausgefressen?“, wollte ihr Mann wissen.
„Nein, bei den Kindern ist alles in bester Ordnung. Aber du scheinst nicht ganz auf dem Stand der Dinge zu sein, mein Lieber!“ Frau Osterhases Stimme klang streng und man konnte gleich merken, dass es ernst war, was sie zu sagen hatte.
„Na, dann leg mal los, Hasilein!“, forderte der Osterhase seine Frau auf.
„Nix Hasilein! So einfach ist es diesmal nicht!“, schimpfte die Hasenfrau. „Immer und immer wieder sage ich dir, dass du die Zeitung lesen sollst und wenigstens einmal am Tag auf die Nachrichten achten sollst. Machst du ja nicht, scheint dir alles egal zu sein, oder?“
„Komm auf den Punkt, was ist los?“, fragte der Hase nun verärgert. Eigentlich hatte er keine Zeit für Ratespielchen und Hunger hatte er auch.
„Ich sage nur eines: Pandemie!“, sagte Frau Hase und wartete ab.
„Ja und? Meinst du, dass ich das nicht weiß, dass wir in einer Pandemie sind? Ich bin doch nicht blöd und außerdem hört und liest man ja nichts anderes mehr!“, antwortete der Osterhase.
„Habe ich ja gar nicht gesagt, dass du blöd bist, aber du hast mich noch immer nicht verstanden. Es gibt keine Farben für unsere Eier, die Geschäfte sind geschlossen, jedenfalls die Geschäfte mit Bastelbedarf und Osterzubehör und man kommt auch sowieso nur mit Maske und Termin in die Läden. Meinst du, es gibt auch Masken für Hasen, wo wir doch sowieso in Menschenläden nichts zu suchen haben?“ Frau Hase ließ sich auf einen Stuhl fallen.
„Wie haben wir das denn sonst gemacht?“, wollte ihr Mann nun wissen.
„Ich habe doch immer meine kleinen Helfer gebeten, die Kinder aus dem Dorf haben die Einkäufe erledigt für mich. Aber die kann ich gar nicht fragen in diesem Jahr. Die kommen kaum vor die Tür, die armen Dinger. Ständig müssen sie für die Schule in ihre blöden Computer schauen!“ Frau Hase standen jetzt Tränen in den Augen.
„Oh je, ein Drama, ein richtiges Drama!“, stöhnte der Osterhase. „Aber gerade in diesem Jahr brauchen die Kinder doch eine Freude zum Osterfest. Sie haben schon auf so viel verzichten müssen!“
„Ich glaube, ich habe da so eine Idee!“, sagte Frau Hase und sprang auf. „Mein Urgroßvater hat die Ostereier immer mit Zwiebellaub gefärbt. Ich glaube, das kann ich auch!“ Feuer und Flamme war Frau Hase nun und was soll ich euch sagen, sie hat es geschafft. Mit Zwiebellaub und allerlei anderen Naturfarben hat sie Eier gefärbt, zum Beispiel mit roter Bete und Rotkohl. Die sahen wirklich toll aus und sicherlich werden sie den Kindern auch gefallen.
Ihr könnt es ja auch mal probieren, Rezept steht unter der Geschichte!

© Regina Meier zu Verl

Zutaten: Eier – Seidenstrumpf – Zwiebellaub – Speck – verschiedene Blättchen aus dem Garten

Zuerst legt man hübsche Blättchen auf ein Ei, das dann in einem Stück vom Seidenstrumpf fest eingebunden wird. Dann werden Eier, die so vorbereitet wurden in einen Sud aus Zwiebellaub gelegt und ca. 6-7 Minuten gekocht (oder in verdünntem Rote Bete-Saft oder Rotkohlwasser). Nach dem Kochen abschrecken, auswickeln und siehe da, man hat wunderbare Muster von den Blättern auf den Eiern. Mit einer Speckschwarte einreiben, dann glänzen sie schön. Viel Spaß beim Nachmachen.

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Wer wird Chef in der Osterhasenmalstube?

Wer wird Chef in der Osterhasenmalstube?
auch zum Anhören unter dem Text

„Mein Sohn, es wird Zeit, dass du die Malstube übernimmst. Ich bin ein alter Hase und wünsche mit nichts mehr, als endlich in den Ruhestand zu gehen“, sagte der Hasenvater zu seinem Sohn.
„Ach nein, Papa, das ist nichts für mich. Ich möchte einen Beruf haben, in dem ich das ganze Jahr gebraucht werde und dieser Stress vor Ostern macht mir auch keinen Spaß!“
Der Hasenvater zitterte nervös mit den Barthaaren. Das konnte doch wohl nicht wahr sein. So ein frecher Bengel. Es war eine alte Tradition in der Familie, dass der erstgeborene Sohn das Atelier übernahm und die sollte nicht gebrochen werden.
„Kommt ja gar nicht in die Kiepe“, schimpfte er deshalb und zog Fritz, so hieß der Sohn, an den Ohren, dass dieser vor Schmerz aufschrie.
„Ich schwöre dir bei meinen Löffeln, dass ich einen anderen Beruf erlernen werde. Ich habe mich auch schon erkundigt. Der Bäcker sucht einen Lehrling, ich werde Brot backen und Brötchen und wenn es sein muss, auch Osterzöpfe!“
„Und meine Malstube? Ich kann das allein nicht schaffen!“, murrte der Vater und ließ die Ohren hängen.
„Du hast so viele Kinder, da wird schon eines dabei sein, dass mit Freuden dein Nachfolger werden wird, frag doch mal die Luzie“, riet Fritz seinem Vater.
„Ein Mädchen, es wird ja immer schöner!“
„Du bist so altmodisch, lieber Papa. Es ist doch heute ganz normal, dass eine Frau einen Betrieb leiten kann.“
Der Hasenvater schüttelte ärgerlich den Kopf. Stress, altmodisch, eine Frau als Chef – da kam er nicht mehr mit. Aber es geschah dann doch alles so, wie Fritz vorgeschlagen hatte und zur Osterzeit lieferte Malstubenchefin Luzie bunte Ostereier in die Bäckerei, die kamen dann auf die Hefezöpfe, die Bruder Fritz gebacken hatte.
Der Hasenvater gab es nicht zu, aber insgeheim war er doch stolz auf seine Kinder.

© Regina Meier zu Verl

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Bildquelle geralt/pixabay
Wer wird Chef … – zum Anhören

Das Hühnchen und der Osterhase

Das Hühnchen und der Osterhase

„Ich werde mir die Welt anschauen“, beschloss das Hühnchen. Freudig piepsend lief es los. Plötzlich blieb es wie angewurzelt stehen. Ein schreckliches Ungeheuer kam ihm entgegen. Alles an ihm war groß und am allergrößten waren seine Ohren. Schnell rannte das Hühnchen zurück.
Das Ungeheuer war ein junger Hase, der sich plötzlich einem gefährlichen Vogel gegenüber sah. Dieser Vogel war zwar winzig, aber er blickte ihn mit scharfem, durchdringendem Blick an. Der spitze Schnabel war auch nicht gerade Vertrauen erweckend und so zog es der Hase vor, sich aus dem Staub zu machen.
Erst nach einigen Metern hielt er an und schaute nach, wie weit sein Verfolger gekommen war. Er sah gerade noch die Schwanzfedern um die Ecke verschwinden. Der Hase richtete sich stolz auf.
„Es gibt also ein gefährliches Tier, das Angst vor mir hat!“, dachte er, den doch alle immer den Angsthasen genannt hatten.
Auch das Hühnchen hatte aufgehört zu rennen. Neugierig trippelte es ein paar Schritte zurück und sah den Hasen in einiger Entfernung sitzen.
Vorsichtig gingen die beiden aufeinander zu und grüßten schüchtern.
„Na du“, sagte der Hase und das Hühnchen antwortete leise: „Na du.“
Sie schwiegen eine Weile und beäugten sich.
„Was bist du für ein Tier? So jemanden wie dich habe ich noch nie gesehen.“
„Danke gleichfalls“, der Hase hoppelte um das Hühnchen herum.
„Ich habe auch noch niemals einen solch komischen Vogel wie dich gesehen.“
„Von wegen, komischer Vogel“, piepste das Huhn aufgeregt, „ich bin ein Huhn und wenn ich größer bin kann ich Eier legen!“
„Ich lach mir ein Ohr ab“, feixte der Hase und schüttelte sich vor Lachen, so dass seine großen Ohren um den Kopf schlackerten. Das sah so komisch aus, dass das Hühnchen mitlachen musste, dabei schlug es aufgeregt mit den Flügeln und drehte sich im Kreis.
„Jetzt aber mal ernst bleiben“, sagte der Hase mit strenger Stimme. „Ich bin der Osterhase und die Eier legen unsere Frauen.“
Es war ja immerhin möglich, dass dieser komische Hase ebenfalls Eier legen konnte, dachte das Hühnchen.
„Wir schenken den Kindern Ostereier, die legt meine Mutter und wir Hasenkinder malen sie bunt an. In diesem Jahr darf ich auch mitmachen“, prahlte der Hase.
Das Hühnchen hatte für heute genug Neues gesehen und gehört.
„Ich muss jetzt nach Hause. Sollen wir uns Morgen wieder hier treffen?“, fragte es. Das Hasenkindungeheuer nickte.
„Okay, wir sehen uns nach dem Frühstück!“ Eilig hoppelte der neue Freund davon und das Hühnchen sah zu, dass es schnell nach Hause kam.
„Kind, wo warst du denn nur? Ich habe dich schon überall gesucht. Du weißt doch, dass ich mein Nest nicht lange verlassen kann, sonst nimmt mir der Bauer die Eier weg.“, schimpfte die Mutter.
„Diesen bösen Bauern werde ich noch ins Bein beißen, wenn ich ihn das nächste Mal sehe!“ Das Hühnchen ärgerte sich.
„Das wirst du nicht tun, sonst gibt es was auf den Schnabel.“ Die Mutter gackerte aufgeregt, sie war froh, dass sie ein so prächtiges Kind aufziehen durfte, das war nicht selbstverständlich, denn die meisten Eier wurden vom Bauern eingesammelt.
„Mama, ich habe heute einen Osterhasen kennen gelernt, er hat mir erzählt, dass er Eier anmalt und verschenkt.“ Mutter Huhn schüttelte verärgert den Kopf.
„Der Prahlhans schmückt sich mit fremden Federn!“
„Er hatte aber keine Federn, Mama, sondern ein weiches Fell. Und er sagte, dass die Hasenfrauen Eier legen können.“
„Das ist es ja, Hasen können keine Eier legen, sie nehmen unsere und bemalen und verschenken sie. Eine Unverschämtheit ist das!“
Das Hühnchen zog es vor, nicht weiter nachzufragen.
In der Nacht träumte es von bunten Eiern und glücklichen Kindern und gleich mit dem ersten Sonnenstrahl hüpfte es aus dem Nest und trippelte zu der Stelle, an der es gestern den Osterhasen getroffen hatte.
Der neue Freund war auch schon da.
„Weißt du was“, schlug er vor, „ich nehme dich mit und zeige dir unsere Malstube.“
Das Hühnchen war begeistert. Sie machten sich auf den Weg und die Hasenfamilie nahm das Hühnchen freundlich auf.
„Wie schön, dass du uns besuchst“, Mama Hase freute sich, sie schnupperte lustig mit dem Näschen.
Dann zeigte sie dem Gast die Ostereiermalstube, in der vier Hasenkinder damit beschäftigt waren, die Eier zu färben. Überall standen Farbtöpfe und Pinsel herum und die Häschen waren auch schon ganz bunt.
„Ich möchte mitmachen“, bat das Hühnchen und rupfte sich eine Feder aus, die es in einen der Farbtöpfe tauchte. Dann malte es feine Muster auf ein schneeweißes Ei.
„Natürlich darfst du mitmachen, schließlich liefert ihr Hühner ja die Eier. Jedes Kind weiß das.“
„Liebe Frau Osterhase, aber dein eigenes Kind weiß es wohl nicht!“
Frau Hase musste nun lachen.
„Ich wollte nur ein bisschen angeben“, erklärte der Hasenjunge.
Dann machten sie sich an die Arbeit und so kam es, dass in diesem Jahr auch ein Hühnchen an der Ostereiermalaktion beteiligt war und es wurden ganz besonders feine Ostereier.

© Regina Meier zu Verl

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Bildquelle geralt/pixabay

Bewerbungsgespräch beim Osterhasen


Hühner auf dem Sofa © Judith Meier zu Verl

Bewerbungsgespräch beim Osterhasen

Drei Hühner sitzen auf einem Sofa. Sie warten. Keines von ihnen sagt ein Wort, ein wenig nervös zucken sie mit den Köpfen nach links, nach rechts, so wie Hühner das tun.
„Wo kommt ihr denn her?“, fragt das weiße Huhn auf der linken Seite. Es beugt sich ein wenig vor, um die beiden Nachbarn besser betrachten zu können.
„Ich wohne hier gleich um die Ecke, auf Müllers Hof“, antwortet das weiße Huhn auf der rechten Sofaseite. Das mittlere Huhn sagt nichts. Es blickt stur geradeaus.
„Aha, von Müllers Hof also. Den kenne ich, ihr sollt dort einen tollen Hahn haben!“
Das rechte Huhn kichert.
„Na ja, er ist hübsch, aber er ist auch ein richtig eingebildeter Gockel!“
Das Huhn in der Mitte schweigt noch immer. Es ist braun und viel schlanker als die beiden Sofanachbarinnen.
„Ich heiße übrigens Emma“, teilt das erste Huhn nun mit.
„Angenehm, ich heiße Frieda!“
„Und du?“, fragt Emma und streicht dem mittleren Huhn freundschaftlich über die Schulter.
„Lass mich in Ruhe, ich bin nervös und möchte nicht plaudern. Schließlich geht es hier um einen Job und ich muss mich auf das Gespräch mit dem Osterhasen vorbereiten“, gackert das braune Huhn arrogant.
„Dann eben nicht!“ Emma ist beleidigt und schweigt. Auch für sie geht es um einen Job. Schließlich hat sie eine Schar von Kindern zu ernähren.
Frieda hüstelt, um auf sich aufmerksam zu machen.
„Meint ihr, dass er nur eine von uns einstellt? Er braucht doch jetzt jede Menge Eier, es ist bald Ostern.“ Frieda hat ebenfalls viele Küken zu versorgen. Sie möchte unbedingt Lieferantin des Osterhasen werden, auch wenn sie ihre Eier am liebsten selbst behalten würde. Aber das geht eben nicht.
Der Osterhase betritt das Zimmer.
„Meine Damen, ich bedanke mich, dass Sie meiner Einladung gefolgt sind. Wie Sie wissen, steht das Osterfest vor der Tür und ich brauche Eier, Eier und nochmals Eier. Wann können Sie mit der Arbeit beginnen?“
Die Hühner gackern aufgeregt durcheinander: „Sofort! Ich bin bereit! Ich kann täglich ein Ei liefern! Meine Eier sind schmackhaft! Manchmal schaffe ich zwei!“
Selbst das braune Huhn stimmt in das aufgeregte Gegacker mit ein: „Ich lege schneeweiße Eier und keinen braunen, wie die meisten denken.“
„Das ist interessant!“, bemerkt der Osterhase. „Ich dachte immer, dass braune Hühner auch braune Eier legen!“
„Das denken viele, es ist aber nicht so. Sie können an unseren Ohrscheiben erkennen, wie die Farbe unserer Eier ist und meine sind eben auch weiß!“, erklärt das Huhn. Dann wendet es sich an seine beiden Mitbewerberinnen.
„Ihr habt das doch auch gedacht, oder?“
„Nee!“, sagt Frieda und Emma stimmt zu. „Ich auch nicht, bin doch kein dummes Huhn!“
Jetzt lachen alle und das braune Huhn lacht am lautesten. Es ist gar nicht so eingebildet, es hatte wohl nur Angst, dass der Osterhase es aufgrund seiner braunen Federn nicht einstellen würde.
„Ich heiße Minna!“, sagt es und lächelt. „Wir werden sicher gut zusammen arbeiten!“
„Gut, meine Damen, dann zeige ich Ihnen jetzt mal Ihr Zimmer, denn die nächsten drei Wochen werden Sie für mich arbeiten. Ich werde Sie gut versorgen, es soll Ihnen an nichts fehlen!“
„Danke!“, rufen die drei und schütteln sich die Hände, ähm Flügel natürlich.

© Regina Meier zu Verl

Ärger in der Osterhasenschule

Ärger in der Osterhasenschule

„Ha, ha, wie siehst du denn aus?“, kicherte das Hasenmädchen Peppi. Sie konnte sich gar nicht wieder beruhigen, so lustig fand sie den Anblick des kleinen Hasenjungen, der neu in der Malschule war.
„Du hast ja Knickohren!“, lästerte sie und mit ihrem Gekicher steckte sie die anderen Hasen an, die alle mit einstimmten.
„Guck mal der, der heißt wohl Knickohr, hihi!“, rief auch Pucki, die sonst immer ausgelacht wurde. Endlich galt das Gelächter einmal nicht ihr und niemand rief „Dickerchen“. Das tat gut.
Die Lehrerin Fräulein Möhrfeld schlug mit dem Zeigestock auf ihr Pult und rief: „Ruhe! Seid sofort ruhig, oder ihr sitzt alle nach heute!“
Nachsitzen wollten die Hasenkinder nicht, auf keinen Fall, also schwiegen sie still und freuten sich auf die Pause, denn dann würden sie ihre Ärgerei wiederaufnehmen. Es machte einfach zu viel Spaß.
Doch zuerst mussten sie Schleifen und Kreise auf ihre Schiefertafeln malen, immer schön ordentlich. Danach durften sie es dann an einem Ei versuchen und wenn das gelang, dann gab es ein hübsches Tauschbildchen für die Sammlung.
„Ab morgen, liebe Schüler, werden wir dann die richtigen Ostereier bemalen. Es sind ja nur noch ein paar Tage bis zum Fest und wir müssen uns sputen, damit wir alle Eier fertigbekommen. Sonst sind die Menschenkinder enttäuscht und das wollen wir doch nicht, nicht wahr?“
Fräulein Möhrfeld zeigte auf eine Palette mit bunt gefärbten Eiern, die noch verziert werden mussten. Das war viel Arbeit, aber die Hasenkinder freuten sich, dass sie in diesem Jahr mitmachen duften. Es war ja eine sehr wichtige Arbeit. Das hatten ihre Eltern ihnen immer wieder erzählt.
Fräulein Möhrfeld ging durch die Reihen und schaute sich die Probeeier der Kinder an. Beim neuen Schüler mit den Knickohren blieb sie stehen.
„Peter, du hast ja noch gar nicht angefangen!“, stellte sie fest. Der kleine Peter hatte weder auf der Schiefertafel geübt, noch hatte er versucht Schleifen und Kreise auf das Ei zu malen. Unglücklich schaute er die Lehrerin an und dicke Tränen kullerten aus seinen Augen.
„Na, na, was ist denn los?“, fragte Fräulein Möhrfeld, doch Peter konnte nicht antworten. Pucki kam ihm zur Hilfe.
„Wir waren so gemein zu ihm!“, sagte sie und weinte gleich ein bisschen mit. „Wir haben ihn wegen seiner Ohren aufgezogen und nun ist er traurig!“
„Die Dicke ist ‚ne Petze!“, rief Pit. „Ne dicke olle Petze!“ Stolz schaute er seine Mitschüler an. Schließlich traute er sich was, ja, er war der Tollste. Das dachte er jedenfalls. Die anderen Hasenkinder sahen das wohl nicht so, sie schämten sich. Am meisten schämte sich Peppi, die als erste einen blöden Spruch gelassen hatte. Wäre sie doch nur still gewesen!
Sie stand auf und ging zu Peters Platz. Dort reichte sie ihm die Pfote. „Es tut mir so leid!“, sagte sie und Pucki und die anderen Hasenkinder schlossen sich ihr an.
Fräulein Möhrfeld musste gar nicht weiter eingreifen und wenn sie sich eben noch über ihre Hasenkinderklasse geärgert hatte, so war sie nun sehr stolz, dass die Kinder das ganz allein wieder geradegebogen hatten.
Selbst der Pit war mit gesenktem Kopf zu Peter gegangen und hatte sich entschuldigt.
„Und du …“, sagte er zu Pucki. „Bist gar nicht dick!“ Er hielt ihr sein Pausenbrot hin und Pucki griff zu. Eigentlich hatte sie ihn ja gern, den Pit.

© Regina Meier zu Verl

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Bildquelle HelgaKa/pixabay

Die Elster und das Osterei

Die Elster und das Osterei

Ein Ei lag auf der Wiese. Ein helles, leuchtendes, rot-blau-gelb geringeltes, und es glänzte hell im Licht der Sonne.
„Nanu?“, sagte Elsa, die Elster. „Ein Schatz! Wie wunderfein er glitzert und gleißt!“
Vorsichtig stuppste sie das wundersame Ding mit dem Schnabel an. Es kullerte ein wenig zur Seite.
Elsa erschrak. „Oh, oh! Es bewegt sich!“
Unbedingt wollte sie das Ei nun mit in ihr Nest nehmen und sie betrachtete es von allen Seiten. Wie aber ließ es sich am besten transportieren? Es war viel zu groß für ihren Schnabel.
„Es muss kleiner werden“, sagte sie und pickte aufgeregt auf das Ei ein.
„Halt!“, rief da eine Stimme vom Gebüsch her. „Halt ein!“
„Ruhe! Es ist mein Schatz, jawohl, mein Schatz ganz allein!“, rief Elsa und pickte weiter.
„Oh bitte! Lass ab von meinem Ei, nein, halt, es ist nicht mein Ei! Ein Osterei ist’s, das ich mit den anderen Eiern in meinem Korb zu den Kindern bringen möchte. Ich habe es nur unterwegs verloren.“ Flehentlich klang die Stimme nun.
Elsa blickte auf. „Wer bist du? Und wo steckst du?“
„Ich bin der Ooo…, ach, das glaubst du mir sowieso nicht, ich bin der O-Oskar!“ Ein Hase hoppelte hinter der Gebüsch hervor.
“Ooo-Oskar? Kenne ich nicht. Und überhaupt: Was willst du mit meinem Schatz, denn ich gerade gefunden habe?“ Ein bisschen ungehalten hüpfte Elsa auf das Hasentier, das sich O-o-oskar nannte, zu.
„Ich sage gar nichts, solange ich deinen Namen nicht kenne!“, rief ihr der Hase zu.
Elsa Elster war verblüfft. „Ich bin die E-E-Elsa und nun schieß los!“
„Oh! Ein Elsa bist du also! Was ist das? Für mich siehst du wie ein Vogel aus. Ein großer Vogel, der dem Osterhasen die Eier klaut. Ein Dieb, der dieses Ei einem Kind wegnehmen will. Traurig wird es sein ohne ein Osterei vom Osterhasen. Wegen einer E.l.s.a!“
Der kleine Hase klang empört nun. „Und damit du es weißt: ich bin der Osterhase, ja, der bin ich!“
Die Elster erinnerte sich, dass sie schon einmal etwas vom Osterhasen gehört hatte.
„So nimm doch dein blödes Ei, du Osterhasen-Oskar, und bring es den Kindern!“, rief sie voller Zorn. „Und bestell ihnen einen schönen Gruß von mir. Sie sollen es gut verstecken, denn ich liebe alles, was glänzt, und wenn ich dieses Glitzerei noch einmal irgendwo sehe, dann …“
Eigentlich wollte der kleine Hase dankbar sein, doch er konnte es nicht sein. Von diesem unfreundlichen Elsa-Vogel wollte er kein Geschenk annehmen.
„Nein, danke“, sagte er höflich. „Dieses Ei ist kein glückliches Ei mehr und es passt nicht in Kinderhände. Ich werde ein neues bemalen.“ Er neigte den Kopf, grüßte. „Und dir wünsche ich noch einen schönen Tag.“
Gerade wollte er davon hoppeln, als ihn das schlechte Gewissen drückte. Was war los mit ihm? So unfreundlich war er doch sonst nie! Aber diese Elsa hatte ihn auch so gereizt.
„Es tut mir leid!“, rief Elsa da im gleichen Moment.
„Mir auch!“, sagte er und wandte sich der Elster wieder zu. „Schau her, ich habe ein kleines Ei für dich, das glitzert auch schön und du kannst es viel besser transportieren!“ Er ließ ein winziges Schokoladenei auf Elsa zurollen.
„Das ist ja nett von dir, lieber Osterhasen-Oskar. Danke schön!“, flötete Elsa. Schnell schnappte sie das Ei und flog davon.
So landetet das helle leuchtende, rot blau geringelte Ei doch wieder in der Kiepe des Osterhasen. Welches Kind das wohl bekommen wird? Achte genau auf dein Osternest, ob es nicht vielleicht bei dir ankommt!

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

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Bildquelle Efraimstochter/pixabay

Eine lustige Hasenjagd

Eine lustige Hasenjagd

„Eins, zwei, drei, und fertig ist das Ei!“, sang Trudi, die kleine Osterhäsin, vergnügt. Sie färbte eifrig Eier für das bevorstehende Osterfest und war sehr beschäftigt.
„Hör doch auf mit diesem albernen Gesang!“, maulte Trotzi, ihr Bruder, dem die gute Laune seiner Schwester gehörig auf die Nerven ging. „Ich habe keine Lust mehr auf diesen Eierkram. Überhaupt: Was habe ich mit Eiern zu tun? Ich bin ein Hase und kein Huhn.“
Er warf den Pinsel in den Eimer und stand auf. „Ich gehe jetzt gleich mal zum Hühnerhof rüber und kläre das mit den Hühnern.“
Oh je! Trudi kannte das schon, jedes Jahr das gleiche Theater. Trotzi war aber auch unbelehrbar. So oft hatte Mama Huhn ihm schon erklärt, was es mit den Osterhasen und den bunten Eiern auf sich hatte, doch er wollte das einfach nicht verstehen. Jetzt würde er bestimmt wieder Streit im Hühnerstall anfangen. Trudi schnaufte schwer. Sie musste das verhindern. Und schnell eilte sie ihrem kleinen Hasenbruder hinterher.
Vom Hühnerstall her hörte sie schon ein aufgeregtes Gackern und Hahn Reginald trompetete viele laute Kikerikis in die Frühlingswelt hinaus.
„Oh!“, murmelte Trudi. „Ich fürchte, ich bin zu spät.“
Doch da sah sie den trotzigen Trotzi auf einmal hinter den Ställen im wilden Hasengalopp über die Weide jagen. Bruno, der Bernhardinerhund, raste hinter ihm her. Er hatte aber keine Chance, den flinken kleinen Hasen zu erwischen und Trotzi wusste das genau. Er schlug Haken um Haken, näherte sich dann wieder dem Hund, um im letzten Moment wieder zu entwischen. Bruno bellte und bellte und Trotzi kicherte.
Ja, Trudi hörte es ganz genau. Dieser freche Lümmel machte sich lustig über den armen Hofhund Bruno, der unentwegt weiter hinter ihm her hechtete. Auch die Hühner waren auf die beiden aufmerksam geworden. Eines nach dem anderen hüpften sie auf den Bretterzaun und begannen auch sie zu kichern und zu lachen. Was für eine Vorstellung!
Als Bruno schließlich aufgab und sich ermattet ins Gras fallen ließ, verlor Trotzi die Freude am Jagen. Er ließ sich noch von den Hühnern ein bisschen feiern und versprach, bald wieder mal vorbeizuschauen. Nun habe er aber keine Zeit mehr, er müsse seiner Schwester helfen, die wunderbaren Eier zu färben, die beim Osterfest in den Nestern liegen sollten.
„Meine Damen!“, sagte er noch. „Sie sind die schönsten Hühner, die ich weit und breit gesehen habe.“
„Schmeichler!“, kicherte Trudi.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

Osterhäsin wartet auf ihren Mann