Vom Einwecken und Aufwecken

Vom Einwecken und Aufwecken

Sie stehen noch in den Regalen,
die großen, kleinen, breiten, schmalen
Gläser, dick mit Staub bedeckt,
früher wurd‘ drin eingeweckt.
Erdbeeren, Himbeer‘n, Pflaumen, mehr,
nicht ein einziges Glas blieb leer.
Apfelkompott und Birnenstückchen,
Marmelade mit einem Schlückchen
Rum hochprozentig haltbar gemachte.
Der verfliegt, sagte Oma lachte,
wenn Mutter vor uns jenes Glas versteckte,
wo doch der Inhalt so köstlich schmeckte.
Brechbohnen für delikate
Eintöpfe oder Salate,
Stachelbeeren unrasiert
haben niemals mich verführt.
Doch an eingekochte Pflaumen
erinnert heut sich noch mein Gaumen.
Manchmal denk ich: sollt ich’s wagen
und in meinen alten Tagen
das Einwecken reaktivieren?
Nein, werd weiterhin einfrieren
und notfalls meinen Gaumen
erfreuen mit geeisten Pflaumen.

Fazit: Kein Aufwecken ohne Einwecken, schade!

© Regina Meier zu Verl

Photo by Mikhail Nilov on Pexels.com

Der Römertopf

Wenn einem etwas im Haushalt so ans Herz gewachsen ist, wie bei mir mein Römertopf, dann sollte ich ihm doch ein Gedicht widmen, oder? Hier ist es:

Der Römertopf

Mein liebstes Küchenutensiel
ich brauch zu meinem Glück nicht viel,
ist seit über vierzig Jahren –
ach, wie jung wir damals waren,
mein schöner großer Römertopf.
Rezepte habe ich im Kopf,
die in diesem Topf bereitet
uns durchs Leben stets begleitet.
Ich möcht mein Exemplar nicht missen,
denn, und das ist gut zu wissen,
in diesem Topf da brennt nichts an
worauf man sich verlassen kann.
Ob Sauerbraten, Schweinenacken,
Filetköpfchen im Teig gebacken,
Eintöpfe nach deinem Gusto
gelingen hierin sowieso.
So vergeht unsre Woche nicht
ohne ein Römertopfgericht!

© Regina Meier zu Verl

Gänsebraten

Gänsebraten

Mutter, Vater, Hund und Kind
beim Weihnachtsschmaus versammelt sind.
Die Gans ist gar bis auf die Knochen,
im Salzwasser die Klöße kochen,
der Rotkohl dampft in seiner Schale,
da sagt das Kind mit einem Male:
Vom Fleisch, da esse ich nichts mehr,
ich bin jetzt Vegetari-er.

Die Mutter stutzt, der Vater lacht:
Wann hast du dir das ausgedacht?
Willst du nie wieder Bratwurst essen,
die Frikadellen ganz vergessen?
Magst du kein Schnitzel mehr vom Grill
und auch kein Lachshäppchen mit Dill?

Das Kind, es schüttelt mit dem Kopfe
und schielt ganz heimlich nach dem Topfe,
aus dem der Gänsebratenduft
erhebt sich in die Küchenluft.
Ganz plötzlich lösen sich die Tränchen,
es ruft: Ich ess doch nicht mein Lenchen!

Ach Kind, du glaubst, dass wir das wollen?
Komm her und hör auf mit dem Schmollen.
Dem Lenchen fehlt nicht eine Feder,
auch wär sie sicher zäh wie Leder.
Sie ist schon alt und bleibt am Leben,
weil wir das Gnadenbrot ihr geben.

Jetzt strahlt das Kind vor lauter Glück
es nimmt vom Braten sich ein Stück
und spricht: Es ist noch nicht lang her,
da war ich Vegetari-er.

© Regina Meier zu Verl

stalltuer
Ob das Lenchen wohl hinter dieser Tür wohnt?